monis rache und die ohnmacht

zu meiner liste an noch abzuarbeitenden nachbetrachtungen der letzten jahre zählt die 2018er-ausgabe von monis rache, unter die ich bis vor zehn tagen noch das fazit „heimlich bessere fusion 2018“ gezogen hätte. nur kam eine reportage dazwischen, die mich erstmals hier zu diesem hier greifen lässt:

triggerwarnung – sexualisierte gewalt, daher bitte nur bei vorhandenem interesse lesen
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ein disclaimer: ich bin weder in den strukturen von monis rache aktiv und ordne mich im politischen spektrum tatsächlich eher bauchlinks ein. dieses posting wird auch keinen informativen mehrwert hinzufügen – vielmehr ist es ausdruck einer über die letzte woche aufgestauten enttäuschung, wie allgemein mit niederträchtigen fällen dieser art und insbesondere im rahmen von monis rache damit umgegangen wird.

in der reportage klingt bereits beim bielefelder fall eine gewisse überforderung seitens der polizei mit dem dortigen fall an. an dieser stelle muss die frage erlaubt sein, ob eine beamtin, die erdrückende beweise von der opferseite förmlich auf dem silbertablett serviert bekommt und lediglich darum bittet, nicht so viele e-mails auf einmal zu schicken, entweder mit einem bein im burn-out steht und daher behandelt werden müsste oder unter akutem empathiemangel leidet oder schlicht und ergreifend arbeitsverweigerung betreibt.

letzteres lässt sich auch stark bei der dezentralen, konsensualen organisation von monis rache vermuten. als momentaufnahme gibt es hier deren zwei statements als screenshot, wie sie auf deren website zu finden sind (stand: 17. januar 2020, 13:28 uhr):



„wenig handlungsfähig“, „bemühen“, „sind dabei, einen umgang mit allem zu erarbeiten“ – das ist alles ganz schön nebulös. andere kollektive, die an monis rache beteiligt waren, bringen mit ihren statements wesentlich mehr licht in die sache. sie offenbaren allerdings auch eine frappierende und fatale ohnmacht seitens der festival-organisation an sich. es sind nunmehr nicht nur die taten von jemandem aus dem engeren organisationskreis, sondern vielmehr deren umgang damit, der einem kleinen, aber feinen festival immensen schaden zuzufügen beginnt. bis vor zwei wochen hätte ich monis rache noch als eines der musterbeispiele für kommuniziertes bewusstsein in puncto aufbrechen patriarchaler strukturen (bspw. ihren wirklich guten erklärungen der „no shirt, no service“-policy, wo sie der fusion mindestens einen schritt voraus waren) bezeichnet. nach der lektüre der folgenden stellungnahmen wird der fragenkatalog jedoch nicht kleiner.
stellungnahmen allesamt mit triggerwarnung, daher bitte gezielt anklicken:
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als sporadisch an plenumsarbeit beteiligter ist mir zwar bewusst, dass konsensuale entscheidungen in puncto line-up und das verfassen von promotexten länger dauern kann. man sieht an diesem fall, dass es auch nicht besser wird, je mehr personen beteiligt sind. aber dennoch:
wie kann es sein, dass eine teilgruppe der festival-organisation – die sog. „erstkontaktgruppe“ (ekg) – so autark agieren konnte, dass der täter im rahmen einer vermeintlichen (und offensichtlich nicht richtig durchgeführten) transformative justice eher gedeckt als wirkliche aufarbeitung betrieben worden ist?
wie kann sich weiterhin eine vollversammlung eines festivals, das gemeint und gefühlt in puncto awareness recht weit vorne agiert(e), angesichts eines (ich überspitze bewusst) super-gaus in bezug auf übergriffigkeit und deren intransparente „aufarbeitung“ einer teilgruppe, auch mehr als eine woche nach allgemeiner bekanntgabe der ereignisse nicht auf eine gemeinsame linie einigen? das mensch meier hat mit dem ausschluss der ekg von geplanten projekten schon mal gezeigt, wie das geht. und auch wenn sippenhaft zurecht verrufen ist: den vertrauensmissbrauch reduziere ich mittlerweile nicht mehr nur auf den täter, der die aufnahmen hergestellt und verbreitet hat, sondern auch auf diese gruppe, die es ein vierteljahr lang geschafft hat, die reste der organisation im unklaren zu lassen (der sehr gute supernovamag-artikel spricht von „täterschutz“). wenn man als kollektiv „handlungsfähig“ bleiben und sogar schlagkräftige stellungnahmen anstelle von selbstmitleid erarbeiten möchte, sollte sich auch getraut werden, harte schnitte zu vollziehen, wenn sie dem ziel von monis rache als safer space entgegenlaufen. und der fall hier ist für mich mehr als eindeutig.

ja, ich gebe zu: es sind eine menge „guter“ ratschläge von außen. sie speisen sich jedoch aus der enttäuschung, dass progressive arbeit in linken kontexten nicht nur durch taten in diesen kontexten, sondern auch durch einen ausbleibenden umgang damit zunichte gemacht wird. zur erinnerung: das politische klima erlaubt es derzeit nicht gerade, dass mensch auf linker seite bei der suche nach handlungsoptionen kopflos im kreis läuft und wichtige entscheidungen sowie stellungnahmen vertagt (ich hoffe doch stark, dass dies lediglich vertagt ist). ihr habt hier einen präzedenzfall für grenzüberschreitungen aus dem inneren kreis heraus. klar schmerzt das, aber wie in zwischenmenschlichen beziehungen auch, besteht immer die möglichkeit, solchen leuten die tür zu weisen und damit stärke zu demonstrieren. das ist nicht schön, wenn man sich als konsensuale organisation versteht, aber manchmal eben doch notwendig.

nochmal im klartext: ich habe sehr gespannt darauf gewartet / gehofft, ob monis nach dem rückschlag für die location anno 2018 in diesem jahr anderswo wieder stattfindet. diese hoffnung liegt momentan auf eis. werdet endlich so konsequent, wie ihr es gegenüber euren cis-männlichen festivalteilnehmern vorgegeben habt.

ich nutze das posting hier, um ein paar links für berliner anlaufstellen (und ggf. weitere artikel) zu hinterlassen. die sind aus den statements herauskopiert für diejenigen, die sie nicht anklicken wollten. sofern sich etwas weiteres ergibt, aktualisiere ich das.

anlaufstellen
lara – fachstelle gegen sexualisierte gewalt an frauen
opferhilfe berlin e.v.

[leipzig / 05.01.2020] institut für zukunft: staub x rillendisco

der ausflug fand 2019 leider nicht statt, aber dafür immerhin zeitnah zu beginn des neuen jahres. damit endet die marathon-woche.

eintritt
10 euro

ablauf
trakt 1
14h00 irakli
16h00 nadine talakovics
18h00 ron albrecht
20h00 caleb esc

trakt 3
14h00 motram
16h00 fr. jpla
18h00 qiu

(nadine und ron eher im b2b und trakt 2 war nicht geöffnet.)

nachbetrachtung
es bot sich eigentlich das gleiche bild wie beim letzten ifz-gastspiel, nur ohne housiges von i.nez zum anfang, stattdessen konnte irakli mit techno recht direkt in die wenigstens halbvollen gehen. konstant ansteigender füllgrad von der ersten minute an, wobei die bar einmal mehr als „filter“ diente, bis die leute auf der tanzfläche landeten. aber da musste man sich ab 15 uhr auch keine gedanken mehr machen, dass es gut wird. die weißen tarnnetze an der decke sind geschmackssache, mein fall sind sie nicht. auch die instagram-fraktion (in einer verschwindend geringen minderheit), die ihre kamera-aufkleber entfernt und in nebel und schummrigem licht alle paar minuten richtung dj-pult filmt, hat punktuell genervt. klar hätte ich da auch intervenieren können bzw. sollen, aber mir ist das mit dem pädagogischen auftrag in clubs momentan zu lästig bzw. das könnte meinerseits kommunikativ zu offensiv werden, so dass schnell etwas im falschen hals landen könnte. und mit denunziantentum habe ich meine probleme. gut zu wissen jedoch, dass das ifz in dem fall konsequent handeln und besucher*innen im falle des erwischt-werdens den vorgezogenen heimweg antreten lässt. können sich die kandidat*innen ja mal zu herzen nehmen.

ansonsten passte wieder alles: logische trennung zwischen der großen techno-bühne im ersten und ambient/experimentiellem im dritten trakt. ausnahmslos alle mit vinyl (was das konzept hinter der rillendisco ist), im direkten vergleich war ron technisch etwas sicherer als nadine, hatte aber auch gerne mal das problem mit dem sich unter der nadel sammelnden (nomen est omen) staub. alles in allem fand ich caleb esc am schlüssigsten, ohne dass ich einen track dringlich wissen wollte. aber das lief alles so harmonisch und dramaturgisch flüssig ineinander, dass es echt schade war, dass er zehn vor zehn einen harten cut machen musste, damit das mit der rückfahrt noch rechtzeitig klappt (an dieser stelle muss die bahn lobend erwähnt werden, nach der man sowohl bei der hin- als auch der rückfahrt die uhr stellen konnte). die zugabe gab es dann von qiu.

trackbeispiele (°: mit shazam identifiziert)

nadine talakovics / ron albrecht:
error etica – octano°
setaoc mass – torque°
steve bicknell – over identified°
laurent garnier & chambray – feelin‘ good (radio slave revenge remix)°
ambivalent – chronos (truncate remix)°
luke slater – love (loved) (letzter track)

fr. jpla:
einiges vom chevel-album auf different circles, dem ich damit noch eine chance geben sollte.
dual action – maraschino cherry

qiu:
wie schon beim letzten gastspiel der staub x rillendisco an ort und stelle: blndr – untitled 1 (cio d’or trilogy remix) von der „zodiac“-compilation auf hypnus

[berlin / 01.-03.01.2020] berghain: silvester klubnacht

und hier ist der übliche pflichttermin. aufgrund der vorherigen verpflichtungen werde ich erst am 2. januar im laufe des tages hinkommen, aber dann ist immer noch genügend rest von allen räumen übrig. verpassen werde ich aber dennoch eine menge.

das berghain hat sich zum jahresausklang übrigens eine neue website gegönnt. sie ist responsiv, was schon mal gut ist, nur das flyerarchiv muss man suchen. dazu das programm aufrufen, alle monate, den jeweiligen monat (mit dem dazugehörigen jahr) auswählen, da lässt sich der flyer finden. etwas weniger intuitiv als zuvor, aber für eine schlankere navigation besser.
neue anziehsachen (plus neuem fanschal) gibt’s seit dem geburtstag. lässt sich jetzt auch alles online bestaunen.

silvester klubnacht

berghain
01.01.2020
01h00 marcel dettmann
04h30 answer code request
08h00 terence fixmer
11h00 phase fatale
14h00 barker
17h00 fiedel
20h00 boris
23h00 dr. rubinstein
02.01.2020
02h00 freddy k
05h00 volvox
08h00 somewhen
11h00 norman nodge
14h00 efdemin
17h00 kobosil
20h00 len faki
23h00 luke slater
03.01.2020
02h00 etapp kyle

panorama bar
01.01.2020
01h00 tama sumo b2b lakuti
04h00 nitam
08h00 francois x
11h00 steffi
15h00 muallem
19h00 nd_baumecker
23h00 roi perez
02.01.2020
03h00 jennifer cardini
07h00 ryan elliott
11h00 nick höppner
15h00 virginia
19h00 gerd janson
23h00 avalon emerson
03.01.2020
03h00 massimiliano pagliara

elektroakustischer salon
01.01.2020
12h00 jenus
16h00 alessandro adriani live
20h00 chris ssg
02.01.2020
00h00 i:cube live
01h00 deadbeat
05h00 rødhåd
09h00 valentino mora
13h00 rabih beaini
17h00 mxwhd
21h00 pom pom

lab.oratory
01.01.2020
05h00 cormac
09h00 skatebård
13h00 chris cruse
17h00 soundstream
21h00 oracy
02.01.2020
01h00 i-f
05h00 midland
09h00 paramida
13h00 nemo b2b castro

eintritt
38 euro

[berlin / 31.12.2019-02.01.2020] griessmühle: zweitausendzwanzig

wer sich gerade die augen reibt, weil nicht der übliche termin hier steht: kommt noch. ich wurde aber als künstlerbetreuer hierfür gefragt, daher wird der termin dazwischengeschoben. werde nicht die ganze zeit dort sein, aber zu neujahr tagsüber bis abends.

r_1
01.01.2020
01h00 xiorro
04h00 subjected
07h00 tham
10h00 under black helmet
13h00 uvb
16h00 acierate
19h00 and
22h00 anetha
02.01.2020
01h00 vii circle
04h00 inhalt der nacht

r_2
31.12.2019
22h00 kaletta
01.01.2020
01h00 franklin de costa
04h00 anastasia kristensen
07h00 hodge
10h00 lokier
13h00 vivian koch
16h00 prantel
19h00 huerco s
22h00 acemo
02.01.2020
01h00 djrum
04h00 violet
07h00 esposito & michael nadje

garten
01.01.2020
10h00 franz scala
13h00 beppe loda
16h00 daniel wang
19h00 ivan smagghe

eintritt
40 euro

nachbetrachtung / schichtbericht
alles in allem instinktiv die richtige schicht herausgesucht, was dankenswerterweise möglich war. wollte neujahr einigermaßen fit sein, und hab daher tagsüber bis abends übernommen. dank schönem neujahrswetter entspannte sich die gesamtsituation im club ab dem vormittag, so dass es kein problem war, durch die menge zu gehen (an meiner technik, fünf shots gleichzeitig zu tragen, ohne dabei etwas zu verschütten, muss ich dennoch arbeiten). das änderte sich abends ab 20 uhr merklich, als leute entweder wieder oder frisch kamen und vor allem, nachdem der hauptraum von der halle auf den eigentlichen hauptfloor verlagert wurde. hinter dem sonstigen r_1 befindet sich noch eine fläche, auf die das prädikat „warehouse rave“ definitiv zutrifft – die ist gut und gerne sechs mal so groß und war auch dem andrang vom 31. auf den 1. besser gewachsen. schade nur, dass sich quasi alles an lichteffekten auf die bühne konzentrierte.
mein zuständigkeitsbereich fiel auf silo und garten, womit ich auch nicht so unglücklich war. jedes mal, wenn ich durch die halle ging, war mir das musikalisch einfach zu stumpf. erst mit anetha bekam das einen schönen groove, aber ihr set war das erste auf dem eigentlichen hauptfloor und es zu dem zeitpunkt schon zu voll, als dass ich nach meiner schicht noch spaß hätte haben können. bin daher auch vor mitternacht wieder los, weil ich für das vergnügen am nächsten tag noch ausgeschlafen sein wollte.

ansonsten gibt’s musikalisch und menschlich nichts zu bemängeln:
meine schwierigkeiten mit ebm sind bekannt, dafür kann lokier also nichts. sie kam eine gute halbe stunde vor ende ihres sets aus dem konzept, als sich jemand beim pult rüberbeugte, um nach einem track zu fragen und dabei wohl die kabel vom cdj herausriss. das bedeutete ein, zwei minuten ruhe und ich kam erst von meiner runde herein, als schon eine weile stille herrschte. die leute gingen also, wahrscheinlich in der annahme, dass der floor schließt. es kam wieder musik, bevor ich am pult war, aber da war am xone bspw. schon ein kanal auf phono geschaltet, obwohl er auf line hätte stehen sollen, und auf ihre verzweiflung hin, dass sie auf dem einen (nicht selekierten) kanal nicht vorhören kann, konnte ich nur ein „well, press the correct cue-button“ entgegnen. den rest brachte sie dann aber wie das vorherige set gut über die bühne. sowas passiert halt, und der routinierte umgang damit kommt auch erst, wenn man sowas durchgestanden hat.
franz scala musste etwas länger spielen, da der flug von beppe loda verspätung hatte. aber da er ihn eh gebucht hatte und daher mit ihm in kontakt stand, gab es da auch keine probleme. schöne italo-einstimmung, musste lediglich den nachschub an rum-cola sicherstellen. und beppe fing nur mit einer halben stunde verspätung an, was auch noch im rahmen war. er benötigte nur hilfe, weil ein übereuphorisierter gast ihn wohl einige male während seines sets belagert hatte, was aus meiner sicht verständlich ist, wenn man nur seinen job machen möchte. besagter gast bekam von mir eine ansage, nachdem er eine junge dame ohne konsens recht offensiv berührte (und sie dies durch körpersprache und signale klar ablehnte). intervention seitens der tür war nicht notwendig. ich denke, dass italo-kenner (der ich nie sein werde) beppe durchaus als koryphäe sehen. jedenfalls kannte ich absolut nichts aus dem set, es funktionierte jedoch sehr gut.
vivian koch ist für mich die entdeckung des nachmittags. wenig gerade kickdrums, eher uk- und electro-lastig. das silo leerte sich in der zeit, was aber auch damit zusammenhing, dass die leute eh im wintergarten verweilten oder sich doch mal ausschlafen oder das gute wetter genießen wollten. zugegeben: ich hab da sehr gerne herumgesessen und ihr zugehört.
prantel mit drei technics, grundsolider techno-ausbildung (muss ungefähr ende der 1990er angefangen haben, platten zu kaufen) mit booty und jungle/drum&bass zum schluss. da gab’s meinerseits außer den fünf shots nichts zu tun, da er die antidote in der griessmühle mitveranstaltet und daher alles insbesondere vor und nach seinem set selbst geregelt hat.
daniel wang ist tatsächlich so wie in seinem jetzt schon legendären b-sides-video (woraus laut einem kommentar von denen, die es wissen sollten, eine reihe entsteht, auf die ich mich jetzt schon freue). da musste nur für einen zweiten technics gesorgt werden, der eine halbe stunde vor beginn seines sets noch nicht montiert war. der techniker wusste aber bescheid, so dass das schnell geregelt war. gelernt: auch (vermeintlich) routinierte connaisseure sind vor ihren sets hibbelig. abgesehen davon eine schöne klare ansage: „ich hab zwei wasser und brauche sonst nichts.“ hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, sporadisch kurz während des sets zu checken, aber eher durch körpersprache. der mann war so in seinem element und spielte dermaßen mit dem publikum, dass jede störung komplett ungeschickt gewesen wäre. rhythmische ergänzungen mit kuhglocken, umstöpseln der kopfhörer auf den mikrofon-eingang, um entweder mitzusingen oder ein votum zu starten, ob er etwas von madonna („die alte hexe“) spielen soll (es wurde „lucky star“). passte harmonisch nicht immer ineinander, aber sowas wird für mich sekundär, wenn jemand so einen spaß daran hat, musik zu präsentieren, die überdies auch nicht so leicht wie techhouse ineinanderzumixen ist.
weiterer pluspunkt: spaß haben an der musik anderer, in dem fall sich bei ivan smagghe unter das publikum mischen. auch er sehr proaktiv, wir trafen uns auf halber strecke zwischen estrel und club weit vor beginn seines sets. so konnte er daniel zuhören und sich schon etwas an den ort gewöhnen. stilistisch sehr melodischer (tech)house, bei dem zwar keine kandidaten für meine sammlung dabei waren, aber macht nichts: es war sehr stimmig und für meine begriffe genau das richtige für den letzten slot an diesem abend.
huerco s: lebt seit mitte 2019 in berlin und nicht in nyc, wie ich annahm. er kam also auch einfach herübergelaufen, war überpünktlich und darüber hinaus stilistisch so eklektisch wie vivian ein paar stunden zuvor. sogar noch mit größeren variationen im tempo. auch damit alles andere als auf der sicheren seite, was die publikumsresonanz angeht, aber für meine begriffe sehr geschmackssicher.
acemo war die größte „herausforderung“, wonach ich huerco schon fragte, ob er ggf. eine viertelstunde länger spielen könne. da war nicht eindeutig geklärt, wie er vom zwischenstopp nach dem flughafen zum club kommt. ein, zwei telefonate mit den booking-verantwortlichen später die einfache entscheidung, dass er sich ein taxi ruft und die quittung aufhebt. eine viertelstunde vor set-beginn begegneten wir uns an fast der gleichen stelle wie mit ivan zuvor und er konnte rechtzeitig mit einem feinen abriss dank new yorker house und techno („forklift“ von joey beltram bspw.) starten. zu der zeit war es im club sowie davor voll genug, dass geradliniges beim publikum auch am besten funktionierte und ich wie erwähnt froh, dass meine ablösung bereits dort war, so dass ich die schicht langsam ausklingen lassen konnte.

notierte tracks (°: shazam)
franz scala:
the flirts – miss you°

vivian koch:
vort – rainfall°
stenny – curve k°
zeta reticula – z.e.t.a.°
dj tennis – angry (wenn ich das richtig verstanden habe. soll noch auf life and death veröffentlicht werden.)
lmajor – the future (von „we are family vol. 4“ auf wncl, die man eh auf dem schirm haben sollte)
sbtrkt – wildfire (objekt dub mix)
ozone layer – planetary deterioriation (anthony rother 1999 remix)

prantel:
steve poindexter – work that mutha fucker
joey beltram – the start it up & arena
dave clarke – southside
ben sims – manipulated (adam beyer remix)
andrew mclauchlan – love story
drexciya – digital tsunami
dillinja – the angels fell (letzter track)

daniel wang:
alexander robotnick – dance boy dance (2003 remix)°
madonna – lucky star
alisha – baby talk°
ronnie jones – video games°

huerco s:
peverelist — gather (in einem eigenen edit, bei dem es eher unwahrscheinlich ist, dass der veröffentlicht wird)
konduku – gegek
mmm – mmm meets tshetsha boys
anthony shakir – my computer is an optimist

[berlin / 28.12.2019] about blank: staub

auftakt einer marathon-woche, die (so viel sei verraten) mit der letzten staub des jahres in der heimstätte beginnt und mit dem ersten staub-auswärtsspiel des neuen jahrzehnts endet.

ablauf
lobby
10h00 głós live
12h00 nostitz
15h30 mu“he
19h00 stype

mdf
13h00 sitsope
15h00 caleb esc
18h30 adrestia
20h30 polanski

zelt
14h00 carsten jost
16h00 i.nez
19h00 stolz & trauzettel

nachbetrachtung
war in mehrerer hinsicht schwierig. erstens wegen meiner beteiligung und der damit fehlenden objektivität, und zweitens auch wegen des verlaufs. im vergleich zu den monaten zuvor gab’s (zumindest in der zeit von 15:30 uhr bis zum schluss) weniger besucher*innen, was trotzdem einen meistens angenehmen füllgrad bedeutete.
über die gründe ist es müßig zu spekulieren: entweder schonten sich die leute für silvester oder berliner kamen erst noch von den weihnachtsfeiertagen zurück, waren weihnachten bereits ausgegangen oder sind vor silvester geflüchtet. touristen waren noch nicht in der stadt und haben die staub nicht so auf dem schirm. wie auch immer: es gab eine schön hohe quote an stammgästen.

bis gegen 18 uhr kamen auch noch ein paar leute mehr, was sich auch im zelt bemerkbar machte. der mdf funktionierte zuverlässig wie eh und je, wobei ich dort vielleicht insgesamt fünf minuten war. die lobby hatte es hingegen den ganzen tag / abend über schwer. da hat mich die erste hälfte von mu“he wesentlich mehr überzeugt als die zweite, weil die aus schönen uk-lastigen dingen wie „kobra“ von facta oder „how do u turn this on“ von simo cell bestand. zuweilen komplexe rhythmen also, damit dem publikum schwierig zu vermitteln. in den 30-40 minuten vor schluss war sie bei acid und trance mit ordentlich distortion auf den kickdrums und 144 bpm angekommen, was auch auf dem mdf funktioniert hätte. bin vielleicht zu altmodisch, dass ich mit dieser neueren schule weniger anfangen kann, aber das fand publikumsseitig wiederum mehr resonanz.
machte die entscheidung für meinen einstieg nicht einfacher, aber da ich das mit den ecken und kanten auch gerne mal mit der brechstange probiere, wurde es der lackmustest mit dem von planet mu bekannten „u can’t touch this“-bootleg von mike paradinas.

die drei stunden danach waren dann von mehreren erkenntnissen und vor allem stimmungswechseln geprägt:
1. ich kann mir sonstwie viele gedanken um setabfolge machen: das alles ist am ende hinfällig, wenn es darum geht, auf das publikum reagieren zu müssen. in warm-ups fällt mir sowas leichter, weil das publikum idealerweise selbst unaufgeregt in den abend starten will, daher sets und der eigenen stimmung gerne mehr zeit zur entwicklung lässt und selbst bei verhaltenen tracks auf dem floor vorbeischaut. bei schluss-sets ist es nach wie vor umgekehrt: leute möchten gehen und brauchen zuweilen einen absprung, wohingegen djs das ende der party möglichst herauszögern möchten. und ja, das ist eine tatsache, mit der ich mich mangels routine bei schluss-sets noch nicht arrangiert habe. damit zu…
2. es lief wegen punkt 1 eher auf ein improvisieren mit vorhandenem material hinaus. aber kaum hatte ich mich nach dem doch recht zufriedenstellenden ersten drittel im laufe der zweiten stunde aus der komfortzone herausgewagt, war die lobby zwischendrin leer und ich damit in der verzweifelten lage, das ganze irgendwie retten zu wollen, ohne auf dem schirm zu haben, dass der gesamtverlauf die bedingungen für jede*n hinter den decks erschwert hat. es überwog zu dem zeitpunkt also leider der gedanke, es vermasselt zu haben und die letzten anderthalb stunden noch irgendwie anständig über die bühne kriegen zu wollen. zwar hat sich das vertrauen in die eigenen fähigkeiten am ende wieder ausgezahlt, aber bis ich an dem punkt war, kam erstmal #3 dazwischen.
3. jeder abend ist unberechenbar, und das gilt für die staub erst recht. klar konnte ich mich auf chicago-sachen verlassen, aber dass eine nummer wie „love inna basement“ von dj bogdan dazu beiträgt, den floor zu füllen und recht trockene electro-tracks danach die leute nicht verschrecken, hat mich positiv überrascht und schlussendlich auch mit dem setverlauf versöhnt. es kam auch zupass, dass das zelt geschlossen hatte und das publikum nochmal auf der lobby vorbeischaute. zu der zeit war das musikalisch wohl einladend genug, dass auch viele blieben. es gab auch ausgiebigen applaus am ende, den ich schon vor ort sowas wie zufrieden annehmen konnte, nach der qualitätskontrolle beim set aber auch sogar gerechtfertigt fand. findet sich daher hier zum nachhören, und ich glaube, dass meine stimmungskurve ganz gut nachzuvollziehen ist. nichtsdestotrotz ist es eine bearbeitete version. manche tracks wurden geloopt oder der einsatz verschoben, damit es besser passt. ein track war im mix so weit hinten, dass er nicht weiter auffiel und ist daher raus.

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tracklist
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[berlin / 14.12.2019] berghain: klubnacht – fünfzehn jahre berghain

nach der bewegungsfreiheit noch zum gratulieren vorbeigehen. damit hat der laden nun auch nominell den tresor in der leipziger straße überholt, dem ein 15-jähriges nicht mehr vergönnt war.

klubnacht – fünfzehn jahre berghain

berghain
00h00 aurora halal
04h00 neon chambers live
05h00 pete b2b surgeon
09h00 marcel dettmann
13h00 vincent neumann
16h00 efdemin
20h00 cj bolland
23h00 speedy j
03h00 norman nodge

panorama bar
00h00 nick höppner
04h00 soundstream live
05h00 fort romeau
09h00 boris
13h00 dinky b2b matthew styles
17h00 tama sumo
21h00 steffi
01h00 nd_baumecker

halle
11h00 debbie chia
14h00 tobias. live
15h30 low jack
17h30 grand river live
18h30 caterina barbieri live
19h30 alekzandra
21h30 fiedel

eintritt
20 euro
5 euro wiedereintritt

[berlin / 14.12.2019] about blank: bewegungsfreiheit #17

die vierte und damit letzte ausgabe im jubiläumsjahr. gelohnt hat sich jede davon, wobei die schlagzahl gerade beim kurzen abstand zwischen den letzten beiden schon sportlich war. bei dem zweiten heimspiel haben wir tatkräftige unterstützung von mother’s finest, die das booking für die lobby komplett übernommen haben. sieht dann so aus:

mdf
01h00 decka
03h00 alexander kowalski
05h30 juho kusti
08h00 lily ackerman

lobby
23h00 don’t dj b2b ossia
02h00 dresvn
04h00 miriam schulte b2b franklin de costa
06h00 karima f

zelt
20h00 podiumsdiskussion: wir tschader – darum sind wir hier. zwischen heimweh und kampf ums bleiberecht!
23h00 eli pavel
02h00 dj nomad
05h00 frotteedämmerung
08h00 whø?
10h00 sylvie marks

eintritt
bis 23 uhr: spende
23 bis 7 uhr: 14 euro
ab 7 uhr: 10 euro

r.i.p. marie fredriksson

roxette gehören in meiner musiksozialisation klar in die phase der schon etwa ein, zwei jahre andauernden sturm-und-drang-zeit mit mtv. an „the look“ kam man damals aufgrund der heavy rotation nicht vorbei – komischerweise nervte das auch nie. das dazugehörige album („look sharp!“) bot dann wenigstens noch drei weitere hits, die heute noch bei den radiosendern mit der zielgruppe ab 30 jahren im blick gespielt werden („listen to your heart“ beispielsweise).
den erfolg wiederholten sie mit „joyride“ nicht nur, sondern übertrafen ihn. marie und per wirkten dabei stets auf augenhöhe. also nicht die klassische rollenverteilung bei den geschlechtern, dass er derjenige ist, der die hits aus dem ärmel schüttelt, während sie als frontfrau die rolle der performerin ausfüllen soll. eher war sie es, die den stücken ihre note aufdrückte und (mit dem rückblick auf fast 30 jahre) einen deutlichen anteil daran hatte, dass ihre musik generationenübergreifend immer noch relevant ist. klar, auch irgendwie ein relikt der ausgehenden 1980er-jahre, in denen so viel im umbruch war. aber trotzdem eingängig, zuweilen kitschig, ohne dabei peinlich zu werden. für mich also gutes songwriting.

bei ihr wurde anno 2002 ein hirntumor diagnostiziert, an dem sie nun mit 61 verstorben ist.

r.i.p.

[berlin / 23.11.2019] about blank: staub

aller guten dinge sind drei (staub-ausgaben in einem monat in diesem fall).

ablauf

lobby
10h00 i.nez & modschi
14h00 sabine hoffmann
18h00 resom

mdf
14h00 samo rane
17h30 nastia reigel
19h30 alex tomb

zelt
14h00 kovvalsky
17h00 discoish.it & irakli

nachbetrachtung
hab’s (wie immer) vor dem nachmittag nicht geschafft, fühlte mich aber insgesamt besser aufgehoben / aufgefangen als bei der oktober-ausgabe, weil’s musikalisch von floor zu floor diverser war. dazu gehörten die sportlichen 148 bpm am ende bei samo rane sowie der electro-fokus bei sabine hoffmann.
bei ihr dank shazam identifiziert:
privacy – apex predator
missing beats feat. rui da silva – medication time
dj bwin – afterlife

im zelt bei discoish.it und irakli habe ich wiederum gelernt, dass skream sehr italo-kompatibel produzieren kann, nachdem mir ein großteil seiner tracks nach 2010 einfach nichts mehr gibt (in diesem fall war’s „song for olivia“). und ein hit wie „timbuktu (pan-african electro dub)“ von ferrer & sydenham geht im zelt sowieso.

bei nastia reigel bekam ich nur die letzten (sehr ordentlichen) zehn minuten mit, alex tomb war mir danach etwas zu dröge. dafür spielte resom in der lobby ein schönes techno-lastiges set, bei dem ich „daisy wright“ von yaleesa hall als track für die wunschliste kennenlernte und detroit mit „shut the lites off“ von dj bone und „mutant theory“ von den herren hood und mills auch zum zuge kam.