einkäufe vom 11. februar 2020

reanimation einer kategorie, die seit sechseinhalb jahren brach liegt. wird längst nicht so ausführlich wie seinerzeit, mir ist aber irgendwie danach. beide aus dem hardwax, wo ich mittlerweile eher bei ausschließlich auf vinyl erhältlichen oder bei limitierten auflagen (so wie bei den beiden) vorbeischaue.

di’jital
efx creed ep
[tro tro-2]

so ganz weg war er seit direct beat / aux 88 zwar nicht, aber wie es bei mir nun mal gerne so ist, verlagert sich die aufmerksamkeit. electro ist mir als genre auch dann am liebsten, wenn es weniger die science-fiction-visionen bedienen möchte (da ist convextion / e.r.p. für mich jemand unter wenigen, der die unendlichen weiten zuverlässig greifbar erscheinen lässt. bei anderen driftet es gerne mal ins beliebige.). stattdessen lieber schnörkellos, gerne auch mit distortion.
diese ep fällt in die erste kategorie. variationen des gleichen themas in den ersten drei tracks, wobei die a1 gleich das beste tool abgibt und die b2 ihr dicht folgt. wer seine alten sachen kennt oder die weniger düsteren, eher funkigen ectomorph-sachen zu schätzen weiß, sollte hiermit glücklich werden.
(hardwax-soundbeispiele)

515 connection
call & response
[tdsr 515-001]

schippert im fahrwasser von grime, post-dubstep, uk-bass oder wie auch immer das gerade genannt wird.
die a-seite mit dem titeltrack trocken, passt in über den tellerrand hinausschauenden techno-sets wunderbar als lockerungsübung zwischen zwei geradlinige tracks und in dubstep-sets mit gleichem ansatz sowieso.
auf der b-seite sind so ein paar rave-signale versammelt, ohne dass der track komplett abhebt. muss aber auch nicht sein – ist eine schöne brücke in richtung abfahrt oder von ihr zurück.
(hardwax-soundbeispiele)

fiedel im interview mit monument

ich hatte erst sowas wie „monumentales fiedel-interview“ als überschrift im kopf. wäre aber zu dick aufgetragen und in puncto „wortspiele“ auch noch luft nach oben. weit.

er hat sich im letzten jahr für mich tatsächlich an marcel dettmann als vize-lieblings-resident vorbeigeschoben. das lag (neben seinen sets an sich) aber auch an der schlichten tatsache, dass er einfach häufiger auf meinen für den jeweiligen monat ausgewählten line-ups stand und dann auch noch zu humanen zeiten spielte. sein engagement bei der wax treatment (auch viel zu selten besucht) tat sein übriges.

nun also im gespräch mit monument – u.a. über super sound tool als sein neues label (bislang nur für vinylkäufer*innen), die musikindustrie im allgemeinen, wie er das berghain darin verortet und den aktuellen status rund um mmm.

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„ich mag straff führerzentrierte organisationen ohne flügel und werteunionen“ – martin sonneborn im interview mit telepolis

gerade noch die hufeisentheorie als das benannt, was sie ist (untauglich) und schon wird nachgelegt: mit einem interview, bei dem der fragende glücklicherweise den humor mitbringt, damit parteiübergreifend und unabhängig von politischen ausrichtungen (habe ich erwähnt, dass dieses links-rechts-schema sich eigentlich überholt haben sollte?) pointiert ausgeteilt werden kann. von anfang bis ende ein genuss – und ja, das hufeisen-video ist auch verlinkt.

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[berlin / 22.02.2020] diskothek melancholie 2: varvet 012

die reihe fand vorher im suicide club statt, den ich nach wie vor nur im vorbeigehen sehe. hab mir daher nicht deren (doch ganz schön guten) line-ups angesehen. sie ziehen zwar in einen kleineren, aber dafür charmanteren ort um. und natürlich gibt’s noch mehr grund zur freude, cora seit mehr als einem jahrzehnt wieder auf einem line-up in hiesigen gefilden zu sehen.

ablauf
00h00 cynthia stern
01h30 dave tarrida
03h30 cora s.
05h00 sdx
06h30 briain
xxhyy varvet residents

eintritt
10 euro

r.i.p. andrew weatherall

es geht gerade durch die presse. der mann, der von der insel aus maßgeblichen einfluss auf club- bzw. dance-musik nahm (two lone swordsmen, sabres of paradise), ist heute früh verstorben. lungenembolie, mit 56 jahren. einer derjenigen, die immerhin ein großes oeuvre hinterlassen, das auch nachträglich noch erschlossen werden kann (das als notiz an mich), aber ich bin mir sicher, dass auch er hätte noch mehr bewegen können.

r.i.p.

[berlin / 15.02.2020] berghain: klubnacht

endlich wieder ein ilian tape-showcase, wo ich die trackerkennung als fanboy als hintergrundtask laufen lassen kann. möchte die gelegenheit aber auch nutzen, auf das label-portrait in der taz hinzuweisen, das bereits anfang januar erschienen ist und hier am besten passt.

berghain
00h00 stenny
04h00 andrea live
05h00 zenker brothers
09h00 skee mask
12h00 overmono
15h00 martyn
19h00 pariah
22h00 steffi
02h00 barker

panorama bar
00h00 virginia
04h00 titia
08h00 oracy
12h00 margaret dygas
16h00 l.b. dub corp
19h00 gonno
22h00 nick höppner
02h00 the carry nation

säule
20h00 tobias. live

eintritt
18 euro
5 euro bei wiedereintritt

residentadvisor – artikel-digest 2020/01

wer es noch nicht bemerkt hat: ich räume gerade ein bisschen hier auf. dazu zählt auch, postings zu artikeln abzusetzen, die ich vor längerem schon posten wollte. und da haben sich einige reiter in den browsern meiner wahl angesammelt, deren inhalte tatsächlich schon fast fünf jahre zurückreichen. es wird also mal zeit, die irgendwie zu konservieren. daher also gesammelt anstelle als einzelposting. anlass dazu ist das gestern erschienene „the art of djing“-feature zu lena willikens.

the art of djing
lena willikens (11.02.2020)
craig richards (26.11.2019) – mit einem der sätze für die ewigkeit: „The concept of giving everyone what they want is something that I can’t support.“
dr. rubinstein (21.05.2019)
avalon emerson (06.02.2019)
objekt (09.09.2016)

dann noch zu rephlex:
label of the month: rephlex (20.08.2019)
aphex twin on the rephlex years (20.08.2019)

und wo ich schon bei rephlex bin, sind die beiden nicht allzu weit:
autechre: elseq et al (08.06.2016)

ein thema aus ihren news, das mir sehr am herzen liegt:
73 percent of independent musicians say they struggle with mental health (09.05.2019) – der zugrundeliegende bericht lässt sich direkt von dort abrufen.

zur stetig wachsenden blase um top-djs und den damit verbundenen konsequenzen für booker, promoter und clubs:
the promoter’s dilemma (10.03.2017)

und ein schon etwas älterer runder tisch dreier tontechniker aus japan:
sound engineering for dancefloors (04.02.2015)

monis rache nimmt stellung

und wieder einmal werde ich von der realität eingeholt: vorgestern noch im vorherigen posting schön seitenhiebe verteilen, und auf einmal passiert das, womit ich so schnell nicht gerechnet habe. meine beileibe nicht alles abdeckende wertung folgt gleich. die stellungnahme an sich werde ich hier nicht reinkopieren: erstens sprengt deren ausführlichkeit den rahmen, zweitens ist diese nur ausgangspunkt für die aufarbeitung und soll daher drittens fortlaufend ergänzt bzw. aktualisiert werden, weshalb viertens die monis rache-website der beste anlaufpunkt ist. ich belasse es beim wortlaut des newsletters, den ich ohne triggerwarnung einfüge.

Dieser Newsletter dient dem Zweck auf Straftaten bei Monis Rache im Jahr 2016 und 2018 und auf unser ausführliches Statement dazu hinzuweisen, welches sich nun auf unserer Homepage www.monisrache.wtf befindet. Dieses Statement wurde erstellt, um sich bei den Betroffenen zu entschuldigen, für sie wichtigen Informationen transparent zu machen und unterschiedliche Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen. Es behandelt die auf Monis Rache stattgefundenen Taten sexualisierter Gewalt, den Prozess der Aufarbeitung und warum Monis Rache so lange bis zu einer angemessenen Stellungnahme brauchte. Auch dafür möchten wir uns entschuldigen!
Von den Straftaten ist eine unbestimmt große Anzahl von Menschen betroffen, möglicherweise ohne darüber Bescheid zu wissen. Auch du könntest betroffen sein. Sollten nach dem Lesen noch Fragen offen geblieben sein, oder du möchtest Anmerkungen machen, kannst du uns per Mail oder direkter Facebook-Nachricht erreichen.
Das Statement enthält eine Kurzfassung und thematisch gegliederte ausführliche Informationen. Alle Textinhalte öffnen sich erst nach einem Klick auf die jeweilige Überschrift. Auf diese Weise versuchen wir zu gewährleisten, dass du sowie andere (potentiell) Betroffene selbst entscheiden können, welche Informationen ihr lesen möchtet.
Wir verurteilen diese Gewalttaten sehr. Wir wollen dies jedoch nach dem ersten Schock auch als Chance und Anstoß nutzen, die Überwindung sexualisierter Gewalt voranzutreiben, und zu einer gesamtgesellschaftlichen Thematisierung beitragen.

(newsletter von newsletter@monisrache.wtf vom 06.02.2020)

da ich in puncto differenzierung noch eine weite strecke vor mir habe, gibt’s die wertung im stark vereinfachenden -/+-schema, angefangen mit den kritikpunkten:

– kritik am staat (in punkt 9: „umgang mit dem täter“) darf gerne geäußert werden. betroffene können sie jedoch in der aktuellen formulierung, die das konzept der transformative justice über den umgang staatlicher institutionen mit anzeigen stellt, in den falschen hals bekommen. zwar wird nicht an selbstkritik gespart, dass das konzept von der erstkontaktgruppe (ekg) von vorne bis hinten falsch angewendet worden ist. aber würde ich den punkt als betroffene*r isoliert lesen, bliebe dies trotz explizitem hinweis auf einen selbstdefinierten umgang mit der situation schon als etwas bevormundend hängen.
– das eingeständnis des eigenen unvermögens in weiten teilen des textes ist für mich glaubhaft und hätte genutzt werden sollen, sich noch stärker um vernetzung oder gar hilfe zu bemühen. als beispiel wieder aus kapitel 9: „Die EKG als Teil der Monis Rache Crew hat Täterarbeit geleistet, die die Interessen der Betroffenen nicht einbezogen hat. Daher steht es für viele außer Frage, dass eine Verantwortungsübernahme des Täters nur unabhängig von der Monis Rache Crew geschehen kann. Wir können uns vorstellen ggf. externe Gruppen bei der Arbeit zu unterstützen. Wenn sich professionelle Stellen des Themas annehmen wollen, freuen wir uns über Rückmeldungen.“ – warum nur „vorstellen“, wenn ihr mit der internen aufarbeitung beschäftigt seid und teile der betroffenen euch u.a. aufgrund der langen wartezeit und dem ungeklärten weiteren umgang mit der ekg eine weitere täterarbeit nicht zutraut? die glaubhafte selbstkritik hätte sich dazu nutzen lassen, klarer zu formulieren, dass externe, gar professionelle gruppierungen bei der richtigen umsetzung des konzepts helfen sollen. ein satz wie „Wir werden externe sowie professionelle Gruppen für diese Arbeit hinzuziehen und freuen uns über Rückmeldungen unter (E-Mail-Adresse einfügen).“ tut niemandem weh und untergräbt auch nicht die autorität (die in den letzten vier wochen etwas gelitten hat).

+ wurde ja auch mal zeit! und dann ausführlicher als ich es gedacht hätte. beinahe schon erschlagend in den details, so dass mensch geneigt sein kann, dass sie kritiker*innen mit einer möglichst detaillierten darstellung den wind aus den segeln nehmen wollen. da mag etwas dran sein und auch wenn das gegenüber der arbeit, die offensichtlich in diese stellungnahme eingeflossen ist, leicht vermessen sein könnte: sie ist ein erster (und für mich gar nicht mal so unerheblicher) schritt in die richtige richtung.
+ die absage des festivals für 2020 ist nur konsequent. klar lässt sich jetzt auch mit „reines kalkül!“ argumentieren, da mensch nach bekanntwerden der vorfälle und der sich daran anschließenden suboptimalen kommunikationspolitik eins und eins zusammenzählen konnte, was für auswirkungen das auf den vorverkauf haben wird. autonome strukturen hin oder her, aber rechnen muss sich das ganze am ende irgendwie doch. wohlwollend nehmen sie für mich jedoch den schwereren und für mich sympathischeren weg als den, das festival auf biegen und brechen über die bühne zu bekommen.
+ auch wenn mensch es als kritikpunkt auslegen kann, da es den fokus von den vorfällen auf monis rache ablenkt: sie machen einen sehr guten punkt, indem sie diese form von sexismus nicht nur auf ihr festival beschränken. wie mensch seit anfang der woche weiß, ist das auch anderweitig ein problem und ungewiss, welche festivals außerhalb der linken techno-blase noch davon betroffen sind. es ist für mich ein richtiger hinweis, sexismus als gesamtgesellschaftliches problem zu sehen, zu dessen eindämmung awareness sowie die interne aufarbeitung bei moni nur teile beitragen.
+ reine formsache: der ausschluss des täters und der ekg war das, was ich mir als konsequentes handeln vor einem monat gewünscht habe. gut zu wissen, dass es auch recht zeitnah so gekommen ist.

insgesamt: besser spät als nie und in seiner ausführlichkeit auch richtig. es wäre für mich aktuell zu früh gewesen, die entscheidung zu treffen, ob ich dieses jahr hinfahre. aber die frage stellt sich jetzt wegen der absage ohnehin nicht. sie haben mit der stellungnahme für mich einen ersten weiten schritt in puncto „transparenz“ gemacht und eine gute grundlage dafür geschaffen, den status der aufarbeitung ebenso transparent darzulegen.
obwohl (wieder) anmaßend mal als direkte anrede: ich wünsche euch sehr, dass ihr das nun festival-freie jahr dazu nutzt, euch mit den richtigen partner*innen zu vernetzen, die sowohl eure interne als auch die aufarbeitung auf seiten des täters vorantreiben können. ich wünsche mir weiterhin, dass ihr die stadien der aufarbeitung auch weiterhin nachvollziehbar veröffentlicht. wenn es nach mir geht, muss das nicht wöchentlich sein, aber wenn es durchbrüche oder auch deren pures gegenteil gibt: zögert bitte nicht, benennt dies. zumindest meine wenigkeit liest das sehr interessiert und wird euch auch an dem anspruch messen.
zu guter letzt: ich hoffe sehr, dass ihr gestärkt aus all dem hervorgeht. bin gespannt auf die nächsten monate.

fusion-statement zu spannervideos

update, 07.02.2020, 18:58 uhr: pressespiegel wird hinzugefügt, springer dabei außen vor gelassen. könnte das zur gewohnheit werden lassen.


gehofft hatte ich es, aber auch die fusion ist nicht von vorfällen dieser art gefeit. mir ging nach dem dilemma um monis rache aber auch durch den kopf, wie der kulturkosmos reagieren würde. und siehe da: nicht mal eine woche nach bekanntwerden gibt es eine klare stellungnahme im fusion-forum mit handlungsempfehlungen für betroffene und was bereits geschehen ist (so viel kann verraten werden: die videos sind per einstweiliger verfügung gelöscht worden).
das statement findet ihr im wortlaut hier eingefügt. aufgrund der möglichkeit, dass sich leser*innen davon getriggert fühlen könnten, ist das jedoch nur mit gezieltem klick sichtbar. und verzeihung, wenn ich mir den seitenhieb nicht verkneifen kann, aber sollte das moni-gremium hier mitlesen: so ungefähr geht das mit der kommunikation.

zeigen


pressespiegel

supernovamag (04.02.2020): kameras in duschen: auch auf der fusion kam es zu sexualisierter gewalt
netzpolitik.org (04.02.2020): übergriff unter der dusche
taz (04.02.2020): (k)ein ort für sexualisierte gewalt
groove (04.02.2020): fusion: macher*innen äußern sich zu spannervideos
heise.de (05.02.2020): duschvideos vom fusion-festival auf xxxxxxxx aufgetaucht (name der plattform bewusst gexxxt)
residentadvisor (06.02.2020): voyeur filmed showers and toilets at german festivals fusion and monis rache
analyse & kritik (18.02.2020): aber sowas kommt bei uns doch nicht vor

[berlin / 08.02.2020] philharmonie berlin: strom – festival für elektronische musik

zeitgenössische komponisten sind für die philharmonie nichts neues: die werke von steve reich oder philip glass waren bereits in den heiligen hallen zu hören. neu ist jedoch, dass sie sich für die elektronik öffnen. dies geschieht am zweiten februar-wochenende mit einem angebot, das bei clubbern und veteranen-nerds gleichermaßen für entzückung sorgen dürfte. bei mir wird es aus nachvollziehbaren fanboy-gründen der samstag.

line-up
20h00 – 21h00 / foyer: søs gunver ryberg live
21h15 – 22h15 / großer saal: cristian vogel – agnete and the merman live
22h15 – 23h45 / foyer: deena abdelwahed
00h00 – 00h45 / großer saal: ryoji ikeda live
00h45 – 02h45 / foyer: nina kraviz
hermann-wolff-saal: robert henke – phosphor installation
foyer: marco c visuals

eintritt
13 bis 52 euro (es gibt aktuell nur restkarten, aber die sind dafür günstig)