Nov 082007
 

über pisa will ich mich hier nicht großartig auslassen. die schlüsse, die bislang daraus gezogen worden sind, mögen zum teil richtig sein, aber manche reaktionen waren es nicht. mangels eigenem nachwuchs kann ich auch nicht beurteilen, wie es heutzutage auf den oberschulen aussieht, sondern muss mich auf erzählungen verlassen.
daher weiß ich, dass meine ehemalige grundschule mit der abschaffung des klassenverbandes und des notensystems bis zur dritten klasse nicht gerade den goldenen weg eingeschlagen hat. schaut man sich im friedrichshainer kiez um, ist man geneigt, den demagogen, die eine stetige vergreisung der bevölkerung prognostizieren, gehörig die meinung zu sagen, wenn man pro tag wenigstens zwei kinderwagen und / oder schwangere frauen auf der straße sieht. eine menge rohmaterial, was in den nächsten jahren zu mündigen bürgern heranwachsen soll, nur kann der bezirk diese menge an abc-schützen schon jetzt kaum bewältigen, weil man diesen boom auch nicht vorhersehen konnte (ich ehrlich gesagt auch nicht. dachte immer, dass prenzlauer berg das mekka des kinderkriegens ist, aber scheinbar haben wir ihnen den rang abgelaufen* – ällabätsch.).
klassen mit 30 + x kindern sind daher nicht mehr die seltenheit, sondern eher die regel und adäquate reaktionen auf die vermeintlich herrschende bildungsmisere damit so gut wie unmöglich. da passt es manchen gut ins bild, die schulen so weit auf effizienz zu trimmen, dass die schüler zwar kernkompetenzen für ihren beruf mitbringen, aber wozu fehlendes eigenständiges denken und hinterfragen führen kann, sieht man an manchen jüngeren damen (teilweise auch herren), die jeden donnerstag herrn soost und co. huldigen und damit perfektes futter für die marketingmaschinerie sind (umsonst hat sich die werte musikindustrie des konzeptes, dass man sich seine eigenen stars wählt, nicht ausgedacht, meine lieben.) oder später lieber die klatschpresse bereichern als wenigstens einmal pro woche in qualität zu investieren – und sei es auch nur zeit (im doppelten sinne), an angeboten im netz mangelt es ja nicht. begabte schüler werden dabei zu kurz kommen und weniger begabte, bzw. lernschwache werden mangels individueller betreuung dabei pech haben. wer das ansatzweise genauer, und vor allem fundierter behandelt wissen möchte, kann sich ein interview mit prof. hans bertram zum thema ganztagsschulen durchlesen, ehe ich noch weiter abschweife.

grund für den eintrag hier ist ein artikel meines ehemaligen direktors vom der humboldtschule in berlin-tegel, der im tagesspiegel für ein bildungsideal plädiert, was – trotz einführung effizienterer studiengänge wie dem bachelor – auch gottseidank an der humboldt-universität nach wie vor gefördert wird. ich kann nur hoffen, dass an meiner ehemaligen „penne“ weiterhin daran festgehalten wird – empfehlen würde ich sie den nach einer passenden schule fragenden nordberliner eltern nämlich immer noch gerne.

hier geht’s zum artikel

p.s.: der web-auftritt der humboldt könnte dennoch mal eine optische auffrischung vertragen. der hat sich seit meinem abitur nicht verändert, aber selbst mit linux-open-source-software lässt sich besseres hinkriegen. einfach mal in der schülerschaft herumfragen, davon dürften einige fit genug sein.

* bedarf fundierteren zahlenmaterials, bis dahin steht das als arbeitshypothese hier.

 Posted by on 08.11.2007 at 16:53
Jul 142007
 

zumindest sind auch sie auf die idee gekommen, das hier seit jahren zelebrierte revival der (after-)after-hour-kultur zu portraitieren, und dies exemplarisch an zwei vorzeige-institutionen wie der beatstreet und dem berghain. in die bar25 hat man sich wohl nicht getraut.

soll nur als popcorn-lektüre für zwischendurch gedacht sein, wirklich bahnbrechende informationen stehen für szenegänger dort nicht drin, und für den stammleser ist eh hopfen und malz verloren, was etwaige hoffnungen in zukünftige rentenzahler angeht – da machen einmal mehr vermeintlich schockierende details auch nichts mehr aus. wobei ich stark annehme, dass man ihnen in konsumfragen auch nichts neues mehr erzählt.

klick

 Posted by on 14.07.2007 at 18:24
Apr 182007
 

im wintersemester 2001/02 habe ich ein seminar zu den modellen sozialer grundsicherung in europa besucht und dort das erste mal von der idee gehört, jedem volljährigen bürger monatlich einen betrag zur verfügung zu stellen, der jedem eine menschenwürdige existenz ermöglicht, ohne eine bedürftigkeitsprüfung über sich ergehen lassen, im klartext: gegenüber dem arbeitsamt rechenschaft ablegen zu müssen, wieviele bewerbungen man in der letzten zeit denn verschickt hat oder mit wievielen leuten man in welchem verhältnis in was für einer wohnung lebt.
eine an sich nicht ganz weit hergeholte idee – die utopie der vollbeschäftigung kann mit dem aus den 1950er- und 1960er-jahren bekannten vollzeitarbeitsmodell nicht mehr erreicht werden. dazu ist die industrielle produktion zu weit automatisiert und dabei produktiver als menschliche arbeitskraft. das haben wir uns als förderer des technischen fortschritts selbst eingebrockt, und anstelle angesichts dieser entwicklung in tränen auszubrechen, sollte man sich dieser realität besser stellen. mag für viele ein großer brocken sein, den es zu schlucken gilt, aber wenn sich selbst die gewählte demokratische elite hierzulande im glauben wiegt, den seit jahren kränkelnden arbeitsmarkt dank hartz-4-gängelung mit der peitsche irgendwie hinzubiegen, es dabei aber versäumt, a) das stigma der teilzeitarbeit sukzessive abzubauen, und b) überhaupt die entstehung von teilzeitarbeitsplätzen zu fördern, sollte man frühzeitig reinen wein einschenken und darauf verweisen, dass teilzeit-arbeitsmodelle bei nachbarländern wie den niederlanden oder dänemark zu beachtlichen erfolgen geführt haben. klar, dass dies weniger im industriellen, sondern im dienstleistungssektor geschieht, aber dieser umbruch findet eh seit mindestens zwei jahrzehnten statt, nur müssen einige sich erstmal daran gewöhnen.

die liste der prominenten befürworter des „basic income“ wächst daher auch stetig – einer von ihnen ist georg werner, gründer von dm (dem drogeriemarkt), der seitdem auch nicht müde wird, dafür die werbetrommel zu rühren. umso schöner, dass die zeit die courage beweist, und das thema auf die titelseite hievt. dabei werden positive und negative aspekte der finanzierung und der motivation der bevölkerung, überhaupt eine arbeit anzunehmen, beleuchtet, was dem artikel mindestens das prädikat „lesenswert“ einbringt.
ich spreche wohl nicht für mich alleine, wenn ich behaupte, dass unzähligen studenten, auszubildenden oder auch angehenden rentnern bei einführung des modells eine unglaubliche last von den schultern genommen würde. sicher werden es einige zum anlass nehmen, sich in der sozialen hängematte auszuruhen, aber ich für meinen teil würde zusehen, alleine schon zur erhaltung der denkfähigkeit und zur selbstzufriedenheit irgendetwas produktives in meiner staatlich finanzierten freizeit in angriff zu nehmen. anderen bleiben dadurch vielerlei wege zum ausleben persönlicher interessen offen, was aber immerhin schon seit geraumer zeit durch den „aufschwung durch bildung“-slogan propagiert wird. man darf gespannt sein.

klick
und als bonus noch die seite des basic income earth network (anno 2001 stand das e noch für „european“): klick

 Posted by on 18.04.2007 at 20:06
Mrz 232007
 

so nennen sie die überaus selbstbewusste koryphäe der politischen theorie, dessen ausführungen zu den „neuen kriegen“ mir zumindest im reader zur vorlesung „vergleichende politikwissenschaft und internationale beziehungen“ im vergangenen semester hätte begegnen sollen. stattdessen erinnere ich mich an eine vorlesung bei ihm, die ich in einer freien minute im kinosaal der hu besucht habe. lange ist es her, müsste das wintersemester 2003/04 gewesen sein. politischer theorie sagt man – zurecht – auch eine gewisse trockenheit nach, andererseits ist es münklers humor auch, und fachlich sprechen die tatsachen einfach für ihn.
wer sich beispielsweise mit machiavelli auseinandersetzt (was als historiker hier und da schon mal vorkommen mag), wird an seiner dissertation von 1981 nicht vorbeikommen. zudem ist seine arbeitsauffassung bzgl. wissensvermittlung auch nicht die schlechteste.

spi-on zu herfried münkler

 Posted by on 23.03.2007 at 10:47
Mrz 152007
 

unzählige altersgenossen werden die teilweise von furcht erfüllten augen der eltern noch lebhaft in erinnerung haben, wenn auf urlaubsreisen oder bei harmlosen freizeitaktivitäten innerhalb der vier wände kassetten mit unheil verkündenden titeln wie „das leere grab im moor“ oder „die falschmünzer vom mäuseweg“ in bedrohliche nähe des abspielgerätes gelangten.
der in der überschrift erwähnte herr ist unter dem pseudonym „stefan wolf“ wesentlich besser bekannt und hat über 100 bände des neuzeitlichen triumvirats inkl. weiblicher unterstützung – nennen wir sie der einfachheit halber tkkg – zu verantworten.
dieser herr ist am 10. märz 2007 im alter von 69 jahren verstorben, was die süddeutsche zum anlass genommen hat, die erfahrungen, bzw. erlebnisse einiger autoren mit den hörspielen zu sammeln. für mich wird wohl der sinneswandel beim anführer der sekte nachwuchskriminologen auf ewig im gedächtnis bleiben, als dieser irgendwann zwischen folge 30 und 40 bemerkte, dass „tarzan“ als identifikationsfigur (gelinde gesagt) suboptimal geeignet sei und er per dekret fortan nur noch „tim“ genannt werden wollte.

was man bei der sz in erinnerung hat, ist hier nachzulesen.

 Posted by on 15.03.2007 at 17:05
Dez 112006
 

das sind alles vokabeln, die depressiven menschen nicht ganz unbekannt vorkommen dürften, und die liste könnte sogar noch um einiges erweitert werden. damit hätte ich mich geoutet, bzw. denjenigen einen erklärungsansatz geliefert, die (durchaus berechtigte) nachfragen stellen, weshalb ich im mittlerweile 14. semester bin. mehr interna gibt es, wenn die bachelorarbeit abgegeben ist. wollte nur darauf hinweisen, dass der spiegel (präziser der unispiegel) sich tatsächlich kompetent des (tabu)themas angenommen hat und sich dabei nicht nur auf depressionen, sondern auch auf andere weit verbreitete psychische erkrankungen bezieht. daher werden manche sich darin durchaus wiedererkennen.

klick

wenn ich schon dabei bin, könnt ihr nebenher erfahren, was das pensum so macht.
zur erinnerung: mitte oktober waren es ein essay, fünf klausuren, drei hausarbeiten für die sozialwissenschaften, bei geschichte praktikum und bachelorarbeit.
hat sich geändert in: zehn thesenpapiere (ersetzen den essay und führen dazu, dass ich nicht zur vorlesung erscheinen muss) – die sind fertig. dafür zwei essays in einem proseminar (zur entwicklungspolitik) – davon ist eines fertig, das andere zu mindestens 75%, anfang januar muss der erste abgegeben werden, ende februar der zweite, der dozent kriegt beide nach den weihnachtsferien. drei hausarbeiten sind geblieben – eine davon auf der zielgeraden („die furcht vor der verschwörung“ zu einem machiavelli-seminar, das ist sogar noch geschichte), eine weitere biegt auf die kurve dazu ein (wahlkampfkommunikation der spd 1998), die letzte (zum niederländischen poldermodell) ist gerade losgaloppiert, aber das ist bis weihnachten auch zu schaffen. dann kann im januar munter gelernt werden.
an diejenigen, die vor lauter selbstzweifeln und zukunftssorgen (die sich in ihrer eigendynamik gegenseitig beachtlich gut hochschaukeln können) nicht mehr ein noch aus wissen, bzw. sich durch den artikel ihrer situation bewusst werden: keine falsche scheu, geschweige denn stolz. es ist absolut kein beinbruch, professionelle hilfe in anspruch zu nehmen, damit man seine leistungsfähigkeit wieder erlangt. da muss das ego eben mal vorrang vor dem studium haben.

 Posted by on 11.12.2006 at 22:25
Nov 062006
 

damit erkläre ich diesen montag zum politischen tag der woche.

am dienstag / mittwoch wird in den usa mal wieder gewählt. zwar werden wir uns noch weitere zwei (mit sehr viel trickserei pech noch mehr) jahre an george w. bushs anblick erfreuen dürfen, aber wie dünn die luft aus diversen hausgemachten gründen für ihn geworden ist, kommentiert christoph von marschall im tagesspiegel für jedermann anschaulich.

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 Posted by on 06.11.2006 at 00:51
Apr 282006
 

eigentlich nur wegen des zitats interessant, wo ich mich frage, ob o2 sich damit nicht ein bisschen übernimmt…

Die Halle selbst wird ausschließlich privat finanziert. 150 Millionen Euro soll sie kosten. Wie viel das Unternehmen O2 mit dem Erwerb der Namensrechte beiträgt, will keiner der Partner verraten. Insider sprechen von einer hohen zweistelligen Summe.

wer darüber hinaus noch mehr über den neuen mehrzweck-palast am ostbahnhof wissen möchte: klick.

 Posted by on 28.04.2006 at 13:43