r.i.p. philippe „zdar“ cerboneschi

französischer house wird zwar eher mit i:cube / versatile, superdiscount und ja: auch daft punk assoziiert. etienne de crécy muss hier ebenfalls genannt werden, der zusammen mit philippe zdar als motorbass den stil prägte. ab ende der 1990er dürfte er mit cassius den größten bekanntheitsgrad erreicht haben.

in den letzten jahren machte er sich als produzent hochkarätiger acts einen namen. sogar einen grammy konnte er für „wolfgang amadeus phoenix“ einheimsen. gestern ist er in paris aus einem fenster gestürzt. er wurde 52 jahre alt.

r.i.p.

r.i.p. sleezy d.

eine der chicago-legenden. hat auf dem von marshall jefferson produzierten „i’ve lost control“ die vocals beigesteuert und sich ansonsten im hintergrund gehalten.

man mag ja meinen, dass leute wie derrick harris (so sein bürgerlicher name) aufgrund ihres status nichts zu befürchten hätten. aber da sich die mitwirkung an der entstehung einer neuen musikalischen richtung wie acid house in den usa nicht ausgezahlt hat, gibt es bei ihm, der nie das rampenlicht gesucht hat, nun das andere extrem. nicht versichert, nun an nierenversagen gestorben und es gibt ein crowdfunding, damit die familie die beerdigung bezahlen kann.

r.i.p.

jeff mills und die kunst der subtraktion

herr mills muss hoffentlich niemandem mehr vorgestellt werden. seinen fußabdruck hat er in der techno-historie nicht zuletzt aufgrund seiner art des auflegens hinterlassen. das geschieht zwar nicht mehr so wild wie anfang der 1990er-jahre, aber immer noch mit einem unglaublichen rhythmusgefühl und einer beispielhaften konzentration. auch wenn das manchmal nicht 100% auf den punkt ist, ist er auch heute noch ein vorbild, welches angehenden und auch langjährigen djs als messlatte dient.

interviews mit ihm gibt es recht selten. residentadvisor hat ihn für die „the art of djing“-serie gewinnen können, in der er bereitwillig auskunft über sein setup, seine autodidaktischen ersten gehversuche und der vorausschauenden planung bei einem set gibt.

ein mehr als würdiger eintrag in der reihe: klick.

r.i.p. keith flint

the prodigy gehörten bei der ersten welle dessen, was ich unter dance-music mitbekam, zu dem, was ich angenehm unpoppig fand. natürlich war mtv damals mit „out of space“ in der heavy rotation daran beteiligt, nur die differenzierung zwischen dem und 2 unlimited sowie culture beat bekam ich noch nicht hin. mit den jahren und der akzeptanz von techno (als metal-hörer zu zeiten segregierter stilghettos damals ein großer schritt) sowie steigenden kenntnissen bekam ich erst mit, dass sie im underground fest verankert waren und auch spätere charterfolge dem nicht schadeten.

„music for the jilted generation“ ist für mich immer noch ihr bestes werk. „no good“ war die erste single-auskoppelung daraus, die erneut in der heavy rotation bei mtv landete und mir einen kleinen vorgeschmack auf die clubumgebung gab, die ich wenige jahre später kennen- und liebenlernen sollte. keith flint tanzte dort wie ein derwisch, obwohl er als sänger bei den tracks noch nicht sonderlich in erscheinung getreten war.

das änderte sich aber prompt mit „the fat of the land“ als nachfolger. für mich das letzte album von ihnen, mit dem ich wirklich was anfangen konnte. danach verlor ich zugegeben das interesse an ihnen und besuchte auch keines ihrer konzerte, obwohl man ihnen sehr viel gutes nachsagte.

wie man instagram entnehmen kann, hat keith flint am wochenende selbstmord begangen. das zeigt einmal mehr, dass die exponiertesten im rampenlicht von zeit zu zeit gefragt werden sollten, wie es wirklich um sie bestellt ist. das ist überhaupt die lehre, die ich aus dem wochenende ziehe.

r.i.p.

r.i.p. mark hollis

mag nicht so offensichtlich sein, wer das jetzt ist. aber wer in den 1980ern aufgewachsen ist und / oder radiosender hört, die sich u.a. dem jahrzehnt verschrieben haben, hat entweder „it’s my life“ oder „such a shame“ (und ihn somit auch singen) gehört.

talk talk hieß die band, bereits seit anfang der 1990er nicht mehr aktiv. er selbst zog sich vor der jahrtausendwende aus dem musikgeschäft zurück. nun ist er mit 64 jahren viel zu früh verstorben.

r.i.p.

maayan nidam und ihre einsichten in den produktionsprozess

residentadvisor hat seit geraumer zeit eine reihe namens „the art of djing“. die wird seit heute flankiert durch „the art of production“.
den auftakt macht keine so offensichtliche wahl (es wäre jedoch auch sehr leicht gewesen, kaliber wie robert henke oder richard devine zu nehmen, wobei letzterer neulich erst beim ra.exchange zu hören war), aber dafür eine sehr fein ausgesuchte. maayan nidam hat kurz vor dem ende des vergangenen jahres mit „sea of thee“ ein album auf perlon herausgebracht, das für mich zu den heimlichen jahresfavoriten zählt. so vereint es house, cosmic, krautrock und einiges anderes, das ich nicht definieren kann und möchte. herausgekommen ist eine in sich geschlossene sammlung an tracks, die allesamt als ihr markenzeichen gelten können und sich zugleich wunderbar auf perlon einreihen. die gelten für mich immer noch als label, das sich stilistisch auch mal gerne zwischen den stühlen platziert.

der weg dahin bestand jedoch aus einer gründlichen neuordnung des studios und dem damit verbundenen übungsprozess. das zog sich über gut fünf jahre hin, in denen kaum neue musik ihrerseits erschien. ein ansatz, den sich manch andere auch zu eigen machen könnten, ehe der meeresspiegel der halbgaren veröffentlichungen bzw. neuauflagen des bereits vorhandenen noch weiter steigt.

jedenfalls ist das resultat ein genaueres hinhören wert und dessen entstehung sowie die zugrundeliegenden entscheidungen nun nachzulesen: klick.

retrospektive von basic channel bei residentadvisor

für einige (inkl. mir) haben die herren ernestus und von oswald den status von säulenheiligen. da basic channel als label 25-jähriges feiert, wurde es zum label des monats bei residentadvisor erklärt. es hätte jedoch auch ein eigenes feature außerhalb der reihe verdient.
sei es wie es sei: sie bedienen sich des schon beim „klang der familie“ verfolgten ansatzes der kombination verschiedener o-töne verschiedener protagonisten aus verschiedenen epochen und garnieren das mit den tracks, die neulinge zum einstieg (und dann hoffentlich immer wieder) hören können. die älteren können sich über die anekdoten von robert henke oder hallucinator freuen.

klick

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download

wie versprochen: das set, das auf den fast zwei stunden im polygon am vergangenen freitag basiert, bzw. ihm zu beinahe 100% entspricht. habe etwas feintuning in der tonhöhe beim übergang von vril zu onmutu mechanicks im remix von norman nodge vorgenommen sowie einen track entfernt („slicing“ von randomer, wen es interessiert), dafür aber einen hinzugefügt („mscl“ von felix k).

mal davon abgesehen, dass der abend besuchertechnisch nicht so wirklich in schwung kam und mein perfektionismus mit stellenweise mangelnder konzentration (den prolog zum set rolle ich hier nicht nochmal aus) im clinch lag, war ich trotzdem zufrieden, was die umsetzung des vorher im kopf zurechtgelegten plans anging. musikalisches neuland betritt das set bei weitem nicht, sollte aber auch von vornherein nicht darauf abzielen. mir schwebte ein grundsolides techno-set mit abstrakterem beginn und einem ausgeprägten dubtechno-teil vor. nachzuhören ist das jetzt hier.

tracklist:
zeigen

crowdfunding für ein filmprojekt über detroiter propheten, die im eigenen land wenig galten

es ist ja allgemein bekannt, dass sich detroit erst mit dem „movement“ als jährlichen termin seiner vorreiterrolle bewusst wurde. nicht, dass die belleville three und eine ganze reihe anderer ab ende der 1980er-jahre keine anerkennung dafür bekommen hätten. jedoch geschah dies nicht in ihrer heimatstadt, die zugegebenerweise andere sorgen hat(te) als den bahnbrechenden musikalischen leistungen zu huldigen. wie so häufig passiert dies über umwege – im falle der usa über edm, also dem mainstream mit djs, deren gagen bereits nach wenigen jahren in den ligen spielen, von denen selbst ein derrick may heutzutage nur träumen kann.
es ist also an der zeit, die wurzeln der bewegung auch mal filmisch zu dokumentieren und dabei diejenigen zu wort kommen zu lassen, die als miterfinder bzw. urväter des ganzen nicht wirklich etwas davon hatten – außer der anerkennung des europäischen publikums, das (und da kommt mir die berliner sozialisation besonders entgegen) detroit nach wie vor als mekka begreift. (in meinen augen zurecht – sollte man wirklich wenigstens einmal gesehen haben.)

für die post-produktion sowie dem klären von musikrechten benötigen jennifer washington und kristian hill noch 30.000 dollar. am ende soll „god said give ‚em drum machines“ stehen, der nach den detroiter stadtvätern (die sich der rolle von techno in den letzten jahren endlich mal bewusster geworden sind) auch einem mainstream-publikum eine für uns westeuropäer, die in den letzten 20, 30 jahren mit der musik aufgewachsen sind, selbstverständliche tatsache vor augen führen soll: es dreht sich bei den anfängen um afroamerikanische musik, die aus einem bedingungslosen glauben an eine bessere zukunft entstanden ist. damit trug sie gerade vor dem sozialpolitischen hintergrund der stadt ab den ausgehenden 1960er-jahren eine deutlich politische botschaft, ohne dabei zwingend texte zu benutzen. ich hoffe einfach mal, dass der niedergang detroits im film thematisiert wird und nicht ausschließlich die musikindustrie als buhmann ins zentrum der aufmerksamkeit rückt. schließlich haben die letzten 30 jahre gezeigt, dass man die majors nun wirklich nicht dafür braucht, um eine musikalische revolution anzuzetteln. man erreicht die leute viel besser, wenn man dinge selber in die hand nimmt und sich nichts gefallen lässt (man denke nur an ur vs. sony im zuge des „jaguar“-plagiats).
aber das kann ich ja in einer rezension verpacken, sobald ich den film gesehen habe.

kampagne läuft bis: 21. november 2018
aktueller stand: 13.070 us-dollar
ziel: 30.000 us-dollar
link: kickstarter