einkäufe vom 20. märz 2020

update, 23.03.2020, 19:43 uhr
residentadvisor hat zahlen (und bei bandcamp abgeschrieben). es wurden 800.000 artikel verkauft, damit 15 mal so viel wie an einem normalen freitag. insgesamt haben käufer*innen 4,3 mio. us-dollar ausgegeben. und natürlich macht mich das stolz.


bandcamp verzichtet heute auf den eigenanteil und gibt damit alles an produzenten bzw. labels weiter, die von der aktuellen situation ohne gigs in variierendem ausmaß betroffen sind. war für mich anlass genug, die wunschliste abzuarbeiten, die ohnehin täglich wächst.
wer noch seinen teil beitragen möchte: das ganze geht bis mitternacht pazifischer standardzeit. bitte geduld mitbringen, die seite ist zuweilen überlastet (was nun wiederum ein positives zeichen ist).

container
scramblers
[alter alt 52]

nach informationen von residentadvisor hat er das album an einem tag aufgenommen / produziert. an der rezeptur, die mensch von morphine oder den vorherigen lps auf spectrum spools kennt, hat er nichts verändert. immer noch viel distortion auf den kickdrums, hier auch gerne mal ins kindliche gehende experimente („queaser“). aber selten war er so anschlussfähig an electro, wie er gerne mal aus den haager bunkern an die oberfläche kommt („ventilator“, „duster“, „nozzle“).

galcher lustwerk
information
[ghostly international gi-351]

auf ghostly habe ich ewig nichts mehr gekauft, aber die haben sehr gut daran getan, diesem talent aus nyc eine plattform zu geben. nutzt das albumformat, um bei den tempi in die breite zu gehen, bleibt dabei aber selbst bei den downtempo-tracks stilistisch astreiner house. seine stimme ist dabei in so gut wie allen fällen zu hören (ausnahme ist der wunderbare ambient-opener „left in the dark“).
empfiehlt sich damit anhänger*innen von moodymann, actress, sogar dem frühen flying lotus.

galcher lustwerk
tape 22
[white material wm003]

seine erste ep, von welcher der titeltrack sehr gut zwischen techno und house vermittelt und damit ein für mich glasklarer kandidat für marcel-dettmann-sets ist. „leisure“ sowie „soul control“ sind dann wiederum für die house-puristen, den breakbeat von „capabilities survey“ würde ich wiederum als ausgangspunkt zu allem, was im uk-bass-fahrwasser schwimmt oder eben zur auflockerung nehmen. stark sind für mich alle vier tracks.

sleeparchive
one track and four loops
[sleeparchive.bandcamp.com]

name ist programm und der einfluss von jeff mills überdeutlich. die loops sind allesamt ordentlich perkussiv und damit ideal für diejenigen, die trockenere tracks im set gerne mal hier und mal da anreichern wollen.

dbridge
ember
[dbridge.bandcamp.com]

der track ist schon ca. zwei jahre alt und laut seiner aussage im fahrwasser des hervorragenden „fashion dread“ auf sentry entstanden. auch hier schon reduziertes arrangement, aber die schön düstere bassline lässt er sich nicht nehmen. wie so vieles von ihm oder auf autonomic sehr gut geeignet, wenn mensch von halftime zu richtigem drum&bass oder in die andere richtung möchte.

the advent
kombination research arch 002
[theadvent.bandcamp.com]

cisco ferreira hat bereits vor gut drei jahren im archiv gewühlt und dabei unveröffentlichte oder nicht mehr erhältliche tracks zugänglich gemacht. kaufgrund war hier für mich „stronghold“, das er damals mit robert leiner produzierte und auf der x-mix von dave angel zu ehren gekommen ist. der stand sehr lange auf meiner discogs-wunschliste, kam nun nochmal auf midnight drive mit einem unveröffentlichten mix heraus. das original bleibt aber einfach eine perle, die dub-chords, electro sowie techno vereint.
„c on“ sowie „tip off“ sind noch empfehlenswerte techno-tracks mit der advent-typischen handschrift (soll heißen: hihats, davon viele).

k-lone
in the dust ep
[soundman chronicles smnchr008]

hier muss mensch sich etwas beeilen, da es die bislang vinyl-exklusiven sachen von soundman chronicles nur bis zum 1. april geben soll.
auch wenn sich etch im katalog befindet: mir gefiel tatsächlich nur diese hier. davon so richtig „old fashioned“ gleich als erster track, der sich mit seinem gemächlichen tempo und den dub-räumen zwar sehr für die ersten stunden im club empfiehlt, aber eigentlich viel zu schade dafür ist, weil ziemlich viele diese perle damit verpassen.

v/a
the acid years (1994-1996)
[reference analogue audio hm-12115]

wo ich oben schon den haag erwähnt habe: „dealer“ von beverly hills 808303 stand ebenfalls ewigkeiten auf meiner liste. das bekommt man bei diesem rundumschlag-paket (bis auf „hot rod“ und „big wheel keep on turning“, aber damit kann ich leben) neben weiten teilen des restlichen label-katalogs, den es stellenweise auch im „golden mountains vip“-abo gibt. lücken gibt es hier und da, was den sammlern etwas aufstoßen könnte, die gerne die kompletten veröffentlichungen gehabt hätten. allerdings: es gibt eine ganze menge für’s geld. die einzelveröffentlichungen schlagen bei discogs um einiges mehr zu buche.
musikalisch gibt’s keine gefangenen, sondern im großen und ganzen schön erbarmungslose acid-tracks, die auch aktuell wieder gut in die zeit passen.

tricky
20, 20
[false idols]

mit ihm ist’s bei mir einfach: entweder finde ich’s richtig toll oder richtig schwach. das intro ist für meine begriffe vernachlässigbar, aber seine zusammenarbeit mit anika mitnichten. sie fiel mir wegen shackleton auf, mit dem sie vor drei jahren ein album herausbrachte. deren zerbrechlichkeit wird hier von einem klaren, reduzierten arrangement sehr gut flankiert bzw. inszeniert. „m“ setzt dann noch einen schönen melodischen schlusspunkt. vielleicht etwas skizzenhaft, aber das lässt sich dank technischer mittel ja ggf. verlängern.

v/a
external affairs
[777 recordings 777_20]

vor wochen bei den hardwax-neuigkeiten angehört, musste ich wegen des xdb-remix von orson welles haben. schön fordernder house mit einem melodisch-hintergründigem teppich, der sich ab der zweiten hälfte noch entwickelt. christopher rau zieht bei seiner arbeit für roger 23 das tempo an, was ihm aber auch nicht schlecht steht. so sehr ich für drum&bass, jungle und dergleichen zu haben bin: mir ist das bei luz1e für xan zum schluss zuviel des guten.

juic-e
second era ep
[sub code records scr 008]

apropos jungle: da kam in den vergangenen monaten so einiges, was dem stil mit heutigen produktionsstandards gehuldigt hat – in diesem fall richtig gut. des amen-breaks sollte mensch zwar noch nicht müde sein (insbesondere bei „golly gosh“), aber wenn das kein problem ist, wird man neben den genretypischen zutaten wie verträumten melodien beim intro auch mit schön rauhen subbässen verwöhnt. da ist es alleine toll anzuhören, wie „all massive“ in den letzten zwei minuten nochmal aufdreht.

gamba
hessian
[ana ana002]

das label fiel mir auch vor wochen mit der „diktat“-compilation in den hardwax-neuigkeiten auf, so dass ich mir den gesamten labelkatalog zu gemüte geführt habe. die compilation ist jedoch immer noch in der wunschliste, weil ich der ep hier den vorzug geben wollte.
erneut das uk-bass-fahrwasser, bleibt stets an techno anschlussfähig, dabei trotz spärlich gesetzten melodieakzenten wegen augenmerk auf dem subbass-bereich schön warm.
definitiv was für stammkäufer von livity sound, version, ilian tape.

sp:mc
vintage / slugfest
[sentry records sen011]

sp:mc ist mir als erstes auf tempa mit sehr reduziertem, klarem dubstep begegnet. hier bei „vintage“ eher 2-steppig und mit „slugfest“ deutlich in richtung grime schielend. und bei beidem ganz schön gut.

mary yalex
river ep
[kann records kann 34]

auch so ein label, das in meiner sammlung bislang einfach nicht stattfand, was bei eps wie dieser schon ziemlicher frevel ist. klar gibt es hier auch melodischen techhouse, wie er bei kompakt oder innervisions seit mehreren jahren bekannt ist. aber das ist auch die absolute minderheit. es überwiegt electronica, so dass auch gestandene warp-fans mit affinität zu mira calix hinhören sollten. „metallic elements“ ist dabei mein absoluter liebling: da ist nur das rhythmusfundament metallisch, aber der melodische überbau sorgt frei von allem kitsch für sehr menschliche augenblicke, wenn mensch seine sets bis dahin anders aufgebaut hat.

don williams
detroit black ep
[a.r.t.less a.r.t.less 2201]

dons hommage an „domina“, auch luke slaters remix von kenny larkins „loop 2“ klingt durch. sind aber auch beides tracks, die er in seine dna überführt haben dürfte. flankiert von einem loop und „3821“, das mit viel detroit-melodien und ohne kickdrum daherkommt. da gibt’s absolut nichts zu meckern, alle drei einsetzbar.

nkc
posh buzz
[even the strong ets005]

er kam mir in letzter zeit in club-sets unter. hier mit perkussiven tools, die entweder zwischen techno und uk-bass vermitteln, monoton stampfende techno-tracks ergänzen oder einfach auch nur ein set auflockern.
gefundenes fressen für käufer*innen von night slugs.

loefah
ruffage

twisup vip
[loefahproductions.bandcamp.com]

(achtung: es sind zwei links, weil zwei veröffentlichungen.)
loefah bringt gerade seine alten dmz-sachen wieder unter die leute. wer sie damals verpasst hat und keine unsummen für die platten ausgeben möchte bzw. eh digital spielt, hat jetzt die gelegenheit, das nachzuholen. es gibt auch ein paar exklusiv-tracks.
„ruffage“ ist typischer blaupausen-dubstep mit seinem markenzeichen: rauhe sounds treffen auf ein aufgeräumtes arrangement bei gleichzeitiger forderung der subwoofer.
„twisup vip“ ebenfalls rauh, aber rhythmisch betonter, perkussiver, synkopiert, sich damit schon an den eher geradlinigeren tracks von mala orientierend.

music for sleep
infinite tape loops: tampura and organ meditations
[rohs! records]

kategorie „drone für schlaflose nächte oder zum entschleunigen auf arbeit oder wenn der kopf irgendwie anderweitig zentriert werden soll“.

j:kenzo
taygeta code
[artikal music uk artklp003]

tatsächlich die erste veröffentlichung, die ich mir von ihm kaufe. bis dato liefen seine produktionen für mich stets unter solide produziertem dubstep, dessen ideen aber nicht ausgereicht haben, als dass ich mir das in den warenkorb hätte legen wollen. entsprechend skeptisch war ich, als das album auf dem markt war. entsprechend eines besseren belehrt war ich nach dem durchskippen.
scheint tatsächlich sein format zu sein. sicher gibt es hier auch längen („broken dreams“, „deadbull“), aber dafür auch einen der ersten acid-dubstep-tracks, die mir untergekommen sind („hoodwinked“), einen flowdan in wie immer guter form („like a hawk“) und zum schluss mit „starseed 47“ einen unerwarteten halftime-abschluss.

einkäufe vom 11. februar 2020

reanimation einer kategorie, die seit sechseinhalb jahren brach liegt. wird längst nicht so ausführlich wie seinerzeit, mir ist aber irgendwie danach. beide aus dem hardwax, wo ich mittlerweile eher bei ausschließlich auf vinyl erhältlichen oder bei limitierten auflagen (so wie bei den beiden) vorbeischaue.

di’jital
efx creed ep
[tro tro-2]

so ganz weg war er seit direct beat / aux 88 zwar nicht, aber wie es bei mir nun mal gerne so ist, verlagert sich die aufmerksamkeit. electro ist mir als genre auch dann am liebsten, wenn es weniger die science-fiction-visionen bedienen möchte (da ist convextion / e.r.p. für mich jemand unter wenigen, der die unendlichen weiten zuverlässig greifbar erscheinen lässt. bei anderen driftet es gerne mal ins beliebige.). stattdessen lieber schnörkellos, gerne auch mit distortion.
diese ep fällt in die erste kategorie. variationen des gleichen themas in den ersten drei tracks, wobei die a1 gleich das beste tool abgibt und die b2 ihr dicht folgt. wer seine alten sachen kennt oder die weniger düsteren, eher funkigen ectomorph-sachen zu schätzen weiß, sollte hiermit glücklich werden.
(hardwax-soundbeispiele)

515 connection
call & response
[tdsr 515-001]

schippert im fahrwasser von grime, post-dubstep, uk-bass oder wie auch immer das gerade genannt wird.
die a-seite mit dem titeltrack trocken, passt in über den tellerrand hinausschauenden techno-sets wunderbar als lockerungsübung zwischen zwei geradlinige tracks und in dubstep-sets mit gleichem ansatz sowieso.
auf der b-seite sind so ein paar rave-signale versammelt, ohne dass der track komplett abhebt. muss aber auch nicht sein – ist eine schöne brücke in richtung abfahrt oder von ihr zurück.
(hardwax-soundbeispiele)

einkäufe vom 27. september 2013

ein besuch im hardwax, um eine arbeitswoche aus- und das wochenende einzuläuten.

mix mup
after the job
[hinge finger hinf8675]
der titel passend zu den umständen des besuchs…
davon abgesehen hat hinge finger es mit zwei katalognummern geschafft, dass ich die neuveröffentlichungen stärker beachte. die joy orbison hat schon akzente gesetzt (spätestens mit dem shed-remix) und blawan mit seinen fugees-reminiszenzen ohnehin eines der bretter 2012 durch die pas der republik gejagt.
nun also mix mup, sonst im umkreis von kassem mosse zu finden. zwei funktionale tracks, die zwischen techno und house platz nehmen, dabei schön rauh und nicht zu kalkuliert wirken. und dreckige basslines nimmt man ja immer gerne mit.
die anderen beiden sind mehr oder minder ambient, wobei „bungalow“ für mich eher heraussticht. mir kamen assoziationen zur „selected ambient works 2“ von afx in den sinn, was per se nichts schlechtes heißt.
ergo: zum dritten mal überzeugt. mal sehen, was joy orbison und will bankhead sich als nächstes haben einfallen lassen. anhören werde ich’s mir sicher.
(hardwax-soundbeispiele)

//no
hhd sub 004
[sub hhd sub 004]
sublabel von hidden hawaii, das sonst drum&bass mit starkem ambient/drone-einschlag von felix k und co. veröffentlicht. limitiert auf 199.
felix k ist hier zur hälfte beteiligt. ambient dient hier lediglich als intro für zwei weitere tracks, die sich in dem bereich zwischen techno und dubstep ansiedeln, der erst von scuba (nun leider nicht mehr) und peverelist erarbeitet worden ist und nun stetig verfeinert wird. keine aufdringlichen oder gar zwingenden tracks (letzteres rein auf die funktionalität im set bezogen), aber dafür schon ausgefüllte soundscapes, die den tracks die tiefe verleihen, für die das label auch sonst ein garant ist.
der bassbereich klingt daheim außerdem vielversprechend, aber ich werde das gefühl nicht los, dass ich die tracks im club nicht wiedererkenne, da sie so massiv wirken. bis dahin auch in den eigenen vier wänden hervorragend.
(hardwax-soundbeispiele)

ricardo villalobos & max loderbauer
turbo semantic ep
[perlon perl 97]
ja, ich gebe es zu: ich habe alle vier teile der „dependent and happy“-reihe letztes / dieses jahr gekauft. das hat nichts damit zu tun, dass ich perlon lückenlos haben möchte – von dem vorhaben bin ich in den 30er-katalognummern abgekommen, zumal ich „thé au harem d’archimède“ beispielsweise immer noch unspannend finde. die alben-tetralogie (bzw. eher zwei alben und zwei eps) hat hingegen etwas.
nun also zusammen mit max loderbauer, mit dem er schon den ecm-katalog geremixt hat. auch etwas, das ich mir noch mit etwas mehr zeit zu gemüte führen muss. noch dazu mit sprechgesang – auf der a-seite von tea-time (spanisch), die b-seite mit aseez (englisch). vordergründig natürlich unspektakulär und nicht wenige werden sich fragen, wozu man das nach minimal überhaupt noch braucht. aber trotz der immer noch perfektionierten reduktion und der abwesenheit einer richtig dicken kickdrum haben beide tracks (die vocal-spur außen vor gelassen) etwas organisches an sich, das die tracks jeweils über 10 minuten trägt und mir das urteil abringt, dass auch das genre durchaus noch seine reize haben kann. wird aber – wie so vieles von ricardo – polarisieren, was ja auch nicht verkehrt ist.
netter tippfehler auf dem cover übrigens.
(hardwax-soundbeispiele)

einkäufe vom 23. april 2013

ich war wieder mal bei bleep. grund? „exai“ gibt es nur dort als 24-bit-version und das koze-album zum vernünftigsten straßenpreis, da boomkat pampa (noch?) nicht im digitalen repertoire hat und djshop.de mich von der nutzbarkeit her immer noch so abschreckt, dass ich mir da kein konto einrichte. andere (whatpeopleplay / juno) rufen für die verlustfreie version preise auf, dass die ersparnis gegenüber der cd oder dem vinyl (auch wenn digital ein bonus-track fehlt) gegen null tendiert.

autechre
exai
[warp warpcdd234]
mir kam es fast wie gestern vor, dass „oversteps“ und „move of ten“ veröffentlicht worden sind, dabei ist das auch schon fast drei jahre her. dann noch gleich mit einem doppelalbum mit gut zwei stunden spieldauer – das weckt schon befürchtungen von einer menge füllmaterial, wie es meinem eindruck nach bei „move of ten“ versammelt war.
ich hab mir bei ihnen angewöhnt, den bauch entscheiden zu lassen. technisch spielen die beiden sowieso in ihrer eigenen liga, so dass ich am liebsten danach entscheide, ob bei allen technischen raffinessen auch noch etwas dabei ist, um sich nachhaltig im gehirn einzunisten. „confield“ und „amber“ als klassiker sind da sehr gute beispiele, „exai“ hat bei mir mit seinem starken beginn gepunktet. frei von längen ist das album zwar nicht, aber dafür wiegen die starken momente (vekos, deco loc, cloudline und überhaupt die ersten drei tracks) umso mehr. die genannten tracks kann man auch unter funktionalen aspekten, ergo in dj-sets, sehen. wie immer ist bei autechre jedoch konzentriertes hören gefragt, somit wird es noch einiger ruhiger momente bedürfen, dieses erste bauchgefühl zu manifestieren.
bleep-link

autechre
tri repetae
[warp warpcdd38]
fehlte mir einfach noch, musste alleine wegen „clipper“ nachgeholt werden. zeigt die beiden von ihrer melodischen, zugänglicheren seite, was in direkter nachfolge zu „amber“ allerdings auch nicht verwundert. eher erstaunt mich die tatsache, dass die tracks auch 18 jahre nach veröffentlichung so beneidenswert futuristisch-zeitlos sind – trotz der mittlerweile weiterentwickelten technischen mittel. aber wie schon erwähnt: handwerklich suchen die beiden ihresgleichen.
ist in jeder warp-sammlung gut aufgehoben, für einsteiger ist „amber“ zwar geeigneter, aber wer dies mochte, wird mit „tri repetae“ keine schwierigkeiten haben.
bleep-link

dj koze
amygdala
[pampa pampa cd007]
um zunächst mal dem bildungsauftrag nachzukommen: mit der amygdala wird ein paarweise auftretendes kerngebiet im gehirn bezeichnet, das wesentlich an der entstehung von angstgefühlen und der emotionalen bewertung von situationen beteiligt ist. da dies jedoch nur abgeschriebenes wikipedia-wissen ist, sei der entsprechende artikel hiermit verlinkt.
stefan kozalla sitzt der schalk schon seit jahren im nacken. unumstritten ist er nicht, dazu tragen seine sets und vor allem die interviews bei. kann aber auch an teilweise gründlichen missverständnissen des hanseatischen humors liegen, weswegen ich fischmob ihrerzeit schon geschätzt habe. deren eigenschaft, sich und stilschubladen (sowie sich selbst) nicht allzu ernst zu nehmen, hat bei ihm scheinbar nachhaltige spuren hinterlassen. als grenzgänger zwischen den einzelnen genres mischt er seit jahren mal hier und mal dort mit – und das stellenweise mit einer ironie, die auch noch mit gutem timing daherkommt, man siehe „monaco schranze“.
so ist auch „amygdala“ genrespezifisch nicht zu fassen, aber warum sollte es auch? stilistische flexibilität sollte zumindest bei den hörern anno 2013 selbstverständlich sein. und auch wenn herr kozalla immer den anschein erweckt, dass ihn gewisse über jahre hinweg entwickelte formeln nicht interessieren, weiß er sowohl beim downbeat- wie dem house-track ganz genau, diese zum wecken von emotionen einzusetzen, womit sich der kreis zum titel wieder schließt. auch wenn er es nicht zugeben wird: das album ist harte, aber dabei so richtig gute arbeit, bei der die anstrengung hörbar ist – dies allerdings im sinne von leidenschaft, die einem in der regel etwas herzblut kostet. und das ist von anfang bis ende des albums spürbar. kitsch hin oder her: wer bei der knef-reminiszenz „ich schreib dir ein buch“ kurz vor schluss kein zufriedenes lächeln oder ein kleines tränchen im gesicht trägt, kann sich schon fragen, ob das eine oder andere dogma nicht doch über bord geworfen werden sollte.
heißer kandidat für den sommer-soundtrack 2013 und darüber hinaus.
bleep-link

einkäufe vom 22. februar 2013

ich fange zwar jeden artikel in dieser kategorie mit der gleichen floskel an, aber auch hier: lange vernachlässigt, daher ein kurzes update, da die menge an neuerwerbungen sich an dem tag in so überschaubaren grenzen hielt, dass dies auch für den aufwand zum verfassen des postings gilt.
zur vorgeschichte sei gesagt, dass ich beiden platten ziemlich entgegengefiebert habe, sie nur nicht bei den gängigen größen (hardwax, space hall, rotation) in den neuheitenlisten auftauchten. im zuge der recherchen wurde ich wieder einmal mit den tatsachen konfrontiert, die der physische tonträgerkauf so mit sich bringen kann: kaum werfen große veröffentlichungen ihre schatten voraus, geht das rennen um die limitierten exemplare los. ja, ich gebe es zu: dank der digitalen vielfalt hat die bequemlichkeit bei mir einzug gehalten, so dass ich nicht mehr wie früher durch drei plattenläden pro tag eile, um dort nachzufragen, ob das objekt der begierde noch vorrätig ist. das vorfühlen geschah diesmal im virtuellen rraum, dem ich den tipp mit oye records in der oderberger straße in p-berg verdanke. dort wurde ich tatsächlich fündig.

levon vincent
rainstorm 2
[novel sound ns-08]
anfang februar gab es einen kurzen artikel auf residentadvisor, dass der herr vincent in wenigen tagen gedenkt, eine neue platte zu veröffentlichen. er hat sich mit den vorläufer-vinyls den beneidenswerten status erarbeitet, dass die gemeinde bei solchen ankündigungen von spontanen kaufimpulsen getrieben wird, ohne die tracks vorher überhaupt gehört zu haben. als die vorhörbeispiele online waren, ging es mir jedoch auf einmal ähnlich. ich nahm jedoch an, dass die festen berliner größen sich mit genügend beständen ausstatten, so dass ich nicht mit anderen um die verbliebenen exemplare buhlen muss. dem war leider nicht so, weshalb ich mich gedanklich fast darauf eingestellt hatte, +15 euro via discogs ausgeben zu dürfen. umso erleichterter war ich, im oye mitgeteilt zu bekommen, dass sie noch zwei exemplare hätten, insofern hatte sich der weg gelohnt.
musikalischer höhepunkt für mich das titelstück mit seiner tollen synth-hookline, das sich in der kommenden open-air-saison bestimmt toll macht. „double jointed sex freak 2“ wurde dankenswerterweise hier nochmal neu aufgelegt, und da ich die erste pressung nicht besitze, freut es mich sehr, den angedubbten house-track ebenfalls in der sammlung zu haben, der sich neben den guten alten main-street-sachen schön einfügt.
(zum vorhören einfach dem discogs-link oben folgen, da sind die youtube-clips verlinkt.)

trade
sheworks005
[works the long nights sheworks005]
blawan und surgeon machen gemeinsame sache auf pariahs und blawans label. die ankündigung alleine verleitete mich schon mal zu einer menge vorfreude, da beide für sich genommen meistens produktionen abliefern, die beinahe blind gekauft werden können (ausnahmen bestätigen allerdings die regel).
mit den vorhörbeispielen kam die ernüchterung, die – muss ich zugeben – auch nach dem kauf und somit dem gesamteindruck der tracks nicht gewichen ist. es klingt auf der a-seite wie blawan, dessen rohe, analoge soundästhetik zugunsten von surgeons sauberem design abgeschliffen worden ist. „touch this skin“ auf der rückseite ist zu gewollt brachial, gab es auf neue heimat vor einem jahrzehnt schon ähnlich. eventuell tue ich den tracks auch nur unrecht und sie hauen mich im club um.
allerdings gibt es auch einen gewaltigen lichtblick: „i notice you all“ liefert das, was ich mir von einer zusammenarbeit zwischen den beiden erhofft hatte. da wird man als hörer (und dj) auf falsche fährten bezüglich der kickdrum geführt und es klingt einfach zügellos, ungeschliffen, roh, so dass ich jetzt schon weiß, dass ich vor und hinter dem pult gewaltigen spaß damit haben werde.
(vorhören bei bleep)

einkäufe vom 2. juni 2012

am besten in listenform mit kleinem kommentar. erspart mir, nach synonymen für die gleichen trackbeschreibungen zu suchen und euch damit redundanzen. fand bei juno statt.

perc
wicker & steel: you saw me (sigha & truss remix)
[perc trax tptdigi 056promo]

war der anreiz, noch etwas mehr mitzunehmen. den remix gibt es in allen erdenklichen formaten kostenlos, dabei handelt es sich um die für meine begriffe am besten gelungene nachbearbeitung. metallische breaks, ideal für’s warm-up, um ein paar kohlen mehr draufzulegen.
juno

the mole people
break night / ocean
[strictly rhtyhm sr12357d]

befand sich lange auf meiner wunschliste, als platte nur gegen entsprechenden aufpreis zu bekommen, hat aber auch seinen grund: mit die besten tracks, die mr van helden unter die leute gebracht hat. einmal sommerlich, einmal für verschwitzte tanzflächen. zeitlos gut.
juno

go hiyama
geometrical
audio assault aar030

ein sehr gelungener hybrid aus industrial-infizierten beats und electronica-elementen, die man spätestens seit autechres „amber“ liebgewinnen konnte. letztere rückt surgeon in seinem tadellosen remix noch etwas mehr nach vorne.
juno

einkäufe vom 28. juni 2011

dank des zeitgewinns komme ich endlich wieder dazu, lange vernachlässigte kategorien zu reanimieren. bleep und boomkat waren die anlaufstellen (trennung durch bindestrich).

pinch
swish
[deep medi musik medi-43]

der titeltrack geisterte (wie üblich) schon länger als dubplate durch mala-sets, entsprechend herbeigesehnt wurde dessen veröffentlichung. typisch düstere pinch-tonart nach klassischer dubstep-rezeptur für die subtile abfahrt. „tunnel“ fällt mit seinem stakkato-beat bei 155 bpm etwas aus dem gewohnten rahmen, könnte sich aber für den übergang zwischen dubstep / schnellerem techno und drum & bass als hilfreich erweisen.
insgesamt gewohnt hohes pinch-niveau.
bleep-link

morphosis
what have we learned remixes part 1
[delsin mmd-r1]

einmal newworldaquarium, der dem düsteren original eine wohltuende schwerelosigkeit hinzufügt und sich damit für den einsatz am sonntag mittag in der panorama bar (bei geöffneten jalousien) empfiehlt. zum anderen just for one day (das ist niemand anderes als t++), der aus der reichlich trippigen vorlage eines seiner breakbeat-monstren mit gänzlich eigener note zimmert.
hervorragende arbeit, von beiden.
bleep-link

surgeon
breaking the frame
[dynamic tension records dtrcd2]

das erste album seit „body request“ aus dem jahr 2000. verwebt verschiedene einflüsse auf virtuose art und weise miteinander: so klingt „transparent radiation“ bspw. wie ein hybrid aus techno und dubstep mit abstrakter instrumentalmusik (frei entnommen seiner eigenen beschreibung des albums), drones gibt es ebenfalls („we are all already here“), natürlich auch seine industrial-beeinflussten techno-stücke.
natürlich keine kost, die sich so nebenbei konsumieren ließe, aber genau darin liegt die stärke des albums. gehört definitiv zum besten, was im techno-bereich in den letzten jahren passiert ist, so dass zu hoffen ist, dass bis zum nächsten album hoffentlich nicht nochmal 11 jahre vergehen. besser als cd oder download kaufen, die tracks sind auf dem vinyl verkürzt (mit bestem dank an marcel für den tipp).
boomkat-link

sleeparchive
ronan point
[tresor 243]

er hat nun auch (abgesehen von ein paar remixen) schon längere zeit nichts mehr von sich hören lassen und eine veröffentlichung auf tresor hätte ich auch nicht erwartet. aber umso erfreulicher, dass er seiner rezeptur treu bleibt, einzig der distortion-anteil bei der 808 ist deutlich erhöht.
solide arbeit, die das rad keineswegs neu erfindet, aber tresor in jedem fall sehr gut zu gesicht steht.
boomkat-link

einkäufe vom 17. november, sowie dem 1. und 8. dezember 2010

mir ist einfach gerade wieder danach, die neuerwerbungen wenigstens kurz vorzustellen. allerdings auch nur, damit sich die charts bei der noch nachzuliefernden november-bilanz quasi selbst erklären.

17. november bei dense, 1. dezember hardwax, 8. dezember bleep. getrennt durch waagerechte striche, und da sich so einiges an einkäufen in den letzten (man kann schon sagen) jahren angesammelt hat, werden die restlichen art-kill-art-, dmz-, equalized-, perlon- und klockworks-eps einfach mit abgehandelt. sieht dann auch gleich nach mehr aus.

pantytec
into the duster
[perlon perl 07]

kaum zu glauben, aber von 1998. wäre sie dieser tage erschienen, hätte sie es nach dem minimal-overkill schwer gehabt. so nahm sie ihrerzeit die verschrobenheit vorweg, die einige ruhig hätten kopieren können, um das genre in den letzten jahren ansatzweise interessant machen zu können. alleine vor der idee, bei „muffler“ geräusche aus formel-1-rennen zu verhackstücken, muss ich den hut ziehen.
war toll, bleibt toll.
clips: nuloop.

shackleton
three eps
[perlon perl 76cd]

nach dem einvernehmlichen ende von skull disco konnte man sich schon fragen, wo es denn für den exil-berliner weitergehen könnte, und umso erstaunter war ich, als mir perlon als neues label genannt wurde. skepsis, ob er bei deren form, nach der ich bei weitem nicht mehr alle eps blind kaufte, überhaupt zum label passen würde, noch dazu mit einem dreierpack, womit ich als debüt nicht gerechnet hätte.
betrat mit den tracks im vergleich zu den düster-meditativen veröffentlichungen auf skull disco definitiv neues terrain, woran ich mich ehrlich gesagt erst einmal gewöhnen musste. stilistisch ist und bleibt es schwer zu klassifizieren, das ist sicher. allerdings auch, dass beiden parteien nichts besseres hätte passieren können. ein album, was einem im jahresrhythmus wohl immer wieder neue facetten präsentieren wird.
clips: decks.
(bereits im herbst letzten jahres im hardwax gekauft.)

radio free robots
silicon carne
[art kill art aka 01]

französisch-deutsches label, widmet sich konzeptionellen arbeiten, und das so überzeugend, dass die geschichte um eine platte genauso interessant ist wie sie selbst. überzeugungstäter sagt man wohl weitläufig dazu.
hier mit einer fiktiven radioshow, moderiert von robotern, ergo synthetischen stimmen, jingles, aber keinen musikalischen beiträgen. als sammlerobjekt wegen des mitgelieferten büropapiers alter schule (dieses noch durch einen nadeldrucker veredelt) interessant. dj-futter ist das nur bedingt – lässt sich, wenn überhaupt, nur zu beginn eines abends oder ganz zum schluss spielen, wenn das publikum partout nicht gehen möchte. oder eben bei webstreams zur verwirrung der leute.
clips: bei den robotern selber.
(bereits vor zwei jahren im damals noch in der mainzer straße ansässigen praxis-laden gekauft.)

michael sellam
scratch
[art kill art aka 06]

der name ist programm. man nehme einen hochleistungs-industrieroboter, lässt ihn eine schallplatte zerkratzen, nimmt die dabei entstehenden geräusche auf, spielt anschließend die zerkratzte platte auf einem plattenspieler ab und fügt beides zusammen. heraus kommt dabei eine beinahe schon rhythmische noise-collage, nach der man sich fragt, ob die resultate bei anderen platten nicht ähnliches zutage fördern. bis dahin bleibt sellam mit dieser idee alleine.
tolles intro, wenn man mich fragt.
in voller länge bei monsieur sellam direkt anzuhören: click.

v/a
superlongevity 5
[perlon perl 84]

ja, bzgl. der anschaffung kann man lange überlegen. sieben platten auf einmal ist natürlich nicht ohne, zumal man die erwartungen, einen neuaufguss des immer noch unangefochtenen zweiten teils zu bekommen, eh reduzieren sollte.
was bleibt also? 28 tracks, mehr als drei stunden spielzeit. endlich was neues von daniel bell in solider, aber nicht unbedingt überragender form. sonst eine fülle an minimalen tools, die zu schnellem mixing verleiten (sammy dee, tobias., fumiya tanaka, jabberjaw, margaret dygas), leerlauf (pantytec – leider, stefan goldmann, sonja moonear).
um die zweifel aus dem weg zu räumen, ich hätte sie nur als kapitalanlage gekauft: shackleton ist in – zu erwartender – bestform, ricardo villalobos trifft die lücke zwischen minimal und techno ohne gerade bassdrum so dermaßen perfekt, dass es für mich sein bester track 2010 ist, mara trax und portable liefern einfach nur dicke house-tracks ab und wer es etwas verschrobener mag, hat bei morane oder kalabrese seine freude.
somit gibt perlon eigentlich jeder fraktion in der anhängerschaft etwas zum abgewinnen mit auf den weg. die (nummerierte) box erledigt als verpackung ihr übriges, das versprochene gimmick wurde jedoch nicht rechtzeitig fertig, so dass man „nur“ mit den platten auskommen muss.
clips: wordandsound.

loefah
root / the goat stare
[dmz dmz:006]

der minimalist unter den dubstep-produzenten einmal mehr (root), einmal weniger perkussiv (the goat stare), aber beide male schön düster und vor allem mit einer bassline, die nur wenig wünsche nach noch tieferen hertz-frequenzen offen lässt.
clips: boomkat.
(bereits anfang 2009 im hardwax gekauft.)

mala
bury da bwoy / hunter
[dmz dmz:011]

die a-seite ist ja schon fast wie eine hymne. melodisch, gerader beat, somit auch für techno-djs interessant, auch wenn die nach aktuellem tempostand wohl eher zum herunterpitchen neigen würden. „hunter“ widmet sich dann wieder dem halfstep plus ein paar melodischen dub-elementen. „bury da bwoy“ gewinnt dagegen haushoch.
clips: boomkat.
(bereits im mai 2009 im hardwax gekauft.)

digital mystikz
return 2 space
[dmz dmzlp001]

es ist schon beinahe ein naturgesetz, wenn die user auf dubstepforum.com sich auf jede neue dubplate von mala stürzen und die postings, den track möglichst bald veröffentlicht sehen zu wollen, kein ende mehr nehmen.
sechs dieser lang erprobten stücke haben es auf dieses dreier-paket geschafft, verpackt in einem gatefold-cover, dickes mastering obendrauf, und alleine die aussicht darauf ließ die netzgemeinde drei monate vor veröffentlichung wild spekulieren. was da nicht alles zu lesen war: von einer locke von malas haaren als limitierte zugabe oder einer weiteren dmz-lp von loefah, die es nur als kassette geben sollte, nicht zu vergessen die fragen, welche tracks denn drauf sein sollen, auch wenn es schon lange feststand.
half alles nichts: am ende war sie dann endlich da und die gemeinde konnte sich an den lang ersehnten tracks erfreuen. im übrigen: für mich die dubstep-veröffentlichung des jahres, ohne wenn und aber.
clips: chemical.
(bereits anfang juli 2010 im hardwax gekauft.)

digital mystikz
education / horrid henry
[dmz dmz:021]

a-seite von mala, b-seite von coki, und wie so häufig das altbekannte dubplate-spiel. „horrid henry“ hat – ohne dass ich damals wusste, dass der track so heißt, nur war ich mir sicher, dass er von coki stammen musste – auf der fusion drei rewinds bekommen. am wobble-exzess mögen sich auch die geister scheiden, bei mir ist da auch echt schnell die schmerzgrenze erreicht, aber wenn die nötige portion wahnsinn hinzukommt, wird’s schon wieder sympathisch. auf entsprechenden anlagen mörderisch.
„education“ ist für diejenigen, die von malas melodisch-meditativer seite nicht genug bekommen können, ein gefundenes fressen. wie „bury da bwoy“ ein track mit gerader bassdrum, prägnanter synthline und mit subtilem schub produziert.
clips: chemical.

eqd
equalized #002
[equalized eqd 002]

eqd ist shed, das weiß inzwischen auch ich.
ein track ohne gerade linie eröffnet die zweite ep, und wenn man’s unbedingt kategorisieren wollte, könnte die schublade „dubstep trifft detroit“ ansatzweise passen. schwierig, den irgendwo unfallfrei unterzubringen, gerade im set.
die b-seite ist eine klare verbeugung in richtung basic channel, genauer: phylyps trak, zweite ausgabe. funktioniert im techno- und house-kontext gleichermaßen gut.
clips: hardwax.
(bereits anfang 2009 im hardwax gekauft.)

eqd
equalized #003
[equalized eqd 003]

die a-seite beginnt trocken, und traut sich erst nach fast zweieinhalb minuten, die melodie zum zuge kommen zu lassen. anschließend ausblenden der oder hall auf die einzelnen elemente – simpel und effektiv.
die b-seite mit ähnlichem rezept, nur mit rauherer ästhetik, daher für mich gewinner.
clips: hardwax.
(bereits im juli 2010 im hardwax gekauft.)

eqd
equalized #004
[equalized eqd 004]

die a-seite ist ein düsteres tool, wie für dettmann-sets geschaffen. mir alleinstehend irgendwie zu wenig, aber vielleicht ist das einer der tracks, deren faszination erst gegen sonntag mittag im berghain zum zuge kommt.
die b-seite mit zwei-ton-sequenz, hintergrundfläche und einer sehr satten bassdrum. neuneinhalbminütige massage mit genügend abwechslungsreichtum, so dass man als dj nicht genötigt wird, etwaig aufkommende monotonie übertünchen zu müssen.
clips: hardwax.

klockworks
kw 04
[klockworks kw 04]

heimlich hat ben klock sein eigenes label in stellung gebracht, was das understatement bzgl. promo pflegt und stattdessen lieber die tracks sprechen lässt. „pulse“ und „grobe“ auf der a-seite sind dj-tools, wie sie im buche stehen. gerade „pulse“ passt in eigentlich jedes techno-set, hat auch das zeug, alleine bestehen zu können. bewundernswert auch, wie solch vordergründig trockene tracks mit so einer wucht daherkommen können.
auf der b-seite blitzen auf einmal melodien hervor. bei „grab me“ eher hintergründig, bei „grasp“ sind sie tragendes element der tracks.
vier tracks für viele gelegenheiten, kein lückenbüßer.
clips: decks.
(bereits anfang 2009 im hardwax gekauft.)

dvs1
kw 05
[klockworks kw 05]

die legende, wie es zur veröffentlichung kam, kann man bei ra nachlesen. im gegensatz zum labelinhaber verlässt dvs1 sich voll und ganz auf die sequenzen und basslines, anstatt den beat so in den vordergrund zu rücken, dass der rest nur dahinter zurückbleiben kann. da kann man sich schon an robert hood erinnert fühlen, was ja nicht der schlechteste vergleich ist.
nimmt den erfolg der ep hoffentlich zum anlass, öfters an den maschinen zu schrauben. auch wenn herr hood dieses jahr wieder zu guter form aufgelaufen ist, wäre es doch schön, ein wenig konkurrenz im rennen zu haben.
clips: decks.
(bereits im september 2009 in der space hall gekauft.)

klockworks
kw 06
[klockworks kw 06]

ben klock nimmt chicago zum vorbild, bei „under pressure“ mit tiefgepitchten stimmen. die kommen eh nicht so schnell aus der mode, noch eine kleine zweiton-melodie dazu, und fertig ist der schnörkellose eisbrecher, wenn die tanzfläche gefüllt werden will.
„voyage one“ ist schon schriller, aber ich kann’s nur begrüßen, wenn die zeit wieder für sowas reif ist. „you“ ist für die ep dann auch der perfekte ausklang.
clips: decks.

romanthony
the wanderer
[decks classix dclx004]

die stand schon seit jahren auf meiner liste, und manche mögen lizensierten nachpressungen ja skeptisch gegenüberstehen. dabei darf nur nicht vergessen werden, dass auch prescription das seinerzeit so gehandhabt hat. da decks den tracks ein neues, sauberes, dickes mastering bei schnittstelle verpasst hat, war es auch keine frage, gegenüber der hoch gehandelten us-pressung einiges an geld zu sparen.
ach so, die musik: immer noch über jeden zweifel erhaben, auch wenn sich bei mir alles zwischen den beiden polen „fusion dubb“ und „temple vox mix“ abspielt.
clips: decks.

autechre
amber
[warp warpcd25]

veritabler klassiker, der in der sammlung einfach noch fehlte. eines der zugänglichsten ae-werke und dabei dennoch so futuristisch, dass sich wahrscheinlich noch weitere generationen an nachwuchs-produzenten das album als messlatte nehmen werden.
clips: bleep.

shackleton
man on a string part 1 and 2
[woe to the septic heart! septic1]

mit eigenem label, fährt weiter auf der schiene, die er mit dem letztjährigen perlon-album eingeschlagen hat. da er quasi sein eigenes genre bedient, wird es auf dem feld so schnell sicher nicht langweilig.
clips: bleep.

raime
if anywhere was here he would know where we are
[blackest ever black blackest002]

neues label, neuer act, richtung ambient mit gewaltigem industrial-einschlag und techno-erziehung. der titeltrack hat auch etwas sakrales, wohingegen regis mit seinem remix von der ersten ep angenehm zurückhaltend in sandwell-manier agiert.
sollte man als newcomer definitiv im auge behalten.
clips: bleep.

einkäufe vom 12. januar 2010

auch wenn es sich wie ein weiteres zusammenschrumpfen des im oktober 2008 formulierten ziels liest, sich in den kritiken nur noch auf wesentliche dinge zu beschränken, so ist das angesichts der menge an aufgelaufenem material eine schiere notwendigkeit. die tatsache ist (und das können sich die damen und herren bei den major-labels bitte hinter die ohren schreiben, obwohl mir klar ist, dass es hier eine andere baustelle ist): durch den umstieg auf digitale hilfsmittel bei der musikalischen darbietung („dj-set“ kann man dazu nicht mehr wirklich sagen) sind die einkäufe nicht weniger geworden – eher ist das gegenteil der fall.
schön, nun ist der prozess des einkaufens das eine, und da hat sich in den letzten 12 jahren eine gewisse routine entwickelt, dank der entscheidungen über kauf oder nichtkauf innerhalb von sekunden getroffen werden können. aufwändig wird’s danach: zunächst müssen die dateien (bzw. deren tags) sich meiner anpassungs-prozedur unterziehen, damit sie sich im rest der sammlung heimisch fühlen (oder damit ich den überblick behalte). läuft dankenswerterweise mittlerweile auch halbautomatisiert ab.
anschließend die auslese: was lässt sich denn im hinblick auf die stilistischen vorlieben so verwenden? sicher ist der track im gesamtbild nach wie vor entscheidend für den kauf, aber es gibt auch in vermeintlich uninteressanten stücken manche elemente, die für sich allein genommen wiederum andere schön ergänzen können. dank der loop-funktion in ableton sind einzelne takte oder sogar nur bassdrums in wenigen augenblicken isoliert. daher lohnt es sich schon, oberflächlich mittelprächtig erscheinende tracks nicht gleich unter den tisch fallen zu lassen.
nun bin ich mir also darüber im klaren, was potentiell als kandidat für künftige sets gedacht ist, das muss nur noch ableton mittels warpen und das setzen von markern an loopbaren stellen beigebracht werden. der so gut wie immer auftretende idealfall eines ohne takt- und tempowechsel durchmarschierenden tracks kommt da mindestens genauso gelegen wie das digitale ausgangsmaterial, weil das im gegensatz zum vinyl-rip keine gleichlaufschwankungen kennt.
das also aus dem nähkästchen, was so passiert, nachdem die leitung zum server geglüht hat. für die retrodigitalisierung der platten gilt weitestgehend das gleiche, nur dass die (ja, auch beim technics 1210er auftretenden) gleichlaufschwankungen beim warpen alle 32 takte ausgeglichen werden müssen. ach ja, backups gibt es auch noch.

um es endlich mal auf den punkt zu bringen: nachdem schon ein guter teil des tages so ein verwaltungsaufwand betrieben wird, parallel noch sets vorbereitet werden wollen (es ist immer noch so, dass ich die auswahl am rahmenprogramm ausrichte, anstatt immer und überall aus einer standard-vorlage zu schöpfen), und das privatleben auch andere aktivitäten zu bieten hat, kommt dem bloggen über neuerwerbungen eine ganz schön geringe priorität zu. gleichzeitig soll die leserschaft aber nicht im dunkeln tappen, was mich musikalisch überzeugt hat.

wie also damit umgehen? nun, der wegfall der monatlichen suchbegriff-charts und deren ersetzung durch dj-charts ist der erste (kleinere) schritt. der zweite, und damit bin ich bei der oben angedrohten schrumpfkur, ist die reduzierung der kritiken auf einkaufslisten mit einzeilern, natürlich mit links zu den veröffentlichungen auf jeweiligen portalen, wie bei den letzten besprechungen auch.
als ausgleich (und da kommt wieder mal die digitalisierung, bzw. die ableton-interne aufnahmefunktion entgegen) bemühe ich mich um regelmäßige mitschnitte der club-auftritte. sicher, das ist abhängig von meiner tagesform, weshalb die sets im anschluss nochmal kurz durch die qualitätskontrolle müssen, aber für manche sicher interessant, da man für die killekill-parties in der berghain-kantine unter der woche nicht immer die zeit findet. einen audio-player für wordpress habe ich gestern installiert, und der wird demnächst in der praxis erprobt. er bringt sogar von haus aus die funktion mit, rss-feeds mit links zur audio-datei auszustatten – damit kann man schon fast von „podcast“ reden. so haben die anhänger was zum sammeln, wenn dadurch mehr leute auf den geschmack kommen, ist mir das auch sehr recht.

so, nun zum wesentlichen. am 12. januar 2010 via boomkat eingekauft:

martyn
great lengths
[3024 3024-005cd]

2009 richtig durchgestartet, album mit maßgeblichem anteil daran, bedient eine weite palette von interessen, so dass sowohl house- als auch garage- oder dubstep-freunde auf ihre kosten kommen. schön melodisch gerade ist „elden st.“, „vancouver“ in einer hervorragenden version ohne die vocal-loops.
boomkat-link

f
epilogue
[7even recordings 7even09]

das original ist eigentlich lupenreiner dubtechno und mit das beste, was mir in dem genre in den letzten jahren begegnet ist – traumhafter track. ramadanman nutzt die mittlerweile bekannten zutaten, setzt die beats aber so sparsam ein, dass die stimmung des originals nicht zerstört wird.
boomkat-link

f
the untitled dub / phantom
[7even recordings 7even06]

die a-seite treibt mehr als gründlich, während die rückseite sich dem hall widmet.
boomkat-link

planetary assault systems
temporary suspension
[ostgut ton ostgutcd09]

herr slater kann, wenn er nur will. techno, der einsatz und schweiß fordert. klingt manchmal wie die tool-schule anfang des jahrtausends, tracks wie „sticker men“ oder „hold it“ wiederum taufrisch.
boomkat-link

planetary assault systems
remixes
[ostgut ton o-ton31]

al tourettes und appleblim als klare gewinner, hätte genauso gut von surgeon stammen können. deuce sind mir als als alleinstehender track betrachtet zu statisch.
boomkat-link

wax
dub shed sessions 1
[subsolo records sub005]

shed remixt sich selber, auf der a-seite mit großzügigen chords und massivem schub, die rückseite ist das pure gegenteil davon, ist in ihrer reduktion fast schon meditativ. gewohnte klasse.
boomkat-link

monolake
silence
[monolake / imbalance computer music ml 025]

davon ist „avalanche“ am ehesten im set-kontext denkbar. aus der perspektive des hörers handwerklich natürlich wieder perfekt produzierte electronica für daheim, auch wenn manchen tracks der zündende funke fehlt. dafür bieten die wiederum material zum jonglieren mit rhythmen.
boomkat-link

gez varley
shon
[keys of life life12in-15]

„purge“ hätte genauso gut auf sähkö mitte der 1990er platz gefunden, alleine die dreckige kickdrum flößt ehrfurcht ein. auch mit dem rest macht der g-man vor, wie das mit minimal eigentlich geht.
boomkat-link

james ruskin
the outsider
[blueprint bp027]

mr ruskin hält sich mit percussion mittlerweile zurück und empfiehlt sich mit den ravesignalen des originals für len-faki-sets. luke slater betont in seinem remix die düstere note, während ruskin selbst mit „solution“ und seinem auf der vier stolpernden beat alles klarmacht.
boomkat-link

tim exile – the finger ep

wenn ich schon unentwegt von seinen live-auftritten schwärme, sollte das auch endlich akustisch-visuell untermauert werden. hintergrund ist eine von ihm mitgestaltete software für native instruments (eben „the finger„), welche die grundlage für die vier live arrangierten tracks lieferte. das alles noch mit videos garniert, so dass der laptop-nachwuchs sich schon mal anschauen kann, dass man seinen gesamten körper benutzen kann, um gute musik zu machen, nicht nur die maus zum klicken (schreibt jemand, der selber gerade die segnungen eines midi-controllers genießt und somit auch nicht wesentlich mehr show bietet).

Tim Exile – The Finger EP by The Now Wave