Nov 012016
 

irgendwie ganz gutes timing, dass der artikel über tokyos audiophile spielstätten kürzlich auf residentadvisor erschienen ist. und da der 3. november in japan feiertag ist (bunka no hi – feiertag der kultur), kann man auch mittwochs ohne schlechtes gewissen ausgehen. purer zufall, dass der im artikel erwähnte dj nobu zum jubiläum des ladens spielen wird. hat im berghain bislang mit ihm nie geklappt, aber sein soma-podcast hört sich vielversprechend an.

grassroots 19th anniversary party
dj nobu
hikaru
ya△ma
conomark

adresse
1-6-12 koenji minami, suginami-ku, tokyo, 166-0003

start
23 uhr

nachbetrachtung
wenn jemand ein paradebeispiel für das etikett „wohnzimmerclub“ sucht, ist das grassroots die goldrichtige adresse.

meine größte sorge bestand nach den erfahrungen mit dem suchen und finden von zuvor ausgesuchten orten in tokyo darin, dass ich kurz vor mitternacht und vor ende der schichten für die u-bahn-fahrer mitten im mir unbekannten koenji stehe und den club nicht finde. zu widersprüchlich waren die angaben, die diverse kartenanbieter per app angeboten haben, auch wenn die sich auf einen gewissen bereich in der nähe des u-bahnhofs konzentrierten. aber die aufnahmen von street view ließen auf ein wohngebiet schließen, und da hatte ich schon meine zweifel, dass gerade dort ein club seit fast 20 jahren bestehen könne.
es war dann wie so häufig: viel sorge um nichts. raus aus der station richtung norden, und kaum fünf minuten später waren leise bässe zu vernehmen. hinter einer offenen türe saß jemand hinter einem improvisierten kassenschalter. ich fragte nur „is this grassroots?“, erhielt dafür ein „bingo!“ mit großem lächeln zurück und war nicht mal eine minute später oben.

der gesamte club dürfte inklusive toilette 30 quadratmeter umfassen. da es sich um ein spitz zulaufendes haus handelt, nimmt der laden automatisch die form eines keils an, an dessen spitze man eher sitzen oder seine siebensachen ablegen kann.
mir stach sofort die deko ins auge. ein bisschen schwarzlicht und angemalte fäden erinnerten an goa-parties hierzulande, ein wenig holzromantik aus dem kater gab’s dazu, aber so richtig prominent sind die an h.r. giger erinnernden stahlkonstruktionen rund um das dj-pult. für’s auge gab’s also permanent was an dekoration zu sehen, und die besucher trudelten auch zwischen mitternacht und 1:30 uhr ein, so dass es auf der tanzfläche recht schnell so voll war, dass ich lieber auf einer der sitzgelegenheiten verblieb.

dj nobu habe ich (und das entbehrt nicht einer gewissen ironie) schon nicht mehr gehört, da ich mir jetlag- und arbeitstagsbedingt 5 uhr als grenze gesetzt hatte – da fahren die u-bahnen wieder. aus dem grassroots und auch dem contact ein paar tage später meine ich, das phänomen ausgemacht zu haben, dass die japaner gerne im club wegnicken, bevor es heimwärts geht. es saßen jedenfalls ein paar am rande, ohne dass sie in irgendeiner form belästigt worden sind.
conomark, ya△ma und hikaru dürfte die reihenfolge gewesen sein, wovon alle mit vinyl spielten und ya△ma mir am besten gefiel, da sie zwischen deep house und technoiden tracks keine 20 minuten brauchte, um die meute dort heranzuführen. auch wenn die techno-phase eher kurz war und es ziemlich schnell wieder housig wurde, war das technisch und vom bogen her locker am besten. bei hikaru habe ich später noch die „shades of jae“ von moodymann als einzigen track des abends erkannt, der irgendwie immer geht.

das alles hinterließ den eindruck einer sehr guten wg-party, auf der die musik etwas, aber nicht zu laut lief. als ich ging, hatte ich nicht den eindruck, dass es bald vorbei sein würde (wenn ich das auf facebook richtig gelesen habe, war um 15 uhr schluss). wundert mich bei so einer familiären angelegenheit auch nicht.
sollte man also kein problem mit angedeutetem hüftschwingen auf engerem raum zu house-music haben und einfach einen netten abend verbringen wollen, wenn man eh schon länger in der stadt ist: sollte man machen. war gleich von der ersten minute an zu spüren, dass eine menge liebe zum detail in den laden geflossen ist und es sich bei den machern um idealisten handelt, die einfach nur gute musik vorspielen und andere daran teilhaben lassen möchten. und sowas ist per se unterstützenswert. als techno- und club-sozialisierter fand ich’s im contact dann aber doch besser.

 Posted by on 01.11.2016 at 16:43

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