Apr 122019
 

auch in münchen ist die existenz von clubs nicht selbstverständlich. mir wurde empfohlen, dass ich mir das mma wegen seiner industriehallenästhetik anschauen soll. da lasse ich mich nicht bitten. werde es wahrscheinlich bedauern, es erst am schließungswochenende hingeschafft zu haben.

mma closing part 1

halle
adam beyer
marcel fengler
thomas werner
human rias

club
raphael dincsoy
dominik marz & david kochs
dobé
martina hiller

start
23 uhr

nachbetrachtung
hatte zwar ein ticket, da ich schon befürchtete, dass sich weit vor mitternacht eine schlange bilden würde. aber selbst war ich erst zur geisterstunde vor ort und überrascht, dass man noch quasi durchgehen konnte.

die ortsbegehung dauerte auch erstmal eine viertelstunde. wenn alles offen hatte (also halle und club), lag die garderobe weit hinten. und das alles in recht luftigen gängen. im sommer kein problem, bei allem unter einstelligen plusgraden wurde das mit dem abgeben/abholen der siebensachen aber zur zitterpartie.

die referenzen an die vorzeigediskothek am wriezener karree waren jedoch in der halle nicht zu übersehen. line-arrays als beschallung, subwoofer nur vorne. gab zwar keinen nachhall oder brei, wenn man hinten stand. aber wirklich druckvoll war der sound nur in der vorderen hälfte.
dicker pluspunkt: relativ ebenerdiges dj-pult, was auch ein wenig abgesetzt von den wänden war, so dass man auch gerne dahinter tanzen konnte. das licht hat raum und publikum eher inszeniert als den dj – auch das ist positiv anzumerken. der eigentliche club lag nochmal ein ende den (kalten) gang hinunter und war eine ganze ecke kleiner – bestenfalls für 300 leute ausgelegt. sonst klassische techno-umgebung: schwarzgestrichene wände, weniger ist mehr beim licht, sitzgelegenheiten in der ecke neben der bar, auch nur leicht erhobenes dj-pult.
minuspunkt: red bull als getränkesponsor, so dass man auch nur deren simply cola bekam. außerdem noch die bar in der halle an der rechten seite, was ein kleines nadelöhr zwischen tanzenden und durstigen war.

gibt ansonsten nur wenig zu meckern. mir war die musik ab 2 uhr auf beiden floors zu melodisch, aber das ist mein problem mit allem, was ich voreilig in die „trance“-schublade packe. das warm-up von martina hiller im club war schon sportlich sowie schnörkellos. thomas werner war da ein wenig voluminöser („the peg loosens“ von paleman bspw.).
bin aber wegen des raumes und der echt guten stimmung aber gerne bis 7:30 uhr geblieben. da machte adam beyer noch keine anstalten, aufhören zu wollen. auch er ziemlich trancig – der edit von „the house of house“ von cherrymoon trax könnte ruhig mal erscheinen.
vom publikum her ein querschnitt durch das, was man in münchen so erwartet: durchaus schickgemachte damen und herren mischen sich mit partyveteranen und denen, die es werden wollen. dann gibt es noch die fraktion, die nur mal gucken möchte, ganz normale techno-anhänger mit tresor-shirt (worauf man als berliner schon ein wenig stolz ist) und (unerwartet, daher umso erfreulicher) offen schwule. das alles hat die zeit jedenfalls nicht lang werden lassen.

wenn der club geräumt ist, kommt die abrissbirne. dann werden an der stelle ausnahmsweise mal keine gewerbebauten, sondern wohnungen entstehen. schön, davon braucht münchen eine menge. es wird aber bei der innenstadtlage nur die üblichen 20% sozialwohnungen geben, die auch nur über einen begrenzten zeitraum gefördert werden. man kann sich also ausmalen, welche preise für eigentum und ergo dann für die miete aufgerufen werden. vor dem hintergrund sind kampagnen wie #savemma wichtig, um zu signalisieren, dass subkultur im innenstadtbereich wichtig ist. aber angesichts des wohnungsmarktes, der im vergleich zu berlin noch einen wesentlich höheren druck zu verzeichnen hat, wird es für clubbetreiber in der münchener innenstadt künftig nicht leichter.
die leute um das mma wollen laut der dame am infostand zur kampagne jedoch weiterhin etwas bewegen und sind auf der suche nach orten. in der kurzen zeitspanne, die der club existierte, hat er jedenfalls eindruck hinterlassen. bei mir jedenfalls den eines ladens, der ein freihafen für liberal denkende, queer liebende oder exzessiv feiernde ist, was gerade für münchen wichtig ist. alleine deswegen bin ich gespannt, ob es einen nachfolger gibt.

 Veröffentlicht von am 12.04.2019 um 12:15

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