Dez 272016
 

um das intro hoffentlich ein letztes mal überzustrapazieren: 2016 hat (insgesamt und nicht nur die todesfälle im künstlerischen bereich betrachtet) bei mir nicht unbedingt dazu beigetragen, zynische tendenzen zu überwinden – leider wohl eher das gegenteil. insofern war mein erster gedanke nach dem „och, nööö“ am abend des ersten weihnachtsfeiertages auch der, dass die bedeutung von „last christmas“ für ihn einen etwas morbiden beigeschmack bekommt.

die omnipräsenz des liedes ist gerade dieser tage ungebrochen und die damit einhergehenden polarisierenden reaktionen von verzückung auf der einen und augenrollen / wutschäumen auf der anderen seite gehören fast zum ritual dazu. ich selber habe mich damit vor geraumer zeit so arrangiert, in demonstrative verzückung zu verfallen, wenn ich die achtel-synthline der ersten takte höre. als ich dann noch erfuhr, dass „last christmas“ jedes jahr im dezember auf’s neue in die charts kommt und george michael auch wegen der häufigkeit, bei der es im radio gespielt wird, eine regelmäßige einnahmequelle hat, wuchs mein respekt sogar noch.

damit wäre der klischeehafte einstieg erledigt, da man ihm unrecht täte, ihn nur auf diese weihnachtsballade zu reduzieren. auch wenn es nachvollziehbar ist, dass manche wham als verkörperung der 1980er-fönfrisuren in die ecke der dunkelsten erinnerungen verbannen wollen, stehen sie zumindest für mich als beispiel für gute popmusik da und „wake me up before you go go“ als erster song mit george-michael-beteiligung, den ich bewusst mitbekam.

„faith“ war anno 1987 der song, der im autoradio oder daheim ganz schön häufig zu hören war und mich schon sowas wie mitgerissen hat. toller rhythmus, weniger bombast – neben „praying for time“ (und ja, auch „freedom“) ist das mein lieblingssong von ihm. wie es aber nun mal so ist: nach dem auftritt mit queen in wembley anno 1993 (mit dem famosen medley aus „killer“ und „papa was a rolling stone“) interessierten mich andere dinge und so bekam ich nur das mit, was die öffentlichkeit eher aufregen sollte: erregung öffentlichen ärgernisses, fahren unter einfluss gewisser substanzen etc.

auf der anderen seite standen jedoch ein durchaus selbstironischer umgang mit den geschehnissen und die tatsache, dass er mit seinem auftritt bei der abschlussfeier der olympischen spiele in london anno 2012 als respektabler sänger und nicht als abziehbild seiner selbst dastand. das war zwar keine umkremplung des bisher dagewesenen, aber immer noch musik, die ich ohne fremdscham anhören konnte.

am ersten weihnachtsfeiertag mit 53 verstorben, als ursache (deswegen kommt das posting auch erst heute) wurde herzversagen angegeben.

r.i.p.

 Posted by on 27.12.2016 at 08:54
Dez 092016
 

montag ist schon wieder vorsorglich frei, da steht der jährlichen teilnahme an der generalprobe für silvester nichts im wege. wird sich zwar ohne pause(n) zwischendurch nicht machen lassen, aber die vorfreude auf die halle und tatsächlich auch auf das finale im berghain ab 20 uhr ist groß.

zwölf jahre berghain

berghain
00h00 solaris
04h30 barker & baumecker
06h00 koehler
10h00 phase fatale
15h00 dj nobu b2b the black madonna
20h00 surgeon live
22h00 marcel dettmann
02h00 blawan
07h00 ben klock

panorama bar
00h00 fort romeau
04h00 gonno
08h00 andy butler
11h00 byron yeates
15h00 dj yamaho
19h00 dinky live
20h00 justin strauss
00h00 steffi
05h00 virginia

elektroakustischer salon
07h00 nina
11h00 renaat
15h00 cristian vogel live
19h00 søs gunver ryberg live
21h00 sigha

eintritt
20 euro

nachbetrachtung
ging dann doch mit einer pause zwischendurch, aber dennoch asymmetrische verteilung: erstbesuch von 3:30-6:00 uhr, der zweite von 17:30-13:30, da spielte ben klock den rausschmeißer („follow me“ von parris mitchell, zuvor noch der carl-craig-remix von „kill 100“, original von x-press 2, der schon in diversen len-faki-sets der sichere treffer war).
zum baulichen: die doppelstöckige garderobe ist fertig, zwar ein wenig zu hell geworden, aber das lässt sich mit dunkleren neonröhren noch zurechtrücken. eine große entlastung ist sie allemal: habe bei hochbetrieb zu beginn meiner zweiten schicht nicht mal zwei minuten oben warten müssen, um meine tasche abzugeben und sie damit gleich mal eingeweiht.

die favoriten der jeweiligen schichten sind zwar für stammleser irgendwie vorauszusehen, teilen jedoch eine gemeinsamkeit: in den ersten zweieinhalb stunden war es tatsächlich das berghain, in den zweiten 20 (mal wieder) die halle. unnötig zu erwähnen, dass letztere den experimenten vorbehalten ist, aber die gemeinsamkeit besteht tatsächlich darin, dass es in meiner ersten berghain-schicht alles andere als ware von der stange gab.
das ließ sich schon bei der letzten stunde von solaris spüren, die wenigstens zur hälfte breakbeats mit industrial-hintergrund spielte. zwar technisch mit abzügen in der b-note, die hälfte der übergänge passte aber und den rest konnte sie mit den filtern gut überbrücken. aus sicht des ableton-perfektionisten ist das sicher hochnäsig, weil die nervosität damit ein dicht gespanntes netz bekommt, das sie nicht hatte. von daher werfe ich vom glashaus aus mal besser nicht mit steinen und respektiere lieber den mut zum (inhaltlichen) risiko frei von offensichtlichen hits (ich kannte jedenfalls nichts, was aber auch nichts heißen muss) als mich über nicht 100%ig sitzende übergänge zu echauffieren.
mich hat es jedenfalls überrascht, dass die (zumindest dem klischee nach) zu der uhrzeit versammelte touristenmeute doch ganz gut darauf einstieg. der anteil an gays legte jedoch nahe, dass einige aus alten tagen wieder mal vorbeigeschaut haben.
barker & baumecker mit arbeitsteilung: sam am sampler, nd an den cdjs. da es ein live/dj-hybrid war, verschwommen damit die grenzen zwischen den elementen. ganz sicher erkannt: „club entropicana“ von „turns“, und wenn mich nicht alles täuscht, war „encipher / decipher“ auch mit dabei. letztendlich nebensächliche details, denn vielmehr zählt, dass auch die beiden vom pfad der geradeaus marschierenden kickdrum abkamen, das jedoch immer mit einem nicht-kitschigen melodischen unterbau zu unterfüttern wussten, der das publikum gut bei laune hielt. für mich war es daher (insbesondere nach der kritik, die sich skee mask nach seinem set vom mai diesen jahres gefallen lassen musste) schön zu sehen, dass durchaus unkonventionelles um die uhrzeit gut funktionieren kann. ein kleines haar in der suppe war der schluss, bei dem sie während eines breaks bei gleißend hellem licht anlauf für einen fulminanten schlussakkord zu nehmen schienen, zu dem die meute auch willig genug schien. das inferno mit attacken im tieftonbereich blieb jedoch aus, so dass das set eher gemütlich ausklang. gut, kann man auch als bruch mit konventionen auslegen, aber hin und wieder kann man den eingespielten dramaturgischen abläufen auch folgen und sich zum schluss hin nochmal belohnen.
egal, bleibt so oder so für mich der höhepunkt der zwei schichten.

vor beginn der zweiten sank die laune angesichts der gästelisten-/stempelschlange von ostgut-ton-nacht-ausmaßen erstmal in den keller. ich war eh schon etwas später dran als geplant und dachte mir, dass ich herrn vogel so ab ca. 16 uhr mitbekommen könnte. stattdessen stand ich um 16 uhr bei kälte und regen erstmal in höhe des gartens und stellte mich auf vier stunden wartezeit ein. es kam jedoch nicht so schlimm wie befürchtet: der regen verzog sich wieder und es waren dann doch „nur“ anderthalb stunden – es wurde also ziemlich zügig abgearbeitet.
direkt an the black madonna und dj nobu vorbei zur halle, die mit laser und transparentem stoff an der decke dort sowas wie einen sternenhimmel bot. die holzdekoration erinnerte ziemlich an tannenbäume, ansonsten gab es die bekannten holzbänke mit den weißen matten drauf – und ein set von cristian vogel mit bestechend guter qualität obendrauf (nach barker & baumecker dicht folgender zweiter favorit, aber ich bin ja auch nicht objektiv, zugegeben). der wechselte zwischen seiner never engine, einem modularsystem und auch cdjs, so dass sprachkollagen sich mit drones oder sporadischen melodiesprenkseln abwechselten und wirkte dabei so, als ob er nach seinem abschied von den tanzflächen der clubs ein echt passendes neues heim gefunden hat. er machte auch etwas länger und spielte noch sein „cancion sintetica“ vom „specific momentific“-album (oder aus „enter the void“ – je nachdem), ein weiterer gänsehaut-moment. schade, dass ich die größere erste hälfte verpasst habe.

ab zu the black madonna und dj nobu, um schon einen platz für surgeon zu haben. man kann nicht sagen, dass es besonders leer gewesen wäre, aber wie schon beim letzten sonntag empfand ich das nicht als unangenehm. entweder weil die halle eine menge abfederte oder ich mich mental schon vorab darauf eingestellt hatte, dass es eh voll wird und man eben nicht zu solchen anlässen ausgehen soll, wenn einem nicht nach sowas ist. ich hab ja immer noch die theorie, dass die tür frühzeitig aufhört, weitere oder ihnen nicht bekannte leute hineinzulassen. eine schlange gab es für den rest des abends jedenfalls nicht mehr.
das duo sparte in seiner letzten halben stunde jedenfalls nicht an hits: „never grow old“, „from sea to sea“ von voiski als vorletzter, gefolgt von „nous sommes mmm“ als letzter track. keine ahnung, ob der rest ähnlich auf nummer sicher ging. dem publikum gefiel’s und eine halbe stunde reicht bei weitem nicht aus, um ein fünf-stunden-set beurteilen zu können.
surgeon mit mittlerweile bekanntem modular-setup, der in seinen zwei stunden für mich solide unterhaltung lieferte – aber leider nicht mehr. um die kritik gleich mal vorab zu relativieren: ich habe großen respekt vor produzenten, die sich durch ihre technischen mittel eingeschränkt fühlen und neue wege beschreiten wollen. das ist in seinem fall mit der integrierung von modularsynthesizern und der sukzessiven verdrängung von ableton live auch geschehen und vom kurzzeitigen herumspielen an einem kleinen modularsystem weiß ich, wie kompliziert diese materie ist und dass man sich (gerade als ungeübter) gut darin verlieren kann. er hat’s definitiv geschafft, damit ein set abzuliefern, das sich ab der zweiten hälfte nicht in einem undefinierbaren wirrwarr an sequenzen verliert und immer versucht, mit breaks und charakteristisch stolpernden rhythmen eine dynamik hineinzubringen. es gibt für mich nur ein problem im vergleich seiner neueren versus der noch von ableton live geprägten produktionen, das man auch ganz gut zwischen den beiden letzten alben („breaking the frame“ und „from farthest known objects“) festmachen kann: mir kommt die dramaturgie innerhalb eines seiner mit modularsetup produzierten tracks ungefähr so vor wie die dynamik eines stücks, das mit hinblick auf den loudness war gemastert wird. sprich: der unterschied zwischen richtig leisen und richtig lauten passagen ist zwar spürbar, aber zwischen „durchschnittlich und richtig laut“ findet viel auf einer subjektiv immer gleichbleibend empfundenen lautstärke statt, die das ohr eher ermüdet. in den zwei stunden im berghain war’s stets die gleiche kickdrum, stets die gleich klingenden hihats, eher wurden die modularsequenzen mal mehr und mal weniger geringfügig geändert. das ist je nach erwartungshaltung auch völlig ok – jeder, der mit liebe zum detail zugehört hat, wird damit glücklicher gewesen sein als ich. mir hat jedoch im druck die variation gefehlt – eine bassline, welche die kick noch mehr anschiebt und den tieftönern der funktion one mehr arbeit verschafft hätte. er hat ja in der vergangenheit bewiesen, dass er tracks produzieren kann, die nach einer gewissen phase noch eins draufsetzen können, aber so wirkte das auf mich über die zwei stunden hin seltsam statisch. gut möglich, dass er sich da zumindest im techno-kontext erst noch finden muss. für mich klingen seine aktuellen ambient/drone-produktionen unter seinem bürgerlichen namen wesentlich reifer, wäre an sich auch etwas für die halle.

keine ahnung, warum marcel dettmann mich nicht gleich von beginn an packen konnte, das lag wohl eher an mir, der sich nach surgeon eine richtige breitseite erhofft hatte. sigha war nebenan mit cdjs und modularsystem als ergänzung zugange und dabei auch zu mitternacht hin fast tanzbar. hat jedenfalls mit „cloud“ von roly porter für einen „der“ momente gesorgt und marcel dettmann mit „la rock 01“ von vitalic als letztem track ebenfalls, der sich wohl zum aktuellen markenzeichen entwickelt.
blawan zeigte im anschluss, dass man mit tools überaus dynamische, interessante sets spielen kann. das brachte für mich jedenfalls die richtige mischung aus zügel anziehen und wieder loslassen mit, die mir bei surgeon (und auch sonst nicht selten auf techno-tanzflächen in den vergangenen monaten) fehlte. auch wieder nichts erkannt, außer der b1 von der killa bite 2.
wie man schon merkt, waren die ausflüge nach oben eher kurz. steffi habe ich kurz zwischen 3 und 4 gehört, was gewohnt gut ausgesuchter techhouse war. zu virginia habe ich dann auch nur die übergabe mitbekommen.
also ben klock: für mich immer noch die verkörperung des berghain-konsens. damit sei vorweggenommen, dass er es auch mit dem set nicht geschafft hat, sich aus dem guten durchschnitt herauszuspielen. technisch immer noch eine liga für sich, dagegen ist nichts zu sagen. aber selbst in dem schon leicht übermüdeten, durch mate jedoch angepeitschten zustand bot er mir inhaltlich zwischendurch zu viel berechenbares, nachdem er überaus interessant mit acid begonnen hatte. die mitte war aber von ziemlich trockenen tools geprägt, wobei ich hoffte, dass das genau das richtige wäre, um mich ohne groß nachzudenken einfach nur maschinell bewegen zu können. gut zu wissen, dass bei den ansprüchen zwischen dem ziemlich und weniger fitten zustand meinerseits dann doch keine unterschiede zu bestehen scheinen und abwechslung bei gleichzeitiger tiefe mich in beiden phasen am besten bei laune halten können.
das gelang ben in den letzten zwei stunden auch besser, aber da kamen dann auch die hits. „thoughts“ von green velvet, „dark & long“ von underworld sind da auf der plus-seite, „just close your eyes“ von gecko leider auf der minus-seite, aber eine seltene perle wie „trak 3“ von octave one glich das direkt danach wieder aus.

und hat es sich gelohnt, dafür einen arbeitstag zu opfern? zugegeben, das schlechte gewissen nagte schon an mir, als sich abzeichnete, dass es doch ein recht sonniger tag wird. musikalisch hätte ich auch nicht viel versäumt, wenn ich um 7 uhr montagfrüh gegangen wäre. von der atmosphäre her lohnen sich gerade die letzten stunden jedoch nach wie vor – auch wenn man diese doch ziemlich kaputte szenerie verdauen muss. keine ahnung, ob es eine strategie von betreiberseite aus oder ein zeichen dafür ist, dass der hype etwas abflaut. für mich war der schluss gegen 13:30 uhr, bei dem die tanzfläche noch mehr als zur hälfte gefüllt war und man daher bei ben durchaus mit weiterer überlänge bis in den montagnachmittag hinein rechnen konnte, durchaus adäquat, aber manchen wohl zu früh. sollte eine strategie dahinterstecken, finde ich es ganz ok, nicht immer nach mehr streben zu wollen. hat zwar auch etwas von bevormundung, da man manche schon vor sich selbst schützen muss, kocht aber auch die emotionen etwas herunter, wonach das berghain zu einer art ersatzreligion verklärt wird.
insgesamt fand ich den 12. geburtstag schön unaufgeregt. positiv anzumerken ist, dass musikalische experimente im berghain (barker & baumecker, solaris) durchaus vom publikum goutiert werden, die halle ist und bleibt eine perle und die publikumskonstellation müsste manchen an die anfangszeiten erinnert haben, da viele gays und kostümierte den weg zum wriezener karree gefunden hatten und damit einen schönen kontrast zum sonst herrschenden schwarz boten. auch wenn’s auf der tanzfläche mal voller war (wie sonntagabend bei surgeon oder blawan): ich fühlte mich da wesentlich wohler als noch vor einem jahr, weil die leute wieder mehr auf das zu achten scheinen, was um sie herum passiert. exemplare mit nachhilfebedarf in puncto umsicht gibt’s immer, aber da ließ sich stets ein anderer platz finden.
dennoch: den schluss muss ich unten nicht zwingend mitnehmen – zumindest nicht bei den protagonisten im line-up, auf die sich viele einigen können, die mir jedoch bei dem status quo in sachen techno keine oder nur wenig impulse liefern können. das ist eine etage höher bei hereinscheinendem tageslicht etwas anderes. zwar auch davon abhängig, wer an den reglern steht, aber aufgrund der fast schon jahrzehntelangen fokussierung auf techno ist die chance, dort anderes zu hören, einfach größer.
kurzum: im 13. jahr wird’s für mich auch reichen, den sonntag tagsüber bis zum abend mitzunehmen. sonst bin ich gespannt, ob die freitage weiterhin ausgebaut werden – wobei das eher sogar ein wunsch ist.

Dez 072016
 

in tokyo habe ich sie leider um ein paar tage verpasst, dann eben hier. zeus ist der (mir bisher völlig unbekannte) support-act.

nachbetrachtung
zeus begannen erstaunlicherweise eine viertelstunde früher – zu einem zeitpunkt, als ich noch etwas bedenken hatte, ob der abend bei der gästeanzahl in schwung kommen könnte (vorweggenommen: kam er). zwei italiener, einer am schlagzeug, einer an der bassgitarre mit effekten, so dass er sequenzen live einspielen sowie loopen und wie eine waschechte e-gitarre klingen lassen konnte.
stilistisch dachte ich in der dreiviertelstunde an so vieles. ungefähr in der reihenfolge: krautrock à la faust auf speed, jazz, grindcore, drone, hardcore. das war überaus interessant, gerade aufgrund der ungewöhnlichen tempi abseits vom 4/4-takt, bei denen sie trotzdem ein echt bemerkenswertes timing bewahrten.

passten in jedem fall gut zu mxbx als hauptact, wo eine menge als samples vom laptop (interessanterweise mit hilfe von ableton live) kamen – unter anderem die drums, weil yasuka und ichirou auch nur zu zweit waren und ichirou wie ein besessener an seiner gitarre zugange war. wie yasuka die samples mit ihrem bunt leuchtenden midi-controller getriggert hat, erschloss sich mir bis zum schluss nicht. erstens, weil sich unser standort direkt hinter dem spaßbremsen-wall befand, der entweder teilnahmslos herumstand oder hin und wieder das smartphone für videos zückte, und zweitens, weil dafür nach dessen überwindung am rande des moshpit beim pogo light keine zeit war. die songs stammten eher von „fetch“ oder „bambi’s dilemma“, eher weniger von „cell-scape“ und ich glaube, es waren noch ältere sachen dabei, die ich nur noch nicht kenne.
gerade warmgesprungen war das vergnügen aber auch schon vorbei. die beiden ließen sich nach einer stunde noch zu einer zugabe hinreißen, aber das war es dann – leider. konsequenz für das nächste mal also: lieber gleich etwas weiter nach vorne, ehe man sich die hälfte der zeit über denkt, was man da vorne alles verpasst. gut, manche moshpits sind auch zurecht furchteinflößend, in dem fall waren aber erfahrene konzertgänger am start, die das zwar sportlich, aber dabei sehr fair betrieben.

 Posted by on 07.12.2016 at 16:20
Nov 262016
 

keine atempause und so. jedenfalls geht’s da gleich hin.

staub20161126

eintritt
10 euro

nachbetrachtung und ablauf

lobby
10 joakim cosmo
14 nour jaber
16 thnts
18 arthur kimskii
20 olin

mdf
15 zesknel live
16 elad magdasi
18 lado
19 alex tomb

zelt
14 irakli
16 anal virginity
19 arcangelo

wie im blank so üblich, war die musik eingangs nebensache, bzw. boten mir die sets auch keinen anlass, die prioritäten zu verschieben. ich hatte allerdings auch erst spät erkannt, dass das zelt ebenfalls geöffnet war. andererseits muss man als kälteempfindlicher selbst mit übergestreiftem pullover kurz die zähne zusammenbeißen, um den kurzen weg von der lobby ins zelt zu absolvieren.
dabei war arcangelo dort für mich einer der drei höhepunkte des abends. dies wegen etwas wave, vor allem aber wegen drones, u.a. sunn o))) und tracks vom mika vainio-album auf editions mego („life (…it eats you up)“). das war zum zuhören gerade in dem rahmen in dem moment für mich das richtige.

auf der techno-seite ist olin hervorzuheben, der zum schluss in der lobby u.a. mit dj boss und auch „pump up the jam“ zum schluss sowohl härte als auch spielerisches mit einer ordentlichen prise spielfreude vereinte. schöne dynamik im set und nur so ernst, wie es gerade erforderlich war. bei alex tomb drüben auf dem mdf fehlte mir wieder das treibende. ich komme mit diesem trippigen sound einfach nur mit ganz wenigen ausnahmen klar. an dem trockenen, aber direkten live-act von lado zuvor hatte ich mehr freude, aber da spielt auch das mit herein, das in meiner techno-wiege lag.

Nov 252016
 

da hatte ich in der rezension zum 19. gerade den freitag erwähnt, und da ist es auch schon wieder soweit. klar, wegen objekt, helm und pan im allgemeinen (weil mir die hälfte von ihnen nichts sagt), aber in meinen paar jahren als clubgänger habe ich noch nie ata gezielt gehört. das soll sich auch ändern.

berghain: pan
21h00 flora yin-wong
21h45 steven warwick live
22h30 tcf live
23h15 helm & embassy for the displaced live
00h00 nidia minaj
01h30 m.e.s.h.
03h00 yves tumor live
03h30 objekt
05h00 pan daijing live
06h00 bill kouligas

panorama bar: larj
00h00 ata
03h00 chinaski live
04h00 benedikt frey
07h00 orson wells

eintritt
21 bis 24 uhr: 18 euro, danach 15 euro

 Posted by on 25.11.2016 at 14:32
Nov 222016
 

ich habe gerade nochmal nachgeschaut: vor gut zehn jahren war ich das letzte mal „offiziell“ da (inoffiziell irgendwann im august 2008 für nicht mal zehn minuten). seitdem hat mich nichts mehr in den club gezogen. es spricht jedoch sehr für sie, aktiv auf das bewegungsfreiheits-organisations-team zugegangen zu sein und zu fragen, ob sie ihr gastspiel vom vorletzten jahr nicht wiederholen möchten. das und der eh immer noch wichtige zweck sind neben dem wie immer divers zusammengestellten line-up gute gründe, dass ich’s mir wieder anschauen werde.

bewegungsfreiheit20161124

line-up

waterfloor
20h00 die protestbewegung vom oranienplatz info & diskussion
22h00 pöbel mc / cheddar mike / akktenzeichen konzerte
00h00 kalipo live
01h00 robosonic
03h00 ena lind
04h30 robert audien
06h00 piracy

led-floor
23h00 britta arnold
01h00 mike dehnert
03h00 joakim cosmo

eintritt
ab 20 uhr: spende
ab 21 uhr: 6 euro (+ spende)
ab 23 uhr: 10 euro (+ spende)

nachbetrachtung
am start war ich nur von 5:30 uhr bis zum schluss (zwei stunden später), von daher reicht es nicht für die langzeitperspektive. aber gerade mit der schweren konkurrenz im nacken (es gab eine soli-veranstaltung für’s fabric, bei der u.a. ellen allien und ricardo villalobos spielten) ist es bemerkenswert, dass doch noch genügend leute zusammengekommen waren, um das watergate nicht leer wirken zu lassen. zwar sah es um 6:00 uhr schon definitiv nach ausklang aus, aber für einen wochentag und bei dem vorlauf war das wirklich in ordnung. robert audien eher mit house als fokus, piracy querbeet, auch gerne breakig (mit objekt) und einem edit von „pump up the jam“ zum schluss.

hinterließ einen echt angenehmen eindruck, auch wenn die tür noch etwas über das gesamtkonzept aufgeklärt werden musste. aber vom watergate selbst war es (neben dem aktiven zugehen auf die bewegungsfreiheit-organisation) ein überaus feiner zug, neben den tür- auch noch die bareinnahmen zu spenden. dennoch: zu den hauseigenen nächten würde mich so schnell immer noch nichts wieder hinbewegen.

 Posted by on 22.11.2016 at 12:08
Nov 182016
 

montag frei. ist also klar, was das heißt. werde aber (je nach fitnesszustand nach autechre) nachmittags zu pete erst da sein, so zumindest der plan.

klubnacht

berghain
00h00 rivet
04h00 sebastian mullaert & ulf eriksson live
07h00 tm404 live
08h00 ulf eriksson
11h00 ryan elliott
14h00 pete
18h00 caleb esc
22h00 dax j
02h00 somewhen / freddy k

panorama bar
00h00 stereociti
04h00 stephen brown live
05h00 chez damier
09h00 hny
13h00 bassdee
17h00 sven weisemann
21h00 christopher rau
01h00 oracy

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
zwei erkenntnisse des sonntags / montags:

1. um mit dem negativen anzufangen: ich erlebe scheinbar meine (x-te) techno-sinnkrise. mal abgesehen vom skee mask-set, den dettmann-auftritten und pete sowie kobosil zu beginn des jahres hatte ich eigentlich die meiste zeit sonntags unten das gefühl, dass hier irgendwie mehr drin wäre. die freitage will ich da explizit ausnehmen – die sind erklärtermaßen den experimenten vorbehalten und da freut’s mich, dass die acts das auch konsequent beherzigen. meine leise hoffnung war, dass das auch ein wenig auf den sonntag abfärbt, aber da haben die meisten in diesem jahr (wenn ich da war) eher auf nummer sicher gespielt. das hat aber auch mit einem gewissen übersättigungsgefühl zu tun: als langjähriger käufer von techno-veröffentlichungen, der schon in diversen subgenres an innovationsgrenzen gestoßen ist, bleibt es wohl nicht aus, dass immer häufiger der eindruck entsteht, alles sei schon mal dagewesen. damit habe ich mich gewissermaßen auch abgefunden. mir scheint halt momentan nur der unausgesprochene konsens darin zu bestehen, dass die in den vergangenen jahren populär gewordenen djs es sich in ihrer nische eingerichtet bzw. bequem gemacht haben und dabei vergessen, dass der blick zurück oder seitwärts durchaus bereichernd sein kann.
das scheint aber der zeitgeist zu sein. die leute beschweren sich ja eher darüber, wenn jemand es wagt, in einem techno-set auf einmal autechre oder dubstep zu spielen und feiern die (für mich kaum wahrnehmbaren) nuancen bei warm up / pole group, stroboscopic artefacts oder figure. das ist auch ok und nicht als generalabrechnung gedacht – schließlich ist das eine komplett neue generation, die anders an techno herangeführt worden ist als die kinder der 1990er, und selbst bei denen gibt es unterschiede. was aber früher scheinbar selbstverständlicher war, tritt heute eher in den hintergrund: diversität findet über einen abend verteilt über diverse acts, jedoch nicht mehr in den einzelnen sets statt. mir fehlte (der fairness halber: nicht nur sonntags im berghain) diverse male der überraschungsmoment oder es war mir – wie bei pete an diesem sonntag – einfach nicht treibend genug, bzw. wenn, dann leider nur kurz phasenweise, so dass ich eher mit dem wunsch zurückblieb, dass noch etwas draufgesetzt würde, um die leute herauszufordern. gerade das passiert für mich sonntags leider zu selten. meistens sieht es so aus, dass man in vier stunden einen substil durchkonjugiert bekommt und beim nächsten slot das gleiche passiert, und im schlimmsten fall handelt es sich dabei ebenfalls um „industrial leaning techno“ oder (schlimmer) „big room dj tool techno“. ich hab mit beidem keine probleme, wenn der-/diejenige an den reglern auch erkennt, dass es schnittmengen gibt, aus denen sich richtig gute kombinationen zaubern lassen. aber beim gros der aktuellen tracks und auch sets fehlt(e) mir einfach der wiedererkennungswert.
ist allerdings auch eine typenfrage, womit wir wieder bei der erkenntnis wären: die vielfalt innerhalb eines sets macht’s für mich aus, weshalb sven weisemann für mich an diesem abend absolut hervorsticht. es innerhalb einer halben stunde von fleetwood mac („dreams“) direkt zu „plastic dreams“ von jaydee dann zu convextion („miranda“) bzw. e.r.p. (irgendeine frustrated funk, die ich noch nicht habe) zu schaffen, zeugt nicht nur von breitem musikalischen interesse und mut, sondern auch von können, weil’s den flow nicht störte. leichten punktabzug gibt’s für die langgezogenen filterspielereien und den gerne über mehrere takte herausgenommenen bass, was sich seit herrn hawtin ab mitte der 2000er-jahre eigentlich erledigt haben sollte – aber auch das ist eine frage des individuellen ansatzes als dj. solange die auswahl stimmt und es mich nicht allzu sehr stört, lässt sich darüber hinwegsehen. er hatte mich eh spätestens, als er „changes“ von mala (stark heruntergepitcht) brachte. klar verstanden das nicht alle, aber das risiko besteht immer – daher umso besser, wenn jemand das eben mal eingeht.
dicht dahinter für mich oracy, den ich erst wieder so ab 3:30 uhr mitbekam und sich auch nicht zu schade war, neben mir unbekannten garage-tracks („hyperfunk“ von antonio bspw., was direkt in die wantlist gewandert ist) auch einfach mal „turn around“ von phats & small zu spielen. es war zu dem zeitpunkt oben schon im schnitt bedeutend weniger los als unten, was aber der musikalischen qualität und auch erst recht der stimmung keinen abbruch tat. dank stets parater discogs-app (man muss die vorteile der digitalisierung ja auch mal loben) wurde die wantlist mal wieder nicht kleiner. mein bild von anthony shakir als gnadenlos unterschätzten produzenten sah sich durch „sonar 123“ auf peacefrog einmal mehr bestätigt, kurz darauf spielte er „tricky disco“, und auch ein track von melon („nitzi (in my mind, so fine)“) brachte zuvor noch meine augenbrauen nach oben. „running from love“ von the other people place lässt (wie jeder andere track des albums) mir ohnehin immer das herz aufgehen und mit „love (loved)“ von luke slater als vorletztem track vor dem rausschmeißer wurde es sogar nochmal richtiggehend technoid. somit geht er für mich im fotofinish dicht hinter herrn weisemann ins ziel. das bisschen, das ich zuvor von bassdee mitbekommen habe, klang auch nach jahrelang angeeignetem erfahrungsschatz („the pressure cooker“ von md3 habe ich in der kurzen zeit als einziges erkannt), aber für eine tiefergehende beurteilung reicht es einfach nicht.
unten hat’s mich wie erwähnt nur phasenweise mitgerissen. charmant fand ich die amen-breaks am ende des elliott-sets. pete war dann am besten, wenn die kickdrum richtig dick war, leider wirkte er im aufbau etwas ziellos. zugegeben: der slot am nachmittag ist nicht der einfachste, andererseits habe ich zu der zeit auch schon glanzlichter von ihm gehört, wenn er nicht geradlinig spielte, sondern seine aus wax treatment-podcasts bekannten breakbeat-tracks eingebaut hat. das blieb hier jedoch in der allzu vertrauten birmingham-schiene, auch wenn er endlich mal wieder „floaters“ von joey beltram spielte. tracks mit prägnanten melodiösen sequenzen waren ebenfalls dabei, jedoch eben so untergebracht, dass es mich nicht zwingend auf der tanzfläche hielt. nun ja, tagesform halt – sowohl seine als auch meine. in den kurzen phasen, in denen der bass die mauern richtig zum schwingen brachte, merkte ich, dass das genau das wäre, was ich jetzt bräuchte. andererseits war’s auch ok, es vor caleb esc nicht gleich damit zu übertreiben (dessen einstiegsplatte wohl „the passage“ vom kürzlich erschienenen shifted-album war, wenn mich nicht alles täuscht). ihn habe ich – jedenfalls in den fragmenten, die ich so mitbekam, da ich kurz nach dem ende des weisemann-sets nochmal zum krafttanken heimwärts bin – hingegen selten so perkussiv und hart spielen hören, wobei sich die letzten male auch auf den sommerlichen garten des about blank beschränken.
da es mich eher oben bei oracy hielt, bekam ich freddy k auch eher ab 7 uhr mit, als oben feierabend war. das war spätestens ab der letzten stunde (ab 10) sowohl musikalisch als auch stimmungstechnisch wieder rund, indem er den schluss mit „hit that perfect beat“ von bronski beat einläutete und kurz vor schluss einen guten schwung nicht ganz jugendfreier dance mania-platten spielte. interessant hierbei, dass die tanzfläche wenigstens noch zu zwei dritteln gefüllt war und es daher auch gut hätte weitergehen können, aber da zog der nachtmanager wohl mal eine klare linie, womit ich bei erkenntnis numero 2 wäre.

2. überaus positiv zu sehen: das berghain scheint neue grenzen zu setzen, nachdem zugesehen und -gehört worden ist. da rede ich nicht vom fotoverbot oder der null-toleranz-linie gegenüber ghb, übergriffen, verfassungsfeindlichen symbolen und allem anderen, was einen im nachtleben aus der balance bringen kann.
es war spätestens im letzten jahr offensichtlich, dass sich der sonntagabend zur eigentlichen spitzenstoßzeit gemausert hat, was ja anfangs noch faszinierend war – ähnlich der ersten erlebnisse, als sich sonntagmittag (später -nachmittag) abzeichnete, dass hier niemand gehen will. das führte nicht nur bei mir in den letzten monaten jedoch so weit, ab 21/22 uhr vorzugsweise die rolle des zaungastes einzunehmen, anstatt mittendrin in der masse abzufahren. die musikalische basis dafür war (trotz in punkt 1 geschildertem übersättigungseffekt) schon gut und gerne gegeben, alleine fiel es mir aufgrund des füllgrads und aller damit einhergehenden negativ-begleiterscheinungen wie den exaltiert tanzenden revierverteidigern oder der ellenbogenfraktion schwer, mehr oder minder ungestört unter vielen zu sein. ich habe kein problem mit vollen tanzflächen, wohl aber mit einem zustand, in dem ich das gefühl habe, meinen mühsam herausgesuchten drittel-quadratmeter verteidigen zu müssen und es nirgends aussicht auf besserung gibt – erst recht nicht, wenn der weg auf den jeweils anderen floor schon fünf minuten benötigt (von der klosituation für die damen erst gar nicht zu sprechen).
das allsonntagabendliche gruppenkuscheln und die klagen darüber (nachdem es anfangs aufgrund des erstaunens / der begeisterung deswegen wohl erstmal ruhiger blieb) scheint auch den betreibern nicht entgangen zu sein, so dass ich erstaunt war, zwar um 18:30 uhr noch eine ganz schön üppige schlange bis zum kiosk / häuschen vorzufinden, die für die kommenden stunden das übliche gedrängel erahnen ließ. jedoch bereits anderthalb stunden stand niemand mehr da – nicht mal bei der stempelschlange. kurzum: es wird ein einlassstopp verhängt, was stammgäste, listenplatz- und stempelhaber nicht betrifft. klar lässt sich befürchten, dass das ende daher wieder etwas näher rückt, die konsequenzen waren jedoch erfreulich: als ich gegen 21:30 uhr ging, konnte man auf beiden floors noch gut seinen platz finden. auch an der garderobe (die bald eine zweite etage bekommt) war zwar betrieb, aber längst nicht ein getümmel wie sonst. die eigentliche befürchtung sah ich widerlegt, als ich um 3:30 uhr wiederkam: auch wenn es in der panorama bar schon halbvoll war und somewhen ein gut gefülltes berghain vor sich hatte, tat das der stimmung keinen abbruch. im gegenteil: in der panorama bar kam ich nicht einmal in die verlegenheit, jemand anderem auf den fuß zu treten, und als es nach deren schließung unten etwas voller wurde, war es dennoch (ich mag’s ja kaum sagen, weil’s so wie graue eminenz klingt) wie früher, als es sonntags um die gleiche zeit ungefähr so aussah. sicher klafft da eine lücke zwischen 22 und 3 uhr, wo es mich schon interessiert hätte, ob es noch irgendwie stressig voll geworden wäre, aber das wird sich zu kritischen anlässen wie dem geburtstag herausfinden lassen. ich hatte jedenfalls den eindruck, dass sie lieber weniger einnahmen an der tür zugunsten eines geringeren füllgrades und somit eines von kundenseite angenehmeren erlebnisses in kauf nehmen – und das ist mehr als begrüßenswert. wird beobachtet, ob ich mich da getäuscht habe.

es gibt somit nur ein luxusproblem: die zwei erkenntnisse lassen sich schwer miteinander verknüpfen, aber vielleicht müssen sie das auch nicht. zumindest war es für mich nicht (mehr) zwingend notwendig, am sonntagabend bis zu dem punkt zu bleiben, den ich als arbeitnehmer gerade so noch gut mit meinem gewissen vereinbaren kann, wenn ich eh das gefühl hatte, dass die musik mich zwar schon mitreißen könnte, das ganze aber stimmungstechnisch von zu vielen (körperlichen) hindernissen geprägt war. das könnte jetzt zwar wieder schwieriger werden, wenn beides passt, aber im augenblick wird die konsequenz daraus als berghain-gänger (wie als käufer von musik) eher ins abseitige gehen. dafür gibt es die freitagsexperimente, die das berghain in den letzten monaten sukzessive ausgebaut hat. wer hier aufmerksam mitliest, wird mitbekommen haben, dass ich mit den musikalischen ergebnissen vom freitag, die weniger stunden als eine „normale“ klubnacht umfassen, häufig zufriedener war als an manchem sonntag. daher wird’s wohl so aussehen, dass ich das sich für 2016 abzeichnende verhältnis (hab gerade nachgezählt: inklusive neujahr war ich 13 mal da, davon fünf mal an einem freitag) beibehalten, wenn nicht gar zugunsten des freitags ausbauen werde. ich werde mir andererseits manche sonntagnachmittage oder -abende schon für die lieblings-residents vorbehalten, um zu schauen, ob ich deren musikalische qualität wieder etwas entspannter genießen kann. wenn sich die gruppendynamik drinnen durch vorzeitigen einlassstopp als etwas weniger hysterisch bzw. stressig herausstellt, kann das pendel zwischen freitag und sonntag auch durchaus wieder in der mitte zum stehen kommen. momentan aber bevorzuge ich herausfordernde inhalte, daher bleibt das augenmerk erstmal beim freitag, obwohl der 12. geburtstag dank der halle auch wieder viel gutes verheißt.

ach ja, im zuge der umbauten gehört die konstruktion in der säulenhalle – die als zusatzspielwiese für den darkroom oben gedacht war, bei großem publikumsandrang jedoch gerne mal als toilette gebraucht worden ist – der vergangenheit an. im augenblick dominiert dort nüchterne einfachheit mit dem bereits aus dem ostgut bekannten amboss als deko und den sitzbänken drumherum. kann meinetwegen auch so bleiben, andererseits wären ein paar der pritschen aus dem ostgut (die zumindest zu neujahr im lab zu sehen sind) auch nicht verkehrt, ohne dass der anfangszustand wiederhergestellt werden müsste.

 Posted by on 18.11.2016 at 12:30
Nov 172016
 

kann ich nur befürworten, dass sich das kraftwerk als veranstaltungsort für größere ereignisse im elektronischen bereich etabliert. ein wenig sorge bereitet mir nur die raumakustik, die kleinteilige sounds solange reflektiert, dass sie in der weite verhallen, aber eigentlich geht’s mir auch nur darum, die beiden nach ihrem fünfteiligen epos mal wieder (plus russell haswell) zu erleben.

autechre20161119

 Posted by on 17.11.2016 at 02:48
Nov 042016
 

morgen sind dort âme und dixon dran, wo sich wieder das berliner schnöseltum einschleicht. auch wenn es charmant wäre, sie bei einem auswärtsspiel zu erleben, wird das wahrscheinlich auch gut voll. daher am wochenende lieber sightseeing und sich heute abend auf ein italienisches techno-potpourri freuen.

outis music showcase supported by broad

studio
22:00 tatsuoki
00:00 claudio prc
02:00 the gods planet live
03:00 dino sabatini

contact
22:00 reimei
23:40 dew
01:10 go max 剛田 group live
02:00 aoki takamasa
04:30 kannabi

dauer
von 22 bis 6 uhr

eintritt
von 22 bis 23 uhr: ¥2000
ab 23 uhr: ¥3500, für gh s-mitglieder sowie leute unter 23: ¥2500

adresse
shintaiso building b2f, 2-10-12 dogenzaka, shibuya-ku

nachbetrachtung
da ich eh schon beim disk union in shibuya weilte, um dessen angebot an gebrauchten schallplatten zu durchstöbern (und dabei die seinerzeit im hardwax sträflicherweise nicht mitgenommene „galaxy 2 galaxy“ auf ur vorzufinden), war es auch nur konsequent, gleich in der ecke zu bleiben. tokyo ist ja nun nicht gerade klein, aber hat man sich auf einen der bezirke festgelegt, sind die wege nicht sonderlich lang – nur etwas verworren. nach jetzt einer knappen woche habe ich jedoch langsam den dreh heraus. problem ist nur, dass viele fäden für mich bislang in shibuya zusammenliefen, es aber auch noch andere „kieze“ zu entdecken gäbe. da die für mich dort relevanten plattenläden aber weitestgehend abgeklappert sind, lassen sich die prioritäten auch wieder anders setzen.

nicht nur aus organisatorischen, sondern auch aus finanziellen gründen war’s dennoch gut, schon so früh in richtung contact aufzubrechen. es liegt tatsächlich etwas versteckt im parkhauseingang neben dem ntt docomo-gebäude, aber wenn man mit einem offenen auge für offene türen durch die stadt geht (einer der großen lerneffekte, den man von hier mitnehmen sollte), verpasst man das auch nicht. keine diskussion wegen des geringeren eintritts, kurzes durchleuchten der tasche und auf den pass wird auch geschaut. ist aus london bereits bekannt, von daher auch kein problem.
runter geht’s dann zwei stockwerke, und dort präsentiert sich ein zwar sauberer club, der im vergleich zu dem rotzigen berliner do-it-yourself-charme zwar heller und sauberer, dabei (irgendwie so wie tokyo an sich) aber nicht steril oder charakterlos ist. holzfußboden allerorten – bis auf den raucherbereich, den klos und dem raum mit den schließfächern. letzteres empfand ich als tolle alternative zur garderobe: 400 yen zahlen, davon sind 100 pfand. schlüssel abziehen, am besten nicht verlieren, und dafür kann man so oft an seine sachen wie man möchte. gut, bei der größe des raumes kann es schwierig werden, wenn mehr als zehn leute zugleich auf die idee kommen, „mal schnell noch was nachzuholen“, war aber zumindest an dem freitag nicht der fall.
die klos (auch wie überall in tokyo) sind beispielhaft: zwei kabinen, nochmal zwei behindertengerechte, jede mit eigenem waschbecken. auf den ersten blick mutet der grundsatz etwas seltsam an, keine alkoholischen getränke mit auf den hauptfloor mitnehmen zu dürfen – deswegen steht auch extra jemand vor dessen eingang und lässt diejenigen umkehren, die das nicht begriffen haben. auf den zweiten blick führt das jedoch zu bedeutend weniger arbeit für das putzpersonal am ende des abends. im gegensatz zu dem scherben- und bierlachen-potpourri, das man in berlin so kennt, lässt sich am ende einer party im contact fast vom boden essen. auch im kleineren floor bei der bar war jemand sofort mit dem wischmop zu stelle, als ein drink umgekippt war. die rauhen, unverputzten wände und das nicht allzu aufdringliche inventar des clubs führen jedoch dazu, dass man sich nicht wie in einer klinisch reinen umgebung vorkommt. das contact hat im vergleich zu den meisten europäischen clubs zwar einen etwas gehobeneren stil, aber es ist einer, der durchaus mit größen wie dem trouw mithalten kann. zumindest fühlte ich mich in den ersten minuten im contact ähnlich wohl.
das publikum ist eigentlich ein repräsentativer querschnitt dessen, was einem als tourist in tokyo begegnet: junge leute in anzügen, die wahrscheinlich gerade von der arbeit kommen, der angeschickerte tourist, der als erstes über die tanzfläche steuert, normales partypublikum ohne viel hintergrundwissen und dann noch die connaisseure. auch hier: etwas stylisher als in berlin, hatte aber den eindruck, dass eher einheimische anwesend waren, was schon mal dafür spricht, dass die nachfrage in tokyo vorhanden zu sein scheint. etwas voller hätte es sein können, gut zwei drittel waren gefüllt, aber das führe ich mal auf die tatsache mit âme und dixon am nächsten abend zurück. auch hier gehen die leute erst nach mitternacht aus, aber dennoch brachte das die für mich positive seite mit sich, jederzeit beim platzen tanz haben zu können.

dann wäre da noch der sound. auf beiden floors kommt kinoshita / rey audio zum einsatz, und dieser satte, von warmen bässen unterlegte sound unter stetiger kontrolle des tontechnikers fiel mir mit als erstes so positiv auf, dass ich mich nicht geärgert hätte, wenn meine elacin nicht dabei gewesen wären (waren sie aber). selbst auf dem leiser beschallten barfloor klangen minimalere platten wie im set von aoki takamasa (tatsächlich eines der besten sets des abends für mich) schön druckvoll. was go max 剛田 group dort veranstalten wollten, leuchtete mir aber nicht so recht ein. große synthesizer schön und gut, aber nicht ineinanderpassende basslines und improvisiertes bassspiel dazu ließen den roten faden für mich arg vermissen. für mich leider bei den live-acts unteres drittel.
da lief zur gleichen zeit bei claudio prc sowie bei the gods planet auf dem hauptfloor einiges mehr ineinander. als käufer taugt mir dieser trippige sound zwar nur sehr vereinzelt etwas, aber wenn es (wie beim set von donato dozzy im berghain neulich) so gut präsentiert wird, bin ich der letzte, der sich gegen das tanzen wehrt. auch dino sabatini hatte gute momente im set, besonders zum schluss, als er noch percs „wooden art“ im modern heads jumpler-remix (shazam sei dank, dass ich dann doch mal eine stroboscopic artefacts kaufen werde) spielte. für mich stach jedoch tatsächlich das warm-up von tatsuoki heraus. schön abstrakt, erst zum schluss hin tanzbarer, wobei es da erst um mitternacht war und die gäste nun schwungweise eintrafen. er machte das also genau richtig und spielte sich (und anderen interessierten) experimentiellere tracks über die anlage vor. davon erkannt: „…but the branch is weak“ von shackleton, shazam sei erneut dafür dank: „misty sunset over hackney“ von guillam. war ein echter genuss, ihm auf dem sessel hinten auf der empore zuzuhören.

schluss war zumindest auf dem hauptfloor recht pünktlich um kurz nach 6. wie lange es noch auf dem kleineren weiterging, kann ich nicht sagen. nach fast einem tag auf den beinen stand mir sehr der sinn nach dem heimweg.
ändert aber alles nichts daran, dass ich’s musikalisch sowie stimmungstechnisch überaus ansprechend fand. zumindest ist mein ersteindruck vom contact so positiv, dass man als techno-interessierter durchaus vorbeischauen sollte, wenn man eh gerade hier ist. das booking sieht für die nächste zeit auch sehr ansprechend aus, so dass ich ihnen nur wünschen kann, dass es sich auf lange sicht auch trägt.

 Posted by on 04.11.2016 at 04:18
Nov 012016
 

irgendwie ganz gutes timing, dass der artikel über tokyos audiophile spielstätten kürzlich auf residentadvisor erschienen ist. und da der 3. november in japan feiertag ist (bunka no hi – feiertag der kultur), kann man auch mittwochs ohne schlechtes gewissen ausgehen. purer zufall, dass der im artikel erwähnte dj nobu zum jubiläum des ladens spielen wird. hat im berghain bislang mit ihm nie geklappt, aber sein soma-podcast hört sich vielversprechend an.

grassroots 19th anniversary party
dj nobu
hikaru
ya△ma
conomark

adresse
1-6-12 koenji minami, suginami-ku, tokyo, 166-0003

start
23 uhr

nachbetrachtung
wenn jemand ein paradebeispiel für das etikett „wohnzimmerclub“ sucht, ist das grassroots die goldrichtige adresse.

meine größte sorge bestand nach den erfahrungen mit dem suchen und finden von zuvor ausgesuchten orten in tokyo darin, dass ich kurz vor mitternacht und vor ende der schichten für die u-bahn-fahrer mitten im mir unbekannten koenji stehe und den club nicht finde. zu widersprüchlich waren die angaben, die diverse kartenanbieter per app angeboten haben, auch wenn die sich auf einen gewissen bereich in der nähe des u-bahnhofs konzentrierten. aber die aufnahmen von street view ließen auf ein wohngebiet schließen, und da hatte ich schon meine zweifel, dass gerade dort ein club seit fast 20 jahren bestehen könne.
es war dann wie so häufig: viel sorge um nichts. raus aus der station richtung norden, und kaum fünf minuten später waren leise bässe zu vernehmen. hinter einer offenen türe saß jemand hinter einem improvisierten kassenschalter. ich fragte nur „is this grassroots?“, erhielt dafür ein „bingo!“ mit großem lächeln zurück und war nicht mal eine minute später oben.

der gesamte club dürfte inklusive toilette 30 quadratmeter umfassen. da es sich um ein spitz zulaufendes haus handelt, nimmt der laden automatisch die form eines keils an, an dessen spitze man eher sitzen oder seine siebensachen ablegen kann.
mir stach sofort die deko ins auge. ein bisschen schwarzlicht und angemalte fäden erinnerten an goa-parties hierzulande, ein wenig holzromantik aus dem kater gab’s dazu, aber so richtig prominent sind die an h.r. giger erinnernden stahlkonstruktionen rund um das dj-pult. für’s auge gab’s also permanent was an dekoration zu sehen, und die besucher trudelten auch zwischen mitternacht und 1:30 uhr ein, so dass es auf der tanzfläche recht schnell so voll war, dass ich lieber auf einer der sitzgelegenheiten verblieb.

dj nobu habe ich (und das entbehrt nicht einer gewissen ironie) schon nicht mehr gehört, da ich mir jetlag- und arbeitstagsbedingt 5 uhr als grenze gesetzt hatte – da fahren die u-bahnen wieder. aus dem grassroots und auch dem contact ein paar tage später meine ich, das phänomen ausgemacht zu haben, dass die japaner gerne im club wegnicken, bevor es heimwärts geht. es saßen jedenfalls ein paar am rande, ohne dass sie in irgendeiner form belästigt worden sind.
conomark, ya△ma und hikaru dürfte die reihenfolge gewesen sein, wovon alle mit vinyl spielten und ya△ma mir am besten gefiel, da sie zwischen deep house und technoiden tracks keine 20 minuten brauchte, um die meute dort heranzuführen. auch wenn die techno-phase eher kurz war und es ziemlich schnell wieder housig wurde, war das technisch und vom bogen her locker am besten. bei hikaru habe ich später noch die „shades of jae“ von moodymann als einzigen track des abends erkannt, der irgendwie immer geht.

das alles hinterließ den eindruck einer sehr guten wg-party, auf der die musik etwas, aber nicht zu laut lief. als ich ging, hatte ich nicht den eindruck, dass es bald vorbei sein würde (wenn ich das auf facebook richtig gelesen habe, war um 15 uhr schluss). wundert mich bei so einer familiären angelegenheit auch nicht.
sollte man also kein problem mit angedeutetem hüftschwingen auf engerem raum zu house-music haben und einfach einen netten abend verbringen wollen, wenn man eh schon länger in der stadt ist: sollte man machen. war gleich von der ersten minute an zu spüren, dass eine menge liebe zum detail in den laden geflossen ist und es sich bei den machern um idealisten handelt, die einfach nur gute musik vorspielen und andere daran teilhaben lassen möchten. und sowas ist per se unterstützenswert. als techno- und club-sozialisierter fand ich’s im contact dann aber doch besser.

 Posted by on 01.11.2016 at 16:43