[stream / 16.05.2020] radio 80000: warning takeover

(ein klick auf das bild führt direkt zu radio 80000.)

nach den ganzen traueranzeigen der letzten tage / wochen mal etwas werbung: radio 80000 ist mir relativ zu beginn der covid-19-situation aufgefallen, als skee mask dort zwei stunden an einem samstagabend gespielt hat (das gibt’s bei mixcloud nachzuhören).
morgen darf die warning den tag übernehmen. ich wurde vergangenen montag gefragt, ob ich für jemenschen einspringen kann, der krankheitsbedingt kein set aufnehmen konnte. eine stunde, sollte bis donnerstag abend auf dem tisch liegen.
dienstag habe ich schnell während der arbeit die bandcamp- sowie boomkat-einkäufe und die digitalisierten schallplatten des letzten halben jahres gesichtet. abends hatte daraus eine itunes-playlist mit etwas mehr als 20 titeln zusammen.
mittwoch zum feierabend dann arrangement in ableton live. manche titel flogen wieder raus, fest stand wie so häufig der schluss. kurze probe, ob das alles jeweils so ineinanderpasst, die aufnahme startete zum sonnenuntergang. war (selten genug) beim ersten anlauf im kasten, obwohl ich in der mitte einen track nachschießen musste, da ich sonst unter der stunde geblieben wäre. zum schluss etwas getrickst und den schlusstrack an einer für mich schönen stelle geloopt und noch eine reprise des vorherigen daruntergelegt.

soviel zur entstehung und noch gar nichts zum line-up. dabei ist das auch exquisit ausgesucht. los geht es um 12 uhr für die darauf folgenden acht stunden. lässt sich im hintergrund abspielen, da glücklicherweise auf video verzichtet wird.

12h00 mars leder
13h00 marie montexier
14h00 stype
15h00 jotel california
16h00 piracy
17h00 kaletta
18h00 rvds
19h00 donna crooner

r.i.p. astrid kirchherr

beatles-fotografin, der legende nach erfinderin der pilzkopf-frisur, in der hamburger zeit sehr prägend für die fab four. damals noch mit stuart sutcliffe anstelle von ringo am schlagzeug, mit dem sie bis zu dessen frühen tod liiert war (kurzer lesetipp für anhänger*innen von graphic novels: arne bellstorf – baby’s in black).

nach kurzer krankheit mit 81 jahren verstorben.

r.i.p.

r.i.p. pascal feos

eintrag zwei von zwei.

zählt bei techno zu den frankfurter urgesteinen. hat mit maik maurice diehl zusammen als resistance d einiges zur legendenbildung um harthouse beigetragen. war auch als dj in den 1990ern eine größe, die auf namhaften raves nicht fehlen durfte.

habe ihn selbst leider nie erlebt. er ist nun mit 52 an magenkrebs verstorben.

r.i.p.

r.i.p. little richard

eintrag eins von zwei für heute.

auch an ihm wird mensch nicht vorbeigekommen sein, wenn das radio in den letzten sechs bis sieben jahrzehnten lief. „tutti frutti“ oder auch „good golly miss molly“ zählen zum urknall des rock & roll definitiv dazu. geläufig war mir bis heute nicht, dass er offen bisexuell und damit dem prüden amerika auch noch gesellschaftlich einen schritt voraus war.

bis ins hohe alter aufgetreten, nun mit 87 jahren verstorben.

r.i.p.

r.i.p. tony allen

vor gut anderthalb jahren hatte ich durch zufall die chance, ihn gemeinsam im funkhaus mit jeff mills im rahmen des red bull music festivals sehen zu können. ich war zwar kurz im zwiespalt (einerseits wegen red bull und andererseits wegen des funkhauses, wohin ich schon damals nicht mehr wollte), aber andererseits wären die tickets dann verfallen und ich hätte einen durchaus interessanten abend verpasst.
auch wenn mich die sehr verjazzte gute stunde mit dem trio (jean-philippe dary war noch an den keyboards) nicht dazu bewegt hat, das album zu kaufen, muss ich doch sehr anerkennend sagen, dass das verschmelzen zweier rhythmischer welten dank der beiden virtuosen ein ganz schöner genuss war. zum einen der gestandene drummer mit sympathischer verwirrtheit bei den ansagen, zum anderen der ebenfalls gestandene dj, der die 909 wie ein schlagzeug zu spielen vermochte.

tony allen ist bereits am donnerstag mit 79 jahren an einem aneurysma verstorben. ich schreibe mir „afrobeat“ und „fela kuti“ auf die nachhilfeliste (und 2020 als jahr zunehmend ab).

r.i.p. mike huckaby

update, 27.04.2020, 16:39 uhr
pressespiegel wird hinzugefügt. todesursache: schlaganfall im februar und im krankenhaus mit corona infiziert.


auslassungen zu den „qualitäten“ von 2020 spare ich mir fortan. begegnen kann ich dem langsam nur noch mit nüchternem abarbeiten.

einer der viel zu lange viel zu sehr unter dem radar fliegenden detroiter helden, dem erst ab mitte der 2000er-jahre die aufmerksamkeit zuteil wurde, die er auch verdient hatte. sein „final step“ (also der letzte dieser remixe) von deepchords „electromagnetic dowsing“ war der track von ihm, durch den ich damals im hardwax aufmerksam geworden bin. deepchord sowie ein mysteriöses schwarzes label dienten als türöffner – und dieser zwölf minuten auf einseitigem vinyl gepresste inbegriff von mit dub gepaartem groove befand sich daraufhin als stammgast in meiner plattentasche.
das war der startpunkt, wo s y n t h als label und er als produzent sowie dj hierzulande einen schritt aus dem schatten des geheimtipps machte. dennoch erlag er nicht der versuchung, sich dem festivalzirkus und der fraktion mit dreistelliger anzahl an gigs pro jahr anzuschließen. stattdessen lieber in motor city basisarbeit betreiben und den jugendlichen das produzieren mit maschine und ableton live nahebringen, um ihnen eine perspektive zu geben – das ist das maß an bescheidenheit, von dem mensch eine ahnung bekommen konnte, wenn er in clubs spielte.
ich erinnere mich dabei noch an ein von technischen schwierigkeiten begleitetes set im berghain, dafür ein paar jahre darauf in der panorama bar famos. im globus trotz ähnlicher probleme wie am wriezener karree zuvor souverän, aber überall stets mit der richtigen auswahl für den raum. das letzte mal sah ich ihn vor zwei jahren zu „detroit – berlin: one circle“ im hebbel am ufer, als er stücke von sun ra mit vinyl und tonbändern ineinandermischte. auch wenn das weniger mein fall als seine tanzflächenorientierten sets war: bescheidenheit war auch hier das gebot.

es gab vor wochen eine von delano smith initiierte gofundme-aktion, um die kosten für eine gesundheitliche behandlung decken zu können. als freiberufler muss mensch in den vereinigten staaten dafür selbst aufkommen. der erforderliche betrag war längst zusammen, aber das hat nicht verhindern können, dass mit ihm einer der unbesungenen ganz großen gestern mit 54 jahren viel, viel zu früh verstorben ist.

r.i.p.


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einkauf vom 23. märz 2020

leafar legov
mirror
[giegling lp 09]

ist nur ein kauf und selbiger schon eine weile her, aber aus zweierlei gründen erwähnenswert:
erstens gibt’s das album aufgrund der aktuellen situation nicht physisch. der versand startet erst am 27. april, damit die versanddienstleister nicht auch noch mit der sammelleidenschaft von vinylabhängigen zu tun haben. bis dahin kann mensch sich es aber über deren website digital sichern – auf spendenbasis, als mp3 oder gleich als wav. sobald die mail mit dem link da ist, sollte mensch sich beeilen, da der nur drei stunden gilt.
zweitens ist das nicht nur musikalisch so ausgereift wie seine vorherigen veröffentlichungen – nein, sogar eine deutliche weiterentwicklung. in den discogs-kommentaren ist ein vergleich zu boards of canada zu lesen, die auch ich beim hören im sinn hatte. burial ist die andere referenz. für meine ohren die perfekte untermalung für die aufkommenden wärmeren tage, die aller voraussicht nach noch auf balkonen oder terrassen verbracht werden müssen und tatsächlich einer meiner kandidaten für die alben des jahres.