Okt 142016
 

im oktober wollen sie’s scheinbar wissen. panorama bar und berghain sind an drei freitagen zugleich geöffnet und das in puncto morphine mit einem angebot, zu dem ich schwer nein sagen kann – alleine wegen des viel zu unterbewerteten anthony shakir.

berghain: morphine 11
21h00 mark cremins
22h00 hieroglyphic being + container + sofia jernberg live
22h45 sote live
23h45 kafr live
00h30 anthony ’shake‘ shakir
02h30 rabih beaini
03h45 container live
04h30 donato dozzy

panorama bar: electric minds 10
23h59 dolan bergin
04h00 harvey sutherland live
05h00 move d
08h00 edward

eintritt
21h00-00h00: 19 euro
ab 00h00: 15 euro

nachbetrachtung
obwohl ich mir vorgenommen hatte, bereits zu hieroglyphic being und konsorten da zu sein, wurde es dann doch eine stunde später, während sote längst zugange war. im nachhinein hätte ich mich ärgern müssen, wenn ich ihn verpasst hätte – das war alles andere als gemütliche modular-improvisation. vielmehr fiese sounds, tempiwechsel zwischen den einzelnen tracks, erinnerte mich ein bisschen an subhead und das, was aus der schweiz anfang der 2000er-jahre auf electronik weed crew und neue heimat landete.
kafr sind eine zusammenarbeit zwischen senyawa und rabih beaini. das hieß für den live-act, dass gesang und die selbstgebauten instrumente mit mal mehr, mal weniger rhythmischen drones angereichert wurden, was auch sehr schön ineinandergriff.
das set von anthony shakir war aber ein totaler kontrast zu derem mystischen stil. er spielte tatsächlich eher housig, steigerte sich zum ende zu techno (mit „the pace“ von robert hood, gedoppelt). davor muss ich ihm sowas von hoch anrechnen, „once in a lifetime“ von talking heads gespielt zu haben, radioheads „idioteque“ sowie sein „drummer downstairs“ auf fit vor ein paar jahren folgte dann wenig später. mag auf manche eher verwirrend gewirkt haben, spiegelte für mich aber seine bandbreite als produzent wider, ohne dass der flow darunter gelitten hätte.
rabih beaini gebührt im anschluss daran für mich trotzdem die krone dafür, drones sowie arabische gesänge mit elektronischen tracks so zu vermengen, dass die mischung daraus äußerst tanzbar wurde. hätte ich entscheidungskompetenz, würde ich es auf einen versuch an einem sonntagnachmittag ankommen lassen – ist aber auch wunschdenken, weil ich mir sowas auch gerne mal länger als 75 minuten anhören würde.
container spielte fast alle tracks der „vegetation ep“ auf diagonal letztens und auch sonst in diesem stil mit distortion auf allen rhythmustragenden fre- und sequenzen. donato dozzy hat mich positiv überrascht, weil ich mit diesem hypnotisch-melodischen stil, der nicht nur von den italienern kultiviert wird, nicht allzu viel anfangen kann – erst recht nicht, wenn das über mehrere stunden des abends dominiert, ohne dass sich etwas wie eine schön knarzende 303 in ein set mogelt. hat aber auch eher mit meiner vorliebe für genreübergreifende sets zu tun, anstatt dass ein substil für längere zeit durchkonjugiert wird. herr dozzy machte das zwar, aber doch mit spürbaren nuancen und mit wechselnder intensität. noch dazu mit vinyl und dabei beneidenswert präzise.
aufgrund all dieser für mich auf ihre art überzeugenden sets war ich nur ganz kurz oben und bekam dort den eindruck, dass move d den rest auch noch schaukeln wird. allzu lang habe ich’s aber nicht mehr werden lassen, indem ich gegen 6:30 uhr überaus zufrieden mit dem bis dahin gehörten heimwärts bin.