Dez 292017
 

wie das nun mal so ist mit liebgewonnenen traditionen.

neu: den jahreswechsel im club verbringen zu können und dem zur normalität gewordenen wahnsinn mal eben 24 stunden mehr gönnen. einen großteil davon werde ich nicht mitbekommen – peile die ankunft grob zwischen martyn und i-f an, ende offen.

silvester klubnacht

berghain
samstag, 30.12.2017
24h00 kobosil
sonntag, 31.12.2017
04h00 dvs1
08h00 dr. rubinstein
12h00 rødhåd
16h00 kangding ray
20h00 boris
24h00 marcel dettmann
montag, 01.01.2018
04h00 norman nodge
08h00 etapp kyle
12h00 somewhen
16h00 answer code request
21h00 lsd
dienstag, 02.01.2018
02h00 ben klock

panorama bar
samstag, 30.12.2017
24h00 gerd janson
sonntag, 31.12.2017
04h00 roi perez
08h00 efdemin
12h00 the black madonna
16h00 volvox
20h00 steffi
24h00 nick höppner
montag, 01.01.2018
04h00 anthony parasole
08h00 tama sumo
12h00 ryan elliott
16h00 virginia
20h00 danny tenaglia
24h00 massimiliano pagliara

lab.oratory
sonntag, 31.12.2017
21h00 skatebård
montag, 01.01.2018
01h00 gideön
05h00 nd_baumecker
09h00 soundstream
13h00 i-f
16h00 discodromo

halle am berghain
montag, 01.01.2018
01h00 jenus
05h00 rainforest spiritual enslavement
08h00 martyn
11h00 atom™
15h00 b12 live
17h00 nathan fake
20h00 fiedel

eintritt
38 euro

nachbetrachtung

vorab: am fazit der vorjahre ändert sich nichts. es war auch dieses mal das beste silvester seit dem letzten silvester. gliedern werde ich das resümee in die schilderung der sause aus meiner perspektive zum ersten und zum zweiten in der evaluation meines ausgehverhaltens. wer sich an die zusammenfassung vom letzten jahr erinnert (oder sie nochmal nachschlägt), wird ein paar durchaus selbstkritische töne darin finden. und da für mich gerade wieder einmal die zeit der selbstreflektion gekommen ist (muss die jahreszeit sein), kann ich ja mal schauen, was vom eigenen anspruch so übrig geblieben ist.

vielleicht erstmal so viel: ich hatte mir als option offen gehalten, den rekord vom letzten jahr (also 24 stunden im club) einzustellen, für mich war es aber dienstag mittag nach dem ende von massimiliano pagliara in der panorama bar (kurz nach 12 uhr, wer’s genauer haben möchte) nach 22 stunden völlig in ordnung, nun zu gehen. dabei hatte ich insgesamt nicht mal mehr als eine halbe stunde dort oben zugebracht, aber der discoide schluss rundete das alles für mich in dem moment gut ab.

dazwischen lag:

  • eine stunde warten am montagnachmittag, wobei die tür einen insbesondere an den umständen gemessenen lockeren eindruck machte. in den folgestunden wurde die schlange für beide eingänge auch nicht gerade weniger, bis es den einlassstopp am montagabend gab und die bändcheninhaber zügig abgefertigt werden konnten. eine verringerung des eintrittspreises gab es bis zum schluss nicht, worüber man sicherlich diskutieren kann. als abschreckung, nicht noch mehr leute anlocken zu wollen, wäre das noch ok, andererseits wäre die hälfte des preises ab der zweiten hälfte der party auch noch in ordnung gewesen.
  • die mittlerweile bekannte routine des personals: drei garderoben, und mit dem entsprechend taktischen gespür für die richtige bar zur richtigen zeit musste man auch nicht übermäßig lange warten. kompliment auch an den essensstand in der halle, der selbst bei ausgefallenem licht so weiterarbeitete als sei nichts geschehen.
  • ein i-f in ähnlicher form wie zum csd, jedenfalls mit dem gleichen ende: „gimme gimme gimme“ von abba.
  • answer code request, der in der kurzen zeit, die ich mitbekam, besser, fordernder spielte als letztes jahr.
  • eine halle, die genauso dekoriert war wie zum geburtstag, plus videoinstallation an der rückseite. gute idee auch mit der riesigen tafel und dem himmelbett im essensbereich. das wichtigste: sie war gut geheizt. meine kleine decke plus pullover im beutel kamen also nicht zum einsatz. stattdessen ließen sich dort tolle sets genießen: b12 waren davon am funktionalsten, stellenweise auch mit 4/4-kick sowie 303, was auch durchaus an einem sonntagmorgen gegen 4 oder 5 uhr ins berghain gepasst hätte (wo ich sie 2006 das letzte mal gehört habe). verlockte manche zum tanzen, war aber auch beim zuhören nicht unangenehm aufdringlich und der dicke applaus zum ende mehr als verdient.
    bei nathan fake habe ich gelernt, dass er auch als ambient-dj eine sehr gute figur macht – auswahl (u.a.): „vi scose poise“ von autechre, „radioland“ von kraftwerk, „faure in chrome“ von actress, „sandsings (boards of canada remix)“ von mira calix, „the work of art in the age of cultural overproduction“ von tim hecker.
    fiedel machte danach auch bis 4 uhr einen außerordentlich guten job, darunter mit „solanus (extracted)“ von vainqueur, burial – wounder und „happy cycling“ von boards of canada direkt danach, rhythm & sounds „roll off /b“ auf 45 statt 33 und (völlig unverhofft, daher so gut) „llorando“ von rebekah del rio (wer „mulholland drive“ gesehen hat: die szene aus dem theater, bei der die sängerin auf der bühne kollabiert.). war damit bis zum schluss (zugemacht wurde gegen 8) der ort, an den ich mich sehr gerne zurückgezogen habe.
  • im berghain rissen mich lsd unerwarteterweise so richtig mit. wer bei dem namen die stirn kraus zieht: es handelt sich um ein triumvirat dreier gestandener herren aus dem techno-bereich – luke slater, steve bicknell und david sumner (function). bei dem set kam irgendwie alles zusammen, was mir in 20 jahren auf den club-tanzflächen gänsehaut bescherte: rotzige tracks mit rauher energie und einer ständigen dynamik im set, bei der irgendeiner der drei immer wieder etwas draufsetzte. das licht: eher blitzend anstatt umherschweifend, dabei werde ich die angeblinkten einzelnen säulen mit der silhouette der leute auf den podesten so schnell nicht vergessen. das war noch die sahne obendrauf: die leute stiegen richtig willig darauf ein. ja, es war voll, allerdings auch nicht voller als an einem sonntagabend in den letzten jahren, der ja manchmal mit (fast schon wörtlich) um sich greifender rücksichtslosigkeit steht und fällt. davon war dieses mal aber so gut wie nichts zu merken. wiedererkannt: sehr wenig. nur zwei slater-tracks als planetary assault systems: „dungeon“ und „surface noise“.
  • discodromo im lab habe ich nur beim umherlaufen mitbekommen, auf der tanzfläche an sich war’s zu voll und am rande zu viel durchgangsverkehr. zwei mal technotronic in eigenen edits von „pump up the jam“ und „get up“, später noch „flash“ von green velvet und „unfinished sympathy“ von massive attack um 6:30 uhr zum schluss. damit haben sie keine 16 stunden gespielt wie im jahr zuvor, sondern „nur“ 14-einhalb (hier bitte ein großes augenzwinkern meinerseits einsetzen).
  • ben klock ist eben ben klock. da kann man sich auf den pünktlich erscheinenden und lange bleibenden fanclub verlassen. ich hab’s in der frühe gegen 10 uhr versucht, da war wieder schön platz auf der tanzfläche. aber mich unterhielt das nur für 20 minuten. insbesondere mit der dynamik des lsd-sets zuvor im hinterkopf passierte mir da nicht genug, als dass ich gebannt gewesen wäre. das problem ist aber meinerseits nicht neu und der erfolg gibt ihm ja recht. als hit noch im gedächtnis: „atol“ von surgeon.
  • tolle idee auch: die exklusiv frauen sowie transgender vorbehaltenen toiletten in der säule. könnte (wenn es nach mir ginge) auch bei regulären klubnächten schule machen.

wer’s kompakt haben möchte: personal sowie publikum ziemlich entspannt (jedenfalls dort, wo ich war), lsd im berghain, b12, nathan fake sowie fiedel in der halle grandios, i-f und discodromo im lab in gewohnter form. silvester / neujahr ist und bleibt dort einfach eine institution.

und wie lief das so mit dem vorsatz, 2017 nicht mehr auf rekordjagd gehen zu wollen?

rückblickend ganz gut. die 20-stunden-marke kam sehr selten in sichtweite, und die male, die ich das berghain nachts betreten habe, lassen sich an ein bis zwei händen abzählen – dabei handelte es sich meistens um die freitage. bei den live-acts muss für mich samstag / sonntag schon jemand außergewöhnlich gutes im angebot sein, dass ich mich früh auf den weg mache. der tagsüber-rhythmus hat sich für mich also (nicht zuletzt auch durch die staub) etabliert und zieht sich meistens so um die 12-16 stunden, was immer noch sportlich ist und immer noch gewisse konzentrationsdefizite zu wochenbeginn fördert. das ist aber zu erwarten und auch auszugleichen, wurde aber durch eine gewisse überbeanspruchung in der zweiten jahreshälfte 2017 konterkariert. ein mangel an konzentration, gar motivation, war also abseits von arbeit und dem hier nachzulesenden ausgleich an den wochenenenden gang und gäbe und schlug sich vor allem leider auf mein verhalten als musiksammler und mittlerweile auch serienkonsument nieder. daher war insbesondere ab dem letzten quartal 2017 (aber auch bereits davor) die absicht vorhanden, der leidenschaft – und so abgedroschen es klingt: mir selbst – wieder mehr zeit einräumen und dabei die arbeit geringer zu priorisieren.
teilzeit steht daher groß auf der agenda für 2018. nicht, um wieder auf rekordjagd gehen und den montag bis zum mittag im berghain verbringen zu können (um ehrlich zu sein, ist der dortige allgemeinzustand zu fortgeschrittener stunde bei durchschnittlicher musik für mich immer noch ein grund zum gehen). vielmehr herrscht seit monaten das gefühl vor, dass ich mich nicht so eingehend mit der musik beschäftigen kann, wie ich es gerne möchte. sinnkrise in puncto techno hin oder her – die existiert nach wie vor und wird wohl so lange nicht schwinden, wie es die auch mittlerweile industrielle verwertungskette für djs inklusive mittelklassiger veröffentlichungen zum anhäufen von gigs gibt. es macht für mich nach wie vor die breite, und da hat sich auf der festplatte einiges angesammelt, das noch nicht strukturiert (heißt: in die logik eines sets überführt) werden konnte.
um den bogen zum berghain zurück zu spannen: auch sie haben im laufe von 2017 mit der säule das signal gesetzt, dass sie sich nicht nur auf den technoclub reduzieren lassen möchten. mit dem fokus der freitage auf den im vergleich zur panorama bar kleineren raum ist das der mutige entschluss, lieber weniger publikum in kauf zu nehmen und dafür inhaltlich weniger kompromisse eingehen zu wollen. das vorhandensein dieses experimentierfelds könnte für mich bedeuten, freitags öfter dorthin zu gehen und damit den nachtmodus zu reaktivieren.

manche monate in 2018 könnten daher daraus bestehen, sonntags mal gar nicht, aber dafür ein, zwei male „nur“ in die säule zu gehen. der offensichtliche vorteil daran wäre, den rest des wochenendes dann noch vor sich zu haben. ihr seht: das „weniger ist mehr“ war 2017 wohl das richtige und kann gerne so fortgeführt werden. andererseits ist auch das vorhaben da, anderen clubs neben dem berghain und dem about blank mehr einräumen zu wollen. der tresor hat sich bookingtechnisch so positiv entwickelt, dass ich dies öfter wertschätzen und somit einen besuch abstatten sollte. den humboldthain-club kenne ich immer noch nicht, das ohm vernachlässige ich auch zu sehr. problem bei all den genannten: sie sind eher auf die nächte ausgelegt.

es bleibt also so spannend wie ich es zulasse.

Jul 212017
 

während sich halb berlin auf der nation of gondwana tummelt, verschlägt es mich zu altbekannten spielstätten. der csd ist ohnehin immer ein toller anlass, sich des subversiven zu erinnern, was in kombination mit dem hype der vergangenen jahre zu einer interessanten mischung an menschen und stimmungen führen kann.
außerdem ist es sehr lobenswert (aber irgendwie auch traurig) zu erwähnen, dass das line-up im sonst so männerdominierten berghain mehr als zur hälfte von damen geprägt wird. da bin ich mit am meisten auf lena willikens gespannt, die beim diesjährigen geburtstag des about blank (hier leider nicht besprochen, weil ich auch recht kurz da war) ein set ablieferte, das beispielhaft für konstanten mut zum risiko bei gleichzeitiger beibehaltung hoher qualität und musikalischer erziehung stand. schade nur, dass nd und discodromo so früh dran sind und ich sie aller voraussicht nach verpassen werde.

csd klubnacht

berghain
00h00 norman nodge
04h00 anetha
07h00 ben klock
11h00 lena willikens
14h00 bella sarris
17h00 relaxer live
18h00 courtesy
21h00 steffi
01h00 boris

panorama bar
00h00 nd_baumecker
04h00 looky looky live
05h00 discodromo
09h00 volvox
13h00 ash
16h00 kim ann foxman
19h00 i-f
22h00 massimiliano pagliara
02h00 virginia

garten
12h00 cormac
16h00 roi perez

eintritt
16 euro

Dez 312016
 

liebgewonnene rituale pflege ich gerne. obwohl ich prurient sehr gerne gehört hätte, wird das wohl nichts. visiere stattdessen nachmittag bis nachmittag an. im ablauf erwähne ich daher gleich den 2. januar 2017 mit, nicht ohne zu erwähnen, dass man mit dem silvesterstempel am 2. nochmal eintritt zahlt, sobald man nach 23:59 uhr am 1. januar nochmal rausgeht, um später wiederzukommen.

silvester 2016 / erste klubnacht 2017

berghain
sonntag, 1. januar 2017
01h00 fiedel
05h00 ben klock
09h00 etapp kyle
12h30 dvs1
16h00 kobosil
21h00 somewhen
montag, 2. januar 2017
01h00 answer code request
05h00 anthony parasole
09h00 norman nodge
13h00 pete
17h00 len faki
21h00 boris
01h00 marcel dettmann

panorama bar
sonntag, 1. januar 2017
01h00 muallem
05h00 roi perez
09h00 nitam
13h00 margaret dygas
17h00 nick höppner
21h00 efdemin
montag, 2. januar 2017
01h00 honey dijon
04h00 virginia
08h30 tama sumo
13h00 gerd janson
17h00 ryan elliott
21h00 steffi
01h00 nd_baumecker

lab.oratory
sonntag, 1. januar 2017
05h00 chris cruse
09h00 soundstream
12h00 october
15h00 marcus marr
18h00 skatebård
22h00 discodromo

elektroakustischer salon
sonntag, 1. januar 2017
07h00 the orb
11h00 prurient
14h00 martyn
17h00 drama
22h00 massimiliano pagliara
montag, 2. januar 2017
02h00 barker & gonsher

eintritt an der abendkasse
silvester: 36 euro
erste klubnacht: 18 euro (für stempelinhaber von silvester: 15 euro)

nachbetrachtung

fazit vorab: das beste silvester seit dem letzten silvester, aber auch für mich anlass, das feierverhalten zu reflektieren.

gerade mit dem taktisch günstig auf den montag gelegten freien tag stand im voraus für mich fest, dass es überlänge geben kann. nicht unbedingt einstellung alter rekorde, aber 20 stunden hatte ich mir schon vorgenommen.
am ende waren es aufgerundete 24 stunden – brutto in jedem fall, da man gegen 16h45 sonntags in der ticketschlange fast anderthalb stunden warten musste, bis man drinnen war. auffällig: die lockerheit der tür. da bekam jeder mit stempel oder ticket locker-flockige, aber dennoch bestimmte fragen gestellt, und auch drinnen an der garderobe war zwar alles geschäftig, aber nicht unbedingt stressig. mag wohl die nach einem dutzend jahren trotz aufstockung und einzelner wechsel beim personal anerworbene routine sein.

eine gewisse routine stellt sich auch als silvestergast ein, zugegeben. das bereits vorab, indem ich mit der maxime hingegangen bin, nur zu schauen, was der abend so bringen kann und neugierig auf die halle zu sein. erster eindruck, als ich drinstand: hmmm, ziemlich minimalistisch im vergleich zum vorjahr, wo die projektion der pfadfinderei an der rückseite geradezu monumental wirkte. dieses mal laserprojektionen in klaren geometrischen rechteckigen formen. fand ich anfangs fast schon zu puristisch, aber das reifte im verstand schnell – erst recht, da diese vermeintliche kühle durch die zahlreichen beleuchteten blumenvasen zwischen den liegeflächen einen warmen kontrast bekam. das haar in der suppe war nur, dass die halle an sich etwas zu kühl war, um dort länger zu bleiben. fand ich insbesondere bei barker & gonsher schade (erkannt: „?“ von mark pritchard relativ zu beginn und „nine“ von „amber“ aus der feder von autechre relativ zum schluss – das war gegen 12 uhr montagmittag), aber auch massimiliano pagliara sammelte mit „falling“ von julee cruise (richtig, twin peaks) pluspunkte.

auch die panorama bar sah ich nur gelegentlich, wobei nick höppner dort beim ankommen einen gewohnt echt guten job machte.
efdemin war mir später auf dauer zu trocken, honey dijon konnte mich auch nicht so abholen, das klang für mich bei virginia nach mehr hand und fuß.

neben der halle immer der grund, zu neujahr hinzugehen: das lab. und das begeisterte dieses mal schon bei skatebård, aber erst recht bei discodromo. letztere hatten am ende mal eben 16 stunden absolviert und nutzten diese auch, um verschiedene stile zu durchstreifen, von denen italo-disco nur einer war. ein edit von „running up that hill“ am montagvormittag, bei dem zuvor noch oldschool-uk-breakbeats und in der nacht noch ziemlich technoide chicago-sachen liefen, und das alles schön logisch ineinander verwoben – da griff mal wieder die ausgelassene stimmung mit der spielfreude ineinander.

beim berghain gab’s für mich eine längere durststrecke. kobosil bretterte zwar nicht so erbarmungslos wie im jahr zuvor, hatte aber auch eine spielzeit, zu der das auch nicht so geboten gewesen wäre. stattdessen wavig und mit ebm-einschlag, womit er die leute (inklusive mir) richtig gut mitnehmen konnte. daher war der ausflug zu nick höppner auch eher kurz.
zu somewhen war ich schon eher im lab oder der halle zu finden, kehrte aber mit vorfreude kurz vor 1 zu answer code request zurück. dieser kam jedoch auch eine gute dreiviertelstunde nach anpfiff nicht so recht aus dem knick. das tempo eher gemächlich, was ja an sich kein fehler ist, aber um die zeit hätten die leute es wahrscheinlich gerne zwei gänge härter oder treibender gehabt. er deutete in der zeit nicht mal an, dass sich in puncto spannung in absehbarer zeit etwas ändern könnte, immerhin ein paar dickere kickdrums zwischendurch zum anfüttern wären ja schon in ordnung gewesen. schade, er kann es sonst besser.
das ganze lief (muss ich als nicht allzu großer fan zugeben) mit mehr groove und dynamik bei anthony parasole besser ineinander. norman nodge wie häufig gerne mal ravig, und dann gab es ja noch den herrn aus dem hardwax.
ich hatte mir ja vorab schon vorgenommen, einfach nur so lange zu bleiben, wie es die kondition zulässt und bei durchwachsener tagesform seinerseits auch mal vor ende seines sets zu gehen. am ende lief es darauf hinaus, dass ich die zweite hälfte auf der tanzfläche stand und mich zum weitertanzen zwang. nach fast 24 stunden im club und davon 16 auf den beinen kann es schon mal vorkommen, dass die knochen erholungsbedarf anmelden. durch das set wollte ich’s aber wissen, und er glücklicherweise auch wieder. klare zweiteilung: die erste hälfte von der ihm eigenen härte mit den endlich wieder durchdringenden bassdrums geprägt, in der zweiten nahm er druck heraus und setzte einzelne akzente (u.a. mit „british murder boys“ von surgeon, kombiniert mit „lyot“, auch die ersten takte von depeche modes „blasphemous rumours“ waren zu hören). das war zum ausklingen-lassen des besuchs zwar sehr gut, ich hatte aber zu beginn des sets gemerkt, dass gerade diese kompromisslose härte wohl das notwendige adrenalin freisetzt, das die lahmer werdenden beine vergessen lässt.
nichtsdestotrotz: bester mann, natürlich. ich will nicht unnötig übertreiben, aber inmitten der immer noch bei mir herrschenden techno-sinnkrise war das set ein heller lichtstrahl, nach dem ich gerne heimwärts gekrochen bin.

in kompaktform: die favoriten pro floor sind für mich klar – pete, discodromo, barker & gonsher, nick höppner, wobei auch kobosil noch gesondert erwähnt werden sollte.
neujahr bleibt damit an ort und stelle für mich immer noch ein pflichttermin, wobei es hier im nachhinein klüger gewesen wäre, erst zur klubnacht am 2. aufzutauchen. der größte teil des rummels ist dann bereits vorüber und die quote an stammgästen höher, so dass es für alle (inklusive personal) auch angenehmer wird. was jedoch (wie im jahr zuvor) hervorzuheben ist: ich empfand es zu keinem zeitpunkt als überfüllt. klar lag das an lab und halle und sicher war man auch nicht alleine im club. aber auch dies ist bei anlässen wie diesem schon vorher klar.

auch wenn es bei der in diesem jahr erreichten etappe ein ambitioniertes ziel wäre, nicht neujahr an sich, sondern den tag danach noch in vollen zügen mitzunehmen, muss ich mich (um den bogen zur einleitung mit der reflektion meines ausgehverhaltens zu schlagen) fragen, ob es mir der erholungsprozess wirklich wert ist.
als ich dienstag gegen 10 uhr auf dem weg zur arbeit mit der s-bahn vorbeifuhr, waren die jalousien bei der panorama bar noch unten, und nach dem, was man so hört, hat marcel dettmann unten bis 14 uhr gespielt. klar fuhr ich mit etwas wehmut vorbei, aber da gab es auf der anderen seite die erfahrung mit den beiden finalsets vom november / dezember (freddy k / ben klock) im hinterkopf. beide male stand ich montagfrüh im laden mit halb schlechtem gewissen, weil ich einen freien tag ausgerechnet dafür verwendet hatte, mit halb gutem gewissen, weil diese für’s berghain typischen schlussmomente schon aufblitzten. letzteres überwiegt für mich, wenn neben dem publikum auch noch die musik stimmt. über die publikumskonstellation mache ich mir keine sorgen, nach meinen beobachtungen gibt es schon einen harten kern an den gleichen leuten, die stets bis montagmittag dort zu finden sind. bei dem aktuellen zustand von techno bzw. der von mir empfundenen stagnation, in der sich vieles über diverse sets an einem abend wiederholt, ist es für mich mittlerweile eher dem zufall überlassen, tatsächlich ein set zum schluss abzubekommen, das mich überrascht bzw. über mehrere stunden auf dauer fesselt. dadurch hat es beispielsweise marcel dettmann zu meinem vize-lieblingsresident gebracht (auch in kombination mit ben), aber kaum ist man aus dem studium im arbeitsleben, fangen die taktischen überlegungen an. demnach muss sich das schon lohnen, den montag freizunehmen – das war früher noch einfacher, als sonntagnachmittag/-abend schluss war.

ich hätte dies gerne weniger taktisch und vor allem ist mir momentan nicht danach, die besuche stets über die 20-stunden-grenze kommen zu lassen. um das ende von 2016 war die kombination aus alldem auch anlass für den entschluss, das ausgehverhalten zu hinterfragen und anzupassen.
gut, der plan, die wochenenden im januar außerhalb von clubs zu verbringen, hat rückwirkend, wo ich diese zeilen am 28. januar schreibe, mit kurzbesuchen im blank, der renate und auch zur staub ja wirklich toll geklappt. was aber wichtiger ist: die marathonstrecken mit 16+x stunden sollen nicht zur regel werden. weniger ist in hinblick auf konzentrationsfähigkeit hier definitiv mehr, daher reicht es gut und gerne aus, das berghain lieber von sonntagfrüh bis -abend mitzunehmen und nach 12 stunden einen haken zu machen. weiterhin bin ich gespannt darauf, was die freitage an ort und stelle in 2017 zu bieten haben (u.a. giegling ende märz). das brächte zwar unter umständen wieder durchmachen nach einer arbeitswoche mit sich, lässt aber mehr raum zur erholung. ausschließen möchte ich das erneute herantasten an diese langstrecken nicht (im gegenteil: das wird schon wieder passieren), aber nach bald 20 jahren in clubs kann ich auch mal auf den müden kopf hören und einfach gehen. man verpasst sowieso immer irgendwas, genauso wiederholen sich tolle momente – da muss also nichts in die länge gezogen werden.

Sep 192015
 

die untreue hält dieses mal nur für eine nacht.

klubnacht

berghain
00h00 norman nodge
04h00 francois x
09h00 hd substance
13h00 stenny
17h00 kobosil
21h00 marcel dettmann
01h00 len faki

panorama bar
00h00 steve mizek
04h00 rroxymore live
05h00 dj sprinkles
08h00 christopher rau
12h00 margaret dygas
16h00 discodromo
21h00 the black madonna
01h00 function

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
so um die 12 stunden war ich da, von 1 (nachmittags) bis 1 (nachts), und nachmittags war das vor der tür und drinnen sehr entspannt. gewechselt habe ich die etagen in der zeit mehrmals. nicht, weil es langweilig war – allerdings war der sonntag von niemandem eine musikalische offenbarung. achtung, jammern auf hohem niveau: guter durchschnitt von jedem, wobei herr dettmann in durchschnittlicher form ja immer etwas besser als der rest ist. war für meine begriffe auch dieses mal so.
bei stenny hatte ich gehofft, dass er wieder so experimentiell mit unterbrochener kickdrum wie beim letzten mal spielt, allerdings war das sehr geradlinig (jedoch wieder mit „quoth“). margaret dygas war geschmeidig wie immer unterwegs, aber nicht zu trocken. da ward auch zwischendrin „fly life“ von basement jaxx zu hören oder (abgeguckt) „synthetic flemm“ von theo parrish. spätestens bei kobosil (besser als beim letzten mal, alleine wegen des rabih beaini-edits von „tanki tanki“) wurde es wieder deutlich voller, was direkt vor dem beginn des dettmann-sets vor der tür fast absurde ausmaße annahm: die reguläre schlange bis zum häuschen und die für gästeliste / bereits abgestempelte reichte bis zum garten. da wird es irgendwie schwierig, nur mal eben vorbeischauen zu wollen.
auf der tanzfläche war es unten jedenfalls besser auszuhalten. lag nicht an the black madonna, die mich in der kurzen zeit, in der ich mich oben ins gedränge stürzte, sehr gut mit trockenen chicago-sachen (reine drumtracks von farley jackmaster funk) kriegen konnte. langfristig ging das für mich jedoch mit ständigem körperkontakt nicht – das war unten besser, wobei marcel dettmann mich auch als erster so richtig packte. schluss war bei ihm so gegen 1:15 uhr mit „space invaders are smoking grass“, das war dann auch für mich der schlusspunkt.

gute klubnacht. überaus solide im musikalischen, jedoch sehr wertvoll im mentalen sinne, weil u.a. trotz des füllgrades am sonntag abend eine erstaunlicherweise echt harmonische stimmung herrschte und obendrein noch nette menschen um mich waren, die das auch zu einer sozialen angelegenheit werden ließen.