jeff mills und die kunst der subtraktion

herr mills muss hoffentlich niemandem mehr vorgestellt werden. seinen fußabdruck hat er in der techno-historie nicht zuletzt aufgrund seiner art des auflegens hinterlassen. das geschieht zwar nicht mehr so wild wie anfang der 1990er-jahre, aber immer noch mit einem unglaublichen rhythmusgefühl und einer beispielhaften konzentration. auch wenn das manchmal nicht 100% auf den punkt ist, ist er auch heute noch ein vorbild, welches angehenden und auch langjährigen djs als messlatte dient.

interviews mit ihm gibt es recht selten. residentadvisor hat ihn für die „the art of djing“-serie gewinnen können, in der er bereitwillig auskunft über sein setup, seine autodidaktischen ersten gehversuche und der vorausschauenden planung bei einem set gibt.

ein mehr als würdiger eintrag in der reihe: klick.

maayan nidam und ihre einsichten in den produktionsprozess

residentadvisor hat seit geraumer zeit eine reihe namens „the art of djing“. die wird seit heute flankiert durch „the art of production“.
den auftakt macht keine so offensichtliche wahl (es wäre jedoch auch sehr leicht gewesen, kaliber wie robert henke oder richard devine zu nehmen, wobei letzterer neulich erst beim ra.exchange zu hören war), aber dafür eine sehr fein ausgesuchte. maayan nidam hat kurz vor dem ende des vergangenen jahres mit „sea of thee“ ein album auf perlon herausgebracht, das für mich zu den heimlichen jahresfavoriten zählt. so vereint es house, cosmic, krautrock und einiges anderes, das ich nicht definieren kann und möchte. herausgekommen ist eine in sich geschlossene sammlung an tracks, die allesamt als ihr markenzeichen gelten können und sich zugleich wunderbar auf perlon einreihen. die gelten für mich immer noch als label, das sich stilistisch auch mal gerne zwischen den stühlen platziert.

der weg dahin bestand jedoch aus einer gründlichen neuordnung des studios und dem damit verbundenen übungsprozess. das zog sich über gut fünf jahre hin, in denen kaum neue musik ihrerseits erschien. ein ansatz, den sich manch andere auch zu eigen machen könnten, ehe der meeresspiegel der halbgaren veröffentlichungen bzw. neuauflagen des bereits vorhandenen noch weiter steigt.

jedenfalls ist das resultat ein genaueres hinhören wert und dessen entstehung sowie die zugrundeliegenden entscheidungen nun nachzulesen: klick.

retrospektive von basic channel bei residentadvisor

für einige (inkl. mir) haben die herren ernestus und von oswald den status von säulenheiligen. da basic channel als label 25-jähriges feiert, wurde es zum label des monats bei residentadvisor erklärt. es hätte jedoch auch ein eigenes feature außerhalb der reihe verdient.
sei es wie es sei: sie bedienen sich des schon beim „klang der familie“ verfolgten ansatzes der kombination verschiedener o-töne verschiedener protagonisten aus verschiedenen epochen und garnieren das mit den tracks, die neulinge zum einstieg (und dann hoffentlich immer wieder) hören können. die älteren können sich über die anekdoten von robert henke oder hallucinator freuen.

klick

[freudenberg / 17.-19.08.2018] 18/7001 festival

und hier das dritte festival, das zugleich die saison für mich abschließen wird.

nachbetrachtung

auch auf die gefahr hin, elitär zu wirken: mir war erst nach dem angebot des freitickets bewusst, dass das festival ein ableger des „her damit“ ist, dessen macherin anfang 2019 in der presse unrühmlich erwähnt wurde, nachdem es szeneintern schon rumorte. für lau konnte es nicht schaden, sich wenigstens ein bild zu verschaffen. hätte ich dafür geld ausgegeben, wäre die kritik noch ein wenig drastischer, da selbst monis rache als basiskollektiv organisierte veranstaltung so einiges besser koordiniert bekommen hat.

in aller fairness: der trockensommer 2018 hat einige zusätzliche hürden aufgestellt. so musste der zweite floor hinter die baracken verlegt werden, da dessen standort oberhalb des bunkers im gras in nähe des waldes eine zu hohe brandgefahr dargestellt hätte. außerdem musste feuerwehr vor ort gehalten sowie der wald effizient abgesperrt werden. das alles als auflagen in (vor)letzter minute, mit mehrkosten verbunden und dem effekt, dass fjaak nicht spielten, weil sie nur die anzahlung der gage bekommen hatten, jedoch nicht die zweite hälfte. ist auch veranstalterseitig kommuniziert worden, jedenfalls für diejenigen, die vor ort mobiles internet hatten.

sonst herrschte vor ort eine ganze menge improvisation vor. es war recht unklar, wo wir das auto abstellen können, um gleichzeitig darin zu campen. am ende war dies auf asphalt ohne wirkliche möglichkeit, die plane zu beschweren. aber dafür weit genug vom festivalgelände entfernt, so dass die bässe quasi nicht zu hören waren. essensstände aneinandergereiht auf dem weg zum bunker, der chillout-floor recht lieblos zwischen zwei plattenbauten daneben (ja, man kann dies besser hinbekommen als mit ein paar aufgespannten schirmen einer bekannten bierbrauerei und ohne kissen, aber immerhin gab es rasen und bäume als weiterem schattenspender). kurz vor der rampe nach unten noch eine baracke, in der installationen angebracht waren. wirkte bis dahin alles so, als ob man sich was von anderen festivals abschauen möchte, ohne die einzelnen elemente wirklich in einen kontext zu setzen.
dafür lässt sich über die gestaltung der beiden floors nicht meckern (über das personal übrigens auch nicht). void-anlagen, auf dem hauptfloor ganz schlicht beton und container. auf denen stand das licht (inklusive laser an der vorderseite), und da es dort ein ziemlich striktes techno-booking gab, brauchte es keine großartigen projektionen, lieber mehr nebel. es erwies sich auch als vorteil, dass sich das dj-pult im bunker befand, weil sich mit der tiefe des raumes nochmal weitere lichtspielereien ergaben. kurzum: ich fand das dort gut inszeniert. auch die ziemlich kompakte atmosphäre auf dem zweiten floor unter dem wellblechdach passte gut mit sound und licht zusammen.

bedenken, dass bei diesem sehr techno-lastigen booking auf beiden floors mehr oder minder das gleiche zur gleichen zeit laufen würde, bestätigten sich nicht. vielmehr hat das 7001 gezeigt, dass da doch eine ganze ecke mehr geht als der stereotype auf big-room optimierte stil. freitagnacht war einmal mehr sunil sharpe der gewinner, der mit der ersten axis („mutant theory“) erneut seine wurzeln in den 1990ern zeigte. ansome danach war jedoch auch sehr schön brachial und brach auch gerne aus dem four-to-the-floor-kick-schema aus.
samstag fand tagsüber für meine wenigkeit zumindest nicht auf dem eigentlichen festivalgelände statt. dafür machte jenus beim chillout einfach zu viel richtig (ein track von der „am i using content or is content using me?“-ep von raime ist mir noch im gedächtnis, ebenso wie „oh superman“). abends / nachts hat zuerst stephanie sykes mit einem zwar sehr auf funktionalität, aber auch gleichzeitig auf dynamik setzenden set sowie direkt danach uvb mit vielfalt („radiance“ von surgeon bspw.) akzente gesetzt bzw. beide sich nachdrücklich empfohlen. letzteren hatte ich als produzent auf mord auf dem schirm, aber es war toll anzuhören, wie er in die breite ging, ohne den fluss dabei zu verlieren.

der sonntag bestand aus nicht viel mehr als im auto herumzuliegen und nach dem zusammenräumen am nachmittag nochmal kurz auf dem mainfloor als einzig verbliebene option zu schauen. es hatten sich aber auch einige andere bereits auf den weg gemacht, daher handelte es sich um den hartgesottenen rest, der es sich ab 10 uhr früh mit nur jaber, ctrls, antigone und francois x bis abends um 22 uhr noch gutgehen lassen konnte.

war ok, es mitgemacht zu haben – auch um den eindruck vorheriger schilderungen rund um die organisation bestätigt zu bekommen, die es wert wären, juristisch aufgearbeitet zu werden. ich hoffe sehr, dass die zahlenden gäste die durchweg wenigstens passable, meistens ziemlich gute musik in dem ambiente bei schönstem wetter genießen konnten. zumindest war das eine gute alternative zu berghain und konsorten, auch wenn dies etwas mehrwaufwand bedeutet hat, sich aus berlin herauszubegeben.

skee mask im ferninterview mit residentadvisor

es sollte sich herumgesprochen haben, dass ich mittlerweile erklärter fan bin. zwei beachtliche whitelabels auf ilian tape, dann mal eben mit „shred“ eines der alben 2016 veröffentlicht und nun mit quasi eigenem sublabel bei den zenkers. noch dazu diese „alles geht, was mir gefällt“-attitüde in seinen sets.

jedenfalls hat sich residentadvisor seiner angenommen und mit ihm geplaudert. die info, dass er an einem neuen album arbeitet, sieht (wie seine sets auch) fast schon nach planübererfüllung aus. ich fände es erstaunlich, wenn er die qualität beibehält.

herbal jams

errorsmith in wort und bild

„superlative fatigue“ ist seit kurzem veröffentlicht, was nicht nur sein erstes album seit 13 jahren, sondern darüber hinaus auch noch im vergleich zum früheren material ziemlich leichtfüßig, ja: geradezu beschwingt ist. das bedeutet auch, dass die promo-maschine läuft, daher sind die üblichen verdächtigen mit interviews dabei – einmal fact, einmal (wie immer) residentadvisor. beide mit der gleichen stoßrichtung: eklektischer ansatz, produktionsmittel, hintergrund für’s programmieren von synthesizern für native instruments.

dj stingray zu marines und dem kommandoraum

es ist sicher kein zufall, dass das feature auf residentadvisor pünktlich zur veröffentlichung des vierten teils der kern-mix-serie auf tresor die startseite schmückt. das label gibt mit dj stingray direkt nach objekt eine richtung vor, die mir in kombination mit dem neuen album von porter ricks sehr gut gefällt. noch dazu las sich das line-up vor zwei wochen zur dazugehörigen veröffentlichungsparty (auf welcher der hauptprotagonist in kurz aufeinanderfolgenden slots im ohm, tresor und globus auflegte) so toll, dass ich mir das schon wochen zuvor als pflichttermin markiert hatte – um dann aufgrund der von diesem „sommer“ leicht angezählten gesundheit nicht hinzugehen.
gut, die tracklist des mixes liest sich so wie das, was man in seinen sets regelmäßig hört – aber da das dem aktuell herrschenden konsens immer noch in puncto präsentation und soundästhetik voraus ist, bin ich dessen noch nicht müde und sehe das in absehbarer zeit auch nicht kommen.

es sieht also danach aus, dass der mann nach mehr als zwei jahrzehnten als akteur im hintergrund das momentum nun auf seiner seite hat. und das sei ihm sowas von gegönnt.

foreign waters

rückblick über 20 jahre raster noton bei residentadvisor und in der taz

die feierlichkeiten im berghain sind so lange noch nicht her, daher passt als nachreichung zum rückblick auf die party zum einen der eher überblickshafte artikel in der taz (mit mal wieder formidabler überschrift) und zum anderen ein in die tiefe gehendes interview bei residentadvisor mit den drei vätern (olaf bender / byetone, frank bretschneider, carsten nicolai / alva noto).