{"id":3518,"date":"2014-12-12T12:34:41","date_gmt":"2014-12-12T11:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/?p=3518"},"modified":"2016-08-18T22:53:54","modified_gmt":"2016-08-18T20:53:54","slug":"berlin-13-12-2014-berghain-klubnacht-zehn-jahre-berghain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/2014\/12\/12\/berlin-13-12-2014-berghain-klubnacht-zehn-jahre-berghain\/","title":{"rendered":"[berlin \/ 13.12.2014] berghain: klubnacht &#8211; zehn jahre berghain plus retrospektive"},"content":{"rendered":"<p>eigentlich sollte an der stelle ein langer text zur einleitung stehen, der die entwicklung des clubs in den letzten zehn jahren aus meiner subjektiven perspektive schildert &#8211; sprich: mein ganz pers\u00f6nlicher allgemeiner gehaltene berghain-artikel. man kann ja nie genug davon haben.<br \/>\nwie das nun mal immer so ist mit der lieben zeit und dem fehlenden willen, sich bei dem anlass kurzfassen zu wollen &#8211; das ger\u00fcst steht im kopf, alleine zur ausformulierung kam ich nicht. also kommt das eben in die nachbetrachtung, die dann entsprechend anders betitelt sein wird.<br \/>\nbis dahin muss erstmal das gen\u00fcgen: hype, mythen, ger\u00fcchte, au\u00dfen vor gelassen &#8211; chapeau und danke f\u00fcr das, was in den letzten zehn jahren erreicht worden ist. alles gute zum zehnten, und auf den bei besonderen anl\u00e4ssen nun auch r\u00e4umlich etablierten elektroakustischen salon (sprich: den dritten floor) bin ich gespannt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.berghain.de\/\">klubnacht &#8211; zehn jahre berghain<\/a><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">berghain<\/span><br \/>\n00h00 domenico crisci<br \/>\n04h00 shed <em>live<\/em><br \/>\n05h00 blawan<br \/>\n08h30 and <em>live<\/em><br \/>\n09h30 bas mooy<br \/>\n12h30 dj skull<br \/>\n15h30 steffi<br \/>\n19h00 dvs1<br \/>\n22h00 marcel fengler<br \/>\n02h00 marcel dettmann \/ ben klock<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">panorama bar<\/span><br \/>\n00h00 radio &amp; fernseh<br \/>\n04h00 joy orbison<br \/>\n07h00 san soda<br \/>\n11h00 dske<br \/>\n14h00 joakim<br \/>\n16h30 skateb\u00e5rd<br \/>\n19h30 ben ufo<br \/>\n23h00 gerd janson<br \/>\n02h00 nd_baumecker<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">elektroakustischer salon<\/span><br \/>\n07h00 jenus<br \/>\n13h00 marsen jules <em>live<\/em><br \/>\n15h00 wolfgang voigt <em>live<\/em><br \/>\n16h30 ralf k\u00f6ster<br \/>\n20h30 maya<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">eintritt<\/span><br \/>\n15 euro<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>stammg\u00e4ste, spielzeiten, schwarze wand, warteschlangen &#8211; gedanken zum zehnj\u00e4hrigen des berghains<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong>prolog: warum noch ein berghain-essay?<\/strong><\/p>\n<p>es gab ja so einige feuilletonisten, journalisten oder belletristiker, die es in den vergangenen gut zehn jahren nicht lassen konnten, ihre eindr\u00fccke oder interpretationen des &#8222;mythos berghain&#8220; zum besten zu geben. der allgemeine hype scheint (gelinde gesagt) davon profitiert zu haben, wenn man sich dinge wie die schlangen vor der t\u00fcr oder bevorzugt spekulative eintr\u00e4ge in diversen foren um nebens\u00e4chlichkeiten (bspw. warum dieser oder jener resident anstatt vier nur drei stunden spielt) anschaut.<br \/>\ndie attraktivit\u00e4tskurve kennt f\u00fcr den club also seit zehn jahren nur die richtung gen himmel und scheinbar verl\u00e4uft das mit dem hype genauso. ich nehme mich da selber nicht aus &#8211; schie\u00dflich sind auch hier einige zeilen voller ungl\u00e4ubigem staunen zu lesen, wenn an einem vergangenen sonntag auf einmal bislang gekannte grenzen gemeinschaftlich eingerissen wurden (ein sonntag anno 2006 mit carl craig, ricardo villalobos und rhythm &amp; sound in der panorama bar d\u00fcrfte einigen noch in erinnerung sein). insofern dachte ich mir, dass es ja nicht schaden kann, nicht nur die feierlichkeiten zum zehnj\u00e4hrigen, sondern gleich die letzten zehn jahre revue passieren zu lassen. wie das so im einzelnen aussah, kann der geduldige oder ausdauernde leser im archiv nachvollziehen. daher wird&#8217;s keine chronologie s\u00e4mtlicher absolvierter berghain-besuche, die k\u00f6nnt ihr anhand der einzelnen eintr\u00e4ge selbst nachvollziehen. vielmehr geht&#8217;s mir um die einordnung des berghains in meine biographie als musikliebhaber und partyg\u00e4nger, wie es (nicht nur f\u00fcr mich) soweit kommen konnte, dem laden einen festen monatlichen platz im terminkalender einr\u00e4umen zu wollen und welchen einfluss er auf mich (und bis zu einem gewissen grad auch berlin \u00fcberhaupt) ausge\u00fcbt hat.<br \/>\nwer nur etwas zu den feierlichkeiten zum zehnj\u00e4hrigen lesen m\u00f6chte, scrollt runter bis punkt 4.<\/p>\n<p><strong>1. 2001-2004: zwischen leipziger und m\u00fchlenstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>zeitsprung zur\u00fcck in 2001 und dem club, der ja immer zum vergleich herangezogen wird. der tresor eignet sich aber deshalb so gut, weil es der einzige laden neben dem berghain ist, dessen zehnj\u00e4hriges ich bislang miterlebt habe. war ein ziemlich intensives wochenende damals &#8211; parties von donnerstag bis samstag, sonntag gab es noch ein e-werk-revival.<br \/>\ndie vielzitierte berlin-detroit-achse war zu der zeit in der leipziger stra\u00dfe l\u00e4ngst erweitert worden: die headquarters emanzipierten sich und die wilden aus brighton hatten bereits ihre fu\u00dfstapfen hinterlassen (passenderweise waren am samstag des geburtstagswochenendes beide welten vereint: suburban knight spielte live, eva cazal und cristian vogel danach bis zum schluss im ping pong). noch dazu hatte der e-werk-held woody mit seinem zwischen house, techno, electro und auch pop munter wechselndem stil mit dem stetigen funk im hintergrund einfluss darauf, was ich aus den plattenl\u00e4den (gr\u00f6\u00dftenteils die gleichen konstanten wie heute: hardwax oder space hall) oder auf ebay so mitnahm.<br \/>\nparallel dazu tauchte 1999 ein club auf meinem radar auf, der auf seiner website recht unschein- und auch etwas unnahbar wirkte. als visuell orientierter mensch kannte man die r\u00e4umlichkeiten des tresors als techno-affiner bereits, bevor man \u00fcberhaupt einen fu\u00df in den club gesetzt hatte. beim ostgut wirkte das alles irgendwie mysteri\u00f6s. dessen besuch wurde mir schlie\u00dflich von einem nutzer eines chats nahegelegt, den eine allgemein bekannte zigarettenfirma damals unterhielt. diese hatte chat-terminals in diversen clubs der republik aufgestellt. das ganze lie\u00df sich zwar auch von daheim aus nutzen, aber an irgendeinem abend 1999 stand ich lustigerweise im globus an einem dieser terminals und bekam die empfehlung, doch mal das ostgut aufzusuchen.<br \/>\nes dauerte auch nicht lange, bis ich auf seinen rat hin anfang 2000 &#8211; und anschlie\u00dfend recht regelm\u00e4\u00dfig &#8211; hinging, da das interieur des clubs die nicht wirklich vielversprechende \u00e4u\u00dfere verpackung locker \u00fcberfl\u00fcgelte und mit cora s. und eva cazal zwei djs unter den residents waren, welche die vom tresor gewohnte h\u00e4rte dort fortf\u00fchrten. andre galluzzi war der allgemeine publikumsheld, marcel dettmann und fiedel geh\u00f6rten ebenfalls zum stamm. den club zeichneten noch andere dinge aus: neben dem damals sehr pr\u00e4senten gay-publikum (was dort insbesondere ins auge sprang, weil mit dem ostgut ein dezidiert schwul-lesbischer club f\u00fcr heteros ge\u00f6ffnet worden war) und dem im vergleich zum tresor nicht ganz so spartanischen licht schloss der club wohl nicht nur f\u00fcr mich eine l\u00fccke, die sich mit der e-werk-schlie\u00dfung anno 1997 ergeben hatte. klar war alles ein paar nummern gr\u00f6\u00dfer als im tresor, aber die anlage versetzte den raum ordentlich in schwingung, das publikum war im schnitt \u00e4lter und \u00fcberhaupt ein ganz anderes als in der leipziger stra\u00dfe. viele m\u00e4nner mit durchtrainierten, nackten oberk\u00f6rpern, diese pritschen an den seiten, dann die dunklen r\u00e4ume direkt neben der tanzfl\u00e4che und als kr\u00f6nung die dauer der n\u00e4chte, die sonntag mittag als minimum kannte &#8211; das war eine andere, auf ausdauer angelegte form von exzess, wie man sie seit dem e-werk nicht mehr hatte. im tresor war dies auf eine k\u00fcrzere zeit begrenzt (das j\u00e4h im keller eingeschaltete putzlicht geh\u00f6rte sonntag fr\u00fch gegen 6h30\/7h00 schon fast zum ritual), aber von der musikalischen und sowieso von der rauhen umgebung her extremer. zwar konnte man es sich gerne noch bis sonntag mittag im globus gutgehen lassen, wenn man denn wollte, aber f\u00fcr mich schlug das herz des ladens eben eine etage tiefer, so dass ich in den meisten f\u00e4llen sonntag recht fr\u00fch heimkam. anders als heute hatte man jedoch hin und wieder die chance, seine tresor-favoriten im ostgut erleben zu k\u00f6nnen, wo einige der headquarters spielen konnten (trias, dash und liquid sky u.a.).<\/p>\n<p>mein clubleben spielte sich jedoch nicht nur in der leipziger und der m\u00fchlenstra\u00dfe ab. es standen auch andere l\u00e4den auf meiner agenda: das sternradio, sp\u00e4ter kam das polar tv hinzu (beides geh\u00f6rte zu no ufos), das wmf entdeckte ich erst sp\u00e4t und dann auch erst in den letzten z\u00fcgen (in der ziegelstra\u00dfe, was ich im nachhinein echt bedauere), die schaltstufe13-parties im wedding waren auch jedes mal klasse. erste adresse blieb f\u00fcr mich dennoch der tresor: kaum war das line-up f\u00fcr einen monat online, wurde der pers\u00f6nliche pflichttermin ausgew\u00e4hlt und dann stand ich auf der matte (was zeigt, dass sich im vergleich zu damals quasi nichts f\u00fcr mich ge\u00e4ndert hat). danach war das ostgut dran, jedoch erhielt meine zuneigung dazu mitte 2002 einen d\u00e4mpfer, als wir kollektiv als mehrk\u00f6pfige gruppe von sven marquardt abgewiesen wurden. dies passierte zwei mal, wodurch dann der stolz dazwischen kam, der mir sagte, erstmal nicht mehr hingehen zu wollen.<br \/>\ndie o2-world (mittlerweile mercedes benz arena) warf jedoch ihre schatten voraus, so dass im januar 2003, kurz nach silvester, die letzte party im ostgut stattfand und da sprang ich gerne \u00fcber meinen schatten. schon gegen 1 uhr stand eine menschentraube vor der t\u00fcr, die aber nicht mal ansatzweise dem entsprach, was sich heute zu sto\u00dfzeiten vor den gittern am berghain tummelt. die residents spielten damals im rotationsprinzip, ich kam noch p\u00fcnktlich zu cora, sp\u00e4ter war peaches noch als live-act dran. &#8222;disco rout&#8220; von legowelt &#8211; das war die letzte platte in andre galluzzis erstem set dieses marathons und auch der letzte track, den ich im ostgut h\u00f6rte &#8211; muss so gegen 11 uhr am sonntag vormittag gewesen sein. galluzzis letztes set fast 24 stunden sp\u00e4ter bekam ich nicht mehr mit, da ich erk\u00e4ltungsgeschw\u00e4cht war und nicht gedacht h\u00e4tte, dass die party so eine \u00fcberl\u00e4nge gibt. f\u00fchlte ich mich betr\u00fcbt, dass damit ein fixpunkt f\u00fcr veritablen techno in tollem umfeld wegfiel? sicher, wobei andere das ostgut mehr als zweites wohnzimmer f\u00fcr sich begriffen hatten. f\u00fcr mich fiel mit dem ostgut &#8222;nur&#8220; ein echt guter club weg und ich hoffte darauf, dass es alleine als alternative zum tresor einen nachfolger geben wird.<br \/>\nder hatte bei mir schon zu der zeit tiefe(re) spuren hinterlassen &#8211; alleine weil der dort propagierte und kultivierte stil bereits vor meiner clubbing-zeit offene t\u00fcren bei mir einrannte und all diese verhei\u00dfungen in diesem keller erf\u00fcllt wurden. mag aber auch die legende sein, die ihr \u00fcbriges tat: es gab sicherlich mittelpr\u00e4chtige abende und auch wenige richtig schlechte, aber dennoch \u00fcberwogen diejenigen, die f\u00fcr mich den omnipr\u00e4senten &#8222;true spirit&#8220; in den gem\u00e4uern heraufbeschw\u00f6rten oder nach der festschreibung meiner techno-dna in meinen anfangszeiten auch f\u00fcr musikalische wendepunkte sorgten (wie die no-future-party im februar 2004, als wieder einmal cora s. mit einer breakcore-breitseite daf\u00fcr sorgte, dass ich begann, platten in dem stil zu kaufen). wie auch immer: die legende lebte f\u00fcr mich &#8211; aller improvisation in der leipziger stra\u00dfe 126a zum trotz. dazu trug auch sicher der anschluss an manche stammg\u00e4ste sowie residents und auch das gef\u00fchl bei, den ersten tresor-gig (vor dem ich &#8211; mein umfeld kennt dieses gefl\u00fcgelte wort sicher &#8211; nerv\u00f6ser war als vor meiner m\u00fcndlichen abi-pr\u00fcfung) \u00fcberstanden zu haben. beides entwickelte sich im laufe von 2004 und f\u00fchrte dazu, dass ich den tresor endg\u00fcltig als clubheimat begriff.<\/p>\n<p><strong>2. 2005-2009: grundlagen des erfolges und z\u00e4sur in mehreren teilen<\/strong><\/p>\n<p>bereits im letzten quartal von 2004 hatte sich angedeutet, dass das ostgut seinen nachfolger bekommt und die ger\u00fcchtek\u00fcche begann zu kochen. wie beim ostgut durchaus kalkuliert: es gab keinen monate im voraus kommunizierten er\u00f6ffnungstermin und bei den bildern hielt man sich noch mehr zur\u00fcck als bei der ostgut-website seinerzeit.<br \/>\nim herbst gab es dann zun\u00e4chst die panorama bar f\u00fcr&#8217;s publikum. diese bekam ich f\u00fcr ein paar stunden zu einer &#8222;get perlonized&#8220; nach einem besuch in der maria am ufer zu gesicht (fumiya tanaka hatte ich verpasst, zip spielte daf\u00fcr bei tageslicht, da die jalousien damals noch nicht montiert waren). ebenerdiges dj-pult, guter sound, von der publikumsmischung her schien sich auch so gut wie nichts ver\u00e4ndert zu haben, der club war sch\u00f6n verwinkelt. trotz der k\u00fcrze des besuchs: die neugier auf den rest wurde durch all dies nicht kleiner.<\/p>\n<p>lange gewartet habe ich damit nicht: nur bis silvester 2004\/5. die erste begegnung mit dem berghain war jedoch die schlange, bzw. eine menschentraube vor der t\u00fcr so gegen 5 uhr in der fr\u00fch, die dem heutigen normalzustand an einem samstag entsprach. zweiter anlauf nach umweg \u00fcber das gmt in der warschauer stra\u00dfe f\u00fcnf stunden sp\u00e4ter &#8211; sah schon wesentlich besser aus. drinnen waren berghain und panorama bar ge\u00f6ffnet und ich war in erster linie erleichtert, dass dieser k\u00fchle, auf das wesentliche reduzierte stil aus dem ostgut auch beim berghain weiter gepflegt wurde: viel beton, unbehandelte w\u00e4nde, wenig dekoration, klares design bei den orten mit funktion (bar, toiletten, garderobe). beim zweiten blick und beim ohren aufsperren wurde klar, dass einige mittel in die hand genommen worden waren, um den laden an den start zu bringen und ihn auch halten zu wollen. lie\u00df sich auch an der personellen kontinuit\u00e4t feststellen: nicht nur an der t\u00fcr standen die gleichen leute wie im ostgut, sondern auch hinter dem dj-pult. marcel dettmann und fiedel spielten unten (wo sich lichttechnisch zu dem zeitpunkt nicht viel tat), i-f oben. als wir den club nachmittags um 16 uhr verlie\u00dfen, hatte ich nicht den eindruck, als ob hier bald schluss sein k\u00f6nnte und wollte mir ein zweites bild verschaffen, indem ich mir den normalen clubbetrieb anschauen wollte.<br \/>\nalso ging ich am folgenden wochenende direkt wieder hin. marcel fengler, joel mull, portable und pete &#8211; das m\u00fcsste die reihenfolge des abends f\u00fcr das berghain gewesen sein. da war beim licht schon ein wenig mehr geboten und musikalisch war es so \u00fcberzeugend genug, dass ich mir vornahm, einmal monatlich hingehen zu wollen, wenn es denn ein geeignetes programm gibt.<\/p>\n<p>kurz nach diesen ersten berghain-besuchen kam die nachricht, dass man die restlichen tage des tresors von nun an beinahe r\u00fcckw\u00e4rts z\u00e4hlen k\u00f6nnte &#8211; drei monate blieben noch bis zum april 2005. am ende wollte es der tresor richtig wissen und zog an 14 tagen ein abschiedsprogramm durch (f\u00fcr 14 jahre quasi). konsequenz: die abschlussparty des tresors ist seitdem die einzige, die bei mir den status &#8222;l\u00e4uft au\u00dfer konkurrenz&#8220; tr\u00e4gt &#8211; deren ablauf l\u00e4sst sich detailliert auch auf diesen seiten nachlesen.<br \/>\nin diesen wenigen wochen \/ monaten hatte sich das berghain als ort erwiesen, der zum f\u00fcllen dieser l\u00fccke (bis ein neuer tresor \u00f6ffnen w\u00fcrde) mehr als geeignet ist, obwohl es dort das eine oder andere booking gab, was damals im umfeld von kompakt hoch im kurs stand und demzufolge labels wie areal oder sub static unten die headliner stellten, w\u00e4hrend minimal oben in der panorama bar bis auf ausnahmen tonangebend war. es gab aber weiterhin die kontinuit\u00e4t bei den residents und (f\u00fcr mich ein dicker pluspunkt) den hardwax-einfluss, weshalb bspw. monolake oder sleeparchive recht schnell dort spielten. einzig die tresor-djs, die noch im ostgut gespielt hatten, blieben au\u00dfen vor. manche von ihnen kamen durch die hintert\u00fcr: tama sumo war zuvor h\u00e4ufig im globus zu h\u00f6ren und auch einen gewissen ben e. clock (dessen erste gigs man eher im zusammenhang mit dem cookies erw\u00e4hnt) h\u00f6rte ich im globus zum ersten mal.<br \/>\nsie spielten in den ersten monaten im berghain bzw. der panorama bar, und trotz des dezidiert als techno-floor deklarierten berghains war der stil eher vom epischen techhouse mit gutem techno-einschlag gepr\u00e4gt. dies spiegelt auch ganz gut das geschehen wider, das der markt an neuerscheinungen zu dieser zeit f\u00fcr mich zu bieten hatte. klar k\u00fcmmerte ich mich um einen gewissen techno-grundstock, aber die besuche bei diversen clash of the titans und im possible music in neuk\u00f6lln (regelm\u00e4\u00dfig die zweite anlaufstelle nach dem hardwax, weil beides eh recht nah beieinander lag) lie\u00dfen breakcore in der zeit f\u00fcr mich interessanter erscheinen, zumal der stil eines michael forshaw oder cannibal cooking club so zahlreiche nachahmer produzierte, dass das schema auch in dieser &#8222;wonky-techno&#8220; genannten variante f\u00fcr mich durchgekaut war und es daher in puncto techno bis auf wenige ausnahmen uninteressant zu werden drohte.<br \/>\ndennoch: den monatlichen berghain-termin lie\u00df ich mir schon zu dem zeitpunkt nicht mehr nehmen. der tresor zeigte zwar mit bekannten gesichtern exil-pr\u00e4senz in der maria und im so36, aber bereits zum jahreswechsel 2005\/6 hatte ich mich schon sehr an den standard gew\u00f6hnt, den der laden am damals noch recht unerschlossenen wriezener karree ohne metro, ohne hellweg, daf\u00fcr mit aldi in den plattenbauten auf dem weg zur bushaltestelle hinter dem &#8222;neuen deutschland&#8220; bot: die funktion one im berghain lie\u00df auch house- oder minimal-platten ziemlich technoid wirken, was dazu f\u00fchrte, dass techno-tracks alter schule eine noch h\u00f6here energie entfachten. die t\u00fcrpolitik und die gays sorgten f\u00fcr eine entspannte &#8222;alles kann, nichts muss&#8220;-stimmung im club, so manche tresor-exilanten gingen einfach mit und obwohl das berghain zwar nicht alle stammg\u00e4ste aus dem ostgut mit her\u00fcbergenommen hatte, waren schon in den anfangsmonaten immer gewisse gesichter zu sehen.<\/p>\n<p>ich kann im nachhinein gar nicht mal mehr sagen, wann die presse oder die reisef\u00fchrer das berghain f\u00fcr sich entdeckten und am &#8222;mythos&#8220; zu stricken begannen, das mag sogar schon 2005 gewesen sein. bereits ein jahr darauf zeigte sich jedoch, dass mit dem ende einer party gegen sonntagmittag\/-nachmittag lange nicht das ende der fahnenstange erreicht ist. es wirkte jedoch nicht wie ein masterplan, sondern es passierte irgendwie einfach, dass sowohl die musik als auch die mischung an leuten eine stimmung entstehen lie\u00dfen, weshalb die leute sowohl im berghain als auch in der panorama bar einfach blieben und gerade die schluss-sets unten eine eigendynamik entwickelten. diese wurden f\u00fcr mehr und mehr leute zur hauptattraktion und daher immer l\u00e4nger &#8211; je nachdem, wer dran war, daran hat sich auch zum zehnj\u00e4hrigen nichts ge\u00e4ndert. es \u00e4nderten sich jedoch recht schnell die zuordnungen: ein noch im ostgut umjubelter andre galluzzi spielte zwar regelm\u00e4\u00dfig unten, entwickelte sich stilistisch jedoch in die minimal-richtung, so dass er konsequenterweise eher in der panorama bar zu finden war. fiedel gewann zunehmend an technischer sicherheit, marcel dettmann entwickelte eine zunehmend klare musikalische identit\u00e4t und einen entsprechend packenderen aufbau, wo er im ostgut eher noch auf der suche wirkte. ben klock zeichnete sich schon damals durch sein mixing aus, das hypnotische tracks beg\u00fcnstigte. und pete &#8211; war (ist, bleibt\u2026) eben pete.<br \/>\nende 2006 dann &#8222;e2-e4&#8220; und damit einer der ersten konzert- anstatt clubabende, an dem an die vorl\u00e4ufer von techno erinnert wurde. das konnte auch dem normalen clubg\u00e4nger verst\u00e4ndlich gemacht werden. die n\u00e4chste stufe folgte kurz darauf mit dem staatsballett berlin: &#8222;shut up and dance&#8220; vereinte im sommer 2007 einen von techno-produzenten geschaffenen soundtrack mit einer tanzperformance &#8211; der schulterschluss zwischen sub- und hochkultur wurde erneut geprobt.<\/p>\n<p>apropos sommer 2007 &#8211; da war ja was: der neue tresor war offen und ich noch euphorisch, dass meine erste adresse wieder ein neues zuhause hatte. die hielt auch eine geraume zeit an &#8211; trotz schw\u00e4chen wie der alten anlage im keller, der sporadischen pr\u00e4senz eines haustechnikers, und vor allem der ungewohnten gr\u00f6\u00dfe, die zu einigen anf\u00e4ngerfehlern f\u00fchrte, die man erstens vom tresor nicht erwartet h\u00e4tte und zweitens auch heute noch nachwirken, obwohl sich eine menge deutlich zum besseren entwickelt hat. sie seien hier nur auf die (zugegeben sehr vereinfachte) formel &#8222;schnelle rendite, ohne bei der wahl seiner fremdveranstalter und des publikums besonders w\u00e4hlerisch zu sein&#8220; gebracht. hinzu kamen neben der weitestgehenden unt\u00e4tigkeit bei der verbesserung des technischen standards noch meine pers\u00f6nliche entt\u00e4uschung in puncto headquarters anno 2008. die entscheidung f\u00fcr meinen tresor-boykott war da nicht mehr fern und neben den immer noch stattfindenden schaltstufe13-parties war eben das berghain schon mitte 2008 zu dem club avanciert, der alleine von den technischen standards her \u00fcberlegen war.<\/p>\n<p>dieser technische standard hat jedoch die n\u00e4chste stufe meiner pers\u00f6nlichen (weiter)entwicklung zumindest mit beg\u00fcnstigt: nach anf\u00e4nglich deutlicher skepsis war dubstep in der ersten jahresh\u00e4lfte dank guter anlagen und ebenso guten sets ein stil, der f\u00fcr mich an techno sehr anschlussf\u00e4hig war und dadurch f\u00fcr mich interessant wurde, auch weil nach der zum g\u00e4hnen langweiligen minimal-\u00e4ra endlich wieder einmal m\u00f6rderische b\u00e4sse zu h\u00f6ren waren. zu erw\u00e4hnen sind hierbei dreierlei begebenheiten: die erste von modeselektor kuratierte &#8222;allianz&#8220; im tape club, bei der pinch und 2562 im ping pong spielten, das scuba-set auf meiner ersten fusion und (damit sind wir wieder beim thema) die ersten sub:stance-n\u00e4chte im berghain. r\u00fcckblickend war es wohl einer der bedeutendsten und f\u00fcr meine begriffe richtigsten schritte, zu denen sich der club (u.a. nach hardwax-sch\u00fctzenhilfe) zeitgleich zur aufstockung der funktion one um einen subwoofer pro boxenturm sowie hoch- und mittelt\u00f6nern an vorder- und r\u00fcckseite der tanzfl\u00e4che entschieden hatte: den laden an einem freitag zu \u00f6ffnen. besuchertechnisch ist der meistens um einiges schwieriger als der samstag und dann versuchte man&#8217;s auch noch mit einem noch nicht in berlin sonderlich etablierten stil. das erforderte courage, die sich gleich am ersten abend auszahlte und mit der leisure system schnell einen zweiten st\u00fctzpfeiler bekam.<br \/>\nsamstags hatten sich beim publikum schon pr\u00e4ferenzen bez\u00fcglich der residents entwickelt, die jeder f\u00fcr sich (mal mehr, mal weniger in nuancen voneinander zu unterscheiden) ihre eigene handschrift entwickelten und auch eigene labels mit eigenen produktionen begr\u00fcndeten. deren tracks und auch die sets bei den klubn\u00e4chten wurden im gro\u00dfen und ganzen wieder rauher: waren die ersten ver\u00f6ffentlichungen auf ostgut ton wie die ersten jahre im club noch melodischer, traten massivere, raumf\u00fcllende bassw\u00e4nde daneben. marcel dettmann und ben klock wurden von der groove (die seitdem ja nicht m\u00fcde wird, das berghain wenigstens einmal im heft irgendwo zu erw\u00e4hnen) zu den posterboys des berghains ausgerufen und pr\u00e4gten mit ihren sets, ihren labels und ihren produktionen einen auf das wesentliche reduzierten, dennoch treibenden und insbesondere bei ben klock hypnotischen stil, der das publikum noch l\u00e4nger bei laune halten konnte. auch wenn mir ben damals wie heute meistens zu trocken und nur vereinzelt tracks spielt, die mich wirklich mitrei\u00dfen, traf er mit dem scheinbar endlos laufenden loop mit geringen variationen bei hohem tempo den nerv des publikums, das ihm gerne mal zehn stunden folgt. und damit ist er als resident nicht alleine, wenn man sich bspw. auch boris anschaut.<\/p>\n<p><strong>3. 2009-2014: zementierung des hausgemachten erfolges und eigener vorlieben<\/strong><\/p>\n<p>wenn ich schon die residents erw\u00e4hne: die sind im nachhinein definitiv einer der schl\u00fcssel f\u00fcr den eh schon imposanten aufstieg des clubs, der sie durch ostgut ton noch fester an den club band und ihnen bei den sets zum ende keine grenzen setzte. damit nahm das treiben nochmal so richtig an fahrt auf: waren sonntage im jahre 2008 noch gegen 15 uhr unten zu ende, waren es im jahr darauf bereits gut zwei stunden sp\u00e4ter. produzenten begannen, auf den raum zugeschnittene tracks zu produzieren, die residents nahmen das dankend auf, spielten die tracks, die produzenten wurden gebucht, manche davon geh\u00f6ren mittlerweile selber zum festen stamm (dvs1, function). so sch\u00f6n die positiven folgen der zeitlichen expansion (techno bis sonntag abend nimmt man schon gerne mit) auch waren und der allgemeinzustand des publikums ab sonntagnachmittag eine atmosph\u00e4re entstehen lie\u00df, die viele (inklusive meine wenigkeit) manches mal l\u00e4nger blieben lie\u00df als geplant, hatte dieser aufw\u00e4rtstrend nicht nur seine positiven seiten: es war aufgrund der gestiegenen anzahl an namen im line-up und der zunehmenden l\u00e4nge der schlange nun empfehlenswert, einen besuch im berghain vorab zu planen. damit war ich nicht der einzige: wenn die publikumslieblinge mit den meisten anh\u00e4ngern zum schluss spielten, war meistens vorprogrammiert, dass an der grenze zum montag gekratzt wird. ein neues ma\u00df an ungl\u00e4ubigkeit also, das wieder eine spirale in gang setzte, an deren ende bei vielen der anspruch stand, dies so schnell wie m\u00f6glich wieder erleben zu wollen &#8211; am besten vor ort, mit genau dem sound, mit genau den leuten, bei genau diesem licht.<br \/>\nes entstand also eine allgemeine erwartungshaltung. sp\u00e4testens 2010 (wenn nicht sogar fr\u00fcher) wurde das berghain synonym mit \u201etechno in berlin\u201c genannt und hatte nicht nur die reputation, sondern auch die portokasse, sich die wunsch-line-ups zusammenbuchen zu k\u00f6nnen. daran hat sich bis heute nichts ge\u00e4ndert, jedoch nahm im schnitt die bereitschaft zum herumexperimentieren an einem samstag\/sonntag ab. viele g\u00e4ste und residents spielten lieber auf nummer sicher, anstatt gro\u00dfe experimente eingehen zu wollen &#8211; schlie\u00dflich m\u00f6chte niemand sich der kritik aussetzen, das berghain zur h\u00e4lfte oder gleich so gut wie ganz leergespielt zu haben.<br \/>\nes war f\u00fcr mich die phase, in der ich weitere favoriten neben den eh schon vorhandenen definierte und entschied, dem publikum seinen spa\u00df bei den anderen lieblingen zu lassen. dazu geh\u00f6rt(e) auch, manchem freitag einen h\u00f6heren stellenwert als dem samstag\/sonntag einr\u00e4umen zu wollen. leider entwickelte sich auch die sub:stance in eine recht stereotype richtung, die sich an den samstag ann\u00e4herte, so dass die richtigen experimente f\u00fcr mich eher im rahmen des elektroakustischen salons (weniger tanzbar) oder doch zuverl\u00e4ssig bei der leisure system (sehr tanzbar) stattfanden. die sonntage entwickelten sich (wahrscheinlich parallel zum allgemeinen kenntnisstand) f\u00fcr mich zu einer art von vorlesungen im hauptstudium: dort hat man alles irgendwie schon mal geh\u00f6rt, aber zwischendurch bekommt man doch neue fakten serviert oder wird nochmal auf \u00e4ltere details aufmerksam gemacht, die ich zuvor \u00fcberh\u00f6rt hatte.<\/p>\n<p>es ist leicht, dabei auf das in der techno-szene mittlerweile gern bem\u00fchte &#8222;fr\u00fcher war alles besser&#8220; zu verfallen. lieber erkenne ich an, dass die naive anfangszeit von techno, in der es nicht zu brachial oder irgendwann auch mal zu schnell sein konnte, schon seit sp\u00e4testens ende der 1990er-jahre vorbei ist. daf\u00fcr kann man jeden einst avantgardistischen stil nehmen, der es irgendwann mal in den mainstream geschafft hat \u2013 es liegt nun mal in der natur der dinge. ergo waren und sind die jahre nach 2009 durch eine vertiefung der kenntnisse in techno als meiner selbstgew\u00e4hlten paradedisziplin gepr\u00e4gt &#8211; vermeintliche stagnation hin oder her, die ich ab dieser zeit auch bei breakcore empfand. daher trat dubstep bei meinen eink\u00e4ufen an dessen stelle, bis auch dort gewisse formeln etabliert waren, die auf der einen seite klare pr\u00e4ferenzen entstehen lie\u00dfen, auf der anderen aber auch dazu f\u00fchrten, technisch bestimmt gut produzierte tracks au\u00dfen vor zu lassen, da mir das alles irgendwie bekannt und gerne auch mal zu sauber vorkam. im allgemeinen sind daher die g\u00e4nsehautmomente beim anh\u00f6ren von neuigkeiten seltener, dennoch erfreue ich mich immer noch an neuen tracks, die sich der alten formel verschreiben. produktionstechnisch spielen diese auf einem h\u00f6heren niveau als das, was mir in der leipziger stra\u00dfe in die wiege gelegt worden war.<br \/>\nauch wenn dies eine gewisse stagnation ist, in der das ewig gleiche in f\u00fcr mich manchmal nicht mehr wahrnehmbaren nuancen verfeinert wird, lie\u00df und l\u00e4sst sich das damit umschiffen, indem ich geschmacklich versuch(t)e, noch weiter in die breite zu gehen. der schwenk zum digitalen auflegen anno 2009, der als weitere z\u00e4sur mehr oder minder mit meiner sturm-und-drang-zeit bei dubstep zusammenf\u00e4llt, tat hierbei sein \u00fcbriges. auch im dubstep wurde die stagnation sp\u00e4testens 2013 offensichtlich, als die sub:stance-initiatoren sich entschieden, die reihe zu beenden, ehe redundant zu werden. der flirt zwischen techno und dubstep fand zu der zeit jedoch schon nicht mehr sporadisch statt und ist schwer mit daran beteiligt, dass meine heimliche liebe zu breakbeats immer wieder auf&#8217;s neue entflammt und die dinge im elektronischen bereich immer noch interessant bleiben.<\/p>\n<p>insofern spiegelt mein einkaufs-, auflege- und ausgehverhalten f\u00fcr mich auch ganz gut wider, was vom f\u00fcnfj\u00e4hrigen bis zum zehnj\u00e4hrigen geburtstag im berghain vor sich ging: techno stagnierte zu den klubn\u00e4chten auf eigentlich hohem niveau, fand jedoch dabei so viele anh\u00e4nger, so dass das drehbuch der sonntagsdramaturgie wie von selbst immer l\u00e4nger wurde. wem das als (selbsternannter) spezialist zu wenig war, konnte an manchen freitagen schon eher f\u00fcndig werden \u2013 eine klare aufgabenverteilung also: die klubn\u00e4chte bedienen einen gemeinsamen nenner, die freitage ziehen das liebhaberpublikum an. das war an sich auch in ordnung, aber ich fand es schon schade, dass es vom musikalisch offener ausgerichteten freitag wenig bis gar keine r\u00fcckkoppelungen auf die klubn\u00e4chte gab. als ausnahme f\u00e4llt mir ein gastspiel von livity sound im oktober 2014 ein, f\u00fcr die techno damals nachmittags eine option unter vielen war. dementsprechend umstritten waren die sets danach auch.<\/p>\n<p><strong>4. 2014: neue weichenstellungen zum zehnj\u00e4hrigen<\/strong><\/p>\n<p>um endlich mal zu den jubil\u00e4umsfeierlichkeiten zu kommen: man kann nat\u00fcrlich zu solchen anl\u00e4ssen ausschlie\u00dflich den blick zur\u00fcck oder nur auf die gegenwart werfen und damit signalisieren, dass man mit dem aktuellen status schon zufrieden ist. w\u00e4re beim berghain nicht verwunderlich: wie beim tresor arbeitet der name dem club seit jahren in die h\u00e4nde. die frage ist jedoch, wie lange das so bleibt, wenn man stagniert.<\/p>\n<p>alleine wegen des zu erwartenden f\u00fcllgrades war es also nur konsequent, nun auch die halle hinter dem berghain zu solchen anl\u00e4ssen zu \u00f6ffnen, da diese in absehbarer zeit wohl nicht zum konzertraum umgebaut wird (man erinnert sich: eine geraume zeit war der \u201ekubus\u201c im gespr\u00e4ch, wurde dann aber aufgrund der ablehnung finanzieller mittel des senats nicht in die tat umgesetzt). dabei ist die verlockung gro\u00df, einfach nur einen weiteren floor zu \u00f6ffnen, auf dem techno gespielt wird, so dass die halle mit dem eigentlichen berghain in konkurrenz tritt. stattdessen setzten sie jedoch ein signal in eine richtung, in die sie mit dem staatsballett, diversen yellow lounges und dem letztendlich namensgebenden elektroakustischen salon bereits gegangen waren: einen r\u00fcckzugsraum zu schaffen, in dem man sich schon auf die musik, aber auch gerne auf sich selbst oder auf seine mitmenschen konzentrieren kann. sich zu unterhalten fiel dort jedenfalls wesentlich leichter als anderorten und noch dazu wurde mit einem schlag ein total offenes musikalisches spektrum hinzugef\u00fcgt, so dass die musikliebhaber wieder auf ihre kosten kamen. alleine das gesamte live-set von wolfgang voigt an diesem abend sorgte bei mir f\u00fcr den einen oder anderen wohligen schauer, bediente er sich hin und wieder bei der zeitlosen gas-\u00e4sthetik. bei jenus ist mir eine menge unbekannter industrial in erinnerung (raime, nurse with wound), maya konnte aus dem vollen register ihrer erfahrungen von chillout-sets auf uk-raves sch\u00f6pfen und durfte daf\u00fcr gleich mal l\u00e4nger spielen als eigentlich gedacht. die umgebung stimmte \u2013 mit einer ausnahme: es war zu k\u00fchl. sonst waren die eindrucksvollen s\u00e4ulen gut mit projektionen in szene gesetzt und die sitzgelegenheiten dominierten. tanzen wurde als option offen gelassen, aber das war nicht erkl\u00e4rtes hauptaugenmerk. ich habe jedenfalls gerne viele stunden dort zugebracht.<\/p>\n<p>wer an dem abend sorgen hatte, dass die stimmung in berghain oder panorama bar aufgrund eines vermeintlichen abwanderns des publikums in die halle schaden nimmt, sah sich schnell beruhigt: nichts dergleichen passierte. stattdessen konnte man das f\u00fcr mich bisher beste live-set von shed h\u00f6ren, der sich aus seinem gesamten katalog der verschiedenen pseudonyme bediente. blawan tat das, was er immer macht: beherzt brettern, ohne dabei zu brachial zu werden. dj skull geb\u00fchrt das verdienst, so gespielt zu haben, wie ich es mir eigentlich von mike dearborn wenige wochen zuvor noch erhofft hatte \u2013 da waren einige sachen aus den 1990ern dabei (robert armanis \u201eairborne\u201c oder die gute alte \u201esouthside\u201c von dave clarke bspw.) und er hatte diebischen spa\u00df. ebenso wie steffi, die ihre sets im berghain gerne zum anlass nimmt, alles von der leine zu lassen. bei skateb\u00e5rd rotierte oben die discokugel, ben ufo konnte mich nicht so wirklich packen (war zu dem zeitpunkt aber auch packevoll in der panorama bar), gleiches gilt f\u00fcr meinen beginn des abends unten mit domenici crisci.<br \/>\nes gab f\u00fcr mich also schon schwachpunkte, aber es \u00fcberwiegt eindeutig die tatsache, dass all die dinge, die zum erfolg des clubs in den letzten zehn jahren beigetragen haben, an diesem abend zusammentrafen. so kam der stamm-klubnacht-g\u00e4nger auch mal in den genuss, ambient zu h\u00f6ren und war ggf. doch wieder schnell zur\u00fcck an gewohnter stelle vor dem funktion-one-boxenturm. f\u00fcr mich war&#8217;s jedenfalls das richtige signal: zu zeigen, dass man als club viel mehr ist oder will als repetitive hypnose bei 4\/4-kickdrum. war wieder einmal einer dieser ungeplant l\u00e4ngeren besuche: 20 stunden, die wirklich ganz sch\u00f6n z\u00fcgig vor\u00fcbergingen.<\/p>\n<p><strong>5. fr\u00fcher war die zukunft noch besser?<\/strong><\/p>\n<p>da die ausgerechnet im selbstverst\u00e4ndnis progressive techno-szene sehr konservativ zu sein scheint, was die verkl\u00e4rung des &#8222;fr\u00fcher&#8220; angeht: war denn im berghain, um das berghain und um das berghain herum vor zehn jahren wirklich alles gold? viele m\u00f6gen so argumentieren: weniger gays, mehr touristen, mehr zaung\u00e4ste, mehr smartphone-nutzer, die vor lauter kommunikation das feiern vergessen. dazu noch die entwicklung der unmittelbaren umgebung: eine vorher von plattenbauten oder industrieruinen ges\u00e4umte brache, in der man das berghain zu beginn fast suchen musste, ist mittlerweile erschlossen. sobald der park \u00f6stlich vom berghain fertig ist, kann man quasi von einer abgeschlossenen stadtteilentwicklung sprechen. in bezug auf friedrichshain-kreuzberg ist das ganze auch zu beobachten, wenn man zwei male hinschaut. zwar gibt es hier mehrere noch unrenovierte altbauten, aber auch diskussionen um baul\u00fccken wie das freudenberg-areal, neubauten oder sanierungen mit mietpreisen von 12 euro pro quadratmeter aufw\u00e4rts. nicht zu vergessen: die zukunft des raw-gel\u00e4ndes und empfundene lottogewinne, bei neuvermietungen noch etwas unter 10 euro pro quadratmeter zu bekommen. all das macht deutlich, dass hier eine entwicklung im gang ist, die eine mittelst\u00e4ndische bev\u00f6lkerung oder die subkultur scheinbar nicht mehr aufhalten kann.<\/p>\n<p>das berghain wird zwar bei einigen die entscheidung beeinflusst haben, sich eine wohnung im umkreis von 3 km suchen zu wollen. damit hat friedrichshain einen noch hipperen anstrich bekommen, der erstens sehr gefragt ist und sich damit zweitens gut vermarkten l\u00e4sst. in puncto \u201ebestandssicherung\u201c ist das berghain jedoch fein raus: die r\u00fccklagen der erfolge in den ersten jahren sowie der aktuelle umsatz reichen aus, so dass der gesamte komplex gekauft werden konnte. damit l\u00e4sst sich ganz gut erkennen, dass man auch als st\u00fctzpfeiler von alternativer kultur durchaus nach den regeln des immobilienmarktes spielen kann. und vor allem hat man einen ganz guten ansatzpunkt, sich diesem &#8222;mythos&#8220; irgendwie zu n\u00e4hern: von anfang an hatte man von betreiberseite aus einen mietvertrag auf mindestens f\u00fcnf jahre abschlie\u00dfen wollen und den club damit auf langfristigkeit ausgelegt. klar kann man eine entwicklung erstmal auf durchschnittlichem niveau beginnen, aber um ein publikum dauerhaft bei laune zu halten, bedurfte es auch schon 2005 einiger alleinstellungsmerkmale, um einen &#8222;da muss ich wieder hin!&#8220;-reflex auszul\u00f6sen: da w\u00e4re zum einen die laissez-faire-haltung, die einem mit wenigen regeln das maximale ma\u00df an pers\u00f6nlicher selbstentfaltung oder freiz\u00fcgigkeit bietet. kennt man als fakt sicherlich aus feuilletons und literatur und ist gerade f\u00fcr den schwulen teil des publikums ein nicht zu untersch\u00e4tzender stellenwert, der im berghain (wie auch im ostgut) einen der vorder(st)en r\u00e4nge einnahm. klar sprach dies sich schnell herum.<br \/>\ndann gibt es noch den vielzitierten technischen standard: keine ahnung, ob funktion one dem berghain mittlerweile sowas wie provision zahlt, aber wenn man einen ursprung f\u00fcr den fetischismus f\u00fcr deren anlagen finden m\u00f6chte, sollte man hier anfangen. das treibt mitunter die bl\u00fcten, dass parties mittlerweile auch mit f1-pa (quasi als bestandteil des line-ups) beworben werden. ist aber auch nicht das einzige: auch den augen entgeht auf lange sicht bestimmt nicht, dass sich am licht \u00fcber die jahre hinweg auch eine menge getan hat.<br \/>\ntechnisch brillanter standard in allen ehren \u2013 er hilft aber nichts, wenn inhaltlich g\u00e4hnende leere und eine allgemein unangenehme atmosph\u00e4re im club herrscht. wenn ich also versuchen sollte, den erfolg \u2013 oder den \u201emythos\u201c &#8211; zu erkl\u00e4ren, ist das technische niveau zwar in der gleichung mit dabei, aber aufl\u00f6sen kann man sie erst, wenn man die details des gro\u00dfen ganzen \u00fcber die jahre verfolgt. die entscheidungen tragen die handschrift langfristiger denkweise: das f\u00e4ngt ganz offensichtlich an der t\u00fcr (darunter begreife ich t\u00fcrsteher, den vorraum sowie die kasse) an, wo zwar im laufe der jahre leute gingen und neue hinzukamen, aber im gro\u00dfen und ganzen herrscht dort kontinuit\u00e4t. und das setzt sich drinnen noch weiter fort: garderobe, bar, und (so richtig offensichtlich) die residents sowie regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende g\u00e4ste, die ich bei jedem meiner besuche dort sehe. auch wenn das geb\u00e4ude durch seine gr\u00f6\u00dfe und auch die front sowie f\u00fcr einige auch die t\u00fcr etwas imposantes oder zuweilen auch bedrohliches ausstrahlt, liegt dem club unwahrscheinlich viel daran, dass die g\u00e4ste sich auch wohlf\u00fchlen sollen (deswegen kommen wahrscheinlich auch so viele wieder). mehr noch: sie sehen die gunst des publikums nicht als selbstverst\u00e4ndlichkeit an, sondern vielmehr als etwas, das neu erworben werden muss. entweder beschreitet man dabei den sicheren weg oder man wagt einen schritt heraus aus der komfortzone. dinge wie die nutzung der halle als elektroakustischem salon werden dabei etwa nicht so behandelt, als ob es schon von selbst laufen wird, weil es ja schlie\u00dflich das berghain ist und die leute eh alles fressen, was man ihnen vorwirft. stattdessen ist sowas eher eine herzensangelegenheit, bei der gehofft wird, dass es \u00fcberhaupt wem gef\u00e4llt. war auch bei der sub:stance nicht anders.<br \/>\ndies soll nur exemplarisch daf\u00fcr stehen, dass die zehn jahre am wriezener karree keinem masterplan folgten. geht in allem, was den k\u00fcnstlerischen bereich betrifft, auch garnicht, da man den geschmack der leute von morgen nicht vorhersagen kann. klar gingen (und gehen) sie zu den klubn\u00e4chten gerne auf nummer sicher: gerade in den anfangstagen folgten sie eher dem puls der zeit, der damals melodischer war als heute. ein gro\u00dfer hit der anfangstage war bspw. \u201erej\u201c von \u00e2me, der h\u00e4ufig unten zu h\u00f6ren und mit ausschlaggebend war, die bande zu innervisions enger zu kn\u00fcpfen. welche bl\u00fcten das mittlerweile getrieben hat, ist bekannt.<br \/>\ngedreht hat sich dies meinem eindruck nach ab 2009, wonach der berghain-typische sound mit reduzierten melodien, stattdessen mit mehr rauschen und nur im hintergrund wahrnehmbaren fl\u00e4chen zu einem markenzeichen wurde. das fand mittlerweile so einige nachahmer und f\u00fchrte zu seiner eigenen \u201ebig room\u201c-kategorie bei den hardwax-kurzbeschreibungen (und so einigen platten, die so klingen, als seien sie bei ford vom band gelaufen). an der wieder auflebenden techno-euphorie d\u00fcrfte das berghain schon seinen anteil haben &#8211; nicht zuletzt deswegen, weil die ver\u00f6ffentlichungen ab 2009 wieder rauher wurden und \u00fcber die funktion one entsprechend massiv klangen. zeitgleich sah das berghain jedoch immer zu, mit den n\u00e4chten au\u00dferhalb des samstags zu signalisieren, dass ihr interesse breiter gef\u00e4chert und nicht nur alleine auf techno in seinen hunderten von spielarten begrenzt ist \u2013 eine gute voraussetzung, um auch vom feuilleton ernstgenommen zu werden.<\/p>\n<p>dann hat das berghain doch so gut wie alles erreicht, kann man meinen. ein club, der stellvertretend f\u00fcr berlin so eine internationale strahlkraft entwickelt hat, dass leute in amsterdam oder london mit leuchtenden augen erz\u00e4hlen, was f\u00fcr eine tolle zeit sie im berghain hatten, sobald man ihnen erz\u00e4hlt, dass man aus berlin kommt. es scheint also auch international so etwas wie eine inoffizielle messlatte zu sein, an der man sich als clubbetreiber orientiert. die berliner selbst sind da gewohnterma\u00dfen nicht so euphorisch, bel\u00e4cheln manchmal die schlange vor dem club am sonntagnachmittag und trauern insgeheim den zeiten nach, in denen sie um 7 uhr in der fr\u00fch f\u00fcr sechs, sieben stunden einfach hingehen konnten.<br \/>\nfest steht, dass es durch den immer noch andauernden hype der letzten jahre nicht einfacher geworden ist: nicht f\u00fcr die g\u00e4ste, die sich trotz anstieg der \u00f6ffnungszeiten von 14 auf mittlerweile fast 36 stunden strategien zurechtlegen m\u00fcssen, wann man sich am k\u00fcrzesten die beine in den bauch steht. erst recht aber nicht f\u00fcr das personal: die verantwortung der t\u00fcr ist immens (die man f\u00fcr den einen oder anderen unsch\u00f6nen vorfall mit ghb oder \u00fcbergrifflichkeiten als letztes verantwortlich machen sollte), zugleich f\u00fcr das booking, das nicht nur nach den regeln spielen (lassen), sondern auch experimente wagen m\u00f6chte. und da dinge wie bar oder garderobe immer so gerne am rande behandelt werden: dies ist mit der anspruchsvollste job, der die h\u00f6chste konzentration und laufbereitschaft erfordert und gerade im berghain mit den vielen internationalen und nicht immer ganz n\u00fcchternen g\u00e4sten manchmal eher eine geduldsprobe ist.<br \/>\nich mache keinen hehl daraus, dass mir schon hin und wieder nach einem monat w\u00e4re, der allen die fr\u00fcheren zeiten zur\u00fcck ins ged\u00e4chtnis ruft: \u00f6ffnung von mitternacht bis mittag\/nachmittag, reingelassen wird nur bis zum letzten dj (also bis 7\/8 uhr), bis dahin muss eben jeder seinen spa\u00df gehabt haben. es verkennen einfach viel zu viele, dass die verlagerung der schlusszeiten nach hinten eine absolut organische entwicklung \u00fcber jahre hinweg und keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich war. die dadurch bei manchen geweckte erwartungshaltung ist daher schon sehr befremdlich und wahrscheinlich der tatsache geschuldet, dass deren clubsozialisation im berghain ab 2010 begonnen hat. befremdlich ist auch, dass ein clubbesuch f\u00fcr so viele das abtauchen links in der auch als &#8222;schwarze wand&#8220; ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt gewordenen quasselecke neben der garderobe bedeutet. f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist es schwer nachvollziehbar, warum sich weite teile des publikums mit wenig musikalischen variationen zufriedengeben k\u00f6nnen, wohingegen es bei offener experimentierfreude mit der nase r\u00fcmpft &#8211; aber das ist die sicht des musiksammlers, die verkennt, dass wenigstens zwei drittel der leute einfach nur spa\u00df ohne tiefergehende analysen haben wollen. dennoch: leute wie marcel dettmann schaffen hierbei einen sehr guten mittelweg, indem sie einerseits nach dem gusto der leute spielen, dabei jedoch auch historische sowie futuristische dinge einflie\u00dfen lassen, so dass die meute ihnen folgt. das ist aber auch einer gewissen h\u00f6rigkeit des publikums geschuldet, die sich auf einzelne namen fixiert und dabei verkennt, dass andere (gast-djs sowie residents) dies genauso gut erledigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>was sind denn also f\u00fcr w\u00fcnsche offen?<br \/>\n1. mehr dezidierte gay-parties, um sich dankbar zu zeigen, worauf die popularit\u00e4t des clubs so basiert und damit wieder etwas mehr ausgelassenheit zu fr\u00fcher sonntagsstunde herrscht. dahinter steckt der gedanke, dass das schwule publikum das berghain wieder vermehrt f\u00fcr sich entdeckt und sich sonntag fr\u00fch auf den weg macht, damit den touristen gezeigt wird, dass jetzt genug gegafft worden ist.<br \/>\n2. schon teilweise in erf\u00fcllung gegangen: die experimentierfreudigkeit des freitags auf den samstag \u00fcberschwappen zu lassen. damit soll jedermann ein deutliches signal bekommen, dass man sich im elektronischen bereich lieber aus mehreren t\u00f6pfen bedienen m\u00f6chte anstatt nur aus einigen wenigen. ich erhoffe mir damit, dass damit auf lange sicht auch beim publikum wieder etwas die scheuklappen abgenommen werden, bin aber angesichts der monate seit dem zehnj\u00e4hrigen guter dinge.<br \/>\n3. mit dem vorherigen einhergehend: die halle zu den klubn\u00e4chten h\u00e4ufiger zu \u00f6ffnen als drei, vier male pro jahr. alternativ schon seit ewigkeiten auf meiner wunschliste, wahrscheinlich schwerer zu realisieren, dennoch komplement\u00e4r zu wunsch numero 1: \u00f6fter mal samstags die panorama bar geschlossen lassen und stattdessen das lab.oratory \u00f6ffnen. dann h\u00e4tte man die gays auch so wieder an bord.<\/p>\n<p>summa summarum kann man alleine objektiv am wachstum schon festhalten, dass im berghain seit 2004 einiges richtig lief. aller kritik \u00fcber stereotypes publikum und \/ oder musik zum trotz: es gibt wirklich keinen einzigen besuch, den ich bereut h\u00e4tte. musikalisch lie\u00df sich immer irgendwo irgendwas damit anfangen, auch bei den experimenten des elektroakustischen salons unter der woche. letztendlich obliegt es ja einem selber, etwas aus dem besuch zu machen &#8211; der club (sei es der tresor, das blank oder eben das berghain) gibt daf\u00fcr nur den rahmen vor. und der hat in den meisten f\u00e4llen von der atmosph\u00e4re her so gestimmt, dass ich mir bspw. an manchen dunkleren sonntagnachmittagen\/-abenden\/-n\u00e4chten keinen besseren platz vorstellen konnte, an dem ich momentan sein wollte.<br \/>\nwenn dem tresor aus autobiographischer sicht das verdienst geb\u00fchrt, die grundlagen f\u00fcr meine stilistischen und \u00e4sthetischen pr\u00e4ferenzen gelegt zu haben (und ein gl\u00fcck befindet sich auch der tresor wieder auf dem richtigen weg), steht das berghain f\u00fcr deren verfeinerung, f\u00fcr die etablierung neuer standards, die dazu f\u00fchrten, dass in berlin und allgemein in deutschen clubs wieder mehr auf gute anlagen und auch eine eigene identit\u00e4t mit dazugeh\u00f6riger t\u00fcrpolitik geachtet wird. nicht zuletzt waren diverse klubn\u00e4chte auch am ausbau meiner kondition nicht ganz unbeteiligt.<br \/>\nich kann und will mir das berghain jedenfalls als s\u00e4ule des club- aber auch des kulturellen lebens nicht mehr wegdenken. beim tresor in der leipziger stra\u00dfe war dies \u00e4hnlich, bis das damoklesschwert der schlie\u00dfung nach jahren der hoffnung dann doch darniedersauste und ich am montag der schlie\u00dfung wie um einen freund trauerte, indem ich die eine oder andere tr\u00e4ne vergoss.<br \/>\ndie w\u00e4ren auch sicherlich dabei, wenn es das berghain irgendwann mal erwischt. ich sehe absolut keinen anlass, warum ich den club vom monatlichen terminkalender, geschweige denn vom ersten platz meiner lieblingsclubs streichen sollte und bin gespannt, was die n\u00e4chsten zehn jahre an entwicklung bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eigentlich sollte an der stelle ein langer text zur einleitung stehen, der die entwicklung des clubs in den letzten zehn jahren aus meiner subjektiven perspektive schildert &#8211; sprich: mein ganz pers\u00f6nlicher allgemeiner gehaltene berghain-artikel. man kann ja nie genug davon haben. wie das nun mal immer so ist mit der lieben zeit und dem fehlenden&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[5,6],"tags":[],"class_list":["post-3518","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-stadtleben","category-terminkalender"],"modified_by":"stype","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3518","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3518"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3518\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4189,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3518\/revisions\/4189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}