{"id":5017,"date":"2018-11-10T02:41:13","date_gmt":"2018-11-10T01:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/?p=5017"},"modified":"2018-11-21T01:42:29","modified_gmt":"2018-11-21T00:42:29","slug":"leipzig-09-11-2018-institut-fuer-zukunft-notes-from-the-underground","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/2018\/11\/10\/leipzig-09-11-2018-institut-fuer-zukunft-notes-from-the-underground\/","title":{"rendered":"[leipzig \/ 09.11.2018] institut f\u00fcr zukunft: notes from the underground"},"content":{"rendered":"<p>hat mit vernunft nicht viel zu tun, um mitternacht von berlin aus aufzubrechen, um cora das erste mal seit jahren wieder zu h\u00f6ren. aber sehr viel mit fan-dasein. mehr dann sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ifz.me\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">notes from the underground<\/a><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">trakt 1<\/span><br \/>\n00h00 krystoff <em>live<\/em><br \/>\n01h00 frank bretschneider <em>live<\/em><br \/>\n02h00 cora s.<br \/>\n04h00 bird<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">trakt 2<\/span><br \/>\n00h00 len8<br \/>\n01h00 pb<br \/>\n02h30 disrupt<br \/>\n03h30 maos rache<br \/>\n05h00 b2b2b2b<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">eintritt<\/span><br \/>\n12 euro<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">nachbetrachtung<\/span><br \/>\nungewohnte position des eingangs. der befand sich nicht der an der seite am ende der rampe, sondern direkt am parkplatz. auch der zweite trakt befand sich woanders: in dem raum, in dem sonst die garderobe untergebracht ist. aber bis auf mal kurz hereinschauen hielt ich mich dort kaum auf. beim rest ist so gut wie alles in den letzten zwei jahren beim alten geblieben, bis auf dass sich das dj-pult auf dem hauptfloor wieder direkt gegen\u00fcber vom lichtpult befindet (also an der gleichen position wie zur er\u00f6ffnung) und der turm mit den bassboxen nun geteilt worden ist, so dass die sich unter anderem bei der treppe befinden, \u00fcber die man samstags normalerweise den floor betritt.<\/p>\n<p>damit genug der objektiv-n\u00fcchternen faktenlage und hin zum v\u00f6llig voreingenommenen subjektiven teil, der sich am besten mit dem zitat eines besuchers nach 3 uhr einleiten l\u00e4sst:<\/p>\n<p><em>&#8222;fang doch mal an, musik zu spielen, junge.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>hei\u00dft: cora spielt absolut unver\u00e4ndert kompromisslos (das folgende gilt als lob und wirklich kleine stichelei zugleich) das gleiche wie vor gut zehn jahren. da ich erst um 2:30 uhr da war, habe ich den teil mit drum&amp;bass verpasst. aber der rest war ein best-of von 2003-2007.<br \/>\nbeispiele? &#8222;proud of what?&#8220; von istari lasterfahrer lief, als ich ankam. sonst: einmal bogdan-fan, immer bogdan-fan. von ihm gab es bspw. &#8222;bombs over ibiza&#8220; oder die b1 der &#8222;i will eat your children too!&#8220; und (wenn mich nicht alles t\u00e4uscht) ein track der &#8222;boku mo wakaran&#8220; auf 33 statt 45. dann noch den track der kesskiyala kru auf der antifaf 01, &#8222;bacon&#8220; von doormouse als \u00fcberbr\u00fcckung, &#8222;dogmind ball&#8220; und (obwohl nicht 100% sicher, aber in jedem fall von der &#8222;camels to cannibals&#8220;) &#8222;the marching morons&#8220; von electric kettle, &#8222;break lesson&#8220; von electromeca und &#8222;bricks&#8220; vom ersten chris clark-album als set-abschluss.<br \/>\nwo sich das mit dem &#8222;best-of&#8220; etwas despektierlich lesen k\u00f6nnte, wird durch die beispiele hoffentlich deutlich, dass sie nach achtj\u00e4hriger pause vom auflegen im club nicht etwa den weg gegangen ist, ein techno-set zu spielen (wobei ich neugierig w\u00e4re, wie sich das aus ihrer feder bzw. dem case mittlerweile anh\u00f6rt &#8211; gab es zuletzt vor 15 jahren) und damit sowohl technisch als auch stilistisch auf der sicheren seite gewesen w\u00e4re. stattdessen das motto der party und dazu noch die lieblingsplatten mitnehmen, um dem experimentiellen charakter der veranstaltung rechnung zu tragen und mit dem weiterzumachen, was vor mehr als zehn jahren schon klappte: polarisieren. nur klang das selten so gut wie \u00fcber die kirsch audio und dem optischen eindruck nach hatte sie ab stunde zwei (wo die anfangsaufregung wahrscheinlich schon etwas gelindert war) auch diebischen spa\u00df daran.<\/p>\n<p>bird im anschluss mit techno der sandwell-district-schule, &#8222;blood on my hands&#8220; von shackleton im remix von ricardo villalobos, und besonders gefreut habe ich mich \u00fcber &#8222;aerial&#8220; von rhythm &amp; sound. schluss war allerdings bereits um 6 uhr, da besuchertechnisch in der gesamten zeit nicht viel los war. lag zum einen an plakaten, die nicht geklebt worden waren. es gab aber au\u00dferdem keinen eintrag bei residentadvisor (was mittlerweile meine erste anlaufstelle ist, um clubtermine durchzugehen), so dass ich nur zwei wochen vorher \u00fcber kanal blau-wei\u00df davon erfahren habe.<\/p>\n<p>das alles kann aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass dieser ausflug wegen des wiedersehens und -h\u00f6rens mehr als nur richtig war. meinem eindruck nach werden heutzutage in clubs eher musikalische erwartungen bedient, weil die sich ja irgendwie rentieren m\u00fcssen. es findet auch publikum den weg dorthin, das die entstehung von techno alleine aus altersgr\u00fcnden nicht mitbekommen konnte. damit einher gehen andere erwartungshaltungen, andere auffassungen von parties sowie eine wiederauflebung des starkults um djs, wie man es aus der kommerzialisierungswelle der 1990er kannte.<br \/>\ndas hinterl\u00e4sst bei mir den eindruck, dass techno sich wie andere stile mit anfangs radikal anderer \u00e4sthetik und auch anderem habitus neben rock, punk und hiphop fest etabliert hat und f\u00fcr die millennials mittlerweile eine ausgehoption unter vielen ist. da in den vergangenen 30 jahren ja bereits einiges an sounds durch die szene hindurch in die radios diverser k\u00fcchen oder autos sowie kinofilme gewandert ist, hat sich auch das kollektive h\u00f6ren etwas in richtung elektronik bewegt. der schockmoment, wie man ihn anf\u00e4nglich auch bei rock oder punk hatte, hat sich also verfl\u00fcchtigt bzw. man muss sich schon anstrengen, um den erneut zu schaffen.<br \/>\nda ist es aus den zitierten wirtschaftlichen gr\u00fcnden einfacher, einen gr\u00f6\u00dferen nenner zu bedienen, was berghain, about blank und eben das ifz samstags neben zahllosen anderen aus nachvollziehbaren gr\u00fcnden tun. nur wenige der gebuchten djs brechen daraus wirklich aus und bedienen das bed\u00fcrfnis nach geraden kickdrums um die 130 bpm, obwohl sie sich wahrscheinlich heimlich w\u00fcnschen, aus dieser formatierungs-spirale auszubrechen.<\/p>\n<p>um den bogen zur\u00fcck zu dem freitag, bzw. samstagmorgen im ifz zu spannen und die stichelei von oben zu relativieren: es spricht viel f\u00fcr das ifz, diese experimente (alleine mit trakt 2 als dezidiertem ambient-floor) trotz zu erwartender geringerer besucherzahl erm\u00f6glicht zu haben. noch mehr spricht f\u00fcr die dame, die in den anderthalb stunden, die ich von ihr mitbekommen habe, mal wieder gezeigt hat, dass gute musik mit provokationspotential kein verfallsdatum hat bzw. das ver\u00f6ffentlichungsdatum daf\u00fcr v\u00f6llig irrelevant ist. wichtiger ist charakter, den das set von vorne bis hinten hatte. diese anti-haltung, nicht nach den mittlerweile klar etablierten techno-codizes zu spielen, kann man als sturheit auslegen, aber (und hier wiederhole ich das, was ich vor zehn jahren plus x schon meinte) gewollte br\u00fcche sind wichtig, um alternativen aufzuzeigen und die szene daran zu erinnern, dass es um experimente und nicht um gefallen ging. das mag zwar auf eine komische art und weise wertkonservativ klingen, ist aber meiner meinung nach heute wichtiger denn je, ehe parties gefahr laufen, in ein total berechenbares schema zu verfallen (vulgo: sturheit hat in dem fall ihre positiven seiten).<br \/>\nvor dem hintergrund ist es umso sch\u00f6ner zu wissen, dass es nicht bei dem einen intermezzo seitens coras bleiben wird. das n\u00e4chste mal ist bereits am 29.12.2018, wieder an ort und stelle. werde ich zwar nicht schaffen, aber darauf hoffen, dass daraus etwas regelm\u00e4\u00dfiges entsteht. dann habe ich neben dem club an sich noch einen weiteren mehr als nur guten grund, mein vorhaben auch tats\u00e4chlich umzusetzen, das ifz einmal pro quartal zu besuchen. da bin ich etwas in verzug.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>hat mit vernunft nicht viel zu tun, um mitternacht von berlin aus aufzubrechen, um cora das erste mal seit jahren wieder zu h\u00f6ren. aber sehr viel mit fan-dasein. mehr dann sp\u00e4ter. notes from the underground trakt 1 00h00 krystoff live 01h00 frank bretschneider live 02h00 cora s. 04h00 bird trakt 2 00h00 len8 01h00 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