{"id":5755,"date":"2020-02-03T12:55:00","date_gmt":"2020-02-03T11:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/?p=5755"},"modified":"2020-04-06T14:26:57","modified_gmt":"2020-04-06T12:26:57","slug":"berlin-08-02-2020-philharmonie-berlin-strom-festival-fuer-elektronische-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/2020\/02\/03\/berlin-08-02-2020-philharmonie-berlin-strom-festival-fuer-elektronische-musik\/","title":{"rendered":"[berlin \/ 08.02.2020] philharmonie berlin: strom &#8211; festival f\u00fcr elektronische musik"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"508\" src=\"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-content\/data\/2020\/01\/strom20200208-1024x508.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5756\" srcset=\"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/wp-content\/data\/2020\/01\/strom20200208-1024x508.jpg 1024w, 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<em>live<\/em><br>21h15 &#8211; 22h15 \/ gro\u00dfer saal: cristian vogel &#8211; agnete and the merman <em>live<\/em><br>22h15 &#8211; 23h45 \/ foyer: deena abdelwahed<br>00h00 &#8211; 00h45 \/ gro\u00dfer saal: ryoji ikeda <em>live<\/em><br>00h45 &#8211; 02h45 \/ foyer: nina kraviz<br>hermann-wolff-saal: robert henke &#8211; phosphor <em>installation<\/em><br>foyer: marco c <em>visuals<\/em><br><br><span style=\"text-decoration: underline;\">eintritt<\/span><br>13 bis 52 euro (es gibt aktuell nur restkarten, aber die sind daf\u00fcr g\u00fcnstig)<br><br><span style=\"text-decoration: underline;\">nachbetrachtung<\/span><br>&#8222;neuauflage. unbedingt!&#8220; &#8211; jedenfalls dachte ich mir das w\u00e4hrenddessen, beim herausgehen und auch jetzt noch (das fazit schreibe ich am 6. april 2020).<br><br>zwar habe ich am freitag verpasst, wie die leute zu kruder &amp; dorfmeister im gro\u00dfen saal getanzt haben. bei ryoji ikeda w\u00e4re das f\u00fcr mutige auch gegangen. aber da war das audiovisuelle erlebnis einfach zu stark, so dass die netzhaut mit den schwarz-wei\u00dfen visuals (ihrerseits eine perfekte abbildung des in seine micro-bestandteile zerlegten sounds) schon genug besch\u00e4ftigt war. die atonalit\u00e4t tat ihr \u00fcbriges f\u00fcr das trommelfell bis kurz vor schluss. f\u00fcr mich wahnsinnig gut und noch vor cristian vogel, der allerdings den t\u00e4nzer aus &#8222;agnete and the merman&#8220; dabei hatte. w\u00e4hrend seines sets musste ich lernen, was &#8222;billige pl\u00e4tze&#8220; bedeutete. hatte ich den hinweis auf fehlende sicht bei der buchung noch mit dem wissen um die r\u00e4umlichkeiten der philharmonie bel\u00e4chelt, fand ich mich hinter der riesen led-wand sitzend eines besseren belehrt.<br>es kam aber entgegen, dass gro\u00dfe teile der sitzreihen im saal gegen\u00fcber einfach nicht besetzt waren und die tickets auch nicht stark kontrolliert worden sind. mit anderen worten: ziemlich freie platzwahl und damit in der zweiten h\u00e4lfte bei cristian vogel auch freie sicht.<br><br>&#8222;phosphor&#8220; kam g\u00e4nzlich ohne sound aus. hab trotzdem erst den externen hinweis gebraucht, dass es sich nicht um mehrere laser handelt, die dort spuren hinterlassen, sondern um einen einzigen, der zwischen den einzelnen pfaden schnell hin und her sprang. den strahl an sich bekam mensch auch nicht zu gesicht, von daher war das eine schl\u00fcssige erkl\u00e4rung. den saal k\u00f6nnen sie beim n\u00e4chsten mal auch gerne wieder als chillout-area verwenden, dann evtl. mit visuals an den w\u00e4nden oder der decke und mit sitzs\u00e4cken in der mitte.<br><br>damit bin ich beim einzigen kritikpunkt: dem foyer als dancefloor. das klappte bei deena abdelwahed mit ihren vertrackten rhythmen (den positiven eindruck von der nachtdigital hat sie musikalisch best\u00e4tigt) oder dem eher drone-artigen intro von s\u00f8s gunver ryberg noch am besten. aber f\u00fcr einen veritablen rave war das irgendwie nicht der richtige ort. zu hell die hintergrundbeleuchtung, zu schwammig der sound au\u00dferhalb der tanzfl\u00e4che (die keine richtige war) zu sehr hauptsammelpunkt f\u00fcr alle zwischen den einzelnen konzerten im saal. damit wurde vielen nicht wirklich klar, ob mensch jetzt tanzen, sich unterhalten oder mit dem drink herumstehen sollte. insgesamt war es jedoch sch\u00f6n anzusehen, wie sich das techno-publikum mit den dauerkarteninhaber*innen der philharmonie mischte, die das alles teilweise durchaus interessiert zur kenntnis nahmen. beim personal war die zweiteilung sogar noch deutlicher, wobei der gro\u00dfteil absolut aufgeschlossen, entgegenkommend und freundlich war.<br>die motivation, die eher kopflastigen dinge aus dem saal mit der tanzmusik im foyer zu kontrastieren, kann ich komplett nachvollziehen. dramaturgisch war es auch goldrichtig gedacht, nina kraviz (die mit sch\u00f6n trockenem material aus der profan-richtung anfing, sich dann aber schnell zu acid vorarbeitete) an den schluss zu setzen. es f\u00fchlte sich f\u00fcr mich aber trotzdem befremdlich an, dort wie im club loszulassen. so war das eher eine (laue) demonstration dessen, was die stammg\u00e4ste der philharmonie von den bildern der loveparade oder den erz\u00e4hlungen der (enkel-)kinder so kennen. gleichzeitig ist mir auch klar, dass mensch sich mit schweren strobo-gesch\u00fctzen bei erstausgaben in so einem renommierten rahmen erstmal lieber zur\u00fcckh\u00e4lt.<br><br>ist aber jammern auf hohem niveau, ohne dass ich ein patentrezept h\u00e4tte, wie es im foyer besser laufen k\u00f6nnte. das programm im saal sollte definitiv ausgebaut werden sowie auch weiterhin durchaus tanzbare musik und gerne auch dj-sets enthalten. sets wie von cristian vogel h\u00e4tten auch durchaus im foyer funktioniert, was wiederum abstriche in der akustik bedeutet h\u00e4tte. eventuell stie\u00df mir auch der rein auf die acts focussierte aufbau etwas auf, so dass vielen keine andere wahl blieb, als in richtung b\u00fchne mit den visuals zu starren.<br>als idee(n): eventuell mehrpunktbeschallung anstelle zweier riesiger, die b\u00fchne flankierende funktion-one-t\u00fcrme. subwoofer an wenigstens vier orten im raum verteilt. tops f\u00fcr die tanzfl\u00e4che lauter eingepegelt als f\u00fcr die seiten. lieber den gesamten raum bei den visuals einbeziehen, da d\u00fcrfte mit mapping einiges gehen. die acts auf verschiedenen im raum verteilten b\u00fchnen positionieren. klare visuelle trennung der bereiche, so dass klar wird, dass hier gerne an drinks genippt oder von den canap\u00e9s gekostet werden darf und dort die musik im vordergrund steht (im klartext: die beleuchtung im barbereich heller, den rest h\u00f6chstens durch die visuals).<br>ich w\u00e4re auch fein damit, wenn die kuration den anspruch lockert, die erfahrung mit tanzorientierter clubmusik in der philharmonie nachbilden zu wollen. der gro\u00dfteil des publikums d\u00fcrfte solche veranstaltungen eh als vorprogramm verstehen, um danach im club weiterzumachen. da kann mensch sich auch genauso gut darauf verstehen, abseitige str\u00f6mungen als anschauungsbeispiele daf\u00fcr stehen zu lassen, dass techno mehr als glitzer, sonnenbrille und 4\/4-kick bedeutet.<br><br>soll alles aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass das eine f\u00fcr mich absolut gelungene premiere war, die hoffentlich auch das gusto der leitung des hohen hauses gefunden hat. sollte das der fall sein, f\u00e4nde ich halbj\u00e4hrliche ausgaben fantastisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zeitgen\u00f6ssische komponisten sind f\u00fcr die philharmonie nichts neues: die werke von steve reich oder philip glass waren bereits in den heiligen hallen zu h\u00f6ren. neu ist jedoch, dass sie sich f\u00fcr die elektronik \u00f6ffnen. dies geschieht am zweiten februar-wochenende mit einem angebot, das bei clubbern und veteranen-nerds gleicherma\u00dfen f\u00fcr entz\u00fcckung sorgen d\u00fcrfte. bei mir 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