{"id":7169,"date":"2024-04-28T12:46:18","date_gmt":"2024-04-28T10:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/?p=7169"},"modified":"2024-04-28T12:46:49","modified_gmt":"2024-04-28T10:46:49","slug":"r-i-p-michael-everett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dissonanzstudien.de\/blog\/2024\/04\/28\/r-i-p-michael-everett\/","title":{"rendered":"r.i.p. michael everett"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">zugegeben: bis heute kannte ich seinen vollen namen nicht. f\u00fcr viele war er einfach nur &#8222;mike&#8220;. jede*r, der*die in den ersten jahren die pforte des berghains passiert hat, wird ihm begegnet sein. ein st\u00e4mmiger afroamerikanischer typ mit glatze, meistens mit basecap. teil der t\u00fcrbesetzung &#8211; nicht bei der selektion, vielmehr im hintergrund oder auf dem hocker zur kontrolle des stempels, sp\u00e4ter der b\u00e4ndchen. machte auch regelm\u00e4\u00dfig seine runden durch den club, um zu schauen, ob nichts passiert, was das wohl der g\u00e4ste gef\u00e4hrdet.<br>so ist mir eine szene in erinnerung (das jahr ist mir entfallen &#8211; den raucherbereich gab es jedenfalls schon, weil sie sich dort zugetragen hat), wo er au\u00dfer sich war. eine junge dame ohne englisch als muttersprache hatte sich in der wortwahl vertan und m\u00fcsste statt &#8222;grabbed my bag&#8220; etwas wie &#8222;grape&#8220; oder &#8222;rape&#8220; gesagt haben. ich stand zu weit weg, um das genau geh\u00f6rt zu haben. was mich aufhorchen lie\u00df, war er: derjenige, der &#8222;rape&#8220; verstanden hatte und sofort die musik abstellen lassen wollte, um den typen ausfindig zu machen. das missverst\u00e4ndnis lie\u00df sich schnell aufkl\u00e4ren, zeigt aber erstens, dass er die idee des integrativen sicheren ortes verinnerlicht hatte und damit zweitens, dass die zuweilen ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte berghain-t\u00fcr auch nur aus menschen besteht und er jede*n als solchen sieht. er hat jedenfalls eine gro\u00dfe portion w\u00e4rme hineingebracht, stets ein &#8222;how you doin&#8216;?&#8220; auf den lippen gehabt und jeder*m das gef\u00fchl gegeben, im club willkommen zu sein.<br>bei den nachrichten auf reddit und telegram \u00fcber diejenigen, die sich dieser tage an der schlange vordr\u00e4ngeln, dachte ich zu allererst an ihn. er w\u00e4re die idealbesetzung gewesen, diese im blick zu behalten und deutliche ansagen an diejenigen zu machen, die sich zuviel rausnehmen. stattdessen honorierte er respekt bzw. demut vor dem club. von ihm wurde ich im november 2012 aus der schlange geholt und bekam die ansage &#8222;you don&#8217;t have to queue here anymore&#8220;. und ich bin mir sicher, dass es einigen stammg\u00e4sten davor und danach genauso erging.<br><br>der krebs hat ihn nun auf dem gewissen und rei\u00dft eine riesige l\u00fccke. jeder club br\u00e4uchte einen t\u00fcrsteher seines formats.<br><br>r.i.p.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zugegeben: bis heute kannte ich seinen vollen namen nicht. f\u00fcr viele war er einfach nur &#8222;mike&#8220;. jede*r, der*die in den ersten jahren die pforte des berghains passiert hat, wird ihm begegnet sein. ein st\u00e4mmiger afroamerikanischer typ mit glatze, meistens mit basecap. teil der t\u00fcrbesetzung &#8211; 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