schon drei jahre ist es her, dass scuba und paul spymania sowie das berghain den sprung ins kalte wasser gewagt und eine freitags-reihe etabliert haben, der wenige monate später die leisure system folgte (die feiert dann im september u.a. mit mark pritchard und venetian snares jubiläum). seitdem wurde einige male die magengrube massiert, erwartungen übertroffen oder enttäuscht – so wie das bei parties eben ist. dabei ist die sub:stance für mich tatsächlich die reihe geblieben, die mit ihrer vielfalt bereits neugierig auf zukünftige ausgaben gemacht und sich somit einen stammplatz in meinem partykalender erobert hat.
dafür vorab alles gute zum dreijährigen und den beiden initiatoren weiterhin die gewohnte geschmackssicherheit (auch wenn mala beim diesjährigen jubiläum fehlt, der laut seinem facebook-profil eine auszeit braucht. dann eben beim nächsten mal.).

berghain
00h00-00h30: scuba
00h30-02h30: mark ernestus
02h30-04h00: george fitzgerald
04h00-05h00: falty dl
05h00-06h00: dillinja
06h00-07h00: sepalcure live
07h00-ende: scuba
panorama bar
00h00-02h30: paul spymania
02h30-04h30: gilles peterson
04h30-05h15: recondite live
05h15-08h00: maya jane coles
08h00-10h30: julio bashmore
10h30-ende: john osborn
12 euro
review
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ankunft:
gegen 0h20, und sehr zeitnah erstaunt, dass die länge der schlange schon 70 meter betrug. daraufhin entschieden, die gästelisten-privilegien zu testen: an der schlange vorbei nach vorne gehen, bescheid geben, dass der name auf einem der zettel steht und die reaktion abwarten. ich will’s mal so sagen: an den ablauf könnte ich mich gewöhnen, aber denen, die mir pseudo-elitäres geschreibsel vorwerfen möchten, sei gesagt, dass ich mich für gewöhnlich in solchen fällen auch anstelle. wollte nur nicht die vielversprechenden warm-up-sets verpassen.
acts:
scuba: begrüßung mit „west end girls“ von den pet shop boys und „back to life“ von soul 2 soul. ungemixt, aber das fiel ohnehin nicht ins gewicht, da sich der club erst füllen musste.
paul spymania: spielte „cliffs“ von der „selected ambient works 2“, die bekanntlich der feder aphex twins entstammt, als ich nach oben kam. da das einer meiner lieblingstracks des albums ist, habe ich mich entschieden, erstmal eine weile dort zu verweilen und vom fenster aus die stetig anwachsende schlange zu beobachten. obwohl ich weiß, dass ich mich damit wiederhole, wenn ich herrn spymania für seine stets passende auswahl lobe, war das für die panorama bar und im kontext der sub:stance mal wieder ideal. machte anfangs das, was eigentlich jeder warm-up-dj macht: tracks endlich über eine club-anlage hören, was zuhause nur schwierig möglich ist. so ging es erstmal mit ambient weiter, später soul und r&b, so ward „summer in the city“ von quincy jones zu hören (ja, genau das, wo sich mr evelyn alias nightmares on wax bei der „smokers delight“ bedient hat), später disco alter und neuer schule wie von den idjut boys, eine booker t. & the mg’s auf stax, und ich hätte nicht gedacht, jemals „paint it black“ von den stones dort zu hören, kam auch ziemlich gut. manchmal gemixt, sonst eher aneinandergereiht, manche mögen damit überfordert gewesen sein, aber die tanzfläche war um 2h voll (und die schlange mittlerweile bis zu den taxen angewachsen).
mark ernestus: war auch überfällig, dass er dort spielt. natürlich dub, reggae, digital, alles von vinyl, und auch damit schaffte er es, die leute auf die tanzfläche zu locken. es kümmerte auch niemanden, dass jeder track für sich stand, zumal die zusammenstellung in sich keine harten brüche aufwies. definitiv wiederholenswert.
gilles peterson: druckvoller house zu beginn, später mit einem bee-gees-edit von „staying alive“. ihm merkt man seine leidenschaft am job auch an, war eben nur stilistisch nicht immer mein fall. dafür gab ihm die konstant gut gefüllte tanzfläche recht.
george fitzgerald: sehr geradlinig unterwegs, das auch mit ziemlich flottem tempo, aber das wollte die menge auch nicht anders. erfand musikalisch nicht das rad neu, aber das muss man auch nicht, wenn man eine party ohne kompromisse rockt. er hatte spaß, das publikum auch – alles richtig gemacht.
falty dl: dj-set mit ableton live. schon mal ein pluspunkt, weil ich nur mit wenigen seiner produktionen etwas anfangen kann. mir ist eine gewisse electro-ausrichtung im gedächtnis geblieben, sonst war ich für weite teile des sets oben.
recondite: oh, ein berliner, der dubtechno produziert. die nachricht lockt 14 jahre nach der letzten maurizio und den zahlreichen klonen keinen mehr hinter dem ofen hervor. er ist aber definitiv jemand, den man im auge behalten muss. wo die intros der tracks meist noch etwas steril wirkten, sorgten rauhe hihats und snares für das nötige gegengewicht (und für entsprechendes echo auf der tanzfläche). vom setaufbau her ebenfalls sauber, womit er sich auch anderweitig empfohlen haben dürfte.
dillinja: immerhin zwei tracks habe ich wiedererkannt – „hard noize“, seinerzeit auf test, und „alien girl“ von ed rush, optical und fierce, kam auf prototype. damit ist aber auch umrissen, welche gangart er an den tag legte. war für alle anwesenden, inkl. mir, eine schön schweißtreibende angelegenheit. alleine die tatsache, dass er eine viertelstunde überzog, dürfte bestätigung genug für die entscheidung gewesen sein, ihn zur prime-time zu setzen. sepalcure hätte ich danach gerne noch ausführlicher gehört, aber anderweitige verpflichtungen drängten zum frühen aufbruch.
fazit:
ein geburtstag nach maß und definitiv eine der sub:stance-ausgaben mit dem besten dramaturgischen aufbau. hinzu kam ein ansteckend gut gelauntes publikum, was die besonders zwischen 3 und 6 präsente fülle in den hintergrund rücken ließ. höhepunkte für mich: einmal mehr paul spymania für die vielfalt und dillinja für die abfahrt. wäre sehr dafür, drum&bass zur sub:stance öfter zur besten zeit anzusetzen und auch ein paar alte haudegen zu buchen. doc scott wäre zum beispiel jemand, den ich mir gut vorstellen könnte.