[berlin / 26.09.2014] stattbad: grounded theory

die sommerpause ist beim stattbad schon länger vorüber, auch die grounded theory meldet sich mit ihrem fünfjährigen zurück, und da mich randomer mit seinen produktionen in den letzten jahren eh schon überzeugen konnte, fallen die überlegungen nicht schwer.

groundedtheory20140926

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
es scheint sich bei der grounded theory so einzuspielen, dass ich erst recht spät aufschlage, aber dafür länger bleibe. das ist im stattbad aber auch ganz gut so, da die grounded theory einer der publikumsmagneten ist und mir mit fortschreitender club-erfahrung nicht mehr der sinn nach menschenmengen auf tanzflächen steht. solange noch nicht jeder weiß, dass das beste eh immer zum schluss läuft, passt das ja.
henning und milton teilten sich den bunker auf, das so bis 8 uhr.

von acid maria bekam ich auf dem boiler noch den schluss mit („computer re-mix“ von parris mitchell – chicago geht einfach immer), von alan fitzpatrick zwar ein set, das sich im „big room“-hardwax-fach umhertrieb, aber auch mit der dub-version von surgeons „fixed action pattern“ schon perlen zu bieten hatte.
randomer war für mich der gewinner. klar mit so einigen eigenproduktionen und die hölzerne funkiness seiner tracks zog sich auch durch das gesamte set. aber gerade das fand ich erfrischend – und seine kurze drum&bass-phase zum ende, das er mit „shadowboxing“ von nasty habits krönte, erst recht. das hätte er gerne ausdehnen können.

[leipzig / 20.09.2014] institut für zukunft: clubnacht

sommerpause vorbei, alle formalitäten für den clubbetrieb sind erledigt, line-up passt – das schreit doch nach einer exkursion.

clubnacht
floor 1
orphx live
marcel heese
mareena
n.akin
floor 2
charlie smooth
dj xing

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

schwierige gratwanderung mal wieder, unter dem gebot der neutralität zu berichten. da ist zum einen der hype, der durchaus auch von kollektivseite mit der startnext-kampagne und dem darin nicht gerade niedrig angesetzten anspruch generiert wurde. der hat durch die behördlichen warnschüsse, weshalb es statt einer mal eben drei eröffnungsfeiern gab, schon einen dämpfer erhalten, daher kam auch etwas allgemeine skepsis zur neugierde hinzu.
zum anderen gibt es die persönliche bindung: erstmal durch unclean, eine hälfte des leipziger duos dead baby in a plastic bag, die gerne mal mittwochs im tresor zu gast waren und dadurch neben der online-kommunikation auch mit marcel bekannt sind. wie das nun mal so ist, kommen darüber auch kontakte zustande, so dass die bekanntschaft im umfeld von 100 dezibel lautstärke aufgebaut werden kann. ähnlich bei franziskus, der die startnext-kampagne gestartet hatte – er wiederum hatte vor gut vier, fünf jahren im killekill-büro ein praktikum gemacht, daher lief man sich in berlin (meistens im berghain) sporadisch über den weg. er war es auch, der mich zum start der kampagne direkt anschrieb, die in meiner biographie seitdem als erste crowdfunding-kampagne steht, bei der ich etwas gespendet habe. steht hier alles bereits, es sei nur nochmal rekapituliert.
durch diese persönliche bindung kamen wir auch vor dem offiziellen start in den genuss einer ausgiebigen führung durch den club, die einen nicht ganz unerheblichen anteil daran hat, dass die neutralität vielleicht etwas auf der strecke bleibt.

zunächst mal die kritikpunkte, damit steige ich ja eh gerne ein:

    • der „darkroom“ hinter dem eigentlichen floor in der ersten etage ist momentan eher eine grotte zum rumhängen. das gewölbe ist schon mal charmant und schön verwinkelt. aber damit dort etwas passiert, sollten vielleicht noch die accessoires wie vaseline und handschuhe hingestellt werden, wie das im berghain auch gehandhabt wird. zudem wären parties, die sich (unter anderem) an die lgbt-community leipzigs richten, nicht verkehrt.
    • der housefloor wirkt etwas stiefmütterlich behandelt. keine frage: die bar darin passt, aber die tanzfläche wirkt eher wie daran angeschlossen, obwohl es eigentlich andersherum sein sollte. jedes mal, wenn ich dort vorbeischaute, taten mir die beiden get-deep-protagonisten etwas leid, weil manchmal niemand tanzte, sondern nur ein paar vereinzelte an der bar versammelt waren. eventuell (und da kommt die erfahrung aus dem mind camp in utrecht wieder hoch) wäre es ganz schön, das nicht als housefloor zu deklarieren, sondern als chillout- oder experimentierfeld mit jeder menge sitzgelegenheiten und visuals. bietet sich eh an, wenn die halterung für den beamer schon an der decke montiert ist.

das sind jedoch beides baustellen, die sie bereits selbst erkannt haben und auch so benennen. gerade bezüglich des darkrooms bestehen schon andere pläne, die auch schon sehr konkret sind. und da sich das projekt in der ersten richtigen clubsaison befindet, in der alle erstmal sehen müssen, was sich wie wohin entwickeln kann und ob überhaupt eine längerfristige akzeptanz gegeben ist, ist es – gerade bei einem kollektiv organisierten betrieb wie diesem – auch vielmehr sympathisch, dass nicht alles gleich von anfang an perfekt wirkt.

das wäre es auch schon mit dem gröbsten, denn sie haben bei den selbstdefinierten kompetenzbereichen tatsächlich eine ganze menge richtig gemacht.
fange ich beim offensichtlichsten an: dem hauptfloor – ein akustischer alptraum. quadratisch, kacheln, tragende säule in der mitte. aus clubgängersicht klasse, da er mit seinem industriecharme das untermalt, was musikalisch zu weiten teilen auf der agenda steht. die deckenlampen erinnern sehr an die alte panorama bar bzw. die berghain-kantine, mit den treppen muss man im dunkeln bzw. nebligen etwas aufpassen, sitzgelegenheiten gibt es nur auf den treppen zum notausgang, wodurch der raum danach schreit, sich im halbdunkel dem sound hinzugeben. und der ist (kann man nicht anders sagen) mit das beste, was mir in den letzten jahren so untergekommen ist. egal, an welcher stelle man sich befindet (ob vor, hinter oder neben der säule): der bass ist prägnant und das stereobild kriegt man überall ab. vielen wird als erstes der massive monolith an bassboxen neben dem dj-pult auffallen, der wenigstens drei meter hoch sein dürfte. das pult wirkt zwar noch etwas improvisiert, bietet aber platz für alles, was digi-djs und live-acts zugleich so brauchen.
dann gibt es noch den seitlichen trakt mit dem besagten „darkroom“ in der ersten etage und der hauptbar direkt gegenüber. auch da wären noch ein paar sitzgelegenheiten / hocker nicht verkehrt. im unteren geschoss trifft man auf die garderobe linkerseits, bei der auch offensichtlich wird, welchen einfluss das about blank auf den club hat, zumindest hängen auch dort die „respekt“-schilder aus, die man im gleichen wortlaut auch im blank findet. ist auch nicht schlimm, der austausch zwischen den beiden clubs ist eh sehr rege. ein weiterer dicker pluspunkt ist das drugscouts-angebot: die von festivals bekannten schilder mit pillenwarnungen hängen ebenfalls in der garderobe und im gang weiter hinten (an dessen ende der künftige darkroom entstehen soll) broschüren zu den einzelnen substanzen.
damit noch nicht genug – schließlich hat der ehemalige kohlrabizirkus noch zwei etagen über dem club, die mit 20-30 quadratmeter großen zimmern ausgestattet sind. die werden an künstler, produzenten, kreative vermietet und sind so gut wie komplett ausgebucht. in der zweiten etage gibt es neben dem ifz-büro noch bald ein gemeinschaftsbad, so dass die rundumversorgung gegeben ist.

liest sich alles so, als ob das als konzept schlüssig ist, nicht wahr? nun ja, ist es auch. auch wenn es schwierig ist, mehr als sieben leute auf einen gemeinsamen nenner zu bringen, hatte ich den eindruck, dass zwar mehrere gruppen (schließlich ist das ifz ja aus vielen einzelnen crews entstanden) ihren gestaltungsraum im club, sie sich aber trotzdem gemeinsam auf eine große linie geeinigt haben, die trotz vielseitigkeit noch ins gesamtbild passt. warum auch nicht? auch im vorbild about blank finden lesungen, konzerte sowie parties zwischen disco (homopatik), house (get deep), dubstep (impulse) oder eben die hauseigenen formate statt, wo es gerne querbeet gehen kann. das berghain hat seinen ruf als mittlerweile auch kulturell respektierten ort nicht zuletzt durch abende bekommen, die über den techno-rand hinausblicken.
ähnlich ist es auch beim ifz. das trumpft damit auf, dass die kollektiv gelebte idee sich auch im umgang untereinander widerspiegelt. so hatte ich den eindruck, dass niemand beim personal als jemand gesehen wird, der den clubbetrieb bitte nur am laufen halten soll. andererseits ist bei vielen auch jede menge idealismus im spiel, weshalb beispielsweise die booker das alles nebenher betreiben und durch die residency im club etwas gegenwert bekommen. überhaupt trägt alles noch die etwas improvisierte handschrift wie die toilette im backstage oder der backstage an sich, in dem ein wirklich tolles veganes kleines buffet aufgebaut war, wodurch einem auch als dort gebuchter gleich das gefühl vermittelt wird, in das große gesamtbild eingebunden zu werden anstatt nur für gute laune ™ beim publikum zu sorgen. zeigt auch, dass das ifz nicht als gelddruckmaschinerie konzipiert ist und lieber eine der größtmöglichen stärken in die waagschale wirft: authentizität.
damit haben sie auch langfristig gesehen ein ganz starkes as im ärmel, sofern sie weiterhin ihrer linie treu bleiben. um zu zeigen, dass es mit meiner neutralität so gut wie vorbei ist: der club hat das zeug dazu, in drei, vier jahren als ernstzunehmende größe neben dem berghain (ja, tatsächlich) gesehen werden zu können. es kommt eben nur darauf an (und das ist leichter gesagt als getan), den eigenen anspruch nicht dann doch der rendite unterzuordnen, was nun wiederum erfordert, dass die anfängliche neugierde des publikums in eine treue stammkundschaft umgewandelt wird. wenn ich mir das oktober-booking so anschaue, habe ich da keine bedenken. der club passt mit seinem do-it-yourself-konzept jedenfalls in die stadt, die zukünftige entwicklung bleibt daher spannend. es ist nur zu hoffen, dass das leipziger publikum das auch so sieht. an dem abend war es jedenfalls auf dem hauptfloor stets gut gefüllt, was auch bis 9 uhr (aufbruchzeit) auch so blieb.

damit habe ich kaum was zur musik des abends geschrieben, sei noch kurz abgehandelt: da gab es nichts zu meckern. auch wenn es auf dem housefloor eher übersichtlich blieb, lag das meiner meinung nach nicht an der musik. das wechselte zwischen house und breakbeats, als ich sporadisch dort war.
an orphx, marcel und mareena (in der reihenfolge des abends) gibt es ebenfalls nichts auszusetzen – das hatte alles hand und fuß sowie einen schönen aufbau. einzig beim licht könnte noch etwas mehr passieren (mehr strobo!), aber da erinnere ich mich an die ersten monate im berghain, wo die lichtanlage auch sukzessive ausgebaut worden ist.

da das einigen zuviel text sein wird, hier noch die kurzform: wahnsinnig guter club, wird dem hype gerecht und dafür verantwortlich sein, dass ich die a9 zwischen berlin und leipzig in nächster zeit wohl intensiver kennenlernen werde.

[berlin / 12.09.2014] berghain: electromotive force / finest friday

an sich hatte ich mir ja vorgenommen, im september zu pausieren, aber der vorsatz löst sich sukzessive in versuchung auf. keine sorge jedoch, was die nachbetrachtungen der vergangenen drei, vier, …, monate angeht: die erinnerungen sind noch präsent genug, dass es für wenigstens drei zeilen reicht.

electromotiveforce20140912

berghain: electromotive force
00h00 dj glow
03h00 morphology live
04h00 ovatow
06h00 aux 88 live
07h00 headnoaks

panorama bar: finest friday
00h00 efdemin
03h30 young male live
04h30 dj richard
07h00 galcher lustwerk
09h00 tama sumo

eintritt
12 euro

nachbetrachtung

an sich stoßen mir nur zwei punkte bei dem abend etwas sauer auf:
1. ich war ganz schön spät dran, erst zur zweiten hälfte von morphology. lag wieder einmal am vorschlafen und der damit verbundenen trägheit, wenn es nicht ganz für das absolute mindestmaß an vier stunden gereicht hat.
2. die hörigkeit, was headliner angeht, kam leider auch an dem abend durch. an stelle von headnoaks wäre es mir schwergefallen, den massiven publikumsabbau nach dem ende des sets von aux 88 (von gut zu zwei dritteln gefüllter tanzfläche herunter auf vielleicht 50 leute innerhalb von 15 minuten) nicht persönlich zu nehmen.

abgesehen davon war es einer der berghain-abende, die mir mehr gaben als manche klubnacht gerade in den letzten monaten. macht sich samstags noch die strahlkraft des berghain-mythos in allen facetten bemerkbar, was zu 100m-schlangen und allgemeiner fülle drinnen führt, wurden dieses mal auf ein neues die qualitäten eines freitages ausgespielt, die mit der sub:stance vor sechs jahren einzug hielten. heißt: manchmal sind im vergleich zum mittlerweile scheinbar normalen samstags-wahnsinn meinetwegen ein drittel weniger leute dort, man kann an der tür also quasi durchgehen. dafür findet sich im im berghain auf der tanzfläche ohne größere anstrengungen beim durchschlängeln ein platz auf der tanzfläche, an dem man keine ellenbogen in die rippen bekommt.
obendrauf kommt noch das größte sahnehäubchen: tolle musik. das war wirklich strikt electro mit ganz seltenen geraden kickdrums an dem abend, wovon morphology mit den sphärischen synthesizer-sounds auch den prototyp abgaben.
ovatow / klen hat für mich das set des abend geliefert. erstmal mit autechre angefangen („eutow“), die kamen später nochmal („second scepe“) und ansonsten jede menge, was das herz höher und die discogs-wantlist anwachsen ließ. final frontier auf underground resistance, drexciya, eine alte erik travis unter seinem i.o.s.-alias („bum bum tot“ – die wird kein günstiges vergnügen, sofern die nicht bald über irgendwelche kanäle neu aufgelegt wird), „section 2“ von claro intelecto – ergo so richtig geschmackssicher, technisch ebenfalls.
bei aux 88 werde ich mit den neueren sachen einfach nicht warm. das ist eine aktualisierung des verträumten detroit-sounds mit melodischen hooklines, die bei mir nicht klebenbleiben und bei ihren black tokyo-sachen auch mit japanischem gesang aufwarten, der nicht nur an der schwelle zum kitsch kratzt, sondern sie für meine begriffe überschreitet. andererseits kann man ihnen zugute halten, dass sie nicht ein und den gleichen aufguss dessen produzieren, was ihnen auf direct beat seinerzeit dazu verholfen hat, dass einige die platten wie einen goldschatz hüten. die alten gassenhauer („my a.u.x. mind“ oder „play it loud“) haben sie dann auch nicht nur einfach so abgespielt, sondern ebenfalls in überarbeiteter version. im direkten vergleich mit morphology ziehen sie für mich jedoch den kürzeren.
headnoaks musste danach wie erwähnt mit der situation umgehen, dass der großteil der leute nur den headliner abgewartet hatte. abgesehen davon war mir vieles, was er spielte, zu funktional und er reizte bei einigen tracks aus, dass auch unten im berghain an dem abend die neuen pioneer-plattenspieler standen, die bis zu 50% pitchbar sind, weshalb alles bis zum schluss so um die 138 bpm tempo hatte – auch die „no ufo’s“ von model 500. passte in dem fall nicht zwingend, ist aber auch jammern auf hohem niveau.

da es mich an dem abend eigentlich nur im berghain hielt, kann ich nur etwas zu tama sumo oben sagen – nicht ohne zu erwähnen, dass am pult ein kleiner umbau stattfand. dort befindet sich jetzt direkt neben dem eingang eine kette, so dass die djs sich nicht erst durch die erste reihe an groupies kämpfen müssen, sondern jetzt direkt zum arbeitsplatz gelangen können. tama selbst hatte die noch gut versammelte meute fest im griff, so dass ich mir nach 10 uhr, als ich wieder aufbrach, auch keine sorgen machte, dass sie den rest ebenfalls gut meistern würde.

ergo: ein musikalisch und auch stimmungstechnisch wertvoller abend, der wieder einmal zeigte, dass es nicht auf den füllgrad, sondern vielmehr am interesse und engagement der leute liegt, wenn es gut werden soll. und es ist immer wieder schön zu sehen, dass das berghain mit solchen gelegenheiten die leute anzieht, die auf den sound gewartet haben und das entsprechend zu honorieren wissen.

das schwere los der berliner s-bahn

tja, die gute s-bahn hat es schon seit jahren nicht leicht. wenn nicht gerade die vier jahreszeiten als hauptfeinde eines regulären betriebs ihr unwesen treiben, schaffen entweder kabelbrände und / oder baustellen schnell abhilfe, dass die schlagzeilen auch nicht ausgehen.
(kurzer disclaimer: ich hatte schon länger keinen grund mehr, mich über sie oder eine unglückliche verkettung von zufällen aufzuregen. kann aber auch mit meiner luxussituation zusammenhängen, wonach ich mir das öffentliche fortbewegungsmittel aussuchen kann.)

der gewöhnliche berliner kriegt in jedem fall genug futter zum meckern. und dann passiert am neuen prestige-bahnhof ostkreuz auch noch sowas…

sbahnundkeinende

(aufgenommen: heute früh, freitag, 5. september 2014, 7:44 uhr)

zugegeben: das dilemma ist nicht auf den ersten blick erkennbar. daher nur der tipp: erinnert an zeiten von windows xp vor irgendwelchen service packs.

hier läuft seit eben übrigens wordpress 4.0, aber das nur am rande. wem irgendetwas aufstößt: bitte bescheid geben. kann meistens an einem plugin liegen, aber da wird in den nächsten tagen sicherlich einiges nachgeliefert.