[berlin / 25.09.2026] berghain: wsnwg live

speedy j hat mit stoor eines der für mich spannendsten projekte erschaffen, das es im techno in den letzten jahren gibt: live-jams mit gestandenen produzent*innen, alle kanäle offen, komplett frei gegenüber allen spielarten. rødhåd bringt das konzept nun schon zum dritten mal ins berghain. bei jede der vergangenen ausgaben waren die leute begeistert, also schaue ich mir das als nutznießer eines noch freien tickets gerne endlich mal vor ort an.
passend dazu wird am besagten freitag das gemeinsame album von speedy j und rødhåd veröffentlicht (dessen clips mich nicht zum kauf überzeugen, aber das nur als randnotiz) und herr paap ist teil der protagonist*innen auf der bühne.

wsnwg live

dasha rush
megan leber
rødhåd
sara clarke
speedy j
ufo 95

nachbetrachtung

vor ort: 21:20 uhr
drinnen: 22:40 uhr
ende: 7:00 uhr
draußen: 7:40 uhr

ich hab das so penibel auseinandergefächert, weil das indirekt den andrang und die handhabung seitens des berghains veranschaulichen soll. an letzterem gibt es wenig auszusetzen. es wäre jedoch toll, die schilder zur orientierung, wer sich wo anstellen sollte, mehr als fünf minuten vor toresöffnung aufzustellen. so ging das jetzt nach erfahrungswerten: schlange für ticketinhabende ganz rechts am gebäude entlang, links daneben gästeliste, normale schlange für die abendkasse. ortsunkundige müssen fragen oder raten, aber das fördert auch die kommunikation untereinander.

gut 40 minuten vor beginn reichte die schlange für die tickets bereits fast bis zum geldautomaten am garten, die normale schlange habe ich gar nicht in augenschein nehmen können. war laut reddit aber auch eine geraume zeitlang bis zum kiosk. nach toresöffnung erstmal priorisierung der gästelistenschlange, bei denen für die tickets dauerte es etwas, bis sie in gang kam. aber dann ging’s auf einmal schnell. abendkasse mit geringerer priorität.
als wir an der reihe waren, wurde erstmal eine gruppe von sieben leuten vorgelassen. bekanntschaften mit türstehern zahlen sich aus. jedoch gab es von deren seite diverse entschuldigungen, dass wir deswegen etwas warten mussten. schöne geste, dies.

oben angekommen fiel erstmal der laser ins auge, der von der bühne aus nach hinten strahlte. nicht deplatziert, aber ich würde ihn bei klubnächten oder anderen begebenheiten auch nicht vermissen. netter clou: die projektion an der stirnwand, die das geschehen auf der bühne von der draufsicht aus wiedergab.
der bühnenaufbau machte es möglich, bei vier der beteiligten ganz genau hinschauen zu können: eine wie mittig ins berghain reichende zunge mit rødhåd am hinteren ende, links von ihm speedy j und megan leber, rechts von ihm dasha rush und ufo 95, sara clarke in der dj-kanzel. ich wünschte, ich hätte das produzenten-wissen, um darlegen zu können, wer welche hardware dabei hatte. zweifelsfrei habe ich nur den elektron analog rytm bei rødhåd identifiziert. wer mehr weiß: gerne kommentieren.

die musikalische dramaturgie wie bei jedem guten abend: abstrakter beginn, durchaus ambient-artig, aber bereits mit rhythmischer struktur darunter. sogar gegen 23:40 uhr mit dubstep-artigen anleihen. ab 0:15 uhr kam die 4/4-kick und blieb fast durchgängig bis zum schluss – ausnahmen bildeten einzelne synkopierte passagen. mir war’s über weite stellen zu brav. wenn mal eine dreckigere bassline oder kicks mit distortion kamen, war das leider nur temporär. so war’s solide techno-unterhaltung, deren ende um 7 uhr etwas abrupt kam. der füllgrad hätte durchaus noch eine, wenn nicht gar zwei weitere stunden hergegeben. aber ich kann sehr gut verstehen, dass die konzentration eines ensembles nach neun stunden gemeinsamer jam-session gegen null tendiert.
auch wenn es mich – abseits vom anfang – leider nicht so mitgerissen hat, möchte ich unbedingt positiv erwähnen, dass dieser live-jam die gesamte zeit über wie aus einem guss wirkte. ich hatte nie den eindruck, dass sich irgendjemand in den vordergrund drängen wollte und es war unklar, wessen sounds jetzt genau von wem stammen. entweder war die vorabsprache gründlich oder alle bereits erprobt genug. in jedem fall spricht’s für die zusammenstellung der beteiligten.

die gute halbe stunde zwischen ende und aufbruch lag an dem zeitgleichen ansturm von mal eben (geschätzten) 400 leuten zur garderobe. in anbetracht der umstände hat diese das überaus souverän gemeistert, und mit ein wenig geduld sowie guten gesprächspartner*innen ging die wartezeit völlig in ordnung.

würde ich wsnwg nochmal machen? in der konstellation vielleicht. mal schauen, wie das nächstes jahr aussieht. stoor steht als für-mich-quasi-original aber weiter oben auf der liste, wenn auch nicht zum amsterdam dance event.

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