eine reihe von funckarma. reisen bildet sowieso, daher total unvorbereitet auf das gespür von gastgebern vertrauen und akustisch-optische eindrücke außerhalb der bundeshauptstadt genießen.
ablauf
15:00 jasper wiegers
16:00 eazm
16:30 grischa lichtenberger
17:30 roel funcken
18:00 ochre
19:00 michiel gardner
nachbetrachtung
an sich ist an dem ausflug nur eines zu bedauern: er war zu kurz. mitverantwortlich dafür war der ausgedehnte sightseeing-bummel durch amsterdam am samstag zuvor und die bekanntschaft mit einer dortigen institution namens „café rave“. andererseits war das wetter sonntags auch etwas launisch, so dass ein ausgedehnter bummel durch utrecht nicht nur vom timing her schwierig war.
das tivoli lag im märz (mittlerweile ist der 14. september 2014) noch direkt an einer gracht in der utrechter innenstadt unweit des hauptbahnhofs, der einer grundlegenden sanierung und erweiterung unterzogen wurde. verstehen kann man darunter ein haus, in dem mehrere räume für kulturelle veranstaltungen aller art genutzt werden konnten: konzerte, parties, lesungen, kino – für jede größe etwas dabei. mittlerweile haben sie sich mit der vredenburg (einem anderen veranstaltungsort in utrecht) zusammengetan und sind in andere, größere räumlichkeiten umgezogen und haben mit dem tivoli de helling noch einen anderen konzertraum abseits der grachten. hauptgrund dafür waren die logistischen probleme: bands transportieren die ausrüstung meistens mit lkws, die aber nicht in die grachten kommen. bedeutete vor dem umzug erst großes umladen, bevor man mit dem aufbau beginnen konnte. da die umliegenden häuser bei den grachten zwar geschäfte im erdgeschoss hatten, jedoch sonst bewohnt wirkten, kann der besucherzu- und -abstrom mit einer der gründe gewesen sein.
die spiegelbar bekam ihren namen durch die zahlreichen mini-discokugeln auf dem floor. generell fiel erstmal auf: alles sauberer als in berlin, wo die rauhen unverputzten graffiti-wände schon beinahe zur subkulturellen dna gehören. in der spiegelbar hingegen hochwertige holzverkleidung, aus denen auch die bänke sowie aufsteigenden sitzreihen bestanden – steril wirkte das erstaunlicherweise nicht.
die zwei stunden, die wir dort verbrachten, hatten den charakter einer sonntags-matinee, was durchaus beispielcharakter für hiesige veranstaltungen haben könnte. hier hält man immer noch die tanzfläche im zentrum, in der hoffnung, dass der funke schon überspringen wird und am ende regen sich alle über die herumsteher auf. in der spiegelbar: sitzsäcke, couches, platz zum herumstehen oder mitwippen am rande. bühne leicht emporstehend mit visuals hinter den live-acts – fertig. das führt zwar dazu, dass nahezu alle leute in eine richtung sitzen und zuhören sowie zwangsweise in richtung künstler blicken, aber das wäre mit tanzfläche auch nicht anders.
also sprach alleine der aufbau dafür, dass daraus nicht zwingend eine party, sondern eher ein treffen von connaisseuren werden sollte. das ging auch vollkommen auf. durch den fokus auf das sitzen war die sicht auf die visuals stets gegeben, die anlage klang gut, auch mit ochres melodien konnte ich stellenweise etwas anfangen, gebe jedoch dem bisschen knarzigen sound, den wir noch kurz von grischa lichtenberger mitbekommen haben, den vorzug.
ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das in der form auch hier funktioniert. wenn man sich schon einer intakten infrastruktur an plattenläden und des clublebens rühmt, sollte sich auch die electronica-fraktion darunter befinden, die nicht immer auf die ctm, krake oder die eine oder andere leisure system oder polymorphism warten, bzw. es etwas kleiner haben möchte. und gute visuals haben sowieso noch nie geschadet.
war einfach rundum gelungen.
