r.i.p. lou reed

erst kürzlich bei meinem kreta-urlaub beim gang durch die engen gassen von chania aus einem geöffneten fenster „perfect day“ gehört, in dem er das braune pulver besingt, das seinen teil zu der lebertransplantation diesen mai beigetragen haben müsste.
gut, das stück war nicht meine erste begegnung mit ihm. dies war stattdessen „dirty boulevard“ um 1989 herum, als ich anfing, nachmittags mtv statt tele 5 zu gucken. später natürlich noch der „walk on the wild side“, der musikalisch nicht so weit entfernt liegt.
natürlich hat dies wenig mit dem zu tun, was er 1967 mit dem seinerzeit verkannten, im nachhinein aber monumentalen „the velvet underground & nico“ in die wege geleitet hatte, gemeinsam ist jedoch beidem eine mal mehr und mal minder offensichtlich hörbare unbequemlichkeit.

das album mit der banane bleibt, darüber hinaus sicher eine ganze andere menge, was bei mir unter „nachholbedarf“ eingeordnet ist. ganz sicher jedoch kein „perfect day“.

r.i.p.

griid pro und die konfigurationshürden

(english instructions can also be found below.)

als mehr oder minder frischgebackener nutzer eines ipad mini lag es nahe, einen der kaufgründe für das gerät endlich mal in die praxis umzusetzen. so flexibel ein set sich mit ableton live gestalten und audiomaterial in einzelteile zerlegen sowie manipulieren lässt, bleibt einem (vom warpen und setzen von markern bei wichtigen stellen mal abgesehen) vor allem eines nichts erspart: der konzentrierte blick auf den laptop-bildschirm. für viele einer der kritikpunkte am digitalen auflegen, durchaus berechtigt noch dazu. in vergangenen sets bin ich nach möglichkeit schon dazu übergegangen, das macbook zur seite und nur den controller vor mich zu stellen, da somit eine sichtbare barriere wegfällt. aber mauspad und tastatur können dabei nicht außen vor bleiben.
sicher gibt es hardware, die abhilfe schafft: das novation launchpad dient einzig und alleine dem zweck, sich von der bedienung am laptop selbst zu lösen, rudimentäre controllerfähigkeiten gibt es obendrein. die apc40 vereint beides gekonnt, kommt aber nicht meinem bedürfnis entgegen, mehrere kanäle auf einmal via eq zu regeln – dies lässt sich dort nur umständlich realisieren.
was liegt also näher als ohnehin taugliche hardware mit einer app zu bestücken, die einem das scrollen durch sets und das starten von clips ermöglicht? mit 22 euro ist sie auch noch erheblich günstiger als das launchpad und bietet hierbei sogar eine beschriftung an. etwas hin und her überlegt habe ich und mir am dienstag, den 21. mai 2013 ein herz gefasst.

es läuft mittlerweile stabil, jedoch war der weg dahin von einigen flüchen, neustarts und einer etwas zornigen mail an den liine-support begleitet. gemeldet hat sich vom support bisher niemand, was am harschen ton meinerseits liegen kann, für den ich jedoch eingangs um verständnis warb, da mich die fehlerbehebung bis freitag nacht um 2 uhr aufhielt, wonach das problem immer noch nicht gelöst war.

der grund für dieses posting liegt darin, etwas unterstützung zu liefern, welche die griid-dokumentation von liine nicht bieten kann. das liest sich großspurig, jedoch ist in dem setup lediglich die installation der nötigen software unter windows beschrieben. was danach für windows-nutzer folgt, muss man sich zusammenreimen. für mac os x ist dies wesentlich besser, jedoch fehlt auch da eine kleinigkeit. daher gibt’s die anleitung für beide betriebssysteme – für windows ausführlicher, für mac os x kürzer.

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windows 7

problembeschreibung:
nach der installation des griid connector trat bereits das problem auf, dass ich griid pro vom ipad aus nicht via midi-verbindung mit windows verbinden konnte. der grund hierfür liegt auf der hand: windows bringt von haus aus keine möglichkeit für midi über (w)lan mit, das muss mit externer software wie rtpmidi nachgerüstet werden. dies hatte ich dann auch installiert, jedoch kam ich dabei in meiner ungeduld keinen schritt weiter – zunächst.
erleichtert war ich jedoch, als ich den griid connector und anschließend ableton live startete, in griid pro die osc-verbindung auswählte, den griid-connector als host vorfand und ein paar sekunden später eine leere ableton-matrix vorfand, die frisch geladene clips abbilden und sogar starten konnte. so weit, so gut also. ich arbeitete ohne weitere verwendung von griid pro an der vorbereitung eines sets weiter, speicherte dies mit ungefähr 20 clips ab.
donnerstag abend in spontaner jam-laune also das gleiche verfahren: griid connector und dann ableton live starten, griid pro auf dem ipad fand den host von windows, verband sich, das set bufferte, stoppte bei 4% und blieb dort. unter windows kam die meldung, dass max für live nicht mehr funktioniert und beendet werden müsse. dies ließ sich dutzende male reproduzieren, es stürzte stets bei 4% ab. in den fehlerdetails stand als verursacher die bmidilib.dll – dahinter verbirgt sich der virtuelle midi-port von bome, der bei der installation des griid connector installiert wird. das problem ist nur (und diese tatsache brachte erst meinen blutdruck hoch), dass sich diese vier ports nicht ohne weiteres aus dem windows-geräte-manager deinstallieren lassen. sobald man dies anwählt, taucht er gleich in der liste der unbekannten geräte wieder auf. das passiert auch, wenn man „bome’s virtual midi port“ über die systemsteuerung oder die deinstallationsroutine vom system entfernen möchte – der treiber bleibt also hartnäckig im system und lässt sich erst durch einen tiefen eingriff in die registry (wir reden hier vom befehl „psexec -i -d -s c:\windows\regedit.exe“) oder einer systemwiederherstellung aus dem weg schaffen.
brachte beides nichts, der fehler bestand weiterhin. auch wenn ich den griid connector als administrator ausführte, zählte der buffer bis um die 80% hoch und blieb dort unter der gleichen windows-fehlermeldung stehen. interessanterweise klappte es mit einem leeren set. erst wenn eine ungefähr zweistellige anzahl an clips in einem set gespeichert war, stürzte max for live und somit auch der griid connector ab.

to put the problem short: griid pro couldn’t be connected via midi-wifi, so i used osc instead, which worked in the beginning. after saving a set and loading it again with approx. 20 clips, griid pro stopped buffering on the ipad mini and the griid connector crashed on windows 7 with bmidilib.dll as the reason. it worked again, when i started a fresh set with no clips, though.
deinstalling the virtual midi ports from bome wasn’t possible, except using the system recovery or regedit. so i gave the midi-connection another try. see the ten steps below.

wie sieht also die lösung aus, nachdem ihr griid pro gekauft habt?

what’s the solution after having bought griid pro?

1. die setup-datei zum griid connector herunterladen und ausführen. das ist leider notwendig, um die treiber zu installieren, auf die ableton live zugreifen kann. leider lässt sich in der installationsroutine nicht abwählen, dass die virtuellen midi-ports installiert werden sollen. bitte im nächsten schritt nicht vergessen (obwohl der connector einen sehr bestimmt darauf hinweist), das verzeichnis von ableton live auszuwählen.

download the griid-connector-setup-file and start it. this is necessary to install the drivers which interact with ableton live. unfortunately you cannot uncheck to install the virtual midi drivers. don’t forget to choose the ableton-install-directory in the next step.

griidpro-connectorsetup-win7

2. den geräte-manager öffnen. ob über die systemsteuerung oder die eigenschaften beim computer – es sei egal. das fenster sollte ungefähr so aussehen und ihr vier einträge beim „bome’s virtual midi port device“ haben. deaktiviert alle vier (rechtsklick auf den eintrag, deaktivieren).

open the device-manager via the computer properties or the control panel. the window should look like this containing four entries for „bome’s virtual midi port device“. deactivate all of them (right click, deactivate).

griidpro-devicemanager-win7

3. itunes (für bonjour) sowie rtpmidi herunterladen und installieren. dadurch entsteht ein weiterer virtueller midi-port im geräte-manager (bereits im screenshot zu sehen): tevirtualmidi – virtual midi driver x64. vorsichtshalber anschließend windows neu starten.

download itunes (for bonjour) as well as rtpmidi and install it. this creates a new virtual midi-port in the device manager (as it can be seen in the screenshot): tevirtualmidi – virtual midi driver x64. better restart windows after the installation.

4. auf dem ipad: padmini gratis aus dem appstore herunterladen, einmalig starten, bleibt auf dem ipad im hintergrund aktiv.

on the ipad: download padmini for free from the appstore. launch the app afterwards, it will remain active in the background.

5. wieder unter windows: rtpmidi installiert sich praktischerweise als systemdienst, muss jedoch erstmal konfiguriert werden. mit dem +-zeichen unter „meine sessions“ eine neue session erstellen. lokaler und bonjour-name sind frei wählbar. sofern padmidi auf dem ipad läuft, sollte der name des ipads unter „verzeichnis“ auftauchen.

back to windows: rtpmidi is installed as a system service, but it has to be configured first. click the +-button under „my sessions“ to create a new session. you can choose which name to use for the local and the bonjour-name. when you’ve launched padmidi on the ipad, its name should be listed under „directory“.

griidpro-rtpmidi

sollte der name eures ipads im verzeichnis auftauchen, auf „verbinden“ klicken. das fenster müsste dann so aussehen.

when the name of your ipad is mentioned in the „directory“, hit „connect“. the window should look like this afterwards.

griidpro-rtpmidi-connected

6. ableton live starten, einstellungen aufrufen, dort auf „midi / sync“. bedienoberfläche, ein- und ausgang sollten alle gleichermaßen auf „griid“ lauten , track und fernsteuerung beim jeweiligen ein- oder ausgang entsprechend aktivieren.

start ableton live, go to the preferences, choose „midi / sync“. interface, in- and output should be „griid“, track and remote should be activated for the corresponding in- and output.

griidpro-abletonsetup

7. unter windows sollte es das eigentlich gewesen sein. griid pro auf dem ipad starten und „midi connect“ antippen.

basically you’re done, as far as windows is concerned. launch griid pro on the ipad and tap on „midi connect“.

griidpro-startscreen

8. wenn windows so möchte wie ihr und alle notwendigen einstellungen vorgenommen worden sind, sollte eure mit rtpmidi erzeugte session unter „network midi“ mit ip und port erkennbar sein.

when windows has a good day and you’ve made all necessary preferences, your just with the help of rtpmidi created session should be displayed under „network midi“ with the ip and the port.

griidpro-midiconnection

9. wenn ja: go.

if so: hit „go“.

griidpro-surface

10. viel spaß!

have fun!

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mac os x

mac os x nimmt einem durch die im betriebssystem verankerten möglichkeiten für midi über (w)lan schon einiges ab. an der installation der griid-software kommt man dennoch nicht vorbei.

mac os x has an integrated ability for midi over lan/wifi, but it is still necessary to install the griid-software.

1. den griid-installer als übliche dmg herunterladen und starten.

download the griid-installer as the usual dmg-file and start it.

griidpro-installer-osx

2. im zweiten schritt bei den programmen ableton live lokalisieren, dürfte etwas leichter fallen als unter windows. zielvolume ist die systemfestplatte, in den meisten fällen „macintosh hd“. der rest läuft dann wie von selbst.

locate ableton live in the „programs“, which should be easier than under windows. the target volume is the hard drive with the os, usually this is „macintosh hd“. the rest should be self-explanatory.

griidpro-programme-osx

3. das audio-midi-setup starten, könnte ungefähr so aussehen.

launch the audio-midi-setup, which could look like this.

griidpro-audiomidisetup

4. dort in der menüleiste „fenster“ wählen und das midi-fenster einblenden lassen. das „netzwerk“ ist das entscheidende.

choose „window“ in the menu bar, followed by „enable midi-window“. „network“ is the button to go for.

griidpro-midisetup

5. ab hier läuft es eigentlich wie unter rtpmidi unter windows. neue session anlegen, sicherstellen, dass padmidi auf dem ipad läuft, das ipad mit mac os x verbinden.

from here it’s quite the same as with rtpmidi under windows. create a new session, make sure, that padmidi is running on the ipad, connect the ipad with mac os x.

griidpro-midinetwork

6. siehe schritte 7 bis 10 für windows: griid pro auf dem ipad starten und hoffen, dass ip und port der session dort auftauchen. dann wie gewohnt verbinden.

see steps 7 to 10 for windows: launch griid pro and hope for ip and port to show on the midi-connect-screen. then connect as usual.

ich hoffe, dass ich jemandem dadurch ein paar stunden arbeit und recherche abnehmen konnte. lasst es mich wissen, ob die anleitung zum erfolg geführt hat oder auch, ob probleme bestehen.

i hope, i could save some hours of work and research for some of you. please let me know if these steps were successful or if there are any problems.

r.i.p. romanthony

die meldung ging schon gestern durch das netz, hatte für mich aber erstmal den eindruck eines gerüchtes. durch das posting bei residentadvisor gilt es jedoch als sicher, dass wieder einmal eine gallionsfigur nicht mehr unter uns ist. die gründe dafür sind unklar, tun aber auch nichts zur sache.
der mithilfe von decks ist es zu verdanken, dass „the wanderer“ nach jahren auf meiner wunschliste in meiner sammlung gelandet ist. vor kurzem geschah das gleiche bei „let me show you love“, beides sind jedoch nur ausschnitte, die mal wieder meine wissenslücken in sachen house offenbaren.
mitte 40 ist er geworden und hätte bestimmt noch einiges zu sagen gehabt. den „wanderer“ werde ich fortan mit einem etwas wehmütigen gefühl spielen.

r.i.p.

einkäufe vom 27. april 2013

hardwax war mal wieder dran, und anhand der tatsache, dass man sich beim vorhören brav anstellen durfte, könnte ich ja schon fast meinen, dass vinyl inklusive dem sozialen drumherum alles andere als tot ist. andererseits waren darunter auch eine menge der rappschen easyjet-raver, die ihre sonst aus der ferne getätigten bestellungen lieber gleich vor ort erledigt haben. mich freut’s dennoch.

kowton
tfb
[all caps ac003]
tracks dieses herrn können auch viele gelegenheiten abdecken. auf idle hands mit „basic music knowledge“ sehr ruhig und deep, auf livity sound schön dreckig-analog. die hier schlägt mit ihrem grime-artigen rhythmus mit der bassline als tragendes element in letztere kerbe. sicher, innovationen muss man hierbei nicht erwarten, braucht man aber auch nicht, wenn die rezeptur so gut zusammengebraut ist wie hier.
karenn nehmen den rhythmus zum anlass, um das original in lupenreinen perkussiven techno mit einer schönen portion funk zu verwandeln. ein weiteres indiz dafür, dass die beiden momentan nichts falsch machen.
hardwax-link

portable
remixes
[perlon perl93]
mr abrahams singt ja seit geraumer zeit, das war auf den vorangegangenen perlon-maxis und der -lp zur genüge zu hören. zugegeben – ich musste mich daran gewöhnen, jedoch denke ich mittlerweile, dass diese facette seine produktionen sehr bereichert.
primärer kaufgrund war für mich der dimbiman-remix, der das kunststück vollbringt, mit der schon programmatischen reduktion auf das wesentliche eine zugleich warme tiefe zu erzeugen. das ist zwar nicht unbedingt etwas für die hauptzeit, aber ich würde mich sehr freuen, wenn der track als abschluss eines abends liefe.
für mich verzichtbar ist der beitrag von tofu productions, die a-seite ist jedoch wiederum komplett gelungen und mehr was für diejenigen, die etwas mehr melodie und offensichtlichen groove zu schätzen wissen.
hardwax-link

r.i.p. dj pierre (stammheim)

ins stammheim hatte ich es nur am vorletzten wochenende vor der schließung anno 2002 geschafft, und ich bin mir im nachhinein nicht sicher, ob auch pierre an dem abend gespielt hat. zumindest am anfang war marky dran, gefolgt von marco bailey. den rest habe ich eher in der kleinen küche verbracht und später nicht mehr darauf geachtet, wer gerade spielt.
jahre später spielte er im globus, was hier sogar schon vermerkt ist. seinen stil fand ich angesichts der abebbenden minimal-welle irgendwie zu angepasst, leider blieb davon weniger hängen als die sets im zusammenhang mit kassel (zu nennen wären die heimfidelity-mixe oder dieser legendäre aufschwung-ost-mitschnitt von anno 1995).
den rest können die heimkinder besser beurteilen als ich. meinem eindruck nach hatte der club auch und gerade mit der auswahl seiner residents eine menge richtig gemacht, so dass er zurecht eines der aushängeschilder für die westdeutsche clublandschaft war. pierre nahm dort meinem eindruck nach aufgrund seiner geschmackssicherheit und dem mut zum risiko eine vorreiterrolle ein.

ich hätte gerne gewusst, wo er sich aktuell musikalisch verortet und dazu im januar die gelegenheit gehabt, da er für das suicide geplant war. nun ist er mit 38 jahren verstorben.

r.i.p., pierre.

hardwax startet download-shop

er wurde zum zwanzigjährigen jubiläum anno 2009 angekündigt und seitdem habe ich einige male nachgefragt, wann es denn soweit ist. vor kurzem fiel mir das überarbeitete design bei den vorhör-clips auf, und heute bemerke ich den ganz unauffälligen „downloads“-link bei den neuigkeiten: klick.

in der praxis habe ich es noch nicht getestet. zwei formate werden angeboten: aiff und mp3. leider gibt es keine rabatte auf den kauf kompletter eps/lps, was bei sieben tracks (der „screw the roses“ von surgeon bspw.) schon teurer gegenüber der vinyl-ausgabe ist. aber vielleicht wird da noch nachgebessert.

erstmal toll, dass sie es geschafft haben. endlich muss ich für die eng mit dem laden assoziierten labels (klockworks, equalized / wax, mdr) nicht mehr neidisch zu beatport schielen.

r.i.p. donna summer

schon wieder der krebs, sie wurde 63. muss zugeben, dass ich sie lange zeit unterschätzt habe, was aber an meinem nicht so vorhandenen disco-faible liegt. nichtsdestoweniger bleibt „i feel love“ ein song für die ewigkeit, und auch so einiges, was danach kam. die lady hatte bis zu den 1980ern wahrlich ein gespür, dem mainstream immer einen schritt voraus und zu sein und dabei dennoch sehr gute popmusik zu machen.

r.i.p., mrs summer.

r.i.p. mca

zugegeben, hiphop ist nicht ganz meine baustelle. andererseits würde man den beastie boys unrecht tun, sie auf das genre zu beschränken. ich erinnere mich noch daran, wie ich als 14-jähriger mit der zweiten hälfte von „check your head“ überfordert war, heute hingegen ist es eines meiner lieblingsalben.

2009 wurde bei adam yauch ein tumor in der linken ohrspeicheldrüse diagnostiziert. der souveräne umgang und die ausgestrahlte zuversicht ließen darauf hoffen, dass er bald wieder mit seinen zwei mitstreitern konzerte geben kann. ich hatte darauf gehofft, weil ich es als konzertmuffel nie zu ihnen geschafft habe, obwohl es nur die überwindung und das geld für die eintrittskarte gekostet hätte. ihre qualitäten als live-band kann man sich mit „awesome! i fuckin‘ shot that!“ auf dvd anschauen – auch so eine idee, die er hatte.

alle zuversicht hat nichts genutzt: adam yauch ist mit 47 jahren verstorben. zeigt einmal mehr die ungerechtigkeit, mit der es manchmal im leben zugehen kann und mahnt einmal mehr, dass man mit gewissen vorhaben einfach nicht zögern sollte – und sei es nur ein konzertbesuch.

r.i.p., adam!

review: felix denk / sven von thülen: der klang der familie

es ist ja nicht so, dass techno und berlin als thematische konstellation neu für den suhrkamp-verlag wäre. tobias rapp hat mit „lost and sound“ vor drei jahren bereits ein werk vorgelegt, welches den status quo der stadt anschaulich geschildert hat. leider kam mir für eine rezension immer etwas dazwischen, bis das vorhaben irgendwann obsolet war. innerhalb der szene provozierte die abhandlung über den easyjetset vorwiegend die frage, ob das wirklich nötig gewesen wäre, den allgegenwärtigen berlin-hype feuilletongerecht aufzubereiten und somit noch mehr anzufachen. dazu gesellte sich das berlin-typisch arrogante gähnen, weil es eh omnipräsente fakten rekapitulierte.
die einwände mögen ja alle berechtigt gewesen sein, aber die berliner arroganz übersieht auch gerne mal, dass einige außerhalb der stadtmauern und der party-generation etwas mehr über das wissen möchten, was in den easyjet-broschüren so drin steht. mit anderen worten: das buch war ideal als lektüre für die eltern geeignet, damit auch sie die gründe nachvollziehen können, weshalb sich ihre sprösslinge pünktlich zum wochenende ins auto oder in den flieger setzen und eine woche später mit schatten unter den augen wieder zurückkehren.
darin liegt für meine begriffe der (mehr-)wert von rapps zusammenfassung des wasserstandes von 2009. in ungefähr zehn jahren wird man aufgrund der schnelllebigen entwicklung der szene sicherlich gerne darauf zurückgreifen wollen – darin bin ich mir ziemlich sicher (und irgendwie erleichtert, doch noch so etwas wie eine halb-rezension zustande gebracht zu haben).

nun also felix denk und sven von thülen, beides gestandene de:bug-redakteure, fest in der szene verwurzelt. sie machen das, wovor einem als historiker eigentlich immer graust: sie führen interviews mit namhaften protagonisten und zumindest nicht ganz so prominenten szenegängern aus der blütezeit und kreieren auf diese weise ein riesig anmutendes interview, bei dem alleine die anzahl der beteiligten erschlagend wirkt. die oral history birgt ja stets die gefahr, dass die autobiographische perspektive – gerade nach einigen jahren – zur schönfärberei neigt und wichtige details vergessen oder verschwiegen werden.
kein leichtes unterfangen also: um die 150 interviews führen, 240 stunden audiomaterial auswerten und systematisieren, dann noch eine zusammenhängende geschichte erzählen (lassen), ohne den leser mit details zu langweilen? kann das gutgehen? interessiert das überhaupt jemanden (gerade außerhalb berlins)? ist das nicht eher eine selbstbeweihräucherung aller beteiligten, die ihre überheblichkeit angesichts ihrer verdienste spielen lassen?

da kommt es wohl darauf an, welche fragen man stellt und welche gedanken man sich darüber macht, wie der leser an die thematik herangeführt werden soll. dieser wird daher nicht mit der ersten loveparade anno 1989 ins kalte wasser geworfen, sondern gleitet ab beginn der 1980er-jahre aus zwei perspektiven hinein ins geschehen. da wären zum einen die westberliner, die sich nach abebben der hausbesetzer-bewegung und fehlenden musikalischen glanzlichtern in punk, industrial und new wave in lethargie erging, die als „berliner krankheit“ bekannt wurde. zum anderen die ostberliner um wolle xdp und johnnie stieler, entweder im breakdance oder im punk verwurzelt, was gleichermaßen ungern gesehen war.
anschließend der grundstein mit acid house im westteil mit der turbine und dem ufo, bevor man zur ersten loveparade und der gründung des hardwax kommt. ostberlin wird via radio vom neuen sound infiziert, zeigt sich zwar bei der maueröffnung ernüchtert vom einheitstaumel, jedoch umso begeisterter von den ersten zarten blüten, die das neue nachtleben so treibt.
von da an reicht es, den rest in schlagworte zu fassen: tekknozid, dt64, die loveparade 1991, mayday, planet, frontpage, somewhere over the rainbow usw. usf.

sämtliche beteiligte lassen es nicht an detailreichtum fehlen. so wird man die entdeckung und herrichtung des tresors in der leipziger straße nirgendwo sonst so ausführlich dargestellt bekommen (nicht mal in der subberlin-dokumentation). die querelen zwischen wolle xdp / tekknozid und low spirit / mayday werden ebenfalls skizziert, jedoch leider nicht die hintergründe, weshalb monika dietl bei der umstrukturierung des programms von radio 4u gegenüber marusha die kürzere ziehen musste (was jedoch bei tanith einerseits hier und andererseits da nachzulesen ist).
dazu die geschichten um das e-werk, einerseits faszinierend (wenn man bedenkt, dass bereits 1991 dort unter bedingungen gefeiert wurde, die der bauaufsicht mehr als ein dorn im auge gewesen wären), andererseits erschreckend, was dessen attraktivität für das organisierte verbrechen angeht. auch der bunker kommt als gegenpol – und keimzelle des späteren ostguts und heutigen berghains – nicht zu kurz. was die kudamm-zeiten der frontpage angeht, sind die stories um jl ein gutes beispiel dessen, was im techno richtig und schief zugleich gelaufen ist.

das große verdienst des buches ist zweierlei:
erstens hat es die gefahr der nachträglichen verklärung der geschichte wunderbar umschifft. alleine die anzahl der beteiligten fördert so eine vielzahl an perspektiven zutage, dass dem leser keine in stein gemeißelte version der geschehnisse vorgesetzt wird. der wird sich stattdessen denken, dass die wahrheit irgendwo dazwischen liegen wird oder (naheliegender) noch mehr stimmen dazu hören wollen. äußerst lobenswert ist, wie ungeschönt die aussagen in bezug auf den eigenen drogenkonsum oder die schattenseiten des zur oberflächlichkeit neigenden nachtlebens sind. so ist eine authentische darstellung techno-berlins bis zur mitte der 1990er-jahre zustande gekommen, die erzählungen derjenigen vereint, auf die man auch heute noch hier und dort treffen kann. aber ehe diese in die missliche lage kommen, ihre geschichten von früher wieder und wieder erzählen zu müssen, können sie jetzt einfach auf das buch verweisen.
zweitens ist die einbettung der entwicklung der szene in den (musik-)historischen zusammenhang des noch getrennten berlins und überhaupt der gesamte dramaturgische aufbau (inklusive des exkurses zu den detroitern) nicht weniger als beispielhaft. dabei kommt den autoren auch zugute, dass die szene zumindest in den anfangsjahren noch äußerst überschaubar war und erst die kommerzialisierung ihren teil dazu beitrug, dass sich absplitterungen bildeten, die nachträglich nur schwer zu rekonstruieren sind. als kritikpunkte fielen mir ein, weshalb das wmf eigentlich nirgendwo erwähnt wird, da dies trotz mehrmaligem umzugs eine der ersten adressen war. ebenso das elektro, welches sich zwischen tresor und e-werk befand. apropos e-werk: da fehlt woody als einer der residents. allerdings kann man auch die frage stellen, wieviele clubs und protagonisten man ins boot holen kann, so dass der lesefluss nicht leidet.

wird das buch dem aktuellen hype darum gerecht? eindeutig mehr als das. mal abgesehen von den geschilderten kleinen makeln hat man es meiner meinung nach schon jetzt mit einem standardwerk zu tun, welches die grundlagen dessen, was tobias rapp beschreibt, in äußerst lebendiger form präsentiert. während bei ihm viele fragen zum stand der dinge beantwortet werden, ist „der klang der familie“ die gebündelte form von dessen ursprüngen, die man eines tages den (enkel-)kindern in die hand drücken kann.
spannender kann techno-geschichte nicht sein. ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal ein buch dermaßen verschlungen habe. den beiden autoren gebührt für ihre mühe höchster respekt und dank, ich hoffe stark auf eine fortsetzung.