[shouted.fm / 17.07.2007] elektrofahndung (k)nights

hätte ich vor einer woche auch nicht gedacht, dass wir ein double-feature hinkriegen, aber umso schöner, dass es mit zwei willigen plattendrehern geklappt hat, bzw. hoffentlich klappen wird. die technik kann ja immer noch einen strich durch die rechnung machen.

elektrofahndung (k)nights
dienstag, 17. juli 2007

20 bis 22 uhr:
bangin‘ bernd (phlobclub / hamburg)

22 bis 24 uhr
marcel heese (true-spirit.de / berlin)

zum stream gelangt ihr – sofern der link nicht längst im winamp, bzw. einem media-player eurer wahl in den bookmarks abgelegt ist – wie immer über shouted.fm.

rave strikes nun auch im spiegel wieder back

zumindest sind auch sie auf die idee gekommen, das hier seit jahren zelebrierte revival der (after-)after-hour-kultur zu portraitieren, und dies exemplarisch an zwei vorzeige-institutionen wie der beatstreet und dem berghain. in die bar25 hat man sich wohl nicht getraut.

soll nur als popcorn-lektüre für zwischendurch gedacht sein, wirklich bahnbrechende informationen stehen für szenegänger dort nicht drin, und für den stammleser ist eh hopfen und malz verloren, was etwaige hoffnungen in zukünftige rentenzahler angeht – da machen einmal mehr vermeintlich schockierende details auch nichts mehr aus. wobei ich stark annehme, dass man ihnen in konsumfragen auch nichts neues mehr erzählt.

klick

interna aus einem outbound-callcenter

soeben beim shopblogger entdeckt, und wer hier in letzter zeit mitgelesen hat, kann sich noch an die primacall-geschichte erinnern (lustig auch, dass heute mittag einer der jungen herren bei uns am s-bahnhof ostkreuz stand, um den nachwuchs mit neun euro pro stunde zu locken). dank herrn wallraff ist das thema vor einigen wochen auf der allgemeinen agenda gelandet, und auch ich habe anno 2003 bei einer mittlerweile – aus gründen, die ich wahrscheinlich nicht näher zu beleuchten brauche – geschlossenen „agentur“ versucht, private krankenversicherungen zu verkaufen. dies für drei wochen an drei tagen pro woche, inklusive „selbstrecherche“ der telefonnummern unter fadenscheinigen begründungen, und dann auch nur bei leuten im süden oder südwesten deutschlands, weil man im rest des landes schon dabei war, das einzig richtige bei solchen „cold calls“ („kaltakquise“ nannte sich das damals) zu tun.
ich habe es in der wenigen arbeitszeit zu keinem einzigen termin zum beratungsgespräch gebracht und meine arbeitszeit seinerzeit auch eher damit verbracht, die telefonnummern zu ordnen, bzw. die relevanten leute herauszufiltern und zu markieren. für eine terminvereinbarung habe ich bei ziemlich wenigen angerufen – mag blumig klingen, aber das gewissen kann stärker sein als man denkt.

wurde also zeit, dass jemand endlich mal ein tagebuch eröffnet und seine erfahrungen unter den von ständigem druck geprägten arbeitsbedingungen niederschreibt. mag auch der selbsttherapie dienen, trägt aber hoffentlich dazu bei, dass die praxis dieser call-center weiterhin im gespräch bleiben und diese seifenblase in hoffentlich nicht allzu ferner zukunft platzen wird. da bin ich mit meinen astrologisch interessierten aber hoffnungslos unsicheren hausfrauen und einsamen herren (neben telefonstreichen spielenden kiddies) doch echt hervorragend bedient.

klick für den callcenter agent

[shouted.fm / 22.05.2007] elektrofahndung (k)nights: tresor-special

ja, ich lebe noch. keine ahnung, ob ich das in einer woche um die zeit auch noch werde behaupten können, aber wollen wir uns zunächst mal mit dem jetzigen zustand befassen.

es hat sich mittlerweile rumgesprochen, dass das pfingstwochenende für die wiedereröffnung der berliner techno-keimzelle reserviert ist. da unsere sendung vom timing her fast schon nicht besser passen könnte, dachte ich mir einfach, den sendeplatz für mich zu reservieren, dieses mal aber weitestgehend ohne ambient- und breakcore-exkursionen. trotz höhen und tiefen: das label zum club hat eigentlich immer einen festen platz in meiner plattentasche, daher kommt der anlass der wiedereröffnung wie gerufen, um vier stunden lang revue passieren zu lassen, was in den letzten 16 jahren dort passiert ist (inkl. supremat). das können einige sicherlich schon mal als einstimmung auf den donnerstag verstehen.

elektrofahndung (k)nights
dienstag, 22. mai 2007
20h-24h
tresor-special feat. stype

das grundeinkommen im spiegel der zeit

im wintersemester 2001/02 habe ich ein seminar zu den modellen sozialer grundsicherung in europa besucht und dort das erste mal von der idee gehört, jedem volljährigen bürger monatlich einen betrag zur verfügung zu stellen, der jedem eine menschenwürdige existenz ermöglicht, ohne eine bedürftigkeitsprüfung über sich ergehen lassen, im klartext: gegenüber dem arbeitsamt rechenschaft ablegen zu müssen, wieviele bewerbungen man in der letzten zeit denn verschickt hat oder mit wievielen leuten man in welchem verhältnis in was für einer wohnung lebt.
eine an sich nicht ganz weit hergeholte idee – die utopie der vollbeschäftigung kann mit dem aus den 1950er- und 1960er-jahren bekannten vollzeitarbeitsmodell nicht mehr erreicht werden. dazu ist die industrielle produktion zu weit automatisiert und dabei produktiver als menschliche arbeitskraft. das haben wir uns als förderer des technischen fortschritts selbst eingebrockt, und anstelle angesichts dieser entwicklung in tränen auszubrechen, sollte man sich dieser realität besser stellen. mag für viele ein großer brocken sein, den es zu schlucken gilt, aber wenn sich selbst die gewählte demokratische elite hierzulande im glauben wiegt, den seit jahren kränkelnden arbeitsmarkt dank hartz-4-gängelung mit der peitsche irgendwie hinzubiegen, es dabei aber versäumt, a) das stigma der teilzeitarbeit sukzessive abzubauen, und b) überhaupt die entstehung von teilzeitarbeitsplätzen zu fördern, sollte man frühzeitig reinen wein einschenken und darauf verweisen, dass teilzeit-arbeitsmodelle bei nachbarländern wie den niederlanden oder dänemark zu beachtlichen erfolgen geführt haben. klar, dass dies weniger im industriellen, sondern im dienstleistungssektor geschieht, aber dieser umbruch findet eh seit mindestens zwei jahrzehnten statt, nur müssen einige sich erstmal daran gewöhnen.

die liste der prominenten befürworter des „basic income“ wächst daher auch stetig – einer von ihnen ist georg werner, gründer von dm (dem drogeriemarkt), der seitdem auch nicht müde wird, dafür die werbetrommel zu rühren. umso schöner, dass die zeit die courage beweist, und das thema auf die titelseite hievt. dabei werden positive und negative aspekte der finanzierung und der motivation der bevölkerung, überhaupt eine arbeit anzunehmen, beleuchtet, was dem artikel mindestens das prädikat „lesenswert“ einbringt.
ich spreche wohl nicht für mich alleine, wenn ich behaupte, dass unzähligen studenten, auszubildenden oder auch angehenden rentnern bei einführung des modells eine unglaubliche last von den schultern genommen würde. sicher werden es einige zum anlass nehmen, sich in der sozialen hängematte auszuruhen, aber ich für meinen teil würde zusehen, alleine schon zur erhaltung der denkfähigkeit und zur selbstzufriedenheit irgendetwas produktives in meiner staatlich finanzierten freizeit in angriff zu nehmen. anderen bleiben dadurch vielerlei wege zum ausleben persönlicher interessen offen, was aber immerhin schon seit geraumer zeit durch den „aufschwung durch bildung“-slogan propagiert wird. man darf gespannt sein.

klick
und als bonus noch die seite des basic income earth network (anno 2001 stand das e noch für „european“): klick