[olganitz / 02.-04.08.2019] nachtdigital mint

ein jahr ausgesetzt, in diesem jahr offengehalten, ob ich hinfahre. trotzdem im januar kein ticket gekauft, weil: bekommt man ja spontan vorher. dann die nachricht, dass es die finale ausgabe wird. der psychologische effekt hat bei mir gewirkt: verabschieden wollte ich mich schon gerne. dann die sorge, dass die ticketinhaber*innen sie horten werden und der sekundäre markt nichts übrig lässt. beim hochladen des sets der letzten bewegungsfreiheit anfang letzter woche zufällig auf den offenen firefox-reiter geklickt, der in den tagen zuvor keine bei tixforgigs zum wiederverkauf verfügbaren nachtdigital-tickets angezeigt hatte. auf einmal war dort eins und ich tatsächlich schnell genug, mir das auch zu sichern.

seitdem steigt die vorfreude auf das übernächste wochenende. alles an informationen sowie das line-up steht auf der website, die ich gleich verlinke. wer sich spontan ein ticket gönnen möchte, schaut entweder bei tixforgigs oder residentadvisor (mutige bei kanal blau-weiß oder bei ticketswap). die schlagwörter verwende ich als notizzettel für diejenigen, bei deren spielzeit ich mir sogar den wecker stellen würde.

nachtdigital mint

[lärz / 26.-30.06.2019] fusion festival

das hier darf ich morgen bei der doppelten premiere nicht vergessen.

erstens wird der mittwoch zum anreisetag, nachdem letztes jahr am donnerstag schon auf dem hauptgelände klar war, dass wir sowas wie nachzügler sind. da muss man also mit der zeit gehen und anerkennen, dass sich der hauptanreisetag nach vorne verschoben hat.

die andere premiere ging durch die presse und hat dazu beigetragen, dass nicht nur szeneintern eine debatte über kompetenzüberschreitungen bzw. anmaßungen der polizei stattgefunden hat. immerhin hat man seit mitte/ende mai die üblichen gründe für die vorfreude, aber der weg dahin war von einer menge fanfaren und (nennen wir es mal beim namen) eitelkeiten begleitet, die den kulturkosmos veranlassten, eine petition aufzusetzen und (auch dies ein novum) das licht der öffentlichkeit zu suchen. so hat die fusion jetzt also ein offizielles twitter-konto, die polizei musste nach einer sternstunde des journalismus in der zeit hart zurückrudern und hat eine mobile wache neben dem gelände (was angeblich auch das ist, was gewollt war).
der zugriff auf einen linken freiraum ist also für dieses jahr abgewehrt. es wird trotzdem viel vom verlauf abhängen. auf der positiven hoffnungsseite steht für mich, dass nach jahren des publikumszuwachses, von denen längst nicht alle mit dezidiert politischen absichten nach lärz gefahren sind (was auch in ordnung so ist, schließlich möchte jeder den urlaub vom alltag) wieder in den mittelpunkt gerückt wird, was der kulturkosmos, die fusion sowie at.tension für die gegend leisten. sie setzen dort einen solchen kontrapunkt gegen die religion der verzweifelten (gemeint ist der nationalismus), dass sich sogar ein cdu-bürgermeister in der pressekonferenz im maxim gorki offen gegen den amtierenden polizeipräsidenten und dessen idee einer wache auf dem gelände stellt.

da es meine zehnte fusion wird, nochmal im klartext: ich habe mich seit meiner lärz-premiere anno 2008 selten sicherer auf einem festival aufgehoben gefühlt als hier. das hing nicht mit einer überpräsenten security zusammen, sondern im gegenteil mit deren teilnahme im hintergrund und auf augenhöhe mit den besuchern. gerade diese augenhöhe scheint im diskurs um das sicherheitskonzept bis mai gefehlt zu haben, die dann erst durch pressefreiheit wiederhergestellt werden konnte.

ich bin also in mehrerlei hinsicht gespannt, wie sich nun fünf tage anfühlen werden. am montag als rückreisetag hat sich nichts geändert.

p.s.: kontrollen von verkehrsteilnehmern bzw. fahrern zu einem festival bzw. gerade vom festival gen heimat haben meine unterstützung. mir geht es einzig um den beabsichtigten anlasslosen zugang zum gelände. das hat die hauseigene security schon sehr gut im griff.

[berlin / 30.09.2017] about blank: grizzlynation

nachdem ein jahr pause war, steht wieder eine der eskalativen geburtstagsfeiern an.


nachbetrachtung

(rekonstruiert am 22. juni 2019 durch lesen des entsprechenden stranges in der restrealitaet.)

war von sonntagnachmittag bis zu rampue dort. dazwischen lag ein zweigeteiltes set von anja zaube in der lobby. sie machte gegen mittag für eine stunde pause, um danach eine atmosphäre zu erzeugen, die einer staub in nichts nachstand. endlich mal wieder „paranoid dancer“ von johannes heil im original gehört.

vrilski waren der techno-tupfer zwischen zwei acts, die ich in meinen zurechtgelegten schubladen im kater blau einsortiere. drinnen wandelte cinthie die techno-vorlage zuvor einfach in ein back2back und anschließend ein solo-set mit zackigem house um.

zwischendurch war amtshilfe nötig: der koffer von schlepp geist mit seiner hardware war beim flug nicht mitgekommen, es war also neben einer soundkarte auch eine apc40 nötig. hieß: taxi herbeiwinken, zu rampue fahren, der selbst nicht da war, aber man war informiert (nur ich nicht, bei welchem namen ich klingeln musste. ließ sich unterwegs glücklicherweise recherchieren.). mir wurden zwei apcs mit den worten „eine davon funktioniert sicher“ in die hand gedrückt, der taxifahrer wartete brav, die gesamte aktion dürfte nicht mehr als 30 minuten gedauert haben.
ergebnis: alle komponenten waren rechtzeitig zusammenimprovisiert und heraus kam ein schön abwechslungsreiches set. für mich tatsächlich einer der höhepunkte der party (neben frau zaube), dem der vorangegangene stress nicht anzumerken war. bei rampue hat es bei mir dann nur noch für den anfang gereicht, aber das reichte zu dem zeitpunkt eh für die blank-top-5 für 2017.

[olganitz / 04.-06.08.2017] nachtdigital

ein weiteres jubiläum. nachdem die fusion letztes jahr ihr 20-jähriges hatte, ist dieses jahr die nachtdigital dran – und das mit einem line-up, bei dem ich erstmal wieder die kinnlade aufsammeln musste, als ich das las. ich verlinke erstmal nur ihre website und schreibe nur die namen in die schlagwörter, die ich mir im festivalplaner als pflichtbesuch anstreichen werde. die abfolge auf den einzelnen floors gibt es dann wie gewohnt im nachhinein hier.

nachtdigital no. 20

ablauf (für diejenigen, die ihn nochmal in klar lesbarer form brauchen, inklusive verzögerung und umstellung des line-ups auf der hauptbühne am samstag)

open air
freitag, 04.08.2017
20h00 giegling
samstag, 05.08.2017
01h00 klm
02h00 shackleton
03h00 hieroglyphic being
04h00 c&d
07h00 ben ufo & blawan
10h00 marko miloslavljevic

18h30 cologne tape
19h30 scott monteith
20h30 matias aguyao & the desdemonas
21h30 kara-lis coverdale
22h30 aurora halal & ital
sonntag, 06.08.2017
23h30 credit 00 & leibniz
00h00 mon
02h00 jeff mills
04h00 f#x
06h00 morskie oto
09h00 wighnomy brothers

tent
freitag, 04.08.2017
20h00 olaf boswijk
22h00 johanna knutsson
samstag, 05.08.2017
00h00 møreti
02h00 neele
04h00 resom

22h00 leif
sonntag, 06.08.2017
00h00 job jobse & wilhelm
03h00 night moves

lake
samstag, 05.08.2017
12h00 tiny places
15h00 lux
17h00 moritz kaiser

sonntag, 06.08.2017
12h00 hw rhapsody
15h00 manamana

ambient stage
freitag, 04.08.2017
20h00 even tuell
22h00 magazine
samstag, 05.08.2017
02h00 birds & tapes
03h00 ital & melrose
07h00 asyl cahir
09h00 onetake
11h00 steffen bennemann & vai
14h00 chris ssg
16h00 jane fizz
18h00 ralf köster
22h00 adel akram
sonntag, 06.08.2017
00h00 michelson
02h00 dj desert niggu
04h00 møreti
06h00 deadbeat
08h00 job jobse
10h00 nina & good news
13h00 nikae
15h00 felde

nachbetrachtung

erstmal einsteigen mit zwei residentadvisor-links: einmal den „wir haben uns alle lieb“-artikel, der die geschichte und die protagonisten des festivals beleuchtet, und die „five key performances“. auch wenn beide das festival (zurecht) nach wie vor in den höchsten tönen loben, teile ich die kritischen zwischentöne: das überambitionierte der jubiläumsausgabe aus dem ersten artikel, zu dem die bewertung des mills-sets aus dem zweiten artikel passt.

mein fazit daher: insgesamt kriegt die nd20 wie schon die 19er eine 7/10. vorwegschicken möchte ich, dass das alles jammern auf ziemlich bis verdammt hohem niveau ist und ich zu guten teilen auch selbst daran schuld bin, wenn ich blawan vs. ben ufo oder aurora halal verschlafe.

also zum positiven und negativen, gekennzeichnet durch + und -. erstmal mit den kritikpunkten angefangen:

– ich hatte über wirklich weite teile des festivals das gefühl, dass es musikalisch unter seinen möglichkeiten bleibt. ein großer stimmungsdämpfer wie letztes jahr mit aisha devi auf der hauptbühne in der nacht auf freitag zu samstag blieb gottseidank aus. dort war giegling zum reinkommen schön anzuhören. und wenn ich das in meinen ohren zu trocken-zurückhaltende set von klm im anschluss mit einbeziehe, war es auch dramaturgisch sinnvoll, kettenkarussell direkt davor zu platzieren und nicht vril. unter normalen umständen wäre es mir umgekehrt jedoch lieber gewesen.
johanna knutsson war mir im zelt jedoch auch ein bisschen zu verhalten. wenn ich ganz strenge maßstäbe anlege, gilt das auch für shackleton, der seine psychedelischen sequenzen zuweilen auch mit wesentlich satteren kicks unterlegt. aber als stachel im line-up (wie samuel kerridge vor drei jahren ca. um die gleiche uhrzeit) fand ich’s super.

– das gefühl des nicht genutzten potentials setzte sich samstag mittag / nachmittag irgendwie fort. gegen marko milosavljevic ist nichts zu sagen. der erledigte seine aufgabe mit melodisch-funktionalen tracks als schluss auf der hauptbühne sehr gut. aber tiny places an der seebühne war für mich eine ziemliche durststrecke an belanglosigkeit, bis auf zehn, fünfzehn minuten zwischendurch mit etwas acid. da hat lux für meine begriffe die kohlen aus dem feuer geholt und sich damit zu einem meiner favoriten des wochenendes gekürt.
die samstagnacht fiel dann wieder zurück in das „gleich hebt alles kollektiv ab“-muster, ohne dass die hoffnung wirklich eintrat. tatsächlich muss ich irgendwie anerkennend sagen, dass die mon mit ihrem hitfeuerwerk auf der hauptbühne mehr den nerv des publikums trafen als jeff mills im anschluss, der zwar solide arbeit ablieferte (alleine seine arbeit an der 909 kann einem nichts anderes als respekt einflößen), aber eben auch nicht mehr. alte tracks wie die alte version von „life cycle“ verpufften und einzig die ersten töne von „the bells“ holten das publikum aus der reserve. es ist zwar schön zu sehen, dass er unbeirrbar seine entwicklung geht, aber man merkt auch, dass das nicht mehr der brachiale techno wie vor 25 jahren ist, den er damals mit definierte.

– auch wenn es organisationstechnisch wenig herumzumäkeln gibt, aber das mit den umbaupausen auf der hauptbühne hätte man mit 20 jahren erfahrung schon besser hinkriegen können. das waren alleine zwischen giegling und klm mehr als fünf minuten. die zweistündige verzögerung samstag abend auf der hauptbühne würde ich auch ankreiden, hängt aber wohl mit der umbesetzung des zeitplanes zusammen, wonach cologne tape als erstes dran waren und bands etwas mehr aufwand benötigen als laptop-acts. keine ahnung, wann sich das entschieden hatte, aber vielleicht sehe ich das mit der routine nach 20 jahren auch ein bisschen zu idealistisch.

– so toll ich die veränderte position der hauptbühne fand (abstand zum schullandheim, nicht so hoch wie in den jahren zuvor): die empore mit den stufen dahinter war gut gemeint, aber mehr eben auch nicht (mehr höhenunterschied zwischen den stufen wäre schön gewesen). so gab es jedoch einen sehr guten durchgang zum ein/ausgang. mir stieß vielmehr die sehr auf die bühne gerichtete belichtung auf. ein bis zwei sonnensegel und beamer am rande der tanzfläche könnten vielleicht der eher einseitigen ausrichtung des publikums in richtung bühne entgegenwirken. oder man macht mit dem wald am anderen ufer ein bisschen mehr. trug für mich zum eindruck eines konzertes bei, und für den damit einhergehenden starkult, gegen den techno sich eigentlich mal gerichtet hatte, bin ich wohl zu sehr alte schule.

– gemessen an der kahlen deko im zelt letztes jahr war die riesige visual-leinwand sowie das auf das publikum zielende licht schon mal ein schritt nach vorne. ungeschlagen bleibt trotzdem der graben von vor zwei jahren, der von den zwei emporen an der seite flankiert worden ist. der hatte auch gleich positivere effekte auf die stimmung und nutzte den platz auch für die kleinwüchsigeren viel besser aus.

– ja, wir haben den festivalplaner gelesen, nicht sonderlich viel müll produziert und waren mit sonntag 20:30 uhr zu spät. es ist zwar sportlich, auch das noch unterzubringen, wenn der campingplatz bis 20 uhr geräumt werden muss. aber wenn man sogar noch die möglichkeit schafft, dieses jahr länger bleiben zu können, will es mir nicht ganz in den kopf, weshalb man die rückgabe nicht einfach mal bis 22 uhr verlängert hat. hätte nervige nachfragen und genervte mitarbeiter erspart, die den sonntagabend mit sätzen wie „lies den festivalplaner, mein freund“ genau passend einläuten konnten.

genug gemeckert. ab zum positiven:

+ der ableton-workshop war grandios. habe in 15 minuten mehr über den umgang mit samples gelernt als jemals erwartet.

+ das drone-set von scott monteith samstag abend auf der hauptbühne. mich ärgert’s sehr, sein dub/reggae-set als deadbeat auf der ambient-bühne (ja, tatsächlich mal wieder) verschlafen zu haben, aber das findet man bei soundcloud, solange es das noch gibt.

+ das layout der seebühne. da haben io sehr gute arbeit geleistet, indem sie einen holzfußboden verlegt und die bühne an den see versetzt haben. hatte den eindruck, dass so mehr platz für alle blieb und das barfußtanzen hat’s auch begünstigt.

+ die ökotoiletten. zwar leider nur auf dem festivalgelände (oder gab’s welche beim camping?), aber da werde ich wohl zum fan.

+ das kleinste größte kino im wohnwagen war sonntagnachmittag genau richtig.

+ auch wenn manchen die burger zu kalt oder die wraps zu heiß waren: ich kann gegen das catering nichts sagen.

+ gemessen an dem durchgangsverkehr zum festivalgelände, bei dem die security bestimmt tausende male das gleiche mantra mit den flaschen wiederholen musste, fand ich sie überraschend geduldig.

+ das closing der wighnomy brothers passte mit ihren faxen wirklich sehr schön zum sonntagmittag.

+ ich konnte das anfängliche kopfschütteln über die nachti-zeit verstehen und klar lässt sich hier mehr hineininterpretieren als es organisationstechnisch vielleicht gemeint war. aber wenn sie damit erreichen wollten, dass einige besucher die dechiffrierarbeit entnervt aufgeben und sich ein stück unabhängiger von selbst festgelegten stundenplänen machen, indem sie sich einfach auf dem festival treiben sowie sich dabei womöglich noch von unbekannte(re)n namen überraschen lassen wollten, haben sie in mir schon mal einen fürsprecher.
zwar war ich freitag abend einer derjenigen, die erstmal froh waren, es hingeschafft zu haben und um die transkribierende vorarbeit im camp dankbar, aber mit einmal drüber schlafen und sowas wie „mengenlehre“ im hinterkopf (obwohl nie in der schule gehabt) war das entziffern auch nicht mehr sonderlich schwierig und samstag abend eh klar, dass sämtliche schlachtpläne für die katz sind.

+ das musikbingo mit zugabe von dj lothar im zelt am samstagnachmittag. dahinter steckten die gleichen wie beim club animadiso letztes jahr und irgendwie sollte es einem schon zu denken geben, dass die stimmung dort am gesamten wochenende zu clips von den beastie boys, ac/dc, clowns & helden, outkast und einigem anderen, was man so in den letzten 30 jahren in den charts hören konnte, mit zum ausgelassensten gehörte. wird hoffentlich nicht so weit kommen, dass das irgendwann der hauptteil der nachtdigital wird und der elektronisch anspruchsvolle zurück ins nischendasein muss. aber irgendwie bringt’s das wochenende für mich auf den punkt: die leute haben nur nach den offensichtlichen stimmungsgranaten gelechzt, und abgesehen von mon und den wighnomys hat das niemand in meinen wachphasen so wirklich gebracht. vielleicht hätte ich das alles eher antizyklisch betreiben sollen.

unter’m strich: ich werde im nächsten januar nicht am stichtag abends gebannt vor dem browser sitzen, um mir ein ticket zu sichern. es wird eher eine spontanentscheidung, die auch unabhängig vom line-up gefällt wird, nachdem sich dieses jahr erwiesen hat, dass die headliner auch nur menschen sind, die es vielleicht auch leid sind, dem publikum nur vollgas geben zu wollen. allerdings hatte ich mir ein verlängertes wochenende abseits anderer luxusprobleme gewünscht und das auch bekommen. damit hat auch die 2017er-ausgabe der nachtdigital ihr soll locker erfüllt.