r.i.p. juan atkins

version 1.0, verfasst am 1. november 2026 um 17:21 uhr und damit zwischen bekanntgabe der nachricht und aufbruch richtung neukölln zur abyss

leider bin ich gerade auf dem sprung, wobei mir nach der nachricht weniger nach feiern zumute ist. der nachruf fällt daher vorerst knapp aus.

er hätte letzte nacht im yuyu cine club in mexico city spielen sollen, wurde stattdessen leblos in seinem hotelzimmer aufgefunden und später im krankenhaus für tot erklärt. mit gerade mal 64 jahren.

das musikalische erbe, das er mitverantwortet (und der legende nach beim wegweisenden sampler auf virgin anno 1987 benannt) hat: unermesslich.

version 2.0, bzw. der zweite anlauf – am 3. november 2026 um 17:27 uhr gestartet und immer noch mit der befürchtung, ihm nicht mal ansatzweise gerecht zu werden

„clear“ – für viele wohl der einstieg in seine diskographie. einfluss von kraftwerk und electro aus new york: unbestritten. keine ahnung, wann ich das stück das erste mal bewusst hörte. mit sicherheit jedoch erst nach 1994 – dem jahr, in dem mein interesse an techno entzündet worden war. detroit war mir als damaliger teenager als autostadt mit dem verblassten glanz vergangener tage ein begriff, aber techno durch die mayday und damit durch low spirit geprägt.

vorspulen auf zwei, drei jahre später: auf arte lief die hier bereits erwähnte dokumentation „universal techno“ – mit originalaufnahmen aus detroit und originaltönen aller belleville three, wobei juan atkins neben derrick may den größten redeanteil hatte. „alleys of your mind“ lief dort im hintergrund – wie „clear“: ein cybotron-stück, zusammen mit richard davis produziert, anno 1981 und somit zwei jahre zuvor erschienen. schon darin deuteten sie eine minimalere version von synth-pop bzw. new wave an, in der menschlichkeit (oder der rest davon?) den dialog mit der technologie wagt – oder eher durch sie hindurch: eine per vocoder heruntergepitchte und roboterhaft wirkende stimme mit leichtem delay obendrauf. die verlorenheit, die jede*r zu der zeit in detroit lebende*r gespürt haben muss, fand durch diese stimmgebung und moll-töne ihre entsprechung. sie wurde aber mit einem bis dato nicht gekannten futurismus gekreuzt, der sich durch das schaffen von juan atkins ziehen sollte.
„alleys of your mind“ reiht sich damit in ein für elektronische, und für meine begriffe somit für musik generell ganz schön wegweisendes jahr ein: „computerwelt“ von kraftwerk war ebenfalls erschienen, gleiches gilt für „sharevari“ von a number of names. in detroits stadtgrenzen war „alleys of your mind“ für eine indie-produktion äußerst erfolgreich. „clear“ sowie „enter“ als dazugehöriges album öffneten die tore richtung internationaler bekanntheit.
auch wenn ich damit gegenüber der „clear“-fraktion sakrileg begehe: für mich bleibt „alleys of your mind“ ihr meisterstück. „universal techno“ gab en passant einiges an hausaufgaben auf, die sich ab 1998 dank hardwax ganz gut erledigen ließen.

jedenfalls war diese doku meine erste richtige berührung mit juan atkins. sicher mag ich seinen namen auf manchen tresor-flyern wahrgenommen haben, die ich damals bereits im wom am kurfürstendamm mitnehmen konnte. aber mangels volljährigkeit blieb mir die clubwelt noch fern und seinen einfluss auf techno machte mir „universal techno“ erst ansatzweise klar.
dankenswerterweise sprang viva mit housefrau bzw. house tv in die bresche, wo hin und wieder „the flow“ lief. model 500 existierte als sein alias dort schon wenigstens zehn jahre und „the flow“ war retrospektiv eine sehr futuristisch wirkende pop-variante. in meiner erinnerung jedenfalls meine zweite bewusste begegnung mit ihm. alles noch vor „no ufos“ oder „time space transmat“, aber ungefähr zeitgleich und als beweis dafür, wie prägend mix-cds oder sampler mitte bis ende der 1990er noch waren: „future“ sowie „technicolor“ waren auf der „electro boogie“-x-mix von dave clarke vertreten (die mit etwas verzögerung auch einiges an stoff für mein hausaufgaben-heft lieferte – ich musste mich ehrlicherweise erstmal an electro gewöhnen), „starlight“ auf dem vierten tresor-sampler namens „solid“ (wo wiederum der jonzon-mix weitere hausaufgaben bedeutete, aber ich schweife ab).

es ging also vor meiner volljährigkeit recht schnell, dieses so fremde clubuniversum zumindest indirekt zu erschließen und zu schauen, wer sich hinter den kryptischen namen verbirgt. müßig zu erwähnen, dass das dank der berlin-detroit-verbindung im tresor nur eine frage der zeit war, ehe ich mit weiteren fundamentalen tracks sowie namen vertraut war. „no ufos“ gehört in jedem fall zu den ersten platten, die ich im hardwax gekauft habe. und ich erinnere mich noch genau daran, wie sehr ich anno 1999 dort mit „mind & body“ fremdelte. eine derartige genre-vielfalt bekam ich damals einfach nicht mit ihm als dem namenspatron von techno überein – und auch wenn djing für mich zu der zeit eher wunschvorstellung als realität war, konnte ich mir das im club nicht vorstellen.
klassischer fall von engstirnigkeit – zumal „the flow“ von „deep space“ als vorgängeralbum bereits tempotechnisch abseits gängiger techno-tempi unterwegs war. ich bin mir nicht sicher, wann ich da über meinen schatten gesprungen bin. kann sogar recht zeitnah gewesen sein, als es die cd im saturn günstig gab. ich greife zwar immer noch nicht so regelmäßig auf „mind & body“ zurück wie auf „deep space“, aber zu hören ist darauf ein pionier, der sich nicht auf seinen lorbeeren ausruht, sondern das ohr an zeitgemäßer musik hat und sich ihr nicht andient, sondern selbstbewusst seine klangliche vision mit der von anderen kreuzt. „incredible“ ist ein drum&bass-track, der sich hinter reprazent und 4hero absolut nicht zu verstecken braucht und „just maybe“ ist mit seiner trip-hop-ästhetik und jazzigen vocals einfach unkategorisierbar. sprich: ich hab das album zunächst völlig verkannt – es zeigt auch heute noch einen ungebrochenen entdeckergeist.

es muss so um 1999/2000 herum gewesen sein, als ich ihn im tresor – bzw. oben im globus – das erste mal gehört habe. „much respect“ von stephen brown ist mir aus dem set noch in erinnerung, aber auch die tatsache, dass ich meine zeit – wie so häufig – lieber unten im tresor verbrachte. ein technisch begnadeter dj war an ihm – im vergleich zu manch anderen aus motor city – nicht verloren gegangen. ich konnte einen haken dahinter machen und ging lieber hin, wenn suburban knight oder dj rolando spielten.

wieder vorspulen auf 2023: im rahmen des strom-festivals fiel juan atkins die ehre zu, das festival mit dem letzten dj-set beschließen zu dürfen. das ist detailliert für februar 2023 nachzulesen. natürlich stand er bei diesem set mit einem bein in der vergangenheit, natürlich war sein mixing ausbaufähig, aber natürlich freute ich mich auf der tanzfläche riesig darüber, dass er neben „strings of life“ auch abseitigere detroiter tracks wie „chicken noodle soup“ von carl craig oder „aural 721“ von robert hood gespielt hat. und darüber, dass er sein set u.a. mit bass music von calibre beschloss. wie als produzent: wenn auch das eine bein in der vergangenheit war, sprang er mit dem anderen richtung futurismus, stets auf der suche nach der nächsten kreuzung zu etwas neuem.
nachdem ich später seinen auftritt vom nuits sonores anno 2019 als model 500 (damals bereits um dj skurge und mark taylor erweitert) sah, habe ich auf den nie enden wollenden hausaufgabenzettel gesetzt, mir das anzuschauen, wenn sich in hiesigen gefilden die gelegenheit ergibt. die dortige version von „i wanna be there“ liefert sich bei mir seitdem ein kopf-an-kopf-rennen mit dem original.

leider wird es nicht mehr dazu kommen, ihn auch mal mit einem seiner ursprünglichen aliasse (auch cybotron wurde vor einigen jahren reaktiviert) als live-act zu sehen. immerhin hat es vor zehn jahren zum 25-jährigen tresor-jubiläum zusammen mit einer anderen legende (moritz von oswald) geklappt.
auch wenn ich weiß, dass die zeit für legenden (die auch nicht frei von ihren dämonen sind) endlich ist, schmerzt es doch, ihn mit nur 64 jahren gehen sehen zu müssen. erst recht, weil nicht viele von sich behaupten können, mit mitte 20 eine musikalische revolution mit in gang gesetzt und eine blaupause geliefert zu haben, die 40 jahre später noch gültig ist. es bleibt die hoffnung darauf, dass juan atkins eines tages wie selbstverständlich in einem atemzug mit miles davis, prince, james brown oder george clinton genannt wird. ein großer teil von mir, der ihn in interviews stets bescheiden, beinahe schüchtern erlebt hat, wünscht sich, dass er tief in sich von seinem verdienst wusste. was bleibt: das bild eines rastlosen auf der suche nach dem nächsten zwischenstopp in der musikalischen galaxie, eines derjenigen, die futurismus alleine aus hoffnung auf bessere zeiten verkörperten – und natürlich dutzende zeitlos geile tracks mit einer gehörigen portion funk und seele.

keine dankbarkeit – die wäre zu wenig. vielmehr demut.

r.i.p., einer der allergrößten!


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taz: julian weber – produzent mit einer klaren vision

[berlin / 01.11.2026] abyss x overflow

und ich hatte mich schon gefragt, ob darwin in diesem jahr aussetzt. stattdessen jetzt volles programm auf zwei floors mit soundsystemen von restless audio – und endlich komme ich mal dazu, mantra zu hören. die adresse sowie der link zu den tickets finden sich im telegram-kanal.

abyss

19:00 k means
21:30 darwin b2b jan loup
23:30 mantra

overflow

19:00 marylou
20:50 guided inner-landscape meditation with somatic bodyworker lara
21:00 cathal & róisín
21:30 ze:na
23:30 alicia

r.i.p. patrick stewart

trekkie bin ich wahrlich nicht. aber dennoch war mir „the next generation“ noch ein wenig sympathischer als die originalbesetzung. captain picard hatte daran den größten anteil, stand er stets gelassen über allen geschehnissen. das lässt seine nebenrollen wie bei dune oder der kleine lord für mich in den hintergrund treten.

er ist in los angeles mit 86 jahren an alzheimer sowie demenz verstorben.

r.i.p.

[berlin / 30.10.2026] berghain: sound metaphors festival part 2

richtig, der monatliche besuch steht noch aus. seitdem dieses line-up draußen ist, fiebere ich darauf hin.

sound metaphors festival part 2

berghain

19:00 temple rat live
21:00 robert henke presents dust live
22:00 mark fell live
23:00 mark ernestus
01:00 aba shanti-i
03:00 surgeon live
04:00 david fogarty b2b sunju hargun
06:00 jane fitz

panorama bar

22:00 courtney bailey b2b hitomi (an toi)
00:30 sound metaphors djs
02:30 daphni
04:30 z@p live
05:30 john talabot
07:30 lena willikens b2b audrey danza
09:30 melina serser

säule

00:00 timnah
02:00 robert leiner live
03:30 samara

[berlin / 22.10.2026] gedächtniskirche: sarah davachi

sarah davachi veröffentlicht mit schöner regelmäßigkeit pünktlich zum herbst einmal pro jahr ein album, das es mit ebenso schöner regelmäßigkeit in meine jahresbestenliste schafft. „the will of tongues“ ist aus diesem jahr keine ausnahme.

leider hat es sich bislang nie ergeben, sie live zu erleben, wenn sie in der stadt war. daher hole ich das jetzt – auch eine premiere – in der gedächtniskirche nach. unterstützt wird sie von rebecca lane, michiko ogawa und miako klein.

[tbilisi / 09.-11.10.2026] bassiani: bassiani 12

12 jahre bassiani mit einem line-up, bei dem ich – mal abgesehen davon, dass der club eh eine reise wert ist – sehr gerne gratulieren komme.

bassiani 12

bassiani

freitag, 09.10.2026

00:00 hvl

samstag, 10.10.2026

04:00 zesknel live
05:00 marrøn
08:00 truncate
11:00 newa
14:00 zitto
17:00 erika
20:00 spekki webu
23:00 ndrx

sonntag, 11.10.2026

02:00 µ-ziq live
03:00 dj sodeyama
06:00 olivia mendez
09:00 kancheli b2b ness
12:00 fadi mohem
15:00 rødhåd
18:00 don williams

horoom

freitag, 09.10.2026

00:00 mancho

samstag, 10.10.2026

04:00 ryan elliott
07:00 sophie phare b2b valley dolly
10:00 boyá b2b resom
13:00 lowtec & kassem mosse
16:00 lawrence
19:00 nicole b2b troy vladislavovich
22:00 yossi amoyal

sonntag, 11.10.2026

01:00 dr banana
04:00 loidis
07:00 shvili
10:00 cassy
13:00 hamatsuki & skyra live
14:00 jason kendig
17:00 kvanchi & dito

[tbilisi / 03.10.2026] khidi: g2

an diesem wochenende findet das 4gb festival mit allerlei aufgebot statt. daher kochen sowohl khidi als auch bassiani auf sparflamme. findige szenebeobachter*innen werden jedoch bemerkt haben, dass mit dem 12-jährigen bassiani-geburtstag das nächste event mit überlänge ansteht. und eben jenes ist neben dem essen und der neugierde auf bauliche und gesellschaftliche veränderungen für mich der hauptgrund, innerhalb eines jahres zurückkehren zu wollen.

aber dazu mehr, sobald das bassiani den ablauf veröffentlicht. jetzt erstmal der zweite floor des khidi, solange das koffein trägt. bin seit 1:15 uhr hier.

g2

00:00 katyanot
03:00 oniani
06:00 alexander kühne

nachbetrachtung

es bewahrheitet sich immer wieder: ohne erwartungen an einen abend herangehen und im besten fall wird mensch positiv überrascht. in diesem fall sogar mehr als das.

zugegeben: ich hatte den horoom des bassiani als blaupause angelegt. wenn der gesamte club geöffnet hat, ist der horoom für mich zum durchatmen von der techno-breitseite am anderen ende der katakomben ganz schön, aber wirklich zum verweilen hat er mich vor einem jahr nicht eingeladen. mit dem g2 im jetzt möglichen direkten vergleich wäre das bassiani für mich samstags nicht die erste option, wo (abseits von großereignissen) nur der horoom geöffnet hat. sorry dafür, eventuell hat sich ja an dem raum etwas geändert – das weiß ich erst ab dem geburtstag.

entsprechend bin ich unter der prämisse hin, mir wenigstens den kleineren teil des khidi beim für mich zweiten besuch tbilisis anzuschauen, da der komplette club über die gesamte zeit meines aufenthalts nicht bespielt wird. um 4:50 uhr bin ich mit dem festen vorsatz raus, meinen dritten tbilisi-besuch zeitlich so zu legen, dass ich mir das gesamte khihi ansehen kann.
erstmal kurzer banger augenblick, weil ich meinen pass natürlich in der unterkunft hatte liegen lassen und eine dreiergruppe weggeschickt worden ist, als ich mich angestellt habe. proaktiv den ausweis vorzeigen und den anweisungen des türstehers folgen hat geholfen. umgerechnet ca. 15 euro eintritt und einen recht gründlichen bodycheck später war ich drin. das alles geht ziemlich zügig.

wie das bassiani ist das khidi verwinkelt, dunkel, brutalistisch. beim besten willen aber nicht barrierefrei. geradezu vom eingang geht es ein paar stufen runter zur garderobe. vom gleichen gang aus geht es hoch zum vorraum, der dreh- und angelpunkt des clubs ist: weitere stufen führen von dort zu einem separée oberhalb der garderobe, das fast bis zum eingang reicht. ansonsten ist geradezu der zugang zum g2, rechts daneben die toiletten (die sehr mit dem blick auf die gesamte ästhetik des clubs entworfen worden sind: unisex, nur kabinen, waschbecken aus metall für alle in der mitte – gefiel mir besser als die toiletten im bassiani).
positiv: der vorraum ist zugleich raucher*innenraum. auf der tanzfläche ist das nicht erwünscht – und es wird durchgesetzt. auch in georgien gibt es ein rauchverbot in geschlossenen clubs, was (wie in berlin) eine frage der handhabung seitens der läden zu sein scheint. im khidi heißt dies: eine türperson beobachtet am rande der tanzfläche das geschehen und spricht die rauchende person an. oder eine awarenessperson übernimmt das mit. war an diesem abend eine weiblich gelesene person, und bei dem offensichtlichen männerüberschuss war’s schön, dass auch dies mit auf dem schirm ist.

womit ich noch nichts zum floor gesagt habe. ungefähr nach einer stunde war ich mir sicher, dass das khidi mit seinem vize-floor im solo-betrieb für mich interessant genug ist und sowas in der kapazität (200-300 leute) sowie aufmachung in berlin fehlt.
erstens stimmt der sound: zwei funktion one stacks links und rechts vom dj, dazu holzboden für den wärmeren klang.
zweitens das licht: das könnte zwar alles heller erleuchten, wird aber so spärlich eingesetzt, dass die musik akzentuiert wird anstatt die leute zu inszenieren.
drittens: auch djs werden nicht über gebühr in szene gesetzt. sie stehen so gut wie ebenerdig, hin und wieder strahlt mal ein spot vom anderen ende der tanzfläche in deren richtung.
viertens: auch wenn es sich um den wesentlich kleineren der beiden floors handelt, ist er ähnlich verwinkelt, wie der rest des clubs es erahnen lässt. es gibt sitzbänke am rechten ende, die sogar zu einem weiteren separée führen. will mensch sich unterhalten oder nur zuhören: geht dort blendend. tanzen auch, wenn auf der tanzfläche zuviel los sein sollte. das war jedoch sehr okay – der füllgrad lag bei gut drei vierteln.
den standort der bar am hinteren ende der tanzfläche könnte ich bemängeln, aber andererseits war die so schnell, dass sich kein pulk davor und somit kein hindernislauf auf dem weg zu den sitzgelegenheiten ergab. zugegeben: ich mag das lieber baulich getrennt. also entweder in einem separaten raum oder durch eine sitzreihe abgetrennt. aber: persönliche eigenheit, die dem richtig guten gesamteindruck keinen abbruch tut.

in schwung kam das alles erst kurz vor 2 uhr, blieb es dann aber ziemlich konstant, bis ich ging. also ähnlich zu den berliner gepflogenheiten, wonach die meisten nicht vor 1 bis 2 uhr nachts auftauchen. war für katyanot etwas schade, die sehr versatil zwischen techhouse, dubtechno, sphärisch-trippig und durchaus den einen oder anderen breakbeat-track spielte. mag sich wie kraut und rüben lesen, war aber so kohärent, dass ich ihr regelmäßigere gastspiele im khidi oder bassiani (dort hat sie anfang des jahres im horoom gespielt) wünschen würde. warm-up nach maß – richtig gut.
bei oniani muss ich aufpassen, mich mit den trance-spielarten nicht zu vertun. das hatte stellenweise etwas psy-artiges und wirkte auch sonst wie das, was auf kalahari oyster cult passiert. alles leider nicht meine baustelle, aber ich habe großen respekt vor seinem sinn für harmonien, wonach sich die tracks bei den übergängen nie in die quere, sondern vielmehr ergänzt haben. nach fast zwei stunden war die zeit für mich dennoch gekommen. in den tagen zuvor laborierte ich noch an einer erkältung herum, zudem war der heimweg eine dreiviertelstunde zu fuß (wäre mit den öffentlichen nur unwesentlich schneller gewesen). daher wollte ich auch noch etwas vom sonntag haben, was so semi geklappt hat.

in summe: toller ersteindruck der light-variante des khidi. perfekte größe, die eine stilistische vielfalt zulässt, wonach zwischen (tech-)house und forderndem techno alles geht. wie das bassiani haben sie mit der abgespeckten variante an dem wochenende genau die richtige entscheidung getroffen und mit einem moderaten eintrittspreis bei drei leuten ausreichend publikum angelockt. wäre ein beispiel, das auch in berlin schule machen könnte, wo ich die summe im rso noch am ehesten als pendant sehen würde. die wird aber freitags recht unregelmäßig bespielt bzw. der robus bekommt manchmal den vorzug.

einen kritikpunkt habe ich: der khidi-umhängebeutel ist mit 120 georgischen lari (also umgerechnet 40 euro) eindeutig zu teuer. ich kann zwar verstehen, dass clubs auf merchandise-artikel angewiesen sind, weil die marge dort schön hoch ist. aber dafür sollte auch der preis attraktiv genug sein, dass sich besucher*innen beim abholen ihrer sachen an der garderobe sagen können, dass mensch das einfach mal als souvenir mitnimmt. konkret: bis 20 euro (also 60 lari) wäre ich noch mitgegangen. aber: muss das khidi wissen. ich komme so oder so wieder.

notierte tracks

katyanot

zekiel – space

oniani

maruwa & younger than me – reptilian

[berlin / 25.09.2026] berghain: wsnwg live

speedy j hat mit stoor eines der für mich spannendsten projekte erschaffen, das es im techno in den letzten jahren gibt: live-jams mit gestandenen produzent*innen, alle kanäle offen, komplett frei gegenüber allen spielarten. rødhåd bringt das konzept nun schon zum dritten mal ins berghain. bei jede der vergangenen ausgaben waren die leute begeistert, also schaue ich mir das als nutznießer eines noch freien tickets gerne endlich mal vor ort an.
passend dazu wird am besagten freitag das gemeinsame album von speedy j und rødhåd veröffentlicht (dessen clips mich nicht zum kauf überzeugen, aber das nur als randnotiz) und herr paap ist teil der protagonist*innen auf der bühne.

wsnwg live

dasha rush
megan leber
rødhåd
sara clarke
speedy j
ufo 95

nachbetrachtung

vor ort: 21:20 uhr
drinnen: 22:40 uhr
ende: 7:00 uhr
draußen: 7:40 uhr

ich hab das so penibel auseinandergefächert, weil das indirekt den andrang und die handhabung seitens des berghains veranschaulichen soll. an letzterem gibt es wenig auszusetzen. es wäre jedoch toll, die schilder zur orientierung, wer sich wo anstellen sollte, mehr als fünf minuten vor toresöffnung aufzustellen. so ging das jetzt nach erfahrungswerten: schlange für ticketinhabende ganz rechts am gebäude entlang, links daneben gästeliste, normale schlange für die abendkasse. ortsunkundige müssen fragen oder raten, aber das fördert auch die kommunikation untereinander.

gut 40 minuten vor beginn reichte die schlange für die tickets bereits fast bis zum geldautomaten am garten, die normale schlange habe ich gar nicht in augenschein nehmen können. war laut reddit aber auch eine geraume zeitlang bis zum kiosk. nach toresöffnung erstmal priorisierung der gästelistenschlange, bei denen für die tickets dauerte es etwas, bis sie in gang kam. aber dann ging’s auf einmal schnell. abendkasse mit geringerer priorität.
als wir an der reihe waren, wurde erstmal eine gruppe von sieben leuten vorgelassen. bekanntschaften mit türstehern zahlen sich aus. jedoch gab es von deren seite diverse entschuldigungen, dass wir deswegen etwas warten mussten. schöne geste, dies.

oben angekommen fiel erstmal der laser ins auge, der von der bühne aus nach hinten strahlte. nicht deplatziert, aber ich würde ihn bei klubnächten oder anderen begebenheiten auch nicht vermissen. netter clou: die projektion an der stirnwand, die das geschehen auf der bühne von der draufsicht aus wiedergab.
der bühnenaufbau machte es möglich, bei vier der beteiligten ganz genau hinschauen zu können: eine wie mittig ins berghain reichende zunge mit rødhåd am hinteren ende, links von ihm speedy j und megan leber, rechts von ihm dasha rush und ufo 95, sara clarke in der dj-kanzel. ich wünschte, ich hätte das produzenten-wissen, um darlegen zu können, wer welche hardware dabei hatte. zweifelsfrei habe ich nur den elektron analog rytm bei rødhåd identifiziert. wer mehr weiß: gerne kommentieren.

die musikalische dramaturgie wie bei jedem guten abend: abstrakter beginn, durchaus ambient-artig, aber bereits mit rhythmischer struktur darunter. sogar gegen 23:40 uhr mit dubstep-artigen anleihen. ab 0:15 uhr kam die 4/4-kick und blieb fast durchgängig bis zum schluss – ausnahmen bildeten einzelne synkopierte passagen. mir war’s über weite stellen zu brav. wenn mal eine dreckigere bassline oder kicks mit distortion kamen, war das leider nur temporär. so war’s solide techno-unterhaltung, deren ende um 7 uhr etwas abrupt kam. der füllgrad hätte durchaus noch eine, wenn nicht gar zwei weitere stunden hergegeben. aber ich kann sehr gut verstehen, dass die konzentration eines ensembles nach neun stunden gemeinsamer jam-session gegen null tendiert.
auch wenn es mich – abseits vom anfang – leider nicht so mitgerissen hat, möchte ich unbedingt positiv erwähnen, dass dieser live-jam die gesamte zeit über wie aus einem guss wirkte. ich hatte nie den eindruck, dass sich irgendjemand in den vordergrund drängen wollte und es war unklar, wessen sounds jetzt genau von wem stammen. entweder war die vorabsprache gründlich oder alle bereits erprobt genug. in jedem fall spricht’s für die zusammenstellung der beteiligten.

die gute halbe stunde zwischen ende und aufbruch lag an dem zeitgleichen ansturm von mal eben (geschätzten) 400 leuten zur garderobe. in anbetracht der umstände hat diese das überaus souverän gemeistert, und mit ein wenig geduld sowie guten gesprächspartner*innen ging die wartezeit völlig in ordnung.

würde ich wsnwg nochmal machen? in der konstellation vielleicht. mal schauen, wie das nächstes jahr aussieht. stoor steht als für-mich-quasi-original aber weiter oben auf der liste, wenn auch nicht zum amsterdam dance event.

[berlin / 23.09.2026] columbiahalle: pisse

sie wagen den sprung auf die größere bühne. support steht noch nirgends, einlass ist ab 18:30 uhr, beginn um 20:00 uhr.

hier gibt es noch tickets.

nachbetrachtung

erst gegen 20:15 uhr vor ort, da waren die hot chicks aus leipzig bereits am spielen. da ich es mit genrebezeichnungen abseits von elektronischer musik (und selbst dort mit zunehmenden schwierigkeiten) nicht so habe: garage punk mit wave-anleihen.
dona casque aus paris danach, die mich (warum auch immer) an stereo total erinnert und zwei stücke von pisse gecovert haben: „keine freundin“ sowie „alt sein“ – mit texttafeln, so dass jede*r im publikum auch ggf. hätte mitsingen können.

pisse selbst ab 21:50 uhr. in der zwischenzeit wurde der zugang zur empore glücklicherweise geöffnet, wenn auch deren seitenflügel weiterhin abgesperrt blieben. zur übersicht über das geschehen aber nach wie vor klasse.
die setlist sehr vergleichbar mit der im festsaal letztes jahr. ergo: viel von „dubai“, „lambada“ und dem selbstbetitelten album. von den alten stücken leider nur „vernissage“ zum abschluss. der war nach gut fünfzig minuten und zumindest mir klar, dass sie größere bühnen wie die columbiahalle auch im griff haben. einen stabilen moshpit gab es jederzeit, wurde zum schluss hin ausgelassener. dennoch: der auftritt im berghain vor vier jahren bleibt unerreicht. ich habe letzte woche festgestellt, dass es dazu nicht mal ein posting gab. also reiche ich das jetzt nach.

p.s. (am 4. oktober 2026): am ende – quasi als zweite zugabe – gab es noch zwei mcs, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass sie (wie schrunzel seinerzeit im berghain) aus dem ick-mach-welle-umfeld stammen. wer deren namen weiß, kommentiert einfach. wäre schön, wenn auch sie namentlich erwähnung finden könnten.