da werden sich mit sicherheit einige fragen, was mich dorthin treibt. da wäre die gruppendynamik, aber tatsächlich auch (und das kommt einem outing gleich) die neugierde darauf, wie nachwuchsschauspieler paul kalkbrenner sich in der arena behauptet. das filmmaterial ist für die umgebung ja geradezu prädestiniert. neugierde allerdings auch darauf, wie die tür beim zu erwartenden fanclub-ansturm reagiert. ich ahne, dass man rechts neben dem eingang eigentlich schon fast eine eigene party daraus machen könnte.
außerdem noch darauf hoffen, dass die labelchefin eine gute tagesform erwischt hat. in jedem fall schon vorab glückwunsch für die ersten zehn jahre.
berghain
00h00-02h00: agf / delay
02h00-04h00: feadz
04h00-05h30: paul kalkbrenner live
05h30-08h30: ellen allien
08h30-09h30: thomas muller live
09h30-ende: shinedoe & 2000 and one
panorama bar
00h00-04h00: mr statik
04h00-07h00: sascha funke
07h00-10h00: chaim
10h00-ende: kiki
garten (ab 10 uhr geöffnet, musik ab 12 uhr)
12h00-20h00: zander vt / jay haze
p.s.: der august-flyer ist der knaller. im pdf wird das nur angedeutet, aber das sind tatsächlich sieben postkarten (naja, gut, eigentlich sechs – auf der zusammenfassung des monatsprogramms lässt sich nur schwer etwas text unterbringen). richtig stabiles papier, an den faltkanten perforiert, so ist für jeden was dabei.
update (09.08.2009 / 01:53)
schlange bis zum hellweg-parkplatz, paul kalkbrenner ist erkrankt und kann nicht spielen, stattdessen gibt’s jay haze / fuckpony. tür selektiert wie gewohnt sicher und zügig.
review
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ankunft (erster teil):
kurz vor mitternacht, in der annahme, dass die schlange bestenfalls 50 leute umfasst – stattdessen gute 150 meter. in der zeit blieb viel zeit für gespräche, wo auch nebenher zu erfahren war, dass paul kalkbrenner nicht spielt. war dann auch an einigen schildern zu lesen, die an den bauzäunen hinter dem nadelöhr an dem kleinen gebäude zu lesen waren. ob die zahlreichen entgegenkommenden leute an der tür gescheitert waren oder aufgrund des abgesagten kalkbrenner-auftritts vorzeitig umgekehrt sind, wollte ich lieber nicht nachfragen. festzuhalten ist, dass an der tür eine menge unternommen worden ist, um den abend drinnen so zu gestalten, dass man sich als berghain-stammgast nicht im falschen film wähnt. das wurde umso deutlicher, je näher man an das gebäude herankam. große gruppen: immer noch nicht gern gesehen, daher geschlossen weggeschickt. die chancen müssten zwischenzeitlich bei 50:50 gestanden haben. drinnen angekommen, war es kurz nach 1 uhr.
acts (erster teil):
agf / delay: dubstep von 2562 zur begrüßung, tanzfläche leer, die leute harrten am rand dem rest, der noch kommen sollte.
mr statik: da war es in der panorama bar schon voller, auch wenn musikalisch bei mir nichts haften blieb. sind auch nur kurz umhergelaufen, weil wir das warm-up nicht im club, sondern bei uns verbringen wollten.
ankunft (teil 2):
um kurz vor 4 uhr. die schlange war da auf ansehnliche 200 meter angewachsen, reichte somit tatsächlich bis zum hellweg-parkplatz und stellte uns erstmal vor die schwierigkeit, sich den weg bis zur tür bahnen zu müssen. da wurde man zwischendrin tatsächlich gefragt, ob man den stempel nicht fälschen könne, wenn man eh schon einen hat (umgehend verneint). vor der tür die üblichen debatten, warum man denn nicht rein darf. angesichts des aufkommens an dem abend war es ratsamer, den augenblick noch abzuwarten, ehe man den türsteher damit belästigt, dass man einen stempel hätte, aber als es soweit war, wurden wir freundlich durchgewunken. sozialdarwinismus ist sonst ja nicht mein ding, aber hin und wieder genieße ich solche augenblicke ja doch.
acts (teil 2):
feadz: technisch sicher, bratziger techno, volles haus, machte laune.
jay haze (als ersatz für paul kalkbrenner): ihn habe ich die letzten jahre bewusst sein ding machen lassen, was nicht mehr meines war. zu trocken und steril die veröffentlichungen, entsprechend groß die sorge, ob er damit im berghain nicht fehl am platz ist. umso angenehmer dann sein mit vocals und melodien angereichertes set, was im vergleich zu anderen peaktime-acts am gleichen ort zwar zurückhaltender war, es hätte allerdings wesentlich schlimmer kommen können. „soll erfüllt“ kann man dazu auch sagen.
sascha funke: ebenfalls gut gefülltes haus, schön warm war’s außerdem. wer jetzt aber eine sardinenbüchse mit sauna-flair vermutet, liegt nur halb richtig. eine sauna war’s zwar, allerdings bei den letzten sets von josh wink voller. überhaupt verteilte sich das geschehen im gesamten club ganz gut. musikalisch nichts weltbewegendes: house à la isolée zwischendrin, nett zum hüftwackeln, aber ohne momente, die akzente setzen konnten.
ellen allien: auch hier große befürchtungen, dass sie ihr an langeweile kaum zu überbietendes set vom letztjährigen september in der panorama bar wiederholt. war aber gut in form, betrieb das filtern am xone:92 gottseidank nicht zu exzessiv, spielte ein paar alte scheiben („thoughts“ von green velvet, die sogar doppelt, „lfo“ und tatsächlich auch „missy queen’s gotta die“ von toktok), hätte ruhig etwas druckvoller spielen können, aber dennoch wesentlich besser als letztes jahr. zudem noch mit sichtlichem spaß an ihrem job.
chaim: hat wohl ein faible für tracks, die entweder vocals oder sätze sampeln, schon besser als herr funke, tanzfläche unwesentlich leerer als zuvor.
thomas muller: auch wenn das unfair ihm gegenüber klingt, schlug während seines sets nach einem für mich zu dem zeitpunkt bereits 25 stunden andauernden tag der tote punkt gnadenlos zu. so lieferte er für mich den soundtrack für einen klassisch japanischen power-nap, konnte im unterbewusstsein einige melodien wahrnehmen, ohne dass im nachhinein etwas haften blieb.
shinedoe / 2000 and one: spielten als erste tatsächlich gefühlvollen, melodischen, druckvollen sound, der mir bei ellen gefehlt hatte. das neue detroit liegt eh in amsterdam bei delsin und konsorten, somit hat man einen eindruck, was es von ihnen zu hören gab.
kiki: hätte es nicht für möglich gehalten, aber er hat es tatsächlich geschafft, meinen zustand innerhalb von zehn minuten von „stehend k.o.“ zu einem „lächelnd feiernd“ zu verwandeln. wahrscheinlich eine kombinierte wirkung der schlafpause und seines sets, bestehend aus melodischen house-tracks um die 130 bpm. „uplifting“ passt wohl als adjektiv am besten, zumal ihm das grinsen quasi festgetackert war. wird gerne wieder mitgenommen, wenn er regulär dort gebucht wird.
zander vt: im garten nur am rande gehört, aber das hat auch gefallen. gegangen sind wir dennoch um 12h30, um die erkenntnis reicher, dass der heimweg zu fuß auch nicht zu weit ausfällt, wenn das tor beim bierhof rüdersdorf geöffnet ist.
fazit:
vor der tür beileibe kein abend wie jeder andere, das müssen dimensionen wie bei den silvesterabenden gewesen sein. drinnen hingegen war es ein sehr gut besuchter abend mit einigen neuen gesichtern, die aber in den gewohnten berghain-standard passten. stammgäste tauchten wie gewohnt erst ab 7 uhr früh auf, wo die schlange immer noch bis zu den gittern stand.
musikalisch gab es dieses jahr schon weitaus bessere abende, zufriedenstellend war es dennoch. passte – trotz kalkbrenner-ausfall – dramaturgisch alles gut zusammen, auch wenn die höhepunkte erst zum schluss kamen.
was lernt man daraus? auch und gerade bei solchen massenanstürmen mit ansage lohnt sich der späte weg richtung ostbahnhof – es sei denn, man will unbedingt die acts mitnehmen, die vor 7 uhr spielen. dann musste man samstag / sonntag früh tatsächlich stehvermögen beweisen.
oha, der flyer is echt knaller! kannste mir da 2 von mitbringen? wär subba – thx! 🙂
auh ja, mir büdde büdde auch einen reservieren….