apropos „montech“ – kaum ist der mittwoch in der berghain-kantine absolviert, geht es nach einem mehr oder minder strapaziösen wochenende in der kreuzberger oranienstraße weiter. dies allerdings dezidiert geradlinig-technoid, das entspricht am ehesten dem publikumsbedürfnis.
der ablauf
anfang: suspect live
mitte: auddie live
schluss: stype ableton-set
eintritt
5 euro
start
steht zwar auf dem flyer, ich wollte trotzdem extra nochmal darauf hinweisen, dass der elektronische teil wegen der konzerte von a pale horse named death und seventh void erst ab 24 uhr beginnt. ich bin gegen 3 uhr dran.
review
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dennoch: das dj-pult ist verkleinert worden, und zwar in der tiefe. konnte ich den laptop inklusive ständer noch im februar locker hinter einem technics platzieren, war das jetzt etwas komplizierter. abbau eines der 1210er wäre theoretisch gegangen, aber da verlief das stromkabel hinter einer verkleidung, und im dunkeln wollte ich keinen totalausfall provozieren. letztendlich fand der laptopständer unter ihm platz und das macbook obendrauf, ohne dass der plattenteller berührt wurde. abstöpseln des cd-players, um platz für den controller zu schaffen, war dagegen reine formsache.
alles in allem also gegen 1h40 startbereit, da war suspect noch zugange. vom tempo her eher gemütlich, hatte mir anhand der clips seines albums auf soundcloud auch nicht so viel versprochen, war aber angenehm überrascht. auddie hatte in der ersten hälfte einige tolle tracks in der tradition alter ruskin-/blueprint- oder regis-sachen parat, nur wesentlich gemäßigter. spielte im gegensatz zu suspect nicht mit laptop, sondern rein hardwarebasiert und setzte auch die breaks manuell. naturgemäß kann da manches nicht im takt sitzen, ich find sowas aber eigentlich ganz sympathisch.
seine zweite hälfte fand ich hingegen etwas komischer. dies lag zum einen an den in die länge gezogenen ideen, wo eine bassline (unterbrochen durch völlig andere motive und durch filtereinsatz variiert) locker zehn minuten einen track dominierte oder an den vocals, die im anschluss an suspect besser gepasst hätten. zum anderen will ich nicht verhehlen, dass es um meine laune aufgrund der tatsache, dass er um 3h30 immer noch am spielen war, nicht gerade zum besten bestellt war. auf nachfrage erfuhr ich, dass der plan tatsächlich für jeden zwei stunden vorsah. mehr als anderthalb stunden spielzeit sind für live-acts so ungewöhnlich, dass sich sowohl booker (dj flush) als auch ich nicht vorstellen konnten, dass die beiden die ersten vier stunden gut alleine herumbekommen. im nachhinein sehe ich das wesentlich gelassener, nur in dem augenblick fand ich es aufgrund der unklaren situation, in der ich von einer klar abgemachten startzeit ausging, etwas unhöflich. später hat sich auddie jedoch noch nett verabschiedet, da hatten sich auch bei mir wieder etwas die wogen geglättet.
während des live-acts blieb also zeit, den anfang etwas umzustellen. hatte eigentlich mit electro beginnen wollen, änderte das jedoch in industrial. die wahl fiel auf „gelöbnis“ von p.a.l., wo ich fast befürchtete, vom personal des clubs oder vom publikum fliegende gegenstände zu kassieren. das gesprochene intro war jedoch nur zur hälfte zu hören, da zwar der linefader am djm-800 offen, jedoch nicht beim crossfader auf „thru“ geschaltet war. die 20 sekunden fehlersuche waren jedenfalls für mich recht lang. die reaktionen aber überraschend positiv: harte, marschierende bassdrum bei 131 bpm, sowas wollte man wohl hören. entsprechend habe ich es auch genossen, ohne rücksicht auf verluste oder große ansprüche geradeaus zu brettern. ja, sogar publikumswünsche habe ich erfüllt – zwar nicht den der jungen dame, die mir ihr mobiltelefon mit einem „kalkbrenner (just once)“ entgegenhielt, was ich lächelnd mit einem kopfschütteln quittierte, aber dafür den einer reisegruppe jüngerer damen und herren. diese wollten – auf die aufkleber auf meiner laptop-schutzhülle anspielend – gerne was von modeselektor hören. bekamen sie: einmal mit „kill bill“ und da sie es sich ausdrücklich gewünscht hatten, die „hyper hyper“-coverversion zum schluss. fügte sich irgendwie beides ganz gut in das set ein, das ich um 6h30 mit „flux“ von sp-x auf komisch bei 136 bpm zu ende brachte. als ob es dem ego noch etwas nutzt, hatte ich am ende mit zweieinhalb stunden dann doch den größten anteil.
zum größten teil war ich auch mit mir zufrieden (online kommt das set jedoch nicht), einzig die feinjustierung des uc33e beim eqing im halbdunkeln wirkte sich als hemmnis aus – dies auch nicht zum ersten mal. zum besseren verständnis: in ableton benutze ich den dj eq, dessen sensibilität man sich mit eigenen parametern zurechtbasteln kann. analog zu dj-mixern wollte ich den nullpunkt bei höhen, mitten und tiefen auf 12 uhr legen. da bietet der uc33e aber keine stelle zum einrasten, stattdessen muss man sich am display orientieren: zeigt das die 64 (also die hälfte der 127 midi-noten) an, liegt man ungefähr richtig. da zumindest ich beim djing meist an mehreren knöpfen zugleich oder zumindest kurz hintereinander drehe, kommt das display nicht immer hinterher und ich muss im nachhinein zuweilen noch etwas mehr herauskitzeln.
ein ende der langen rede: die schablone ist mittlerweile so umkonfiguriert, dass der nullpunkt bei 127 liegt. so brauche ich mir im eifer des gefechts keine sorgen um zu starke betonung des basses oder übersteuerung (trotz integriertem limiter) zu machen, sondern kann ganz einfach beherzt voll aufdrehen.
sonst gab es keine probleme, nur einen kurzzeitigen audio-aussetzer zu beginn des sets, der wohl mit der latenz zusammenhängt. mal schauen, ob das weiterhin auftritt.
