der zeitplan ist draußen, daher kann ich auch den zweiten akt posten.
wird nach aktuellem stand mal wieder eine doppelschicht. jonzon hab ich ewig nicht mehr gehört und bis zu marcel – dessen albumveröffentlichung an diesem wochenende begangen wird – sollte schon drin sein. danach nachmittags bis herrn janson mitnehmen. ist ambitioniert genug.
berghain: marcel dettmann ii record release
00h00: jonzon
03h30: byetone live
04h30: marcel dettmann
09h00: ø [phase]
12h00: francois x
15h00: pete
18h00: shifted
21h00: gerd janson
00h30: marcel dettmann
panorama bar
00h00: margaret dygas
04h00: noze live
05h00: oleg poliakov
08h00: marc schneider
12h00: discodromo
16h00: dinky
20h00: nick höppner
24h00: âme / gerd janson
eintritt
14 euro
nachbetrachtung
erklärung / disclaimer: gerade „rave“ von herrn goetz zu ende gelesen und gedacht, dass ich seinen stil mit dem verbalisierten gedankenstrom doch auch hinkriegen müsste. und auf die gefahr hin, wie eine kopie zu wirken (alles, bloß das nicht!), mache ich das jetzt einfach mal so. wem das miss- oder gefällt, hat hier die bekannten mittel und wege.
2 uhr schon. an sich wollte ich ja mehr von jonzon mitbekommen. gegen diese lethargie nach dem weckerklingeln, der das vorschlafen beendet, muss ich noch eine strategie entwickeln.
jonzon selbst bestätigt das sprichwort, dass männer mit dem alter besser zu werden scheinen. trainiert, die haare abrasiert und nichts von seiner stilsicherheit eingebüßt. verkauft sich wirklich gut, in den ersten stunden da unten.
bekanntes gesicht, ich so: „hallo.“ – „hätte ich ja nie gedacht, dass ich dich hier sehe.“ – grinsend antwortend: „wenigstens einmal im monat.“ üblicher partysmalltalk auf der tanzfläche, im takt wippend, damit das gewissen beruhigt ist. schließlich regen mich die zaungäste, die wertvollen platz mit der analyse von was auch immer blockieren, mit schöner regelmäßigkeit auf.
also, immer noch gut, dieser jonzon. understatement, alte schule, mixing ok, sein kollege rok dürfte ihm da immer ein bis zwei schritte voraus gewesen sein. egal, auswahl und gespür für publikum zählen wenigstens genauso mit, das passte.
byetone erstmal mit sperrigem beginn, also zur abwechslung nach oben. margaret dygas hat nachmittags für gewöhnlich schöne momente, aber das herumspielen an den filtern strapaziert sie dieses mal über.
vor dem beginn des nôze-sets den logenplatz neben bühne und mit blick aus dem fenster eingenommen. kommen gerade rechtzeitig, bevor es losgeht und dann lässt der eine silberne laptop mit dem leuchtenden apfel sich ewig zeit beim hochfahren. abbruch des ganzen, zweiter versuch, startet erst gar nicht. war und bin ich nicht sonst immer dabei, apple-hardware über den grünen klee zu loben? nach einer kleinen weile am netzteil die sich drehende sonne, eine gefühlte halbe ewigkeit später (verspätung des setbeginns unausweichlich, ablenkung schafft wie immer der blick auf das geschehen vor der tür) zeigt sich der desktop. was machen diese musiker eigentlich mit ihren betriebssystemen, dass die so launisch reagieren? oder anders: muss sich der safari mit drei anderen programmen wirklich beim systemstart in den arbeitsspeicher mogeln?
also wieder runter, byetone immer noch unbequem. sets, bei denen man weiß, dass sie polarisieren werden. somit auch das bekannte publikumsverhalten: ein drittel sucht das weite oder die bar, der rest weiß damit in unterschiedlichen schattierungen etwas anzufangen. gut, dass und was er spielt.
nôze sind auch ganz ok, die letzte langsame nummer lädt zum schunkeln ein. panorama bar 25 sozusagen.
runter zu herrn dettmann, mit bekannten gesichtern plaudern. war die letzten male irgendwie zwingender, also der marcel. aber irgendwie trotzdem gut, dieses mal. oh, „losing control“. geht immer, nehm ich mit, auch wenn der kleine zeiger erst so zwischen 7 und 8 steht. sonst fehlt der moment, in dem marcel und mit ihm das publikum explodiert. dafür geht die reise tiefer. funktioniert auch, wenn man einfach mal lostanzt.
trotzdem pflichtbewusst nach dem set zur schlafpause. ein plan ist ein plan, bleibt ein plan und so weiter.
komisch, diese aufstehlethargie war an diesem nachmittag nicht wie sonst vorhanden. halbwegs stolz um viertel vor drei nachmittags an der tür, drinnen erstmal wieder an die lichtverhältnisse gewöhnen. mal wieder richtig viele gays hier, später nebenher erfahren, dass es eine große fetischveranstaltung in berlin gab und einige davon abends weitergemacht haben. kann ich nur gutheißen, sowas.
„inversion“ von cyrus läuft. wahnsinn, diese von basic channel in ewigkeit gegossene schönheit des dubtechnos, die ich mit ihren industrial-flächen schon ewig mal im berghain hören wollte. habe ich auch direkt pete als einstiegsplatte zugeschrieben, jedoch weit gefehlt: war die letzte von francois x. so hat pete mehr als zehn minuten zeit zur vorbereitung, sie spielen nämlich den gesamten track, worüber ich mich so offen freuen muss, dass ich mit einem leisen lächeln in der mitte der tanzfläche wippe.
berechtigter szenenapplaus, pete beginnt mit einer reduzierten dubstep-nummer und sorgt in den nächsten drei stunden bei mir für einen zustand, den ich seit ewigkeiten nicht mehr hatte. dieser augenblick, in dem die verbindung zwischen gehör, haut und körper dem hirn nur noch signalisiert, dass das viel zu toll ist, um jetzt irgendwie langsamer zu machen und absolut nicht zaghaft danach verlangt, bitte mehr adrenalin zu produzieren, woraufhin das hirn entgegnet: „ich find’s auch klasse. nachschub folgt prompt.“ schöner bewegungsdrang, jäh unterbrochen von einem tanzflächenüberquerer mit wenig gespür für solche zustände, gegen dessen schulter ich mit meinem kopf gerate. grimmiger blick meinerseits, keine platzwunde, überhaupt keine blessur, also weiter das set genießen. bleibt auch den rest der zeit über toll.
gar nichts von shift erwartet, eher so stereotypen berghain-whitenoise-techno, aber der herr überrascht positiv, insbesondere mit der „soul dancer“ von heiko laux. nach oben zu dinky zur entspannung, mir ist die tanzfläche jedoch zu voll und die couch an der bar oder vor den klos aufgrund des reality-tvs eh interessanter.
gerd janson sorgt wenig später für eine tolle geschichtsstunde, die auch bei der dritten schicht an besuchern gut ankommt. tolles finale mit „drama“ von derrick may. marcel tritt gegen halb eins zum zweiten mal ans pult, so dass ich mich zum aufbruch zwingen muss. berufliche pflichten eben, bei denen sich die sehnsucht nach einem dettmann-abschluss (ewig her, diese zeiten) hinten anstellen muss.
also ab zur garderobe, über den umweg über die in grellem blau erleuchtete panorama bar, in der kristian von âme bereits zugange ist. dies ist jedoch immer garant für latent vorhandene fülle. mit den üblich trägen beinen und der leichten hüftsteife, die sich nach mehreren stunden tanzen auf beton einstellt und dem leichten ohrensausen zu fuß nach hause. immerhin wartet dort noch restlasagne im ofen und sechs stunden schlaf reichen auch mal aus. dennoch die latente frage im hinterkopf, ob dies alles den halbwöchentlichen durchhänger wert ist. das schlechte gewissen hat jedoch auch in den tagen danach sendepause, dafür war’s einfach zu gut.