[berlin / 27.02.2014] columbiahalle: moderat

da hat sich nun wirklich spontan die möglichkeit ergeben. im vergleich zum debüt-album und dem dazugehörigen auftritt im wmf vor fünf jahren sind die dimensionen nun leicht größer. nichtsdestoweniger: „ii“ ist ein sehr schönes album, apparat nach einem motorradunfall vom letzten jahr wieder genesen und jon hopkins im vorprogramm dabei. dann kann ich nur hoffen, dass sie mit der raumakustik in der columbiahalle umzugehen wissen.

nachbetrachtung

kurz rekapitulieren, was ich vor fast fünf jahren zum konzert im wmf bei der tour zum ersten album geschrieben habe: „wer die acts für sich alleine schon zu schätzen weiß, sollte keine sekunde zögern.“ hatte es wohl damals nicht so mit übergreifenden fazits.

was habe ich von dem abend erwartet?
ablenkung von einer arbeitswoche, deren pensum man nicht unbedingt geschenkt bekommen möchte. den wmf-auftritt hatte ich noch als durchaus tanzbar in erinnerung. auch wenn es damals bereits nicht leer war, blieb irgendwie immer noch genügend platz.
seitdem ist viel passiert: modeselektor sind seitdem gefühlte fünf mal um den erdball gereist, bespielen in übersee stadien, kuratieren seit jahren auf dem melt! ihre eigene bühne, haben sich mit monkeytown und 50weapons auf eigene füße gestellt, kriegen zur fête de la musique erst die oderberger straße (2010) und dann auch noch den mauerpark gefüllt (2013). apparat entwickelt sich vom soundfrickler zum songschreiber mit band, kommt damit bei mute unter – auch nicht die schlechtesten referenzen. da mochte man denken, dass nach dem moderat-debütalbum auf bpitch erstmal nichts nachkommt, aber umso schöner war es, im letzten jahr zu lesen, dass man wieder gemeinsam im studio ist. der rest ist bekannt: „bad kingdom“ bekam auch im öffentlich-rechtlichen rundfunk seinen platz in der playlist, das album dürfte der bilanz von monkeytown ganz gut getan haben – zu recht, wie bereits eingangs erwähnt.
eine erfolgsgeschichte also, die diesen zusatztermin nach sich brachte. und bereits beim warm-up durch jon hopkins wurde klar, dass auch ein dritter durchaus drin gewesen wäre oder beim nächsten mal gleich die o2-world gebucht werden kann.

erstmal ein großes lob an das personal. bei der schlange vor der garderobe war ich schon gut dabei, mit den augen zu rollen, da ich bei der länge dachte, wenigstens eine halbe stunde dort verbringen zu dürfen. aber die damen und herren waren dort sowas von fix, dass das bei 100 anstehenden leuten nicht mal zehn minuten dauerte. großes kompliment!
das geht auch an den tontechniker. die columbiahalle ist nicht unbedingt für ihre tolle akustik bekannt, aber die line-arrays sorgten für einen schön ausgewogenen, druckvollen klang, der zumindest durch meine musicsafes so klang, als ob man es auch durchaus ohne gehörschutz hätte aushalten können.
ansonsten der größte kritikpunkt: es war tatsächlich zu voll. bis zur abmischung und dem posten der pfadfinderei ging es noch, ab da war kein weiterkommen mehr – es sei denn, man hätte es auf konfrontation angelegt. liegt mir nicht, wobei ich mir während des hopkins-sets beim ausdruckstanz des größeren herren direkt vor mir schon einige male auf die zunge beißen musste und dem herrn (vergeblich) mit wahrnehmbarem wegdrücken mit den unterarmen zu verstehen geben versuchte, dass er seine gewohnten 2 qm heute abend leider nicht ausnutzen darf. der ward bei moderat aber auch nicht mehr gesichtet.

erstmal jon hopkins: nichts erwartet, da „immunity“ als album nicht meine tasse tee war. aber scheinbar habe ich da auch nicht genau genug hingehört oder es hat mich auf dem falschen fuß erwischt – klang stilistisch wie ein aus border community mit afx-einschlag hervorgegangenen mischling, inklusive etwas wobble-basslines. für pop zu anstrengend, aber dennoch interessant, welche blüten clubmusik so treiben kann. bin während seines sets nur dem irrtum aufgesessen, dass die eine leinwand auch für den moderat-act benutzt wird.
weit gefehlt: deren setup stand hinter dem schwarzen vorhang. interessante idee, die vier leinwände in kreuzform aufzustellen, so dass quasi für einen 3d-effekt gesorgt wird. überhaupt wieder einmal schön auf die musik abgestimmte arbeit der pfadfinderei – kann man einfach nicht anders sagen.
die setlist war eher geprägt von den songorientierten tracks und auch vom aufbau her nicht das, was man gemeinhin erwartet. normalerweise kenne ich es von konzerten her so, dass die hits zum schluss kommen. „bad kingdom“ war jedoch relativ in der mitte dran und neben „a new error“ und „milk“ eines der tanzbaren stücke. mehr als hin und her wiegen und aufpassen, dass die eigenen gliedmaßen nicht in jemand anderes rippenregion landen, ging jedoch leider nicht. also stattdessen das gemacht, was ich andernorts mittlerweile als lästig empfinde: smartphone herausgekramt und die kamera getestet. nebeneffekt: hier das cyclone-slider-plugin installiert, womit man eigene slideshows für einzelne postings erstellen kann, und ihr bekommt zumindest einen kleinen visuellen eindruck von den lichtinstallationen.
musikalische wermutstropfen? naja, „porc“ und „ilona“ hätte ich zwar echt gerne gehört, aber geschenkt. ich fand die routine der drei sowie die live-stimme von apparat schwer beeindruckend und würde jederzeit wieder hingehen, wenn (!) denn die atmosphäre etwas entspannter ist. konzerte nur um des friedens willen von der seite zu beobachten, ist es für mich irgendwie nicht. gedränge allerdings erst recht nicht, und aufgrund dessen blieb der genuss für mich leider etwas auf der strecke.

ist allerdings ein nebenprodukt der popularität, mit dem man sich als beobachter / plattenkäufer / wegbegleiter arrangieren kann. verdient haben es alle beteiligten nach den leistungen beider sets allemal.

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