[berlin / 18.09.2015] tresor: tresor meets tectonic & vanguard sound

normalerweise ist es ja so, dass ein gutes tresor-line-up von dem am wriezener karree noch übertroffen wird. auch heute ist es ein kopf-an-kopf-rennen (electromotive force, ectomorph spielen live, dazu gibt’s dj hell), aber das zehnjährige tectonic-jubiläum ist es mir definitiv wert, der köpenicker straße den vorzug zu geben. auch, um mal wieder zu schauen, was sich so getan hat.

tresor meets tectonic & vanguard sound

tresor: 10 years of tectonic
pinch
peverelist
shed
2562

globus: vanguard sound!
amir alexander
hakim murphy
chris mitchell

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
da mein typ samstagmittag anderweitig verlangt worden war, konnte ich es nicht allzu lang werden lassen. daher waren es auch nur fünf stunden, aber für normale verhältnisse ist das ja auch schon was.

wie so häufig und gerne steige ich mit den kritikpunkten ein: ich fand die tür irgendwie seltsam. ohne schlange gegen 1 hingekommen, fragend guckend kurz davor stehend, bis ich ermuntert wurde, doch hineinzugehen. keine ahnung, ob ich mittlerweile so konditioniert bin, dass ich mich erstmal reinbitten lassen muss (wahrscheinlich doch zu viele clubs mit türpolitik besucht), aber ich hätte es schöner gefunden, mit einem kurzen „n’abend, kurzen augenblick bitte“ oder sowas begrüßt zu werden.
ein anderer wäre die immer noch vorhandene inkonsequenz beim durchsetzen des fotoverbots (was somit eher nach einer bitte anstatt einer regel aussieht). so schlimm wie im fabric ist es aber bei weitem nicht, dafür steht die party dann doch eher im vordergrund.
dann noch der letzte: es gibt keinen merchandising-stand mehr im garderobenbereich, stattdessen ist das ein eher stiefmütterlicher abschnitt mit kleiner bar, an dem man sich wahrscheinlich ganz gut ohne störenden durchgangsverkehr unterhalten kann. wirkt aber ein bisschen abgeschottet.

das war es aber auch mit den negativen seiten, es überwiegt tatsächlich das positive. nicht nur beim kleinen umbau unten im tresor: die zuvor mit den alten schließfächern irgendwie notdürftig hinimprovisierte linke hintere ecke ist wieder offen – keine schließfächer mehr, stattdessen eine weitere sitzecke. und es gibt absorber an der decke – wie die sich jetzt genau auf die akustik auswirken, kann ich jetzt nicht benennen. allerdings ist der sound unten tatsächlich nicht nur ordentlich, sondern für meine begriffe tatsächlich echt gut. leichter minuspunkt: tracks abgucken oder den dj durch das gitter fragen geht irgendwie schlecht, wenn der subwoofer direkt vor dem pult steht. naja, muss man vielleicht etwas mut aufbringen und nach hinten gehen.

musik gab es ja auch noch. zwar bekam ich nur die reste des dubstep-sets alter schule von pev und pinch zum anfang mit, war jedoch erstaunt, dass es besser funktionierte als 2008 (man erinnert sich: marcel heese und ich waren unsererzeit kläglich gescheitert, das mittwochs in der ersten stunde probieren zu wollen). zwar war es kein nach mehr schreiender mob, aber durchaus interessierte leute, wo ich fast das gefühl bekam, dass sie tatsächlich gezielt für das tectonic-jubiläum gekommen waren. peverelist gehörte dann die nächste gute stunde, in der er zum größten teil mir unbekannte (wahrscheinlich auch wie üblich so manch unveröffentlichte) tracks spielte, die sich aber im fahrwasser dessen abspielten, was auf livity sound und dem rückwärts betitelten schwesterlabel so passiert. pinch sorgte danach (fast wie zu erwarten) für das set des abends und legte gleich mit den brachialen rave-tracks der marke „mumdance & logos“ los. er blieb auch irgendwie in techno-gefilden, aber kaum mit gerader bassdrum. „fixed action pattern“ von surgeon war da eine ausnahme.
shed spielte so einiges aus den hotflush-anfangstagen („the knowledge“ von toasty bspw.) und in der zweiten hälfte auch (insgeheim erhofft) uk-hardcore. als produzent und live-act ist er mir jedoch lieber. kurz nach der übernahme durch 2562 musste / wollte ich auch schon wieder los, aber das bisschen war technisch und vom aufbau her schon sehr vielversprechend.
die ausflüge von oben waren nur kurz. amir alexander habe ich mir eine viertelstunde angehört und angesehen (rein optisch beim mitgrooven eine völlig andere welt als shed unten, aber das ist letztendlich auch immer eine typenfrage), was sehr schön nach melodischen neueren chicago-sachen im alten gewand klang.

wenn man die tatsache berücksichtigt, dass mit der electromotive force im berghain und anderen freitags geöffneten clubs durchaus andere schwergewichte um die gunst des publikums buhlten, war es für einen freitag mit tresor und globus doch erstaunlich gut gefüllt – für meine begriffe sogar richtig angenehm. das kann man tatsächlich auch über das publikum sagen. jedenfalls bin ich niemandem begegnet, bei dem ich aggressionspotential oder dergleichen befürchtet hätte. so simpel wie es sich auch liest, aber der tresor ist ein club, in dem die leute unkompliziert einfach mal zu hartem sound abfahren wollen. schön zu sehen, dass das freitags auch in einem von tectonic mittlerweile sehr offen definierten stil möglich ist. mein positiver eindruck vom letzten jahr, dass der tresor wieder auf dem richtigen weg ist, wurde mit dem tectonic-jubiläum bestätigt. es ist also an mir, wieder häufiger nägel mit köpfen zu machen und freitags (wenn nicht gar samstags) in richtung köpenicker straße aufzubrechen. eher freitags, weil mich die kombination aus tresor und +4-bar interessiert.
ich will nicht zu viel versprechen, aber ein weiteres jahr möchte ich damit sicher nicht warten. lieber wäre mir eine monatliche beobachtung, aber das artet mit den anderen pflichtterminen (berghain, staub) dann ja fast in arbeit aus, was für mich im privaten nun echt nicht sein muss. wird sich zeigen, was sich wann wie unterbringen lässt. zurück auf dem monatlichen radar ist der tresor jedenfalls.

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