[berlin / 13.03.2026] berghain: sound metaphors

ein halbes jahr ist es her, dass sie ihr zehnjähriges an einem freitag auf drei komplett gefüllten floors mit einer hervorragenden kuration gefeiert haben und ich gehofft habe, dass daraus etwas regelmäßigeres entsteht. und jetzt das.

sound metaphors

berghain

19:30 diamin
21:00 dopplereffekt live
22:00 the sabres of paradise live
23:00 bill kouligas
01:00 dj stingray 313
03:00 skee mask
05:00 vlada b2b konduku

panorama bar

22:00 dennis bovell
00:00 adrian sherwood live
01:00 sound metaphors djs
03:00 chaos in the cbd
05:00 tornado wallace b2b yibing
07:00 jonathan kusuma

nachbetrachtung

rein: 19:45 uhr
raus: 5:30 uhr

fazit vorab:

anwärter auf die jahresbestenliste. ich bin samstagfrüh zwar erschöpft, aber völlig zufrieden raus. klar besteht immer die gefahr, dass auf dem papier gut aussehende line-ups die hoffnungen nicht erfüllen, aber die sorge war völlig unbegründet. in nuancen gibt’s zwar immer was zu kritisieren, aber ich fand’s musikalisch wenigstens sehr gut bis hervorragend. und darüber hinaus schön zu sehen, dass eine derartig exzellente kuration so gut angenommen wird.

ausführlicher:

diamin hätte die aufgabe des warm-ups für dopplereffekt nicht besser meistern können. das war zwischen ambient, abstraktem, dubstep, ein wenig technoidem alles völlig schlüssig und zum ankommen perfekt. kann / sollte sie gerne sonntags zum gleichen slot wiederholen, wenn’s nach mir geht.

bei dopplereffekt kann ich verstehen, warum sich daran die geister scheiden. hab sie jetzt zum dritten mal gesehen, und beim ersten mal ging’s mir genauso.
ich fand’s nach ihren ersten 10-15 ambient-minuten überraschend funktional. der abrupte halt auf freier strecke mit der handbremse (im klartext: einen sehr tanzbaren electro-track einfach stoppen, um das ganze wieder mit einer zaghaften fläche neu aufzubauen, das passierte mehrere male) bringt viele im clubkontext raus, wenn sie sets mit einem flow erwarten. mich fasziniert eher das zwischenmenschliche zwischen michaela no-than bertel und gerald donald. was oberflächlich den eindruck von ihr in der statistinnenrolle macht, ist für ihn wahrscheinlich elementar, um das durchstehen zu können. da kann die musik so steril oder das set so wirr sein wie es will – am ende freut’s mich, dass die beiden es durchgezogen haben.

diejenigen, die auf den flow warteten, bekamen ihn bei the sabres of paradise. sie standen lange auf meinem hausaufgabenzettel, so dass ich mir „haunted dancehall“ erst im laufe der letzten woche mal angehört habe. schwer, dem ganzen eine stilschublade zu geben. „leftfield“ passt führ ihre erste downbeat-geprägte hälfte wohl am besten. die fand ich auch besser, gerade weil die zweite sehr technoid-melodisch und damit so ausfiel, wie acts halt denken, dass sie im berghain spielen müssten. war jedoch toll anzusehen, wieviel spaß die beiden hatten. find’s daher auch legitim, funktional zu spielen und damit einfach mal abzuräumen.

bill kouligas hat’s mir nicht leicht gemacht, einen abstecher zu dennis bovell zu machen. schnittmenge aus breakbeats, electro, etwas technoideren sounds, stets mit einem auge richtung experimentierwillen. und das, ohne die tanzfläche dabei aus den augen zu verlieren.
oben zwar auch eine volle tanzfläche, aber mit wippendem oder interessiert lauschendem publikum. dennis bovell mit dub, reggae oder auch latin music und damit das, was mensch sich unter kenner*innen im plattenladen vorspielt. nur halt im club.

bei adrian sherwood hatte ich ein wenig sorge um die fenster der panorama bar – so sehr hat das vibriert. dub zwischen digital und roots in bestform – richtig, richtig gut.

an dj stingray hatte ich ehrlicherweise keine erwartungen, da er in den letzten jahren durchaus sets gespielt hat, bei denen er sich dem trend des härteren techno andiente. erneut hat sich gezeigt: richtiger ansatz (also der, ohne erwartungen ranzugehen). den haudrauf-techno gab es zwar, aber höchstens zu einem viertel und dann meistens mit exzellentem timing auf einen electro-track folgend. das hat richtig spaß gemacht.

skee mask hat danach (auch wieder: verständlich) etwas druck aus dem kessel genommen. mir neu, dass er größtenteils mit vinyl und dabei technisch so versiert wie eh und je spielt. ein „nur“ von techno und house mit ausflügen richtung ebm oder der bereits erwähnten raster-noton geprägtes set. das „nur“, weil’s im vergleich zu seinen stilistischen parforceritten vor acht, neun jahren an ort und stelle gemäßigter war, aber erstens: der kürze der zwei stunden angemessen. und zweitens mit blick auf die tracklist definitiv abwechslungsreicher als so mancher sonntag. mit der mischung würde er dort mittags / nachmittags super passen. wenn jemensch weiß, welche funk/jazz-nummer er so 30-40 minuten vor schluss gespielt hat, gerne melden.

notierte tracks*

diamin

david toop – boneless
biosphere – startoucher
monolake – alaska (substance remix 1)

bill kouligas

korzi – footslog (hedchef heat exhaustion mix)
kluentah – give up the gods

dennis bovell

winston sinclair – come on little girl
spahni’s dub dancers – skalude in minor c

dj stingray 313

drexciya – cascading celestial giants
client_03 & james shinra – decommission me
martyn bootyspoon – buss down
lurayana – tidal wave (manao remix)
cvnsumed – ethical autodafé
sanchez – amalgama
k-65 – catch me down
privacy – go
k-65 – matador
lockjaw – i am
mr. dé – shake it baby
detroit in effect – work it
clatterbox – storm drain

skee mask

robert armani – circus bells (armando’s mix) (erster track)
jeff mills – the resolution (direkt danach)
navario sauro – lancia delta integrale 16 v
afx – pwsteal.ldpinch.d
e-dancer – pump the move
the neon judgement – the fashion party
mu – paris hilton
surgeon – floorshow pt. 2-4 (direkt danach)
dj rush – loco
traktor – master traktor (direkt danach)
afx – a f x 2 (direkt danach)
x-101 – sonic destroyer (direkt danach)
hallucinator – goldcoast
dave clarke – zeno xero
container – radiator
aoki takamasa – rn2-09 pt1 + pt2
dj deeon – groove mode
der zyklus – elektronisches zeitecho (letzter track)

*: mit sehr tatkräftiger unterstützung aus der restrealitaet.

[berlin / 18.10.2019] berghain: pan x mannequin

scheint sich in den letzten jahren auch zu einer art pflichttermin zu entwickeln. dieses mal zwar mit weniger live-acts, aber dennoch ist der anteil an für mich unbekannten protagonisten (unten) grund genug, dass ich zeitig hingehen sollte.

berghain: pan
00h00 crystalmess b2b toxe
01h30 slikback
03h00 pelada live
04h00 tzusing
05h30 amnesia scanner b2b bill kouligas
07h00 objekt

panorama bar: mannequin
00h00 jasss
03h00 legowelt presents gladio live
04h00 identified patient
06h00 alessandro adriana b2b phase fatale

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
es begann als odyssee, einen cash-group-geldautomaten in berghain-nähe ausfindig zu machen. den der commerzbank am ostbahnhof gibt es noch (mittlerweile sogar mit straßenzugang), aber dessen tür war verschlossen und ließ sich mit meiner karte nicht zur mitarbeit überreden. musste da also kapitulieren und bin mit restgeld die altbekannte route am bahnhof und hellweg sowie der bis zum imbiss reichenden schlange vorbei, so dass ich erst um 2:30 uhr im club stand.

dem leicht holprigen start zum trotz: musikalisch landete der abend locker in meiner top 3 der berghain-saison 2019. keinerlei ausreißer nach unten, wenigstens gut (pelada), meistens außergewöhnlich. für legowelts verspielt-verträumtere tracks muss ich in der stimmung sein, er hat es bei mir leichter, wenn er – wie dieses mal – rauher spielt.
identified patient mit viel electro sowie kleinem drum&bass-ausflug, tzusing mit viel uk-einschlag und etwas techno zwischendrin. amnesia scanner und herr kouligas spielten zunächst samstags-kompatibel, wurden dann aber merklich ravig (im positiven sinne).

bei objekt bemühe ich mich gar nicht erst um neutralität: wieder mal heißer kandidat für das set des jahres. begann mit techno, war aber nach einer dreiviertelstunde bei hardcore angekommen, wo shazam regelmäßig versagt hat. sollte jemand vor ort gewesen sein, der*die tracks aus dem stegreif weiß, bitte kommentieren oder eine mail schicken (tippe u.a. auf drop bass network, aber hab deren diskographie nicht mal ansatzweise durchgearbeitet). dann über halftime und polyrhythmie zurück zu electro, womit er das kunststück vollbracht hat, den floor ab kurz vor 9 uhr bei hellem, das ende andeutendem licht nochmal zu füllen, so dass erst um 9:30 uhr schluss war. einfach ein wahn-sinns-set, mal wieder.

notierte, zum absoluten großteil durch shazam herausgefundene tracks:
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[berlin / 25.11.2016] berghain: pan / larj

da hatte ich in der rezension zum 19. gerade den freitag erwähnt, und da ist es auch schon wieder soweit. klar, wegen objekt, helm und pan im allgemeinen (weil mir die hälfte von ihnen nichts sagt), aber in meinen paar jahren als clubgänger habe ich noch nie ata gezielt gehört. das soll sich auch ändern.

berghain: pan
21h00 flora yin-wong
21h45 steven warwick live
22h30 tcf live
23h15 helm & embassy for the displaced live
00h00 nidia minaj
01h30 m.e.s.h.
03h00 yves tumor live
03h30 objekt
05h00 pan daijing live
06h00 bill kouligas

panorama bar: larj
00h00 lawrence
03h00 chinaski live
04h00 benedikt frey
07h00 orson wells

eintritt
21 bis 24 uhr: 18 euro, danach 15 euro

nachbetrachtung
(nachgereicht am 24. juni 2019.)

für mich eine der top 3-nächte im berghain 2016, obwohl ich die konzerte vor mitternacht leider verpasst habe und mich in der panorama bar nur mal kurz habe blicken lassen, als im berghain feierabend war. aber wie das alles trotz großer musikalischer vielfalt unten im berghain funktionierte, versetzte meine skepsis gegenüber festgefahrener hörgewohnheiten und damit ansprüche des publikums in die sendepause. andererseits haben sub:stance, leisure system, polymorphism und co. dafür gesorgt, dass sich freitags auch leute mit anderem geschmack auf den weg machen.

nidia minaj: spielte samba-infizierte rhythmen, was (wie der rest der acts unten übrigens) erstaunlich gut funktionierte. als beispiel: dj don macelo – rio zambeze (zazigiza)

m.e.s.h.: gebrochene uk-bass-schule im techno-tempo. trackauswahl:
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yves tumor: im gegensatz zu seinen alben (damals war er noch nicht bei warp) mit wesentlich mehr noise. sprang von der bühne in die menge, die einen kleinen moshpit gebildet hatte. kurz, heftig, gut.

objekt: shazam quasi im dauereinsatz. fing ganz langsam um die 90 bpm an, schluss dann mit techno bzw. artverwandtem. wahnsinn, wie meistens. trackauswahl:
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pan daijing: wirkte live natürlich anders als über kopfhörer / lautsprecher daheim, hat bei mir aber trotzdem leider nicht den impuls ausgelöst, die alben zu kaufen.

bill kouligas: gekonnter schluss mit ebenfalls noisigem anfang. trackauswahl:
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wie sich an der anzahl herausgesuchter tracks (gerade wieder einmal beim objekt-set) erkennen lässt: überaus inspirierend und erfrischend, dieser abend bzw. morgen.