[lärz / 26.-30.06.2014] fusion

ich bin dann ab morgen mal für ein paar tage weg. der ausschnitt unten deutet meine ticket-option an, die das angenehme mit dem nützlichen verbindet: bei verlosung und ticketbingo leer ausgegangen, aber im mai kam die e-mail, dass noch arbeitsamt-schichten vergeben werden können. ein paar e-mails und wochen später (genauer, am 10. juni) hatte ich dann endlich das pdf im postfach. auf der fusion wollte ich eh in den letzten jahren gerne mal arbeiten, nun ermöglicht mir das den zutritt und die ersparnis beim ticketpreis. lässt sich schon mal gut an, und das programm ist wieder mit dermaßen viel neuen namen gespickt, dass ich am montag mit dem „wo ist nur die zeit geblieben“-gefühl heimfahren werde.

fusion2014

nachbetrachtung

da seit der 2014er-fusion und der nachlese mittlerweile fast anderthalb jahre vergangen sind (die nachbetrachtung habe ich doch schon am 28. oktober 2015 verfasst), wird es leider nicht so ausführlich wie in den jahren zuvor. muss ja auch nicht immer sein, werde deswegen aber auch nicht damit beginnen, das smartphone ständig für notizen zu zücken.

was ist denn so alles auf der pro-seite hängengeblieben?

  • der gute start mit dem unverhofften upgrade bei sixt, das mir einen audi a1 bescherte. zwar die größere variante als fünftürer, mit der man zu dritt inklusive gepäck gut hinkommt, und im gegensatz zum vorjahr mit navi, so dass aufgrund eigener verplantheit keine ungeplanten umwege in kauf genommen werden mussten. zum schlafen taugte das flotte automobil ohne zweifel, aber aus gründen der geräumigkeit beschloss ich, künftig die mehrkosten für einen kombi auf mich zu nehmen.
  • wie entspannt das alles über die bühne ging. man erinnert sich: lange diskussionen um wirklich konsequent durchgesetzte kontrolle der tickets, doppelzaun zur vermeidung unschöner klettergeschichten mit verlust mancher gliedmaßen und dann vor ort noch ein jeton-system. im vergleich zu früher also um einiges mehr an kontrolle, was sich aber aus meiner sicht als gast sehr angenehm bemerkbar gemacht hat. es war zwar allerorten gut gefüllt, jedoch nicht überlaufen. klar zogen die hauptacts wie fettes brot auf der hangarbühne einiges an leuten an, aber obwohl sie ihren slot mit der angenehmen mischung aus routine und spaß an der freud über die bühne brachten, interessierte mich das nur eher am rande.
    von dem jeton-system bekam man erst etwas mit, als man sich vom family-space auf den weg richtung fußgängerbrücke machte, aber allzu lange warteschlangen habe ich dabei auch nicht mitbekommen. lief fast im wahrsten sinne des wortes gut hand in hand.
  • wie schön es war, dem festival endlich mal mit arbeitskraft helfen zu können, auch wenn meine aufgabe samstag von 10 bis 16 uhr darin bestand, autos an der landstraße zu zeigen, welche einfahrt sie nehmen können – also entweder die richtung parkplatz für die botschaft oder gleich richtung festivalgelände, wenn die leute schon ein bändchen hatten. ein nicht unerheblicher teil des verkehrs bestand jedoch aus den artist-shuttles, die man beim spätestens dritten durchlauf auch alle kannte. den meisten teil der zeit konnte ich einfach nur am rand herumstehen und warten.
    grundsätzlich aber klasse, weil mir dies den kauf des tickets ermöglicht hatte (und ich obendrein auch noch 40 euro wiederbekam). nicht so klasse, dass ich von denjenigen, die in den genuss der „ticket gegen arbeit“-option gekommen waren, zu dem drittel gehörte, das sich auch tatsächlich zum einsatz gemeldet hat, so dass es dies zukünftig so nicht mehr geben wird. stattdessen eben das supporter-system, das in 2015 zwar mit ähnlichen problemen zu kämpfen hatte, jedoch längst nicht in dem ausmaß.
  • die pfandkästen an wichtigen durchgangspunkten, damit die flaschen nicht auf wege oder wiesen geschmissen werden. waren eine tolle ergänzung zu den containern am rande der tanzflächen.
  • das mapping der visuals auf der hangarbühne. nicht nur bei den acts, sondern gerade bei den umbaupausen mit den sich bewegenden roboteraugen inklusive dazugehöriger sounds. dies nur stellvertretend für alles, was (wieder einmal) in puncto dekoration auf die beine gestellt worden ist. beim weidenwald neben dem trancefloor konnte man die tollsten ideen für lagerfeuer sowie skulpturen beobachten. liebe zum detail eben. ach ja, den gabba-floor habe ich noch nicht erwähnt: telefonzelle vor dem kino, ein ständig laufender loop bei 180 bpm, drinnen led-strobo und so viele leute wie möglich quetschen sich rein. war nur zu viert drin, es haben aber auch acht gleichzeitig versucht.
  • damit die acts mal abgehakt sind: resom und don williams donnerstag abend auf dem querfeld. beide technoid unterwegs, wobei don seine tresor-sozialisierung sehr hat durchblitzen lassen. rennt bei mir mit sowas aber bekanntermaßen offene türen ein.
    cristian vogel an gleicher stelle freitag früh, der ziemlich viele perlen aus der plattentasche zog („r.e.s.p.e.c.t.“ von love inc. bspw., aber auch vieles seiner eigenen älteren tresor-sachen). fil auf der hangarbühne freitag mittag, zwar mit ähnlichem repertoire wie in den jahren zuvor, aber hebt die stimmung immer noch ungemein.
    extrawelt freitag nacht auf der turmbühne hatten auch was für sich, war aber auch ordentlich voll dort. reeps one im chai wallah habe ich leider nur zum schluss mitbekommen, aber der zählt zu der „den sollte man auf dem zettel haben“-fraktion – beatboxing vom feinsten.
    dann noch die performance von cie pipototal samstag abend an der casbah und anschließend pinch als absoluter held auf dem querfeld. auch wenn es da schon ordentlich regnete, war das so fesselnd, dass es auch egal war, gerade etwas eingeweicht zu werden. turbostaat hinterließen auf der hangarbühne auch einen sehr guten eindruck.
  • immer noch am nachhaltigsten in erinnerung: wie viel die fusion in diesen vier tagen zur akzeptanz einer sich anbahnenden (und dann auch eingetretenen) jobtechnischen enttäuschung  beigetragen hat. das schlug vor (und während) der fusion bis auf das selbstwertgefühl und auf die laune durch, was auch teile des umfelds abbekamen. aber wie das gemeinsam geklärt werden konnte und wie egal es dort ist, inwieweit man sich irgendwie verkaufen muss, sondern stattdessen vorbehaltlos als der mensch akzeptiert wird, der man ist, war in den tagen eine erkenntnis, die mich nach der fusion einiges entspannter hat sehen lassen. mit dem mehr als einen jahr dazwischen hat sich die oben erwähnte enttäuschung übrigens in ernüchterung umgewandelt, aber das steht alles auf einem anderen blatt papier.

und was gab’s für negative seiten?

  • auf den vordersten plätzen tut sich aber auch nichts: seit jahren ist der running gag vorne – schon wieder kein theaterstück gesehen.
  • als zweites: die stehpisser, obwohl es an rinnen nun echt nicht mangelte.
  • das wetter verdient eine gnaden-4, aber beileibe nicht mehr. hatte glück, dass es samstag früh vor meiner schicht schüttete, währenddessen jedoch nicht. dafür ging es wie erwähnt nachts bei pinch wieder los und dauerte bis in den frühen sonntagmorgen, was alleine deswegen ärgerlich war, weil spiral tribe quasi komplett auf der turmbühne spielten und sich da schon pfützen gebildet hatten. ich habe die turmbühne noch nie so leer gesehen – eventuell waren es 50 leute, wenn man großzügig ist. hatte aber auch seine positiven seiten: im kino habe ich mir noch „der böse onkel“ von urs odermatt angeschaut – zwar alles andere als leichtverdauliche kost, die ganz sicher zu kontroversen anregt. aber es zeichnet die fusion aus, mit sowas anstöße in welche richtungen auch immer zu geben.
  • wie eigentlich immer: zu viel verpasst zu haben, weil man eher mit herumstreunen beschäftigt ist. filastine hätte ich sehr gerne mal wieder gesehen, die goldenen zitronen ebenfalls (war jedoch im luftschloss aussichtslos), gleiches gilt für the soft moon. cgb-1 an der dubstation war auch bestimmt toll. hat man aber mal akzeptiert, dass man auf der fusion beim besten willen nicht alles mitnehmen kann, lebt sich’s auch gleich entspannter.

wie man also sieht: es überwiegen die positiven seiten, war ja auch nicht anders zu erwarten. man muss auch mal anerkennen, dass die erweiterten kontrollen eher dem schutz der gäste dienen, damit dies kein für viele beteiligten unentspanntes festival wird (sei es wegen abgetrennter finger oder einem nur mit zen-ruhe hinzunehmenden füllgrad am freitag oder samstag). für mich war es trotz der stattlichen größe von 60.000 teilnehmern eine der entspanntesten ausgaben der fusion, die einfach nur besseres wetter und vor allem diszipliniertere teilnehmer bei den arbeitsamt-tickets verdient hätte. gerade letztere sollten sich durchaus mal vergegenwärtigen, dass das festival auch vom einsatz der besucher lebt und es eigentlich fahrlässig ist, dies mit füßen zu treten. es spricht zwar für die fusion, hierbei erstmal einen vertrauensvorschuss gegeben zu haben, aber wenn dieser massenhaft verspielt wird, ist es nur konsequent, das arbeitssystem weiter zu formalisieren, wie es dann in 2015 passiert ist.

ansonsten wie immer: eine klasse für sich. stand für mich mal wieder sonntag abend fest, 2015 zurückkehren zu wollen.

[berlin / 21.06.2014] berghain: csd-klubnacht

und da ist er – der monatliche termin am tag der alljährlichen lgbt-parade. bin, wie jedes jahr bei der gelegenheit, in erster linie neugierig, wie sich das publikums- und stimmungstechnisch niederschlägt.

csd-klubnacht

berghain
00h00 fiedel
04h00 tama sumo
08h00 roger23
12h00 steffi
16h00 marcel dettmann
20h00 dvs1
24h00 boris

panorama bar
00h00 roi perez
04h00 virginia
08h00 michael serafini
11h00 honey dijon
14h00 massimiliano pagliara
18h00 jason kendig
21h00 nd_baumecker
01h00 roi perez

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
wie das nun mal immer so ist, wenn man mit den nachbetrachtungen ein jahr lang wartet: es fehlen die detaillierten erinnerungen.
fest steht, dass tama sumo für mich im berghain so wirkte, als ob sie da monatlich spielen würde – so souverän war das. fest steht aber auch, dass das set von roger23 auf mich einen echt zerfahrenen eindruck machte. zwar ging er schön zu seiner musik mit, aber das hilft nichts, wenn der aufbau für mich den roten faden vermissen lässt. daran ändert auch (und da sind sie noch, die details) „you gotta say yes to another excess“ von yello (im original, nicht im furiosen jam&spoon-remix) nichts. da fiel die schlafpause auch nicht schwer.
zurück war ich bei herrn dettmann, wegen dem ich leider zu wenig von massmiliano mitbekam. dvs1 für mich auch wie immer unten: treibend, aber mir auf dauer zu monoton. dafür war nd wieder in gewohnt guter form, so dass ich lieber oben blieb und recht zeitnah nach seinem set ging.

rückblickend betrachtet trotz csd eine klubnacht im guten mittelfeld 2014 – nicht mehr, nicht weniger.

[berlin / 13.06.2014] suicide: sechs jahre killekill

da schaue ich mal rum.

killekillsix20140613

line-up
hard ton live
snuff crew live
dj spider
frank bean
hanno hinkelbein
dj flush
sebastian kökow
mareen
the 29novfilms visuals

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
wird weniger eine nachbetrachtung, eher eine nüchterne analyse des status quo. aber erstmal das wesentliche.

anwesend: von 22h30 bis 5h30, mehr ging nach der arbeitswoche wirklich nicht.
mitbekommen: sebastian kökow (die ersten drei stunden bis hard ton draußen, solide), frank bean (ab 1h30, drinnen, wurde also mal umgekehrt verfahren als üblich, indem die leute erst in den garten kamen und der club erst danach öffnete – davon abgesehen war er für mich der höhepunkt. viel detroit, electro kam auch nicht zu kurz – er bleibt eben massiv unterschätzt.), hard ton (draußen, ab 3, wie in der berghain-kantine letztes jahr stimmlich und showtechnisch absolut überzeugend), snuff crew (wesentlich fordernder als das letzte mal im berghain, steht ihnen gut).
füllgrad: so zwei drittel bis drei viertel, fand ich ja ganz angenehm so, ist aber aus veranstaltersicht wieder eine andere geschichte, womit ich den übergang zum eigentlichen thema hätte.

es ist einigen nicht entgangen, dass ich in den letzten gut 11 monaten nicht mehr unter der killekill-flagge gespielt habe. angefragt war zwischendurch einmal der 3. märz im so 36, aber da kam bekannterweise die individuelle lärmempfindlichkeit dazwischen.
davon abgesehen war der 31. juli letzten jahres in der berghain-kantine das letzte mal, und das war aus meiner sicht zumindest publikumstechnisch enttäuschend. im suicide selbst hatte ich mitte märz 2013 das letzte mal das vergnügen, was zum siebeneinhalbstunden-set draußen in der holzhütte führte. der garten wurde zwischenzeitlich von amts wegen geschlossen, aber an sich kann ich mich nicht daran erinnern, den suicide mit einer leeren tanzfläche hinterlassen zu haben. daher konnte ich mir die funkstille nicht erklären, die in puncto anfragen herrschte.
zugegeben: meine präsenz auf killekill-parties oder im büro hat aufgrund dieser tatsache gelitten. hinzu kommt ein aktuell eh sehr fordernder vollzeitjob, der für ein ausgeglichenes konto und somit für den luxus sorgt, dass ich das djing nach wie vor als hobby begreife (was sich auch nicht ändern wird). musikalischer mehrwert ist also für mich wichtiger als nur nach dem aktuell angesagten gusto und obendrein immer nur das gleiche zu spielen, auch wenn das wie im about blank im mai auch mal schön danebengehen kann. durch den schwerpunkt auf dem hobby-aspekt geht mir auch jeglicher drang ab, mich vermarkten zu wollen. das bedeutet: keine facebook-postings am laufenden band, somit kein hundertfaches „mir gefällt dieses und jenes“ und nicht alle zwei, drei wochen ein neues set, das nach aufmerksamkeit geifert. bei killekill hatte ich auch lange zeit den eindruck, als würde der fokus auf dem inhalt liegen und war entsprechend glücklich darüber, hin und wieder mit einem schönen maß an narrenfreiheit machen zu können, was mir so liegt. und trotz einiger experimente und einzelnem unverständnis beim publikum hat das im suicide bislang erstaunlich gut geklappt.
da sich mein konterfei trotz allem immer noch auf der killekill-seite bei den artists befindet, gab es für mich also klärungsbedarf. zu einem wirklichen ergebnis ist es zwar auch dadurch nicht gekommen, wohl aber gibt es über so manches mehr klarheit, was eben zu dieser analyse führt.
wer die freitage und samstage im suicide gegenüberstellt, kommt schnell dahinter, dass der techno- und dabei wohl besonders der killekill-freitag aus dem standard-techhouse-korsett ausbricht. leider bringen die samstage durch die gut etablierten namen und ebenso etabliertem (aber leider stereotypem) stil einiges mehr an profit, da genau dies beim laufpublikum an der warschauer brücke oder denen, die im reiseführer davon gehört haben, auf viel gegenliebe stößt. die leute bleiben länger, trinken mehr, der chef ist zufrieden.
dagegen der killekill-freitag, der sich durch ein gewisses mut zum risiko auszeichnete, sich aber nun vorwürfe beim vergleich zu den samstagen gefallen lassen muss, wenn die leute aufgrund vermeintlich zu anstrengender musik ab 6 uhr früh den heimweg antreten. von betreiberseite her werden nur die reinen besucherzahlen und der barumsatz gewertet – das musikalische ist dabei absolut nebensächlich. es wird also schwieriger, ambitionierte leute mit kleinerem namen für das line-up zu verkaufen. dies erfordert mittlerweile ein gutes maß an überzeugungsarbeit und führt als konsequenz dazu, dass diejenigen gefragt werden, die eh bereits gut vernetzt sind und deren gästeliste wenigstens 30 leute mehr verspricht (alienata ist da ein beispiel, sebastian kökow das andere). leute wie axiom, frank bean oder eben ich haben hierbei das nachsehen, da wir aus sicht von dj flush eben ein risiko darstellen. wenn’s gut läuft, kräht niemand danach, aber wenn nicht, wird es auf ihn zurückgeführt. der mut zu experimenten schwindet also zugunsten der kompromisskandidaten.

besonders glücklich macht flush diese situation nicht, das glaube ich sogar. ich verstehe auch, dass andere, besser vernetzte vollzeit-szene-aktivisten eher gefragt werden – alles kein problem. was ich an killekill jedoch zu schätzen gelernt habe, war die experimentierfreude, die sich an diversen mittwochabenden in der berghain-kantine zwar selten richtig auszahlte, aber der reihe einen guten rückhalt sichern konnte. das label schlägt auch gerne in die gleiche kerbe, aber mit der eben geschilderten diskrepanz im verhältnis zwischen der suicide-chefetage ohne jegliches verständnis für musikalische abenteuer und dj flush, der ein breites interesse mitbringt und den freitag im suicide betreut, wird der club-aspekt der reihe zwangsweise in eine richtung geführt, die ich nicht sonderlich gut finde. auf sicherheit bedachte bookings und somit austauschbare sets gibt es in dieser stadt zuhauf, da stünde es einem recht prominent platzierten laden wie dem suicide ganz gut zu gesicht, inmitten des auf massenamüsement ausgelegten raw-geländes einen akzent zu setzen. andererseits scheinen die finanzen da mittlerweile in dem maß zu regieren, dass man inhaltliche ansprüche gerne weiter hinten anstellt (das mikz ist das andere traurige beispiel). klar ist es toll, bezüglich des areals die nachricht zu hören, dass die bezirksverordnetenversammlung von fhain-xberg für dessen bestandsschutz gestimmt hat, aber am ende wäre auch der bau von townhouses auf das gleiche hinausgelaufen: ein besitzer sichert sich das filetstück und vermietet möglichst teuer. dies ist bereits aktuell der fall, was die clubs auf dem gelände in die zwangslage versetzt, möglichst profitabel zu wirtschaften – mit bekannten konsequenzen.
natürlich wünsche ich killekill alles gute zum sechsten. aber da in der situation keiner so wirklich glücklich werden kann, wäre es nur konsequent, sich andere, meinetwegen kleinere orte zu suchen, wo der inhalt am ende mehr zählt als prall gefüllte kassen. aber gut, vielleicht bin ich auch etwas zu naiv-optimistisch, wenn ich annehme, dass die stammkundschaft einen ortswechsel ohne weiteres mitmacht. dennoch fände ich es besser, wenn bis zum siebenten geburtstag etwas passiert. meine lust darauf, wieder etwas regelmäßiger in den suicide zu gehen, ist mir jedenfalls vergangen, das wird mich aber dennoch nicht davon abhalten, am 11. juli dort das comeback zu feiern (wenn man mich nach diesen zeilen noch lässt).

[berlin / 16.05.2014] berghain: not equal / finest friday

wie schon zwischen den zeilen angekündigt, geht’s zum zweiten mal in diesem monat in die kathedrale. bin gespannt, ob mika vainio clubtauglich spielen und laurent garnier so gut wie im november sein wird. orphx und die restlichen überraschungen im berghain-line-up nehme ich sowieso gerne mit.

notequal20140516

berghain: not equal
00h00 moon wheel
02h00 mika vainio live
03h00 opium hum
04h00 nhk‘ koyxen live
05h00 orphx live
06h00 bill kouligas

panorama bar: finest friday
00h00 alex kid
03h30 laurent garnier
08h30 marc schneider

eintritt
14 euro

logbuch

meine damen und herren – ich darf ihnen heute die kleine, manchmal mehr und manchmal weniger redselige, schwester der nachbetrachtung vorstellen: das logbuch, eine sammlung von notizen, die ich während der laufenden party im modernen kommunikationsmittel ansammle. das alles inklusive nennung der sternzeit. dahinter verbirgt sich das simple kalkül, bei den nachbetrachtungen nicht mehr in verzug geraten zu wollen, außerdem gewinnt es durch die zeitnähe an authentizität und bietet dem leser somit hoffentlich eine ablenkung vom üblichen schema.

02:10: doch schon drinnen. lieber vorschlafen und lange auskosten als unkonzentriert und in 30-sekunden-intervallen gähnend durch den club zu streunen, um das schauspiel eher im halbschlaf von der couch mitzubekommen. herr vainio mit drones und interessiert schauendem publikum. einen neueren korg electribe konnte ich u.a. als hardware identifizieren.
02:44: mika vainio hat vorzeitig die bühne verlassen. die gründe finde ich schon noch heraus, aber bis dahin war es der gewohnt unbequeme angriff auf die physiognomie mit hilfe tiefer und hoher frequenzen. wenn man nicht ganz arhythmisch veranlagt war, ließ sich auch ein takt ausmachen. alexkid übernimmt derweil oben die mission, die tanzfläche pünktlich für herrn garnier zu füllen, was mit forderndem, beinahe technoidem house auch sehr gut gelingt.
03:51: alexkid konnte herrn garnier eine gut gefüllte tanzfläche übergeben, aber auf dauer waren die tracks doch sehr austauschbar. funktional, ja, aber irgendwie nichts dabei, was nachhaltig im gedächtnis bliebe. laurent hält gleich von beginn an mit melodien entgegen, während opium hum den neuaufbau unten mit industrial-ästhetik à la blackest ever black und mit langsamem tempo zwischen 100 und höchstens 120 bpm echt gut hinbekommen hat. zwischenzeitlich standen orphx auf der bühne, nahm daher an, dass der live-act-slot getauscht wird. nicht der fall, nhk’koyxen übernimmt vorzeitig.
04:29: dramaturgisch ist der abend im berghain bislang schon riskant. nhk begann technoid mit entsprechendem tempo, um nach zehn minuten wieder abrupt auf gefühlte 100 bpm zu drosseln. bin zwar kein live-act, hätte aber dennoch versucht, das umgekehrt anzupacken. nichtsdestotrotz ist das publikum bemerkenswert geduldig und die tracks an sich interessant genug, dass ich die veröffentlichungen des jungen herrn vor dem hintergrund, die in meiner sammlung zwischen 100 und 120 bpm klaffende lücke an tracks mit gewisser härte zu füllen, mal anhören werde. bei laurent ist es hingegen wie immer – vor allem voll. gewusst wie, halt.
06:23: laurent spielt „what time is love“ von klf. zwar „nur“ die instrumental-version, aber: läuft.
06:54: während bill kouligas treibend-melodisch mit detroit-anleihen spielt, gebührt orphx ein großes „dankeschön“. das set brachte für meine begriffe alles mit, um zum kandidaten für das prädikat „so muss das“ zu avancieren: eine perfekte symbiose aus industrial-soundscapes, sequenzen aus dem modular-synth für die hypnose und (was nhk’koyxen stellenweise völlig abging) tolle nutzung der funktion-one-subwoofer bzw. der ganzen anlage. da hat sich routine einmal mehr positiv ausgezahlt. ich habe noch gar nicht erwähnt, dass die idee, die led-strobos (letzte woche noch an der treppe über dem dj-pult) über die scanner an den vier seiten zu montieren, echt gut war. schade nur, dass jetzt keine mehr an den traversen hängen. als wunsch: montiert da ruhig richtige weiße strobos alter schule als ergänzung zu denen an der seite. um dem szenetratsch noch genüge zu tun: mika vainios vorzeitiges ende ist einzig den allüren geschuldet.
07:17: als anhaltspunkt für andere und als notiz für mich – unten lief gerade „jump and run“ von stl, gefolgt von „fingerprints of the gods“ von hieroglyphic being. also mittlerweile eher chicago.
08:58: für’s protokoll: im berghain ist schluss. mal nachschauen, ob herr garnier immer noch überstunden macht.
09:01: nö, hat in den letzten 20 minuten an marc schneider übergeben. von ihm gibt’s gerade „dog days“ von matthew dear.
10:20: oh, „hot on the heels of love“ von dj hell, auch die lasse ich mir gerne gefallen. zwar geizt herr schneider nicht an hits, aber um die uhrzeit brauche zumindest ich feste ankerpunkte. wenn ich die dann auch noch benennen kann, macht mich das ein wenig stolz.
12:13: „phylyps trak 2“, ein niemals alterndes stück, nach dem man auch sagen kann, dass man einen schönen abend / morgen hatte. sprich: zeit zum aufbruch, zehn stunden sind für dieses wochenende genug. orphx stürzt heute niemand vom thron, opium hum war jedoch auch wertvoll und bill kouligas eine gute wahl für den schluss. die zweite hälfte seines sets war eher mein fall, davor waren ein paar dramaturgische brüche doch etwas hart (direkt nach der oben erwähnten jamal moss bspw.). laurent garnier gehört einmal mehr lobend erwähnt – stilistisch zwar größtenteils nicht (mehr) mein beuteschema, aber dass er nach um die 25 jahren djing immer noch so eine energie ausstrahlt, verdient einfach respekt. hätte mika vainio etwas mehr bodenständigkeit bewahrt, wäre er für mich auch vorne mit dabei, aber wegen der attitüde gibt es für ihn heute große abzüge in der b-note.
12:42: nun aber. nach quadrants „infinition“ und jesper dahlbäcks „persuader“ war’s wirklich an der zeit für den absprung. dürfte auch noch allerhöchstens eine stunde dauern, bis die letzten gäste rausgefegt werden.

[berlin / 10.05.2014] berghain: klubnacht

ja, das noch als zugabe obendrauf. dann reicht es auch erstmal (bis zum kommenden freitag, an dem mika vainio, orphx und auch laurent garnier dort spielen).

klubnacht

berghain
00h00 dj skurge
04h00 he/at live
05h00 ben klock
09h00 blawan
12h00 norman nodge
15h00 pangaea
18h00 tim wolff
22h00 don williams

panorama bar
00h00 mattis with
03h00 pional live
04h00 dani r. baughman
06h00 john talabot
10h00 marc piñol
14h00 dor

18h00 bicep
22h00 roi perez

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
das war einer der termine, bei denen ich mich schon selbst fragen muss, ob es wirklich sinnvoll ist, mit einem knappen zeitbudget hinzugehen.

nach dem vorprogramm mit der impulse, robot army und staub war etwas schlaf wirklich vonnöten, so dass ich erst kurz vor dem ende von ben klock da war, der tatsächlich die drumcode 9 spielte. wenn der rest des sets ebenfalls nicht zu trocken war, hätte ich wohl durchaus auch mit den vier stunden zuvor etwas anfangen können. die panorama bar habe ich an dem abend gar nicht oder nur viel zu kurz gesehen, was schade ist, da ich john talabot schon gerne gehört hätte.
blawan lieferte gewohnt-toolige kost, jedoch hat mir etwas die irrwitzige härte der letzten male gefehlt. dafür hat norman nodge mich gut zwei stunden lang mit drexciya und anderen techno-tracks mit ebm-einschlag positiv überrascht. andererseits bin ich auch zu selten da, wenn er spielt.

zurück war ich dann pünktlich zum start von don williams, der für die drei stunden, die ich dann noch im club verbrachte, für meine begriffe auch das überzeugendste set spielte (was aber auch daran gelegen haben mag, dass er der erste ist, der „body mapping“ von cristian vogel dort gespielt hat).

trotzdem: das vorprogramm der tage zuvor und die tatsache, nachmittags lieber mit der familie als im club verbringen zu wollen und trotzdem terminartig zeitfenster für das berghain zu reservieren, gibt mir persönlich eher das gefühl einer stippvisite. und damit ist nicht die bei der familie gemeint. die zeitfenster waren im nachhinein wohl den etwas unrealistischen erwartungen meinerseits geschuldet, was die härte blawans betrifft, wegen dem ich hauptsächlich dort war. objektiv gesehen war das schon ganz schön ordentlich, aber nicht so brachial, wie er es sonst kann.
wie es mit stippvisiten nun mal so ist: sie können ganz nett sein, im nachhinein werde ich den gedanken jedoch nicht los, aufgrund des ehrgeizen terminkalenders trotzdem zu wenig zeit mitgebracht zu haben, um wirklich etwas von der klubnacht mitnehmen zu können. alleine aufgrund des vor- und familiären programms hätte es für mich auch nicht geschadet, das berghain an dem wochenende auch mal berghain bleiben zu lassen. aber gut, das merke ich für die nächste gelegenheit, zu der wieder prioritäten gesetzt werden müssen.

[berlin / 10.05.2014] about blank: staub

line-ups gibt es nie, nur techno als grobe orientierung, was man stilistisch so zu erwarten hat. bin neugierig, daher den dritten tag in folge im about blank.

staub20140510

eintritt
5 euro

nachbetrachtung
erstmal sei für statistiker und chronisten wie mich das wichtigste nachgereicht – das line-up:
10h00 dr. rubinstein
13h00 blind observatory
16h00 irakli
18h00 i/y
20h00 yac

da ich nach der robot army und auch der impulse ein gewisses schlafdefizit angehäuft hatte, wurde es hierbei etwas später: gegen 16h30 war ich da, blieb aber dafür auch bis zum schluss. das fiel jedoch am leichtesten, weil das wetter draußen das schlechte gewissen eh sehr gut in schach hielt und alle besucher den verschiedenen techno-spielarten von i/y (die nach dem ablauf ab 16 uhr eh das quasi-monopol über das geschehen hatten) sehr bereitwillig folgten. auch die sonst eher helle beleuchtung in der lobby wurde auf das notwendigste reduziert, so dass ich mehr als positiv davon überrascht war, dass der stil in der umgebung und zu der tageszeit ausgezeichnet funktioniert. aber gut, das launische wetter tat dazu auch sein übriges.
ende musste dann leider pünktlich kurz nach 22 uhr sein, damit vor der get deep noch einmal durchgewischt werden konnte. „stripped“ von depeche mode war die nummer zum abschied, die den meisten anwesenden noch aus kindheitstagen bekannt gewesen sein müsste. sie setzte einen schönen schlusspunkt unter eine wirklich gediegene techno-abfahrt, die dazu beitrug, dass die staub es aus dem stand in die liste der parties geschafft hat, die ich neben der blank generation als priorisierten monatstermin im about blank auf dem zettel habe. die langzeitbeobachtung gibt es dann hier.

[berlin / 09.05.2014] about blank: robot army

die roboterarmee habe ich in den letzten jahren viel zu selten begleitet. angefangen im mikz ging es über das damalige wysiwyg (heute r19) ins about blank. dort feiern sie nun auch abschied. ich habe selber leider nur die mikz-tage miterlebt, bei den freitagen im about blank kam immer irgendetwas dazwischen. dem anlass würdig sollte also wenigstens zum finale ein besuch drin sein.

robotarmy20140509

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

mal wieder direkt vor dem aufbruch von der party, denn sonderlich lang fiel mein besuch leider nicht aus. entsprechend kurz wird auch das fazit.
grob war ich zwischen 5 und 8 hier, hanno hinkelbein bei ankunft in der lobby und kriek auf dem mdf zugange. beide in ihrem element, ich hab hanno bevorzugt, der großteil der leute tatsächlich den mdf, der mit seiner dunkelheit auch gut zum harten musikalischen stil passt.

nach dem eindruck der letzten drei stunden könnte / sollte ich mich ärgern, nicht früher bei den robotern im blank vorbeigeschaut zu haben, da sie sich hier sehr gut einfügen. werde also zusehen müssen, bei ihrer nächsten clubstation etwas pünktlicher vorbeizuschauen.

nun erstmal schlafen, um fit genug für staub zu sein. geht übrigens nahtlos ineinander über, für diejenigen, die partout nicht genug kriegen können.

[berlin / 03.05.2014] stattbad: smallville x odd fantastic

damit reicht es dann aber auch für diese woche. smallville wird bereits neun jahre alt und feiert das im boiler room, während im bunker mit helena hauff ein resident aus dem golden pudel sowie morphosis spielt. letzterer hat mich mit seinem drei-stunden-set aus dem boiler room und seinem label morphine records (kann ich momentan fast blind kaufen) schwer beeindruckt. und mit fiedel macht man eh nichts falsch.

smallvilleimstattbad20140503

ablauf
bunker
02h00 morphosis
04h00 helena hauff
06h00 fiedel
boiler
00h00 smallpeople
03h00 keith worthy
06h00 lauer

nachbetrachtung

im boiler habe ich mich die nacht über nur zum anfang aufgehalten, bevor der bunker öffnete. die rollenverteilung war klar und auch nachvollziehbar: house im boiler, techno / acid / artverwandtes im bunker. eine alte herbert (irgendwas von den ersten drei „parts“) habe ich in der zeit wahrgenommen, aber sonst lieber geplauscht.

pünktlich zu morphosis, der meinen eindruck von seinem boiler-room-set nicht nur bestätigen, sondern sich gleich noch übertreffen konnte. den platz als eines der besten (wenn nicht gar das beste) sets anno 2014 hat er schon mal sicher. woran das liegt? an seinem mut zum risiko – nicht nur punktuell, sondern permanent. in der ersten halben stunde erstmal nur drone-tracks zu spielen, ehe sich ein rhythmus herausdestilliert („djibouti“ von africans with mainframes war einer der tracks) provoziert erstmal die fraktion, die sich mit stur durchmarschierender kickdrum zufriedengibt, erfreut aber diejenigen mit interesse in viele richtungen.
sein edit von „tanki tanki“ (im original von der rene bandaly family, findet sich auf der „metal dance 2“) bringt eigentlich das gesamte set auf den punkt: wenn tanzbar und mit vocals, dann definitiv anders und nicht an den allgemeinen erwartungen orientiert. dementsprechend auch das publikumsverhalten: manche standen rum, hörten sich das kurze zeit an und verschwanden wieder, der rest genoss es. war also eher war was für die musikliebhaber, aber das geht gerade für den ersten slot des abends sehr gut klar.
kurzum: grandios, hätte ich im nachhinein gerne als aufnahme.

helena hauff zeigte im anschluss, dass sie die alte chicago-acid-schule sehr wohl genossen hat und schloss mit pankows „wodkalied“ (wieder eine bildungslücke gestopft) ein auch echt gutes set ab, an das fiedel in guter form anknüpfen konnte.

super abend, dessen gewinner (jedenfalls für meine begriffe) klar sein dürfte. das hat von der aufgabenverteilung her einfach gepasst.

[berlin / 02.05.2014] tresor: echoes.02

nein, das ist keine optische täuschung. nach beinahe sechs jahren habe ich genug geschmollt, genug aus verschiedenen quellen gehört, dass es sich gebessert haben soll und genug monats-line-ups gelesen, die doch recht vielversprechend aussahen. dieses sticht dabei absolut hervor, also gebe ich mir mal wieder die ehre und schaue / höre mir so an, was sich in dem laden alles verändert hat. der keller hat bspw. eine neue anlage und der globus soll verkleinert worden sein.
ich gebe zu: etwas gespannt bin ich.

tresor20140502

ablauf
globus
00:00 lluck
02:00 deepchord
03:00 mike huckaby
05:30 convextion aka e.r.p.
06:30 jeff samuel
tresor
01:00 j.c.
03:30 go hiyama
06:00 psyk

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

drinnen war ich erst gegen 3 uhr, da ich vorher noch in der berghain kantine bei der von crazy language ausgerichteten tour von syl kougaï vorbeigeschaut habe. dazwischen lagen jedoch gut 20 minuten wartezeit in der schlange. moment – tresor? schlange? ja, ganz recht, gute 50 meter werden es gewesen sein. während des wartens die weitere überraschung: sie schicken leute weg. anzeichen dafür, dass es drinnen so voll ist, dass ausgewählt wird oder eine generelle türpolitik? ein schema konnte ich nicht ausmachen. große, laute gruppen waren jedenfalls nicht so gern gesehen, aber auch zweier- oder dreiergruppen fielen durch das raster, wovon manche durchaus in den club gepasst hätten.
noch dazu wurde bereits beim warten klar, dass der tresor bei touristen eine der hauptoptionen ist. klar, ist das berghain auch, aber es ist durchaus denkbar, dass sich viele aufgrund der langen wartezeit am wriezener karree und der ungewissheit, hereingelassen zu werden, gleich für die andere techno-bastion entscheiden.
jedenfalls war die quote der weggeschickten leute erstaunlich hoch: gefühlte zwei drittel. da kam bei mir schon etwas wie kribbeln auf, ob es tatsächlich klappen könnte. nachdem ich die frage bejaht hatte, ob ich alleine bin, war die hürde aber auch geschafft.

soviel zur ersten augenscheinlichen änderung, aber was ist drinnen nun passiert?
an sich eine ganze menge. der zugang vom treppenhaus zum globus ist mit seiner passage zwischen tür und tanzfläche zwar immer noch etwas einsam, aber die leicht geänderte raumaufteilung ist wirklich sinnvoll. die bar ist jetzt nicht mehr zwischen dem gang und den sitzgelegenheiten, sondern vollständig in der ecke platziert. mehr platz für die keeper zum arbeiten, zugleich mit dem durchgang hinter der bar eine tote ecke beseitigt – gute entscheidung. zwischen den (zahlreichen) sitzgelegenheiten und der tanzfläche sind nun schlichte säulen mit einem durchgang und glasscheiben an den seiten gebaut worden. klare trennung: barbereich zum unterhalten, tanzfläche für die abfahrt. dort gibt es konsequenterweise gar keine sitzgelegenheiten.
das dj-pult ist nun von der kraftwerksseite an die bühnenseite gewandert, die früher bereits von großkalibern wie jeff mills bespielt wurde. auf der bühne selbst spielte deepchord, das dj-pult steht etwas tiefer davor. noch dazu wurde die totec-anlage durch void ersetzt, deren horn-lautsprecher schon eine abgefahrene optik und auch einen ganz guten klang bieten. klang beim monitoring jedoch besser als auf der tanzfläche, wo mir gerade beim convextion-set etwas die transparenz fehlte. beim set von mike huckaby gab es komische lautstärkeschwankungen auf einem technics. ob das am 1210er oder etwas anderem gelegen hat, weiß ich nicht. insgesamt klanglich gutes mittelfeld, das war ja auch nicht immer selbstverständlich.
ansonsten hat man jetzt drei ausgänge aus dem globus zur auswahl: erstmal den aus dem haupttreppenhaus, dann die treppe in richtung garderobe und ein kleines treppenhaus im hinteren bereich der bar. dort geht’s nach oben zum raucherraum und nach unten zur garderobe.

dort die nächste neuerung: die habseligkeiten werden nicht mehr direkt vor dem treppenhaus entgegengenommen, was früher wegen des besucherstroms richtung treppenhaus zum globus eh zu unnötigem stress geführt hat, sondern in dem gang, in dem früher der merchandising-stand war. der ist jetzt am anderen ende. konsequenz: eine weitere tote ecke sowie stresspotential beseitigt und dabei die raumnutzung optimiert. noch dazu ist aus dem snack-kiosk am gang richtung tresor ein richtiger raum entstanden, in dem man in aller ruhe sandwiches und dergleichen essen kann.
heißt: der garderobenbereich lebt. kompliment an die- oder denjenigen, der sich das hat einfallen lassen.

dagegen nehmen sich die räumlichen änderungen im tresor klein aus. die ecke links beim reinkommen ist nun auch zum raucherraum geworden und das linke podest wird durch lichtstreifen markiert, so dass man im dunkeln nicht drüber stolpert. die schließfächer stehen immer noch da, das dj-pult ist immer noch ebenerdig.
zwei dinge fallen jedoch auf: erstens wurden die lampen an der seite durch helle led-lichter ersetzt, die man mit verschiedenen farben ansteuern und gleichzeitig als strobo gebrauchen kann. die altbekannte lichtschlange ist immer noch da, drei strobos an der decke ebenfalls. neu ist jedoch: es kümmert sich den gesamten abend über jemand um das licht (auf beiden floors wohlgemerkt) und auch der tontechniker schaut regelmäßig nach. zweitens wurde die totec-anlage, die im vergleich zu den altrestbeständen aus der leipziger straße zuvor schon eine verbesserung war, auch durch void ersetzt. auch wenn man sich an die optik der subwoofer vor dem dj-pult etwas gewöhnen muss (im trouw ja nicht anders), führt das auf der tanzfläche zu schönen nebeneffekten: erstens optisch, da das eine podest auf der rechten seite nicht mehr durch die alten subwoofer, sondern vom publikum in beschlag genommen werden kann. zweitens (wichtiger) akustisch: egal, wo man steht, der sound ist präsent, druckvoll und klar. und das ist die tatsache, die mich fast am meisten freut: man kann dem tresor endlich mal einen richtig fetten klang bescheinigen. wäre zwar noch schöner, wenn man den djm-800 gegen allen & heath tauschen könnte (der oben im globus steht), aber das ist marginal.

musikalisch hat sich niemand eine blöße gegeben. deepchords sphären blieben zeitweilig hinter dem rhythmus zurück, mike huckaby legte ein höheres tempo vor als j.c. und go hiyama im keller, der ebenfalls mit ableton live spielt und dabei nicht statisch wirkte. der höhepunkt war (wie erhofft) convextion, bei dem ich eigentlich dachte, dass er eher electro spielen wird. kam in seiner zweiten hälfte auch, zuvor war das geradliniger dubtechno zum verlieben. so bekam man eben seine beiden facetten mit, langanhaltender szeneapplaus zum ende seines sets – zurecht.

optische und akustische änderungen schön und gut, aber wie ist denn nun der gesamteindruck? hat es sich denn summa summarum gebessert?
doch, hat es. zwar habe ich mich bei manchen gefragt, warum gerade sie es in den club geschafft haben, während draußen in meiner wartezeit einige weggeschickt worden sind, die besser reingepasst hätten, aber das war wohl tatsächlich den zeitlichen umständen geschuldet. natürlich ist es deutlich von touristen geprägt. das war schon in der leipziger straße so, ist es auch im berghain und fällt im tresor deswegen auf, weil die dimensionen im vergleich zu früher größere sind und man mehr gespräche mitbekommt, während man durch die gänge schlendert.
ansonsten merkt man, dass (endlich wieder) mehr auf identität als den schnellen euro wert gelegt wird. dafür reicht ein blick auf die monats-line-ups, aber auch in den club selber. die offensichtlichste entscheidung war und ist weiterhin, dass man die tradition an anderer stelle fortsetzen will. reminiszenzen an die in der leipziger straße geschaffene legende sind vorhanden, inklusive einem bild von jeff mills im alten keller, aber zu meiner freude setzte sich das bei der atmosphäre im tresor fort. das hat schon etwas von der vertrauten endzeit-apokalypse mit reichlichem getöse. publikumsreaktionen gibt es direkt und ehrlich, sobald die kickdrum wieder einsetzt. klar ist das publikum eher jung, aber wesentlich angenehmer als vor sechs jahren. dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass wir alle auch mehr oder weniger jung mit dem clubbing angefangen haben und  sicher das eine oder andere mal belächelt worden sind. wenn sich das wie am vergangenen abend mit älteren hasen mischt (sogar einige berghain-stammgäste wurden gesichtet, was sicher auch am line-up gelegen hat), ist das ein zustand, mit dem es sich sehr gut leben lässt. einzig und allein meine kondition, die nach dem 1. mai und arbeiten am 2. mai nicht mehr so viel zuließ, trug dazu bei, dass ich schon um kurz nach 7 den laden wieder verließ.

alles schön und gut und vor allem ganz schön viel zu lesen. aber wirst du wieder hingehen?
klar, gerne. zwar wird sich der tresor für mich samstags nicht unbedingt zur ersten wahl entwickeln, dafür überzeugt das berghain-gesamtpaket einfach zu gut. aber falls mal gerade keine grounded theory im stattbad stattfindet, oder mir freitags der sinn nach feinem gebretter steht, freut es mich, ihn endlich wieder als gute alternative auf dem zettel zu haben.

[berlin / 30.04.2014] so36: montech says goodbye

montechfinal20140430

und noch eine reihe, die ihr ende nimmt. im januar war ich noch für den 3. märz angefragt, aber bereits kurz danach wiederholte sich die geschichte von vor fünf jahren, an deren ende nach großflächiger solidarität in kreuzberg die schallmauer für das so36 stand.
heißt im klartext: die montagsparties stören die einzelne ruhe. konzerte und wochenenden sind jedoch weiterhin möglich, was ja schon mal ein kleiner lichtblick ist. ein anderer könnte mit noceur in der loftus hall in den startlöchern stehen, die am 5. mai u.a. mit erwan ihre premiere feiert.

abschied wird in zwei teilen genommen, am 30. mit den langjährigen verdächtigen, am 1. mit klangkost-vertretern. ich nehme nur den ersten tag mit.

ablauf
23h00 dj mori vs. maciek noworol
02h00 dj flush vs hanno hinkelbein
04h00 tanith
05h00 wolle xdp
06h00 kriek vs mack

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

hier schlug einmal mehr der gute wille zu, dem eigenen körper nicht zu viel abverlangen zu wollen. langsam sollte ich es besser wissen, dass nicht mal zwei stunden vorschlafen nicht gerade dabei helfen, 2:00 uhr als ankunftszeit einzuhalten.
lässt sich mit dieser idee aber noch steigern: verlorene zeit wettmachen, indem ein drivenow-mini für die fahrt richtung oranienstraße bemüht wird. klappte doch sonst auch immer ganz toll – wegen halteverbot ab 7:00 uhr wochentags halten dort sonst wenig autos, so dass man locker fußläufig zum so36 parken kann.
kleiner haken jedoch: das myfest und damit großflächiges halteverbot ab 6 uhr früh. und das fiel mir immerhin schon ein, als ich auf den heinrichplatz zufuhr.

damit schön abgeschweift. nach erneuter parkplatzsuche war ich schon kurz nach 3:00 uhr drinnen und fand eine volle hütte vor, die flush und hanno auch fest im griff hatten. war schon froh darüber, dass man sich den weg durch die menge schon bahnen musste. auch wenn der anlass ja nicht unbedingt zum jubeln einlud, wollten einige den abschied mit pauken und trompeten feiern. entsprechend ausgelassen war die stimmung bis zum schluss.

tanith hatte im vornherein angkündigt, dass es von seiner seite aus zur sache gehen würde, das traf auf seine art und weise auch zu: so gab es viele tracks mit den staubsauger-sounds à la r&s 1992, nur mit dem 2014er-update. stellenweise brachial, aber das löste genau die reaktionen aus, die es sollte. trotzdem: wirklich meins ist das nicht, da fühlte ich mich beim tanith alter schule besser aufgehoben. von wolle xdp gar nicht erst zu reden – das war ähnlich statisch wie sein fusion-set anno 2012 und die tracks für mich seelenlos bzw. plakativ-düster. mir schleierhaft, warum er sich nach dem wechsel zu traktor/s4 dazu entschieden hat, keine alten tracks aus vinylbeständen ins set zu integrieren. wird schon seine gründe haben, an mir zog das set jedenfalls vorbei.
kann ich von kriek und mack nicht behaupten. ewigkeiten her, dass ich die beiden gehört habe, verlernt haben sie absolut nichts. gut, kriek spielt nicht mehr so quietschig-hart nach miditonal-gangart, aber dennoch hatte das set seine schrägen momente. allem voran hatte es jedoch flow trotz vielseitigkeit und war damit von beginn an interessanter als die stunde wolle xdp zuvor.
als beleg dafür könnte herhalten, dass mack und hanno (der sich nach 9:00 wieder ins geschehen einschaltete, nachdem kriek gegangen war) erst um 10:30 uhr feierabend machten. trotz leichter konditioneller zwangspausen konnten sie es immer wieder schaffen, mich zurück auf die tanzfläche zu befördern („sonelysom(e)oney“ von jamie lidell – endlich mal wieder).

die beiden (strenggenommen drei) waren für mich auch der höhepunkt des sehr schönen abschlusses, der mich doch ein wenig sentimental werden ließ, da mir der laden mit seinem personal schon ans herz gewachsen ist, wofür ich mich hiermit nochmal offiziell bedanken möchte. alleine deswegen hoffe ich darauf, dass es hin und wieder doch eine neuauflage geben könnte, wenn die „umstände“ es erlauben.