[berlin / 08.05.2014] about blank: impulse – final abyssal night + gegenkultur

ja, richtig gelesen. ich darf wieder einmal vor publikum spielen. die umstände könnten jedoch glücklichere sein: die impulse hatte bis auf nächte mit headlinern wie goth-trad in bezug auf zahlreiches publikum stets einen schwierigen stand. da war zum einen das konzept, das mit „dubstep“ nur sehr grob umschrieben ist und an einem abend ganz viele basslastige sparten abdecken konnte. zum anderen (ganz simpel) der wochentag. beides zusammen ergab eine mischung, wonach der durchschnittliche partygänger das risiko zur entdeckung von neuartigem lieber nicht einging. so ist diese abyssal-nacht also die letzte, die mit dem start der bereits jahrelang im golden gate erfolgreich erprobten gegenkultur zusammenfällt. daher nochmal offiziell: danke an die impulse für die courage und die wirklich mit viel feingefühl ausgesuchten bookings, die im ganzen dickicht der neuen bassbetonten schule immer wieder neuen namen ein forum gab und als dachverband für die verschiedenen crews sicherstellen konnte, dass es nicht jede woche das gleiche zu hören gab. ich will doch mal stark hoffen, dass es anderswo weitergeht. zu dem anlass könnte es also etwas werden mit ordentlicher fülle. hier gibt es erstmal nur das line-up – die spielzeiten dann, wenn ich sie weiß.

nachtrag, 08. mai 2014, 12:58 uhr: spielzeiten für die gegenkultur ergänzt, die nimmt in der lobby platz, abyssal auf dem mdf-floor. für dort erstmal nur die abfolge, geplant ist von 0 bis 6 uhr, mein startplatz liegt zwischen 2:30 und 3:00 uhr für eine kurze und heftige stunde, potschappel underground fällt aus.
die gute nachricht noch obendrein: die impulse bleibt dem about blank dann doch erhalten, findet fortan jeden ersten donnerstag im monat zusammen mit der gegenkultur statt, dann mit allen impulse-crews zugleich. das ist besser als nichts.

impulse20140508

impulse-floor
warm-up: ddm b2b whø
live-act danach: hatti vatti
peaktime-slot numero uno: stype
peaktime-slot numero due: es.tereo b2b turrican
ende: abyssal allstars
und die ganze zeit über: effekthasch vj

gegenkultur-floor
00h00: dieter polen
02h30: patrick chardronnet live
04h00: mary jane
06h00: brian cares
08h00: gulp
10h00: uerp le cram
12h00: klangsucht allstars

eintritt
8 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

fange ich mal mit den für mich positiven aspekten des abends an: da mein kleines schwarzes (die rede ist vom macbook) bereits sechs jahre auf dem buckel hat und sich anfang des jahres kleine verschleißerscheinungen zeigten, stand die sorge im raum, ob es das erste set wird, bei dem ich auf ein backup würde zurückgreifen müssen. eigentlich hatte sich die batterie verabschiedet, was weiter kein problem ist: es gibt recht brauchbare nachbau-akkus, von denen jetzt einer seine dienste verrichtet. war insofern wesentlich, als dass es vor dem wechsel ärgerlich gewesen wäre, wenn jemand unglücklich ans netzteil gekommen wäre, ist aber nun schnee von gestern. ärgerlicher ist hingegen die verbindung vom topcase zum logic-board mit ihrem kleinen kabel, das selten aus einer laune heraus die signale vom trackpad und der tastatur nicht weiterleitet. heißt: aufschrauben, kabel abziehen, wieder aufstecken – läuft. musste ich letzte woche in angriff nehmen, ist aber ein denkbar unkomplizierter eingriff, den ich mir im club jedoch gerne schenke.
und dann noch das backup: es hieß im voraus, dass es keine cdjs geben wird, aber turrican und es.tereo mit serato spielen. daher hatte ich nur zwei usb-sticks eingepackt. stellte sich am ende beides als falsch heraus: es standen die einfachen cdjs ohne usb- oder sd-slot da und die beiden spielten mit traktor-control-vinyls. das mit dem backup hätte also etwas gedauert, bis der andere laptop einsatzbereit gewesen wäre. die cds hatte ich ja nachvollziehbarerweise daheim gelassen.
umso schöner war, dass technisch wirklich alles auf anhieb funktionierte. die soundkarte spielte mit, der midi-controller wie gewohnt ebenfalls und auch die adhoc-verbindung zwischen macbook und ipad für den einsatz von touchable klappte im zweiten anlauf und blieb dann absolut stabil.

dummerweise war es das auch schon, was die positiven meldungen angeht. nachdem ddm und whø zeigten, dass man mit ambient, electronica und auch technoiderem dubstep eine tanzfläche ganz gut füllen kann und hatti vatti mit seinem introvertierten drum&bass das publikum ebenfalls gut unterhielt, wurde mir in der ersten viertelstunde schnell klar, dass ich für den abend auf das falsche pferd gesetzt habe. momentan hat es mir das jungle-revival mit amen-breaks und entsprechenden signalen richtig angetan und ich dachte mir, dass diese brachialen tracks das richtige für den dunkleren mdf-floor und vor allem für den anlass sind. das war jedoch ein irrglaube und ein großteil der leute wechselte zu patrick chardronnet (bei dem es wohl drüben in der lobby am vollsten gewesen sein muss) oder gleich in richtung heimat. dazu wird auch eine etwas laxe vorbereitung ihren teil beigetragen haben, nachdem klar wurde, dass es eine stunde wird, die ich gerne dazu nutzen wollte, es im dunkeln krachen zu lassen. an sich auch sinnvoll nach dem hatti-vatti-set, nach dem ich mit ‚“freezing opening thawing“ von shackleton einstieg. das war auch noch okay, aber direkt danach die untold-distortion-keule („strange dreams“) zu bemühen und in dem stil fortzufahren, war vom kontrast her wohl etwas zu heftig. so wurde die stunde für mich dann doch relativ lang, als ich mitbekam, dass die lücken auf der tanzfläche sukzessive größer wurden. führte bei mir wiederum zu temporärer sinnkrise (warum das ganze eigentlich noch machen? bin ich dem publikum entwachsen, so dass die verbindung zwischen ihm und mir nicht mehr funktioniert? ist es der anspruch?) und auch aktionismus. denn trotz allem war ich vorbereitet genug, notfalls die stoßrichtung zu ändern, was mit prototypen-dubstep à la cyrus (random trio) ganz gut klappte und komischerweise führte auch die neue objekt auf power vacuum nicht dazu, dass sich die noch wenigen verbliebenen lauthals beschwerten. aber summa summarum machte das set auf mich den eindruck, sich in eile auf dem weg zum ziel verfahren zu haben, eine weile in einsamen gegenden umherzuirren, und gerade rechtzeitig kurz vor toresschluss noch irgendwie zufällig angekommen zu sein.
klar, das mag an der kurzen spielzeit und dem von mir falsch gewählten ansatz bzw. aufbau gelegen haben, aber auch sicherlich daran, dass mein kopf aktuell mit anderen dingen als mit musik und allem, was so drumherum geschieht, beschäftigt ist. es fehlt momentan einfach die zeit, in die notwendige tiefe zu gehen, weshalb ich die (stilistische) breite für den abend als notausgang gewählt hatte. so im nachhinein muss ich mir schon die frage stellen, wie ich auf die idee verfallen konnte, rave-signale gleich nach dem hypnotischen shackleton-beginn loszulassen, aber andererseits (wenn ich das wieder ins positive drehen möchte) war es wenigstens ein risiko, das ich gegangen bin. sowas birgt immer die gefahr, dass es schiefgeht.
beim duo es.tereo und turrican gab es dann wieder drum&bass in der ersten und eher technoid-dubsteppiges in der zweiten hälfte, das funktionierte nun wiederum besser. kurz nach 6 war im mdf schluss, da deutete sich auch in der lobby schon an, dass es dort ebenfalls nicht bedeutend länger als 7 uhr gehen würde. dort war es bei meinen durchgängen den abend über zwar ganz nett, aber beileibe nicht mehr. trug jedenfalls zu meinem aktuellen meinungsbild bei, dass es schon reicht, nach dem allgemeinen konsens zu spielen, ohne dass dabei große ausflüge in andere bereiche unternommen werden müssen. zumindest den schuh muss ich mir nicht anziehen, sehr wohl aber den, es vom aufbau her falsch angepackt zu haben.

insofern: haken dahinter und es beim nächsten mal besser machen. noch was positives: einige kombinationen waren in der vorbereitung so vielversprechend, dass sich manche teile sehr gut in einem anbiederungs-set für ambitionierte booker wiederverwenden lassen, sofern die zeit es zulässt, das in angriff zu nehmen. informationen dazu gibt’s dann auf diesem kanal.

[berlin / 27.04.2014] about blank: four ever blank

foureverblank201404

und gleich wieder zurück zu den kernkompetenzen. mein aktueller vize-lieblingsclub wird (offizielle) vier jahre alt und feiert das an drei tagen. freitag abend ist konzert mit masha qrella und anderen, samstag abend dann gewohnt elektronisch bis in den frühen montag hinein. mit meiner anwesenheit ist sonntags tagsüber zu rechnen.

ablauf

raum 1
00h00 idit frenkel
03h00 miriam schulte
05h00 sidney + suleiman
08h00 alienata
10h00 dj xing
– pause –
22h00 hagen richter
00h00 alex.do
02h00 akmè b2b diwa

raum 2
02h00 silva rymd
04h00 inigo kennedy
07h00 samuli kemppi live
08h00 silva rymd / samuli kemppi / inigo kennedy
09h30 anja zaube / caleb esc

garten
23h30 cf2000
04h00 divaxs
08h00 rss disco
10h00 hw rhapsody
12h00 jessamine
14h00 elisabeth
16h00 die vögel live
17h00 resom
19h30 prosumer

eintritt
15 euro pro tag
20 euro für das gesamte wochenende (inkl. freitag)
10 euro am sonntag ab 8 uhr

nachbetrachtung
wenn ich ein haar in der suppe finden müsste, dann nur das, erst gegen 13 uhr sonntag mittag aufgeschlagen zu sein und somit viel vom geschehen am sonntag morgen verpasst zu haben. so hätte ich alienata und silva gerne mal wieder gehört – ein anderes mal halt.

ansonsten spiegelte der strahlende sonnenschein das wider, was sich über den sonntag im garten und im mdf sagen lässt. im dunkeln wurde anja zaube von der kondition des publikums wohl so überrascht, dass sie sich mit caleb esc einen partner zur seite stellte, der stilistisch sehr gut harmonierte. zwar fiel das meiste unter die aktuelle mode des leicht angerauhten technos mit industrial-soundscapes, bei dem die meisten tracks für mich so austauschbar sind, dass ich sie nicht auseinanderhalten kann. aber für die dauer des sets geht das absolut in ordnung so – am ende waren sie gute 12 stunden gefordert. da kann man nicht alle paar minuten den stil wechseln, sondern eher eine fein nuancierte entwicklung in einem stil verfolgen. hauptsache, es bleibt irgendwie tanzbar. mag sich negativ lesen, ist aber nicht so gemeint: das entsprach voll und ganz den bedürfnissen der meute, umsonst wär’s nicht so lang für die beiden geworden.
draußen gab sich auch niemand eine blöße. melodischer house von jessamine, bei elisabeth freute ich mich über die chicago-phase am meisten. ins gedächtnis eingebrannt hat sich jedoch der vögel-track, in dem sie „helter skelter“ von den beatles coverten, ansonsten war es ein schön lustiges trompeten-house-set. resom fand ich inhaltlich weniger geschlossen als sonst, ging aber als atempause für das prosumer-set im nachhinein auch vollkommen klar so. der glänzte wiederum mit dem boc-remix von „midas touch“ zum schluss – und auch sonst.
lobend erwähnt werden muss noch hagen richter, von dem ich gerne noch mehr mitgenommen hätte. das war schön auf den punkt gebrachter und gemixter techno, so dass ich mich fragte, warum der herr nicht öfter auf irgendwelchen line-ups zu lesen ist. dadurch fiel auch alex.do für mich aus, da war mir der nahende arbeitstag einfach wichtiger.

um es auf eine abschließend bewertende formel zu bringen: toller geburtstag für einen tollen club mit tollen menschen und tollem wetter. habe mich pudelwohl und in meiner absicht bestärkt gefühlt, sonntage mit vielversprechender wetterprognose lieber dort verbringen zu wollen.

[berlin / 26.04./01.05.2013] berlin nazifrei

berlinnazifrei20140426

vor lauter partytrubel sollte die politik nicht zu kurz kommen.
ein bündnis aus npd und der rechten hat für den 26. april eine demonstration angekündigt, die ursprünglich quer durch so 36 laufen sollte. nach heutiger bekanntgabe der route sieht es so aus, als ob eher mitte das wird aushalten müssen, obwohl man es sich nach aktuellem stand nicht nehmen lassen möchte, durch die rudi-dutschke-straße am taz-redaktionsgebäude entlang zu marschieren.

gegenpräsenz ist bei sowas eigentlich keine frage, nur mache ich das viel zu selten. daher für diejenigen, die ähnlich denken: versammlungsort ist die jannowitzbrücke um 12 uhr, von da aus geht es über die brücken- und heinrich-heine-straße und den moritzplatz richtung rudi-dutschke-straße, um dann irgendwann am u-bhf stadtmitte zu enden. vielleicht / hoffentlich reicht ja das gegengewicht dafür aus, dass den herrschaften mit braunem gedankengut vorher die puste aus- bzw. die lust vergeht.

wichtige links für änderungen oder den ticker:
antifa-berlin.info
demoticker.org
twitter.com/berlinNazifrei

kickstart für caustic window

schon bemerkenswert. während wenigstens 90% der bevölkerung bei den vier worten aus der schlagzeile wahrscheinlich nur mit der stirn runzeln, denkt sich der stammleser womöglich, dass ich mir mit der information ganz schön zeit gelassen habe – zu recht. daher hier nur kompakt und als notiz für mich, da ich mich noch beteiligen muss: ein unveröffentlichtes album von aphex twin alias caustic window, von dem nur vier testpressungen existieren, stand vor einigen tagen für 13.500 usd bei discogs zum verkauf, wurde aber schnell wieder entfernt, nachdem eine initiative aus dem we-are-the-music-makers-forum mit mr james die abmachung getroffen hat, daraus das kickstarter-projekt zu erschaffen. das ziel der kampagne wurde auf 9.300 usd festgesetzt, womit 500 leute, die wenigstens 16 usd dazu beitragen, das recht auf eine digitalkopie erwerben können.

zugegeben: ich wäre schon nach wenigen stunden zu spät dran gewesen. aktueller wasserstand sind 51.000 usd und das projekt läuft noch bis zum 10. mai 2014. klar, eine menge zeit, die ist aber auch ebenso schnell ins land gegangen. daher lieber jetzt als gleich nägel mit köpfen machen. das material ist von 1994 und wird schon nicht schlecht sein.

p.s.: es hängt zwar sehr lose miteinander zusammen, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. bleep bietet aktuell einige hundert alben aus verschiedenen genres in wav/flac/mp3 für 6 euro an. darunter natürlich erwartungsgemäß einiges aus dem hause warp, aber auch planet mu, skam, peacefrog, hotflush oder delsin sind dabei. daher war heute ein großeinkauf fällig, bei dem ich meinen autechre- und clark-katalog etwas aufgefüllt oder endlich mal den einstieg bei flying lotus gewagt habe. ein paar schöne venetian-snares-alben sind ebenfalls mit von der partie, aber nehmt euch besser ein, zwei tage zeit dafür. kann man unmöglich an einem tag durchhören.

[berlin / 12.04.2014] berghain: klubnacht

der april-termin in der stammlokalität meines vertrauens. zwei schichten werden sich nicht vermeiden lassen, wenn pete schon zum anfang spielt. andererseits passt die pause auch perfekt zu den acts, die mich interessieren.
plan: anfang bis ende milton bradley / alien rain, vor oder zu truncate wiederkommen und sich danach schweren herzens zwischen dego (ja, genau der von 4 hero) und dj deep zu entscheiden.

klubnacht

berghain
00h00 pete
04h00 stanislav tolkachev live
05h00 marcel dettmann
08h00 alien rain live
09h00 ben klock
13h00 radio slave
17h00 truncate
20h00 dj deep
23h00 norman nodge

panorama bar
00h00 ryan elliott
04h00 lpz live
05h00 big strick
08h00 aybee
11h00 breach
14h00 onur özer
17h00 cassy
20h00 dego
23h00 volcov
03h00 lakuti

eintritt
14 euro

nachbetrachtung schicht 1 (1h00-10h30)

um nicht wieder in verzug zu geraten und die resümées etwas abwechslungsreicher zu gestalten, mal wieder die quasi-live-berichterstattung mit während der nacht angesammelten notizen.

schlange um kurz vor 1 bis zu den taxen und bis 6 nicht wesentlich kürzer – da kam wohl zusammen, dass der ruf des ladens und die früh angesetzten vorzeige-residents so einige recht früh auf den plan treten ließen. andererseits hatte ich drinnen auch den eindruck, dass bestenfalls seit einer halben stunde geöffnet ist. um die zeit versammelten sich bei pete im berghain insgesamt vielleicht 50 leute.

pete selber empfand ich als irgendwie unkonzentriert. das mixing meistens gerade so passend und nicht so auf den punkt wie gewöhnlich. auch die sonst hart reingebrachten kickdrums fehlten meistens, so dass ein brett wie surgeons „intro (version 2)“ verpuffte. der ihm sonst eigene flow fehlte mir, daher für mich längst nicht so packend wie sonst. schade, kann er sonst wesentlich besser, aber das ist ja auch das menschliche daran. jedenfalls fand ich ryan elliott in der kurzen zeitspanne, die ich oben beim schlange beobachten verbrachte, in der beziehung besser.
stanislav tolkachev legte in der ersten hälfte mehr als ordentlich vor, was tempo und analoge härte angeht. sein hang zu sequenzen erinnert sofort an jeff mills. wo dieser jedoch mit somewhere in the sky in den unendlichen weiten des weltraums umherschwirrt, ist herr tolkachev sehr bodenständig. da klingen die sounds prägnanter, schriller und werden gepaart mit der härte, wie man sie in karenn-sets hört. das fasst meinen eindruck von den ersten 30 minuten des sets ganz gut zusammen, blieb jedoch leider nicht so – ab der mitte verlor er sich in beliebigkeit und das zwingende war nicht mehr so präsent wie zu beginn. da wäre evtl. ein umgekehrter set-aufbau gut gewesen, andererseits fingen lpz das mit ihrem acid-house inkl. dub-elementen in der panorama bar gut auf. erfanden das rad jetzt nicht neu, will heißen: reichte für mich nicht, dass ich mich nun näher mit ihrem veröffentlichungskatalog befassen muss, aber nichtsdestotrotz war’s gute arbeit.

mit den besten job machte jedoch marcel dettmann. wie immer mit den treibenden tracks an den stellen, wo sie hingehörten und auch house-tracks mit vocals so untergebracht, dass sie sich in das große techno-gebilde einfügten. damit heute mal besser als pete. milton / alien rain im anschluss mit einem acid-live-set, das deutliche reminiszenzen an plastikman zeigte – und das ist als kompliment zu verstehen. sehr hypnotisch, hin und wieder mit achtel-hihats, um etwas mehr schwung hineinzubringen, aber größtenteils war das schönstes kopfkino. für mich ergo der höhepunkt neben marcel, wäre nicht der füllgrad, der darauf hindeutete, was bei ben zu erwarten war.
der wiederum spielte in seiner ersten hälfte längst nicht so trocken wie befürchtet, aber zum schonen der reserven bleibt der plan mit der pause bestehen – weitestgehend jedenfalls.

nachbetrachtung schicht 2 (17h15-23h45)

eine deutlich entspanntere situation als noch am vormittag zu ben erwartet und schnell registriert, dass die nächste besucherwelle gerade im anrollen war. wenigstens auf der linken tanzflächenhälfte im berghain stimmte das platzangebot. das musikalische von truncate an sich auch, wenn man auf geradlinige funktionalität aus war. das hielt mich für jeweils 20-minütige abschnitte, aber cassy war oben auf ihre art und weise nicht minder treibend und vor allem vielseitiger. hoch rechne ich truncate die chicago-hit-phase an, u.a. mit „knock knock“ von dj funk, „feel my mf bass“ von paul johnson oder „work that motherfucker“ als ultimativen poindexter-klassiker. das sind aber eben auch alles gestandene hits. cassy blieb daher für mich im direkten vergleich locker vorne.
das gleiche gilt auch für dego, der mit seiner bremsung von techhouse bei 130 auf disco mit 110 bpm sicher so einige vor den kopf stieß, aber im folgenden verlauf ein so dermaßen persönliches set spielte, bei dem ich ihm sehr gerne zuhörte, zusah (djs, die zu ihrer musik tanzen – immer ein pluspunkt) und zuweilen auch tanzte. da sich die besucherwelle ab 20 uhr jedoch so richtig bahn brach, kamen schnell auf beiden floors wieder erinnerungen an silvester hoch.
nichtsdestotrotz war er von vorne bis hinten großartig, wobei auch dj deep für mich bei kurzen abstechern nach unten keinen schlechten eindruck hinterließ (mit den kürzlich erschienenen mark-broom-edits von robert hood und einer wax / shed bspw.). aber die entwicklung im dego-set von disco über die house-zwischenstation zu jazzigen breakbeats war die für mich interessante wahl, alleine weil man ja nicht weiß, wann sich die chance wieder bietet und es die ecken und kanten hatte, die im clubleben für das notwendige salz in der suppe sorgen – auch auf die gefahr hin, dass sie einigen nicht schmeckt, was ohne zweifel zutraf, aber das gros der meute folgte ihm.

daher als fazit hinterher: musikalisch und stimmungstechnisch im großen und ganzen ein zufriedenstellender abend, an dem marcel dettmann, alien rain sowie cassy und dego für mich die akzente setzten. den füllgrad empfand ich sonntag abend als mal wieder surreal, aber mit eine der parallelen zu silvester war, dass dies nicht zu allgemein gestressten gemütern führte. mag zur innervisions-nacht vor drei wochen anders gewesen sein, aber beachtlich ist es allemal, dass selbst nach 24 stunden betrieb immer noch mehr als 1.000 leute im club sind. der erfolg kommt ja auch nicht von ungefähr, die kehrseite der medaille ist für mich jedoch, dass die zeitspanne immer kürzer wird, in der man sich etwas freier auf der tanzfläche vergnügen kann, ohne dass es zu lasten der füße anderer oder des eigenen nervenkostüms geht. ist aber auch letztlich eine frage der flexibilität, wo sich gerade im berghain immer irgendwo ein platz finden lässt. aber mitten im geschehen ist es schon um einiges netter.

r.i.p. frankie knuckles

angesichts des datums kann man einen schlechten scherz vermuten, leider ist es keiner. der mann, der mit dem warehouse in chicago maßgeblich zu form und namen des seinerzeit neuen stils beitrug, ist gestern tot in seinem haus aufgefunden worden. er wurde nur 59 jahre alt, das offizielle statement zur todesursache soll noch im laufe des tages folgen.

auch wenn er tausende musikalischer erben hinterlassen hat, wäre es besser gewesen, dass er noch einige jahre im club, im musikgeschäft und – einen guten charakter vorausgesetzt – auch als mensch präsent geblieben wäre. aber mit nicht mal 60 ist es einfach noch viel zu früh, gerade für legenden.

r.i.p.

[amsterdam / 29.03.2014] trouw: imprint

drittes und vorübergehend letztes kapitel auswärtiger eskapaden, bevor es montag wieder in die vertraute heimat geht. da gehört ein besuch in dem club, der als aushängeschild amsterdams international bekannt und zudem nur noch bis ende des jahres geöffnet ist, schon zum pflichtprogramm.

imprint
sandrien

start
23 uhr

eintritt
15 euro
vor mitternacht: 8 euro

nachbetrachtung

einstieg mit (schlechtem) wortwitz, der das fazit vorwegnimmt: zum trouw sag ich „wow“!

das bild unten zeigt die frontaufnahme des eingangs um 23 uhr, und der schein trügt nicht: die schlange war um diese zeit bereits ansehnlich. wo man die clubgänger in berlin mit günstigerem eintritt vor einer gewissen uhrzeit nicht hinter dem ofen vorlocken kann, scheint das in amsterdam zu funktionieren.
an die gitter vor dem berghain fühlt man sich sofort erinnert. schlangenlinien führen zu den türstehern, es gibt sogar noch eine zweite, kleinere für die gästeliste. 40 minuten habe ich gewartet, und das geht bei zusammengerechneten 100m schon klar. sie haben auch eine türpolitik, längst nicht so hart wie die beim berghain, aber es wurde bspw. eine fünf- (oder war’s eine sechs-)köpfige gruppe junger männer mit stilaccessoires wie umgedrehtes basecap und ordentlich gel in den haaren weggeschickt. auch hier wieder parallelen zu bekannten bildern (überhaupt gibt es derer recht viele): der verzweifelte versuch, mit dem türsteher zu verhandeln. zwei male. ein augenblick, in dem ich mir wünschte, dass meine holländischkenntnisse doch etwas über „hallo / wiedersehen / bitte / danke“ hinausgegangen wären.
den bodycheck (nächste parallele) gibt es unmittelbar hinter der tür. fast wie am flughafen: alle taschen entleeren, danach abtasten, geht aber auch zügig. dann die treppe runter und den eintritt bezahlen, und an der stelle fange ich mit den kritikpunkten an:

  • man bezahlt den eintritt, bekommt aber keinen stempel. heißt im umkehrschluss, dass man den club nicht zwischendurch verlassen kann, um später wiederzukommen. da das trouw der erste club amsterdams ist, der eine 24-stunden-lizenz bekommen hat, könnte das einige schmerzen, andererseits nehmen die parties da bei weitem noch nicht die zeitlichen ausmaße des berghains an. gegen 8 uhr war an dem sonntag schluss.
  • an der wand hinter der kasse hängt ein plakat mit der bitte, keine fotos zu machen. dies ging vor kurzem durch die clubaffine medienwelt und grundsätzlich finde ich solche entscheidungen mittlerweile grundsympathisch. leider kontrolliert das nur niemand vom personal, so dass dann doch einige ungeniert ihren freundeskreis mit dem smartphone-blitz fotografieren – egal wo: mitten auf der tanzfläche, vor der bar. wünschenswert wäre hier zweierlei: die entscheidung hätte bereits bei der eröffnung getroffen werden können, so dass die leute sich nicht an das muntere knipsen gewohnt hätten und die leute beim bodycheck könnten / sollten eine klare ansage machen, dass fotos / videos nicht erwünscht sind.
  • die projektionen auf vier verschiedene durchsichtige leinwände, nebel, ordentliche stroboskope, scanner und nicht zuletzt die neonröhren in der mitte: alles klasse, aber gerade der strobo und die bunten neonröhren wurden an dem abend irgendwie zu wenig genutzt. grundsätzlich ist das licht jedoch vollkommen dem club angemessen. ebenso wie die…
  • funktion-one-anlage. klingt im vorderen bereich klasse. sobald man jedoch im bereich des lichtmanns (also quasi an der bar) ist, dreht man sich unweigerlich in richtung dj, weil ausschließlich von vorne beschallt wird. an der rückseite der tanzfläche sind keine boxen montiert, das würde (eher spekulatives denn fachliches wissen von raumakustik) noch mehr dazu beitragen, dass man sich im klang verliert.

all das ist jedoch klagen auf verdammt hohem niveau. nach dem ersten rundgang (also nach den ersten zehn minuten) hatte ich das gefühl, hier richtig zu sein. im unteren „verdieping“ (heißt „stockwerk“) wird bezahlt, die garderobe abgegeben, auf den couches geplaudert, am essensstand backwaren gekauft und wenn einen ein allzu menschliches bedürfnis plagt, sind auch gleich die toiletten da.
an manchen wochenenden ist „de verdieping“ als zweiter floor auch noch geöffnet, war an diesem samstag leider nicht der fall. sonst finden dort auch ausstellungen statt. hat damit einen eher temporären charakter, zumal das setup für die parties im untergeschoss immer wieder neu aufgebaut wird.
der „club lebowski“ setzt dem untergeschoss noch die krone auf: dort gibt’s tatsächlich drei bowlingbahnen, für die man sich bowlingschuhe anziehen kann, und ein kicker steht auch da. war gegen 2 uhr aber auch leider schon geschlossen.
das eigentliche trouw liegt ein stockwerk höher im erdgeschoss, wo seinerzeit drei niederländische tageszeitungen (u.a. eben die namensgebende „trouw“) gedruckt worden sind. und da kommt man erstmal ins staunen: an sich ist es ein riesiger langgezogener und gar nicht mal so breiter raum mit hohen decken. das restaurant mit hängenden gärten im hinterteil, und von dort aus kommt man direkt auch in richtung club – entweder von oben über die treppen oder ebenerdig.
die tanzfläche befindet sich direkt am hinteren, dunkleren ende. zunächst fand ich den aufbau seltsam: tanzfläche, bassboxen über fast die gesamte breite, dahinter das nicht erhöhte dj-pult, nochmal dahinter eine bühne. nahm zunächst an, dass die nur den freunden des hauses vorbehalten wäre, aber das stellte sich schnell als irrglaube heraus – jeder, der wollte, konnte da hoch. machten auch so einige, inklusive mir, da das der beste platz zum decksharken ist.

damit zu sandrien, die – kann man nicht anders sagen – einen tadellosen job machte und ihre acht stunden sichtlich auskostete. hatte ich zum anfang der woche im rush hour noch am rande aufgeschnappt, dass amsterdam eine house-stadt sei, war das eine option unter vielen. wenn es zur sache gehen konnte, dann mit richtig schön treibendem techno (kaum etwas erkannt, „control“ von truncate war darunter, aber das lief bereits vor zwei uhr). sonst mit der wichtigsten zutat, die ein set mit überlänge so haben sollte: spannungsbögen. wenn ich dabei dachte, dass die gemüter nun genügend abgekühlt wären, so dass sie wieder einen gang höher schalten könnte, ging es auch wieder fordernder voran. hat vor einigen monaten im berghain gespielt, wunderte mich nach der leistung auch nicht.

einzig und allein meine kondition ließ an dem abend nicht viel zu. nachdem eine klassische touristen-woche mit exkursionen nach den haag (dienstag) sowie rotterdam (mittwoch / donnerstag) hinter mir lag, an denen ich täglich (von montag bis inklusive samstag) im schnitt zehn kilometer zu fuß absolvierte, führte das in kombination mit kumuliertem schlafmangel dazu, dass ich entweder auf den treppen im hinteren bereich bei der bar saß und mir das große ganze von dort aus anschaute oder eben neben der bühne beim dj-pult, wo ich erstaunt war, dass ein tontechniker permanent daneben saß und die anlage gegebenenfalls feinjustierte. ein stück heimat gab es mit fritz-kola und club mate („nur“ die kleinen flaschen, aber immerhin) obendrauf, so dass wenigstens der kopf halbwegs bei der sache war.

was bleibt? der eindruck von einem club, der für meine begriffe endlich in einer liga mit dem berghain spielt, dadurch natürlich eine gewisse hipster-quote mit sich bringt, aber dennoch gibt das publikum gas. all das hat mich insgesamt (so wie amsterdam an sich) schwer beeindruckt, so dass ich vor der schließung ende des jahres unbedingt noch einmal ins trouw möchte – wenigstens ein mal, wenn nicht sogar öfter.

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[amsterdam / 28.03.2014] chicago social club: plak

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kapitel zwei in puncto „auswärtiges amüsement“ mit schwerpunkt auf den niederlanden. es kam hierbei recht gelegen, dass sven dort spielt.

club
sven weisemann
elias mazian
joris

bar
die rooie
rick sman
simon plays

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
wird sich alles zwar wenig schmeichelhaft und womöglich auch etwas schnöselig lesen, aber das risiko gehe ich gerne ein – den club werde ich eh nicht mehr so schnell nochmal besuchen.

die gegend um den leidseplein, wo der chicago social club direkt liegt, ist sowohl tagsüber bei shoppenden touristen als auch nachts zum amüsieren sehr beliebt. da kann man sicher sein, bis zur sperrstunde um 5:00 früh nicht alleine auf der straße zu sein, was ja schon ein gefühl von sicherheit vermittelt. die unterhaltungsmöglichkeiten teilen sich größtenteils auf bars und restaurants auf. sonst gibt es noch das schouwgebouw (theater) und das melkweg direkt um die ecke. gerade vor letzterem stand eine riesige schlange, die an manchen samstag vom berghain erinnerte.

es blieb auch sonst etwas zeit zum umherstromern, da (hier kommt der schnöselige teil) es mit der gästeliste nicht so recht klappte. noch dazu gab es ein für mich irgendwie nicht schlüssiges einlasskonzept, was aber in den meisten ländern außerhalb deutschlands praktiziert wird:
heißt soviel wie, dass ein separater seiteneingang für die gästeliste ja schon mal gut ist. wenn es dort jedoch heißt, dass ich nicht draufstehe und für den regulären eintritt (den ich auch gezahlt hätte) bitte zum vorderen eingang gehen soll, wo wiederum nach dem ticket gefragt wird, fühlt man sich jedoch etwas planlos umhergeschickt.
einen anruf und 20 minuten später startete ich den dritten anlauf bei derjenigen, die via ipad über die liste wachte – diesmal auch erfolgreich. allgemeine erleichterung, auch verständnis seitens des personals, die mich beschwichtigten, dass hier keiner hereingelegt würde, von mir mit einem lächeln goutiert, von einem der türsteher jedoch gleich mit einem „what’s the problem?“ mit diesem „sag jetzt nichts falsches“-unterton flankiert.

naja, egal. also drinnen. jacke abgegeben, tonic geholt, auf die galerie gestellt, geschaut.
elias mazian spielte derweil schon komischen vocal-house, kaum mixing, aber die leute mochten das. bei näherer betrachtung (da ist er wieder, der schnösel) passte das bild auch zum klischee der amüsiermeile draußen. gut zurechtgemachte damen und die herren gerne im richtigen hemd. eher ging’s um die selbstdarstellung als den gemeinsamen spaß. ein trauriger „höhepunkt“ war, dass einer der herren eine junge dame aus seiner nähe wegschubste, die nicht auf seine anmachversuche reagierte. ein glück passierte dabei nichts weiter schlimmeres.

sven versuchte, mit qualitativ hochwertigem house zu überzeugen. den paar anwesenden musiknerds im laden wird dabei (hoffe ich zumindest) schon etwas das herz aufgegangen sein, aber wenn, dann waren die in einer verschwindend geringen minderheit. selbst als er kurz vor schluss „knights of the jaguar“ spielte: es gab kaum bis gar keine über das normalmaß hinausgehende reaktion des publikums. bis dahin probierte er es mit einigem aus der trickkiste, um zu sehen, was am besten ankommen würde, aber das ist schwer herauszufinden, wenn vor einem zwar etwas die hüften gewackelt werden, aber sonst nichts nennenswertes vom publikum kommt.

um es auf den punkt zu bringen: leider war die musik nur untermalung für den catwalk bzw. zur anbahnung zeitlich flexibel handhabbarer beziehungen – wie in einer normalen diskothek eben, so jedenfalls mein eindruck. das passt zwar sehr gut in diese umgebung, bietet für mich jedoch keinen wohlfühlfaktor, geschweige denn überhaupt einen grund, nochmal einen fuß in den club zu setzen. plak wäre als reihe auch ganz gut beraten, sich anderweitig umzusehen, damit deren bookings auch etwas dankbarer aufgenommen werden.

[utrecht / 23.03.2014] tivoli spiegelbar: mindcamp

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eine reihe von funckarma. reisen bildet sowieso, daher total unvorbereitet auf das gespür von gastgebern vertrauen und akustisch-optische eindrücke außerhalb der bundeshauptstadt genießen.

ablauf
15:00 jasper wiegers
16:00 eazm
16:30 grischa lichtenberger
17:30 roel funcken
18:00 ochre
19:00 michiel gardner

nachbetrachtung

an sich ist an dem ausflug nur eines zu bedauern: er war zu kurz. mitverantwortlich dafür war der ausgedehnte sightseeing-bummel durch amsterdam am samstag zuvor und die bekanntschaft mit einer dortigen institution namens „café rave“. andererseits war das wetter sonntags auch etwas launisch, so dass ein ausgedehnter bummel durch utrecht nicht nur vom timing her schwierig war.
das tivoli lag im märz (mittlerweile ist der 14. september 2014) noch direkt an einer gracht in der utrechter innenstadt unweit des hauptbahnhofs, der einer grundlegenden sanierung und erweiterung unterzogen wurde. verstehen kann man darunter ein haus, in dem mehrere räume für kulturelle veranstaltungen aller art genutzt werden konnten: konzerte, parties, lesungen, kino – für jede größe etwas dabei. mittlerweile haben sie sich mit der vredenburg (einem anderen veranstaltungsort in utrecht) zusammengetan und sind in andere, größere räumlichkeiten umgezogen und haben mit dem tivoli de helling noch einen anderen konzertraum abseits der grachten. hauptgrund dafür waren die logistischen probleme: bands transportieren die ausrüstung meistens mit lkws, die aber nicht in die grachten kommen. bedeutete vor dem umzug erst großes umladen, bevor man mit dem aufbau beginnen konnte. da die umliegenden häuser bei den grachten zwar geschäfte im erdgeschoss hatten, jedoch sonst bewohnt wirkten, kann der besucherzu- und -abstrom mit einer der gründe gewesen sein.

die spiegelbar bekam ihren namen durch die zahlreichen mini-discokugeln auf dem floor. generell fiel erstmal auf: alles sauberer als in berlin, wo die rauhen unverputzten graffiti-wände schon beinahe zur subkulturellen dna gehören. in der spiegelbar hingegen hochwertige holzverkleidung, aus denen auch die bänke sowie aufsteigenden sitzreihen bestanden – steril wirkte das erstaunlicherweise nicht.
die zwei stunden, die wir dort verbrachten, hatten den charakter einer sonntags-matinee, was durchaus beispielcharakter für hiesige veranstaltungen haben könnte. hier hält man immer noch die tanzfläche im zentrum, in der hoffnung, dass der funke schon überspringen wird und am ende regen sich alle über die herumsteher auf. in der spiegelbar: sitzsäcke, couches, platz zum herumstehen oder mitwippen am rande. bühne leicht emporstehend mit visuals hinter den live-acts – fertig. das führt zwar dazu, dass nahezu alle leute in eine richtung sitzen und zuhören sowie zwangsweise in richtung künstler blicken, aber das wäre mit tanzfläche auch nicht anders.
also sprach alleine der aufbau dafür, dass daraus nicht zwingend eine party, sondern eher ein treffen von connaisseuren werden sollte. das ging auch vollkommen auf. durch den fokus auf das sitzen war die sicht auf die visuals stets gegeben, die anlage klang gut, auch mit ochres melodien konnte ich stellenweise etwas anfangen, gebe jedoch dem bisschen knarzigen sound, den wir noch kurz von grischa lichtenberger mitbekommen haben, den vorzug.

ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das in der form auch hier funktioniert. wenn man sich schon einer intakten infrastruktur an plattenläden und des clublebens rühmt, sollte sich auch die electronica-fraktion darunter befinden, die nicht immer auf die ctm, krake oder die eine oder andere leisure system oder polymorphism warten, bzw. es etwas kleiner haben möchte. und gute visuals haben sowieso noch nie geschadet.
war einfach rundum gelungen.

quo vadis, de:bug?

im laufe des tages hat es sich ja bereits verbreitet, dass auch die einst aus den ruinen der frontpage entstandene de:bug als printausgabe mit der nächsten nummer wohl der vergangenheit angehören wird. wer es noch nicht gelesen oder sonst irgendwo aufgeschnappt hat: hier ihre erklärung.

natürlich lädt das nicht zu luftsprüngen vor lauter jubel ein. gerade im vergleich zur doch eher am konsens orientierten groove war ihnen der gesamte technisch-philosophische unterbau eine herzensangelegenheit. das muss nicht jedermanns sache gewesen sein (zum beispiel meine), aber der größere musikalische radius hat das immer wieder aufgewogen.
in letzter zeit – und damit wohl mit ein grund, weshalb die de:bug das nächste opfer der großen printmisere ist – bestand die verbindung zwischen de:bug und mir aus der jährlichen überweisung für das abonnement und dem herausfischen aus dem briefkasten. die ausgaben liegen hier stellenweise unberührt in ihrer durchsichtigen folie und in meiner internen liste an zu erledigenden dingen. auch mit selbstgewähltem facebook-boykott und gelegentlichem twitter-schmökern: informationen erreichen mich trotzdem primär über das netz. residentadvisor zählt zu den seiten, die den neuesten szenetratsch mit selbstgenerierten inhalten (podcast, exchange, real scenes) und einem international bis dato schön zu nutzenden partykalender garnieren. foren haben ihre höhepunkte zwar hinter sich, aber auch da kommt es darauf an, was man sich so auswählt. substanzielles lässt sich auch dort noch finden.
das alles zusammengenommen ergibt aber ein dilemma: warum noch die information per print, wenn man alles zuvor aus dem netz haben konnte?

die de:bug hat das schon früh erkannt und ihre vergangenen ausgaben sowie die features recht zeitnah ins netz gestellt und somit ihren eigenen anspruch mit den elektronischen lebensaspekten auch konsequent umgesetzt. mit ein grund, weshalb ich das abonnement beibehalten habe: in dem wissen, dass die veröffentlichungen im netz zwar schnell geschehen und obendrein noch mehr leute in kürzerer zeit erreichen können, dabei aber eben kostenlos bleiben, sollte die arbeit der leidenschaftlichen nerds wenigstens durch meinen kleinen teil gesichert bleiben. es blieb aber so oder so ein tropfen auf dem heißen stein. wenn es schon in bürgerlichen printmedien schwierig ist, als redakteur dort überhaupt so weit zu kommen, dass es für den lebensunterhalt reicht, ist das für musikjournalisten noch einmal etwas prekärer, so dass es ohne andere einnahmequelle einfach nicht geht.
(randnotiz für diejenigen, die sich anhand meiner während des studiums geäußerten ambitionen für den journalismus gefragt haben, was daraus eigentlich noch werden soll: warum denn noch, wenn es in szene-zeitschriften nur noch um ruhm und ehre geht und man andernorts schon gewaltig die ellenbogen ausfahren muss, damit es für ein paar euro zeilengeld reicht? das war mit der grund, diese veranstaltung hier ins leben zu rufen.)

insofern: natürlich schade, dass die kiosklandschaft um eine zeitschrift ärmer wird, die trends zwar wahrnahm und auch spiegelte, aber dabei auch immer eigene nuancen hinzufügte. doch warum eigentlich das präteritum? das wirklich letzte wort scheint ja laut des oben verlinkten postings nicht gesprochen. ich mache mir zwar keine illusionen, dass es noch mehr printausgaben als die nächste geben wird, hoffe jedoch sehr darauf, dass die gute arbeit im netz fortgesetzt wird. und ja, ich würde auch für ein pdf-abo zahlen – gerne auch als app für das ipad.
meinen abo-beitrag für das laufende jahr könnt ihr übrigens behalten – macht was draus, und sei es für ein paar feuchtfröhliche stunden in der redaktion.

danke jedenfalls für die letzten gut 15 jahre.