es ist ungefähr ein jahr her, als ich einen anruf einer bekannten erhielt, die am zentrum für zeithistorische forschung in potsdam arbeitet. dort erscheint drei mal jährlich ein band der zeithistorischen forschungen, der sich jeweils einem spezifischen thema widmet – in diesem fall sollte es die computer- und informationsgesellschaft sein. eine der rubriken nennt sich „neu gelesen“, in der klassiker der geschichtswissenschaften (im weiteren sinne jedenfalls – die soziologie wird bspw. auch gerne einbezogen) sowie deren thesen jahrzehnte nach ihrer veröffentlichung erneut auf den prüfstand gestellt werden.
daneben gibt es noch „neu gelesen“, und da sollte ich mich dem album widmen, mit dem kraftwerk ihre vorstellungen vom futurismus sowohl inhaltlich als auch musikalisch so perfekt umgesetzt haben, wie sie es danach nicht mehr vermochten (was nicht negativ gemeint sein muss, schließlich hat das vorherige genügend spuren hinterlassen).
abgegeben werden sollte der artikel bis ende dezember 2011, bis dahin kam ein bisschen etwas dazwischen: verteidigung der master-arbeit, übergang ins vollzeit-berufsleben, gelegenheits-gigs, fertig wurde er dennoch – jedenfalls die erste version, welche noch die eingangs erwähnte überschrift trug.
mehrere korrekturen und ergänzungen später trägt der artikel nun den titel „‚computer für das eigenheim‘. ‚kraftwerks‘ musikalische version eines elektronischen lebensstils (1981)“, womit ich mehr als gut leben kann, da es beinahe schwieriger ist, eine gelungene überschrift zu finden als den artikel gut hinzubekommen. es stellte sich beim schreiben nur die schwierigkeit, dass die forschungsliteratur zu kraftwerk nicht sonderlich umfangreich ist und das, was es zu ihnen gibt, sehr von der revolutionären dynamik infiziert ist, welche die vier düsseldorfer ab mitte der 1970er-jahre entwickelten. neu war mir, dass „computerwelt“ mit der authentischste musikalische spiegel des informationstechnologischen umbruchs war, der auch vor kraftwerk nicht halt machte. das alles ließ sich schön rekonstruieren – im gegensatz zur rezeption in übersee, genauer: asien, jedoch auch der hiesigen musikpresse, deren ausgaben zumindest in berliner archiven auf die schnelle nicht zu beschaffen waren.
allen schwierigkeiten zum trotz: der artikel ist jetzt erschienen – sowohl in der print- als auch in der online-ausgabe. netter nebeneffekt der online-ausgabe: mehr bilder und vor allem mehr musik. die ganzen widrigkeiten, mit denen man sich dank gema oder copyright abfinden muss, hatten auch ihr gutes: so liegen die meisten songs in live-versionen der computerwelt-tour vor, die ich jedem ans herz legen kann. so hart, funky und konkret hätten sie die album-versionen gerne noch einmal als live-versionen herausbringen können. da klingt einiges besser als auf „the mix“, welches zehn jahre später erschien. dennoch: es steht immer noch auf meinem wunschzettel, sie einmal live zu erleben.
nachzulesen und nachzuhören ist der artikel hier. nachfragen, denkanstöße, kritik gerne hier anbringen.
p.s.: ich wäre auch sehr gerne noch auf die anderen artikel des bandes eingegangen, jedoch fehlt mir momentan die zeit, diese ausführlich zu lesen. und wenn ich die wahl zwischen oberflächlicher rezension oder authentischer eigenwerbung habe, entscheide ich mich dann doch lieber für letzteres.





