bleep-neuzugang: ant-zen / hymen

hatte mich eh gewundert, warum ant-zen zuerst bei kompakt auftauchte, und dann auch nur mit einem bruchteil des sortiments. bei emusic und itunes stellt sich die auswahl schon besser dar, aber umso schöner, dass man sich im vereinigten königreich ein herz gefasst hat und weitere teile des backkatalogs von mutter- und tochterlabel anbietet. da ich bei beiden eh einiges an nachholbedarf habe, kommt das angebot wie gerufen.

ant-zen @ bleep
hymen @ bleep

einkäufe vom 2. juli 2007

und weiter geht’s, der stapel links neben meinem schreibtisch bearbeitet sich schließlich nicht von selbst.

diesmal wieder per postboten via decks, die als shop im übrigen nur zu empfehlen sind. professionell, unkompliziert, und ab 100 euro spart man sogar etwas mehr als die versandkosten. die gründe dafür liegen gleich in der ersten lp, gehe aber noch näher darauf ein.

deepchord
vantage isle
[echospace [detroit] echospace 001]

da schlägt das herz doch gleich höher. ein album von denen, die ungestraft den sound von basic channel kopieren können, einfach weil sie es annähernd genauso gut können. kam unverhofft (auch das eine parallele zum berliner vorbild), enttäuschte bei den hardwax-vorschau-clips auch natürlich nicht – bis ich einen blick auf den preis warf. 30 euro für eine doppel-lp inkl. einer bonus-7-inch konnte ich nur als schlechten scherz verstehen. man ist es ja mittlerweile gewohnt, dass englische vertriebe für lps gerne soviel aufrufen, dass selbst günstigere plattenläden wie die space hall gezwungen sind, mindestens 18 euro aufzurufen. der regelfall sind 20 bis 23 euro, und das ist – bei aller liebe – eine preispolitik, die ich nicht mittrage, bzw. in dem fall auf cd ausweiche – dank anvisiertem einstieg bei serato. natürlich nur, soweit das überhaupt als silberling erhältlich ist, in diesem falle aber nur rein theoretisch möglich, da die cd sogar limitierter ist als das vinyl.
es liegt nicht mal am label selber, sondern tatsächlich am vertrieb, dem dafür gehörig die leviten gelesen werden müssten. die musik ist aber derart überzeugend, dass ich mich nicht nur in gedanken schon im hardwax sah, wie man als verzweifelter plattenjunkie mit ein paar substitutionskäufen eben diese platte mitbezahlt, um sich hinterher einreden zu können, dass man wenigstens im durchschnitt weniger bezahlt hätte. die hatten sie nur nicht mehr vorrätig, also mussten eben andere lösungsmöglichkeiten her. die bestand in dem fall aus decks, die an der preisschraube auch nichts mehr drehen konnten, aber im zuge einer sammelbestellung und wegfall von porto hat sich das soweit ausgeglichen, dass die drei platten den preislichen durchschnitt zwar nach oben reißen, aber nicht allzu dramatisch.
ihr seht: die ausrede zur gewissensberuhigung greift hier blendend, zur musik habe ich kaum was geschrieben, kann aber auch nur das wiederholen, was oben schon als lobeshymne erwähnt wird. die tracks enttäuschen auch in kompletter länge nicht, man sollte sich nur nicht von den namen der remixer verleiten lassen: bei echospace und spacecho legen die vertauschten silben ja schon nahe, dass es kein zufall sein kann, und wenn man discogs bemüht, findet man auch schnell raus, dass rod modell als eine hälfte von deepchord auch direkt beteiligt ist. es bleibt also convextion, der auf seine art und weise eh immer ein volltreffer ist (zumindest gehört er zu den herren, die produktionstechnisch in der champions league anzusiedeln sind, der rest ist reine geschmackssache) und das auch hier mit einem dunklen, mystischen remix unterstreicht.

caustic window
complilation
[rephlex cat 009 lp]

zusammenstellung der joyrex-serie von j4 bis j9, allerdings ohne die copyright-kritischen remixe von „popcorn“ und „r2d2“, wobei die j4 bereits im februar in meinen besitz gewandert ist – kann man also dort nachlesen, ob man was verpasst. wenn man mich fragt, macht man mit dem kauf der compilation schon alles richtig, ehe man sich für die originale in den dispo stürzt – und mit mr james generell eh. vor allem, wenn man dessen brachiale industrial-note schätzt, kommt man hier voll auf seine kosten. gerade die j9 trifft diesen nerv mit voller wucht, wobei es schon spannend wäre, ob man das den tresor-besuchern heutzutage (wieder) zumuten kann. die umgebung würde passen, es kommt also lediglich auf den versuch an.

james ruskin
transfer
[blueprint bpltd 04]

ihn fand ich als dj immer spannender als seine produktionen, und – soviel sei vorweggenommen – der kaufgrund sind hier die beiden remixe, das original ist eher durchschnittskost.
von kero hat man zwischenzeitlich auf detroit underground ein bisschen was gehört, aber wenn man sich dieses industrielle techno-brett, bei dem das tempo zugunsten eines massiven drucks gedrosselt wird, zu gemüte führt, muss ich mich schon fragen, warum labels wie shitkatapult oder bpitch nicht mal wieder was von ihm rausbringen, oder ob er tatsächlich so schwer greifbar ist. sein metier sind ja auch sonst – zumindest zeitweilig – downbeats oder das pure gegenteil: hier auf der rückseite zusammen mit xanopticon entsprechend als „xanoptikero“ bestens demonstriert. breakcore mit messerscharfen beats und sounds, also ohne die vielerorts bemühte distortion-überdosis, die härte demonstrieren soll. hut ab vor herrn ruskin, dem sound auf einem bislang eher für funktionalen techno bekannten label ein forum zu geben, bitte mehr solcher überraschungen!

boxhagener flohmarkt-einkäufe in der ersten jahreshälfte 2007

die überschrift verheißt viel, ist aber bei weitem nicht so. einmal im märz, einmal im mai, und das letzte mal konnte ich am vergangenen sonntag nicht widerstehen.

eurythmics
sexcrime (nineteen eighty-four)
[virgin schallplatten gmbh 601 604-213]

man wird sicher nicht mein pop-faible vergessen haben, aber die entscheidung, mir die platte zuzulegen, fiel tatsächlich durch ein set von dj traxx im berghain anno 2005. auch wenn ich das set sonst eher im qualitativen mittelfeld ansiedeln würde, stach die nummer heraus. jeder, der – wie ich – in den 1980ern mit dem radio aufgewachsen ist, wird neben anderen gassenhauern von ihnen auch manchmal den hit gehört haben, auch wenn die meisten sender (verständlicherweise) auf „sweet dreams“ – im übrigen auch auf der wunschliste – fixiert waren. ich erzähle auch sicher nichts neues, dass sie damals für den soundtrack zur zweiten verfilmung des orwell-romans zuständig waren, und auch die damals typische vermarktungsstrategie der majors lässt sich anhand der maxi auch mal wieder gut nachvollziehen.
heißt: die a-seite mit der langen version für die djs, auf der b-seite das selbe nochmal in der single-version für das radio und ein bonus-track. in diesem fall „i did it just the same“ – downtempo mit einem gewissen mysteriösen unterton, gehört für mich aber nicht zu deren sternstunden. der titeltrack natürlich absolut, der den kids von heute demonstrieren könnte, was gute popmusik sein könnte – wenn nur das interesse dafür vorhanden wäre.

.xtrak
relay ep
[peacefrog pf030]

und wieder einmal todd sines, wobei ich mir bei der ep schon wünschen würde, die „packet burst“ auf 7th city wenigstens komplett zu kennen, weil so ein überflieger wie „multiplexor“ hier nicht drauf ist. eigentlich besitzt nur „enim“ mit seiner sequenz überhaupt ein markantes element, aber die finde ich sogar alles andere als spektakulär. die restlichen drei tracks exerzieren rhytmische experimente mit bassdrum, ein bis zwei hihat-spuren und claps durch, klingen dabei dennoch packender als die heutigen glitch-exzesse. auch heute noch schöne tools, aber eine andere platte gehört da definitiv schnell reingemixt.

aeox
how do you wannit cooked ep
[mental.ind.records mir 002.2]

kaum zu glauben, fehlte aber noch, und dann findet man sowas für zwei euro in der wühlkiste im absolut jungfräulichen zustand. da wäre wieder das lamenti von den ewig nicht- oder wenigstens missverstandenen acts angebracht, andererseits werden die anhänger dieser richtung solche platten nicht so schnell wieder hergeben wollen.
allzu verständlich, zeigen al.x.e und hanno sich hier von ihren besten seiten, bei „c-blech“ ansatzweise verjazzt, „roll“ ist schönster rhytmischer krach, und die b-seite hat den (rotzigen) funk gefressen. entsprechend gepolte gehirne müssen sowas einfach mögen.

kraftwerk
radio-aktivität
[emi electrola gmbh]

ist eigentlich müßig, den wert dieses albums nach 22 jahren noch betonen zu müssen. alleine die b-seite ist eine musikalische offenbarung, die dem langzeittest auch noch in 50 jahren standhalten wird. leicht zugänglich ist dieses album keineswegs – wer hier erste electro-prototypen à la „nummern“ sucht, wird sich fast die zähne ausbeißen, andererseits mit einem album belohnt, welches die synapsen vollkommen bedient. den vier düsseldorfern gebührt damit einmal mehr großer dank.

squarepusher
big loada
[warp / rough trade]

ja, als cd. hatte die vor langer zeit im hardwax als vinyl unter den fingern, wusste aber damals nicht, wann, wo und wie das jemals einzusetzen wäre (also der gleiche grund, aus dem ich seinerzeit auch bogdan raczynski zurückgestellt habe). heute zahlt man für das vinyl etwas mehr, bleep bietet die mp3s leider nur in variabler bitrate an, und da kann man schon mal etwas mehr in eine absolut neuwertige cd investieren, die auf zukünftigen autofahrten sicherlich zu meiner festen begleitung wird und nebenbei auch noch als ausgangsbasis für dateiformate meiner wahl, die später in serato zum einsatz kommen werden, dient.
sonst kriegt man tom jenkinson in selten so zugänglicher form zu gehör wie hier. alleine „a journey to reedham“ macht lust auf hyperaktive bewegungen oder bringt zumindestens ein lächeln zustande. „come on my selector“ oder „full rinse“ sind nicht weniger als klassiker, und was für ein musikalisches as er in sachen harmonie ist, kann man bei „massif (stay strong)“ nachhören. eine seiner sternstunden, definitiv!

einkäufe vom 26. juni 2007

eigentlich zwei pakete von ebay-verkäufern, die seit mehreren tagen bei einer hilfsbereiten nachbarin gelagert haben müssten, nun endlich in meiner wohnung.

brian eno
ambient 1: music for airports
[polydor amb 001]

im vorletzten wintersemester habe ich bei den musikwissenschaftlern (man muss ja schließlich auch über den tellerrand schauen, nicht wahr?) ein seminar mit dem titel „medien und hören“ besucht, was sich mit verschiedenen hörmodi und dazugehörigen musikrichtungen beschäftigte. wer will, kann sich nach begriffen wie das „akkusmatische hören“ umschauen, aber das würde hier zu weit führen.
eine der sitzungen wurde dem thema „ambient“ gewidmet, und da man im electronica-bereich früher oder später eh damit konfrontiert wird, war es sehr interessant zu hören, was mit der musik bezweckt werden sollte. der referent untermalte seinen vortrag mit „1/1“, was den beweis lieferte, dass diese musik tatsächlich im hintergrund laufen kann, ohne auf irgendeine art und weise störend zu wirken, sondern einen raum mit einem klangteppich versieht. nebenbei hat eno mit dem titel auch gleich den namen der musikrichtung geprägt, die auch heute noch weithin bekannte früchte trägt und im falle dieses albums sogar tatsächlich dort zum einsatz kam, wie es im titel gewünscht war (laut amazon.de im marineterminal des flughafens la guardia in nyc).
soviel zur vorgeschichte, aber zur musik muss ich eigentlich nicht viel schreiben, weil deren schönheit (um die floskel zu bemühen) wirklich für sich spricht. man braucht keine sorgen zu haben, dass eine moll-offensive auch noch die letzten positiven gedanken des tages verschreckt (bspw. zu hören auf „heroes„, woran er in nicht geringem maße beteiligt war), sondern genießt einfach die entschleunigung der zeit. von daher sollte sich jeder mit dem bedürfnis nach entspannung ruhig den luxus gönnen (denn nichts anderes ist das), sich dieses stück musikgeschichte in aller ruhe anzuhören. der tagesstimmung kann das nur gut tun. essentiell!

paul johnson
just whistle
[relief records rr727]

wollte ich schon länger haben, weil der titeltrack einfach zum kopfwippen und (ja, richtig geraten) mitpfeifen einlädt. sonst gibt es die typischen johnson-housenummern – zwei an der zahl – neben noch zwei anderen klassischen 909-chicago-tool-tracks. typisch relief eben.

euphorhythm
trans4mator / what does it taste like?
[space teddy st 005]

fangen wir mal mit der b-seite an, weil das die uninteressantere von beiden ist. sicher, die art von trance war anno 1993 sicherlich ganz groß in mode, aber einen blumentopf gewinnt herr dr. motte damit trotz nostalgiebonus bei mir nicht.
die a-seite ist hingegen ein fast viertelstündiges brett mit mehreren hypnotischen, sich überlagernden sequenzen, die irgendwann ab der hälfte von fiesen acidartigen tönen heimgesucht werden. klingt vielleicht so, als ob der track hoffnungslos überladen wäre, dabei ist das so schön auf den punkt gebrachter techno, dass ich echt nicht schlecht gestaunt habe, als pete mir im berghain im laufe seines sets verriet, dass unser liebesparaden-papa dahintersteckt.
wer also eine hochfunktionale nummer braucht, um zwischenzeitlich die örtlichkeiten aufzusuchen, sollte die platte ganz gewiss einpacken.

awex
it’s our future
[plastic city 10plac01]

wo ich gerade schon von der liebesparade sprach: die im jahre 1995 habe ich leider verpasst, aber wenn mich meine erinnerung nicht täuscht, dürfte das dort (und auch in den hiesigen clubs) einer der hits gewesen sein. in jedem fall gab’s dazu einen videoclip, in dem die bilder dieses doch wohl sehr heißen samstages vorkamen. die nummer muss man wegen der wie vorher auf dem storyboard entworfenen und entsprechend platzierten ravesignale mögen – zumindest, wenn man das alles damals in der jugend mitbekommen hat. wäre heute in zeiten der hiphop- und instant-superstar-dominanz bestimmt ganz lustig, mit gerade diesem statement punkte sammeln zu wollen, aber da wird’s lediglich beim versuch bleiben. dann müssen eben (mal wieder) die alten recken mithalten, die hin und wieder wehmütig auf die „gute alte zeit“ zurückblicken.

verlobung von dubstep mit techno

nun, ganz so weit sollte man erstmal nicht gehen. musste mir nur eine überschrift einfallen lassen, und damit der begriff „fusion“ nicht ewig überstrapaziert wird, geht es eben in die romantischere ecke.

ist auch eher als lektüre für zwischendurch gedacht. das wetter verlangt einfach nach passiver berieselung bzw. aktivitäten unter vermeintlich frischer, aber derzeit eher tropischer luft. daher gebe ich nur das weiter, was ich bei tanith aufgeschnappt habe. wünsche euch eine erhellende lektüre, aber nicht ohne link: voilà.

einkäufe vom 02. juni 2007

der anfang, den stapel an aufgelaufenem vinyl abzuarbeiten, muss ja irgendwann gemacht werden, also fange ich direkt mit den erwerbungen vom vergangenen samstag am paul-lincke-ufer an. davon einiges an nachholbedarf.

substance & vainqueur
remixes chapter 1
[scion versions sv 03]

an den zwei-monats-takt könnte man sich tatsächlich gewöhnen, zumal bislang wirklich keine katalognummer enttäuscht hat. das ist auch hier nicht der fall, allerdings kann man sich auch fragen, was bei hochkarätern wie den british murder boys und sleeparchive schon anbrennen kann.
erstere nehmen sich den chain-reaction-klassiker „emerge“ in zwei versionen vor, von denen die erste auch gleich mehr überzeugt. entspannten dubtechno gibt’s da selbstverständlich nicht, sondern vielmehr den gewohnten gebrochenen 4/4-takt, der das original nicht nur erahnen lässt, und dadurch mit einer gewissen portion funk in die beine fährt. der zweite remix haut vom beat her eigentlich in die selbe kerbe, allerdings ist der auch das einzig erwähnenswerte. hervorragend geeignetes tool dennoch.
sleeparchive wieder in bester form, obwohl er „immersion“ (die b-seite der sv 01) im grunde genommen kaum antastet, sondern schlicht und ergreifend die echo-chords umgruppiert. klasse ist das dennoch, weil man den remix dadurch direkt hinter dem original spielen kann, um das ende des warm-ups einzuläuten oder wenn man einfach eine version des tracks haben möchte, die den spannungsbogen in einem techno-set zu fortgeschrittener stunde nicht unterbricht.

surgeon
whose bad hands are these? (part 2)
[dynamic tension dtr009]

so ist das eben, wenn man sich fragt, ob aus dem techno-bereich überhaupt noch neue impulse kommen können oder man nicht besser beraten wäre, auf die sachen zwischen 1991 und 1997 zurückzugreifen, wenn man sachen mit einer von stumpfheit befreiten härte spielen möchte: auf einmal kommen wieder platten heraus, welche all diese bedenken wegbügeln. sicherlich ist das zu polemisch, es gab in der zwischenzeit genügend sachen, die auch den plattendreher mit anspruch zufriedenstellten, und auch birmingham war eine größe, auf die man sich immer irgendwie verlassen konnte, aber was surgeon hier aufbietet, sind ganz große kaliber – zwar auch von ihm selbst, aber spätestens bei monolake fällt einem nichts mehr ein, außer dass man tracks wie diese in dunklen räumen unter strobogewitter spielen will. am liebsten sofort.
neu ist auch nicht, dass er eine ader für dubstep hat – das zeigten bereits seine letzten sets. insofern verwundert es nicht, dass seine wahl auf vex’d als remixer fällt, und die machen mit ihrer dunklen, aber dennoch warmen note ebenfalls alles richtig.
insofern eine platte, an der kein techno-dj mit restverstand in diesem jahr vorbeikommen wird.

brother from another planet / .xtrak
7th city classics vol. 1
[7th city scd 022]

laut discogs kommen in der serie noch zwei platten nach, „planet earth“ wird aber nicht dabei sein, um evtl. aufkeimende vorfreude gleich im keim zu ersticken.
claude young mit „acid wash conflict“, eher minimal als acid, dennoch mit dem funk versehen, der damalige minimale platten im gegensatz zu den meisten heutigen erscheinungen auszeichnete.
die b-seite mit „multiplexor“ von todd sines in co-produktion mit daniel bell, dessen handschrift hier auch mehr als deutlich erkennbar ist. war einer der tracks, die ich mir als deckshark im berghain (bei fiedel) abgeschaut habe. die „packet burst“ wird dennoch in meiner wantlist bleiben, weil ich von der sorte tracks einfach nicht genug bekommen kann. für diejenigen, die gerne wissen wollen, wie spannend drei spuren (bass, hihat, sequenz) über fünf minuten klingen können, kommt der nachhilfeunterricht hier allerdings goldrichtig.

redshape
steam ep
[delsin dsr/rds3]

ich weiß echt nicht, ob es an der vorarbeit durch seinen live-act im berghain liegt, dass mir alles hier zusagt, aber für mich steht fest, dass die platte auf großen floors mit entsprechender beschallung richtig zünden kann, weil das beinahe schon hymnische thema des titeltracks (dessen namen man dann auch gleich wörtlich nehmen sollte) nichts anderes zulässt. „light“ ist als beatlos-melodiöser track wunderbar als intro einzusetzen, „munch“ dürfte manchem dj mit den versetzten hihats die schweißperlen auf die stirn treiben, bleibt aber dennoch der am ehesten universell einsetzbare track. warum ich „plush“ auf einmal mit tokioter skylines assoziiere, kann ich mir auch nicht erklären. liegt vielleicht an der asiatisch angehauchten melodie der sequenz.
ehe ich mir an philosophischen exkursen die zähne ausbeiße: die platte hat die music man als meinen favoriten abgelöst.

redshape
telefunk
[styrax leaves strx leaves 09]

im nachhinein überfälliger nachkauf, obwohl ich sie mir bereits zwei male angehört, aber immer wieder zurückgestellt hatte. weiß auch nicht wieso. vielleicht war ich seinerzeit noch zu sehr darauf fixiert, das neue in der immer auf’s extremere durchexerzierten disharmonie zu suchen. auch egal, weil er es hier bravourös schafft, alte chicagoer (beats) und detroiter (flächen) schule zu verbinden, das aber mit netten gimmicks zu bereichern weiß, so dass man die platte am ende eigentlich schon wegen der perfekten produktion haben muss.

unknown artist
99
[wooling woo099]

haken wir die a-seite als minimal-tool ab, was als track für zwischendurch ganz ok, aber mit sicherheit nicht mehr ist.
die b-seite hatte marcel dettmann bei meinem letzten berghain-besuch gespielt und ich nicht genau hingeschaut, so dass ich bei dem roten licht erst dachte, es könnte eine wagon repair sein. demnächst am besten länger als fünf sekunden hinschauen oder am besten gleich den dj fragen, dann muss man nicht erst zufällig bei den us-neuheiten rumstöbern, um das label grob wiederzuerkennen.
müsste so 11 uhr morgens gewesen sein, als der track lief – weiß ich auch nicht mehr so genau. minimal gibt’s zwar auch hier, aber dieser eine sich über die gesamte laufzeit erstreckende metall-blecherne sound, der immer passgenau zwischen den beats sitzt, sorgt dafür, dass der track schleppend und fordernd zugleich wirkt, was gerade um die uhrzeit extrem hypnotisch wirkt.

monolake – track des monats: live at dr. kern

aha, herr henke fährt zweigleisig. man sollte also fein differenzieren zwischen dem „free track of the month“ und den regulären downloads. habe ich jedenfalls gerade gelernt.

nun gut, hier gibt es ein live-set von ihm aus der bar „dr. kern“ in münchen (nur verlassen mich hier meine eh spärlichen kenntnisse über das münchner clubleben, aber wenn mich nicht alles täuscht, müsste das periphär mit dem ultraschall zu tun gehabt haben – ggf. bitte korrigieren). in 192 kbps, zwei teile, zusammengerechnet ca. 40 minuten lang.

extra erwähnenswert sind noch die downloads, bei denen es einen track seines weggefährten aus den zeiten, als das projekt „monolake“ noch recht frisch war, zur allgemeinen begutachtung gibt. nennt sich „silicea“, würde ich in richtung drone / ambient / electronica einordnen, in jedem fall außergewöhnlich, und gut sowieso.

wenn sich in letzterer rubrik wieder was ändert, wird’s hier stehen. bis dahin viel vergnügen.

einkäufe vom 31. mai 2007

stimmt nur teilweise, weil ich lediglich eine platte (via ebay) abgeholt habe und der rest (über discogs gekauft) bereits freitag per boten kam. das datum passt nur deshalb ganz gut, weil es mein 10-jähriges jubiläum als techno-aktivist ist, was weniger dick aufgetragen lediglich bedeutet, dass der 31. mai 1997 der abend des ersten clubbesuches war. die wahl fiel damals auf’s e-werk, was bereits zwei monate später in der form geschichte war, aber dennoch reichte dessen ruf, meinen eltern und mir eine schlaflose nacht zu bescheren, denen bis heute einige folgten (also bei mir. meine eltern fanden sich sehr schnell damit ab, dass ihr sohnemann eben etwas später losgeht als sie ihrerzeit.). das line-up des abends brauchen neugierige auch nicht irgendwo rauszusuchen, das weiß ich noch aus dem kopf in chronologischer folge: lady b, elegia, laurent garnier, woody. kann mich auch noch daran erinnern, dass ich die erste stunde im laden nur rumstand und bei mir dachte, dass mit dem laden eigentlich viel lärm um wenig gemacht wurde (war zugleich auch mein erster diskothekenbesuch, müsst ihr wissen), aber das änderte sich in den nächsten neun stunden gründlich, so dass ich es im nachhinein schon schade finde, dort lediglich die schlussphase mitbekommen zu haben. andererseits entsprach der tresor um die ecke eher meinen vorstellungen, und der blieb bekanntermaßen ziemlich lange eine heimat für viele.

zehn jahre später bin ich um einige cluberfahrungen und vor allem um ca. 2.100 platten reicher, und gerade um letztere soll es ja endlich gehen…

borsig
hiroshima
[rip off / ruff trade max 01]
natürlich ist wheezer mal wieder daran schuld, dass man etwas geschichtsforschung betreibt und neben dem titeltrack erfahren will, was hinter einer platte steckt, für die manch jemand (in limitierter weißer auflage) kleine dreistellige euro-beträge auszugeben bereit ist. hat man die platte lediglich mal gehört, besitzt sie aber noch nicht, und hat zu allem überfluss für industrial oder experimentiellen krach auch noch ein faible, ist der klick auf den „wantlist“-knopf nur eine frage von sekunden.
forscht man in der bewegten biographie des mannes herum (und da reicht wikipedia tatsächlich mal aus), wird umso klarer, welche seelischen abgründe er bereits mit 16 jahren erforscht haben muss. „hiroshima“ genießt daher nicht umsonst kult-status unter neubauten-anhängern und konsorten, jedenfalls jagen mir alle vier stücke der platte trotz – oder gerade wegen – des jungen musikers schauer über rücken und arme. morbide veranlagte tanzschulenbetreiber können sich ja überlegen, ob sie den titeltrack nicht zum üben des wiener walzers spielen können, ich für meinen teil bin einfach nur stolz, dieses juwel avantgardistischer musik aus dem damaligen westteil berlins für 30 euro endlich in meinem besitz zu wissen.

v/a
demagnetized
[magnetic north magnet 013]
ja, bei dave clarke hatte nach dem ganzen ärger mit bush eine menge frust angesammelt, da kam ein eigenes label gerade recht. abgesehen davon, dass ein gewisser cristian vogel dort sein debüt feierte, stand es bereits damals für einen kompromisslosen techno-sound, bei dem acid eine tragende rolle zukam.
eine art „best of“ gibt es mit dieser dreier-zusammenstellung, die unumwunden in jede tasche gehört, wenn man eine meute mit hunger auf herzhaftem 4/4-takt mit schmackes beglücken will. alleine schon der vogel-beitrag geht – für den zeitpunkt der veröffentlichung nicht ungewöhnlich – in richtung hardcore, dave clarke zaudert unter seinem directional-force-alias z.t. auch nicht, bringt aber auch einen schönen, fast schon „trance“ zu nennenden track. bei „like that“ von dj hell ist jeder mit der extra-ep besser beraten, und „rattlesnake“ von woody mcbride gehört zum pflichtprogramm, wenn man über 140 bpm spielt und das set mit nicht nur einer prise acid würzen will.

space frog
lost in space / timeslip (the updates)
[energized records dmd eng 009-1]
wieder so ein mayday-1994-nachkauf, nachzuhören im set von dj dick.
vergessen wir mal die b-seite ganz schnell, weil die selbst für trash-gewöhnte ohren schwere kost bietet. kann natürlich sein, dass übereuphorisierte raver sowas damals toll fanden, mich trifft da die gnade der späten geburt.
die lords of octagon leisten aber ganze arbeit und schustern einen acid-angehauchten track, der in der zweiten hälfte dank der synthesizer aber nicht mehr verhehlen kann, dass der für große hallen und ca. 10.000 armpaare in der luft konzipiert wurde. das dürfte sich noch intensivieren, wenn die tonart gegen schluss um eine oktave angehoben wird. ich glaube, manche werden selbst nach damaligen qualitätsmaßstäben diverse augen zugedrückt haben, aber zum schwelgen in alten zeiten ohne schlechtes gewissen langt’s dicke.