[berlin / 13.06.2017] wuhlheide: system of a down

ich habe zwar noch kein ticket, probiere mein glück aber beim alternativen vorverkauf.

nachbetrachtung

der alternative vorverkauf brauchte zwei stationen und schon hielt ich ein ticket zum normalpreis (60 euro) in den händen. mit manchester sowie der sorge um brille und weitere habseligkeiten im eifer des gefechts im hinterkopf hatte ich nur das notwendigste bei, bzw. an mir. das bringt bei der wuhlheide einen entscheidenden vorteil: es gibt eine extra-reihe für besucher ohne tasche. da muss nur abgetastet werden, was gleich mal wesentlich schneller geht.

ohne große umwege ins rund, aber hinter die erste absperrung. damit hatte man noch die wahl zwischen dem mitwogen oder mitpogen. bei den headlinern bewahrheitete sich, was ihnen als live-band vorausgeht: keine ansagen, botschaften werden über die songs oder videoprojektionen vermittelt, und nach 100 minuten war schluss – ohne zugabe.

gelohnt hat es sich aber in jedem fall: die songs von „toxicity“ bekommen sie auch mehr als zehn jahre danach unfallfrei gespielt, es gibt raum für ironie (zwischendurch waren ein paar takte von „physical“ von olivia newton-john zu hören) und die fans gehören im mob zu denen der fairsten sorte. schließt zwar manche walzen mit alkoholbedingten empathieaussetzern nicht aus, aber das war zu vernachlässigen.
davon abgesehen bestärkte mich die setlist in meinem urteil, die alten sachen bedeutend besser zu finden. neu für mich: den anfang eines circle-pit mitgemacht zu haben. erfolgreich vorher verdrängt: wie staubig es dort sein kann.

also: war schön, das miterlebt zu haben. ich würde sie mir aber am ehesten nochmal im rahmen eines festivals anhören.

[berlin / 10.06.2017] about blank: the industry

das ist der about blank-ableger der mother’s finest, die sonst in der griessmühle gastiert. auch wenn ich der mal wieder einen besuch abstatten müsste, ist die autonomendisko einfach so schön praktisch nah – und pinch so oder so immer gern gehört. erste wochenendausgabe, daher auch mit sonntagsprogramm, das ich aber wohl nicht mehr mitbekommen werde.

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
hätte es zwar gerne vor 5 uhr hingeschafft, aber wenigstens vier stunden schlaf wollten vorher absolviert werden. für pinch hat es ja gereicht und sich auch wie immer gelohnt. da waren die ersten ein bis anderthalb stunden teilweise so trocken, dass er damit publikumsauslese betrieb und es dafür in der zweiten hälfte voll zurückzahlte – inklusive diverser rewinds. entgegen meiner annahme, dass die besten tracks bei ihm von dubplates kommen und identifizierungen daher eh ins leere laufen, lieferte shazam doch bei einigen tracks auch valide ergebnisse. wileys „and again“ oder die vip-version von „mere sher“ von kromestar beispielsweise. es funktionierte in der lobby mit dem noch in der frühe verbliebenen publikum so gut, dass er in seinen letzten 20 minuten auch drum&bass alter schule wie ed rush & nico spielen konnte und auch durchaus damit weitergemacht hätte, wenn er nicht das schlusssignal bekommen hätte.
unbestritten und irgendwie auch zu erwarten: höhepunkt.

auch im gedächtnis bleiben wird die morgenstimmung im garten. meistens bin ich ja erst später da, aber einen sich ankündigenden sommertag mit steigenden temperaturen und sich auf die tanzfläche durchkämpfende sonne zu betrachten, während unaufgeregter house oder die neue kowton auf livity sound laufen, hatte definitiv etwas für sich. bwin wurden leider nach einer stunde etwas konzeptlos, was rhyw (eine hälfte von cassegrain) auf dem mdf aber erstaunlich gut ausglich. war zwar kein techno meines beuteschemas, aber es unterhielt mich auf der tanzfläche echt gut.

nichtsdestoweniger war für mich kurz vor 10 wieder feierabend, so dass ich abgesehen vom vielversprechenden start im garten nichts weiter mitbekam. daher ist boo williams erstmal einfach nur aufgeschoben.

[berlin / 27.05.2017] about blank: staub

wie immer. line-up und dieses mal auch den flyer gibt’s hinterher.

nachbetrachtung
ich kam erst zum schluss. die prioritäten lagen tagsüber im besuch von „the haus“, das nur noch bis zum 31. mai 2017 geöffnet blieb und zu einer der imposantesten ausstellungen zählt, die ich bislang besucht habe. die tour dort lieferte zudem echten zugewinn, so dass ein frühsommertag auch gerne in der zeit ohne den garten des about blank stattfinden konnte. ab 19 uhr war ich aber da.

hier erstmal das angebot:

garten
10h00 princess i.nez & modschi
13h00 alienata
16h00 p. leone
19h00 verboten

mdf
14h00 lady blacktronika
16h00 patch / wrk
19h00 paàl

verboten ist bei der staub kein unbekannter, dennoch hatte es sich bislang nicht ergeben, dass ich ihn hören konnte. bis 21 uhr war das zeitgemäßer techno, der als käufer durch mein beuteschema fällt, aber von ihm gut präsentiert war. in der letzten stunde wurde es etwas waviger und auch electro kam wieder zu seinem recht. meinem eindruck nach aber war der rote faden zuvor klarer. das klappte bei paàl drinnen besser, der dem dunkeln entsprechend toolig-treibend spielte.

da es eine der am besten besuchten staub-ausgaben war (wozu auch sicher das wetter beigetragen hat), ging es zumindest drinnen gleich nahtlos zur oscillate über. dort bekam ich jedoch nur noch violet in der lobby mit, bei der die 303 ganz häufig zu ihrem recht kam. das lässt sich auf soundcloud nachhören, solange es noch da ist. draußen musste nach 22 uhr aus rücksicht auf evtl. lärmbeschwerden schluss sein, aber das täuschte nicht darüber hinweg, dass das für viele der sommerauftakt im blank-garten war.

hier noch das violet-set:

[berlin / 13.05.2017] berghain: klubnacht

die anlage in der panorama bar soll ein update erfahren haben. das werde ich mir zwar auch anhören, aber hauptaugenmerk liegt auf samuel kerridge.

klubnacht

berghain
00h00 efdemin
04h00 samuel kerridge live
05h00 cleric
09h00 gerald vdh
13h00 kangding ray
17h00 ben klock
22h00 len faki
02h00 eric cloutier

panorama bar
00h00 candy pollard
04h00 new jackson live
05h00 dj tennis
09h00 joakim
12h00 john daly
15h00 oracy
19h00 nitam
22h00 kasper bjørke
02h00 maceo plex

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
auch wenn der besuch nicht so kurz war (4 bis 19 uhr), kann ich das musikalische recht flott abhandeln, weil die vorab erhofften qualitätsgaranten auch tatsächlich lieferten. allem voran samuel kerridge, der eines der kompromisslosesten sets gespielt hat, die ich samstags in den 12einhalb jahren dort mitbekommen habe. die erste viertelstunde konsequent unter 120 bpm und ohne richtige kickdrum, sondern eher dronig (der erste track von „fatal light attraction“ war mit dabei), filterte damit ein drittel des publikums aus und gab dem rest insbesondere in den letzten 20 minuten die brachiale offensive, inklusive live dazugemischter schrei-samples von sich selbst. kein einziger 4-to-the-floor-rhythmus, was die sache nochmal interessanter machte. hätte die letzten fast zehn minuten noch gut damit in die länge ziehen können – so war der schluss etwas abrupt.
das anlagen-update für die panorama bar besteht aus der rückkehr zu line-arrays und einer anderen verteilung der subs. hersteller ist studt akustik, die subs stehen sich jetzt quasi gegenüber: die altbekannten in einem der séparées, die anderen direkt vor den fenstern. da einer der gebuchten leute den pioneer djm im tech-rider hatte, von denen die neueren generationen ja ganz annehmbar klingen, gibt’s erstmal nur „weniger wuchtig, aber transparenter als zuvor“ als urteil. bei den sets ist oracy eindeutig hervorzuheben. er war der grund, weshalb ich doch länger als 12 stunden bleiben wollte, um während des sets zu entscheiden, ob ich währenddessen gehe oder nicht. dazu gab er jedoch keinen anlass. house mit und ohne vocals, es konnte auch etwas poppiger werden (ned flanders – memory loss. da wird’s spätestens beim vocal offensichtlich, von welchem soundtrack-gassenhauer er sich hat inspirieren lassen, und ep-titel sowie -cover setzen da noch eine krone drauf.), anthony shakir geht sowieso immer, vor allem wenn’s noch „soundblaster“ von der guten alten gigolo ist, später noch electro mit „space ships“ von jeremiah r. hatte trotz stilübergreifendem ansatz einen tollen flow, der mir vorher bei john daly fehlte, aber das mag auch dessen tagesform gewesen sein. joakim hatte zwischen deep house und disco eine halbvolle tanzfläche vor sich, was ich aber den gesamten abend über in der panorama bar jedoch als ganz angenehm empfand. unten war das bis zu ben klock noch genauso, das änderte sich aber bis 17 uhr schlagartig. zwar hörte sich das, was er spielte, beim durchlaufen recht ungewohnt melodisch an, aber mir war nicht danach, mir das vom rand anzuschauen oder einen platz irgendwo im getümmel zu ergattern, um zu schauen, ob mich das länger mitreißt – dafür war’s oben bei oracy einfach zu kurzweilig.
auch wenn ich kangding ray das letzte mal an ort und stelle besser fand, spielt er über die gesamtzeit betrachtet noch im oberen mittel mit. u.a. mit „dune“ von seinem album, das mich letztens tatsächlich dazu gebracht hat, etwas auf stroboscopic artefacts zu kaufen oder „encipher & decipher“ vom wirklich guten barker & baumecker-album letztes jahr. aber sonst war’s insbesondere bei gerald vdh als auch cleric nicht mehr als solider berghain-techno, bei dem letzterer zwar „amphetamine“ von drax ltd zum schluss spielte. aber auch der track scheint wieder in mode gekommen zu sein und als reminiszenz an die 1990er wohl gerne mal hergenommen zu werden. für mich war’s genügend anlass, im garten und vor allem der säule zu verweilen, womit ich endlich bei den umbaumaßnahmen wäre.

systematisch vorgegangen:
die garderobe hat ein neues wandgemälde: „vertigo“ von norbert bisky, der schon für das bühnenbild bei „masse“ verantwortlich war. dafür wurde die wand dunkelgrün gestrichen und das gemälde verteilt sich über kleinere einzelbilder, die jeweils von der gegenüberliegenden garderobe angestrahlt werden. damit wirkt zumindest die rechte seite der garderobe nicht mehr so kahl, wohingegen die panele mit den plattencovern auf der linken seite immer noch nicht ersetzt worden sind. dafür ist die improvisierte lösung mit den vorhängen dort den bekannten glastüren mit stahl gewichen. mal schauen, ob sich da noch was tut.
wer sich noch an die trennwand zur garderobe richtung toiletten / garten erinnert: die gibt es nicht mehr. stattdessen steht da jetzt eine couch, dahinter geht es zur treppe richtung oberen teil der garderobe (den ich übrigens an dem abend nicht geöffnet gesehen habe).
im garten ist der riesige phallus verschwunden, dafür stehen dort jetzt die betonbänke aus der ehemaligen säulenhalle, womit ich beim kern angelangt wäre. es war ja viel vorab über die säule zu lesen oder zu hören: zu helle klos, zu wenig rückzugsorte zum cruisen oder für die heteropärchen. gelobt wurde aber das licht sowie die galerie.
für mich ist es im vergleich zu vorher eine deutliche verbesserung. die mehrzahl an klos war definitiv notwendig, weil deren mangel in der darkroom-holzkonstruktion zuvor schon einigen die stimmung verdorben haben dürfte. das licht dort war bis zum säubern am mittag auch halb abgedunkelt und für mich vollkommen ok so. keine ahnung, warum danach flutlichtartiges licht herrschen musste. mit den saloon-türen zu den kabinen habe ich auch kein problem.
generell werden die ecken in der halle nun wesentlich besser als vorher ausgenutzt. am ende das dj-pult in der mitte, flankiert von zwei treppen, die nach oben zur galerie führen. wenn man dort oben ist, finden sich auch diverse spielwiesen, die unten etwas fehlen. habe mich auch gefragt, wie das im clubbetrieb mit musik und den sitzflächen am rande mancher säule funktionieren soll, aber als ergänzung bzw. entlastung zur klubnacht ist der raum ein absoluter zugewinn. meinem eindruck nach war die gesamte zeitdauer über dort mehr los als zu den klubnächten vor dem umbau, was die anzahl der leute angeht. das dürfte auch noch zunehmen, wenn sich herumspricht, dass man an der dortigen bar, die nun komplett nach rechts gewandert ist, so gut wie gar nicht warten muss. auch für gespräche empfiehlt sich die säule, da die glastüren / wände dazu führen, dass von oben zwar noch wahrnehmbar ist, welcher track gerade läuft, aber man muss nicht mehr lauthals gegen den bass ankämpfen. das müsste also auch einen parallelbetrieb von berghain und säule ganz gut gewährleisten.

kurz und prägnant zusammengefasst:
samuel kerridge und oracy unbestrittene höhepunkte, joakim und kangding ray oberes mittelfeld, sonst musikalisch nichts nennenswertes. die säule ist ein echter zugewinn, bei der wahrscheinlich noch etwas feinarbeit betrieben wird. aber es war definitiv eine gute entscheidung, den raum in der form richtig ausnutzen zu wollen.

[berlin / 21.04.2017] griessmühle: restfaktische postrealitaet

um mal den post-giegling-aprilscherz aufzulösen: das hier verbirgt sich dahinter.

die afterhour ist dann in den treuen händen von killekill, inklusive colours direkt danach. manche können sich bis zum montagmorgen unterhalten lassen. bei mir wird das aus gründen eher gestückelt.

hier erstmal der ablaufplan für freitag/samstag.

nachbetrachtung
zwei schichten, beide aufgrund des vielgerühmten einsatz in vier wänden eher kurz. dafür am freitag abend das vorprogramm in form des rr-kulturteils mitbekommen, in dem die geschäfts.. pardon: heimleitung die zahlen und pläne für die nächsten jahre offenlegte. gemeinsames singen stärkt den zusammenhalt, wobei ganz besonders „nacht voll schatten“ in erinnerung geblieben ist.

danach fand ich das hineinkommen in einen eh verkürzten abend mit drone im silo bei studio p4 cares & szymczak sehr passend, und wie es bei solchen nutzertreffen nun mal ist, plaudert man mal hier und dort, so dass die musik unverdienterweise in den hintergrund gerät. bei acid pauli stach „mango drive“ von rhythm & sound noch sehr positiv hervor, klex spielte schönen electro auf dem dachboden (den ich bei der gelegenheit das erste mal gesehen habe, also dj und floor), zu electric indigo wäre ich noch gerne geblieben – aber da habe ich lieber das selbstauferlegte limit eingehalten.

zurück war ich dann erst sonntagnachmittag zur colours-afterhour, weil ich snitch das erste mal hören wollte. bin auch da nicht wesentlich länger als nach seinem ziemlich guten live-act geblieben. manchmal lief der takt beim nächsten track nicht auf der eins, was meinen dj-autismus sofort wachrüttelt, daher kleiner punktabzug.

schien alles in allem etwas, für das es sich lohnte, zeit im kalender freizuschaufeln. das ging bei mir beim besten willen nicht, aber dem erfolg nach zu urteilen, wäre alles andere als eine wiederholung eine vertane chance.

[berlin / 15.04.2017| about blank: staub

das wird zwar leider nur ein kurzbesuch, aber besser als gar nicht.

ablauf
lobby
10 hörnberg
13 akanbi
16 robert audien
19 cavacha sound system
22 neurobic

mdf
15 the mony
18 sebastian kökow

zelt
14 dj sublime
16 jake nelson & andrew gordon
18 marian
20 nur jaber

nachbetrachtung
abgesehen von robert audien in der lobby habe ich nicht so viel mitbekommen, sondern die kurze anwesenheit von zwei stunden bis kurz vor sechs zum plaudern genutzt. „miranda“ von convextion ist mir als track noch im gedächtnis, währenddessen sich bei mir die sorge in luft auslöste, dass der etwas breiige klang in der lobby ob digital geschuldeter schwächen in der dynamik während meines sets im märz auf meine kappe ging. das klang auch mit vinyl am eingang zum floor an der bar nicht allzu berauschend. nach dem facelifting in der lobby zum blank-geburtstag letztes jahr, welches auch die anlage umfasste, könnte etwas nachjustierung nicht schaden. das klang damals vielversprechender.

nichtsdestoweniger waren die zwei stunden eher entspannter natur. hätte mir zwar gerne noch angehört, was herr kökow auf dem mdf veranstaltet hat. aber das muss dann eben auf das nächste mal warten.

[berlin / 11.04.2017] festsaal kreuzberg: mark ernestus‘ ndagga rhythm force

der festsaal hat ja mehr oder minder einvernehmlich das white trash an der grenze zwischen kreuzberg und treptow übernommen, und dort gastiert heute das projekt, das mir mit „lamb ji“ anno 2015 bis heute einen der besten tracks der letzten jahre beschert hat. dazu noch burnt friedman an den plattenspielern – das schaue ich mir gerne an.

ablauf
21h00 the master musicians of jajouka led by bachir attar
22h30 mark ernestus’s ndagga rhythm force
on decks: burnt friedman

eintritt
18 euro

adresse
festsaal kreuzberg
am flutgraben 2
u-bhf schlesisches tor

nachbetrachtung
von vorne bis hinten eine absolut runde sache. das fing schon sehr gut mit burnt friedmans fast schon an freejazz erinnernde einleitung an. die master musicians aus marokko sagten mir bis dato nichts, erinnerten mit ihren gerne mal über zehn minuten dauernden jams aber an das, was man mit basaren oder straßenkonzerten verbindet.

die ndagga rhythm force sollte man unbedingt erlebt haben. da stehen sie als acht musiker auf der bühne mit einem richtigen drummer, zwei an den sabars, einer talking drum, einem keyboarder, einem gitarristen, mbene diatta seck als sängerin sowie einer tänzerin (die besetzung der jeweiligen jahre lässt sich auf der band-website nachlesen). haben meistens zwei stücke in einem gespielt, wovon „lamb ji“ (was mich auf sie hat aufmerksam werden ließ) ziemlich zum anfang kam.
unwahrscheinliche spielfreude, komplexe rhythmik, interaktion mit dem publikum in der form, dass leute zum mittanzen auf die bühne geholt worden sind. und mark ernestus hält sich ganz bewusst im hintergrund und justiert im front of house am sound nach.

also absolut nichts zu meckern. hab seitdem zwar ein paar gelegenheiten verpasst, sie in berlin zu erleben, aber sie sind ja glücklicherweise mehrmals pro jahr hier.

[berlin / 16.04.2017] about blank: bewegungsfreiheit #10

auch wenn es besser wäre, wenn es den anlass für die party nicht gäbe, kann ich mir in puncto publikum, stilvielfalt und gelebter teilhabe aller beteiligten keinen besseren abschluss des osterwochenendes vorstellen.

line-up

lobby
00h00 nitam
02h30 rvds
05h30 kate miller

zelt
20h30 podiumsdiskussion
21h30 musik-performance
22h00 soli-tombola
22h30 plattenversteigerung
23h00 past forward
08h00 elliver
10h00 girl
13h00 grizzly
15h00 schleppgeist
18h00 lake people
19h00 steffen bennemann

mdf
01h00 stephan hill
04h00 pete
07h00 stype

hütte
01h00 dj caro & dj waleed
05h00 bewegungsfreiheit dj-team

eintritt
20-23 uhr: spende
23-1 uhr: 10 euro (+ spende)
ab 1 uhr: 12 euro (+spende)

nachbetrachtung
ich war erst kurz nach 6 uhr da, erfuhr an der kasse, dass herr bennemann nicht aufgetaucht war, und war erst verwundert, weil er doch wesentlich später hätte dran sein sollen. er hatte um verschiebung seines slots in richtung finale in der lobby gebeten und dann verschlafen. also machte rvds entsprechend länger und kate miller spielte später vor grizzly im zelt (und das richtig gut, also alle drei).

wegen einsatzes in vier wänden und arbeitsleben bis inklusive karfreitag blieb für mich nicht wirklich zeit für eine gründliche vorbereitung. am liebsten wäre mir mehr kante wie beim letzten jahr gewesen, andererseits ist techno auf dem mdf mittlerweile die sichere bank. da traf sich die staub drei wochen zuvor ganz gut, und davor war noch genügend zeit, sich mehr alternativen zurechtzulegen, weshalb ich manches nicht im dortigen set spielte.
kurz gesagt: resteverwertung mit ein paar dopplungen (an der „consume iv“ von stenny auf ilian tape habe ich nun mal einen narren gefressen) und aufgrund des unerwarteten todesfalls von mika vainio auch mit ein paar tracks mehr von ihm, um die (irgendwie alberne) regel, nicht mehr als zwei tracks von einem produzenten im set zu haben, bewusst als tribut zu verletzen.

aufbau während des herzlich fordernden, aber nicht zu sehr bretternden pete-sets ohne probleme. nach kurzem ausflug an die bar dessen süffisanter kommentar, dass mein controller „einen abgang gemacht“ hätte, weil die vibration ihn vom tisch befördert hatte. den controller hatte er dankenswerterweise sicher geparkt und der funktionierte bei erneuter verbindung ohne probleme. ist deshalb erwähnenswert, weil ich einmal während des laufenden sets dachte, dass er doch etwas abbekommen hätte, weil keiner der regler mehr funktionieren wollte und ich einen übergang daher nur mit den richtungstasten bestritten habe. in dem augenblick habe ich nicht wirklich geschaltet, dass touchable auf dem ipad den job auch ganz ordentlich hätte erledigen können, aber das ist eine eventualität, die ich daheim auch mal proben sollte.
es war letztendlich übrigens natürlich eine unbeabsichtigte bedienung meinerseits: der evolution uc33e verfügt über mehrfachbelegung, die man durch tastendruck wechseln kann. da bin ich wohl im eifer des gefechts draufgekommen. hab dann instinktiv (nach mehr als einer minute) auf die 1er-taste gedrückt und ab da funktionierte auch alles wieder wie gewohnt. das war aber auch der einzige gröbere fehler, der zu keinem nennenswerten publikumsschwund führte. der geschah wie zum schluss gewohnt eher (aus-)schleichend, so dass ich nach gut drei stunden mit „clipper“ von autechre feierabend machen konnte.

der rest des vormittags / mittags fand im zelt statt, in dem kate miller housig und zuweilen breakig (unter anderem die objekt #4) und grizzly nach langsamem anfang gegen 14h30 ziemlich technoid spielte. besuchertechnisch wie immer zu den bewegungsfreiheiten eine runde sache mit ansehnlichem spendenbetrag, daher keinen grund zur klage, sondern nach wie vor die wärmste empfehlung, den ostersonntag/-montag zu verbringen.

hier noch das set:

[berlin / 31.03.2017] berghain: planet giegling

es gibt einen ganz profanen, aber doch nicht unwesentlichen grund, dem hype um die weimar-berliner hinterherzurennen: ich hoffe auf einen merchandising-stand, bei dem sich die 8-fach-lp vom prince of denmark kaufen lässt. die tour-ep würde ich bei der gelegenheit auch gleich mitnehmen. das konzept mit mehreren live-acts (gerade in der panorama bar) kommt dabei aber auch mehr als gut gelegen.
die säule werde ich mir als neuen floor aller wahrscheinlichkeit nach erst ende april anschauen können. keine ahnung, wieviel davon beim durchgehen zu sehen sein wird.

planet giegling

berghain
ateq live
vril live
sa pa
konstantin

panorama bar
edward live
dj dustin
kettenkarussell live
legov leafar live

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
da will lynch sinn und verlauf der gesamten tour überaus lesenswert bei residentadvisor zusammengefasst hat, gibt es hier lediglich die inhaltliche bewertung dessen, was für mich denn nun am hype dran ist oder war.

die panorama bar lasse ich bei dem ganzen mal aus, weil ich da vielleicht mal eine viertel- bis halbe stunde verbracht habe, in der dustin gewohnt sicher agierte. der rest also unten, wo der riesige lametta-leuchter an der rückseite ins auge fiel, was eine der optischen installationen des giegling-kollektivs war und für ein insgesamt helleres berghain sorgte. die podeste wichen bühnenaufbauten, was vor dem darkroom und beim rechten boxenturm zunächst ganz gute emporen für die exaltierten, später aber zusätzliche sitzgelegenheiten schuf. fand ich gar nicht mal so schlecht als anordnung und dachte, dass dies der normalzustand wäre. könnte man für manche sonntage mal im auge behalten.
ebenfalls zeichen der optischen wandlung: die „rituale des verschwindens“ von piotr nathan waren ebenfalls bereits abmontiert und versteigert, was bei 500 euro pro panel (171 an der zahl) wohl einen ordentlichen schnitt ergeben haben dürfte. nur eine maueraufschrift mit dem titel des abmontierten werks zeugte davon, dass da einst etwas hing. mehr zur entstehung, konzeption des werks sowie zur entscheidung, es zu demontieren und zu versteigern, lässt sich in diesem interview nachlesen. war für mich etwas ungewohnt, bzw. wirkte sehr kahl und in puncto raumtrennung mit den vorhängen links neben dem eingang, wo auch die panele mit den gesammelten plattencovern demontiert worden waren, auch etwas improvisiert.
die säule war nur von außen zu betrachten, aber das wirkte tatsächlich sehr durchdacht. man erinnert sich: wenn das berghain freitags geöffnet hatte, stand zur säulenhalle stets ein bauzaun zur abtrennung, um die leute daran zu hindern, sich bei der bar zu bedienen, die samstags geöffnet hatte. das ist nun durch die glasfront nicht mehr notwendig, die 1:1 dem entspricht, was man oben zwischen bar und tanzfläche sieht. es gibt nun auch ein stahltor, das sich durch drahtseile bedienen lässt und den zugang zur stahltreppe nach oben versperrt, weil an manchen freitagen nur die säule anstelle der panorama bar geöffnet hat und leute nicht nach oben sollen.

es waren also gleich mehrere änderungen auf einmal, die nach den in den vergangenen 12 jahren mehr oder weniger prägnanten umbauten (von denen der in der panorama bar anfang 2010 sicherlich hervorzuheben ist) verarbeitet werden mussten. das fiel aber durch das musikalische niveau leicht, wobei ich den an live-acts orientierten ansatz wirklich loben muss. es hat zwar leider nur für die letzte stunde von ateq (von insgesamt drei) gereicht, aber das war immer fordernder werdender dubtechno, an den sa pa stilistisch auch gut anknüpfen konnte. er spielte mit cdjs und darunter viel eigenes, aber technisch war das ziemlich holperig, so dass ich mich schon fragte, warum er das nicht gleich als dezidierter live-act auch mit ableton live hätte machen können. konstantin hingegen war so souverän, dass er für mich eines der dj-sets des jahres gespielt hat, in dem auch tracks wie „elastobabe“ von pantytec richtig technoid klangen. „marionette“ von mathew jonson höre ich auch immer noch gerne, das war alles mit dem richtigen gespür für stimmung und harmonien ineinandergemischt, dass es sich alleine für ihn gelohnt hätte.
vril durfte die letzten drei stunden als live-act bestreiten und hatte von 7 bis 10 auch keine mühe damit, die leute zu halten. für mein empfinden wäre es besser gewesen, das tempo etwas weniger merklich zu drosseln als in den letzten zehn minuten vor schluss, aber das ist als kritik geschenkt.

hab’s also alles andere als bereut. wenn man will lynchs artikel liest, scheint giegling das auf die gesamte tour betrachtet genauso zu empfinden, auch wenn ich verstehen kann, dass es so schnell keine wiederholung davon mehr geben wird. aber sie haben es geschafft, mir die acht stunden mit einem zwar klar definierten, aber sehr ausgefeilten stil im erbe von dubtechno, minimal und trance sehr kurzweilig zu gestalten. hype hin oder her: hin und wieder trifft es damit auch die richtigen.