[berlin / 03.12.2014] berghain: clark – phosphor

und da bin ich wieder. vielleicht schaffe ich es bis dahin, mir sein neues album anzuhören. andererseits wird’s bei dem anlass wohl genug gelegenheit dazu geben.

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nachbetrachtung

wie so immer bei abenden, die mich restlos überzeugt haben, gibt’s das fazit vorneweg: war für mich einer der musikalisch interessantesten und allgemein wertvollen berghain-abende 2014. kann ich auch drastischer ausdrücken: die fünf stunden, die ich dort war, gaben mir zumindest vom musikalischen inhalt mehr als manche samstags-klubnacht, deren besuche in letzter zeit manchmal etwas länger werden konnten.

barker spielte zunächst ein eher von ambient geprägtes intro, aber auch experimentielle beat-mathematik von autechre (ipacial section). gajeks album auf monkeytown hatte ich zuvor nicht gehört und das daher (wie das clark-album) auf den live-act verlegt. sein stil ist ein ganz interessanter hybrid aus post-dubstep, techno, house-anleihen und natürlich electronica, wirkte aber – gerade was die übergänge zwischen den tracks anging – noch sehr skizzenhaft. so einen wirklichen fluss ergab das set (wie das album, das habe ich im nachhinein dann doch mal gehört) zwar nicht, aber das potential ist vorhanden.
mondkopf als brücke zwischen ihm und clark mit einem astreinen techno-set wie schon zur not equal, clark absolut ohne tadel. viel aus der „turning dragon“, generell sehr treibend, tanzbar, und ja – auch ergreifend. für mich steht jedenfalls außer frage, dass er mit seinen zuweilen epischen melodischen arrangements perfekt zum ort passt. schön jedoch, dass es gerade zum schluss hin auch sehr ravig werden durfte.
barker sorgte dann bis kurz nach 1 für einen ebenfalls ziemlich technoiden ausklang des abends mit „a journey to reedham (7 am mix)“ von squarepusher zum finale bei angeschaltetem putzlicht.

wie schon erwähnt: bot an spektrum einiges mehr als mancher samstag. toll auch, dass so einige leute inmitten der woche den weg zum wriezener karree fanden und sich clarks stil vor toller kulisse und vollem haus entfalten konnte.

[berlin / 01.11.2014] berghain: klubnacht

keine atempause? scheint so, aber da die nächsten wochen im zeichen der erholung stehen, kommen erstmal keine weiteren termine dazwischen.
an diesem ist erstmal die tatsache ungewohnt, dass die reihenfolge offiziell nicht veröffentlicht wurde – also wie zu den anfangszeiten des clubs. aber das war ja noch ganz anders, damals. wenn das dem phänomen abhilfe schaffen soll, dass alle welt nur zum headliner vor der türe und drinnen vor der garderobe steht, unterstütze ich das gerne. außerdem bin ich noch neugierig, wie das mit den aufklebern auf die smartphone-kameras gehandhabt wird.

klubnacht

berghain
00h00 marcel dettmann
04h00 woo york live
05h00 luke slater
08h00 cassegrain live
09h00 ed davenport
13h00 pär grindvik
16h00 regal
19h00 marcel fengler
22h00 nina kraviz
01h00 norman nodge

panorama bar
00h00 matthew styles
04h00 martin buttrich live
06h00 roman flügel
09h00 losoul
12h00 margaret dygas
16h00 tini
19h00 partok
22h00 magda
01h00 nick höppner

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
da mich sowohl die acts vor sonnenauf- als auch -untergang interessierten, die dazwischen jedoch weniger, kam das bewährte zwei-schicht-system zum einsatz.
eingestempelt zur ersten schicht: 02:00 uhr, ausgestempelt: 11:30 uhr. die überstunden hielten sich bei der zweiten in grenzen – 21:30-01:30.

der vorab nicht veröffentlichte ablaufplan führte zumindest nachts nicht zu einer kürzeren schlange, aber das wird auch dem touristenansturm zuzuschreiben sein. das mit den aufklebern stimmt jedoch und ist meiner meinung nach auch völlig gerechtfertigt. so können es diejenigen von der tür, die durch den laden streifen und jemanden erwischen, der bei abgelöstem aufkleber filmt oder fotografiert, nicht wie bisher bei einer ermahnung belassen, sondern gleich die entsprechenden kandidaten nach draußen eskortieren. da können andere gerne über kleberrückstände auf ihren sündhaft teuren schlauen telefonen schimpfen, aber erstens können sie sich bei denjenigen bedanken, bei denen die einstige ansage beim durchchecken zum einen ohr rein und zum anderen wieder rausging und zweitens beseitigt ein tupfer nagellackentferner den rückstand ganz gut. wer gerne daheim eine pause einlegen möchte, spart bei der rückkehr sogar noch zeit, wenn die aufkleber einfach auf den kameras bleiben.
klar, schöner wäre es, wenn auf diese maßnahme hätte verzichtet werden können, aber wenn die unbelehrbaren es nicht anders haben wollen…

ansonsten: anhebung des eintrittspreises von 14 auf 15 euro. sollte angesichts der dauer der parties auch noch von preis-leistung her stimmen und ist obendrein leichter zu wechseln.

soviel zum prolog, was blieb hängen?

eine für mich wesentlich bessere erste schicht als die zweite. keine ahnung, ob marcel dettmann tatsächlich etwas härter war als die male zuvor, bei denen ich mir sowas erhofft hatte, oder ob ich das zum warm-up so nicht erwartet hätte. aber das war für die zeit schon mehr als ordentlich treibend. um seinen aufbau muss man sich ohnehin nie sorgen machen – an dem abend hat das gesamtpaket für mich einfach gut gepasst.
woo york aus der ukraine, bassdrum, melodietupfer bzw. chords und delay bzw. reverb obendrauf. das ist die rezeptur, die wie maßgeschneidert zum club passt, aber eben auch recht spannungsarm ist. martin buttrich gefiel mir mit seinen chicago-anleihen oben schon besser.
bei luke slater und roman flügel wurde es schwierig. nicht wegen der fülle oder unangenehmer rempler. beides hielt sich (dicker pluspunkt) die ganze zeit über im rahmen, obwohl die schlange bis 5:00 schon bis zu den taxen reichte. beide machten aber einen so guten job, dass ich von beiden möglichst viel mitbekommen wollte. habe dann herrn slater den vorzug gegeben und oben auf der galerie in der panorama bar herrn flügel zugesehen, der lässig aus der hüfte abwechslungsreiche tracks mal mit vocals, mal trocken, mal mit breakigen anleihen schüttelte und das technisch immer auf den punkt brachte, dass der flow sich automatisch ergab.
bei herrn slater gab es den einen oder anderen technischen patzer, und ich könnte jetzt auch keine einzelnen tracks benennen, an denen ich festmachen könnte, was das set so gut machte. er hatte das spiel mit verschiedenen intensitäten jedoch sehr gut drauf an diesem morgen.
cassegrain waren danach ziemlich trippig. fand ich für eine halbe stunde auch gut, danach hätte ich mir jedoch erhofft, dass sie es etwas fordernder angehen – trat leider nicht ein.
losoul hat mich oben noch positiv überrascht. oberflächlich betrachtet furztrocken, da er doch eher toolige tracks aneinanderreihte. aber auch das mit dem gewissen etwas und vor allem präsenten basslines, so dass ich gerne eine zeitlang zugehört habe. auch das, was ich nebenher von ed davenport mitbekommen habe, war vielversprechender als sonst (ein track von der unlängst wiederveröffentlichten „neptune’s lair“ von drexciya bspw.).

extra für nina kraviz kehrte ich zurück, nahm noch den erneut soliden schluss von marcel fengler mit und hoffte dann bei ihr zwei stunden auf die raketenzündung. für meine begriffe hat die gute es mit ihrer verzögerungstaktik etwas übertrieben. der füllgrad und auch die stimmung hätten es bereits ab 21:00 uhr gut hergegeben, dass sie den club mit mehr oder weniger alten chicago-sachen auseinandernimmt. aber abgesehen von einzelnen akzenten (einer davon die barcode population auf subvert, die ich seit 15 jahren gesucht hatte und wofür ich ihr ewig dankbar sein werde, dass die bildungslücke gestopft ist), nutzte sie den bassbereich kaum dazu, um die meute vor sich herzutreiben. vielleicht war es auch nur eine form von tiefe, die sich mir nicht erschloss. in der letzten stunde machte sie jedoch einiges wieder gut, bspw. mit dem „mental mix“ von mike dearborns „deviant behavior“ und anderen sachen aus windy city.
magda habe ich auch nur kurz mitbekommen, spielte daniel bell („superminimal“), war auch hier positiv überrascht, dass es keine überfüllung gab, sondern es rundherum angenehm war.

was bleibt unter dem strich?
eine tolle erste schicht, die zweite sticht nur durch ninas gute tat bzgl. der amtshilfe bei der track-identifizierung hervor. dafür hatte sich der weg schon irgendwie gelohnt, aber die steilvorlage bzgl. der spielzeit und dem damit erneut einsetzenden besucherandrang hätte sie besser nutzen können.
nichtsdestotrotz: ich ging sehr zufrieden heim, das gilt insbesondere für die erste schicht.

[berlin / 31.10.2014] about blank: paranoia

das passt auf dem papier schon so gut, dass es töricht wäre, wenn ich mir das entgehen lassen würde.

paranoia20141031

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
leider war ich erst ab 4:00 uhr vor ort, wobei schon vor dem betreten des ladens klar war, dass das line-up den erhofften erfolg gebracht hatte. vor dem blank warteten auch zu der zeit noch wenigstens 50 leute.

i-f habe ich leider verpasst und auch gesloten cirkel nur im hintergrund beim plaudern wahrgenommen. es gab bei ihm wohl ein paar technische probleme, weshalb er sich eher auf rhythmus-dominierte patterns konzentrierte. obwohl ich seine rauhe analoge soundästhetik schon charmant finde, war’s mir auf dauer doch etwas trocken. noch dazu wollte gefühlt jeder auf den mdf-floor, was an meiner position vor dem ein- und ausgang zu einem stetigen publikumsverkehr führte und auf dauer nervig werden kann.

drüben in der lobby hatte dj flush sichtlich viel spaß und auch wenn der floor normalerweise durchgangsstation zwischen bar und toilette ist, glich der vergleichsweise angenehme füllgrad und vor allem das echt gute set das locker wieder aus.
alienata legte ihren schwerpunkt klar auf acid, später waren auch ein paar ebm-sachen zu hören, bei denen mir die kenntnis fehlt, um sie benennen zu können. fand ich (auch aufgrund mancher technischer hänger) leider nicht zwingend genug, so dass ich bei meinen ausflügen zügig den weg zurück in die lobby antrat.
amnesie nahm nach flush das tempo spürbar heraus und spielte alte trax-sachen („no way back“ bspw.) nebst house. das war bei dem durch die fenster scheinenden sonnenlicht auch das richtige, für mich war’s jedoch noch richtiger, gegen 11 den heimweg anzutreten.

aus sicht eines gastes ohne einsicht in die bilanzen würde ich sagen: alles richtig gemacht. wie sich bei der anwesenheitsliste auf residentadvisor in den tagen zuvor andeutete, kamen hier wohl die dinge zusammen, auf die man als organisator eben so hofft: ein toller club mit dem richtigen line-up, das gelegenheits-partygänger und musiknerds gleichermaßen zu schätzen wissen. mich hat der große zuspruch jedenfalls echt gefreut.

[berlin / 11.10.2014] about blank: staub

das wird mein ausgewähltes wochenenddatum, das line-up gibt es wie immer danach.

staub20141011

ablauf
12 kate
14 caleb esc
16 alpha cephei live
17 anja zaube
19 edoardo
21 invite

eintritt
5 euro

nachbetrachtung
wirklich pünktlich zum anfang war ich nicht, aber wenigstens für caleb escs zweite hälfte hat’s gereicht.
die war der uhrzeit, zu der noch das tageslicht durch die bunt abgeklebten fenster der blank-lobby schien, und dem noch recht moderaten füllgrad angemessen. techno mit industrial-ästhetik, für mich waren die nuancen eher subtil (soll heißen, dass ich keinen track oder label benennen könnte, weil der stil einfach eher weniger mein beuteschema ist), aber mit feinem gespür, was die anwesenden so mögen könnten. technisch fand ich ihn im duett mit anja zaube im april jedoch um einiges sicherer.

alpha cephei hat mich im positiven sinne überrascht. klang zu beginn sehr nach sleeparchive, was als vorbild oder referenz aber sicher nicht die schlechteste wahl ist. später dann rauher, fordernder, womit auch er zeigte, dass er sehr gut auf das publikum und den sich steigernden füllgrad reagierte. der junge herr hat ein soundcloud-profil zum nachhören. ich fand das für seine berlin-premiere schon richtig routiniert.

anja zaube: eines der beiden sets der party. da stimmte alles: technik, aufbau, auswahl, subtile tracks mit krachigen tools kombiniert – da waren die zwei stunden wie im flug vorbei.

kann ich von edoardo leider nicht behaupten. ich weiß, dass ich diese „big room“-vokabel hier in letzter zeit häufig überstrapaziere, aber das set war von diesen tracks dominiert, inklusive des schon bei veröffentlichung für mich eher fluchtreflexe auslösenden „dubfire planet terror remix“ von radio slaves „grindhouse“. naja, einigen anderen anwesenden hat’s gefallen, ich sammelte reserven, in der hoffnung, dass es danach besser wird.

invite machte es besser. und wie! viel luke slater, auch jeff mills (gleich als intro das interview von der tomorrow 001, schon mal sehr sympathisch) oder die gute alte sterac auf m-plant. er gab mir jedenfalls in seinen drei stunden keinen anlass, mal irgendwo sitzen zu wollen. zum schluss noch hitalarm mit „access“ von dj misjah & dj tim, da war ich selig, ich frage mich jedoch, ob nur noch die sets mit dem gewissen nostalgieanteil bei mir einen blumentopf gewinnen können und ich das neue nicht gebührend zu schätzen weiß oder ob die schiere masse an den veröffentlichten und sich derzeit in gebrauch befindlichen tools mich einfach überfordert.
andererseits: war schon bei dieser komischen richtung mit sch am anfang und minimal erst recht so. wahrscheinlich bleiben mir dann doch nur die rosinen im gedächtnis.

äh, ja, genug abgeschweift: anja zaube toll, invite toll, alpha cephei aller ehren wert, caleb esc solide, edoardo nicht meine tasse tee, tolle stimmung jederzeit, staub bleibt für mich damit der kandidat für den festen monatlichen termin.

[berlin / 17.10.2014] suicide: killekill family

meine beteiligung außen vor lassend ist das mal wieder eines der line-ups, die dem suicide super zu gesicht stehen. arad (der zusammen mit eomac als lakker die clubs oder festivals unsicher macht) bestreitet den anfang, mehr weiß ich noch nicht. wird aber hier aktualisiert, sobald alles feststeht.

killekill family
00h00 arad
02h00 dj flush
04h00 jerome hill
06h00 stype

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

eigentlich gibt es nur anderthalb so richtig negative punkte, die haften geblieben sind, und selbst der eine komplette hat noch seine positiven aspekte: dank lampenfieber geriet das vorschlafen etwas kurz, was aber im umkehrschluss dazu führte, dass ich kurz nach 4 im club sein und damit jerome in fast voller länge hören konnte. dies dank einer gewissen paranoia bezüglich abstellen des equipments hinter dem pult doch lieber mit rucksack im club sitzend, aber auch das reichte, um schnell mitzubekommen, dass er nichts von seinen qualitäten eingebüßt hat. spielte aufgrund des todes von mark bell auch einige lfo-sachen.
es gab nur einen offenen punkt: mir wurde gesagt, dass am xone:92 nur die zwei kanäle funktionieren würden, an denen die mk2s hingen. hätte also bedeutet, bei der letzten laufenden platte einzustöpseln, umzuschalten und kurz gegenzuchecken, ob alles läuft. bin aber das risiko eingegangen, hab mich auf einem dritten kanal angeschlossen und jerome hörte beim vorletzten track probe – alles klappte, und das auch für die restlichen gut drei stunden.

damit wäre ich beim halben negativen punkt: den spannungsaufbau bei warm-ups kriege ich mittlerweile ja ganz gut hin. sachte, experimentiell und wenn möglich mit einer gewissen tiefe anfangen, um am ende etwas, aber nicht zu treibend zu enden. für den schluss fehlt mir hingegen immer noch ein wenig die praxis: das publikum hat den größten teil der party schon hinter sich und durchaus noch lust, ein anderer teil möchte sowieso gehen (den aspekt habe ich bereits im hinterkopf, so dass ich den publikumsschwund weniger auf meine kappe nehme als früher) und ich selber möchte so viel wie möglich von der zeit nutzen. nur, wie stellt man das am besten an? hat man den übergang vom vorgänger zum eigenen set erstmal gut hinbekommen und treibt die meute mit einer angemessenen härte vor sich her, ist es natürlich verlockend, das noch etwas länger so zu betreiben. dabei kann es aber vorkommen, dass ein teil des publikums das so gar nicht unbedingt möchte und sich erst an die bar, nach draußen oder gleich nach hause begibt. und dann ist er wieder da – der gewissenskonflikt: soll ich in dem tempo und der härte weitermachen? noch etwas härter? mehr hits? oder doch besser sanfter? das patentrezept dafür gibt es wahrscheinlich nicht oder ich müsste für alle eventualitäten vorsorgen – in dem fall traf das zwar auf alle vier zu, aber eine längere phase an zwar noch treibenden, aber nicht zu harten tracks wäre in der ableton-matrix definitiv besser gewesen.

ansonsten war alles durchaus positiv: es lief aus meiner sicht den gesamten abend über sehr passabel. eine treue anhängerschaft blieb bis zum schluss um kurz nach 9 und drei stunden spieldauer sind nun wirklich nichts, wofür man sich schämen müsste. daher ist das set auch online, so dass ihr das hier (oder sogar bei mixcloud, da gibt’s auch eine trackliste) nachhören könnt. wie immer: sofern es was zu loben, kritisieren oder verreißen gibt, nutzt die kommentare.

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[berlin / 04.10.2014] berghain: klubnacht

teil 2 von 2. mike dearborn war ende letzten jahres schon mal zu gast und hat wohl einen ziemlich guten job gemacht. ich hatte von ihm so ein paar mittelprächtige sachen auf majesty in erinnerung, die seine verdienste auf djax zwar nicht schmälern können, mich aber seinerzeit haben skeptisch sein lassen, ob er austauschbaren sound spielt. in dem rahmen kann ich aber schwer nein sagen. mich freut auch sehr, dass die drei jungs von livity sound nach dem freitags-showcase anfang des jahres die tagesschicht bestreiten dürfen, und generell lässt das programm eher auf musik- als auf hype-interessierte schließen. karenn nehme ich sowieso gern mit.

klubnacht

berghain
00h00 janina
04h00 karenn live
05h30 mike dearborn
08h30 pev
11h00 asusu
14h00 kowton
17h00 somewhen
20h00 echoplex live
21h30 thomas hessler
00h30 marcel fengler

panorama bar
00h00 dinky
04h00 generation next live
05h00 steffi
09h00 domenico & harri
13h00 the 2 bears
16h00 damon lamar
19h00 joe
22h00 soundstream
01h00 plo man

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
auch auf die gefahr hin, dass ab hier niemand mehr weiterliest, nehme ich das fazit dennoch vorweg, weil der eindruck auch nach sechs wochen (schreibe diese zeilen am 19. november 2014) der gleiche ist: das war mit einer der besten berghain-sonntage 2014.

eingestempelt: 4:00 uhr, ausgestempelt bzw. bei der tür verabschiedet: 21:00 uhr.

das lag nicht so sehr an karenn. die beiden waren zwar gut und wie immer recht flott unterwegs. noch dazu verdient ihr improvisationstalent mit hardware inkl. modularsynthesizer respekt, aber so richtig zwingend fand ich nur kurze phasen. können sie definitiv besser.
mike dearborn legte einen schönen trockenen anfang hin (erinnerte etwas an „spastik“), verkaufte sich auch ansonsten ordentlich. dazu muss ich jedoch sagen, dass ich schlimmsten tribal-techno erwartete, aber er bediente sich rege beim „big room dj tool techno“-fach. kann da keine tracks rausgreifen bzw. benennen, dazu hat mich zu wenig interessiert und nach einer stunde fand ich steffi oben wesentlich unterhaltsamer und abwechslungsreicher.

die lorbeeren gebühren ganz klar den drei livity-jungs, insbesondere pev und asusu. gerade bei den beiden zeigte sich, wie sich die spreu vom weizen trennen lässt (was sich direkt am montag danach auch im berghain-forum nachlesen ließ). dabei machten es beide für meine begriffe richtig: erstmal etwas nach dem gusto der stammkundschaft spielen und zeigen, dass man durchaus eine techno-grundausbildung genossen hat. pev spielte bspw. „quo vadis“ von g-man, asusu einiges von robert hood / the vision oder sandwell district, garniert mit ein paar tools von pris auf resin. das war schon als techno-set sehr brauchbar, aber dann kamen die so richtig spaßigen abschnitte mit den breakbeats, während denen ich nur fröhlich etwas wie „endlich mal ein hauch von sub:stance an einem sonntag!“ denken konnte. damit schufen sie platz auf der tanzfläche. poser oder zaungäste trollten sich, der rest auf der tanzfläche wusste dahingegen, weshalb er blieb. die entscheidung, jedem seinen eigenen slot zu geben und sie nicht wie im februar als team auflegen zu lassen, war im nachhinein auch goldrichtig. so hatte jeder genügend zeit für den eigenen aufbau und es wirkte alles wesentlich schlüssiger.
kowton war von den dreien noch der am ehesten massenkompatible, indem er nur den anfang mit breakbeats bestritt, danach jedoch strikt mit gerader bassdrum spielte, dabei jedoch auch viel geschmack bewies und mir mit dem zenker brothers-remix von stennys „eternal restriction“ auf ilian tape einen schönen floh ins ohr setzte (was für ein bass…).

derweil werden sich einige panorama bar-jünger oben gefragt haben, was das werden soll. als ich nachmittags oben war, lief jedenfalls strikt disco auf langsamem tempo. für die connaisseure wahrscheinlich ein genuss, aber ich habe die tanzfläche nachmittags selten so leer gesehen (ca. zur hälfte). das änderte sich auch abends gegen 19 uhr nicht wesentlich.
mein fall war es auch nicht ganz, dennoch ging ich mit einem gefühl durch den club, dass sonntag tagsüber endlich mal etwas raum für experimente geschaffen wurde – und zwar auf beiden floors.

somewhens berghain-debüt fand ich unterhaltsam – nicht mehr, nicht weniger. war eher melodisch, auch viel von ostgut ton oder mdr, somit im allgemeinen berghain-konsens. „born slippy“ fand ich zum abschluss schon sehr fein.
echoplex gab mir hingegen gar nichts. das lag auch nicht unbedingt an den bald 17 stunden auf den beinen, sondern auch an der zuweilen komischen art des cuttings, das nur selten wirklich im takt lag und auch an der big room-offensive. ja, mir ist das mittlerweile und insbesondere nach so einer zeitspanne im club einfach zu wenig – gerade nach dem, was so um den mittag herum im berghain passierte.

auch wenn sich die gelehrten, bzw. berghain-fanboys und musikliebhaber darüber streiten mögen: für vielfalt, anspruch und tanzbarkeit waren die sets von pev und asusu ein absoluter segen. das kann so gerne nochmal passieren und steht dem berghain besser zu gesicht als das, was abends bei echoplex so zu hören war. kann nur hoffen, dass der mut zum (vermeintlichen) risiko in der form weiter gepflegt wird.

[berlin / 03.10.2014] berghain: ctm presents the bug / get perlonized

ein verlängertes wochenende und schon wird das wieder einmal zum ausgiebigen musikhören unter größtenteils fremden mitmenschen an üblicher stelle genutzt. das ist teil 1 von 2.
the bug gefällt mir bislang nur bei einzelnen tracks („poison dart“ am meisten), daher soll er mal die chance kriegen, seine live-qualitäten unter beweis zu stellen. um ehrlich zu sein, bin ich aber wegen des rahmenprogramms da. mala ist an ort und stelle schon vier jahre her, daher wird es mal wieder zeit. generell: früh erscheinen und lang bleiben, auch um zu sehen, was fumiya tanaka mittlerweile so treibt, den ich bei perlon bisher immer verpasst habe. und ja, mir ist klar, dass ich keine alte schule wie auf seiner „mix up“ erwarten sollte.

berghain: ctm presents the bug
00h00 kahn
02h00 shapednoise live
03h00 the bug feat. flowdan, miss red & manga live
04h00 mala
06h30 opium hum

panorama bar: get perlonized
margaret dygas
fumiya tanaka
zip
sammy dee

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
ich war erst zu shapednoise da, bei dem der name programm ist. die frequenzen sind zwar nicht so schrill wie bei den japanischen oder auch britischen gegenspielern (hallo, russell haswell), stattdessen gehen sie eher in den tiefbereich, so dass eine art rhythmus entsteht und das alles auf seine art tanzbar wird. tempiwechsel gab es obendrein, so dass es auch dynamisch blieb. gefiel mir jedenfalls.
mit the bug werde ich auch nach dem auftritt leider nicht warm. an sich müsste ich das bei meinem faible für zornige, rauhe musik bei hohem tempo, vielleicht halten auch mittlerweile vorboten einer gewissen altersmilde einzug, aber irgendwie war das stets auf krawall und feuer aus allen rohren bedacht – jedenfalls in der zeit, in der ich unten war. sonst nutzte ich die gelegenheit, mich nach oben zu begeben, wo es (perlon-typisch) unaufgeregt, für manche etwas trocken, aber dennoch mit groove zuging.

uneingeschränkter höhepunkt ist und bleibt jedoch mala, der nach wie vor charismatisch den mit dmz ins leben gerufenen dubstep verfechtet. wenn das auch mittlerweile x aufgüsse davon gibt, versteht er es nach wie vor, seine sets mit so einer tiefe zu und klassikern (hat hier jemand „spongebob“ gesagt?) zu versehen, die zumindest in mir das bedürfnis weckte, ihn – wenn es nach mir ginge – eigentlich zu einer quartalsweisen residency verpflichten zu müssen. kurzum: es tat sehr gut, ihn wieder an ort und stelle hören zu dürfen.
opium hum rundete das geschehen unter anderem mit dem hybrid ab, der sich aus techno und dubstep entwickelt hat („strange dreams“ von untold wäre da zu nennen).

war alleine wegen mala ein definitiv schöner abend, wobei die verbindung zwischen industrial/noise (shapednoise) und dubstep schon besser hätte funktionieren können. aber dafür war the bug als headliner einfach zu groß. scorn wäre eine gute wahl gewesen, aber das ist auch wiederum wunschdenken meinerseits.

[berlin / 02.10.2014] ohm: abyssal with djrum

der freitag ist tatsächlich aufgrund nationaler feierlichkeiten frei. daher kann ich endlich mal in den kleinen club, der im gebäude des tresors bzw. des heizkraftwerks residiert, zuvor schon als „shift“ existierte und seit ein paar monaten mit genauso guten line-ups – nur eben als „ohm“ – weitermacht. bei abyssal ist das eh ehrensache, wobei ich nicht annehme, dass ich großartig vorher schlafen werde. der abend könnte daher für mich recht kurz werden.

abyssal with djrum
djrum
es.tereo
whø
ddm

adresse
köpenicker straße 70
u-bhf heinrich-heine-straße

beginn
24 uhr

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

obwohl der horst krzbrg immer noch ein bisschen fehlt und johnnie stieler klargemacht hat, dass er nicht mehr so schnell einen neuen club eröffnen wird, haben sich teile des horst-personals ein herz gefasst und mit dem ohm eine plattform geschaffen, die die clublandschaft berlins für meine begriffe sehr bereichert. ich gehe sogar so weit, es als kleine perle bezeichnen zu wollen.

schwer zu finden ist es tatsächlich nicht: einfach den tresor-eingang verpassen und weiterlaufen. gleich hinter der kasse steht man im club, der seinerzeit tatsächlich der batterieraum im heizkraftwerk war (ihr erinnert euch: zu beginn hieß der größere raum im neuen tresor so, bevor er wieder in „globus“ umbenannt wurde). den überblick hat man sofort, da es nicht mehr als 70 qm sein dürften, die sich bar und tanzfläche untereinander aufteilen. dj-pult ebenerdig, geradezu am anderen ende, wenn man reinkommt, daneben die tanzfläche, davor die bar mit sitzreihe an der wand. alles gekachelt, wirkt daher wie ein versuchslabor, was dem programm des clubs auch sehr entspricht. sonst: toiletten hinten rechts, die garderobe ist sogar ein kleiner teil des kraftwerks.
spärliches licht, erst beim ende von djrum wurden die led-reihen etwas gefordert – da geht also durchaus noch mehr. die anlage sticht jedoch richtig positiv hervor. bitte korrigieren, wenn ich falsch liege, aber das dürfte das gleiche fabrikat wie im raumklang sein. präzise, druckvoll, ausgewogen und sogar ohne gehörschutz sehr gut auszuhalten (obwohl djrum einen djm-800 bestellt hatte, den er aber nicht durch pausenloses clipping überstrapazierte). bin kurz nach 5:00 uhr ohne pfeifen im ohr raus.

kam pünktlich zu whø?s erster platte, er war (mal wieder) für mich im gesamten auch der höhepunkt an dem abend, indem er die lücke zwischen post-dubstep (so sagt man jetzt wohl dazu) und techno am besten traf.
bei djrum fand ich den aufbau seltsam. erst mit drum&bass anfangen, dann nach 10-15 minuten das tempo auf 110 bpm drosseln, um sich über house und oldschool-breakbeats wieder hochzuarbeiten. immerhin: „digeridoo“ von afx spielte er gegen schluss. sehr gute zweite hälfte, in die ich aufgrund der ersten jedoch erstmal hineinfinden musste.

kann aber einen rundum erfreulichen abend nicht trüben. ob es am bevorstehenden feiertag, dem line-up, am ruf des clubs bzw. von abyssal oder an allem zugleich lag: es war stets gut gefüllt, wobei das ohm auch mit 30 leuten nicht leer wirken würde. dennoch super, dass das angebot auf soviel gegenliebe stieß. hatte das gefühl, dass es rundum passen würde, was die abyssal-protagonisten auch im nachhinein noch bestätigten. wird daher nicht deren letztes mal dort gewesen sein.

generell sollte man das ohm auf dem zettel haben, wenn man am wochenende zwar lust auf weggehen, nicht aber auf exzess hat, sondern einfach nur gute musik etwas neben dem konsens erleben möchte. ein toller raum für experimente, der sich alleine durch sein musikalisches konzept das publikum aussucht – kompliment dafür.

[berlin / 26.09.2014] stattbad: grounded theory

die sommerpause ist beim stattbad schon länger vorüber, auch die grounded theory meldet sich mit ihrem fünfjährigen zurück, und da mich randomer mit seinen produktionen in den letzten jahren eh schon überzeugen konnte, fallen die überlegungen nicht schwer.

groundedtheory20140926

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
es scheint sich bei der grounded theory so einzuspielen, dass ich erst recht spät aufschlage, aber dafür länger bleibe. das ist im stattbad aber auch ganz gut so, da die grounded theory einer der publikumsmagneten ist und mir mit fortschreitender club-erfahrung nicht mehr der sinn nach menschenmengen auf tanzflächen steht. solange noch nicht jeder weiß, dass das beste eh immer zum schluss läuft, passt das ja.
henning und milton teilten sich den bunker auf, das so bis 8 uhr.

von acid maria bekam ich auf dem boiler noch den schluss mit („computer re-mix“ von parris mitchell – chicago geht einfach immer), von alan fitzpatrick zwar ein set, das sich im „big room“-hardwax-fach umhertrieb, aber auch mit der dub-version von surgeons „fixed action pattern“ schon perlen zu bieten hatte.
randomer war für mich der gewinner. klar mit so einigen eigenproduktionen und die hölzerne funkiness seiner tracks zog sich auch durch das gesamte set. aber gerade das fand ich erfrischend – und seine kurze drum&bass-phase zum ende, das er mit „shadowboxing“ von nasty habits krönte, erst recht. das hätte er gerne ausdehnen können.

[leipzig / 20.09.2014] institut für zukunft: clubnacht

sommerpause vorbei, alle formalitäten für den clubbetrieb sind erledigt, line-up passt – das schreit doch nach einer exkursion.

clubnacht
floor 1
orphx live
marcel heese
mareena
n.akin
floor 2
charlie smooth
dj xing

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

schwierige gratwanderung mal wieder, unter dem gebot der neutralität zu berichten. da ist zum einen der hype, der durchaus auch von kollektivseite mit der startnext-kampagne und dem darin nicht gerade niedrig angesetzten anspruch generiert wurde. der hat durch die behördlichen warnschüsse, weshalb es statt einer mal eben drei eröffnungsfeiern gab, schon einen dämpfer erhalten, daher kam auch etwas allgemeine skepsis zur neugierde hinzu.
zum anderen gibt es die persönliche bindung: erstmal durch unclean, eine hälfte des leipziger duos dead baby in a plastic bag, die gerne mal mittwochs im tresor zu gast waren und dadurch neben der online-kommunikation auch mit marcel bekannt sind. wie das nun mal so ist, kommen darüber auch kontakte zustande, so dass die bekanntschaft im umfeld von 100 dezibel lautstärke aufgebaut werden kann. ähnlich bei franziskus, der die startnext-kampagne gestartet hatte – er wiederum hatte vor gut vier, fünf jahren im killekill-büro ein praktikum gemacht, daher lief man sich in berlin (meistens im berghain) sporadisch über den weg. er war es auch, der mich zum start der kampagne direkt anschrieb, die in meiner biographie seitdem als erste crowdfunding-kampagne steht, bei der ich etwas gespendet habe. steht hier alles bereits, es sei nur nochmal rekapituliert.
durch diese persönliche bindung kamen wir auch vor dem offiziellen start in den genuss einer ausgiebigen führung durch den club, die einen nicht ganz unerheblichen anteil daran hat, dass die neutralität vielleicht etwas auf der strecke bleibt.

zunächst mal die kritikpunkte, damit steige ich ja eh gerne ein:

    • der „darkroom“ hinter dem eigentlichen floor in der ersten etage ist momentan eher eine grotte zum rumhängen. das gewölbe ist schon mal charmant und schön verwinkelt. aber damit dort etwas passiert, sollten vielleicht noch die accessoires wie vaseline und handschuhe hingestellt werden, wie das im berghain auch gehandhabt wird. zudem wären parties, die sich (unter anderem) an die lgbt-community leipzigs richten, nicht verkehrt.
    • der housefloor wirkt etwas stiefmütterlich behandelt. keine frage: die bar darin passt, aber die tanzfläche wirkt eher wie daran angeschlossen, obwohl es eigentlich andersherum sein sollte. jedes mal, wenn ich dort vorbeischaute, taten mir die beiden get-deep-protagonisten etwas leid, weil manchmal niemand tanzte, sondern nur ein paar vereinzelte an der bar versammelt waren. eventuell (und da kommt die erfahrung aus dem mind camp in utrecht wieder hoch) wäre es ganz schön, das nicht als housefloor zu deklarieren, sondern als chillout- oder experimentierfeld mit jeder menge sitzgelegenheiten und visuals. bietet sich eh an, wenn die halterung für den beamer schon an der decke montiert ist.

das sind jedoch beides baustellen, die sie bereits selbst erkannt haben und auch so benennen. gerade bezüglich des darkrooms bestehen schon andere pläne, die auch schon sehr konkret sind. und da sich das projekt in der ersten richtigen clubsaison befindet, in der alle erstmal sehen müssen, was sich wie wohin entwickeln kann und ob überhaupt eine längerfristige akzeptanz gegeben ist, ist es – gerade bei einem kollektiv organisierten betrieb wie diesem – auch vielmehr sympathisch, dass nicht alles gleich von anfang an perfekt wirkt.

das wäre es auch schon mit dem gröbsten, denn sie haben bei den selbstdefinierten kompetenzbereichen tatsächlich eine ganze menge richtig gemacht.
fange ich beim offensichtlichsten an: dem hauptfloor – ein akustischer alptraum. quadratisch, kacheln, tragende säule in der mitte. aus clubgängersicht klasse, da er mit seinem industriecharme das untermalt, was musikalisch zu weiten teilen auf der agenda steht. die deckenlampen erinnern sehr an die alte panorama bar bzw. die berghain-kantine, mit den treppen muss man im dunkeln bzw. nebligen etwas aufpassen, sitzgelegenheiten gibt es nur auf den treppen zum notausgang, wodurch der raum danach schreit, sich im halbdunkel dem sound hinzugeben. und der ist (kann man nicht anders sagen) mit das beste, was mir in den letzten jahren so untergekommen ist. egal, an welcher stelle man sich befindet (ob vor, hinter oder neben der säule): der bass ist prägnant und das stereobild kriegt man überall ab. vielen wird als erstes der massive monolith an bassboxen neben dem dj-pult auffallen, der wenigstens drei meter hoch sein dürfte. das pult wirkt zwar noch etwas improvisiert, bietet aber platz für alles, was digi-djs und live-acts zugleich so brauchen.
dann gibt es noch den seitlichen trakt mit dem besagten „darkroom“ in der ersten etage und der hauptbar direkt gegenüber. auch da wären noch ein paar sitzgelegenheiten / hocker nicht verkehrt. im unteren geschoss trifft man auf die garderobe linkerseits, bei der auch offensichtlich wird, welchen einfluss das about blank auf den club hat, zumindest hängen auch dort die „respekt“-schilder aus, die man im gleichen wortlaut auch im blank findet. ist auch nicht schlimm, der austausch zwischen den beiden clubs ist eh sehr rege. ein weiterer dicker pluspunkt ist das drugscouts-angebot: die von festivals bekannten schilder mit pillenwarnungen hängen ebenfalls in der garderobe und im gang weiter hinten (an dessen ende der künftige darkroom entstehen soll) broschüren zu den einzelnen substanzen.
damit noch nicht genug – schließlich hat der ehemalige kohlrabizirkus noch zwei etagen über dem club, die mit 20-30 quadratmeter großen zimmern ausgestattet sind. die werden an künstler, produzenten, kreative vermietet und sind so gut wie komplett ausgebucht. in der zweiten etage gibt es neben dem ifz-büro noch bald ein gemeinschaftsbad, so dass die rundumversorgung gegeben ist.

liest sich alles so, als ob das als konzept schlüssig ist, nicht wahr? nun ja, ist es auch. auch wenn es schwierig ist, mehr als sieben leute auf einen gemeinsamen nenner zu bringen, hatte ich den eindruck, dass zwar mehrere gruppen (schließlich ist das ifz ja aus vielen einzelnen crews entstanden) ihren gestaltungsraum im club, sie sich aber trotzdem gemeinsam auf eine große linie geeinigt haben, die trotz vielseitigkeit noch ins gesamtbild passt. warum auch nicht? auch im vorbild about blank finden lesungen, konzerte sowie parties zwischen disco (homopatik), house (get deep), dubstep (impulse) oder eben die hauseigenen formate statt, wo es gerne querbeet gehen kann. das berghain hat seinen ruf als mittlerweile auch kulturell respektierten ort nicht zuletzt durch abende bekommen, die über den techno-rand hinausblicken.
ähnlich ist es auch beim ifz. das trumpft damit auf, dass die kollektiv gelebte idee sich auch im umgang untereinander widerspiegelt. so hatte ich den eindruck, dass niemand beim personal als jemand gesehen wird, der den clubbetrieb bitte nur am laufen halten soll. andererseits ist bei vielen auch jede menge idealismus im spiel, weshalb beispielsweise die booker das alles nebenher betreiben und durch die residency im club etwas gegenwert bekommen. überhaupt trägt alles noch die etwas improvisierte handschrift wie die toilette im backstage oder der backstage an sich, in dem ein wirklich tolles veganes kleines buffet aufgebaut war, wodurch einem auch als dort gebuchter gleich das gefühl vermittelt wird, in das große gesamtbild eingebunden zu werden anstatt nur für gute laune ™ beim publikum zu sorgen. zeigt auch, dass das ifz nicht als gelddruckmaschinerie konzipiert ist und lieber eine der größtmöglichen stärken in die waagschale wirft: authentizität.
damit haben sie auch langfristig gesehen ein ganz starkes as im ärmel, sofern sie weiterhin ihrer linie treu bleiben. um zu zeigen, dass es mit meiner neutralität so gut wie vorbei ist: der club hat das zeug dazu, in drei, vier jahren als ernstzunehmende größe neben dem berghain (ja, tatsächlich) gesehen werden zu können. es kommt eben nur darauf an (und das ist leichter gesagt als getan), den eigenen anspruch nicht dann doch der rendite unterzuordnen, was nun wiederum erfordert, dass die anfängliche neugierde des publikums in eine treue stammkundschaft umgewandelt wird. wenn ich mir das oktober-booking so anschaue, habe ich da keine bedenken. der club passt mit seinem do-it-yourself-konzept jedenfalls in die stadt, die zukünftige entwicklung bleibt daher spannend. es ist nur zu hoffen, dass das leipziger publikum das auch so sieht. an dem abend war es jedenfalls auf dem hauptfloor stets gut gefüllt, was auch bis 9 uhr (aufbruchzeit) auch so blieb.

damit habe ich kaum was zur musik des abends geschrieben, sei noch kurz abgehandelt: da gab es nichts zu meckern. auch wenn es auf dem housefloor eher übersichtlich blieb, lag das meiner meinung nach nicht an der musik. das wechselte zwischen house und breakbeats, als ich sporadisch dort war.
an orphx, marcel und mareena (in der reihenfolge des abends) gibt es ebenfalls nichts auszusetzen – das hatte alles hand und fuß sowie einen schönen aufbau. einzig beim licht könnte noch etwas mehr passieren (mehr strobo!), aber da erinnere ich mich an die ersten monate im berghain, wo die lichtanlage auch sukzessive ausgebaut worden ist.

da das einigen zuviel text sein wird, hier noch die kurzform: wahnsinnig guter club, wird dem hype gerecht und dafür verantwortlich sein, dass ich die a9 zwischen berlin und leipzig in nächster zeit wohl intensiver kennenlernen werde.