[berlin / 12.04.2014] berghain: klubnacht

der april-termin in der stammlokalität meines vertrauens. zwei schichten werden sich nicht vermeiden lassen, wenn pete schon zum anfang spielt. andererseits passt die pause auch perfekt zu den acts, die mich interessieren.
plan: anfang bis ende milton bradley / alien rain, vor oder zu truncate wiederkommen und sich danach schweren herzens zwischen dego (ja, genau der von 4 hero) und dj deep zu entscheiden.

klubnacht

berghain
00h00 pete
04h00 stanislav tolkachev live
05h00 marcel dettmann
08h00 alien rain live
09h00 ben klock
13h00 radio slave
17h00 truncate
20h00 dj deep
23h00 norman nodge

panorama bar
00h00 ryan elliott
04h00 lpz live
05h00 big strick
08h00 aybee
11h00 breach
14h00 onur özer
17h00 cassy
20h00 dego
23h00 volcov
03h00 lakuti

eintritt
14 euro

nachbetrachtung schicht 1 (1h00-10h30)

um nicht wieder in verzug zu geraten und die resümées etwas abwechslungsreicher zu gestalten, mal wieder die quasi-live-berichterstattung mit während der nacht angesammelten notizen.

schlange um kurz vor 1 bis zu den taxen und bis 6 nicht wesentlich kürzer – da kam wohl zusammen, dass der ruf des ladens und die früh angesetzten vorzeige-residents so einige recht früh auf den plan treten ließen. andererseits hatte ich drinnen auch den eindruck, dass bestenfalls seit einer halben stunde geöffnet ist. um die zeit versammelten sich bei pete im berghain insgesamt vielleicht 50 leute.

pete selber empfand ich als irgendwie unkonzentriert. das mixing meistens gerade so passend und nicht so auf den punkt wie gewöhnlich. auch die sonst hart reingebrachten kickdrums fehlten meistens, so dass ein brett wie surgeons „intro (version 2)“ verpuffte. der ihm sonst eigene flow fehlte mir, daher für mich längst nicht so packend wie sonst. schade, kann er sonst wesentlich besser, aber das ist ja auch das menschliche daran. jedenfalls fand ich ryan elliott in der kurzen zeitspanne, die ich oben beim schlange beobachten verbrachte, in der beziehung besser.
stanislav tolkachev legte in der ersten hälfte mehr als ordentlich vor, was tempo und analoge härte angeht. sein hang zu sequenzen erinnert sofort an jeff mills. wo dieser jedoch mit somewhere in the sky in den unendlichen weiten des weltraums umherschwirrt, ist herr tolkachev sehr bodenständig. da klingen die sounds prägnanter, schriller und werden gepaart mit der härte, wie man sie in karenn-sets hört. das fasst meinen eindruck von den ersten 30 minuten des sets ganz gut zusammen, blieb jedoch leider nicht so – ab der mitte verlor er sich in beliebigkeit und das zwingende war nicht mehr so präsent wie zu beginn. da wäre evtl. ein umgekehrter set-aufbau gut gewesen, andererseits fingen lpz das mit ihrem acid-house inkl. dub-elementen in der panorama bar gut auf. erfanden das rad jetzt nicht neu, will heißen: reichte für mich nicht, dass ich mich nun näher mit ihrem veröffentlichungskatalog befassen muss, aber nichtsdestotrotz war’s gute arbeit.

mit den besten job machte jedoch marcel dettmann. wie immer mit den treibenden tracks an den stellen, wo sie hingehörten und auch house-tracks mit vocals so untergebracht, dass sie sich in das große techno-gebilde einfügten. damit heute mal besser als pete. milton / alien rain im anschluss mit einem acid-live-set, das deutliche reminiszenzen an plastikman zeigte – und das ist als kompliment zu verstehen. sehr hypnotisch, hin und wieder mit achtel-hihats, um etwas mehr schwung hineinzubringen, aber größtenteils war das schönstes kopfkino. für mich ergo der höhepunkt neben marcel, wäre nicht der füllgrad, der darauf hindeutete, was bei ben zu erwarten war.
der wiederum spielte in seiner ersten hälfte längst nicht so trocken wie befürchtet, aber zum schonen der reserven bleibt der plan mit der pause bestehen – weitestgehend jedenfalls.

nachbetrachtung schicht 2 (17h15-23h45)

eine deutlich entspanntere situation als noch am vormittag zu ben erwartet und schnell registriert, dass die nächste besucherwelle gerade im anrollen war. wenigstens auf der linken tanzflächenhälfte im berghain stimmte das platzangebot. das musikalische von truncate an sich auch, wenn man auf geradlinige funktionalität aus war. das hielt mich für jeweils 20-minütige abschnitte, aber cassy war oben auf ihre art und weise nicht minder treibend und vor allem vielseitiger. hoch rechne ich truncate die chicago-hit-phase an, u.a. mit „knock knock“ von dj funk, „feel my mf bass“ von paul johnson oder „work that motherfucker“ als ultimativen poindexter-klassiker. das sind aber eben auch alles gestandene hits. cassy blieb daher für mich im direkten vergleich locker vorne.
das gleiche gilt auch für dego, der mit seiner bremsung von techhouse bei 130 auf disco mit 110 bpm sicher so einige vor den kopf stieß, aber im folgenden verlauf ein so dermaßen persönliches set spielte, bei dem ich ihm sehr gerne zuhörte, zusah (djs, die zu ihrer musik tanzen – immer ein pluspunkt) und zuweilen auch tanzte. da sich die besucherwelle ab 20 uhr jedoch so richtig bahn brach, kamen schnell auf beiden floors wieder erinnerungen an silvester hoch.
nichtsdestotrotz war er von vorne bis hinten großartig, wobei auch dj deep für mich bei kurzen abstechern nach unten keinen schlechten eindruck hinterließ (mit den kürzlich erschienenen mark-broom-edits von robert hood und einer wax / shed bspw.). aber die entwicklung im dego-set von disco über die house-zwischenstation zu jazzigen breakbeats war die für mich interessante wahl, alleine weil man ja nicht weiß, wann sich die chance wieder bietet und es die ecken und kanten hatte, die im clubleben für das notwendige salz in der suppe sorgen – auch auf die gefahr hin, dass sie einigen nicht schmeckt, was ohne zweifel zutraf, aber das gros der meute folgte ihm.

daher als fazit hinterher: musikalisch und stimmungstechnisch im großen und ganzen ein zufriedenstellender abend, an dem marcel dettmann, alien rain sowie cassy und dego für mich die akzente setzten. den füllgrad empfand ich sonntag abend als mal wieder surreal, aber mit eine der parallelen zu silvester war, dass dies nicht zu allgemein gestressten gemütern führte. mag zur innervisions-nacht vor drei wochen anders gewesen sein, aber beachtlich ist es allemal, dass selbst nach 24 stunden betrieb immer noch mehr als 1.000 leute im club sind. der erfolg kommt ja auch nicht von ungefähr, die kehrseite der medaille ist für mich jedoch, dass die zeitspanne immer kürzer wird, in der man sich etwas freier auf der tanzfläche vergnügen kann, ohne dass es zu lasten der füße anderer oder des eigenen nervenkostüms geht. ist aber auch letztlich eine frage der flexibilität, wo sich gerade im berghain immer irgendwo ein platz finden lässt. aber mitten im geschehen ist es schon um einiges netter.

r.i.p. frankie knuckles

angesichts des datums kann man einen schlechten scherz vermuten, leider ist es keiner. der mann, der mit dem warehouse in chicago maßgeblich zu form und namen des seinerzeit neuen stils beitrug, ist gestern tot in seinem haus aufgefunden worden. er wurde nur 59 jahre alt, das offizielle statement zur todesursache soll noch im laufe des tages folgen.

auch wenn er tausende musikalischer erben hinterlassen hat, wäre es besser gewesen, dass er noch einige jahre im club, im musikgeschäft und – einen guten charakter vorausgesetzt – auch als mensch präsent geblieben wäre. aber mit nicht mal 60 ist es einfach noch viel zu früh, gerade für legenden.

r.i.p.

[amsterdam / 29.03.2014] trouw: imprint

drittes und vorübergehend letztes kapitel auswärtiger eskapaden, bevor es montag wieder in die vertraute heimat geht. da gehört ein besuch in dem club, der als aushängeschild amsterdams international bekannt und zudem nur noch bis ende des jahres geöffnet ist, schon zum pflichtprogramm.

imprint
sandrien

start
23 uhr

eintritt
15 euro
vor mitternacht: 8 euro

nachbetrachtung

einstieg mit (schlechtem) wortwitz, der das fazit vorwegnimmt: zum trouw sag ich „wow“!

das bild unten zeigt die frontaufnahme des eingangs um 23 uhr, und der schein trügt nicht: die schlange war um diese zeit bereits ansehnlich. wo man die clubgänger in berlin mit günstigerem eintritt vor einer gewissen uhrzeit nicht hinter dem ofen vorlocken kann, scheint das in amsterdam zu funktionieren.
an die gitter vor dem berghain fühlt man sich sofort erinnert. schlangenlinien führen zu den türstehern, es gibt sogar noch eine zweite, kleinere für die gästeliste. 40 minuten habe ich gewartet, und das geht bei zusammengerechneten 100m schon klar. sie haben auch eine türpolitik, längst nicht so hart wie die beim berghain, aber es wurde bspw. eine fünf- (oder war’s eine sechs-)köpfige gruppe junger männer mit stilaccessoires wie umgedrehtes basecap und ordentlich gel in den haaren weggeschickt. auch hier wieder parallelen zu bekannten bildern (überhaupt gibt es derer recht viele): der verzweifelte versuch, mit dem türsteher zu verhandeln. zwei male. ein augenblick, in dem ich mir wünschte, dass meine holländischkenntnisse doch etwas über „hallo / wiedersehen / bitte / danke“ hinausgegangen wären.
den bodycheck (nächste parallele) gibt es unmittelbar hinter der tür. fast wie am flughafen: alle taschen entleeren, danach abtasten, geht aber auch zügig. dann die treppe runter und den eintritt bezahlen, und an der stelle fange ich mit den kritikpunkten an:

  • man bezahlt den eintritt, bekommt aber keinen stempel. heißt im umkehrschluss, dass man den club nicht zwischendurch verlassen kann, um später wiederzukommen. da das trouw der erste club amsterdams ist, der eine 24-stunden-lizenz bekommen hat, könnte das einige schmerzen, andererseits nehmen die parties da bei weitem noch nicht die zeitlichen ausmaße des berghains an. gegen 8 uhr war an dem sonntag schluss.
  • an der wand hinter der kasse hängt ein plakat mit der bitte, keine fotos zu machen. dies ging vor kurzem durch die clubaffine medienwelt und grundsätzlich finde ich solche entscheidungen mittlerweile grundsympathisch. leider kontrolliert das nur niemand vom personal, so dass dann doch einige ungeniert ihren freundeskreis mit dem smartphone-blitz fotografieren – egal wo: mitten auf der tanzfläche, vor der bar. wünschenswert wäre hier zweierlei: die entscheidung hätte bereits bei der eröffnung getroffen werden können, so dass die leute sich nicht an das muntere knipsen gewohnt hätten und die leute beim bodycheck könnten / sollten eine klare ansage machen, dass fotos / videos nicht erwünscht sind.
  • die projektionen auf vier verschiedene durchsichtige leinwände, nebel, ordentliche stroboskope, scanner und nicht zuletzt die neonröhren in der mitte: alles klasse, aber gerade der strobo und die bunten neonröhren wurden an dem abend irgendwie zu wenig genutzt. grundsätzlich ist das licht jedoch vollkommen dem club angemessen. ebenso wie die…
  • funktion-one-anlage. klingt im vorderen bereich klasse. sobald man jedoch im bereich des lichtmanns (also quasi an der bar) ist, dreht man sich unweigerlich in richtung dj, weil ausschließlich von vorne beschallt wird. an der rückseite der tanzfläche sind keine boxen montiert, das würde (eher spekulatives denn fachliches wissen von raumakustik) noch mehr dazu beitragen, dass man sich im klang verliert.

all das ist jedoch klagen auf verdammt hohem niveau. nach dem ersten rundgang (also nach den ersten zehn minuten) hatte ich das gefühl, hier richtig zu sein. im unteren „verdieping“ (heißt „stockwerk“) wird bezahlt, die garderobe abgegeben, auf den couches geplaudert, am essensstand backwaren gekauft und wenn einen ein allzu menschliches bedürfnis plagt, sind auch gleich die toiletten da.
an manchen wochenenden ist „de verdieping“ als zweiter floor auch noch geöffnet, war an diesem samstag leider nicht der fall. sonst finden dort auch ausstellungen statt. hat damit einen eher temporären charakter, zumal das setup für die parties im untergeschoss immer wieder neu aufgebaut wird.
der „club lebowski“ setzt dem untergeschoss noch die krone auf: dort gibt’s tatsächlich drei bowlingbahnen, für die man sich bowlingschuhe anziehen kann, und ein kicker steht auch da. war gegen 2 uhr aber auch leider schon geschlossen.
das eigentliche trouw liegt ein stockwerk höher im erdgeschoss, wo seinerzeit drei niederländische tageszeitungen (u.a. eben die namensgebende „trouw“) gedruckt worden sind. und da kommt man erstmal ins staunen: an sich ist es ein riesiger langgezogener und gar nicht mal so breiter raum mit hohen decken. das restaurant mit hängenden gärten im hinterteil, und von dort aus kommt man direkt auch in richtung club – entweder von oben über die treppen oder ebenerdig.
die tanzfläche befindet sich direkt am hinteren, dunkleren ende. zunächst fand ich den aufbau seltsam: tanzfläche, bassboxen über fast die gesamte breite, dahinter das nicht erhöhte dj-pult, nochmal dahinter eine bühne. nahm zunächst an, dass die nur den freunden des hauses vorbehalten wäre, aber das stellte sich schnell als irrglaube heraus – jeder, der wollte, konnte da hoch. machten auch so einige, inklusive mir, da das der beste platz zum decksharken ist.

damit zu sandrien, die – kann man nicht anders sagen – einen tadellosen job machte und ihre acht stunden sichtlich auskostete. hatte ich zum anfang der woche im rush hour noch am rande aufgeschnappt, dass amsterdam eine house-stadt sei, war das eine option unter vielen. wenn es zur sache gehen konnte, dann mit richtig schön treibendem techno (kaum etwas erkannt, „control“ von truncate war darunter, aber das lief bereits vor zwei uhr). sonst mit der wichtigsten zutat, die ein set mit überlänge so haben sollte: spannungsbögen. wenn ich dabei dachte, dass die gemüter nun genügend abgekühlt wären, so dass sie wieder einen gang höher schalten könnte, ging es auch wieder fordernder voran. hat vor einigen monaten im berghain gespielt, wunderte mich nach der leistung auch nicht.

einzig und allein meine kondition ließ an dem abend nicht viel zu. nachdem eine klassische touristen-woche mit exkursionen nach den haag (dienstag) sowie rotterdam (mittwoch / donnerstag) hinter mir lag, an denen ich täglich (von montag bis inklusive samstag) im schnitt zehn kilometer zu fuß absolvierte, führte das in kombination mit kumuliertem schlafmangel dazu, dass ich entweder auf den treppen im hinteren bereich bei der bar saß und mir das große ganze von dort aus anschaute oder eben neben der bühne beim dj-pult, wo ich erstaunt war, dass ein tontechniker permanent daneben saß und die anlage gegebenenfalls feinjustierte. ein stück heimat gab es mit fritz-kola und club mate („nur“ die kleinen flaschen, aber immerhin) obendrauf, so dass wenigstens der kopf halbwegs bei der sache war.

was bleibt? der eindruck von einem club, der für meine begriffe endlich in einer liga mit dem berghain spielt, dadurch natürlich eine gewisse hipster-quote mit sich bringt, aber dennoch gibt das publikum gas. all das hat mich insgesamt (so wie amsterdam an sich) schwer beeindruckt, so dass ich vor der schließung ende des jahres unbedingt noch einmal ins trouw möchte – wenigstens ein mal, wenn nicht sogar öfter.

trouwqueue20140329

[amsterdam / 28.03.2014] chicago social club: plak

20140328-134543.jpg

kapitel zwei in puncto „auswärtiges amüsement“ mit schwerpunkt auf den niederlanden. es kam hierbei recht gelegen, dass sven dort spielt.

club
sven weisemann
elias mazian
joris

bar
die rooie
rick sman
simon plays

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
wird sich alles zwar wenig schmeichelhaft und womöglich auch etwas schnöselig lesen, aber das risiko gehe ich gerne ein – den club werde ich eh nicht mehr so schnell nochmal besuchen.

die gegend um den leidseplein, wo der chicago social club direkt liegt, ist sowohl tagsüber bei shoppenden touristen als auch nachts zum amüsieren sehr beliebt. da kann man sicher sein, bis zur sperrstunde um 5:00 früh nicht alleine auf der straße zu sein, was ja schon ein gefühl von sicherheit vermittelt. die unterhaltungsmöglichkeiten teilen sich größtenteils auf bars und restaurants auf. sonst gibt es noch das schouwgebouw (theater) und das melkweg direkt um die ecke. gerade vor letzterem stand eine riesige schlange, die an manchen samstag vom berghain erinnerte.

es blieb auch sonst etwas zeit zum umherstromern, da (hier kommt der schnöselige teil) es mit der gästeliste nicht so recht klappte. noch dazu gab es ein für mich irgendwie nicht schlüssiges einlasskonzept, was aber in den meisten ländern außerhalb deutschlands praktiziert wird:
heißt soviel wie, dass ein separater seiteneingang für die gästeliste ja schon mal gut ist. wenn es dort jedoch heißt, dass ich nicht draufstehe und für den regulären eintritt (den ich auch gezahlt hätte) bitte zum vorderen eingang gehen soll, wo wiederum nach dem ticket gefragt wird, fühlt man sich jedoch etwas planlos umhergeschickt.
einen anruf und 20 minuten später startete ich den dritten anlauf bei derjenigen, die via ipad über die liste wachte – diesmal auch erfolgreich. allgemeine erleichterung, auch verständnis seitens des personals, die mich beschwichtigten, dass hier keiner hereingelegt würde, von mir mit einem lächeln goutiert, von einem der türsteher jedoch gleich mit einem „what’s the problem?“ mit diesem „sag jetzt nichts falsches“-unterton flankiert.

naja, egal. also drinnen. jacke abgegeben, tonic geholt, auf die galerie gestellt, geschaut.
elias mazian spielte derweil schon komischen vocal-house, kaum mixing, aber die leute mochten das. bei näherer betrachtung (da ist er wieder, der schnösel) passte das bild auch zum klischee der amüsiermeile draußen. gut zurechtgemachte damen und die herren gerne im richtigen hemd. eher ging’s um die selbstdarstellung als den gemeinsamen spaß. ein trauriger „höhepunkt“ war, dass einer der herren eine junge dame aus seiner nähe wegschubste, die nicht auf seine anmachversuche reagierte. ein glück passierte dabei nichts weiter schlimmeres.

sven versuchte, mit qualitativ hochwertigem house zu überzeugen. den paar anwesenden musiknerds im laden wird dabei (hoffe ich zumindest) schon etwas das herz aufgegangen sein, aber wenn, dann waren die in einer verschwindend geringen minderheit. selbst als er kurz vor schluss „knights of the jaguar“ spielte: es gab kaum bis gar keine über das normalmaß hinausgehende reaktion des publikums. bis dahin probierte er es mit einigem aus der trickkiste, um zu sehen, was am besten ankommen würde, aber das ist schwer herauszufinden, wenn vor einem zwar etwas die hüften gewackelt werden, aber sonst nichts nennenswertes vom publikum kommt.

um es auf den punkt zu bringen: leider war die musik nur untermalung für den catwalk bzw. zur anbahnung zeitlich flexibel handhabbarer beziehungen – wie in einer normalen diskothek eben, so jedenfalls mein eindruck. das passt zwar sehr gut in diese umgebung, bietet für mich jedoch keinen wohlfühlfaktor, geschweige denn überhaupt einen grund, nochmal einen fuß in den club zu setzen. plak wäre als reihe auch ganz gut beraten, sich anderweitig umzusehen, damit deren bookings auch etwas dankbarer aufgenommen werden.

[utrecht / 23.03.2014] tivoli spiegelbar: mindcamp

image

eine reihe von funckarma. reisen bildet sowieso, daher total unvorbereitet auf das gespür von gastgebern vertrauen und akustisch-optische eindrücke außerhalb der bundeshauptstadt genießen.

ablauf
15:00 jasper wiegers
16:00 eazm
16:30 grischa lichtenberger
17:30 roel funcken
18:00 ochre
19:00 michiel gardner

nachbetrachtung

an sich ist an dem ausflug nur eines zu bedauern: er war zu kurz. mitverantwortlich dafür war der ausgedehnte sightseeing-bummel durch amsterdam am samstag zuvor und die bekanntschaft mit einer dortigen institution namens „café rave“. andererseits war das wetter sonntags auch etwas launisch, so dass ein ausgedehnter bummel durch utrecht nicht nur vom timing her schwierig war.
das tivoli lag im märz (mittlerweile ist der 14. september 2014) noch direkt an einer gracht in der utrechter innenstadt unweit des hauptbahnhofs, der einer grundlegenden sanierung und erweiterung unterzogen wurde. verstehen kann man darunter ein haus, in dem mehrere räume für kulturelle veranstaltungen aller art genutzt werden konnten: konzerte, parties, lesungen, kino – für jede größe etwas dabei. mittlerweile haben sie sich mit der vredenburg (einem anderen veranstaltungsort in utrecht) zusammengetan und sind in andere, größere räumlichkeiten umgezogen und haben mit dem tivoli de helling noch einen anderen konzertraum abseits der grachten. hauptgrund dafür waren die logistischen probleme: bands transportieren die ausrüstung meistens mit lkws, die aber nicht in die grachten kommen. bedeutete vor dem umzug erst großes umladen, bevor man mit dem aufbau beginnen konnte. da die umliegenden häuser bei den grachten zwar geschäfte im erdgeschoss hatten, jedoch sonst bewohnt wirkten, kann der besucherzu- und -abstrom mit einer der gründe gewesen sein.

die spiegelbar bekam ihren namen durch die zahlreichen mini-discokugeln auf dem floor. generell fiel erstmal auf: alles sauberer als in berlin, wo die rauhen unverputzten graffiti-wände schon beinahe zur subkulturellen dna gehören. in der spiegelbar hingegen hochwertige holzverkleidung, aus denen auch die bänke sowie aufsteigenden sitzreihen bestanden – steril wirkte das erstaunlicherweise nicht.
die zwei stunden, die wir dort verbrachten, hatten den charakter einer sonntags-matinee, was durchaus beispielcharakter für hiesige veranstaltungen haben könnte. hier hält man immer noch die tanzfläche im zentrum, in der hoffnung, dass der funke schon überspringen wird und am ende regen sich alle über die herumsteher auf. in der spiegelbar: sitzsäcke, couches, platz zum herumstehen oder mitwippen am rande. bühne leicht emporstehend mit visuals hinter den live-acts – fertig. das führt zwar dazu, dass nahezu alle leute in eine richtung sitzen und zuhören sowie zwangsweise in richtung künstler blicken, aber das wäre mit tanzfläche auch nicht anders.
also sprach alleine der aufbau dafür, dass daraus nicht zwingend eine party, sondern eher ein treffen von connaisseuren werden sollte. das ging auch vollkommen auf. durch den fokus auf das sitzen war die sicht auf die visuals stets gegeben, die anlage klang gut, auch mit ochres melodien konnte ich stellenweise etwas anfangen, gebe jedoch dem bisschen knarzigen sound, den wir noch kurz von grischa lichtenberger mitbekommen haben, den vorzug.

ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das in der form auch hier funktioniert. wenn man sich schon einer intakten infrastruktur an plattenläden und des clublebens rühmt, sollte sich auch die electronica-fraktion darunter befinden, die nicht immer auf die ctm, krake oder die eine oder andere leisure system oder polymorphism warten, bzw. es etwas kleiner haben möchte. und gute visuals haben sowieso noch nie geschadet.
war einfach rundum gelungen.

quo vadis, de:bug?

im laufe des tages hat es sich ja bereits verbreitet, dass auch die einst aus den ruinen der frontpage entstandene de:bug als printausgabe mit der nächsten nummer wohl der vergangenheit angehören wird. wer es noch nicht gelesen oder sonst irgendwo aufgeschnappt hat: hier ihre erklärung.

natürlich lädt das nicht zu luftsprüngen vor lauter jubel ein. gerade im vergleich zur doch eher am konsens orientierten groove war ihnen der gesamte technisch-philosophische unterbau eine herzensangelegenheit. das muss nicht jedermanns sache gewesen sein (zum beispiel meine), aber der größere musikalische radius hat das immer wieder aufgewogen.
in letzter zeit – und damit wohl mit ein grund, weshalb die de:bug das nächste opfer der großen printmisere ist – bestand die verbindung zwischen de:bug und mir aus der jährlichen überweisung für das abonnement und dem herausfischen aus dem briefkasten. die ausgaben liegen hier stellenweise unberührt in ihrer durchsichtigen folie und in meiner internen liste an zu erledigenden dingen. auch mit selbstgewähltem facebook-boykott und gelegentlichem twitter-schmökern: informationen erreichen mich trotzdem primär über das netz. residentadvisor zählt zu den seiten, die den neuesten szenetratsch mit selbstgenerierten inhalten (podcast, exchange, real scenes) und einem international bis dato schön zu nutzenden partykalender garnieren. foren haben ihre höhepunkte zwar hinter sich, aber auch da kommt es darauf an, was man sich so auswählt. substanzielles lässt sich auch dort noch finden.
das alles zusammengenommen ergibt aber ein dilemma: warum noch die information per print, wenn man alles zuvor aus dem netz haben konnte?

die de:bug hat das schon früh erkannt und ihre vergangenen ausgaben sowie die features recht zeitnah ins netz gestellt und somit ihren eigenen anspruch mit den elektronischen lebensaspekten auch konsequent umgesetzt. mit ein grund, weshalb ich das abonnement beibehalten habe: in dem wissen, dass die veröffentlichungen im netz zwar schnell geschehen und obendrein noch mehr leute in kürzerer zeit erreichen können, dabei aber eben kostenlos bleiben, sollte die arbeit der leidenschaftlichen nerds wenigstens durch meinen kleinen teil gesichert bleiben. es blieb aber so oder so ein tropfen auf dem heißen stein. wenn es schon in bürgerlichen printmedien schwierig ist, als redakteur dort überhaupt so weit zu kommen, dass es für den lebensunterhalt reicht, ist das für musikjournalisten noch einmal etwas prekärer, so dass es ohne andere einnahmequelle einfach nicht geht.
(randnotiz für diejenigen, die sich anhand meiner während des studiums geäußerten ambitionen für den journalismus gefragt haben, was daraus eigentlich noch werden soll: warum denn noch, wenn es in szene-zeitschriften nur noch um ruhm und ehre geht und man andernorts schon gewaltig die ellenbogen ausfahren muss, damit es für ein paar euro zeilengeld reicht? das war mit der grund, diese veranstaltung hier ins leben zu rufen.)

insofern: natürlich schade, dass die kiosklandschaft um eine zeitschrift ärmer wird, die trends zwar wahrnahm und auch spiegelte, aber dabei auch immer eigene nuancen hinzufügte. doch warum eigentlich das präteritum? das wirklich letzte wort scheint ja laut des oben verlinkten postings nicht gesprochen. ich mache mir zwar keine illusionen, dass es noch mehr printausgaben als die nächste geben wird, hoffe jedoch sehr darauf, dass die gute arbeit im netz fortgesetzt wird. und ja, ich würde auch für ein pdf-abo zahlen – gerne auch als app für das ipad.
meinen abo-beitrag für das laufende jahr könnt ihr übrigens behalten – macht was draus, und sei es für ein paar feuchtfröhliche stunden in der redaktion.

danke jedenfalls für die letzten gut 15 jahre.

[berlin / 08.03.2014] berghain: klubnacht

jawohl, das wird mein märz-termin. auch wenn die innervisions-nacht in zwei wochen mit shackleton und surgeon wieder mal zwei leckerbissen bereit hält, wird das mit ansage zu voll, somit zu stressig und überhaupt bin ich da gar nicht in der stadt. dann doch lieber dieses aufgebot mit gern gesehenen gästen und residents, wovon ich unbedingt kobosil mitbekommen möchte, der noch recht frisch in den reihen ist.

klubnacht

berghain: blueprint vs mdr
00:00 marcel dettmann
04:00 regis
06:30 dvs1
10:00 james ruskin
14:00 kobosil
17:00 anthony parasole
20:30 marcel dettmann
01:30 answer code request

panorama bar
00:00 mr beatnick
04:00 paranoid london live
05:00 rolando
08:00 trevino
11:00 endian & dolan
14:00 fold
17:00 dvs1
21:00 steffi
24:00 nd_baumecker
03:00 steffi / nd_baumecker

eintritt
15 euro

nachbetrachtung

der hintergedanke war überaus strategisch, das abbummeln üppig vorhandener überstunden auf den montag zu legen, aber mit dem abstand von fast einer woche betrachtet, wäre es sogar cleverer gewesen, die gesamte arbeitswoche zu nehmen.
zwei schichten: 1:15 bis 6:30 uhr und 14:30 bis 9:45 uhr am montag, an dem answer code request die letzte platte im berghain spielte. kopfrechnen könnt ihr ja.

wie immer wollte ich schon früher dort sein, um mehr von marcel dettmanns warm up mitzubekommen, die eitelkeit verzögerte den ablauf jedoch etwas nach hinten. vor ort angekommen, schien es angesichts der sich hin und herwiegenden körper auf der tanzfläche so, dass er gerade angefangen hatte, die ersten tracks mit kickdrum zu spielen. bis 4 uhr folgte (und ich weiß, dass ich mich wiederhole) eine eröffnung nach maß mit wieder einmal subtilem und behutsamen aufbau, wogegen mr beatnick (zumindest bei meinem rundgang durch die panorama bar gegen 2:30 uhr) den kürzeren zog. lag nicht zwingend an ihm, „7 ways“ von hercules, vertreten auf der kürzlich bei strut erschienenen dance-mania-compilation, ist nicht die schlechteste wahl, um den abend dort oben einzuläuten. aber es scheint echt so, dass die residents auf die besucher mittlerweile eine ähnliche, oder in dem fall sogar eine größere anziehungskraft ausüben. ich konnte jedenfalls bequem über die tanzfläche gehen, ohne jemanden anzurempeln. wird hoffentlich in den anderthalb stunden darauf besser geworden sein.
marcel schloss dann mit etwas verspätung mit seinem remix zu moderats „bad kingdom“ ab. regis begann erstmal mit zurückgenommenen tracks, die auch auf sandwell district hätten erscheinen können. da ich jedoch auf paranoid london neugierig war (und bis zum ende des sets vergessen hatte, dass der hit „paris dub 1“ von ihnen stammt), ging ich für den rest bis 5:00 uhr nach oben und wurde vor auch oben mittlerweile vollem haus nicht enttäuscht. originale 303, gepaart mit drums und samples aus ableton live und vocals mit effekten. alten relief-käufern könnte noch das trackhead steve-sample aus „crazy wild track“ aufgefallen sein – die drei verschufen dem sound somit live eine art frischzellenkur. lediglich die „release“-rufe fand ich gegen ende etwas anstrengend.
regis hatte es dann nach 5:00 uhr auch geschafft, sich ausgehend von „house of vetti“ von g-man zu fordernden tracks vorzuarbeiten. fehlen konnte auch nicht der surgeon-remix von nitzer ebbs „join in the chant“ (der doch bitte mal als bootleg erscheinen könnte) oder auch alte jeff mills-tracks. somit ein zufriedenstellendes set – jedenfalls in der zeit, in der ich unten war. nicht mehr, nicht weniger.
es war schon vorher mein plan, die pause auf den beginn des dvs1-sets zu legen, ehe ich mich hier über mangelnde abwechslung beklage. ein von tools geprägtes set deutete sich auch in den ersten minuten an, daher wollte ich mich lieber schonen und ihm später oben in der panorama bar eine chance geben.

nachmittags auf dem fußweg zurück beschlich mich bei sonnenschein und milden temperaturen schon meter für meter ein schlechteres gewissen, den sonntagnachmittag ausgerechnet feiernderweise zu verbringen. andererseits kenne ich mich: ohne gemeinsame sportliche aktivität (nun ja, wenn man tischtennis oder frisbee als „sport“ bezeichnen will) wäre es auch ein sonntag geworden, an dem ich die balkontüren vielleicht etwas länger geöffnet hätte. um wirklich dauerhaft draußen bleiben zu wollen, braucht es temperaturtechnisch dann doch etwas mehr.
liest sich jetzt so als nachträgliches schönreden oder als rechtfertigung, dabei lieferte kobosil mit seinem set die beste begründung dafür. im voraus hatte ich schon mitbekommen, dass er ein passionierter sammler von alten techno-vinyls ist und sie auch neben aktuellen tracks gerne in seinen sets einbaut. und nach den drei stunden weiß ich es auch: ja, macht er, und das ausgezeichnet. zwei beltram-tracks sind mir noch in erinnerung („believer“ und „drome“) und ansonsten ein set, das zwischendrin auch mal raum zum durchatmen ließ anstatt die ganze zeit über auf vollgas zu setzen. mich macht nur neidisch, dass der junge herr mit anfang 20 bereits so eine stilsicherheit und so ein gespür für einen echt guten aufbau mitbringt. wird im auge behalten, ob er die form auch so konstant beibehalten kann.
der vergleich zwischen dvs1 und anthony parasole fiel tatsächlich (und irgendwie freut’s mich) zugunsten von dvs1 aus. das soll nicht heißen, dass ich anthonys set schlecht fand – im gegenteil: er machte es nach dem abwechslungs-, aber auch energiereichen kobosil-set und vor dem zu erwartenden dettmann-donnergrollen genau richtig, indem er eher hypnotische, introvertierte tracks spielte. mich freute jedoch, dass dvs1 oben zumindest für mich zeigte, weshalb es doch die eine oder andere lobeshymne über ihn gibt. vielseitig und funky, konnte über disco-artige tracks zu techhousigen tracks eine ganz schöne palette bedienen und war damit interessanter als in den sets, die ich im berghain von ihm gehört habe.
steffi spielte im anschluss acid house mit disco gemischt („you make me feel (mighty real)“ von sylvester bspw. – also auch stellenweise hittig) und marcel dettmann wiederholte in seinem zweiten set des abends weite teile der zweiten hälfte seines ersten sets, inklusive der abschlussplatte. zu dem zeitpunkt war es auch am vollsten – überhaupt war ich überrascht, dass es im durchschnitt eine zwar gut besuchte klubnacht war, aber auch in den vollsten momenten war es immer noch möglich, seinen platz zu bekommen. man könnte schon fast von „normalzustand“ sprechen, aber irgendwie weigere ich mich, parties mit einer dauer von insgesamt 34 stunden als „normal“ zu betrachten.
nd_baumecker oben, kann ich kurz machen: gewohnte klasse, etwas härter und fordernder als beim letzten mal. packte zusammen mit steffi dann das beste der 1980er aus, jedenfalls zum finale oben gegen 6:00 montag früh. auswahl: liza minelli („losing my mind“), kate bush („running up that hill“ in der maxi-version), freeez („i.o.u.“), cybotron („clear“) und als letzte platte „what have i done to deserve this“ von den pet shop boys. ich hatte in der dreiviertelstunde bei geöffneten jalousien bei morgendämmerung schon sehr meine freude daran.
trifft auch auf answer code request zu, der – nachdem herr dettmann mal eben anderthalb stunden länger spielte als geplant (daher steht oben auch die tatsächliche zeit) – mit „amazon“ von world2world auf ur begann, danach jedoch erstmal recht stereotypen „big room“-techno spielte. nach zwei, drei stunden war aber auch das gegessen und es kamen tracks mit wiedererkennungswert wie „electric vision“ von terence fixmer oder (richtig grund zur freude) „cyclone“ von technasia. überhaupt verstand er es ganz gut, das set mit dem einen oder anderen hit so zu gestalten, dass die leute auch bis zum schluss bei laune gehalten wurden. gutes ende, auch wenn ich in den letzten drei stunden (also eigentlich, nachdem es für alle von der panorama bar aus nach unten ging) nur noch in ausnahmefällen tanzen konnte und mich stattdessen lieber auf’s unterhalten oder beobachten (beides sitzenderweise) konzentrierte.

alles in allem: bin montag vormittag mit dem gefühl nach hause, das für mich richtige märz-datum ausgesucht zu haben. klar wäre der hormonhaushalt mit etwas mehr tageslicht über den sonntag und montag auch auf seine kosten gekommen, aber etwas exzess hier und da sollte auch noch sein, solange ich noch lust darauf habe. dennoch: bis auf weiteres (sprich: bis zur erneuten herbst-/wintersaison oder verregneten sonntagen) war das erstmal der letzte dieser art.
kobosil, das erste dettmann-set, nd_baumecker und das finale zwischen ihm und steffi oben stachen für mich schon heraus, der rest gab sich jedoch auch keine blöße, so dass es in musikalischer und auch stimmungstechnischer hinsicht echt nichts zu meckern gibt.

[berlin / 27.02.2014] columbiahalle: moderat

da hat sich nun wirklich spontan die möglichkeit ergeben. im vergleich zum debüt-album und dem dazugehörigen auftritt im wmf vor fünf jahren sind die dimensionen nun leicht größer. nichtsdestoweniger: „ii“ ist ein sehr schönes album, apparat nach einem motorradunfall vom letzten jahr wieder genesen und jon hopkins im vorprogramm dabei. dann kann ich nur hoffen, dass sie mit der raumakustik in der columbiahalle umzugehen wissen.

nachbetrachtung

kurz rekapitulieren, was ich vor fast fünf jahren zum konzert im wmf bei der tour zum ersten album geschrieben habe: „wer die acts für sich alleine schon zu schätzen weiß, sollte keine sekunde zögern.“ hatte es wohl damals nicht so mit übergreifenden fazits.

was habe ich von dem abend erwartet?
ablenkung von einer arbeitswoche, deren pensum man nicht unbedingt geschenkt bekommen möchte. den wmf-auftritt hatte ich noch als durchaus tanzbar in erinnerung. auch wenn es damals bereits nicht leer war, blieb irgendwie immer noch genügend platz.
seitdem ist viel passiert: modeselektor sind seitdem gefühlte fünf mal um den erdball gereist, bespielen in übersee stadien, kuratieren seit jahren auf dem melt! ihre eigene bühne, haben sich mit monkeytown und 50weapons auf eigene füße gestellt, kriegen zur fête de la musique erst die oderberger straße (2010) und dann auch noch den mauerpark gefüllt (2013). apparat entwickelt sich vom soundfrickler zum songschreiber mit band, kommt damit bei mute unter – auch nicht die schlechtesten referenzen. da mochte man denken, dass nach dem moderat-debütalbum auf bpitch erstmal nichts nachkommt, aber umso schöner war es, im letzten jahr zu lesen, dass man wieder gemeinsam im studio ist. der rest ist bekannt: „bad kingdom“ bekam auch im öffentlich-rechtlichen rundfunk seinen platz in der playlist, das album dürfte der bilanz von monkeytown ganz gut getan haben – zu recht, wie bereits eingangs erwähnt.
eine erfolgsgeschichte also, die diesen zusatztermin nach sich brachte. und bereits beim warm-up durch jon hopkins wurde klar, dass auch ein dritter durchaus drin gewesen wäre oder beim nächsten mal gleich die o2-world gebucht werden kann.

erstmal ein großes lob an das personal. bei der schlange vor der garderobe war ich schon gut dabei, mit den augen zu rollen, da ich bei der länge dachte, wenigstens eine halbe stunde dort verbringen zu dürfen. aber die damen und herren waren dort sowas von fix, dass das bei 100 anstehenden leuten nicht mal zehn minuten dauerte. großes kompliment!
das geht auch an den tontechniker. die columbiahalle ist nicht unbedingt für ihre tolle akustik bekannt, aber die line-arrays sorgten für einen schön ausgewogenen, druckvollen klang, der zumindest durch meine musicsafes so klang, als ob man es auch durchaus ohne gehörschutz hätte aushalten können.
ansonsten der größte kritikpunkt: es war tatsächlich zu voll. bis zur abmischung und dem posten der pfadfinderei ging es noch, ab da war kein weiterkommen mehr – es sei denn, man hätte es auf konfrontation angelegt. liegt mir nicht, wobei ich mir während des hopkins-sets beim ausdruckstanz des größeren herren direkt vor mir schon einige male auf die zunge beißen musste und dem herrn (vergeblich) mit wahrnehmbarem wegdrücken mit den unterarmen zu verstehen geben versuchte, dass er seine gewohnten 2 qm heute abend leider nicht ausnutzen darf. der ward bei moderat aber auch nicht mehr gesichtet.

erstmal jon hopkins: nichts erwartet, da „immunity“ als album nicht meine tasse tee war. aber scheinbar habe ich da auch nicht genau genug hingehört oder es hat mich auf dem falschen fuß erwischt – klang stilistisch wie ein aus border community mit afx-einschlag hervorgegangenen mischling, inklusive etwas wobble-basslines. für pop zu anstrengend, aber dennoch interessant, welche blüten clubmusik so treiben kann. bin während seines sets nur dem irrtum aufgesessen, dass die eine leinwand auch für den moderat-act benutzt wird.
weit gefehlt: deren setup stand hinter dem schwarzen vorhang. interessante idee, die vier leinwände in kreuzform aufzustellen, so dass quasi für einen 3d-effekt gesorgt wird. überhaupt wieder einmal schön auf die musik abgestimmte arbeit der pfadfinderei – kann man einfach nicht anders sagen.
die setlist war eher geprägt von den songorientierten tracks und auch vom aufbau her nicht das, was man gemeinhin erwartet. normalerweise kenne ich es von konzerten her so, dass die hits zum schluss kommen. „bad kingdom“ war jedoch relativ in der mitte dran und neben „a new error“ und „milk“ eines der tanzbaren stücke. mehr als hin und her wiegen und aufpassen, dass die eigenen gliedmaßen nicht in jemand anderes rippenregion landen, ging jedoch leider nicht. also stattdessen das gemacht, was ich andernorts mittlerweile als lästig empfinde: smartphone herausgekramt und die kamera getestet. nebeneffekt: hier das cyclone-slider-plugin installiert, womit man eigene slideshows für einzelne postings erstellen kann, und ihr bekommt zumindest einen kleinen visuellen eindruck von den lichtinstallationen.
musikalische wermutstropfen? naja, „porc“ und „ilona“ hätte ich zwar echt gerne gehört, aber geschenkt. ich fand die routine der drei sowie die live-stimme von apparat schwer beeindruckend und würde jederzeit wieder hingehen, wenn (!) denn die atmosphäre etwas entspannter ist. konzerte nur um des friedens willen von der seite zu beobachten, ist es für mich irgendwie nicht. gedränge allerdings erst recht nicht, und aufgrund dessen blieb der genuss für mich leider etwas auf der strecke.

ist allerdings ein nebenprodukt der popularität, mit dem man sich als beobachter / plattenkäufer / wegbegleiter arrangieren kann. verdient haben es alle beteiligten nach den leistungen beider sets allemal.

[berlin / 01.03.2014] about blank: blank generation

ich weiß zwar nicht, ob meine risikofreude dafür reichen wird, die freiluftsaison mit allen schikanen einzuläuten. aber generell ist das angebot und der club sowieso ansprechend.

blankgeneration20140301

raum 1
00h00 jessamine
03h00 kassem mosse live
04h00 lowtec
06h00 elisabeth

raum 2
02h30 dr. rubinstein
04h30 zadig
07h30 dj xing

zelt
08h00 carlos de brito
11h00 ben ufo
14h00 resom

eintritt
12 euro (ab 1 uhr) / 8 euro (von 0 bis 1 uhr)

nachbetrachtung

auch hier war ich zwei mal. nachts nach fast einer stunde anstehen in der kälte, nach der man am besten an der tür vorbeikam, wenn man den namen der party und ein paar acts benennen konnte – das für mich immer noch fairste kriterium, wonach sich aussortieren lässt. dann nochmal mittags.

erste ankunftszeit also ungefähr gegen 3:30 uhr, was immer noch reichte, sich davon überzeugen zu können, dass dr. rubinstein ihre vorschusslorbeeren zurecht genießt (hatte sie zuvor noch nicht gehört und sie war einer der gründe, nachts hinzugehen). zadig mixte schnell tresor-kompatiblen techno ineinander, elisabeth schwang drüben in der lobby die rauhe chicago-keule. dennoch bin ich kurz nach 7:00 uhr heim, damit ich von ben ufo im zelt noch genug mitbekomme.

der plan ging auch ausnahmsweise auf und vor allem lohnte sich das auch. ich hatte bei den kalten märz-temperaturen ja bedenken, dass es im zelt unangenehm werden könnte, aber erstens ist das beheizt und zweitens war es aufgrund der fülle auch recht gemütlich. die kam nicht von ungefähr: ben ufo traf genau die interessante lücke zwischen techhouse und den dubstep-epigonen, die u.a. von hessle audio aber auch auf swamp 81 oder punch drunk stets gefüllt wird. war auch das erste set, in dem ich kowtons remix von peverelists evergreen „roll with the punches“ hörte.
resom hatte anschließend auch keine mühe, den noch anwesenden einen schönen ausklang zu bescheren, so dass die blank generation sich insgesamt wieder von ihrer besten seite zeigte, obwohl mir das blank mit dem garten in den wärmeren monaten einfach mehr gibt. da hätten die letzten sets auch durchaus in der lobby stattfinden können.

hürdenlauf

hürdenlauf


download

erst die chiffrierte trackliste, dann die entstehungsgeschichte.

tracklist (wie immer die discogs-release-ids):
zeigen

und der titel ist bei der entstehung durchaus bewusst gewählt. der plan, mal wieder ein gründlicher geplantes set aufzunehmen, anstatt entweder auf live-mitschnitte oder deren überreste zurückzugreifen, war schon länger vorhanden. wie das aber nun mal mit den perfektionisten so ist, kam so einiges dazwischen:

1. eine phase im spätsommer / herbst 2013, in der ich schon an mir selbst zweifelte, ob der markt an neuigkeiten für mich tatsächlich nichts mehr hergibt. sollte ich mein alias tatsächlich in „statler“ ändern? wenn ja, müsste ich mir gedanken darüber machen, wer denn mein „waldorf“ wird. man stelle sich nur die sets mit hundertfach abgespielten platten vor, garniert von anekdoten aus dem tresor.
vielleicht habe ich nicht genügend zeit bei der suche nach brauchbaren tracks investiert, aber ich halte es für eher wahrscheinlich, dass sich das sommerloch tatsächlich etwas nach hinten ausgedehnt hat. ab oktober / november 2013 wurde es in allen bereichen deutlich besser. jedoch kam gleich die nächste hürde in den weg.

2. der zeitfaktor. mit einem anstrengenden und gleichzeitig doch irgendwie erfüllenden vollzeit-job, der stellenweise bis zu zehn stunden arbeit pro tag mit sich brachte, tendierte meine lust, die für klasse befundenen sachen beim feierabend einzukaufen / zu taggen / zu warpen, gegen null. auch die genauere auseinandersetzung mit den tracks kann so nur schwer stattfinden. den rückstand habe ich erst mitte januar 2014 zu einem großen teil bei boomkat abgearbeitet und seitdem für mich den modus gefunden, alle zwei, drei wochen regelmäßig dort zu kaufen, um die tracks danach mobil auf dem iphone unterwegs parat zu haben. auf die weise bekomme ich ganz gut mit, welche stellen relevant sind und welche nicht.
begonnen hatte ich mit der arbeit am set bereits im dezember. zwar bedeutete der großeinkauf einen guten fortschritt beim entwurf für das set, zwischendurch stellte sich noch eine technische hürde in den weg.

3. zumindest zwischen den zeilen zum schnellschuss 003 ist bekannt, dass ich von griid zu lemur / livecontrol2 gewechselt habe. mit der veröffentlichung von live 9.1 gab es jedoch probleme, nach denen lemur keine verbindung mehr zu live aufbauen konnte. liine war sich des problems bewusst, brauchte jedoch einen monat, bis das mit einem patch behoben werden konnte. in der zwischenzeit ging ich zu touchable 2 fremd, was zwar auf java basiert, aber in puncto nutzerfreundlichkeit gerade in der effektsektion sehr schnell überzeugen konnte. auf einem anderen blatt papier steht, dass ich bei diesem set diverse anläufe brauchte, die der fehlenden routine mit der app geschuldet waren. bei der aufnahme der hier hochgeladenen version fühlte ich mich jedoch bestätigt, die richtige entscheidung getroffen zu haben. das macbook musste ich nur für zwei dinge anfassen: a) wenn der bildschirm sich ausschaltete, weil ich lange keine bewegung mehr mit der maus gemacht hatte und b) beim anziehen des tempos, was aber auch über touchable geht. da muss ich nur noch etwas sicherer werden, um nicht über das ziel hinauszuschießen, weil’s mal eben zwei oder drei bpm zuviel oder zu wenig werden können. gab es nur noch die vierte hürde.

4. der schon oben erwähnte perfektionismus. techno? ja, sehr gerne. aber nicht nur. es sollten schon noch breakbeats drinnen sein. aber zu welchen anteilen? an welcher stelle? wie kriege ich es hin, dass die dramaturgie nicht von einem augenblick auf den anderen über den haufen geworfen wird? gehe ich lieber auf sicherheit und marschiere lieber schnurstracks von a nach b? und überhaupt – marschieren: ist das mit live nicht vorprogrammiert? kann nicht wieder etwas mehr vom analogen auflegen mit cuts und abrupt einsetzenden bässen als überraschungsmoment einzug halten anstatt das überblenden zu perfektionieren? und geht es auch mal mit weniger als vier parallel laufenden spuren?
zumindest zur letzten frage: ja, geht. die passagen mit vier gleichzeitig offenen spuren sind sehr knapp gehalten, ich hab mich gerade am ende darauf konzentriert, nur zwei tracks miteinander laufen zu lassen, wenn sie gut harmonierten. auch ist das set funktional, sogar über weite strecken. zumindest einen provozierten bruch gibt es, aber sonst hoffe ich, dass die mühe, die darin steckt, nicht angestrengt klingt, sondern gut abgestimmt und trotz funktionalität auch ein wenig anspruchsvoll.

lob, kritik, verrisse gerne hier oder per mail. ansonsten viel spaß beim hören, wo(bei) auch immer.