[tbilisi / 03.10.2026] khidi: g2

an diesem wochenende findet das 4gb festival mit allerlei aufgebot statt. daher kochen sowohl khidi als auch bassiani auf sparflamme. findige szenebeobachter*innen werden jedoch bemerkt haben, dass mit dem 12-jährigen bassiani-geburtstag das nächste event mit überlänge ansteht. und eben jenes ist neben dem essen und der neugierde auf bauliche und gesellschaftliche veränderungen für mich der hauptgrund, innerhalb eines jahres zurückkehren zu wollen.

aber dazu mehr, sobald das bassiani den ablauf veröffentlicht. jetzt erstmal der zweite floor des khidi, solange das koffein trägt. bin seit 1:15 uhr hier.

g2

00:00 katyanot
03:00 oniani
06:00 alexander kühne

nachbetrachtung

es bewahrheitet sich immer wieder: ohne erwartungen an einen abend herangehen und im besten fall wird mensch positiv überrascht. in diesem fall sogar mehr als das.

zugegeben: ich hatte den horoom des bassiani als blaupause angelegt. wenn der gesamte club geöffnet hat, ist der horoom für mich zum durchatmen von der techno-breitseite am anderen ende der katakomben ganz schön, aber wirklich zum verweilen hat er mich vor einem jahr nicht eingeladen. mit dem g2 im jetzt möglichen direkten vergleich wäre das bassiani für mich samstags nicht die erste option, wo (abseits von großereignissen) nur der horoom geöffnet hat. sorry dafür, eventuell hat sich ja an dem raum etwas geändert – das weiß ich erst ab dem geburtstag.

entsprechend bin ich unter der prämisse hin, mir wenigstens den kleineren teil des khidi beim für mich zweiten besuch tbilisis anzuschauen, da der komplette club über die gesamte zeit meines aufenthalts nicht bespielt wird. um 4:50 uhr bin ich mit dem festen vorsatz raus, meinen dritten tbilisi-besuch zeitlich so zu legen, dass ich mir das gesamte khihi ansehen kann.
erstmal kurzer banger augenblick, weil ich meinen pass natürlich in der unterkunft hatte liegen lassen und eine dreiergruppe weggeschickt worden ist, als ich mich angestellt habe. proaktiv den ausweis vorzeigen und den anweisungen des türstehers folgen hat geholfen. umgerechnet ca. 15 euro eintritt und einen recht gründlichen bodycheck später war ich drin. das alles geht ziemlich zügig.

wie das bassiani ist das khidi verwinkelt, dunkel, brutalistisch. beim besten willen aber nicht barrierefrei. geradezu vom eingang geht es ein paar stufen runter zur garderobe. vom gleichen gang aus geht es hoch zum vorraum, der dreh- und angelpunkt des clubs ist: weitere stufen führen von dort zu einem separée oberhalb der garderobe, das fast bis zum eingang reicht. ansonsten ist geradezu der zugang zum g2, rechts daneben die toiletten (die sehr mit dem blick auf die gesamte ästhetik des clubs entworfen worden sind: unisex, nur kabinen, waschbecken aus metall für alle in der mitte – gefiel mir besser als die toiletten im bassiani).
positiv: der vorraum ist zugleich raucher*innenraum. auf der tanzfläche ist das nicht erwünscht – und es wird durchgesetzt. auch in georgien gibt es ein rauchverbot in geschlossenen clubs, was (wie in berlin) eine frage der handhabung seitens der läden zu sein scheint. im khidi heißt dies: eine türperson beobachtet am rande der tanzfläche das geschehen und spricht die rauchende person an. oder eine awarenessperson übernimmt das mit. war an diesem abend eine weiblich gelesene person, und bei dem offensichtlichen männerüberschuss war’s schön, dass auch dies mit auf dem schirm ist.

womit ich noch nichts zum floor gesagt habe. ungefähr nach einer stunde war ich mir sicher, dass das khidi mit seinem vize-floor im solo-betrieb für mich interessant genug ist und sowas in der kapazität (200-300 leute) sowie aufmachung in berlin fehlt.
erstens stimmt der sound: zwei funktion one stacks links und rechts vom dj, dazu holzboden für den wärmeren klang.
zweitens das licht: das könnte zwar alles heller erleuchten, wird aber so spärlich eingesetzt, dass die musik akzentuiert wird anstatt die leute zu inszenieren.
drittens: auch djs werden nicht über gebühr in szene gesetzt. sie stehen so gut wie ebenerdig, hin und wieder strahlt mal ein spot vom anderen ende der tanzfläche in deren richtung.
viertens: auch wenn es sich um den wesentlich kleineren der beiden floors handelt, ist er ähnlich verwinkelt, wie der rest des clubs es erahnen lässt. es gibt sitzbänke am rechten ende, die sogar zu einem weiteren separée führen. will mensch sich unterhalten oder nur zuhören: geht dort blendend. tanzen auch, wenn auf der tanzfläche zuviel los sein sollte. das war jedoch sehr okay – der füllgrad lag bei gut drei vierteln.
den standort der bar am hinteren ende der tanzfläche könnte ich bemängeln, aber andererseits war die so schnell, dass sich kein pulk davor und somit kein hindernislauf auf dem weg zu den sitzgelegenheiten ergab. zugegeben: ich mag das lieber baulich getrennt. also entweder in einem separaten raum oder durch eine sitzreihe abgetrennt. aber: persönliche eigenheit, die dem richtig guten gesamteindruck keinen abbruch tut.

in schwung kam das alles erst kurz vor 2 uhr, blieb es dann aber ziemlich konstant, bis ich ging. also ähnlich zu den berliner gepflogenheiten, wonach die meisten nicht vor 1 bis 2 uhr nachts auftauchen. war für katyanot etwas schade, die sehr versatil zwischen techhouse, dubtechno, sphärisch-trippig und durchaus den einen oder anderen breakbeat-track spielte. mag sich wie kraut und rüben lesen, war aber so kohärent, dass ich ihr regelmäßigere gastspiele im khidi oder bassiani (dort hat sie anfang des jahres im horoom gespielt) wünschen würde. warm-up nach maß – richtig gut.
bei oniani muss ich aufpassen, mich mit den trance-spielarten nicht zu vertun. das hatte stellenweise etwas psy-artiges und wirkte auch sonst wie das, was auf kalahari oyster cult passiert. alles leider nicht meine baustelle, aber ich habe großen respekt vor seinem sinn für harmonien, wonach sich die tracks bei den übergängen nie in die quere, sondern vielmehr ergänzt haben. nach fast zwei stunden war die zeit für mich dennoch gekommen. in den tagen zuvor laborierte ich noch an einer erkältung herum, zudem war der heimweg eine dreiviertelstunde zu fuß (wäre mit den öffentlichen nur unwesentlich schneller gewesen). daher wollte ich auch noch etwas vom sonntag haben, was so semi geklappt hat.

in summe: toller ersteindruck der light-variante des khidi. perfekte größe, die eine stilistische vielfalt zulässt, wonach zwischen (tech-)house und forderndem techno alles geht. wie das bassiani haben sie mit der abgespeckten variante an dem wochenende genau die richtige entscheidung getroffen und mit einem moderaten eintrittspreis bei drei leuten ausreichend publikum angelockt. wäre ein beispiel, das auch in berlin schule machen könnte, wo ich die summe im rso noch am ehesten als pendant sehen würde. die wird aber freitags recht unregelmäßig bespielt bzw. der robus bekommt manchmal den vorzug.

einen kritikpunkt habe ich: der khidi-umhängebeutel ist mit 120 georgischen lari (also umgerechnet 40 euro) eindeutig zu teuer. ich kann zwar verstehen, dass clubs auf merchandise-artikel angewiesen sind, weil die marge dort schön hoch ist. aber dafür sollte auch der preis attraktiv genug sein, dass sich besucher*innen beim abholen ihrer sachen an der garderobe sagen können, dass mensch das einfach mal als souvenir mitnimmt. konkret: bis 20 euro (also 60 lari) wäre ich noch mitgegangen. aber: muss das khidi wissen. ich komme so oder so wieder.

notierte tracks

katyanot

zekiel – space

oniani

maruwa & younger than me – reptilian