Mai 122017
 

die anlage in der panorama bar soll ein update erfahren haben. das werde ich mir zwar auch anhören, aber hauptaugenmerk liegt auf samuel kerridge.

klubnacht

berghain
00h00 efdemin
04h00 samuel kerridge live
05h00 cleric
09h00 gerald vdh
13h00 kangding ray
17h00 ben klock
22h00 len faki
02h00 eric cloutier

panorama bar
00h00 candy pollard
04h00 new jackson live
05h00 dj tennis
09h00 joakim
12h00 john daly
15h00 oracy
19h00 nitam
22h00 kasper bjørke
02h00 maceo plex

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
auch wenn der besuch nicht so kurz war (4 bis 19 uhr), kann ich das musikalische recht flott abhandeln, weil die vorab erhofften qualitätsgaranten auch tatsächlich lieferten. allem voran samuel kerridge, der eines der kompromisslosesten sets gespielt hat, die ich samstags in den 12einhalb jahren dort mitbekommen habe. die erste viertelstunde konsequent unter 120 bpm und ohne richtige kickdrum, sondern eher dronig (der erste track von „fatal light attraction“ war mit dabei), filterte damit ein drittel des publikums aus und gab dem rest insbesondere in den letzten 20 minuten die brachiale offensive, inklusive live dazugemischter schrei-samples von sich selbst. kein einziger 4-to-the-floor-rhythmus, was die sache nochmal interessanter machte. hätte die letzten fast zehn minuten noch gut damit in die länge ziehen können – so war der schluss etwas abrupt.
das anlagen-update für die panorama bar besteht aus der rückkehr zu line-arrays und einer anderen verteilung der subs. hersteller ist studt akustik, die subs stehen sich jetzt quasi gegenüber: die altbekannten in einem der séparées, die anderen direkt vor den fenstern. da einer der gebuchten leute den pioneer djm im tech-rider hatte, von denen die neueren generationen ja ganz annehmbar klingen, gibt’s erstmal nur „weniger wuchtig, aber transparenter als zuvor“ als urteil. bei den sets ist oracy eindeutig hervorzuheben. er war der grund, weshalb ich doch länger als 12 stunden bleiben wollte, um während des sets zu entscheiden, ob ich währenddessen gehe oder nicht. dazu gab er jedoch keinen anlass. house mit und ohne vocals, es konnte auch etwas poppiger werden (ned flanders – memory loss. da wird’s spätestens beim vocal offensichtlich, von welchem soundtrack-gassenhauer er sich hat inspirieren lassen, und ep-titel sowie -cover setzen da noch eine krone drauf.), anthony shakir geht sowieso immer, vor allem wenn’s noch „soundblaster“ von der guten alten gigolo ist, später noch electro mit „space ships“ von jeremiah r. hatte trotz stilübergreifendem ansatz einen tollen flow, der mir vorher bei john daly fehlte, aber das mag auch dessen tagesform gewesen sein. joakim hatte zwischen deep house und disco eine halbvolle tanzfläche vor sich, was ich aber den gesamten abend über in der panorama bar jedoch als ganz angenehm empfand. unten war das bis zu ben klock noch genauso, das änderte sich aber bis 17 uhr schlagartig. zwar hörte sich das, was er spielte, beim durchlaufen recht ungewohnt melodisch an, aber mir war nicht danach, mir das vom rand anzuschauen oder einen platz irgendwo im getümmel zu ergattern, um zu schauen, ob mich das länger mitreißt – dafür war’s oben bei oracy einfach zu kurzweilig.
auch wenn ich kangding ray das letzte mal an ort und stelle besser fand, spielt er über die gesamtzeit betrachtet noch im oberen mittel mit. u.a. mit „dune“ von seinem album, das mich letztens tatsächlich dazu gebracht hat, etwas auf stroboscopic artefacts zu kaufen oder „encipher & decipher“ vom wirklich guten barker & baumecker-album letztes jahr. aber sonst war’s insbesondere bei gerald vdh als auch cleric nicht mehr als solider berghain-techno, bei dem letzterer zwar „amphetamine“ von drax ltd zum schluss spielte. aber auch der track scheint wieder in mode gekommen zu sein und als reminiszenz an die 1990er wohl gerne mal hergenommen zu werden. für mich war’s genügend anlass, im garten und vor allem der säule zu verweilen, womit ich endlich bei den umbaumaßnahmen wäre.

systematisch vorgegangen:
die garderobe hat ein neues wandgemälde: „vertigo“ von norbert bisky, der schon für das bühnenbild bei „masse“ verantwortlich war. dafür wurde die wand dunkelgrün gestrichen und das gemälde verteilt sich über kleinere einzelbilder, die jeweils von der gegenüberliegenden garderobe angestrahlt werden. damit wirkt zumindest die rechte seite der garderobe nicht mehr so kahl, wohingegen die panele mit den plattencovern auf der linken seite immer noch nicht ersetzt worden sind. dafür ist die improvisierte lösung mit den vorhängen dort den bekannten glastüren mit stahl gewichen. mal schauen, ob sich da noch was tut.
wer sich noch an die trennwand zur garderobe richtung toiletten / garten erinnert: die gibt es nicht mehr. stattdessen steht da jetzt eine couch, dahinter geht es zur treppe richtung oberen teil der garderobe (den ich übrigens an dem abend nicht geöffnet gesehen habe).
im garten ist der riesige phallus verschwunden, dafür stehen dort jetzt die betonbänke aus der ehemaligen säulenhalle, womit ich beim kern angelangt wäre. es war ja viel vorab über die säule zu lesen oder zu hören: zu helle klos, zu wenig rückzugsorte zum cruisen oder für die heteropärchen. gelobt wurde aber das licht sowie die galerie.
für mich ist es im vergleich zu vorher eine deutliche verbesserung. die mehrzahl an klos war definitiv notwendig, weil deren mangel in der darkroom-holzkonstruktion zuvor schon einigen die stimmung verdorben haben dürfte. das licht dort war bis zum säubern am mittag auch halb abgedunkelt und für mich vollkommen ok so. keine ahnung, warum danach flutlichtartiges licht herrschen musste. mit den saloon-türen zu den kabinen habe ich auch kein problem.
generell werden die ecken in der halle nun wesentlich besser als vorher ausgenutzt. am ende das dj-pult in der mitte, flankiert von zwei treppen, die nach oben zur galerie führen. wenn man dort oben ist, finden sich auch diverse spielwiesen, die unten etwas fehlen. habe mich auch gefragt, wie das im clubbetrieb mit musik und den sitzflächen am rande mancher säule funktionieren soll, aber als ergänzung bzw. entlastung zur klubnacht ist der raum ein absoluter zugewinn. meinem eindruck nach war die gesamte zeitdauer über dort mehr los als zu den klubnächten vor dem umbau, was die anzahl der leute angeht. das dürfte auch noch zunehmen, wenn sich herumspricht, dass man an der dortigen bar, die nun komplett nach rechts gewandert ist, so gut wie gar nicht warten muss. auch für gespräche empfiehlt sich die säule, da die glastüren / wände dazu führen, dass von oben zwar noch wahrnehmbar ist, welcher track gerade läuft, aber man muss nicht mehr lauthals gegen den bass ankämpfen. das müsste also auch einen parallelbetrieb von berghain und säule ganz gut gewährleisten.

kurz und prägnant zusammengefasst:
samuel kerridge und oracy unbestrittene höhepunkte, joakim und kangding ray oberes mittelfeld, sonst musikalisch nichts nennenswertes. die säule ist ein echter zugewinn, bei der wahrscheinlich noch etwas feinarbeit betrieben wird. aber es war definitiv eine gute entscheidung, den raum in der form richtig ausnutzen zu wollen.

Feb 242017
 

der hauptgrund, meine selbstauferlegte einmal-im-monat-regel zu durchbrechen, findet sich in dem herrn, der auf honest jon’s in letzter zeit die pfade verfolgt, die er vor sechs jahren mit dem doppelpack „music for the quiet hour / the drawbar organ“ betreten hat. er hat in der zwischenzeit vor zwei jahren bewiesen, dass das im berghain ganz gehörig in die hüfte gehen kann, von daher laufe ich gefahr, die erwartungen zu überhöhen. das weitere angebot sieht unten bis 17 uhr jedoch ebenfalls interessant aus.

klubnacht

berghain
00h00 phase fatale
05h00 shackleton live
06h30 kangding ray
10h00 nthng
14h00 daze.
17h00 silent servant
21h00 anthony parasole
01h00 fiedel

panorama bar
00h00 virginia
04h00 zozo
08h00 honey dijon
11h00 soundstream
14h00 tornado wallace
17h00 gerd janson
21h00 avalon emerson
01h00 jennifer cardini

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
wie war das noch gleich mit dem vorsatz, es nicht mehr zwingend auf 12+x stunden anzulegen? nun ja, es wurde jedenfalls von beginn shackleton bis ende von herrn janson.

bei shackleton muss ich mich nicht wiederholen, den lasse ich außer konkurrenz laufen. wiedererkannt habe ich nur teile aus „freezing opening thawing“ und „the prophet sequence“ vom album mit vengeance tenfold (das war das set-intro).
war letztes jahr leider nicht da, als er gespielt hat. aber im vergleich zu 2015 funktionierte das beim publikum erstaunlich gut, auch wenn er weniger fordernd spielte als damals und eher seine markenzeichen-sequenzen und auf die magengrube zielenden basslines einsetzte. es blieb trotzdem zu wenigstens drei vierteln gefüllt. wenn ich mir etwas wünschen dürfte: mehr strecken mit kickdrums, aber die phase hat er hinter sich, glaube ich.

bei kangding ray finde ich es einfach faszinierend, dass er melodiös, ohne dabei verkitscht zu klingen und fordernd genug, ohne zugleich zu platt zu werden, spielen kann. erkannt habe ich wenig, nur „mutual codes“ von johannes volk hat shazam mir dankenswerterweise identifiziert, sonst habe ich das tanzen priorisiert.

nthng kombinierte trance mit acid und auch electro. toll auch, gleich mit dem titeltrack aus „ghost in the shell“ anzufangen. ansonsten gut erprobte tracks wie „acid wiss’l“ von dj skull, erneut (wie in der grießmühle im september) „the final frontier“ auf ur und „black sea“ von drexciya sowie „invisible invasion“ vom zweiten scan 7-album auf tresor. da war für die anhänger der detroit-fraktion also einiges dabei.

daze. kann man nur den technisch unsicheren umgang mit breakbeat-tracks ankreiden. aber „heliosphan“ von aphex twin von einem der – so weit lehne ich mich mal aus dem fenster – nicht nur für mich essentiellsten alben elektronischer musikgeschichte (das ich – zugegeben – auch erst beim repress vor gut zehn jahren entdeckt habe) sorgte für einen ziemlich langen gänsehautmoment bei mir, da fällt ein mal hier und da unrunder mix auch nicht negativ ins gewicht.
sonst noch schön: die a1 von der „awakening the sentient“ von oliver ho auf blueprint fast zu beginn und darüber hinaus schien er die „consume iv“ von stenny auf ilian tape so sehr zu mögen, dass er gleich drei tracks im ganzen set spielte – alle, bis auf „westward“. zumindest, als ich unten war. es sei ihm verziehen – die ep ist schließlich auch eine perle im ilian tape-katalog.

tornado wallace war oben zur gleichen zeit für mich die überraschung. electro alter schule, house und disco, schön langsam unter 120 bpm nahtlos ineinandergemischt – den merke ich mir.
gerd hatte für mich einen tollen flow, auch wenn die puristen bemängeln können, dass er nicht in die tiefe gegangen ist. obwohl der vergleich zum set von konstantin sibold und leif müller letztens hinkt, weil’s nicht mal ansatzweise so poppig-hittig war: es hat einfach die party gerockt. da kann man durchaus auch mal „finally“ von ce ce peniston zum schluss spielen, wobei ich annehme, dass er das nicht zum ersten mal getan hat.

bei silent servant hatte ich nicht allzu viel erwartungen, aber das hat mit meinem geschmack zu tun. technisch ist der mann brillant, inhaltlich verharrte er mir meistens zu sehr im austauschbaren dystopisch-industriellen techno-dickicht. hatte mir also zum ziel gesetzt, eher gerd zuzuhören, aber wenn ich denn mal unten war, fand ich’s echt mehr als nur brauchbar.
gut, daran werden nummern wie „ball park“ von joey beltram, „desolate cities“ von 2am/fm oder „vamp“ von outlander ihren anteil gehabt haben. aber irgendwie fand ich das set exemplarisch für die gesamte zeit, in der ich da war: jeder dj hatte seine eigene handschrift und mut zum stilistischen blick über den tellerrand. reichte jedenfalls locker aus, um mich über die zeitspanne zu motivieren.