[berlin / 06.12.2013] stattbad: grounded theory

meinte ich nicht neulich erst, dass ich das stattbad viel zu selten von innen sehe?
25. grounded theory, kesselraum und bunker offen, daher keine sorgen bezüglich gefälle auf der tanzfläche. toller flyer auch – wieder einmal.

gt20131206

reihenfolge
bunker
00:00 hound scales
03:00 dj bone
05:30 anthony parasole
08:00 milton bradley
boiler
02:00 subkutan

eintritt
12 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

wenn ich eine lektion dieses (sehr guten) abends mitnehmen sollte, dann die, dass sich vorschlafen einfach nicht lohnt, wenn es weniger als zwei stunden sind. geweckt zu werden, wenn ich gerade mal in der tiefschlafphase angekommen bin, ist wohl mit der grund, weshalb die in letzter zeit häufiger hier zu lesende lethargie mich daran hinderte, vor 2 oder 3 uhr (am vergangenen freitag letzteres) im club zu sein. also: deutlicher auf die körpersignale hören. wenn der erste impuls auf dem iphone-wecker zur „schlummern“-fläche geht und das für eine stunde so weitergeht, bis ich endlich den weg zur nahenden espresso-dosis in die küche geschafft habe, ist es besser, diese längere zeit gleich einzukalkulieren.
also: nächstes mal vier stunden daraus oder eben durchmachen. der durchhänger danach bleibt der gleiche, stelle ich jetzt als these in den raum. ein positives hatte es: ich hatte keine probleme, bis zum schluss zu bleiben. allerdings war der verstand eher koffeingesteuert. auch das lässt irgendwann nach.

das nur als notiz an mich, es nächstes wochenende zur leisure system anders anzugehen. vor ort war ich erstmal überrascht, dass der bunker zur hauptattraktion umfunktioniert und der boiler room (so wurde er auf dem ausliegenden plan genannt, passt ja auch im wörtlichen sinne) alleine subkutan vorbehalten war. ein gewolltes experiment, wurde mir von der organisation erzählt – und ein für meine begriffe auch echt gelungenes. von der kapazität her nehmen sich beide floors nicht viel, mit dem boiler room habe ich ohnehin das kleine problem, dass er mit seinen zwei ein- und ausgängen zum durchgehen einlädt. das ist drüben im bunker besser, zumal der floor mich gerade an dem abend sehr an den alten tresor erinnerte. dazu trug neben der alten turbosound-anlage sicher auch der strobo in der ecke bei. wahrscheinlich so ein dicker pluspunkt, dass musikalisch schon sehr viel hätte schiefgehen müssen, um mir den spaß zu verderben.
auch hier entwarnung: die gefahr war zwar gegeben, dass auf beiden floors mehr oder weniger der gleiche stil laufen könnte, aber bis 3 uhr kann ich das nicht beurteilen, da ich erst zu der zeit vor ort war und den rest der zeit über war das sehr ausgewogen.
dj bone steht ja eher dafür, verschiedene detroit-facetten sowie eher mit melodien und soul anstatt die ganze zeit hart und brachial zu spielen. das war schön und funky, dennoch bleibe ich doch lieber bei suburban knight (wann bucht den eigentlich mal wieder jemand?) oder rolando, auch wenn die längst nicht mehr in detroit wohnen. subkutan hatte sich im voraus durch diverse sets im about blank einige vorschusslorbeeren verdient und ich ihn nie gehört. er hat sich der industriellen seite von techno verschrieben und lotet die in aller tiefe aus. ich nahm auch an, dass er wenigstens fünf, sechs stunden spielen würde und war schon etwas erstaunt, dass er um 6h30 auf einem doch noch ganz gut gefüllten boiler room anfing, new wave zu spielen. auf einmal war dann auch schluss, eventuell zeichnete sich da auch drüben im bunker ab, dass bei manchen leuten nach bone als headliner die aufbruchstimmung überhand nahm. die fluktuation habe ich nicht so im blick, da ich doch mal hier und mal da war und mich auch gerne unterhielt. zurück bleibt von subkutan ein inhaltlich geschlossener, sehr konzentrierter eindruck, den ich beizeiten vertiefe. am besten im institut für zukunft, wenn es eröffnet.
auch die letzten beiden protagonisten des abends zeigten, dass ihnen mehr an einem langfristigen setaufbau gelegen war, anstatt nur funktional und eingleisig eine schiene zu bedienen. anthony parasole bot eine breite palette von alten sleeparchive bis hin zu acid, neuen sachen auf klockworks (rod) oder l.i.e.s., und milton bradley (komischerweise auch nie gehört, hat sich im berghain nie ergeben) hat zum schluss ein set gespielt, das für meine begriffe von vorne bis hinten als maßstab dafür genommen werden kann, wie der schluss einer party sich anhören sollte. stilistisch ebenfalls nicht auf eine schiene festgelegt, sehr behutsamer spannungsauf- und abbau, so dass die dreieinhalb stunden bis 11:30 echt sehr kurzweilig waren – auch wenn meine beine irgendwann nicht mehr wollten und ich das geschehen von der seite beobachtete.

ich habe somit im gegensatz zum letzten stattbad-besuch nichts auszusetzen. auch wenn wegen orkan „xaver“ ein paar leute weniger kamen, war mir das gerade recht, so blieb gerade im bunker immer genügend platz und alleine fühlte man sich nun wirklich nicht.
was nun noch die krönung wäre: die verlegung des dj-pults im bunker von hinten nach vorne (vom ein-/ausgang über die treppe her betrachtet) ist schon mal gut, so bleibt mehr tanzfläche. idealer wäre fast noch, es (wieder vom ein-/ausgang her) nach hinten links hinter die gitter zu verlegen. außerdem: macht aus einem bitte vier strobos, für jede ecke einen. da der schrei nach einem ersatz für die etwas in die jahre gekommene turbosound-anlage etwas dekadent ist (was ist denn mit der kirsch audio vom ex-rechenzentrum-dann-horst-krzbrg?), wünsche ich mir kurzfristig: nebel. da wird sich das barpersonal zwar schön bedanken, aber location und licht schrien an dem abend nach technohölle. ich bin mit dem gefühl im bauch nach hause, bei einer sehr guten alternative zum berghain gewesen zu sein, zumal beide clubs sich wegen der unterschiedlichen wochentage eh nicht in die quere kommen. daher sollte ich die grounded theory als feste größe für die kälteren, dunklen monate im hinterkopf behalten.

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