[berlin / 29.08.2015] mensch meier: bewegungsfreiheit #6

fast fünf monate sind seit der letzten bewegungsfreiheit im about blank vergangen, und gerade in den letzten fünf wochen ist einiges passiert, was an deutschland anno 1992 erinnert – nur dieses mal auch mit unterstützung aus dem (klein)bürgerlichen lager, das mit ressentiments gegenüber den fremden, die sich in den leerstehenden gebäuden der nachbarschaft niederlassen, nicht mehr hinter dem berg hält.
denen sei gesagt, dass das flüchtlingsproblem nicht nur hierzulande offensichtlich ist – auch in england lässt es sich bspw. nicht mehr verleugnen. nur wird das dort wenigstens gleich als europäisches problem begriffen, das haben sie uns als ehemalige kolonialmacht mit entsprechend bunt durchmischter bevölkerung wohl voraus. vielleicht ist es zu kurzsichtig von mir gedacht, die massenbewegungen in richtung europa aus nicht nur von kriegen, sondern auch aus den von humanitären krisen geprägten ländern als strukturelles problem zu sehen, an dem die eu einen nicht geringen anteil hat. die politische hilflosigkeit tut da ihr übriges – wohlstand ist als opium für’s volk nicht zu unterschätzen, daher ist dessen sicherung als prämisse zur wahrung des status quo (lesen als „sichern der eigenen pfründe“) so schnell nicht vom tisch zu bekommen.
wie brüchig dies ist, merkt man ja jetzt. europa – mit deutschland als wirtschaftlichem triebmotor – verheißt frieden, sicherheit, humanitären mindeststandard. so sicher kann man sich bei allen von den drei genannten faktoren nicht mehr sein. zwar ist es gut gemeint, wenn man mit „pack“ deutliche worte gegenüber dem braunen mob findet, aber das beseitigt die ursachen nicht und wird einigen eher noch ansporn sein.
nicht nur beim „pack“, sondern auch generell wird in puncto flüchtlingsakzeptanz noch einiges zu leisten sein, da an den für die flüchtlingsbewegungen zugrundeliegenden ursachen so schnell nicht gerüttelt wird – das wäre einfach zu fundamental.

daher also die sechste bewegungsfreiheit im mensch meier – einen besseren grund für meinen zweiten besuch dort gibt es nicht.

bewegungsfreiheit20150829

line-up

meinfloor
00h00 brick
02h00 dj flush
04h00 alland byallo
06h00 akmê

theater
01h00 tobias gullberg
03h00 manamana
06h00 daniela la luz live

räuberhöhle
23h00 red rack’em
02h00 bewegungsfreiheit special

garten
06h00 janoma & doob
10h00 miriam schulte
12h00 wasn & wunderwaffel

eintritt
21-23 uhr: spende
23-01 uhr: 7 euro
ab 01 uhr: 10 euro

nachbetrachtung
hiermit habe ich mir fast zwei jahre zeit gelassen (wir schreiben den 10. juli 2017). nichtsdestoweniger ist mir bricks gelungene premiere in einem größeren club (mit „tanzmaschine“ von knarz), ein wie immer gut zwischen heidelberg (alex cortex) und der insel (planetary assault systems) vermittelnder dj flush sowie ein ordentlich gefüllter garten in der frühe gegen 9 uhr in erinnerung. auch das einbinden der flüchtlinge ins konzept hat gut gepasst, dennoch war die ganze angelegenheit etwas komplexer als im about blank – gerade was absprachen anging. und das mensch meier musste damals noch seinen platz im nachtleben suchen, was in der immer noch etwas verlassen wirkenden ecke an der grenze zu lichtenberg nach wie vor nicht leicht ist. will heißen: beim about blank profitieren beide seiten von dessen lage, der stamm- sowie laufkundschaft und der jahrelangen bindung, was die bewegungsfreiheit dort noch runder macht.

dennoch: passte und lieferte damit einen grund für die wiederholung in 2016.

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