[berlin / 09.05.2018] funkhaus berlin: four tet

die nachbetrachtung zu alva noto vor zwei monaten steht zwar noch aus, aber ich weiß bereits jetzt, dass das morgige konzert mein letzter besuch im funkhaus sein wird. das liegt nicht daran, dass der ort nichts bieten könnte – im gegenteil: die akustik sucht ihresgleichen und das ganze setting ist wie gemacht für diejenigen, die nach mehr als 20 jahren im club auch mal erleben wollen, wie sich elektronische musik in einem kontext macht, der dem von konzerthäusern durchaus nahekommt.
dies geht zwar im funkhaus sehr gut hand in hand, aber bringt alleine durch die preispolitik vor ort einen mehr als schalen beigeschmack. ich sage ja nicht mal etwas gegen eintrittsgelder, wobei auch die auf dem mietpreis für diesen oder jenen saal basieren dürften. aber wer dort bereits ein getränk geordert hat, wird wissen, was ich meine. nimmt man noch das gebaren des investors hinzu (auch und gerade gegenüber den mietern, die bis zu seiner übernahme des areals vor drei jahren noch ihre proberäume dort hatten), kommt für mich eine mischung zustande, die interessierte hörer sowie musikschaffende am rande des prekariats (und derer gibt es in berlin mehr als genug) ausschließt. klar, dinge kosten geld. profite sollen auch gerne erwirtschaftet werden, aber das geht auch in einem gemäßigten rahmen, anstatt die zahlungswilligen so offensichtlich melken zu wollen. sowas kann ich nicht weiter unterstützen – so schade es um das programm auch ist.

zum anlesen:
tagesspiegel
berliner zeitung

eintritt
18h30

beginn
20h30

nachbetrachtung
wäre der rahmen bzw. dessen hintergrund nicht: ich würde das genau so nochmal erleben wollen.

es war nicht so voll wie bei alva noto, was aber auch sicher daran lag, dass es sich hierbei um den zusatztermin handelte. kein herumsitzen auf den treppenstufen bei den rängen inklusive durchschlängeln – und sogar unten im auditorium blieb noch platz.
das war aber eh hinfällig, bevor auch nur eine einzige note gespielt war. herr hebden schlenderte ganz unprätentiös durch das publikum an seinen arbeitsplatz in der mitte des rundes: hoodie, kurze hosen und gleich vorab die leute heranwinkend. damit war gleich klargestellt, dass der sinn ihm nicht nach frontalunterricht bzw. einer klassischen konzertatmosphäre stand. stattdessen sollten die leute spaß haben, und wer schauen wollte, was er wie macht, kam erst recht auf seine kosten. ich würde sogar behaupten, dass dies in dem ausmaß nicht mal bei der akademie eines bekannten brauseherstellers möglich ist.
da ich mit dem oeuvre bis auf seine sachen mit burial und dem „pink“-album (was ja „nur“ eine zusammenstellung der vorherigen maxis ist) nicht so recht vertraut bin, kann ich keine tracks benennen. es kann gut sein, dass ich sie irgendwann mal als clips gehört habe. auch nicht weiter wichtig, das resultat ging eigentlich permanent in die beine – trotz tempiwechseln und pausen zwischen den tracks. aber wie souverän er ableton live, wav-editor, delay, model 1 und modularsystem beherrschte und dabei die glitches via surround durch den raum wandern ließ, hatte etwas leichtfüßiges. da mussten auch die anwesenden auf den rängen mitwippen, meinem eindruck nach saß nur ein drittel der leute. unnötig zu erwähnen, dass der applaus am ende – wo er gute zwei stunden gespielt hatte – tosend ausfiel.

die entscheidung contra funkhaus wurde also während des konzertes nicht wirklich leichter gemacht, allerdings am ende nochmal bestätigt. da meine tasche zu groß war, musste ich sie abgeben. weiter kein problem, zwei schlangen für zwei angestellte an der garderobe – die sache war also innerhalb von 10 minuten erledigt.
man mag mich idealistisch oder kontrollversessen nennen, aber als organisator wäre es für mich nur logisch, am ende der veranstaltung wenigstens zwei, wenn nicht gar drei leute für die garderobe abzustellen. es war beinahe 23 uhr, die anbindung der tramlinie 21 ist nun auch nicht unbedingt ideal zu nennen (da sie nur alle 20 minuten fährt), also möchten die leute gerne recht zügig zur haltestelle, um sich nicht in die letzten plätze im zug zu quetschen.
stattdessen: zwei schlangen, ein angestellter. noch dazu sieht die garderobensituation so aus, dass sie sich selbst organisieren müssen. es gibt keine regale zum ablegen der taschen, die man noch dazu mit nummern beschriften könnte, damit das finden einfacher geht. stattdessen kommt alles auf den fußboden und wird der chronologie nach sortiert. das ist den angestellten absolut nicht anzulasten – vielmehr im gegenteil. ich war erstaunt, dass der junge herr pro stück nicht mehr als eine minute zum erfolgreichen auffinden brauchte und würde ihn damit für vergleichbare stresssituationen wärmstens empfehlen. mir will aber nicht ganz in den kopf, warum man betreiberseitig nicht auf die idee gekommen ist, in zwei, drei kallax-regale à 5×5 zu investieren, um wenigstens keine weiteren hindernisse bei der arbeit zu schaffen. den jungen herrn dort alleine schuften zu lassen (gut, leute können spontan krank, aber auch genauso gut spontan angerufen werden), finde ich gelinde gesagt fahrlässig. um die wartezeit ging es mir nicht, sondern vielmehr darum, dass so ein kleines detail zeigt, dass bei dem ort ausschließlich auf profite geschaut zu werden scheint. das hat meinen entschluss zum ende hin also bekräftigt.

schade, dies. sofern sich da etwas ändert, bin ich gerne wieder vor ort. im auge behalten werde ich’s.

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