[berlin / 20.12.2025] berghain: klubnacht

geburtstag war letzte woche, was zu den gelegenheiten zählt, die ich mittlerweile auslasse. wäre anders gelagert, wenn sie die halle geöffnet hätten. meine hoffnung geht für dieses mal in die richtung, dass manche exil-berliner*innen sich bereits auf dem weg richtung heimat befinden und es etwas überschaubarer wird. jedenfalls wird „nur“ das berghain geöffnet sein, der ablauf kommt meinem sonstigen tagesablauf bzw. gewohnheiten auch noch entgegen.

klubnacht

berghain

00:00 dustin zahn
04:00 beatrice
08:00 measure divide
12:00 sev dah
16:00 mareena
20:00 stojche
00:00 chami b2b olivia mendez

nachbetrachtung

rein: 11:50 uhr
raus: 0:20 uhr

meine hoffnung auf entspanntere verhältnisse hat sich größtenteils erfüllt. den ganzen tag sowie abend über gab es keine schlange vor dem club, drinnen war’s bis zum nachmittag zu drei vierteln gefüllt. also ausreichend platz, ohne sich in die quere zu kommen. gegen abend bot sich das gewohnte bild, ohne dass es zwar wirklich in richtung überfüllung ging, aber zu dem zeitpunkt war mir bereits nicht mehr danach, mich mitten ins getümmel zu stürzen.
vom geburtstag in der woche zuvor waren noch die extra-lichter (led-panels) sowie die an den fenstern auf der rückseite sowie der hauptbar angebrachten muster übrig. insbesondere letztere kokettierten sehr mit dem image des berghain als kirchenähnliche institution für den sonntag.

sev dah hat mich echt positiv überrascht. seine produktionen fand ich bislang solide, jedoch befand sich darunter nichts, das mich zum kauf bewogen hätte. aber den slot, an dem das publikum aus der nacht zu einem teil noch da ist und die neuen vom sonntagmorgen sich schon etwas warmgelaufen haben, hat er richtig gut ausgefüllt. trocken nur dann, wenn es sein musste, dub-chords gehen immer, und ich hab gelernt, dass dustin zahn bessere robert-hood-artige tracks produziert als robert hood selbst seit geraumer zeit.
bei mareena war es voll genug und das publikum aufnahmebereit, so dass sie sich nicht zurückhalten musste. sprich: ordentlich fordernd, konsequent mit vinyl, konsequent gut, hat durch josi devil mit dubstep zwischendrin einen schönen kontrast gesetzt. stojche hat nahtlos anknüpfen können, jedoch habe ich weite teile seines sets verquatscht.

ergo ein weitaus weniger hektischer sonntag als in den letzten jahren üblich. schlug sich direkt in der stimmung wider, die etwas familiäres wie vor 12 bis 16 jahren hatte. war somit für mich die insbesondere nach dem unerwartet vollen november entspannteste klubnacht des jahres. schön, dass das noch geht. noch schöner, wenn dies von dauer wäre.

notierte tracks

sev dah

dustin zahn – lucid dreams
dustin zahn – smoking in silence
sev dah – inat kuca
marcal – angry teleprinter
markus suckut – 10 y
ctrls – crash

mareena

dold – simple workout
adlas – more or less
hurdslenk – rain
cirkle – shamanic
altinbas – tide
cirkle – silent rage
the subjective – tremmer (the advent remix)
storm on earth – signal
ignacio – virton
josi devil – m.e.s. (feat. tsvi)
dj shufflemaster – slip inside you
randomer – stupid things i do (new school mix)
off / grid – still deviant

stojche

robert hood – master builder
dave clarke – way of life
regis – speak to me

r.i.p. rosa von praunheim

ehrlicherweise: sein film über rex gildo ist der einzige, den ich von ihm kenne. objektiv hat er eine menge für die sichtbarkeit und akzeptanz schwulen lebens geleistet. dabei durchaus riskant, wenn mensch sich die outings anderer prominenter durch von praunheim anno 1991 vergegenwärtigt – was sich rückblickend zwar ausgezahlt hat, aber zwischenmenschliche sowie gesellschaftliche schäden hätte anrichten können.

er ist mit 83 jahren verstorben.

r.i.p.

[berlin / 13.12.2025] about blank: staub

und dann gibt’s noch den monatlichen stammtermin.

ablauf

zelt

12:00 i.nez
15:00 insa
17:00 ed davenport
19:30 resom

mdf

15:00 v:sonntag
18:00 caleb esc
21:00 magna pia

nachbetrachtung

rein: 16:30 uhr
raus: 23:30 uhr

und ich kann’s kurzhalten: eine staub im guten musikalischen durchschnitt, menschlich wie immer aus dem bilderbuch. 100-200 gäste mehr hätte ich der ausgabe schon gewünscht, aber als netten nebeneffekt hatte ich selbst in den schlussminuten auf dem mdf unbehelligt genügend platz.
caleb esc dort zwischen trippig und rauh mit subtilerem aufbau als magna pia. dessen erste 20-30 minuten seines sets waren für mich etwas statisch, in der letzten halben stunde fand ich ihn dafür wesentlich besser.

ed davenport im zelt housig/techhousig, mal melodisch, mal basslinig, schön in wellen. resom mit der von ihr gewohnten vielfalt mit schwerpunkt auf house, spielte in wohnzimmerlautstärke nach 22:00 uhr etwas weiter.

notierte tracks

caleb esc

jokasti & nek – sleep spindles
linear phase – mandatory
deas – block

resom

italojohnson – itj05b1 (bambounou remix)
x-press 2 – say what! (london underground mix)
moloko – forever more (francois k & eric kupper vocal mix)*

magna pia

astronomical telegram – amarilla

*: durch hilfe von außerhalb identifiziert. hatte roisín murphy solo vermutet und den songtext missverstanden.

[berlin / 11.12.2025] uber arena: radiohead

dieses mal war es der digitale wiederverkauf anstelle des analogen. zwar weit im oberrang, aber das sollte hoffentlich reichen, um „idiotèque“ identifizieren zu können. und somit eine weitere band auf der „möchte ich abgehakt haben“-liste.

nachbetrachtung

als fazit vorab: zum fan haben radiohead mich mit diesem konzert nicht konvertiert, aber das soll ihre qualitäten als musiker und live-band absolut nicht schmälern. die sind gleichermaßen großartig. kleine fehler gehören dazu und machen darüber hinaus sympathisch.

hat sicherlich daran gelegen, dass ich in der letzten reihe gefühlt unter dem hallendach gesessen bzw. gestanden habe. dort ging (trotz leinwänden) eine menge von der sicht und auch etwas von der akustik verloren, die aufgrund des layouts mit runder bühne eh schon schwierig war. an meinem standort fand ich’s ok. hatte mich ohnehin mit der tatsache arrangiert, den größten teil der stücke abseits von „kid a“ (eines der alben auf meiner ewigen bestenliste) nicht zu kennen und zu sehen, wie die fans reagieren. und da war ich positiv erstaunt, dass radiohead auch ein jüngeres publikum ansprechen, so dass von 20 bis 60 alles vertreten war.

„kid a“ hatten sie überraschenderweise im set, das live für mich richtig gut funktionierte. „idioteque“ leider weniger, weil sie das hektisch mit ca. 150 bpm gespielt haben – das original ist deutlich langsamer. „15 step“ habe ich von den neueren stücken noch erkannt, „videotape“ ist mit „in rainbows“ auf dem gleichen album, aber das war für mich der heimliche höhepunkt im set. abschluss mit „no surprises“ nach gut zwei stunden, in denen der großteil der bandmitglieder an verschiedenen instrumenten über die bühne wirbelte. in der hinsicht konnte der runde bühnenaufbau seine qualitäten völlig ausspielen.

wenn sie erneut nach berlin kämen, würde ich wieder hin. wahrscheinlich genauso „gut“ (also gar nicht) vorbereitet in der rolle des zaungastes. noch gespannter wäre ich, wie ein neues album klänge, wenn sie sich nochmal darauf einigen können. ansonsten könnte ich auch sehr gut mit touren wie dieser leben, wo sie sich in eindrucksvoller form präsentiert haben.

[berlin / 12.12.2025] rso: jeff mills – 30 year anniversary of the liquid room mix

ohne jegliche übertreibung: diese mix-cd war für mich der urknall. eine rauhe intensität sowie ein brachiales mixtempo, dabei nicht vor gewollten dramaturgischen brüchen zurückscheuend. 1995 eine werkschau zeitgenössischer tracks sowie denen aus der anfangszeit in detroit und chicago – heutzutage beinahe alle durch die bank weg klassiker. und damit der stoff, die cd als verpflichtend für diejenigen zu sehen, die sich beginnen, für techno zu interessieren.
für mich spielte sie jedenfalls eine entscheidende rolle dabei, den tresor bei erreichen der volljährigkeit aufsuchen zu wollen. zugleich war sie eine art einkaufsliste, die mir dabei half, mich im hardwax und der space hall zurechtzufinden.

jeff mills tourt anlässlich des jubiläums durch die lande und macht im rso station. das sieht dann wie folgt aus:

23:00 toresöffnung
23:30 filmvorführung
00:00 jeff mills
02:00 christian ab
04:00 jeff mills
06:00 christian ab

tickets gibt es mit etwas glück im resale bei ra.

nachbetrachtung

vor ort: 1:20 uhr
rein: 2:20 uhr
raus: 7:00 uhr

beim anblick des pulks vor der tür hatte ich befürchtungen, es überhaupt zum zweiten set zu schaffen, aber das rso hat den ansturm zu der zeit echt gut bewältigt. drei schlangen: abendkasse, gästeliste, tickets. alles gleichermaßen fair abgearbeitet, daher ging die eine stunde wartezeit locker klar.

die tanzfläche habe ich erst um 4:30 uhr betreten und bis dahin geplaudert bzw. an der bar gewartet. es scheint sich bei mir eine genügsamkeit einzustellen, wenn schon weit im voraus klar ist, dass mit einer großen anzahl an leuten zu rechnen ist. auch drinnen setzte sich mein eindruck fort, den ich von der tür hatte: keine übermäßige hektik, stattdessen routiniertes abarbeiten.

weit hinein habe ich’s im robus nicht geschafft bzw. schaffen wollen. natürlich auch hier hoher füllgrad mit ansage, was sich am hinteren rechten ende an der treppe nach unten zu den darkrooms jedoch sehr gut aushalten ließ. jeff mills hatte sich zunächst auf rave-kompatibles aus der ersten hälfte der 1990er festgelegt, aber verwob das mühelos mit minimaleren oder tooligen tracks. dabei technisch den allergrößten teil der zeit auf den punkt, so dass alt und jung ihn in bestechend guter form erlebt haben. und booker*innen hoffentlich das signal bekommen haben, keine weiteren 12 jahre zu warten, bis er mal wieder als techno-dj in berlin spielt – er wäre dann 74.

christian ab war mir zu melodisch, aber das ist mein problem. glücklicherweise war die tanzfläche bei ihm auch noch dreiviertelvoll, insofern konnte er objektiv eine echt gute visitenkarte abgeben und den undankbaren endslot gut ausfüllen.

notierte tracks

jeff mills (set 2)

human resource – dominator
ecstasy club – jesus loves the acid
cyrus – enforcement
truncate – control
sleeparchive – meson
steve bicknell – why? and for whom? #8
the vision – liquification
kaay alexy – my my my
surgeon – fivo (direkt danach)
killa bite 1 (b2)
green velvet – i want to leave my body (direkt danach)
dj rush – rain dance

[berlin / 04.12.2025] about blank: treuhandtechno

in kurzform: die abwicklung des veb narva seitens der treuhand, die vom kollektiv panzerkreuzer rotkäppchen in form eines theaterstücks präsentiert wird. gab es anno 2021 und 2022 an ort und stelle schon mal, wird jetzt erneut aufgeführt.

mehr infos und tickets gibt es hier. und am 4. dezember eine aftershowparty mit diesen beiden damen:

21:00 cora s.
22:30 barbara hofmann

r.i.p. jimmy cliff

am 26. november 2025 verfasst, jedoch auf den 24. november (todestag) zurückdatiert.

hat reggae mit auf die musikalische landkarte gesetzt, steht in meiner musiksozialisation jedoch leider im schatten von bob marley. daher leider nur der oberflächliche hinweis, der einem nachruf und seinen verdiensten nicht mal ansatzweise gerecht wird.

er ist mit 81 jahren auf jamaica verstorben.

r.i.p.

r.i.p. albert gabriel

am 26. november 2025 verfasst, jedoch auf den 23. november 2025 (todestag) zurückdatiert.

erste (mehr oder minder einzige, jedoch prägende) begegnung mit ihm unter seinem alias „arj snoek“ durch house-tv auf viva mit „i can people know“. hat in seiner trockenen einfachheit wunderbar die letzten jahrzehnte überdauert und wird das in den nächsten sicherlich auch. für mich sein bester track und „dizko queen“ weit voraus.

mit nur 45 jahren verstorben, er hinterlässt frau und tochter.

r.i.p.

p.s.: eine frühere version des artikels hat den 25. november als todestag genannt, obwohl es tatsächlich der 23. november war. dies ist entsprechend korrigiert. danke an eva in den kommentaren für den hinweis.

[berlin / 22.11.2025] berghain: klubnacht

im april war ich das letzte mal sonntags da. zu dieser jahreszeit ist das nicht die schlechteste freizeitbeschäftigung, und ich kann mir endlich mal ein bild von jane fitz machen, auch wenn sich ihre spielzeit mit der von nd überschneidet.

klubnacht

berghain

00:00 efdemin
04:00 newa
08:00 dj red
12:00 damon wild
16:00 jane fitz
20:00 ruman live
21:00 dvs1
01:00 sandrien

panorama bar

00:00 ryan elliott
04:30 natalie robinson
08:30 sound metaphors djs
12:30 jorkes
16:30 nd_baumecker
20:30 isolée live
21:30 paquita gordon
01:30 steffi

nachbetrachtung

rein: 10:20 uhr
raus: 0:20 uhr

für mich eine ganz schön antagonistische klubnacht. neujahr mitgezählt war das anno 2025 meinerseits erst die vierte und musikalisch ist sie weit vorne. allerdings wurde mir auch einmal mehr deutlich, warum ich mich eher zu den nischen-abenden hingezogen fühle. lieber der reihe nach, mit der musik angefangen, dann mit der kehrseite der medaille fortgesetzt.

dj red war die einzige, zu deren set ich keine wirkliche verbindung aufbauen konnte. lag aber auch am andrang, der mich allgemein ganz schön auf dem linken fuß erwischt hat. hatte irrigerweise darauf spekuliert, dass die jungen leute ™ mit damon wild nicht vertraut sind und erst zu dvs1 ankommen. somit auch angenommen, dass ihr set auf den schichtwechsel fällt, aber der fiel diesen sonntag beinahe völlig aus. stattdessen: schon bei ankunft eine schlange bis zum kiosk, das berghain immer noch mehr als ordentlich gefüllt. und das hat sie einfach genutzt, beherzt-funktional nach vorne zu spielen – völlig legitim. etwas unnahbar wirkte sie auf mich, aber gut möglich, dass das meine ausrede ist, um den sonst von mir so geschätzten, aber gefühlt ausgefallenen augenblick des entspannten ankommens zu kompensieren.
der ließ sich jedoch nach oben verlagern: die sound metaphors djs bestachen vor halbvoller panorama bar mit der mischung aus (italo-)disco und abseitigen remixen tief aus den kramkisten. sie machten somit das gleiche wie im lab zu neujahr und zum jubiläum neulich im berghain: sorgsam ausgesuchte musik super kuratieren und mit einer positiven art von sturheit nicht von ihrer linie abweichen. etwas hang zum kitsch sollte mensch mitbringen, aber das hat seine wirkung in der panorama bar mit dem sonnenschein von draußen nicht verfehlt. jorkes danach fordernder, wenn ich mal oben war.

allerdings hatte mich das berghain ab 12 uhr mehr oder minder fest im griff. damon wild positiv überraschend mit um die 130 bpm zu beginn, was nach dj red deutlich gedrosseltes tempo war. nahmen manche aus dem publikum als anlass zur pause, weil dvs1 acht, neun stunden später anstand. für mich war’s unten die nachgeholte entspannte begrüßung, darüber hinaus ein set, das sich bis zum schluss verdichtete und bis wenigstens 135 bpm beschleunigte. hier mal trippig wie auf synewave üblich, da mal minimal, da mal etwas melodischer, etwas acid auch noch. vollkommen der uhrzeit angemessen.
und auch sehr gut den boden für jane fitz vorbereitend, die für mich einfach mal das klubnacht-set des jahres gespielt hat. mir völlig unverständlich, warum ich sie bislang nicht auf dem radar hatte – vorschusslorbeeren als eine der besten selekteurinnen hat sie reichlich und das eindrucksvoll zur schau gestellt. auch wenn ich nicht die gesamte zeit getanzt und teilweise während ihres sets geplaudert habe: sie hat konsequent mit vinyl eine tolle mischung aus düsterem trance, minimal-trippigen tracks und acid gespielt und mir damit als bekennendem muffel gegenüber melodiösem techno gezeigt, wie das richtig gut geht und keinen anlass gegeben, davon irgendwas verpassen zu wollen. shazam hat häufig versagt und ich es im lauf der zeit (auch aus rücksicht auf den akku, der seit geraumer zeit „service“ bei einer maximalen ladekapazität von 73% anzeigt) seltener probiert. genuss war wichtiger. wahnsinniger trip! ich hoffe sehr, dass die verantwortlichen im booking teile des sets oder wenigstens den tosenden applaus danach gehört haben und sie das zeitnah wiederholen kann.

nd hatte also leider das nachsehen, die panorama bar in seiner letzten halben stunde jedoch gewohnt souverän im griff. fordernd genug, nicht zu forsch und – zumindest in der zeit, in der ich ihn an der bar sitzend mitbekam – etwas trockener als sonst.
isolée habe ich sträflicherweise seit playhouse nicht mehr verfolgt, sollte das aber nachholen. das war alles andere als microhousig, vielmehr durchaus richtung dub schielend, stellenweise satte basslines und auch vocodergesang. völlig primetime-tauglich. paquita gordon ließ sich mit einem dreckigen, nach chicago klingenden drum-track auch ziemlich gut an und der rest bestand aus forderndem, stellenweise melodiösem house, wenn ich mal oben war.
zum dvs1-fanclub zähle ich bekanntermaßen nicht. ergo hatte ich nicht viel erwartet, war aber positiv überrascht, weil er gegen 23:30 uhr eine strecke mit minimalerem techno hatte – nicht von der sorte der ach so trippigen und doch so ziellosen sequenzen, sondern eher federnd wie in der tradition robert hoods, nur mit satterem bass unterlegt. sonst kreide ich ihm mangelnde set-dynamik an – entweder ist das ignoranz auf meiner seite oder es hat dieses mal einfach geklickt. da er nach wie vor permanent mixt, shazam eh gerne mal krude ergebnisse zutage gefördert hatte (tomcraft – silence, beim set von damon wild) und ich zu dem zeitpunkt schon gut übersättigt war, muss die beschreibung reichen.

womit ich beim kern des antagonistischen wäre: so sehr die musik das insgesamt für mich hochgerissen hat, es mich freut, dass es musikalisch auf beiden floors sonntags diverser werden kann, das publikum auch darauf einsteigt und dessen gute seiten nach wie vor überwiegen, scheint es mittlerweile einer lotterie gleichzukommen, einen entspannteren sonntag zu erwischen. keine ahnung, ob dvs1 als faktor immer noch so zieht – de facto war der andrang tagsüber so ungebrochen, dass bei reddit abends von wartezeiten bis zu mehr als vier stunden zu lesen war. erst gegen 21 uhr hatte sich die lage vor der tür entspannt. entsprechend kurz fiel die atempause im berghain bei damon wilds erster hälfte aus, in der die tanzfläche höchstens zeitweise „nur“ dreiviertelvoll war. den größten teil der zeit über jedoch weitaus mehr. oben war’s (gewohntes bild seit geraumer zeit) entspannter.
in der letzten halben stunde von jane fitz habe ich es darauf ankommen lassen, es tanzend vor dem dj-pult zu probieren und dabei alles mitbekommen, was mich an dem club begeistert und nervt. zwar hat ihr set das insgesamt mehr als wettgemacht, jedoch überwog in der kurzen zeit eindeutig letzteres. sicher: es gibt nach wie vor leute mit umsicht, die dennoch in der musik sind – alles wunderbar. der rest bestand aus dem leider von sonntagabenden gewohnten bild, das sich dieses mal bereits ab dem nachmittag gezeigt hat: die fraktion, die bestenfalls wippend herumsteht, aber eher beschäftigt ist, leuten via bevorzugtem smartphone-messenger irgendwas mitteilen zu wollen (und damit offensichtlich nicht den aufdruck auf dem bändchen für dieses wochenende gelesen hatte). trupps, die sich wenigstens zu dritt relativ unentschieden durch die menge drängeln. dann natürlich diejenigen, die auf gedeih und verderb nicht einsehen wollen, dass der platz schon sehr beengt ist und natürlich unbedingt den raum einnehmen möchten (übrigens unabhängig vom geschlecht), anstatt nach alternativen zu suchen.
klar kann ich mir die frage gefallen lassen, warum ich mir das überhaupt antue, zumal ich damit selbst besagten raum einnehme. andererseits geschah das zu einem zeitpunkt, an dem selbiges noch ging. ich werde höchstwahrscheinlich nie in der lage sein, publikumsbewegungen um mich herum auszublenden und damit stets antizipieren, wo jemensch als nächstes hin möchte. im laufe dieses sonntags war das zumindest im berghain auf der tanzfläche der für mich fast permanente modus, wodurch das aufgehen in der musik (auch bekannt als „fallenlassen“) dort so gut wie nicht möglich war. stattdessen ließ mich die kombination aus reizüberflutung und genervtheit über den vereinzelten mangel an rücksicht nicht nur einmal mit den augen rollen. begleiterscheinung dessen ist, dass ich mich lieber am rande aufhalte – die verteidigung meines platzes möchte ich weder im club noch privat auf meine agenda setzen.

mich hat’s bestärkt, die linie mit den donnerstagen in der säule oder manchen freitagen fortzusetzen – in der hoffnung, dass anno 2026 abseits vom reef-dauerkartenabo was geplant ist. zwar hatte ich mit dem 6. (bzw. 7.) dezember geliebäugelt, weil dj rush auch schon ewig bei mir her ist und er bei seinen letzten malen wohl richtig gut gewesen sein soll. allerdings stehen mit kittin, rene wise, kangding ray und chez damier namen auf dem programm, die stetig hohe fülle erahnen lassen. vom geburtstagswochenende rede ich erst gar nicht. stand jetzt nähme ich von beidem abstand.
was leider aufzeigt: so gerne ich wie früher ™ meinen normalen schlafrhythmus beibehalten, einfach sonntagvormittag aufschlagen und bei angenehmem sound und füllgrad gemeinsam mit anderen die zweite welle anrollen lassen würde, ist das mittlerweile eher vom zufall abhängig. einerseits freut’s mich ja, dass die popularität des ladens weiterhin ungebrochen ist. andererseits ist’s auch schade, dass die pausen zum durchatmen, die genauso wie der exzess zu den gründen für eben diese popularität zählen und für mich wie bei guten dj-sets zur dramaturgie eines gelungenen sonntags gehören, gefühlt weniger werden. ich will mal hoffen, dass die djs nicht der versuchung erliegen, sonntag(vor)mittag durchzubrettern, sondern sich auch mal zurücknehmen bzw. den neuaufbau nicht scheuen. hat sich bei damon wild dieses mal gezeigt, dass das sehr gut geht – beiderseitig.

notierte tracks

dj red

cirkle – shamanic

sound metaphors djs

baccara – koochie-koo
proyecto uno – esta pega’o
karel svoboda & skupina elektrovox – let raketoplánem
popsikles – popcorn
ernest kohl – bad to be good

damon wild

cleric – unspoken rules
planetary assault systems – tap dance
burden – rite
damon wild – avion (relativ noizik remix)
joey beltram – b1 / sw37
mike parker – signal 303
nastia reigel – end up here

jane fitz

kangding ray – doppler shift
sleep d – acheron cauldron
jxtps – spheric
x-dream – no
holy ghost – zombie assassin

paquita gordon

lex boy – acid bad trip