[berlin / 31.01.2026] berghain: klubnacht

roseen werkelt seit jahren bereits im hintergrund und kann jetzt endlich sein debüt begehen. das wird für mich der grund sein, mich sonntag rechtzeitig auf den weg zu machen. bis mary yuzovskaya sollte das musikalisch im berghain mehr als ordentlich werden.

klubnacht

berghain

00:00 isabel soto
04:30 adlas
08:30 roseen
12:30 decka
16:30 mary yuzovskaya
20:30 françois x
00:30 boris

panorama bar

00:00 huerta
04:00 franziska berns
08:00 julie marghilano
12:00 yamour
16:00 monkey timers
20:00 yamarchy
00:00 massimiliano pagliara

nachbetrachtung

rein: 8:20 uhr
raus: 22:00 uhr

an solche sonntage könnte ich mich echt (wieder) gewöhnen, auch wenn mir klar sein sollte, dass das der letzte im ohnehin eher besucher*innenschwachen januar war. mein im vergleich zu sonst etwas früheres erscheinen wurde durch einen idealen füllgrad und hervorragende (roseen, yamour, mary yuzovskaya) bis wenigstens gute (decka, monkey timers, yamarchy) sets belohnt.
höhepunkt der schlange war tatsächlich bei meinem eintreffen: hälfte des weges. zwei stunden später komplett abgebaut, im weiteren verlauf schlimmstenfalls innerhalb der gitter. die entspannte situation vor der tür entsprach auch der im club. mir kam das publikum im schnitt etwas jünger als üblich vor. sonst färbte die slit aus dem lab positiv ab, und gefühlt waren wieder mehr schwule am start. die stimmung wie schon zu neujahr von umsicht und noch mehr vom feierwillen geprägt – da werden die nächsten monate zeigen, ob sich die richtung verstetigt. zu wünschen wäre es.

roseen hätte kein besseres debüt abliefern können. er hatte den der für mich heikelsten slots abbekommen, wo sich das publikum austauscht. djs müssen dort den sensiblen punkt ausfindig machen, für die neuen und die noch anwesenden gleichermaßen nicht zu fordernd und zugleich nicht zu zaghaft zu spielen. und den hat er genau erwischt – meistens minimaler, gerne auch dubbig, in richtung detroit blinken, gezielt höhepunkte setzend und sie wieder behutsam abbauen. ein set in wellenbewegungen, so wie es unabhängig von der uhrzeit stets sein sollte. hat sich damit nachdrücklich für weitere gastspiele an ort und stelle empfohlen.
decka danach sehr sicher mit vinyl und dem perkussiven techno, wie er seit ein, zwei jahren wieder in mode ist. war mir nach roseen eine spur zu fordernd, nahm sich zeitweise jedoch zurück und gefiel mir in den augenblicken besser. das publikum ging jedoch mit, insofern ist das reine geschmackssache.
so blieb mehr zeit für yamour, die oben einen richtig, richtig guten job machte und diverse spielarten von house durchdeklinierte, wobei sie bei mir (erwartenderweise) mit acid house am meisten punkten konnte und stellenweise in technoiden gefilden unterwegs war.
die monkey timers waren zwar vielseitig (u.a. mit new wave), hatten gegenüber mary yuzovskaya für mich aber eindeutig das nachsehen, die den vergleich mit aurora halal und jane fitz letztens nicht zu scheuen braucht. ein famoser trip in dunkle, trippige abgründe, wo ich erst dachte, dass das dramaturgisch besser gepasst hätte, wenn ihr slot mit dem von decka getauscht worden wäre. aber so kamen noch mehr leute in den genuss. bei den qualitäten nur verständlich, dass sie mittlerweile regelmäßiger vor ort spielt – ich hab sie jetzt als eine derjenigen auf dem zettel, wegen denen ich gezielt hingehen würde.

yamarchy oben mit techhouse, françois x mit dem tooligen techno, der sonntagabend gesetzt ist – beides solide unterhaltung. aber nach den tollen sets zuvor und dem bereits ab 18 uhr klassischen füllgrad sowie damit einhergehender reizüberflutung war es für mich besser, anderen den spaß zu überlassen.

notierte tracks

roseen

johannes heil – die eigene achse (heiko laux remix)
robert hood – and then we planned our escape
cari lekebusch – whack a mole
heiko laux – uturn 08 / 04
the advent – it one jah (surgeon remix)
dimi angelis – flirting with the machines
dimi angelis – warp drive (direkt danach)
eric fetcher – mutantes
reeko – massive garage meetings
quince – space pilot 3000
heiko laux – tunneling
g-man – continue

yamour

kamasutra – kamasutra express (train version)
deetron presents soulmate – tribe one (vocal edit)
rejuvination – life is…
basic realities – desert valley (gherkin jerks tribute mix 2)
space bunny – space bunny
sluts’n’strings & 909 – summerbreeze

decka

adlas – more or less (plus mix)
decka – evolution

mary yuzovskaya

stephanie sykes & dyad – what remains
vertical spectrum – baln006

yamarchy

michael mayer – cry me a raver

[berlin / 01.01.2025] berghain: silvester klubnacht

es gibt da diese liebgewonnene tradition, in diesem jahr sogar mit einem persönlich runden jubiläum verknüpft. am morgen des 1. januar 2005 (so gegen 9 oder 10 uhr) habe ich die räumlichkeiten zum ersten mal betreten, nachdem ich mir im november 2004 bereits mal kurz die panorama bar angeschaut hatte. es ist also mein zwanzigjähriges berghain-jubiläum.
das ganze wird begleitet von einem line-up, das eher in die zukunft weist. das ist nach dem geburtstag am vorletzten wochenende für meine begriffe das richtige und hält hoffentlich diejenigen ab, die nur wegen der größeren namen hinrennen. silvester dürfte für manche eh grund genug sein.

silvester klubnacht

berghain
01:00 gigi fm
05:00 altinbas
08:00 kaiser
11:00 jesse g
14:00 philippa pacho
17:00 stojche
20:00 elisa bee
23:00 abs8lute
02:00 nørbak
05:00 chami

panorama bar
01:00 violetta b2b lucas depta
06:00 mike starr
09:00 christian ab
12:00 jason kendig
15:00 yamour
18:00 zombies in miami
21:00 victor
00:00 marie montexier
03:00 wallace

lab.oratory
06:00 hara katsiki
10:30 shubostar
14:30 bell towers
18:30 miriamore
21:30 omer
01:30 dj subaru
05:30 chris cruse b2b luigi di venere

nachbetrachtung
(am 8. april 2025)

harte fakten:
rein: 11:30 uhr
raus: 6:00 uhr (damit eine aufenthaltsdauer von 18,5 stunden)
laut apple: 63.000 schritte, umgerechnet 50 km – dem braten traue ich auch drei monate später nicht so ganz.

tja, geil war’s. alle hoffnungen erfüllt, wobei ich die nach der persönlichen enttäuschung zum 20-jährigen jubiläum etwas niedriger angesetzt habe.

bei meiner ankunft gab’s keine schlange und auch den rest des 1. januar über wuchs die nicht nennenswert an. über die gründe ist es fast müßig zu spekulieren: manchen werden die geburtstagsfeierlichkeiten gut zwei wochen zuvor noch in den knochen gesteckt haben und / oder das nachwuchs-line-up war für den rest-jetset nicht attraktiv genug. noch dazu gab’s die parallel stattfindende abschlussparty des watergate und neujahr fiel auf mitte der woche, wodurch evtl. weniger leute statt sonst extra urlaub genommen haben.
gut gefüllt war’s zwar stets, aber nicht auf dem grad eines nervigen sonntagabends. die zwar leider nicht bespielte, aber dennoch als rückzugsraum geöffnete halle hat das glücklicherweise ziemlich entzerrt. das publikum obendrein erstens ziemlich umsichtig und zweitens deutlich schwuler als sonst.
damit hat das berghain zu den neujahrsfeierlichkeiten anno 2025 die qualitäten wieder hochkommen lassen, die den legendären ruf zementiert haben. damit auch den des wurmlochs, in dem die zeit verschwindet.

musikalisch im schlimmsten fall mittelmaß: elisa bee und abs8lute habe ich zum ersten mal gehört. beide mit funktional-trippigem techno, was phasenweise für mich in ordnung ist, als einzig roter faden im set jedoch zu wenig. ist geschmackssache und war qualitativ in seiner nische definitiv gut und traf auch den nerv des publikums. pluspunkt für elisa bee, „flashback“ von laurent garnier als abschluss zu spielen.
bell towers schwamm im lab mixtechnisch etwas, wobei das stellenweise ebm oder pop aus den 1980ern war, was sich gerne mal durch schwankende midi-clocks auszeichnet. da er mit vinyl spielte, verkomplizierte das einiges. ansonsten käue ich hier nicht nochmal das übliche über das lab wider: immer wieder super, wie sich die musikalische freizügigkeit in der stimmung spiegelt bzw. sich das gegenseitig befruchtet.
jesse g bei ihrem zweiten mal berghain so souverän, als ob sie in den letzten jahren zu neujahr nichts anderes gemacht hätte. stojche mixte quasi permanent mit vinyl beispielhaft mühelos und treibend. sollte er öfter an ort und stelle machen – bei der jahrelangen vorarbeit wäre das mehr als verdient. nørbak hat einmal mehr mut zum risiko bewiesen und sich damit als jemand empfohlen, den ich gezielt auf den zettel nehmen sollte.
yamour sowie marie montexier standen eine etage höher für musikalische diversität – erstere auch mit einem gewissen pop-appeal, indem sie den frankie-knuckles-remix von „un-break my heart“ spielte. auch victor war durchaus poppig unterwegs, kontrastierte das jedoch mit techno à la jeff mills.

notierte tracks

jesse g
isgang – ansiedad permanente
truncate – work this track
axel karakasis – clutter

bell towers
force legato – system
shannon – let the music play

yamour
green velvet – flash
guan – steel mirror
toni braxton – un-break my heart (frankie knuckles franktidrama club mix edit)

stojche
cari lekebusch – attitydsknäckaren
deano – the oldowan v2
stojche – counterpunch

elisa bee
laurent garnier – flashback (schlusstrack)

omer
psycho team – bolero (club version)

victor
jeff mills – call of the wild
phylyps – trak ii/ii

marie montexier
the house master boyz & the rude boy of house – house nation
umek – voice 1 (voices of africa)
covert23 – retrograde
housey doingz – gobstopper
underworld – dark & long (schlusstrack)

nørbak
mala – changes
dj boss – atmolam (mit dem mala-track gemixt, beides zum finale)

dj subaru
frankie goes to hollywood – relax (new york mix)
selvagem – amor