nine inch nails – the slip: ab sofort zum freien download

mr reznor scheint sich in einer kreativen hochphase zu befinden. nachdem er schon mit ghosts dem radiohead-bezahlmodell nacheiferte, gibt es das neue album nicht mal drei monate später. das ganze unter cc-lizenz, mit ermutigung zu remixen, bloggen, podcasten usw. als konsument hat man die wahl zwischen ganz profanen mp3s in 320k, dann gibt es noch die flac-variante (meine wahl) und für die audiophilen noch die wav-dateien in 24 bit mit 96 khz. damit dürfte wirklich jeder bedient werden.
er muss sich dank treuer fangemeinde eh keine sorgen um große verdienstausfälle machen und demonstriert damit einmal mehr, dass man sich so einen luxus als etablierter künstler durchaus leisten kann. wie der nachwuchs auf sich aufmerksam macht, wird die zukunft zeigen. soll hier aber nicht thematisiert werden.

zur musik kann ich nicht mal viel sagen, weil ich nicht zu denen gehöre, die ihm seit jahren hörig sind. stattdessen bin ich erst seit kurzem dabei, „fan“ kann ich mich beileibe nicht nennen und auch nichts zum instrumentalen vorgänger-album sagen, da ich das nicht gehört habe. die knappe dreiviertelstunde von „the slip“ ist beim durchhören extrem kurzweilig, bietet im rock- und ambient-genre zwar nichts revolutionäres, aber ist dennoch beste werbung, da zumindest ich nicht den eindruck habe, dass er hier nur restematerial, sondern stattdessen üblich detailverliebte und noch dazu gehaltvolle musik zusammengestellt hat. überzeugt mich jedenfalls als einsteiger.

theslip.jpg

(durch einen klick auf das bild gelangt man zur microsite, dort muss man eine e-mail-adresse angeben, um die links zum jeweils gewünschten format zu bekommen. lässt sich übrigens beliebig oft herunterladen, vorher muss man allerdings einen torrent-client installieren.)

monolake – track des monats: ocean of noise

etwas neueren datums (september 2003), benutzt ein kurzes sample weißen rauschens, war einst eine demo für ableton live 3, weshalb herr henke etwas tief stapelt und den prozess der entstehung spannender als das ergebnis empfindet.

hat er aber nicht nötig, den track kann man bedenkenlos zum ein- oder ausklang einer nacht / eines morgens spielen. am besten selbst überzeugen: hier geht’s lang.

einkäufe vom 27. oktober 2006

ja, richtig gelesen beim datum. habe noch einen beträchtlichen stapel an platten hier, wo die zeit für auswahl und kauf ausreichte, dank studium und arbeit kam aber die detailliertere betrachtung zu kurz.

war bei possible music, insofern auch wieder einiges an futter, bei dem mir scheinbar ein gewisser ruf voraus eilt. den aktualitätsanspruch sollte man außen vor lassen – zeitlos gut sind die meisten dieser sachen immer noch.

silk saw
walksongs
[ant-zen act 128]

vom damaligen berlin-gast wheezer darauf aufmerksam gemacht worden, zugleich mein überfälliger einstieg in die ant-zen-klangwelten.
alleine das auspacken ist schon ein erlebnis. eine folie umhüllt dickes löschpapier, was erstmal aus der verpackung befreit werden und dann umgeklappt werden muss, damit man an die hülle mit der platte kommt. zwei tracks mit jeweils fast 20 minuten spieldauer. „stronghold ballad“ auf der a-seite fängt auch – dem titel nach – sehr ruhig an, wunderschöne hintergründige flächen wiegen den hörer in melancholie, bis sich der track ab der zweiten hälfte zu einer noise-collage entwickelt, die für viele schwer verdaulich sein wird. „ant-march“ auf der rückseite unternimmt gar nicht erst den versuch, bequem zu sein, sondern walzt metallisch-blechern voran. hat sogar einen takt, könnte man demnach mixen, sofern man sich das traut.
tolle werbung für ant-zen, tolle platte.

doormouse
i love polka
[addict addictss4]

ihn habe ich schon länger vernachlässigt, weil er mir doch zu sehr auf der stelle verharrte, aber wenn zwei welten, die für spaß garantieren (polka und gabba) aufeinandertreffen, kann ich nur schwer „nein“ sagen. wenn man schon leute schocken will, dann wenigstens mit einem breiten grinsen. und das bleibt einem bei allen vier tracks durchgängig im gesicht.

doormouse
i love kraftwerk
[addict addictss5]

die üblichen distortion-bassdrums gibt’s im hohen tempo auf der rückseite. das größere augenmerk verdient aber „speak n‘ werk“ auf der a-seite, weil es mich überrascht hat, dass er so dermaßen fette electro-tracks vom stapel lassen kann, wo jedes sample wie angegossen sitzt und das ganze nicht wie eine verballhornung der düsseldorfer klingt. respektvoller umgang mit den original-samples und zugleich partytauglicher spaß – klasse arbeit.

dasha rush
fullpanda
[fullpanda records fullpanda001]

nachwuchs aus moskau, damals noch geheimtip, mittlerweile auch bis zu hardwax-kreisen vorgedrungen, inkl. live-act im berghain, den ich aber verpasst habe.
die a-seite startet mit rauhem electro inkl. einer prise lo-fi und schließt mit einem langsamen, minimaleren, aber sehr hypnotischen techno-track, der ideal ins warm-up passt (wie bei meiner wenigkeit im tresor vor zwei wochen).
die b-seite dann zunächst minimal mit etwas industrial und einem melodisch-verträumten, aber dennoch packenden track für die späten morgenstunden. sehr gute geheimwaffen.

jason leach
death to vinyl
[death to vinyl dtv001]

klassische leach-bassline-monster aus dessen live-acts, wovon aber „bust rucket“ so weit hervorsticht, dass man diese platte einfach haben muss. startet als breakbeat-track, um ab der zweiten hälfte mit einer dermaßen markerschütternden sequenz durchzustarten, so dass den synapsen derartig gepolter gehirne nichts anderes übrig bleibt, als das signal zum durchdrehen zu geben. definitiv einer der besten techno-tracks der letzten jahre.

tsr
onion tied to my belt ep
[don’t dont009]

auf sie ist verlass. locker quietschige tracks, mal geradlinig, mal gebrochen. zwar ohne packenden hit, aber das ist auch kein qualitätsmaßstab für eine platte. passt jedenfalls sehr gut zu don’t.

the flashbulb
binedump ep
[bohnerwachs tontraeger bowa15]

von stamm-mitleser frank ans herz gelegt und auch besorgt bekommen. die musikalisch zugänglichste variante im breakcore-bereich, da er viel mit melodien arbeitet, damit auch stellenweise eine schöne, warme atmosphäre erzeugt, die im electronica-bereich auch sehr gut passen würde. aber dann gibt’s noch die hektischen, dennoch glasklaren beats, die einem squarepusher in nichts nachstehen. an einigen wenigen stellen wirkt es auch etwas jazzig, aber auch zugleich brachial, dennoch stets strukturiert. perfekt produzierte musik, schöne stimmungen und für einen geheimtip viel zu schade.

math head
the most lethal dance
[reduced phat red03]

erbarmungslose, schnelle breakcore-stücke, wo höchstens film- oder alte uk-rave-samples unterbrechen, aber wenn man ehrlich ist: nach genau sowas sehnt man sich doch, während man im pogenden mob in der supamolly steht.
die perle ist der aaron-spectre-remix auf der b-seite, da die distortion-kickdrum und die bassline einfach alles aus dem weg räumen. wirkt trotz seines hohen tempos sehr aufgeräumt und im minus-pitch-bereich sogar noch besser.

istari lasterfahrer
battybwoy soundclash massive
[sozialistischer plattenbau spb12.004]

normalerweise werde ich mit den dubcore-eskapaden auf spb nicht wirklich warm, aber hier geht das wegen der hochgepitchten r&b-samples (die aber nicht bei allen tracks zum einsatz kommen) klar. lustige platte für zwischendurch, gibt aber bedeutend bessere eps von ihm.

zombie
species war
[rest in pieces records rip001]

auf der b-seite sind zwei darke rave-monster, die bei mir aber immer noch keine freude an dieser breakcore-spielart aufkommen lassen. eigentlich schlägt der erste track auf der a-seite in die selbe kerbe, nur baut der sich nicht auf der bassline auf – die fungiert hier als unterstützendes beiwerk. wenn man zwischen zwei brechern etwas zum füllen braucht, um die leute nicht zu überfordern, ist das eine ganz gute nummer. wäre für mich in breakcore-sets aber kein zentrales element.
„champion“ wurde mir das erste mal von hetzer bei der kein-kiez-für-nazis-soliparty im k9 um die ohren gehauen, und auch wenn ragga-vocals sonst für mich ein argument sind, die platte zurückzustellen: hier passen sie – ohne sonstiges dub-beiwerk – in einen gnadenlosen gabba-beat, der aber erst ab dem zweiten drittel einsetzt, nachdem sich der track scheinbar endlos aufgebaut hat. wie eine erlösung, dann aber richtig.

michael forshaw
the last starfighter ep
[smb records smb 10]

noch vor vier, fünf jahren hätte ich jede seiner neuen platten blind gekauft, aber mittlerweile habe ich ihn verloren. kann damit zu tun haben, dass brachiale sounds damals bei der hardtechno-welle angenehm erfrischend wirkten, aber selbst die spielart hat nur ihren begrenzten reiz, wie ich mittlerweile feststellen muss.
die hier musste dennoch sein, weil seine electro-sachen wegen ihrer rauhen sounds und beats für mich immer noch perfekt in härtere techno-sets passen, damit das diktat der durchgängig geraden beats auch durchbrochen wird. kann man auf der chan 04 und 05 zwar auch haben, aber die haben auch nicht diese sci-fi-artigen samples.

v/a
the kamikaze club 04
[kamikaze club poff kc04]

sublabel von peace off, wodurch sich der labelcode erklärt. ist einzig und alleine den compilations gewidmet.
droon übernehmen das motto „barfight“ aus dem titel und bauen sich aus klassischen fausthieb- und sonstigen körpergeräuschen einen track zusammen. lustige eröffnung.
„capt lou albano“ aus dem j-chot-track war wohl eine wrestling-legende, klingt aber eher nach rummelplatz.
electric kettle (weswegen ich bei der platte eh hellhörig wurde) nimmt sich bomb the bass vor, zerhackt deren raps zu einem schönen hardcore-track – gewohnt klasse. kos ist mir einfach zu hektisch.
b-seite: math head vs. violent ramp sind zwar durchaus interessant anzuhören, aber zu unstrukturiert, um wirklichen flow erzeugen zu können. enduser ist immer ein garant für düstere tracks, setzt das hier auch einmal mehr gekonnt um. parasite schließt das ganze mit einer raggacore-offensive ab, die ihre wirkung wohldosiert in einem set sicher nicht verfehlen wird.

v/a
the kamikaze club 05
[kamikaze club poff kc05]

sickboy remixt rotator, kann ja nur gut werden, ist anfangs zwar etwas unzusammenhängend, startet aber spätestens mit dem chumbawamba-sample so richtig durch. killjoy bekommt nicht nur einen orden für den titel („britney stole my crack pipe“), sondern auch den umgang mit samples unser allseits geliebten pop-chanteuse mit hang zur labilität. mr kill mit einer wand aus gabba-bassdrums, krach und sägezahn – kann bei mir dennoch nicht punkten. e.r.c. hätte den track ruhig auf die doppelte spieldauer ausdehnen können, das ist nämlich ziemlich tight, aber eben ein zu kurzes vergnügen.
und die rückseite: cardopusher mit den ragga-vocals und allem sonstigen, was mich direkt weiterskippen ließ (sorry, das ist aber auch schwierig mit mir). da landet man bei sickboy, der mich mit einem geraden 4/4-takt im gar nicht mal so hohen tempo versöhnlich stimmt. noize creator mit gar nicht mal so viel krach, dafür viel distortion und darke basslines. ist ganz ok, hätte mich aber nicht zum kauf überzeugt.

monolake – track des monats: plankton_uncut

diesen monat eine spielerei der herren henke und behles aus dem mai 1996 mit einem prophet vs und dem delay des boss rsd-10, sollte auch genau als solche gehört werden. könnte auch heute noch als untermalung für science-fiction-hörspiele oder -filme herhalten.

wie immer hier. 21 mb, 96 kbps (was einen bei der soundversessenheit des herrn henke schon wundern könnte, ist aber durchaus ausreichend), 30m49s.

einkäufe vom 20. februar 2008

habe mich von längst nicht mehr benötigten tooltechno-platten getrennt und dabei etwas aufstockung des d&b-arsenals betrieben. das ganze im power park, niederbarnimstraße.

nasty habits
shadow boxing / prototyped
[31 records 31r002]

doc scott mit einem klassiker des genres, der zwölf jahre nach veröffentlichung nichts von seiner qualität eingebüßt hat (zwei euro ins phrasenschwein, ich weiß). die düstere melodie stellt einige der heutigen produktionen immer noch in den buchstäblichen schatten, „massiv“ trifft’s wohl ganz gut. die rückseite ist da verträglicher, schon eher funky, und damit bestimmt was für leute, die mit roni size und krust (respektive mit full cycle) gut vertraut sind.

dom & roland
mechanics / prisms
[31 records 31r003]

darkness? industrial-ambiente? ins mark treffende beats? da ist man bei dom & roland doch immer richtig. die freude an der a-seite wird durch die fläche für mich getrübt, aber dafür ist die auf der b-seite zugunsten der bassline reduziert. somit eher was für mich, macht sich neben ed rushs „killamanjaro“ bestimmt hervorragend.

boymerang
still / urban life
[prototype recordings pro 008]

die a-seite brilliert mit einem düster schiebenden track in der tradition alter no-u-turn-sachen, die b-seite bedient die fraktion, die es etwas harmonischer mag, durchaus mit jazz-anleihen, aber dabei nicht zu vertrackt. prototype ist damit eines der labels, mit denen man nichts verkehrt machen kann.

biosphere
novelty waves
[apollo apollo 020]

mitte der 1990er, auf dem zenith der techno-bewegung, kamen diverse werbeagenturen auf die idee, diesen sound zur untermalung von spots zu benutzen, und die spots von levi’s stachen seit jeher durch sorgfältig ausgewählte musik hervor (und ja, auch durch die ästhetik).
lange rede, kurzer sinn: „novelty waves“ ist einer dieser tracks, die im fahrwasser manch anderer techno-tracks untergehen, an die man sich aber sofort erinnert, wenn man die bassline hört. sonst alle zutaten, die man anno 1994 so gebraucht hat, inklusive der 303. noch dazu mit breakbeats nach alter englischer rave-tradition, und damit hat man die geheimwaffe, mit der heute eher wenige rechnen. der aedena-cycle-remix ist allerdings auch nicht von schlechten eltern.

einkäufe vom 14. november 2007

beides bei bleep, direkt auch als flac, was immer noch günstiger als auf cd ist. die musik verdient eine kompression einfach nicht (womit die wertung vorweg genommen ist).

burial
burial
[hyperdub hdbcd001]

reingehört hatte ich diverse male, muss auch zugeben, dass ich mit den ersten hyperdub-sachen nicht so recht warm werden wollte, was mit einer generellen skepsis gegenüber dem dubstep-hype zu tun hatte. die ist auch geblieben – zuviel verharrt mir dort in den rave- oder dancehall-strukturen, wobei gerade erstere variante wie eine fortsetzung der drum&bass-platten klingen, die mir die freude an dem genre nachhaltig verdorben haben – allerdings auf halbem tempo.
als dann nach diversen maxis die lp neben clips in den hardwax-neuigkeiten auftauchte, gab ich dem ganzen doch noch eine chance – ergebnis dessen: diverse male habe ich es mir als stop&go-vorschau bei bleep angehört und im november endlich zugeschlagen. das album war im vergangenen quartal ständiger begleiter auf den wegen durch die stadt.
wem das als qualitätsmerkmal nicht ausreicht, muss sich bei den clips einfach selber davon überzeugen, dass der anonyme jungspund zeitgemäßer clubmusik einen ganz persönlichen stempel aufdrückt, sich zugleich über mehrere genregrenzen hinwegsetzt (auf dub- oder 2-step lässt sich das beim besten willen nicht reduzieren) und bei der lupenreinen produktion eine tiefe bewahrt, die man von anfang bis ende auskosten will. und dann am liebsten wieder von vorne.
bleep-link

burial
untrue
[hyperdub hdbcd002]

war das debüt noch eine sammlung seiner älteren tracks, entstand der nachfolger in wesentlich kürzerer zeit. ein zweiter aufguss ist es dann aber beileibe nicht geworden – von zeitdruck keine spur. das gefühl einer durchfeierten nacht, von der die sounds am morgen im kopf noch nachhallen, und was er hier in musikalischer form transportieren will, ging ja genügend durch die presse. viele, welche die düsteren, sehr reduziert gehaltenen tracks auf „burial“ noch verinnerlicht haben, könnten sich durch die r&b-vocals und die melodie-lastigen tracks etwas vor den kopf gestoßen fühlen – oder sich einfach darauf einlassen, wenn man sich jenseits von eigens definierten grenzen zwischen underground und pop an einfach zeitlos guter musik erfreuen will.
unverkennbar ist seine handschrift nach wie vor, handwerklich brillant, meinetwegen auch stellenweise kitschig, aber dabei mit einer wärme, die einem schnell durch den winter hilft. selbst eine top100-platzierung würde ich ihm damit gönnen. täte jedenfalls verdammt gut, sowas wie „archangel“ anstelle denkbefreiter hiphop-ergüsse im nachmittagsprogramm des radios zu hören, damit der nachwuchs endlich mitbekommt, was eigentlich qualitativ hochwertige musik ist.
bleep-link

mark butler über klangklötzchenschieber

ja, bodenständig 2000 haben spuren hinterlassen. mark butler kam mir gerade letzte woche im rahmen eines seminars zu gehör, dann entdeckt michaelrio auf electronic culture einen artikel bei der taz, und ihr habt mal wieder etwas sekundärmaterial zu lesen. wer also immer schon argumentationsgrundlagen für den track als neue struktur gegenüber dem song sammeln oder seine plattenkaufsucht nebst auflegerei rechtfertigen wollte, ist zur weiterbildung herzlich willkommen.

klick.