[berlin / 09.05.2014] about blank: robot army

die roboterarmee habe ich in den letzten jahren viel zu selten begleitet. angefangen im mikz ging es über das damalige wysiwyg (heute r19) ins about blank. dort feiern sie nun auch abschied. ich habe selber leider nur die mikz-tage miterlebt, bei den freitagen im about blank kam immer irgendetwas dazwischen. dem anlass würdig sollte also wenigstens zum finale ein besuch drin sein.

robotarmy20140509

start
24 uhr

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

mal wieder direkt vor dem aufbruch von der party, denn sonderlich lang fiel mein besuch leider nicht aus. entsprechend kurz wird auch das fazit.
grob war ich zwischen 5 und 8 hier, hanno hinkelbein bei ankunft in der lobby und kriek auf dem mdf zugange. beide in ihrem element, ich hab hanno bevorzugt, der großteil der leute tatsächlich den mdf, der mit seiner dunkelheit auch gut zum harten musikalischen stil passt.

nach dem eindruck der letzten drei stunden könnte / sollte ich mich ärgern, nicht früher bei den robotern im blank vorbeigeschaut zu haben, da sie sich hier sehr gut einfügen. werde also zusehen müssen, bei ihrer nächsten clubstation etwas pünktlicher vorbeizuschauen.

nun erstmal schlafen, um fit genug für staub zu sein. geht übrigens nahtlos ineinander über, für diejenigen, die partout nicht genug kriegen können.

[berlin / 03.05.2014] stattbad: smallville x odd fantastic

damit reicht es dann aber auch für diese woche. smallville wird bereits neun jahre alt und feiert das im boiler room, während im bunker mit helena hauff ein resident aus dem golden pudel sowie morphosis spielt. letzterer hat mich mit seinem drei-stunden-set aus dem boiler room und seinem label morphine records (kann ich momentan fast blind kaufen) schwer beeindruckt. und mit fiedel macht man eh nichts falsch.

smallvilleimstattbad20140503

ablauf
bunker
02h00 morphosis
04h00 helena hauff
06h00 fiedel
boiler
00h00 smallpeople
03h00 keith worthy
06h00 lauer

nachbetrachtung

im boiler habe ich mich die nacht über nur zum anfang aufgehalten, bevor der bunker öffnete. die rollenverteilung war klar und auch nachvollziehbar: house im boiler, techno / acid / artverwandtes im bunker. eine alte herbert (irgendwas von den ersten drei „parts“) habe ich in der zeit wahrgenommen, aber sonst lieber geplauscht.

pünktlich zu morphosis, der meinen eindruck von seinem boiler-room-set nicht nur bestätigen, sondern sich gleich noch übertreffen konnte. den platz als eines der besten (wenn nicht gar das beste) sets anno 2014 hat er schon mal sicher. woran das liegt? an seinem mut zum risiko – nicht nur punktuell, sondern permanent. in der ersten halben stunde erstmal nur drone-tracks zu spielen, ehe sich ein rhythmus herausdestilliert („djibouti“ von africans with mainframes war einer der tracks) provoziert erstmal die fraktion, die sich mit stur durchmarschierender kickdrum zufriedengibt, erfreut aber diejenigen mit interesse in viele richtungen.
sein edit von „tanki tanki“ (im original von der rene bandaly family, findet sich auf der „metal dance 2“) bringt eigentlich das gesamte set auf den punkt: wenn tanzbar und mit vocals, dann definitiv anders und nicht an den allgemeinen erwartungen orientiert. dementsprechend auch das publikumsverhalten: manche standen rum, hörten sich das kurze zeit an und verschwanden wieder, der rest genoss es. war also eher war was für die musikliebhaber, aber das geht gerade für den ersten slot des abends sehr gut klar.
kurzum: grandios, hätte ich im nachhinein gerne als aufnahme.

helena hauff zeigte im anschluss, dass sie die alte chicago-acid-schule sehr wohl genossen hat und schloss mit pankows „wodkalied“ (wieder eine bildungslücke gestopft) ein auch echt gutes set ab, an das fiedel in guter form anknüpfen konnte.

super abend, dessen gewinner (jedenfalls für meine begriffe) klar sein dürfte. das hat von der aufgabenverteilung her einfach gepasst.

[berlin / 02.05.2014] tresor: echoes.02

nein, das ist keine optische täuschung. nach beinahe sechs jahren habe ich genug geschmollt, genug aus verschiedenen quellen gehört, dass es sich gebessert haben soll und genug monats-line-ups gelesen, die doch recht vielversprechend aussahen. dieses sticht dabei absolut hervor, also gebe ich mir mal wieder die ehre und schaue / höre mir so an, was sich in dem laden alles verändert hat. der keller hat bspw. eine neue anlage und der globus soll verkleinert worden sein.
ich gebe zu: etwas gespannt bin ich.

tresor20140502

ablauf
globus
00:00 lluck
02:00 deepchord
03:00 mike huckaby
05:30 convextion aka e.r.p.
06:30 jeff samuel
tresor
01:00 j.c.
03:30 go hiyama
06:00 psyk

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

drinnen war ich erst gegen 3 uhr, da ich vorher noch in der berghain kantine bei der von crazy language ausgerichteten tour von syl kougaï vorbeigeschaut habe. dazwischen lagen jedoch gut 20 minuten wartezeit in der schlange. moment – tresor? schlange? ja, ganz recht, gute 50 meter werden es gewesen sein. während des wartens die weitere überraschung: sie schicken leute weg. anzeichen dafür, dass es drinnen so voll ist, dass ausgewählt wird oder eine generelle türpolitik? ein schema konnte ich nicht ausmachen. große, laute gruppen waren jedenfalls nicht so gern gesehen, aber auch zweier- oder dreiergruppen fielen durch das raster, wovon manche durchaus in den club gepasst hätten.
noch dazu wurde bereits beim warten klar, dass der tresor bei touristen eine der hauptoptionen ist. klar, ist das berghain auch, aber es ist durchaus denkbar, dass sich viele aufgrund der langen wartezeit am wriezener karree und der ungewissheit, hereingelassen zu werden, gleich für die andere techno-bastion entscheiden.
jedenfalls war die quote der weggeschickten leute erstaunlich hoch: gefühlte zwei drittel. da kam bei mir schon etwas wie kribbeln auf, ob es tatsächlich klappen könnte. nachdem ich die frage bejaht hatte, ob ich alleine bin, war die hürde aber auch geschafft.

soviel zur ersten augenscheinlichen änderung, aber was ist drinnen nun passiert?
an sich eine ganze menge. der zugang vom treppenhaus zum globus ist mit seiner passage zwischen tür und tanzfläche zwar immer noch etwas einsam, aber die leicht geänderte raumaufteilung ist wirklich sinnvoll. die bar ist jetzt nicht mehr zwischen dem gang und den sitzgelegenheiten, sondern vollständig in der ecke platziert. mehr platz für die keeper zum arbeiten, zugleich mit dem durchgang hinter der bar eine tote ecke beseitigt – gute entscheidung. zwischen den (zahlreichen) sitzgelegenheiten und der tanzfläche sind nun schlichte säulen mit einem durchgang und glasscheiben an den seiten gebaut worden. klare trennung: barbereich zum unterhalten, tanzfläche für die abfahrt. dort gibt es konsequenterweise gar keine sitzgelegenheiten.
das dj-pult ist nun von der kraftwerksseite an die bühnenseite gewandert, die früher bereits von großkalibern wie jeff mills bespielt wurde. auf der bühne selbst spielte deepchord, das dj-pult steht etwas tiefer davor. noch dazu wurde die totec-anlage durch void ersetzt, deren horn-lautsprecher schon eine abgefahrene optik und auch einen ganz guten klang bieten. klang beim monitoring jedoch besser als auf der tanzfläche, wo mir gerade beim convextion-set etwas die transparenz fehlte. beim set von mike huckaby gab es komische lautstärkeschwankungen auf einem technics. ob das am 1210er oder etwas anderem gelegen hat, weiß ich nicht. insgesamt klanglich gutes mittelfeld, das war ja auch nicht immer selbstverständlich.
ansonsten hat man jetzt drei ausgänge aus dem globus zur auswahl: erstmal den aus dem haupttreppenhaus, dann die treppe in richtung garderobe und ein kleines treppenhaus im hinteren bereich der bar. dort geht’s nach oben zum raucherraum und nach unten zur garderobe.

dort die nächste neuerung: die habseligkeiten werden nicht mehr direkt vor dem treppenhaus entgegengenommen, was früher wegen des besucherstroms richtung treppenhaus zum globus eh zu unnötigem stress geführt hat, sondern in dem gang, in dem früher der merchandising-stand war. der ist jetzt am anderen ende. konsequenz: eine weitere tote ecke sowie stresspotential beseitigt und dabei die raumnutzung optimiert. noch dazu ist aus dem snack-kiosk am gang richtung tresor ein richtiger raum entstanden, in dem man in aller ruhe sandwiches und dergleichen essen kann.
heißt: der garderobenbereich lebt. kompliment an die- oder denjenigen, der sich das hat einfallen lassen.

dagegen nehmen sich die räumlichen änderungen im tresor klein aus. die ecke links beim reinkommen ist nun auch zum raucherraum geworden und das linke podest wird durch lichtstreifen markiert, so dass man im dunkeln nicht drüber stolpert. die schließfächer stehen immer noch da, das dj-pult ist immer noch ebenerdig.
zwei dinge fallen jedoch auf: erstens wurden die lampen an der seite durch helle led-lichter ersetzt, die man mit verschiedenen farben ansteuern und gleichzeitig als strobo gebrauchen kann. die altbekannte lichtschlange ist immer noch da, drei strobos an der decke ebenfalls. neu ist jedoch: es kümmert sich den gesamten abend über jemand um das licht (auf beiden floors wohlgemerkt) und auch der tontechniker schaut regelmäßig nach. zweitens wurde die totec-anlage, die im vergleich zu den altrestbeständen aus der leipziger straße zuvor schon eine verbesserung war, auch durch void ersetzt. auch wenn man sich an die optik der subwoofer vor dem dj-pult etwas gewöhnen muss (im trouw ja nicht anders), führt das auf der tanzfläche zu schönen nebeneffekten: erstens optisch, da das eine podest auf der rechten seite nicht mehr durch die alten subwoofer, sondern vom publikum in beschlag genommen werden kann. zweitens (wichtiger) akustisch: egal, wo man steht, der sound ist präsent, druckvoll und klar. und das ist die tatsache, die mich fast am meisten freut: man kann dem tresor endlich mal einen richtig fetten klang bescheinigen. wäre zwar noch schöner, wenn man den djm-800 gegen allen & heath tauschen könnte (der oben im globus steht), aber das ist marginal.

musikalisch hat sich niemand eine blöße gegeben. deepchords sphären blieben zeitweilig hinter dem rhythmus zurück, mike huckaby legte ein höheres tempo vor als j.c. und go hiyama im keller, der ebenfalls mit ableton live spielt und dabei nicht statisch wirkte. der höhepunkt war (wie erhofft) convextion, bei dem ich eigentlich dachte, dass er eher electro spielen wird. kam in seiner zweiten hälfte auch, zuvor war das geradliniger dubtechno zum verlieben. so bekam man eben seine beiden facetten mit, langanhaltender szeneapplaus zum ende seines sets – zurecht.

optische und akustische änderungen schön und gut, aber wie ist denn nun der gesamteindruck? hat es sich denn summa summarum gebessert?
doch, hat es. zwar habe ich mich bei manchen gefragt, warum gerade sie es in den club geschafft haben, während draußen in meiner wartezeit einige weggeschickt worden sind, die besser reingepasst hätten, aber das war wohl tatsächlich den zeitlichen umständen geschuldet. natürlich ist es deutlich von touristen geprägt. das war schon in der leipziger straße so, ist es auch im berghain und fällt im tresor deswegen auf, weil die dimensionen im vergleich zu früher größere sind und man mehr gespräche mitbekommt, während man durch die gänge schlendert.
ansonsten merkt man, dass (endlich wieder) mehr auf identität als den schnellen euro wert gelegt wird. dafür reicht ein blick auf die monats-line-ups, aber auch in den club selber. die offensichtlichste entscheidung war und ist weiterhin, dass man die tradition an anderer stelle fortsetzen will. reminiszenzen an die in der leipziger straße geschaffene legende sind vorhanden, inklusive einem bild von jeff mills im alten keller, aber zu meiner freude setzte sich das bei der atmosphäre im tresor fort. das hat schon etwas von der vertrauten endzeit-apokalypse mit reichlichem getöse. publikumsreaktionen gibt es direkt und ehrlich, sobald die kickdrum wieder einsetzt. klar ist das publikum eher jung, aber wesentlich angenehmer als vor sechs jahren. dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass wir alle auch mehr oder weniger jung mit dem clubbing angefangen haben und  sicher das eine oder andere mal belächelt worden sind. wenn sich das wie am vergangenen abend mit älteren hasen mischt (sogar einige berghain-stammgäste wurden gesichtet, was sicher auch am line-up gelegen hat), ist das ein zustand, mit dem es sich sehr gut leben lässt. einzig und allein meine kondition, die nach dem 1. mai und arbeiten am 2. mai nicht mehr so viel zuließ, trug dazu bei, dass ich schon um kurz nach 7 den laden wieder verließ.

alles schön und gut und vor allem ganz schön viel zu lesen. aber wirst du wieder hingehen?
klar, gerne. zwar wird sich der tresor für mich samstags nicht unbedingt zur ersten wahl entwickeln, dafür überzeugt das berghain-gesamtpaket einfach zu gut. aber falls mal gerade keine grounded theory im stattbad stattfindet, oder mir freitags der sinn nach feinem gebretter steht, freut es mich, ihn endlich wieder als gute alternative auf dem zettel zu haben.

[berlin / 30.04.2014] so36: montech says goodbye

montechfinal20140430

und noch eine reihe, die ihr ende nimmt. im januar war ich noch für den 3. märz angefragt, aber bereits kurz danach wiederholte sich die geschichte von vor fünf jahren, an deren ende nach großflächiger solidarität in kreuzberg die schallmauer für das so36 stand.
heißt im klartext: die montagsparties stören die einzelne ruhe. konzerte und wochenenden sind jedoch weiterhin möglich, was ja schon mal ein kleiner lichtblick ist. ein anderer könnte mit noceur in der loftus hall in den startlöchern stehen, die am 5. mai u.a. mit erwan ihre premiere feiert.

abschied wird in zwei teilen genommen, am 30. mit den langjährigen verdächtigen, am 1. mit klangkost-vertretern. ich nehme nur den ersten tag mit.

ablauf
23h00 dj mori vs. maciek noworol
02h00 dj flush vs hanno hinkelbein
04h00 tanith
05h00 wolle xdp
06h00 kriek vs mack

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

hier schlug einmal mehr der gute wille zu, dem eigenen körper nicht zu viel abverlangen zu wollen. langsam sollte ich es besser wissen, dass nicht mal zwei stunden vorschlafen nicht gerade dabei helfen, 2:00 uhr als ankunftszeit einzuhalten.
lässt sich mit dieser idee aber noch steigern: verlorene zeit wettmachen, indem ein drivenow-mini für die fahrt richtung oranienstraße bemüht wird. klappte doch sonst auch immer ganz toll – wegen halteverbot ab 7:00 uhr wochentags halten dort sonst wenig autos, so dass man locker fußläufig zum so36 parken kann.
kleiner haken jedoch: das myfest und damit großflächiges halteverbot ab 6 uhr früh. und das fiel mir immerhin schon ein, als ich auf den heinrichplatz zufuhr.

damit schön abgeschweift. nach erneuter parkplatzsuche war ich schon kurz nach 3:00 uhr drinnen und fand eine volle hütte vor, die flush und hanno auch fest im griff hatten. war schon froh darüber, dass man sich den weg durch die menge schon bahnen musste. auch wenn der anlass ja nicht unbedingt zum jubeln einlud, wollten einige den abschied mit pauken und trompeten feiern. entsprechend ausgelassen war die stimmung bis zum schluss.

tanith hatte im vornherein angkündigt, dass es von seiner seite aus zur sache gehen würde, das traf auf seine art und weise auch zu: so gab es viele tracks mit den staubsauger-sounds à la r&s 1992, nur mit dem 2014er-update. stellenweise brachial, aber das löste genau die reaktionen aus, die es sollte. trotzdem: wirklich meins ist das nicht, da fühlte ich mich beim tanith alter schule besser aufgehoben. von wolle xdp gar nicht erst zu reden – das war ähnlich statisch wie sein fusion-set anno 2012 und die tracks für mich seelenlos bzw. plakativ-düster. mir schleierhaft, warum er sich nach dem wechsel zu traktor/s4 dazu entschieden hat, keine alten tracks aus vinylbeständen ins set zu integrieren. wird schon seine gründe haben, an mir zog das set jedenfalls vorbei.
kann ich von kriek und mack nicht behaupten. ewigkeiten her, dass ich die beiden gehört habe, verlernt haben sie absolut nichts. gut, kriek spielt nicht mehr so quietschig-hart nach miditonal-gangart, aber dennoch hatte das set seine schrägen momente. allem voran hatte es jedoch flow trotz vielseitigkeit und war damit von beginn an interessanter als die stunde wolle xdp zuvor.
als beleg dafür könnte herhalten, dass mack und hanno (der sich nach 9:00 wieder ins geschehen einschaltete, nachdem kriek gegangen war) erst um 10:30 uhr feierabend machten. trotz leichter konditioneller zwangspausen konnten sie es immer wieder schaffen, mich zurück auf die tanzfläche zu befördern („sonelysom(e)oney“ von jamie lidell – endlich mal wieder).

die beiden (strenggenommen drei) waren für mich auch der höhepunkt des sehr schönen abschlusses, der mich doch ein wenig sentimental werden ließ, da mir der laden mit seinem personal schon ans herz gewachsen ist, wofür ich mich hiermit nochmal offiziell bedanken möchte. alleine deswegen hoffe ich darauf, dass es hin und wieder doch eine neuauflage geben könnte, wenn die „umstände“ es erlauben.

[berlin / 08.05.2014] about blank: impulse – final abyssal night + gegenkultur

ja, richtig gelesen. ich darf wieder einmal vor publikum spielen. die umstände könnten jedoch glücklichere sein: die impulse hatte bis auf nächte mit headlinern wie goth-trad in bezug auf zahlreiches publikum stets einen schwierigen stand. da war zum einen das konzept, das mit „dubstep“ nur sehr grob umschrieben ist und an einem abend ganz viele basslastige sparten abdecken konnte. zum anderen (ganz simpel) der wochentag. beides zusammen ergab eine mischung, wonach der durchschnittliche partygänger das risiko zur entdeckung von neuartigem lieber nicht einging. so ist diese abyssal-nacht also die letzte, die mit dem start der bereits jahrelang im golden gate erfolgreich erprobten gegenkultur zusammenfällt. daher nochmal offiziell: danke an die impulse für die courage und die wirklich mit viel feingefühl ausgesuchten bookings, die im ganzen dickicht der neuen bassbetonten schule immer wieder neuen namen ein forum gab und als dachverband für die verschiedenen crews sicherstellen konnte, dass es nicht jede woche das gleiche zu hören gab. ich will doch mal stark hoffen, dass es anderswo weitergeht. zu dem anlass könnte es also etwas werden mit ordentlicher fülle. hier gibt es erstmal nur das line-up – die spielzeiten dann, wenn ich sie weiß.

nachtrag, 08. mai 2014, 12:58 uhr: spielzeiten für die gegenkultur ergänzt, die nimmt in der lobby platz, abyssal auf dem mdf-floor. für dort erstmal nur die abfolge, geplant ist von 0 bis 6 uhr, mein startplatz liegt zwischen 2:30 und 3:00 uhr für eine kurze und heftige stunde, potschappel underground fällt aus.
die gute nachricht noch obendrein: die impulse bleibt dem about blank dann doch erhalten, findet fortan jeden ersten donnerstag im monat zusammen mit der gegenkultur statt, dann mit allen impulse-crews zugleich. das ist besser als nichts.

impulse20140508

impulse-floor
warm-up: ddm b2b whø
live-act danach: hatti vatti
peaktime-slot numero uno: stype
peaktime-slot numero due: es.tereo b2b turrican
ende: abyssal allstars
und die ganze zeit über: effekthasch vj

gegenkultur-floor
00h00: dieter polen
02h30: patrick chardronnet live
04h00: mary jane
06h00: brian cares
08h00: gulp
10h00: uerp le cram
12h00: klangsucht allstars

eintritt
8 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

fange ich mal mit den für mich positiven aspekten des abends an: da mein kleines schwarzes (die rede ist vom macbook) bereits sechs jahre auf dem buckel hat und sich anfang des jahres kleine verschleißerscheinungen zeigten, stand die sorge im raum, ob es das erste set wird, bei dem ich auf ein backup würde zurückgreifen müssen. eigentlich hatte sich die batterie verabschiedet, was weiter kein problem ist: es gibt recht brauchbare nachbau-akkus, von denen jetzt einer seine dienste verrichtet. war insofern wesentlich, als dass es vor dem wechsel ärgerlich gewesen wäre, wenn jemand unglücklich ans netzteil gekommen wäre, ist aber nun schnee von gestern. ärgerlicher ist hingegen die verbindung vom topcase zum logic-board mit ihrem kleinen kabel, das selten aus einer laune heraus die signale vom trackpad und der tastatur nicht weiterleitet. heißt: aufschrauben, kabel abziehen, wieder aufstecken – läuft. musste ich letzte woche in angriff nehmen, ist aber ein denkbar unkomplizierter eingriff, den ich mir im club jedoch gerne schenke.
und dann noch das backup: es hieß im voraus, dass es keine cdjs geben wird, aber turrican und es.tereo mit serato spielen. daher hatte ich nur zwei usb-sticks eingepackt. stellte sich am ende beides als falsch heraus: es standen die einfachen cdjs ohne usb- oder sd-slot da und die beiden spielten mit traktor-control-vinyls. das mit dem backup hätte also etwas gedauert, bis der andere laptop einsatzbereit gewesen wäre. die cds hatte ich ja nachvollziehbarerweise daheim gelassen.
umso schöner war, dass technisch wirklich alles auf anhieb funktionierte. die soundkarte spielte mit, der midi-controller wie gewohnt ebenfalls und auch die adhoc-verbindung zwischen macbook und ipad für den einsatz von touchable klappte im zweiten anlauf und blieb dann absolut stabil.

dummerweise war es das auch schon, was die positiven meldungen angeht. nachdem ddm und whø zeigten, dass man mit ambient, electronica und auch technoiderem dubstep eine tanzfläche ganz gut füllen kann und hatti vatti mit seinem introvertierten drum&bass das publikum ebenfalls gut unterhielt, wurde mir in der ersten viertelstunde schnell klar, dass ich für den abend auf das falsche pferd gesetzt habe. momentan hat es mir das jungle-revival mit amen-breaks und entsprechenden signalen richtig angetan und ich dachte mir, dass diese brachialen tracks das richtige für den dunkleren mdf-floor und vor allem für den anlass sind. das war jedoch ein irrglaube und ein großteil der leute wechselte zu patrick chardronnet (bei dem es wohl drüben in der lobby am vollsten gewesen sein muss) oder gleich in richtung heimat. dazu wird auch eine etwas laxe vorbereitung ihren teil beigetragen haben, nachdem klar wurde, dass es eine stunde wird, die ich gerne dazu nutzen wollte, es im dunkeln krachen zu lassen. an sich auch sinnvoll nach dem hatti-vatti-set, nach dem ich mit ‚“freezing opening thawing“ von shackleton einstieg. das war auch noch okay, aber direkt danach die untold-distortion-keule („strange dreams“) zu bemühen und in dem stil fortzufahren, war vom kontrast her wohl etwas zu heftig. so wurde die stunde für mich dann doch relativ lang, als ich mitbekam, dass die lücken auf der tanzfläche sukzessive größer wurden. führte bei mir wiederum zu temporärer sinnkrise (warum das ganze eigentlich noch machen? bin ich dem publikum entwachsen, so dass die verbindung zwischen ihm und mir nicht mehr funktioniert? ist es der anspruch?) und auch aktionismus. denn trotz allem war ich vorbereitet genug, notfalls die stoßrichtung zu ändern, was mit prototypen-dubstep à la cyrus (random trio) ganz gut klappte und komischerweise führte auch die neue objekt auf power vacuum nicht dazu, dass sich die noch wenigen verbliebenen lauthals beschwerten. aber summa summarum machte das set auf mich den eindruck, sich in eile auf dem weg zum ziel verfahren zu haben, eine weile in einsamen gegenden umherzuirren, und gerade rechtzeitig kurz vor toresschluss noch irgendwie zufällig angekommen zu sein.
klar, das mag an der kurzen spielzeit und dem von mir falsch gewählten ansatz bzw. aufbau gelegen haben, aber auch sicherlich daran, dass mein kopf aktuell mit anderen dingen als mit musik und allem, was so drumherum geschieht, beschäftigt ist. es fehlt momentan einfach die zeit, in die notwendige tiefe zu gehen, weshalb ich die (stilistische) breite für den abend als notausgang gewählt hatte. so im nachhinein muss ich mir schon die frage stellen, wie ich auf die idee verfallen konnte, rave-signale gleich nach dem hypnotischen shackleton-beginn loszulassen, aber andererseits (wenn ich das wieder ins positive drehen möchte) war es wenigstens ein risiko, das ich gegangen bin. sowas birgt immer die gefahr, dass es schiefgeht.
beim duo es.tereo und turrican gab es dann wieder drum&bass in der ersten und eher technoid-dubsteppiges in der zweiten hälfte, das funktionierte nun wiederum besser. kurz nach 6 war im mdf schluss, da deutete sich auch in der lobby schon an, dass es dort ebenfalls nicht bedeutend länger als 7 uhr gehen würde. dort war es bei meinen durchgängen den abend über zwar ganz nett, aber beileibe nicht mehr. trug jedenfalls zu meinem aktuellen meinungsbild bei, dass es schon reicht, nach dem allgemeinen konsens zu spielen, ohne dass dabei große ausflüge in andere bereiche unternommen werden müssen. zumindest den schuh muss ich mir nicht anziehen, sehr wohl aber den, es vom aufbau her falsch angepackt zu haben.

insofern: haken dahinter und es beim nächsten mal besser machen. noch was positives: einige kombinationen waren in der vorbereitung so vielversprechend, dass sich manche teile sehr gut in einem anbiederungs-set für ambitionierte booker wiederverwenden lassen, sofern die zeit es zulässt, das in angriff zu nehmen. informationen dazu gibt’s dann auf diesem kanal.

[berlin / 27.04.2014] about blank: four ever blank

foureverblank201404

und gleich wieder zurück zu den kernkompetenzen. mein aktueller vize-lieblingsclub wird (offizielle) vier jahre alt und feiert das an drei tagen. freitag abend ist konzert mit masha qrella und anderen, samstag abend dann gewohnt elektronisch bis in den frühen montag hinein. mit meiner anwesenheit ist sonntags tagsüber zu rechnen.

ablauf

raum 1
00h00 idit frenkel
03h00 miriam schulte
05h00 sidney + suleiman
08h00 alienata
10h00 dj xing
– pause –
22h00 hagen richter
00h00 alex.do
02h00 akmè b2b diwa

raum 2
02h00 silva rymd
04h00 inigo kennedy
07h00 samuli kemppi live
08h00 silva rymd / samuli kemppi / inigo kennedy
09h30 anja zaube / caleb esc

garten
23h30 cf2000
04h00 divaxs
08h00 rss disco
10h00 hw rhapsody
12h00 jessamine
14h00 elisabeth
16h00 die vögel live
17h00 resom
19h30 prosumer

eintritt
15 euro pro tag
20 euro für das gesamte wochenende (inkl. freitag)
10 euro am sonntag ab 8 uhr

nachbetrachtung
wenn ich ein haar in der suppe finden müsste, dann nur das, erst gegen 13 uhr sonntag mittag aufgeschlagen zu sein und somit viel vom geschehen am sonntag morgen verpasst zu haben. so hätte ich alienata und silva gerne mal wieder gehört – ein anderes mal halt.

ansonsten spiegelte der strahlende sonnenschein das wider, was sich über den sonntag im garten und im mdf sagen lässt. im dunkeln wurde anja zaube von der kondition des publikums wohl so überrascht, dass sie sich mit caleb esc einen partner zur seite stellte, der stilistisch sehr gut harmonierte. zwar fiel das meiste unter die aktuelle mode des leicht angerauhten technos mit industrial-soundscapes, bei dem die meisten tracks für mich so austauschbar sind, dass ich sie nicht auseinanderhalten kann. aber für die dauer des sets geht das absolut in ordnung so – am ende waren sie gute 12 stunden gefordert. da kann man nicht alle paar minuten den stil wechseln, sondern eher eine fein nuancierte entwicklung in einem stil verfolgen. hauptsache, es bleibt irgendwie tanzbar. mag sich negativ lesen, ist aber nicht so gemeint: das entsprach voll und ganz den bedürfnissen der meute, umsonst wär’s nicht so lang für die beiden geworden.
draußen gab sich auch niemand eine blöße. melodischer house von jessamine, bei elisabeth freute ich mich über die chicago-phase am meisten. ins gedächtnis eingebrannt hat sich jedoch der vögel-track, in dem sie „helter skelter“ von den beatles coverten, ansonsten war es ein schön lustiges trompeten-house-set. resom fand ich inhaltlich weniger geschlossen als sonst, ging aber als atempause für das prosumer-set im nachhinein auch vollkommen klar so. der glänzte wiederum mit dem boc-remix von „midas touch“ zum schluss – und auch sonst.
lobend erwähnt werden muss noch hagen richter, von dem ich gerne noch mehr mitgenommen hätte. das war schön auf den punkt gebrachter und gemixter techno, so dass ich mich fragte, warum der herr nicht öfter auf irgendwelchen line-ups zu lesen ist. dadurch fiel auch alex.do für mich aus, da war mir der nahende arbeitstag einfach wichtiger.

um es auf eine abschließend bewertende formel zu bringen: toller geburtstag für einen tollen club mit tollen menschen und tollem wetter. habe mich pudelwohl und in meiner absicht bestärkt gefühlt, sonntage mit vielversprechender wetterprognose lieber dort verbringen zu wollen.

[berlin / 26.04./01.05.2013] berlin nazifrei

berlinnazifrei20140426

vor lauter partytrubel sollte die politik nicht zu kurz kommen.
ein bündnis aus npd und der rechten hat für den 26. april eine demonstration angekündigt, die ursprünglich quer durch so 36 laufen sollte. nach heutiger bekanntgabe der route sieht es so aus, als ob eher mitte das wird aushalten müssen, obwohl man es sich nach aktuellem stand nicht nehmen lassen möchte, durch die rudi-dutschke-straße am taz-redaktionsgebäude entlang zu marschieren.

gegenpräsenz ist bei sowas eigentlich keine frage, nur mache ich das viel zu selten. daher für diejenigen, die ähnlich denken: versammlungsort ist die jannowitzbrücke um 12 uhr, von da aus geht es über die brücken- und heinrich-heine-straße und den moritzplatz richtung rudi-dutschke-straße, um dann irgendwann am u-bhf stadtmitte zu enden. vielleicht / hoffentlich reicht ja das gegengewicht dafür aus, dass den herrschaften mit braunem gedankengut vorher die puste aus- bzw. die lust vergeht.

wichtige links für änderungen oder den ticker:
antifa-berlin.info
demoticker.org
twitter.com/berlinNazifrei

[berlin / 12.04.2014] berghain: klubnacht

der april-termin in der stammlokalität meines vertrauens. zwei schichten werden sich nicht vermeiden lassen, wenn pete schon zum anfang spielt. andererseits passt die pause auch perfekt zu den acts, die mich interessieren.
plan: anfang bis ende milton bradley / alien rain, vor oder zu truncate wiederkommen und sich danach schweren herzens zwischen dego (ja, genau der von 4 hero) und dj deep zu entscheiden.

klubnacht

berghain
00h00 pete
04h00 stanislav tolkachev live
05h00 marcel dettmann
08h00 alien rain live
09h00 ben klock
13h00 radio slave
17h00 truncate
20h00 dj deep
23h00 norman nodge

panorama bar
00h00 ryan elliott
04h00 lpz live
05h00 big strick
08h00 aybee
11h00 breach
14h00 onur özer
17h00 cassy
20h00 dego
23h00 volcov
03h00 lakuti

eintritt
14 euro

nachbetrachtung schicht 1 (1h00-10h30)

um nicht wieder in verzug zu geraten und die resümées etwas abwechslungsreicher zu gestalten, mal wieder die quasi-live-berichterstattung mit während der nacht angesammelten notizen.

schlange um kurz vor 1 bis zu den taxen und bis 6 nicht wesentlich kürzer – da kam wohl zusammen, dass der ruf des ladens und die früh angesetzten vorzeige-residents so einige recht früh auf den plan treten ließen. andererseits hatte ich drinnen auch den eindruck, dass bestenfalls seit einer halben stunde geöffnet ist. um die zeit versammelten sich bei pete im berghain insgesamt vielleicht 50 leute.

pete selber empfand ich als irgendwie unkonzentriert. das mixing meistens gerade so passend und nicht so auf den punkt wie gewöhnlich. auch die sonst hart reingebrachten kickdrums fehlten meistens, so dass ein brett wie surgeons „intro (version 2)“ verpuffte. der ihm sonst eigene flow fehlte mir, daher für mich längst nicht so packend wie sonst. schade, kann er sonst wesentlich besser, aber das ist ja auch das menschliche daran. jedenfalls fand ich ryan elliott in der kurzen zeitspanne, die ich oben beim schlange beobachten verbrachte, in der beziehung besser.
stanislav tolkachev legte in der ersten hälfte mehr als ordentlich vor, was tempo und analoge härte angeht. sein hang zu sequenzen erinnert sofort an jeff mills. wo dieser jedoch mit somewhere in the sky in den unendlichen weiten des weltraums umherschwirrt, ist herr tolkachev sehr bodenständig. da klingen die sounds prägnanter, schriller und werden gepaart mit der härte, wie man sie in karenn-sets hört. das fasst meinen eindruck von den ersten 30 minuten des sets ganz gut zusammen, blieb jedoch leider nicht so – ab der mitte verlor er sich in beliebigkeit und das zwingende war nicht mehr so präsent wie zu beginn. da wäre evtl. ein umgekehrter set-aufbau gut gewesen, andererseits fingen lpz das mit ihrem acid-house inkl. dub-elementen in der panorama bar gut auf. erfanden das rad jetzt nicht neu, will heißen: reichte für mich nicht, dass ich mich nun näher mit ihrem veröffentlichungskatalog befassen muss, aber nichtsdestotrotz war’s gute arbeit.

mit den besten job machte jedoch marcel dettmann. wie immer mit den treibenden tracks an den stellen, wo sie hingehörten und auch house-tracks mit vocals so untergebracht, dass sie sich in das große techno-gebilde einfügten. damit heute mal besser als pete. milton / alien rain im anschluss mit einem acid-live-set, das deutliche reminiszenzen an plastikman zeigte – und das ist als kompliment zu verstehen. sehr hypnotisch, hin und wieder mit achtel-hihats, um etwas mehr schwung hineinzubringen, aber größtenteils war das schönstes kopfkino. für mich ergo der höhepunkt neben marcel, wäre nicht der füllgrad, der darauf hindeutete, was bei ben zu erwarten war.
der wiederum spielte in seiner ersten hälfte längst nicht so trocken wie befürchtet, aber zum schonen der reserven bleibt der plan mit der pause bestehen – weitestgehend jedenfalls.

nachbetrachtung schicht 2 (17h15-23h45)

eine deutlich entspanntere situation als noch am vormittag zu ben erwartet und schnell registriert, dass die nächste besucherwelle gerade im anrollen war. wenigstens auf der linken tanzflächenhälfte im berghain stimmte das platzangebot. das musikalische von truncate an sich auch, wenn man auf geradlinige funktionalität aus war. das hielt mich für jeweils 20-minütige abschnitte, aber cassy war oben auf ihre art und weise nicht minder treibend und vor allem vielseitiger. hoch rechne ich truncate die chicago-hit-phase an, u.a. mit „knock knock“ von dj funk, „feel my mf bass“ von paul johnson oder „work that motherfucker“ als ultimativen poindexter-klassiker. das sind aber eben auch alles gestandene hits. cassy blieb daher für mich im direkten vergleich locker vorne.
das gleiche gilt auch für dego, der mit seiner bremsung von techhouse bei 130 auf disco mit 110 bpm sicher so einige vor den kopf stieß, aber im folgenden verlauf ein so dermaßen persönliches set spielte, bei dem ich ihm sehr gerne zuhörte, zusah (djs, die zu ihrer musik tanzen – immer ein pluspunkt) und zuweilen auch tanzte. da sich die besucherwelle ab 20 uhr jedoch so richtig bahn brach, kamen schnell auf beiden floors wieder erinnerungen an silvester hoch.
nichtsdestotrotz war er von vorne bis hinten großartig, wobei auch dj deep für mich bei kurzen abstechern nach unten keinen schlechten eindruck hinterließ (mit den kürzlich erschienenen mark-broom-edits von robert hood und einer wax / shed bspw.). aber die entwicklung im dego-set von disco über die house-zwischenstation zu jazzigen breakbeats war die für mich interessante wahl, alleine weil man ja nicht weiß, wann sich die chance wieder bietet und es die ecken und kanten hatte, die im clubleben für das notwendige salz in der suppe sorgen – auch auf die gefahr hin, dass sie einigen nicht schmeckt, was ohne zweifel zutraf, aber das gros der meute folgte ihm.

daher als fazit hinterher: musikalisch und stimmungstechnisch im großen und ganzen ein zufriedenstellender abend, an dem marcel dettmann, alien rain sowie cassy und dego für mich die akzente setzten. den füllgrad empfand ich sonntag abend als mal wieder surreal, aber mit eine der parallelen zu silvester war, dass dies nicht zu allgemein gestressten gemütern führte. mag zur innervisions-nacht vor drei wochen anders gewesen sein, aber beachtlich ist es allemal, dass selbst nach 24 stunden betrieb immer noch mehr als 1.000 leute im club sind. der erfolg kommt ja auch nicht von ungefähr, die kehrseite der medaille ist für mich jedoch, dass die zeitspanne immer kürzer wird, in der man sich etwas freier auf der tanzfläche vergnügen kann, ohne dass es zu lasten der füße anderer oder des eigenen nervenkostüms geht. ist aber auch letztlich eine frage der flexibilität, wo sich gerade im berghain immer irgendwo ein platz finden lässt. aber mitten im geschehen ist es schon um einiges netter.

[amsterdam / 29.03.2014] trouw: imprint

drittes und vorübergehend letztes kapitel auswärtiger eskapaden, bevor es montag wieder in die vertraute heimat geht. da gehört ein besuch in dem club, der als aushängeschild amsterdams international bekannt und zudem nur noch bis ende des jahres geöffnet ist, schon zum pflichtprogramm.

imprint
sandrien

start
23 uhr

eintritt
15 euro
vor mitternacht: 8 euro

nachbetrachtung

einstieg mit (schlechtem) wortwitz, der das fazit vorwegnimmt: zum trouw sag ich „wow“!

das bild unten zeigt die frontaufnahme des eingangs um 23 uhr, und der schein trügt nicht: die schlange war um diese zeit bereits ansehnlich. wo man die clubgänger in berlin mit günstigerem eintritt vor einer gewissen uhrzeit nicht hinter dem ofen vorlocken kann, scheint das in amsterdam zu funktionieren.
an die gitter vor dem berghain fühlt man sich sofort erinnert. schlangenlinien führen zu den türstehern, es gibt sogar noch eine zweite, kleinere für die gästeliste. 40 minuten habe ich gewartet, und das geht bei zusammengerechneten 100m schon klar. sie haben auch eine türpolitik, längst nicht so hart wie die beim berghain, aber es wurde bspw. eine fünf- (oder war’s eine sechs-)köpfige gruppe junger männer mit stilaccessoires wie umgedrehtes basecap und ordentlich gel in den haaren weggeschickt. auch hier wieder parallelen zu bekannten bildern (überhaupt gibt es derer recht viele): der verzweifelte versuch, mit dem türsteher zu verhandeln. zwei male. ein augenblick, in dem ich mir wünschte, dass meine holländischkenntnisse doch etwas über „hallo / wiedersehen / bitte / danke“ hinausgegangen wären.
den bodycheck (nächste parallele) gibt es unmittelbar hinter der tür. fast wie am flughafen: alle taschen entleeren, danach abtasten, geht aber auch zügig. dann die treppe runter und den eintritt bezahlen, und an der stelle fange ich mit den kritikpunkten an:

  • man bezahlt den eintritt, bekommt aber keinen stempel. heißt im umkehrschluss, dass man den club nicht zwischendurch verlassen kann, um später wiederzukommen. da das trouw der erste club amsterdams ist, der eine 24-stunden-lizenz bekommen hat, könnte das einige schmerzen, andererseits nehmen die parties da bei weitem noch nicht die zeitlichen ausmaße des berghains an. gegen 8 uhr war an dem sonntag schluss.
  • an der wand hinter der kasse hängt ein plakat mit der bitte, keine fotos zu machen. dies ging vor kurzem durch die clubaffine medienwelt und grundsätzlich finde ich solche entscheidungen mittlerweile grundsympathisch. leider kontrolliert das nur niemand vom personal, so dass dann doch einige ungeniert ihren freundeskreis mit dem smartphone-blitz fotografieren – egal wo: mitten auf der tanzfläche, vor der bar. wünschenswert wäre hier zweierlei: die entscheidung hätte bereits bei der eröffnung getroffen werden können, so dass die leute sich nicht an das muntere knipsen gewohnt hätten und die leute beim bodycheck könnten / sollten eine klare ansage machen, dass fotos / videos nicht erwünscht sind.
  • die projektionen auf vier verschiedene durchsichtige leinwände, nebel, ordentliche stroboskope, scanner und nicht zuletzt die neonröhren in der mitte: alles klasse, aber gerade der strobo und die bunten neonröhren wurden an dem abend irgendwie zu wenig genutzt. grundsätzlich ist das licht jedoch vollkommen dem club angemessen. ebenso wie die…
  • funktion-one-anlage. klingt im vorderen bereich klasse. sobald man jedoch im bereich des lichtmanns (also quasi an der bar) ist, dreht man sich unweigerlich in richtung dj, weil ausschließlich von vorne beschallt wird. an der rückseite der tanzfläche sind keine boxen montiert, das würde (eher spekulatives denn fachliches wissen von raumakustik) noch mehr dazu beitragen, dass man sich im klang verliert.

all das ist jedoch klagen auf verdammt hohem niveau. nach dem ersten rundgang (also nach den ersten zehn minuten) hatte ich das gefühl, hier richtig zu sein. im unteren „verdieping“ (heißt „stockwerk“) wird bezahlt, die garderobe abgegeben, auf den couches geplaudert, am essensstand backwaren gekauft und wenn einen ein allzu menschliches bedürfnis plagt, sind auch gleich die toiletten da.
an manchen wochenenden ist „de verdieping“ als zweiter floor auch noch geöffnet, war an diesem samstag leider nicht der fall. sonst finden dort auch ausstellungen statt. hat damit einen eher temporären charakter, zumal das setup für die parties im untergeschoss immer wieder neu aufgebaut wird.
der „club lebowski“ setzt dem untergeschoss noch die krone auf: dort gibt’s tatsächlich drei bowlingbahnen, für die man sich bowlingschuhe anziehen kann, und ein kicker steht auch da. war gegen 2 uhr aber auch leider schon geschlossen.
das eigentliche trouw liegt ein stockwerk höher im erdgeschoss, wo seinerzeit drei niederländische tageszeitungen (u.a. eben die namensgebende „trouw“) gedruckt worden sind. und da kommt man erstmal ins staunen: an sich ist es ein riesiger langgezogener und gar nicht mal so breiter raum mit hohen decken. das restaurant mit hängenden gärten im hinterteil, und von dort aus kommt man direkt auch in richtung club – entweder von oben über die treppen oder ebenerdig.
die tanzfläche befindet sich direkt am hinteren, dunkleren ende. zunächst fand ich den aufbau seltsam: tanzfläche, bassboxen über fast die gesamte breite, dahinter das nicht erhöhte dj-pult, nochmal dahinter eine bühne. nahm zunächst an, dass die nur den freunden des hauses vorbehalten wäre, aber das stellte sich schnell als irrglaube heraus – jeder, der wollte, konnte da hoch. machten auch so einige, inklusive mir, da das der beste platz zum decksharken ist.

damit zu sandrien, die – kann man nicht anders sagen – einen tadellosen job machte und ihre acht stunden sichtlich auskostete. hatte ich zum anfang der woche im rush hour noch am rande aufgeschnappt, dass amsterdam eine house-stadt sei, war das eine option unter vielen. wenn es zur sache gehen konnte, dann mit richtig schön treibendem techno (kaum etwas erkannt, „control“ von truncate war darunter, aber das lief bereits vor zwei uhr). sonst mit der wichtigsten zutat, die ein set mit überlänge so haben sollte: spannungsbögen. wenn ich dabei dachte, dass die gemüter nun genügend abgekühlt wären, so dass sie wieder einen gang höher schalten könnte, ging es auch wieder fordernder voran. hat vor einigen monaten im berghain gespielt, wunderte mich nach der leistung auch nicht.

einzig und allein meine kondition ließ an dem abend nicht viel zu. nachdem eine klassische touristen-woche mit exkursionen nach den haag (dienstag) sowie rotterdam (mittwoch / donnerstag) hinter mir lag, an denen ich täglich (von montag bis inklusive samstag) im schnitt zehn kilometer zu fuß absolvierte, führte das in kombination mit kumuliertem schlafmangel dazu, dass ich entweder auf den treppen im hinteren bereich bei der bar saß und mir das große ganze von dort aus anschaute oder eben neben der bühne beim dj-pult, wo ich erstaunt war, dass ein tontechniker permanent daneben saß und die anlage gegebenenfalls feinjustierte. ein stück heimat gab es mit fritz-kola und club mate („nur“ die kleinen flaschen, aber immerhin) obendrauf, so dass wenigstens der kopf halbwegs bei der sache war.

was bleibt? der eindruck von einem club, der für meine begriffe endlich in einer liga mit dem berghain spielt, dadurch natürlich eine gewisse hipster-quote mit sich bringt, aber dennoch gibt das publikum gas. all das hat mich insgesamt (so wie amsterdam an sich) schwer beeindruckt, so dass ich vor der schließung ende des jahres unbedingt noch einmal ins trouw möchte – wenigstens ein mal, wenn nicht sogar öfter.

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[amsterdam / 28.03.2014] chicago social club: plak

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kapitel zwei in puncto „auswärtiges amüsement“ mit schwerpunkt auf den niederlanden. es kam hierbei recht gelegen, dass sven dort spielt.

club
sven weisemann
elias mazian
joris

bar
die rooie
rick sman
simon plays

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
wird sich alles zwar wenig schmeichelhaft und womöglich auch etwas schnöselig lesen, aber das risiko gehe ich gerne ein – den club werde ich eh nicht mehr so schnell nochmal besuchen.

die gegend um den leidseplein, wo der chicago social club direkt liegt, ist sowohl tagsüber bei shoppenden touristen als auch nachts zum amüsieren sehr beliebt. da kann man sicher sein, bis zur sperrstunde um 5:00 früh nicht alleine auf der straße zu sein, was ja schon ein gefühl von sicherheit vermittelt. die unterhaltungsmöglichkeiten teilen sich größtenteils auf bars und restaurants auf. sonst gibt es noch das schouwgebouw (theater) und das melkweg direkt um die ecke. gerade vor letzterem stand eine riesige schlange, die an manchen samstag vom berghain erinnerte.

es blieb auch sonst etwas zeit zum umherstromern, da (hier kommt der schnöselige teil) es mit der gästeliste nicht so recht klappte. noch dazu gab es ein für mich irgendwie nicht schlüssiges einlasskonzept, was aber in den meisten ländern außerhalb deutschlands praktiziert wird:
heißt soviel wie, dass ein separater seiteneingang für die gästeliste ja schon mal gut ist. wenn es dort jedoch heißt, dass ich nicht draufstehe und für den regulären eintritt (den ich auch gezahlt hätte) bitte zum vorderen eingang gehen soll, wo wiederum nach dem ticket gefragt wird, fühlt man sich jedoch etwas planlos umhergeschickt.
einen anruf und 20 minuten später startete ich den dritten anlauf bei derjenigen, die via ipad über die liste wachte – diesmal auch erfolgreich. allgemeine erleichterung, auch verständnis seitens des personals, die mich beschwichtigten, dass hier keiner hereingelegt würde, von mir mit einem lächeln goutiert, von einem der türsteher jedoch gleich mit einem „what’s the problem?“ mit diesem „sag jetzt nichts falsches“-unterton flankiert.

naja, egal. also drinnen. jacke abgegeben, tonic geholt, auf die galerie gestellt, geschaut.
elias mazian spielte derweil schon komischen vocal-house, kaum mixing, aber die leute mochten das. bei näherer betrachtung (da ist er wieder, der schnösel) passte das bild auch zum klischee der amüsiermeile draußen. gut zurechtgemachte damen und die herren gerne im richtigen hemd. eher ging’s um die selbstdarstellung als den gemeinsamen spaß. ein trauriger „höhepunkt“ war, dass einer der herren eine junge dame aus seiner nähe wegschubste, die nicht auf seine anmachversuche reagierte. ein glück passierte dabei nichts weiter schlimmeres.

sven versuchte, mit qualitativ hochwertigem house zu überzeugen. den paar anwesenden musiknerds im laden wird dabei (hoffe ich zumindest) schon etwas das herz aufgegangen sein, aber wenn, dann waren die in einer verschwindend geringen minderheit. selbst als er kurz vor schluss „knights of the jaguar“ spielte: es gab kaum bis gar keine über das normalmaß hinausgehende reaktion des publikums. bis dahin probierte er es mit einigem aus der trickkiste, um zu sehen, was am besten ankommen würde, aber das ist schwer herauszufinden, wenn vor einem zwar etwas die hüften gewackelt werden, aber sonst nichts nennenswertes vom publikum kommt.

um es auf den punkt zu bringen: leider war die musik nur untermalung für den catwalk bzw. zur anbahnung zeitlich flexibel handhabbarer beziehungen – wie in einer normalen diskothek eben, so jedenfalls mein eindruck. das passt zwar sehr gut in diese umgebung, bietet für mich jedoch keinen wohlfühlfaktor, geschweige denn überhaupt einen grund, nochmal einen fuß in den club zu setzen. plak wäre als reihe auch ganz gut beraten, sich anderweitig umzusehen, damit deren bookings auch etwas dankbarer aufgenommen werden.