[berlin / 03.08.2013] berghain: klubnacht

und wieder die treue unter beweis stellen. auch wenn ich die musikalische entwicklung ian pooleys in den jahren nach 2000 wirklich nicht in weiten teilen mittrage, nutze ich die gelegenheit, um ihn in aktion zu erleben. herr dettmann ist sowieso stets einen besuch wert, aber vor allem möchte ich den garten mal wieder sehen, der im letzten jahr aufgrund der witterung bei meinen visiten stets geschlossen war. bei dem freiluftprogramm wird es (eine stabile witterung vorausgesetzt) leicht, das gewissen zu beruhigen, sich lauter musik in clubs hinzugeben anstatt sich im see abzukühlen.
plan: doppelschicht. die erste von ein wenig pooley bis herrn dettmann, schönheitsschlaf bis mittag, und dann den sonntag genießen.

klubnacht

berghain
00h00: ian pooley
04h00: beroshima live
05h30: marcel dettmann
08h30: len faki
12h00: jerome sydenham
17h00: freddy k
21h00: henning baer
01h00: mørbeck

panorama bar
00h00: anthea
04h00: matthew styles
05h00: monika kruse
08h00: andhim

garten
12h00: grizzly & peter a.
16h00: sven weisemann

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
auch wenn pläne nicht ganz zum partyleben, jedoch umso besser in die vielzitierte work-life-balance passen und ich mir damit gerne den schuh des pedanten anziehe: ja, es lief genau nach plan. erste schicht von herrn pooley bis zu marcel dettmann, die zweite von der mitte des grizzly-sets bis kurz vor mitternacht. hat dann auch gereicht.

war so gegen 2 uhr da, wo ian pooley schon gut unten gas gab. unter anderem die killabite 2, „diabla“ im sls-remix und dave clarkes „southside“ hat er gespielt und mich damit gut zwölf bis 14 jahre zurück katapultiert – fühlte sich ganz gut an, fand es nur so früh etwas schade. obwohl es gut gefüllt war, sind das alles tracks, die gerne mal wieder mehr leute hören könnten, die das alles von damals nicht kennen. anthea konnte oben auch eine gut gefüllte tanzfläche mit ganz normalem house bei laune halten.
beroshima fand ich nicht sonderlich zielführend. hatten so in der mitte eine ganz gute treibende phase (da lief auch eine variante von „electronic discussion“), aber mich trieb das set eher nach oben zu matthew styles, der das gegenteil von unten demonstrierte. hatte eine klare linie im set, auch wenn es mich jetzt nicht dazu zwang, dass ich mir seine veröffentlichungen zulege. aber cluborientiert war das in jedem fall.
zu marcel dettmann kann ich mich nur wiederholen: status als lieblings-vize-berghain-resident neben pete erneut gerecht geworden, da waren drei stunden fast zu kurz. aus gründen der gesundheit oder der kraftreserven jedoch goldrichtig.

zweite runde, direkt in den garten, der im berghain-forum meiner meinung nach zu unrecht miesepetrig bedacht wird. etwas gemütliches wie im about blank oder kater holzig kann und sollte man nicht erwarten. ich fand es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, dass die tanzfläche nun im container liegt und die ursprüngliche nun als deren erweiterung dient. aber die wasserschläuche gibt es noch und überhaupt sind die kleinen hügel und die verschiedenen nischen mit den bereits seit jahren bekannten betonbänken doch gemütlich. passt stilistisch meiner meinung nach zur unterkühlten ästhetik des clubs, zum davonlaufen ist der garten jedenfalls nicht. würde ihn jedenfalls der panorama bar bei 30+x grad vorziehen, aber gut, da würde ich eh zusehen, mich anderweitig herumzutreiben.
von peter a. habe ich wenig gesehen, jedenfalls nicht hinter dem pult. stattdessen schwang grizzly gewohnt gut das zepter, gleiches gilt auch für sven weisemann später. zu jerome sydenham habe ich so kurze abstecher gemacht, dass es für eine bewertung nicht reicht, freddy k hingegen traute sich, alte dance-mania und (wirklich zum frohlocken) „ringbinder“ von neil landstrumm zu spielen. das alles auch in einem schönen treibenden tempo, was mich durchaus länger als eine viertelstunde im berghain halten konnte.
henning baer profitierte danach von der schließung des gartens und der dritten (?) welle an gästen, denen in den sommermonaten sonntags nichts anderes als das berghain übrig bleibt, da die panorama bar nach dem ende im garten nicht mehr öffnet. als ich gegen 23h30 den heimweg antrat, war die tanzfläche jedenfalls so voll wie in einer guten samstagnacht.

in summe: wieder mal ein schöner abend im durchaus oberen berghain-mittelfeld.

[berlin / 31.07.2013] berghain-kantine: killekill summer camp

killekillsummercamp2013

für sechs wochen geht es zurück an den ort, an dem alles begann. auftakt war am 10. juli, ich darf bei folgendem termin dabei sein.

killekill meets prologue meets 29novfilms
anfang: stype ableton-set
mitte: sebastian kökow
schluss: tom bonaty

start
22 uhr

eintritt
8 euro

nachbetrachtung

torschlusspanik, bevor es von zuhause aus in richtung berghain-kantine ging: „wo ist denn mein set mit den notfall-cds?“ wieder mal auf meinen mangel an ordnungssinn schimpfend, vergingen so einige minuten mit vergeblicher suche. noch dazu wollte der hunger irgendwie noch schnell gestillt werden. war alles etwas hektisch und die zeit zwischen feierabend und setbeginn eh etwas knapp bemessen. also schnell ein paar der groove-cds geschnappt, die im falle eines spontanen kollaps des macbooks zumindest für musik hätten sorgen können, ohne dass ich die tracks darauf jetzt im einzelnen gekannt hätte. wäre für die spontaneität aber eine schöne übung gewesen.
also zusehen, den aufbau ab 21h45 rechtzeitig fertig zu bekommen, aber dabei auch bemerkt, dass eh noch die leinwand für die visuals montiert werden muss und überhaupt kein strenger zeitplan eingehalten werden musste wie nebenan.
es kam auch nicht soweit, dass ich schnell in die tasche zu den cds greifen musste. mac osx sowie festplatte liefen stabil und auch die interaktion zwischen lemur und laptop lief im gegensatz zum so36 vier wochen zuvor ohne probleme. was den übergang von klangtexturen ohne kickdrum bei 100 bpm zu 127 in drei stunden angeht, klappte auch das erstaunlich flüssig, zumindest ich hatte (selten genug) während des sets den eindruck, dass die vorab getroffene auswahl in sich schön harmonierte. es gab jedoch einen haken: während des sets verirrten sich vielleicht mal fünf leute auf die tanzfläche, der rest saß entweder an der bar oder draußen. an der untanzbarkeit wird es nicht gelegen haben – hoffe ich zumindest. jedenfalls gab ich mir mühe, es den anwesenden nicht zu schwer werden zu lassen.
kaum war das set beendet und sebastian mit einem intro ohne beats gestartet, kamen die leute neugierig herein, und das waren wenigstens zehn an der zahl. ab da füllte es sich auch etwas, aber das ist schon schwer, sowas nicht irgendwie persönlich zu nehmen. eventuell ist das mit längeren breaks zwischendrin ein ganz gutes mittel, das ich demnächst mal ausprobieren sollte, wenn das mit der publikumsgewinnung so einfach geht.

es ist wie es ist. nachdem ich mir das set selbst ein paar male angehört habe, bleibe ich dabei, dass ich mir keine vorwürfe zu machen brauche. könnt ihr gerne anders sehen und es mich wissen lassen. nachhören lässt es sich jedenfalls hier:


download

[berlin / 19.07.2013] kater holzig: studio r° micro festival

als ob es nicht reichen würde, ständig in den einen club zu rennen, der seinen status als aushängeschild wochenende für wochenende mit entsprechender warteschlange vor der tür und nach wie vor ungebrochenem hype zementiert. nun ist die nächste in-lokalität an der reihe – einer der legitimierten nachfolger der bar25, anderer musikalischer fokus, andere ästhetik, andere feierkultur. die räumlichkeiten kenne ich zwar bereits, jedoch nur vom regelmäßig stattfindenden flohmarkt und einem theaterabend mit kurzem (passiven) ausflug zum katerswing, was aber zugegebenermaßen ziemlich charmant war.
da es ende august dort vorbei ist, um platz für weitere wohnungen in den alten gemäuern zu schaffen und die gerade die in unmittelbarer nähe entstehende nachbarschaft nicht durch laute musik zu stören (wobei meinen beobachtungen nach dort gerade richtfest gefeiert worden sein müsste), möchte ich – im gegensatz zur bar25 – wenigstens einmal mitreden können. dabei kommt mir das ansprechende programm gerade recht.
einen timetable gibt es bei facebook zwar, aber der ist lückenhaft. daher ist hier nur das line-up aufgezählt.

studio r° micro festival

hütte
soulphiction
freund der familie
eric cloutier
kareem
korablove live
peter schumann
maximilian hertz
oskar offermann & edward

heinz
sven weisemann
hakim murphy
cem orlow
doyeq live
glazov live

fischritzler
tom tom groove
revulet rec

start
23 uhr

eintritt
10 euro

review
meine kater-premiere also. ganz ohne vorurteile war dies bei der vorgeschichte des clubs nicht möglich. ist bei mir wahrscheinlich erst wieder drin, wenn neue organisatoren an einem vollkommen neuen ort etwas auf die beine stellen.
aber ich schweife ab: vor ort erst nach 1 uhr und damit erfolgreich das berliner ausgehverhalten adaptiert, wobei dies dem vorschlafen geschuldet war. die schlange vor der tür kann man durchaus mit einem mittelprächtigen berghain-samstag vergleichen, auch hier mit zwei eingängen, so dass die liste schnell abgehakt werden kann.

und wie sieht es mit den klischees aus? trafen zum teil zu, anderes hat mich positiv überrascht. da ist natürlich die detailversessenheit bei der dekoration, die bei der verwinkelten lokalität voll ausgelebt werden kann. der klang der kirsch audio im heinz mit holzboden ist auch sehr anständig, zu hell fand ich es darin auch nicht, und die ausgewiesenen unisex-toiletten mögen manche vor den kopf stoßen (es gibt nichts anderes), aber mit der berghain-erfahrung, dass die trennung nur rein formell stattfindet, störe ich mich als letztes daran.

und sonst so?
musikalisch gab es für mich bis 10 uhr (da bin ich wieder gegangen) keine großen ausfälle, wobei ich den größten teil der zeit eh mit rumlaufen oder irgendwo rumsitzen beschäftigt war.
doyeq fand ich im heinz angenehm dubbig. hakim murphy bediente sich zu weiten teilen bei rauhen, analogen sounds, wirkte auf mich aber zu verplant und ohne klare linie im set. die gab es bei sven weisemann, dank dem ich seit einer ewigkeit mal wieder „push push“ von rockers hi-fi im club hören durfte. leider spielte er zeitgleich zu freund der familie, die schön an den trockenen, aber passenden stil von soulphiction anknüpfen konnten.
eric cloutier geht für mich als heimlicher gewinner hervor, seines zeichens mitorganisator der bunker-parties in new york. breites spektrum, könnte auch auf einem techno-floor bestehen, überzeugte jedoch mit techhouse in der hütte bei moderater lautstärke, so dass ich darauf hoffe, dass irgendwer ihn hier bald wieder buchen wird.
glazov sorgte im heinz mit düsteren dubbigen klängen für einen schönen ausklang, korablove stand in der hütte draußen für mich zumindest für den stereotypen stil, der zwar nett im hintergrund vor sich hinplänkeln kann, mich aber nicht an ort und stelle halten konnte.

kann ich also empfehlen, diesen kater. wird wahrscheinlich mit dem line-up stehen oder fallen, aber sieht man von dem hype ab, der durch das eher früher als später nahende ende noch etwas angefacht werden dürfte, hat man es hierbei mit einem club zu tun, der auf mehreren ebenen bestens funktioniert. eine feierhölle wie das berghain will er gar nicht sein, obwohl man dies im heinz durchaus im ansatz haben kann. ich hätte das publikum jedenfalls nicht so euphorisch erwartet – das war beispielsweise eines der vorurteile, die schnell ad absurdum geführt worden sind: die leute sind nicht mit sich selbst beschäftigt, eher im gegenteil. die gerade in der hütte gedämpfte lautstärke oder der hof, beziehungsweise das ufer, laden dazu ein, sich auch mal zu unterhalten, ohne sich gegenseitig ins ohr brüllen zu müssen. ein gewisses wohlfühlambiente sorgt für den rest. hipster? ja, gibt es. aber wo ist das nicht der fall?
sofern es sich vor oder zur schließung nochmal einrichten lässt, werde ich es nochmals versuchen. andererseits kann ich auch bis zur eröffnung des clubs auf dem holzmarkt warten.

[berlin / 12.07.2013] berghain: sub:stance

da ist es, das plakat / line-up zum finale.
wer sich fragt: berghain und panorama bar werden bespielt. vom ablauf weiß ich noch nichts, ist aber auch nicht so wirklich wichtig. wenn dillinja nur halb so gut wird wie vor zwei jahren, lohnt sich der ausflug.

substance20120712

berghain
00:00: paul spymania
01:30: peverelist b2b appleblim
04:00: shackleton
05:00: dillinja b2b marcus intalex
07:00: headhunter b2b scuba

panorama bar
00:00: scuba b2b will saul
03:30: wookie
05:00: george fitzgerald b2b roska
07:00: trevino b2b martyn
10:00: nd_baumecker b2b john osborn

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
das fazit zuerst: würdiger abschluss, mit einem paradoxon. aber dazu dann doch später.

einen kleinen wermutstropfen gibt es: paul spymania habe ich verpasst. seine von umfassendem geschmack geprägten sets werden mir schon sehr fehlen, so dass ich nur hoffen kann, dass er in einer der anderen freitagsreihen unterkommt.
nach oben habe ich es übrigens erst zum duo baumecker/osborn geschafft, bis dahin war es unten einfach zu kurzweilig.
appleblim und peverelist spielten stilistisch für mich das, was den flirt zwischen techno und dubstep ausmacht: livity sound, swamp 81 oder diverse hessle-sachen, die breakbeats mit dem besten aus der ästhetik beider stile durchdeklinieren, dass es zumindest mir immer noch nicht langweilig werden will.
shackleton war ein einstündiger trip, bei dem mir leider der moment fehlte, in dem die mörderische bassline die magengrube massiert. war zwar schade, aber dafür kam das kopfkino nicht zu kurz. er spielt in seiner eigenen schublade und steht für meine begriffe durchaus dafür, was am ende der sub:stance-mission stehen könnte, wenn man sie denn so nennen will.
von der kombination dillinja/intalex hatte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. richtig back-to-back war das nicht, vielmehr eine aufteilung in halbstündige intervalle für jeden. dillinja klar der brachialere von beiden, aber ehe das so richtig fahrt aufnehmen konnte, war entweder wieder marcus dran oder eben scuba mit headhunter.
die beiden sind übrigens für das paradoxon der party mitverantwortlich. sie spielten strikt dubstep vor 2010, also dmz, deep medi musik, tempa, alte hotflush-sachen, auch distance – kurzum: all das, was man gemeinhin als blaupause versteht. sie schafften es dabei jedoch, so zeitlose tracks auszuwählen, dass das set futuristischer klang als manche gesamte sub:stance-ausgaben zuvor. schade jedoch, dass um 10 uhr so abrupt schluss war. vom füllgrad und gerade der stimmung her wäre da noch einiges mehr gegangen.
also ab nach oben: herr baumecker mit melodien und vocals, herr osborn eher trocken – das war die aufgabenteilung zwischen den beiden, die vier stunden sehr gut harmonierte und funktionierte. nun weiß ich auch endlich, wie die leute samstag mittag auf das ende vorbereitet werden: die jalousien gehen nach oben, das tageslicht erledigt den rest.
kurz vor schluss noch schnell das souvenir gesichert. die wahl bestand aus der sub:stance-vinyl-box inklusive hochglanzdruck von allen flyerentwürfen oder zwei shirt-motiven. shirts bleichen irgendwann mal aus oder riechen komisch, von daher brauchte ich nicht lange zu überlegen. leider steht der sampler musikalisch für die sub:stance-ausgaben, die sehr nah an normalen klubnächten im berghain dran waren (heraus stechen für mich nur die tracks von john osborn und appleblim), aber die aufmachung ist dafür toll. ich hätte mir dennoch mehr mut bei der auswahl an tracks gewünscht. der bereits erwähnte spross aus techno und dubstep, wie er bei appleblim und peverelist zu hören war, wäre repräsentativer für das gewesen, was die sub:stance bewegt hat. aber als konsument argumentiert es sich immer bequem.

die fünf jahre haben meinen musikalischen horizont jedenfalls nicht nur erweitert, sondern auch sehr bereichert. selten habe ich mich ärgern müssen und auch der verlust der sub:stance ist nur ein vermeintlicher. eine woche später fand die „correlation“ unter der ägide von michail stangl (not equal / leisure system / boiler room berlin) und einem couragierten line-up statt. da war ich zwar leider im kater, hätte aber zu gerne einen blick riskiert, ob beispielsweise das set von dj randall ähnlich aufgenommen wird wie die drum&bass-sets zur sub:stance. deren großes verdienst ist es, die tür für musikalisch interessante(re) freitage im berghain weit aufgestoßen und auch mittlerweile beim samstag spuren hinterlassen zu haben. wenn da mittlerweile jemand wie pangaea spielt, zeigt das schon, dass eine gegenseitige beeinflussung stattgefunden hat. insofern: ziel erfüllt. danke für alles!

[lärz / 27.-30.06.2013] fusion festival 2013

myownpersonalfusionentrypass

die darf ich übermorgen, wenn es donnerstag vormittag in richtung lärz geht, nicht vergessen.
zugegeben: das resümée für letztes jahr steht immer noch aus. wer jedoch eins und eins zusammenzählen kann, wird sich denken können, dass 2012 wieder einen guten eindruck gemacht zu haben scheint, so dass ich in diesem jahr wiederkomme (soviel sei vorweggenommen: einen verdammt guten).
zwar ist die vorfreude nach diversen blicken auf die heute verregnete hauptstadt etwas gedämpft, aber das bleibt ohnehin stets als restrisiko. mit entsprechend positiver grundstimmung, bzw. dem positiven stress, sobald ich einen fuß auf den camping-acker gesetzt habe, wird sich aus diesem jahr sicher etwas machen lassen – so wie die male zuvor auch.
infos zur anfahrt, tickets (in diesem jahr ein noch leidigeres thema als sonst), line-up und philosophie wie immer bei ihnen direkt. die nachbetrachtung dann hier, irgendwann – versprochen.

review

langfassung

zeigen

kurzfassung

voll, aber auch voll toll. mag daran gelegen haben, dass der üblicherweise samstag herrschende zustand von desorientierung beziehungsweise realitätsverschiebung bei mir bereits freitag abend einsetzte. ich habe dieses jahr gelernt, dass die schiere reizüberflutung aus optischen installationen, musik und vor allem menschen von allerorten her dazu führt, daher war es im nachhinein (auch aufgrund der temperaturen) richtig, samstag abend / nacht den anderen zu überlassen und einen entspannten sonntag zu erleben.
war 2012 in elektronischer hinsicht für mich recht ernüchternd, war die fusion 2013 mit eine der besten in dieser beziehung. es fehlte zwar der act, bei dem mir die kinnlade runterklappte, aber dafür war niemand dabei, den ich jetzt als totalausfall bezeichnen würde (bis auf missill vielleicht und jimi tenor, bei dem ich einfach einen schlechten tag annehme).
ansonsten das namedropping derer, die nachhaltig eindruck hinterlassen haben: fil, felix k, lakker, felix kubin, dendemann, die art, faust, redshape, gerd janson, puppetmastaz, otto von schirach, kadebostany. ansonsten danke an die patenten und gutgelaunten damen vom apfelkrapfen-stand an der casbah, an den essensständen (leider war der wagenburger schon sonntag alle, bevor ich dort zuschlagen konnte), den bars und der safe area (o-ton, bevor ich smartphone und kamera-akku zum aufladen geben wollte: „erstmal was zusammen trinken.“ – einer der augenblicke, in denen ich meine abstinenzler-haltung kurz bereute.) und an diejenigen mit einem lächeln im gesicht, was trotz des wetters und meinem eindruck nach ziemlich viele waren.
toll natürlich mal wieder die unzähligen installationen, beispielsweise die fontäne am eh schon schön gestalteten see an der seebühne und nicht zuletzt die drachen von aerosculpture. außerdem die prominent ab freitag aushängende pillenwarnung. das sind alles details, die zeigen, dass dem kulturkosmos so einiges daran liegt, die gäste möglichst zu umsorgen und die es mir leicht machen, trotz des füllgrades und dem ticket-wirrwarr im nächsten jahr wieder dabei sein zu wollen.

[berlin / 01.07.2013] so36: montech

frisch von der fusion geht’s auf ein neues nach kreuzberg. wer also nicht in lärz bei den bachstelzen weitermachen möchte, bzw. es etwas härter und erdiger mag, kann sich gerne beim montäglichen techno-stelldichein sehen lassen.

nachtrag, 26.06.2013, 22h45: statt hanno spielt sheldon drake.

killinme20130701

ablauf
anfang: dj flush
mitte: stype ableton-set
schluss: sheldon drake

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

nachdem der heimweg von der fusion mal eben fünf stunden dauerte, ging es mit kurzer schlafpause zwischendurch also nach kreuzberg. da kam es schon etwas zupass, den mietwagen aufgrund des staus einen tag länger behalten zu können.
vorgenommen hatte ich mir die rezeptur, die beim letzten mal im so36 sowohl publikum als auch mich zufriedenstellte. techno mit option auf breakige passagen also. neu jedoch war, dass ich frisch mit lemur ausgestattet ausprobieren wollte, wie das mit dem beiseite gestellten laptop so klappen könnte.
lässt sich mit dem berühmten „satz mit x“ zusammenfassen. ipad mini und macbook sahen sich zwar stellenweise, jedoch war die verbindung trotz adhoc-netzwerk und nicht mal zwei meter reichweite so unzuverlässig, dass sich dadurch keinerlei tracks starten ließen – jedenfalls nicht zuverlässig. mit fehlerbehebung ist es während des sets immer etwas schwierig, insofern stieg ich nach einer halben stunde auf das bewährte prinzip um und verschob das experimentieren auf daheim. resultat dessen ist der bereits präsentierte dritte schnellschuss, und die einsicht, dass ich es doch lieber gleich mit einem einstelligen wlan-kanal hätte versuchen sollen.

ansonsten ein abend, an dem sich alle beteiligten wahrscheinlich etwas komisch vorkamen. keine ahnung, ob es an den fusion-nachwehen lag, aber bestenfalls 30 zahlende reißen mich jetzt nicht zu begeisterungsstürmen hin. vor dem hintergrund des dämpfers, den mir die technik verpasst hatte, dem fusion-jetlag und dass es keinen spontanansturm geben wird, habe ich auch gerne früher an sheldon übergeben.

[berlin / 14.06.2013] suicide: killekill overkill – fünf jahre killekill

die zeit rennt im killekill-hauptquartier wahrscheinlich immer schneller. in den drei jahren seit aufgabe des mittwochs in der berghain-kantine hat sich durch die präsenz im suicide am freitag und auch im horst (rip) so einiges getan, woran auch sicherlich das label einen großen anteil hat.
nun sind also fünf jahre rum, und das wird mit großem bahnhof an der warschauer brücke gefeiert. da ich am samstag wieder beruflich (also in dem, der eher tagsüber stattfindet) gefordert bin, wird es von mir keine nachbetrachtung geben, da ich mir 2 uhr als absolute grenze gesetzt habe. werde mich aber um einen gastkommentator bemühen.
ansonsten wie immer: danke für musikalische kontrapunkte im berliner nachtleben, für den enthusiasmus gegenüber produzenten und djs, für bookings, bei denen einem freie hand gelassen wird und für das familiäre miteinander – und alles gute für die nächsten jahre!

p.s.: das sommercamp schlägt (nach einem jahr auszeit) seine zelte in diesem jahr wieder vom 10. juli bis zum 21. august in der berghain-kantine auf.

killekillwirdfuenf

start
24 uhr

eintritt
10 euro

review
(von gastautor spacecake, der sich vor meiner überfallartigen bitte zwar erst zierte, nun aber eine nachbetrachtung abgeliefert hat, die mich in puncto schreibstil, reaktionszeit und mittlerweile auch der ausführlichkeit ziemlich alt aussehen lässt. danke dafür!)

wie versprochen dann also mein gastbeitrag. was das reviewen angeht, habe ich wohl kaum so viel erfahrung wie der hausherr und auch meine musikkenntnisse sind eher bescheiden. ich werde mir mühe geben, bitte aber schon einmal um etwas nachsicht mit mir.

der auftakt des abends gestaltete sich erst einmal sehr entspannt. flush hatte freunde und wegbegleiter der letzten fünf jahre zum grillen eingeladen, woran ich dank stype ebenfalls teilhaben konnte. dazu bleibt mir nur anzumerken, dass flush nicht nur tolle platten auflegt, sondern auch einen sehr leckeren kartoffel-gurken-salat macht. und stype macht nicht nur hinter dem dj-pult eine gute figur, auch am grill kann er überzeugen.

aber nun zum kern des abends, die große geburtstagssause. für die eiligen leser will ich es gleich vorweg nehmen: es war toll und absolut standesgemäß. das line-up klang ja schon vielversprechend und mich jedenfalls hat es nicht enttäuscht.

den anfang machte drinnen sebastian kökow, der schon früh eine ganz gut gefüllte tanzfläche bespielen konnte. sein set war meinem gefühl nach für die uhrzeit recht düster und hart, aber das publikum nahm es problemlos an. jemand mit mehr hintergrundwissen als ich könne bestimmt den ein oder anderen tracknamen nennen, sogar ich habe ein paar stücke gehört, die mir bekannt vorkamen – leider kann ich damit nicht dienen. insgesamt fand ich das set sehr überzeugend.

kurz nach 2 hat dann der gastgeber den platz am pult übernommen und eines seiner typischen, stimmungsgeladenen (sorry für die phrase, aber das trifft es am besten) und abwechslungsreichen technosets zum besten gegeben. und das hat, wie immer, sehr großen spaß gemacht. dem publikum ebenso wie mir. als perle sei hier ausnahmsweise mal ein track genannt, der das ganze auf den punkt bringt: x-101 – sonic destroyer (dank an erwan…).

im anschluss daran wurde es haarig. verantwortlich dafür waren die zwei herren, die um halb 4 die provisorische bühne betraten, die vor dem pult aufgebaut war. anzüge, langhaarperücken, hinter fellmasken verborgene gesichter: furfriend gaben ihr live-debüt. die musik und insbesondere die texte dürften hinlänglich bekannt sein (youtube hilft), wobei es eigentlich nur eines dazu zu sagen gibt: fuck! hätte man zählen wollen, wie oft das wort in den folgenden 45 minuten fiel, hätte man gut zu tun gehabt. der auftritt kam beim publikum gut an, wobei vor allem die optik eindruck machte, nach der zahl der gezückten handykameras zu deuten. getanzt wurde dadurch deutlich weniger, aber darum geht es bei solchen acts ja auch nicht in erster linie. leider verlief aber auch die interaktion mit dem publikum nicht ganz so wie die macher sich das gewünscht hätten. auf die regelmäßig eingestreuten direkten ansprachen („do you like to fuck?“) kamen oft nur zögerliche bestätigungsrufe zurück, manchmal auch gar nichts. dabei gaben sich furfriend durchaus mühe, einschließlich eines kurzen ausflugs mitten ins publikum. vielleicht lag es an der sehr schlechten verständlichkeit der ansagen durch das mikro. direkt vor dem lautsprecher kam bei mir meist auch nicht mehr durch als das f-wort. insgesamt fand ich es jedoch eine sehr spaßige angelegenheit, aber eben mehr zum zuschauen als zum tanzen (was durchaus möglich gewesen wäre).

im anschluss dann der headliner: neil landstrumm. zu ihm muss man eigentlich nichts mehr sagen, so lange ist der mann schon dabei. seine livesets zeichnen sich vor allem durch 2 dinge aus: härte und verschwurbelte sounds (zum vergleich ein set von 1995: https://soundcloud.com/dynamic-tension/neil-landstrumm-live-at-hog). früher analog unterwegs, spielt er heute mit einer mischung aus laptop und analogen geräten (bei fragen: stype kann bestimmt was dazu sagen), was er gekonnt zu nutzen weiß. um es anders zu sagen: wow, was für ein set! er war definitiv der schnellste an diesem abend, sowohl was die bpm zahl angeht als auch das „mixing“. bei gefühlt 140bpm hat kein sound mehr als eine halbe minute spielzeit bekommen, bevor er wieder von etwas anderem abgelöst wurde. die musik war ununterbrochen im fluss, hat sich ständig verändert und dabei keine sekunde an tempo nachgelassen. so muss ein liveset sein. das publikum sah zwar teilweise etwas überfordert aus, ging aber die ganze stunde gut mit. ich hatte definitiv großen spaß an dem set – und war am ende auch ziemlich tot.

so erschöpft habe ich dann zum ersten mal in dieser nacht den garten für mehr als eine minute besucht und es mir im sessel bequem gemacht, um snuffo (eindeutig an seiner maske zu erkennen) zuzuhören. er spielte groovigen techno, passend zu stimmung und uhrzeit, aber mir reichte es dann doch. gegen halb 7 habe ich dann das feld geräumt.

alles in allem ein sehr runder abend, der ziemlich gut gezeigt hat, wo sich killekill in der elektronischen musiklandschaft einordnet: techno mit anspruch und geschichtsbewusstsein, ohne dabei das „früher war alles besser“ auszurufen, sondern vielmehr deutlich nach vorne zeigend wie auch die eigenen produktionen immer wieder beweisen. sowohl für die partyreihe als auch das label gilt flush größter dank. man merkt, wie viel arbeit, zeit und herzblut in dem projekt steckt, und es ist schön zu sehen, dass das auch vom publikum honoriert wird. ich glaube, man kann von der partyreihe und dem label auch in den nächsten fünf jahren noch einige spannende neue sachen erwarten. ich freue mich darauf!

[berlin / 13.06.2013] about blank: impulse – 2 years abyssal

da wird abyssal schon zwei jahre alt, fährt alles an residents auf und wird wohl die üblich breite palette bieten. ehrensache, dort vorbeizuschauen.

impulse – 2 years abyssal

drinnen
hatti vatti
whø
ddm
turrican
effekthasch vj

draußen
alhek
mogano
drøp
fu

start
24 uhr

eintritt
5 euro

nachbetrachtung

und da ist es passiert: das blog auf ausstehende nachlesen durchforsten und dabei auf eine party stoßen, an die ich mich nicht mehr erinnere. daher mal allgemein gehalten mit dem, was ich mit sicherheit weiß: ich habe mich nicht geärgert, dort gewesen zu sein und mich wie immer schön mit fist van odor am rande der tanzfläche unterhalten. daher sorry an die leser und auch an abyssal, aber andere ausgaben sind von diesem jahr eher im gedächtnis geblieben. andererseits hätte eine zeitnahe nachbetrachtung jetzt wohl wieder bilder des abends ins gedächtnis zurückgerufen. normalerweise funktioniert das umgekehrt ganz gut.

[berlin / 07.06.2013] berghain: not equal / get perlonized

und wieder auf gewohnten pfaden, diesmal beim industrial-geprägten ableger der leisure system unter eigener flagge. wer den zeitplan für die panorama bar vermisst: bei perlon gibt es den niemals.

notequal20130607

berghain: not equal
00h00: opium hum
02h00: admx-71 live
03h00: kryptic minds
04h30: oake live
05h30: douglas mccarthy
07h00: mondkopf

panorama bar: get perlonized
daniel bell
horror inc live
sammy dee
zip
jörg franzmann video

eintritt
14 euro

review

leider konnte ich mich erst kurz nach 2 uhr aufraffen, weshalb ich nur die hälfte von adam x mit seinem industrial-projekt mitbekommen habe. die konsequente bassgewalt bei 115 bpm und darunter war dabei wohl nicht jedermanns sache – ich fühlte mich etwas an vladislav delay zur leisure system letztes jahr erinnert, bei dem sich auch einige ratlos am rande des floors oder mittendrauf versammelten. der rest stimmte auch bei adam x mit den füßen ab und ging nach oben. dabei war der sound von der ästhetik her wie für das berghain geschaffen, aber weniger leute auf der tanzfläche schaffen immer ganz gute voraussetzungen zum störungsfreien genuss.
das änderte sich bei kryptic minds wiederum, wo ich mich fortwährend fragte, wieso man in fünf jahren sub:stance nicht alles daran gesetzt hat, sie / ihn zu holen. reiht sich nahtlos in die bestenliste der sets 2013 ein, weil das genau die schnittstelle zwischen techno und dubstep (im weitesten sinne) war, die bei mir über anderthalb stunden keine langeweile aufkommen lassen wollte. wäre für meine begriffe auch samstag nacht nicht verkehrt, aber den meisten wahrscheinlich nicht geradlinig genug.
das gab es wiederum bei daniel bell oben, von dem ich trockenen minimalismus erwartete. spielte er auch, aber dabei mit so unerhört dickem groove, der das set so zwingend klingen ließ, dass ich weite teile von oake (waren mit ihrem industrial-drone-ansatz mit mehr oder weniger gekreischten vocals nach einer halben stunde nicht so ganz meins) und douglas mccarthy (der ein techno-set mit vielen anleihen bei ebm spielte) ihm zugunsten habe sausen lassen.
mondkopf hatte zum schluss keine mühe, einen freitagabend bzw. samstagmorgen mit techno ausklingen zu lassen, bei dem das berghain zwar nicht über einen 75%igen füllgrad hinauskam, aber an dem sich zeigte, dass vermeintlich unvereinbare stile über den abend verteilt doch ein gesamtbild abgeben können. stimmungstechnisch war es unten dennoch schwieriger als in der aufgeheizten panorama bar, die auch unter den perlon-residents richtiggehend euphorisch reagierte.

musikalisch also mehr als zufriedenstellend, womit ich mal wieder meine neigung zu untertreibungen gezeigt habe. kryptic minds, daniel bell und auch admx-71 als meine höhepunkte, und genügend platz zum tanzen kam mir insbesondere bei erstgenanntem gerade recht. sonst war es schön, eine ausgelassene panorama bar zu sehen, die quasi jeden neuen track, den herr bell so auf die technics packte, mit jubeln begrüßte.

[berlin / 31.05.2013] suicide: damage labelnacht

es muss auch mal andere clubs geben. die gründe erschließen sich durch näheres hingucken beim line-up, denke ich.

damage labelnacht

drinnen
alexander kowalski live
heiko laux
marcel heese & mario berger back2back
d_func

draußen
sender berlin
ray kaijoka

start
24 uhr

eintritt
10 euro

review

aufgrund der witterung gab es ein zusammengeschrumpftes line-up. sender berlin und ray kaijoka spielten zum anfang drinnen, heiko laux später, aber mitbekommen habe ich keinen von ihnen, da ich erst ziemlich spät nach dem vorschlafen gegen 5h00 auftauchte, wo alexander kowalski gerade angefangen hatte.
bei ihm muss ich lange überlegen, wann ich ihn das letzte mal gehört habe. das könnte sogar noch zu zeiten des alten tresors gewesen sein. tresor-park 2004, so in der richtung. verlernt hat er seitdem nichts, an der rezeptur seiner tracks ebenfalls nichts verändert, was aber nicht negativ gemeint sein soll, zumal es gut ankam. pluspunkte sammelte er bei mir mit dem „idiothèque“-cover mit gerader kickdrum und dem downbeat-outro.
marcel und mario haben das kind ab 6 uhr dann richtig schön geschaukelt, so dass es auch nicht weiter schwer fiel, bis zum schluss um 10 zu bleiben. beide mit traktor, marcel noch mit hardware, mit der er extra-kicks und -hihats einstreute. schön kurzweilig alles, der eine und andere klassiker dabei („loop“ von fuse vs lfo bspw., die ja immer irgendwie geht) – einfach toll gemacht. somit auch meine premiere, das suicide mal am ende einer party hell erleuchtet zu sehen.