[berlin / 04.02.2018] kraftwerk berlin: skalar

wie schon vor zwei jahren mit robert henkes „deep web“ gibt es zur transmediale wieder eine lichtausstellung im dafür wie geschaffenen kraftwerk. christopher bauder zeichnete schon damals für das visuelle verantwortlich, musikalische untermalung kommt dieses mal von kangding ray.

mehr informationen gibt es direkt bei ctm, für die nachbetrachtung könnte ich mal wieder das galerie-plugin bemühen. wird sich zeigen.

nachbetrachtung

bilder: zeigen

wie ihr seht, ist das mit der nachbetrachtung im wörtlichen sinne zu verstehen. dafür habe ich sogar das galerie-plugin gewechselt. das bisherige wurde schon seit ein paar jahren nicht mehr aktualisiert und es kam mit dem wechsel zwischen hoch- und querformat nicht so zurecht.

eine veranstaltung für groß und klein, konnte man meinen. es waren jedenfalls einzelne teenager mit ihren eltern da. die überwältigende mehrheit bestand natürlich aus dem kulturell interessierten transmediale-publikum mit clubvergangenheit oder zumindest -affinität und natürlich den clubgängern an sich. allerdings dachte ich mir nicht selten, dass solche installationen die ideale gelegenheit wären, die interessierten oder skeptiker gegenüber allem, was techno in seinen spielarten so betrifft, zu so einem abend mitzunehmen, damit neben der musik auch die ästhetik nicht zu kurz kommt.

sicher, das kraftwerk alleine erledigt als kulisse schon einen großen teil, wenn es darum geht, leute ins staunen zu versetzen. allerdings setzte die installation da noch einige staunende münder obendrauf. für mich war das die nächste stufe von „deep web“ mit dessen kleinen kugeln und lasern, indem matt spiegelnde flächen mit zuhilfenahme der scanner quasi jeden winkel des kraftwerks beleuchten konnten. ist jedoch meckern auf verdammt hohem niveau – „deep web“ war auf seine reduziertere art nicht minder faszinierend und passte damit auch zum stil robert henkes. kangding ray schaffte den spagat zwischen voluminös, tanzbar und schwerelos (fühlte mich zum schluss sehr an die „selected ambient works 2“ von aphex twin erinnert) scheinbar mühelos und schoss damit für die fraktion der interessierten nicht über das ziel hinaus.

äußerst gelungene symbiose wieder einmal. den soundtrack gibt es hoffentlich irgendwann als lp von ihm. einziger kritikpunkt wäre weder ihm noch der installation, sondern der organisation anzulasten: nur die betontreppe als weg nach oben, wenn alle bis kurz nach 20 uhr unten warten müssen, verzögerte den beginn. vom üblichen herdentrieb der leute fange ich dabei gar nicht erst an. mir ist zwar klar, dass security-personal kostet, wenn die zweite treppe geöffnet ist und zugleich das zwischengeschoss nicht betreten werden soll. das hätte man aber auch mit bauzäunen regeln können.

[berlin / 19.01.2018] säule: voitax

die säule hat bei der leisure system schon einen guten eindruck gemacht, daher freut es immens für swarm intelligence, dass er spielen kann. rory st john versuche ich auch noch mitzunehmen.

voitax
00h00 mondkopf live
01h00 rory st john
03h30 swarm intelligence live
04h30 paàl
07h00 unhuman

eintritt
12 euro

nachbetrachtung
ansehnliche schlange um kurz nach mitternacht und umso erstaunlicher, dass die seit jahren angewandte psychologische strategie immer noch wirkt. es wurde bis 0h45 jedenfalls fast niemand reingelassen, obwohl mondkopf drinnen pünktlich angefangen hatte. es waren aber schon einige leute vom anhang der acts vor ort, daher spielte er nicht ganz für sich alleine. trotzdem schade: der dronig-rhythmische schluss gefiel mir ziemlich gut.

rory st john stieg danach schon ziemlich fordernd ein. „losing control“ von dbx lief bereits in der ersten halben stunde, wo ich bei mir dachte, dass er die hits ganz schön früh auspackt. warum aber auch nicht? sonst noch „drop out“ von room 506, „concierge“ von randomer, mit „bless“ von fawn einen der am meisten unterschätzten tracks von mark bell (und damit besonders großer grund zur freude), „fortress“ von stenny (die irgendwie auf alles passt) sowie „slam the laptop“ von herva. eine richtig bodenständige techno-grundlage also, die auch eine etage weiter oben gut passen würde. kam beim publikum jedenfalls hörbar gut an.

swarm intelligence fing mit breakbeats an – also seiner paradedisziplin, wenn es nach meinen ohren geht. er wechselte dann aber recht schnell in die gerade 4/4-kick und blieb bis fast kurz vor schluss auch dabei. wie so häufig: hoffnung vs. ergebnis – schlecht war es absolut nicht, aber mir wäre seine experimentielle seite gerade in dem rahmen einen tick lieber gewesen.

die säule hat sich in den vier stunden allerdings erst recht als feierkatakombe erwiesen. es wurde der schlange entsprechend voll, dazu gab es ein techno-interessiertes publikum (keine ahnung, ob das im arena club als vorherigem ort von voitax genauso war), und das führte zu entsprechender stimmung mit dazugehörigen temperaturen bzw. luftfeuchtigkeit. der trocken, geradlinig-harte sound von paàl (zumindest in der ersten viertelstunde, dann bin ich gegangen) hätte so auch gut in den tresor gepasst. irgendwie erinnerte mich sowohl der sound als auch das licht an dem abend etwas an die auf wenige quadratmeter komprimierte abfahrt, wobei das mit der niedrigeren decke in der köpenicker straße noch etwas intensiver ist.

nichtsdestoweniger: den überaus guten ersteindruck von der leisure system hat die säule bestätigt und empfiehlt sich damit als feste alternative, wenn sie das berghain-programm in einem monat übertreffen sollte.

[berlin / 13.01.2018] ohm: version

auch so eine reihe, zu der ich es noch nie geschafft habe, und dubstep bzw. dessen nachkommen sind im intimeren rahmen für mich die wahl für den samstag.

eintritt
10 euro

ablauf
00h00 hops
02h00 orson
03h30 peverelist
06h00 skratch
08h00 orson

nachbetrachtung
zwei kritikpunkte gibt es:
das licht. im ohm ist aber immer das problem, dass zu wenig damit gemacht wird. evtl. ist das auch so gewollt und auch nicht weiter tragisch, wenn die stimmung gut ist. würde den punkt auf dem i allerdings noch dicker machen.
der füllgrad. es ist ja toll, dass so ein line-up leute anzieht, aber der grundriss des ladens bringt leider einen stetigen publikumsverkehr über die tanzfläche zu den klos mit sich. tanzen ging zu peverelist damit nur eingeschränkt.

das ist aber auch alles. bin um 8 uhr mit dem eindruck gegangen, dass die version mehr als angemessen dabei hilft, die lücke der sub:stance zu füllen. der kleinere rahmen im ohm lässt auch größere freiheiten zu, was sich insbesondere bei peverelist zeigte. bei ihm hatte ich darauf gehofft, dass er auch drum&bass spielen würde, und das tat er nach einer stunde auch, nachdem er das tempo über ein paar tracks merklich angezogen hatte.
trackauswahl:
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hops hatte bereits mit anderen tracks im livity-gewand sehr gut für orson vorgewärmt (von shazam gemerkt: cousin – 4got), orson selbst mit einem sehr bodenständigen bass-set, u.a. „changes“ von mala (geht immer) oder „turbo mitzi“ von pinch & mumdance.

skratch mit einem set, das den alten geist von dubstep beschwor. war dabei zwar ziemlich mala-lastig, aber da kann ich mir nun wirklich ungeeignetere kandidaten vorstellen.
trackauswahl:
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danach übernahm orson wieder, aber für mich war an dem abend alles wesentliche gesagt und der entschluss mit dem wiederkommen eh gefasst. im märz setze ich zwar aus (viel zu gutes konkurrenzangebot an bekannter stelle am 9. märz), aber das wird mich nicht davon abhalten, stets ein auge auf deren line-ups zu werfen.

der aufstand in detroit von 1967 aus sicht der akteure

ja, ich weiß: die oral history und ihre probleme. hier offensichtlich: ausschließlich die liberalen / linken aktivisten von damals zu wort kommen zu lassen, ohne der gegenseite (in dem fall die soldaten, polizisten, angestellte im verwaltungsbereich der stadt) am (virtuellen) runden tisch die gelegenheit zu geben, ihr verhalten von damals zu erklären. gut, rein spekulativ: denkbar ist auch, dass niemand davon für eine stellungnahme zu haben war.
als zeitgeschichtliches dokument über die sozialpolitische gemengelage als pulverfass, das sich im sommer 1967 in detroit entladen hat und den bekannten niedergang der stadt nach sich zog, ist er eine klare leseempfehlung wert. die gründe für die geschehnisse von damals sind aufgrund der prekären lage der sich zunehmend an den rand gedrängt gefühlten gruppen jedenfalls überaus verständlich.

a radical’s oral history of detroit in 1967

[berlin / 05.01.2018] kit kat club: gegen birthday

einen besuch im kit kat club habe ich ewig schon vor. da passt es ganz gut, dass die „gegen“ auch ein amtliches techno-programm bietet.

gegen birthday

gegen tanz
23h00 warbear
02h00 lady maru
05h00 silvia trix
08h00 mar/us
boxikus vj

death by rainbow room
00h00 xik
02h00 dj flush
05h00 death bulb live
06h00 hanno hinkelbein
kinomatik sot vj

the house of gegen
23h00 la schmock
02h00 josh caffe
05h00 la fraicheur

the bearcave
00h00 bomb boutique
03h30 tumulto

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
auch mal was neues: fast eine halbe stunde durch einen club irren, um den death by rainbow-floor zu finden. das lag nur zu einem geringen teil an der (üppigen) fülle, jedoch vielmehr an dem labyrinth, als das der kit kat club konzipiert ist.
schlecht ist das nicht, sogar das gegenteil dessen. hinter dem eingang gleich zwei riesige garderobenbereiche, poolbereich geradezu, zum hauptfloor nach rechts, durch den floor hindurch geht’s zum zweiten auf der etage (dort war besagter death by rainbow-floor). von dort aus gibt’s eine treppe hinab, da befand sich the bearcave (klein, poppig, jedenfalls lief beim durchgehen „just can’t get enough“) und ein paar gänge sowie séparées weiter the house of gegen (größer).
zum vergnügen sind mehr als ausreichend sitzgelegenheiten, matratzen, betten, gynäkologenstühle vor ort. die dekoration auf den floors wirkt wie ein bisschen aus der zeit gefallen – in dem fall sind es die 1990er-jahre mit ihrer trance-ästhetik inklusive schwarzlicht. mit der geschichte des clubs im hinterkopf fand ich das aber irgendwie charmant. publikumstechnisch war es erst recht angenehm, wobei ich annehme, dass die „gegen“ mit ihrem eher technoiden konzept andere segmente als die stammkundschaft anspricht. ein paar regelmäßige gäste aus dem berghain waren gesichtet, hinzu kam ein ordentlicher anteil an schwulen – für gute stimmung war also gesorgt.

da die freitagstypische bettschwere mein zeitiges aufbrechen etwas hinauszögerte, war ich leider erst gegen 5 uhr da, daher bekam ich von dj flush nichts mehr mit. death bulb waren zwar nicht ganz mein fall, aber sie spielten ihren remix für „geck“ von furfriend, und der ist gut geworden. hanno hart-funky und damit in seinem element, u.a. mit „blackwater“ von ansome oder „mekong delta“ von len faki und „thunder“ von dave clarke als hits zum schluss.
mar/us fand ich auf dem hauptfloor zum schluss überraschend gut. überraschend deshalb, weil er im stile der hardwax’schen „big room“-schiene spielte, aber das in einer form, die mich nicht langweilte, sondern wenigstens gut mit dem kopf nicken ließ. dabei von shazam erkennen lassen:
marcel fengler – thwack (planetary assault systems remix), habe selbst nur das original.
marco bailey – wildfires (nikola gala remix)
pfirter – x, von der zweiten herdersmat-box auf mord, die beim ersten durchskippen meinerseits überhaupt nicht gut weggekommen ist.
kwartz – breakage (exium remix)
env3 – typ 14

schluss war für mich gegen 11 uhr. da sah es noch nicht danach aus, als ob innerhalb der nächsten halben stunde schluss sein würde. die gegen merke ich mir ruhig mal als reihe, zu der ich wieder hingehen kann – sogar sollte: deren queere standpunkte zu jeder party sind zumindest die lektüre sowie anschließendes nachdenken wert und mit ein bis zwei leuten aus dem line-up konnte ich bisher immer etwas anfangen.

[berlin / 30.12.2017] about blank: killekill megablank

da es den megahorst ja leider nicht mehr gibt (er fehlt!), wird das megablank konsequenterweise zur nächsten station und selbige damit zum vorglühen für silvester auserkoren.

main floor (mdf)
00h00 dj flush
04h00 the exaltics live
05h00 legowelt live
06h00 exterminador

lobby
01h30 philipp strobel
03h00 coal live
04h00 philipp strobel
05h00 ossian

the third floor
01h00 alienata aka the spooky alien
03h00 tommi tokyo
05h00 planet tink b2b renegade

eintritt
13 euro

nachbetrachtung
mache ich kurz.

dj flush: übliche mixtur aus no future und groovigem dazwischen.
alienata: ist und bleibt eine der damen mit der besten auswahl.
coal: für mich eine der entdeckungen des ausgehenden jahres. das war punkrock, gepaart mit industrial, noise und auch elektronik, wobei die punk-haltung überwogen hat.
the exaltics: hälfte/hälfte, also electro/techno.
legowelt: weniger verträumt als auf manchen seiner veröffentlichungen.
licht auf dem mdf: könnte öfter so sein mit diesen led-strobos, war aber nur eine besonderheit für silvester / neujahr, in deren genuss killekill gekommen ist.

[berlin / 30.12.2017] berghain: silvester klubnacht

wie das nun mal so ist mit liebgewonnenen traditionen.

neu: den jahreswechsel im club verbringen zu können und dem zur normalität gewordenen wahnsinn mal eben 24 stunden mehr gönnen. einen großteil davon werde ich nicht mitbekommen – peile die ankunft grob zwischen martyn und i-f an, ende offen.

silvester klubnacht

berghain
samstag, 30.12.2017
24h00 kobosil
sonntag, 31.12.2017
04h00 dvs1
08h00 dr. rubinstein
12h00 rødhåd
16h00 kangding ray
20h00 boris
24h00 marcel dettmann
montag, 01.01.2018
04h00 norman nodge
08h00 etapp kyle
12h00 somewhen
16h00 answer code request
21h00 lsd
dienstag, 02.01.2018
02h00 ben klock

panorama bar
samstag, 30.12.2017
24h00 gerd janson
sonntag, 31.12.2017
04h00 roi perez
08h00 efdemin
12h00 the black madonna
16h00 volvox
20h00 steffi
24h00 nick höppner
montag, 01.01.2018
04h00 anthony parasole
08h00 tama sumo
12h00 ryan elliott
16h00 virginia
20h00 danny tenaglia
24h00 massimiliano pagliara

lab.oratory
sonntag, 31.12.2017
21h00 skatebård
montag, 01.01.2018
01h00 gideön
05h00 nd_baumecker
09h00 soundstream
13h00 i-f
16h00 discodromo

halle am berghain
montag, 01.01.2018
01h00 jenus
05h00 rainforest spiritual enslavement
08h00 martyn
11h00 atom™
15h00 b12 live
17h00 nathan fake
20h00 fiedel

eintritt
38 euro

nachbetrachtung

vorab: am fazit der vorjahre ändert sich nichts. es war auch dieses mal das beste silvester seit dem letzten silvester. gliedern werde ich das resümee in die schilderung der sause aus meiner perspektive zum ersten und zum zweiten in der evaluation meines ausgehverhaltens. wer sich an die zusammenfassung vom letzten jahr erinnert (oder sie nochmal nachschlägt), wird ein paar durchaus selbstkritische töne darin finden. und da für mich gerade wieder einmal die zeit der selbstreflektion gekommen ist (muss die jahreszeit sein), kann ich ja mal schauen, was vom eigenen anspruch so übrig geblieben ist.

vielleicht erstmal so viel: ich hatte mir als option offen gehalten, den rekord vom letzten jahr (also 24 stunden im club) einzustellen, für mich war es aber dienstag mittag nach dem ende von massimiliano pagliara in der panorama bar (kurz nach 12 uhr, wer’s genauer haben möchte) nach 22 stunden völlig in ordnung, nun zu gehen. dabei hatte ich insgesamt nicht mal mehr als eine halbe stunde dort oben zugebracht, aber der discoide schluss rundete das alles für mich in dem moment gut ab.

dazwischen lag:

  • eine stunde warten am montagnachmittag, wobei die tür einen insbesondere an den umständen gemessenen lockeren eindruck machte. in den folgestunden wurde die schlange für beide eingänge auch nicht gerade weniger, bis es den einlassstopp am montagabend gab und die bändcheninhaber zügig abgefertigt werden konnten. eine verringerung des eintrittspreises gab es bis zum schluss nicht, worüber man sicherlich diskutieren kann. als abschreckung, nicht noch mehr leute anlocken zu wollen, wäre das noch ok, andererseits wäre die hälfte des preises ab der zweiten hälfte der party auch noch in ordnung gewesen.
  • die mittlerweile bekannte routine des personals: drei garderoben, und mit dem entsprechend taktischen gespür für die richtige bar zur richtigen zeit musste man auch nicht übermäßig lange warten. kompliment auch an den essensstand in der halle, der selbst bei ausgefallenem licht so weiterarbeitete als sei nichts geschehen.
  • ein i-f in ähnlicher form wie zum csd, jedenfalls mit dem gleichen ende: „gimme gimme gimme“ von abba.
  • answer code request, der in der kurzen zeit, die ich mitbekam, besser, fordernder spielte als letztes jahr.
  • eine halle, die genauso dekoriert war wie zum geburtstag, plus videoinstallation an der rückseite. gute idee auch mit der riesigen tafel und dem himmelbett im essensbereich. das wichtigste: sie war gut geheizt. meine kleine decke plus pullover im beutel kamen also nicht zum einsatz. stattdessen ließen sich dort tolle sets genießen: b12 waren davon am funktionalsten, stellenweise auch mit 4/4-kick sowie 303, was auch durchaus an einem sonntagmorgen gegen 4 oder 5 uhr ins berghain gepasst hätte (wo ich sie 2006 das letzte mal gehört habe). verlockte manche zum tanzen, war aber auch beim zuhören nicht unangenehm aufdringlich und der dicke applaus zum ende mehr als verdient.
    bei nathan fake habe ich gelernt, dass er auch als ambient-dj eine sehr gute figur macht – auswahl (u.a.): „vi scose poise“ von autechre, „radioland“ von kraftwerk, „faure in chrome“ von actress, „sandsings (boards of canada remix)“ von mira calix, „the work of art in the age of cultural overproduction“ von tim hecker.
    fiedel machte danach auch bis 4 uhr einen außerordentlich guten job, darunter mit „solanus (extracted)“ von vainqueur, burial – wounder und „happy cycling“ von boards of canada direkt danach, rhythm & sounds „roll off /b“ auf 45 statt 33 und (völlig unverhofft, daher so gut) „llorando“ von rebekah del rio (wer „mulholland drive“ gesehen hat: die szene aus dem theater, bei der die sängerin auf der bühne kollabiert.). war damit bis zum schluss (zugemacht wurde gegen 8) der ort, an den ich mich sehr gerne zurückgezogen habe.
  • im berghain rissen mich lsd unerwarteterweise so richtig mit. wer bei dem namen die stirn kraus zieht: es handelt sich um ein triumvirat dreier gestandener herren aus dem techno-bereich – luke slater, steve bicknell und david sumner (function). bei dem set kam irgendwie alles zusammen, was mir in 20 jahren auf den club-tanzflächen gänsehaut bescherte: rotzige tracks mit rauher energie und einer ständigen dynamik im set, bei der irgendeiner der drei immer wieder etwas draufsetzte. das licht: eher blitzend anstatt umherschweifend, dabei werde ich die angeblinkten einzelnen säulen mit der silhouette der leute auf den podesten so schnell nicht vergessen. das war noch die sahne obendrauf: die leute stiegen richtig willig darauf ein. ja, es war voll, allerdings auch nicht voller als an einem sonntagabend in den letzten jahren, der ja manchmal mit (fast schon wörtlich) um sich greifender rücksichtslosigkeit steht und fällt. davon war dieses mal aber so gut wie nichts zu merken. wiedererkannt: sehr wenig. nur zwei slater-tracks als planetary assault systems: „dungeon“ und „surface noise“.
  • discodromo im lab habe ich nur beim umherlaufen mitbekommen, auf der tanzfläche an sich war’s zu voll und am rande zu viel durchgangsverkehr. zwei mal technotronic in eigenen edits von „pump up the jam“ und „get up“, später noch „flash“ von green velvet und „unfinished sympathy“ von massive attack um 6:30 uhr zum schluss. damit haben sie keine 16 stunden gespielt wie im jahr zuvor, sondern „nur“ 14-einhalb (hier bitte ein großes augenzwinkern meinerseits einsetzen).
  • ben klock ist eben ben klock. da kann man sich auf den pünktlich erscheinenden und lange bleibenden fanclub verlassen. ich hab’s in der frühe gegen 10 uhr versucht, da war wieder schön platz auf der tanzfläche. aber mich unterhielt das nur für 20 minuten. insbesondere mit der dynamik des lsd-sets zuvor im hinterkopf passierte mir da nicht genug, als dass ich gebannt gewesen wäre. das problem ist aber meinerseits nicht neu und der erfolg gibt ihm ja recht. als hit noch im gedächtnis: „atol“ von surgeon.
  • tolle idee auch: die exklusiv frauen sowie transgender vorbehaltenen toiletten in der säule. könnte (wenn es nach mir ginge) auch bei regulären klubnächten schule machen.

wer’s kompakt haben möchte: personal sowie publikum ziemlich entspannt (jedenfalls dort, wo ich war), lsd im berghain, b12, nathan fake sowie fiedel in der halle grandios, i-f und discodromo im lab in gewohnter form. silvester / neujahr ist und bleibt dort einfach eine institution.

und wie lief das so mit dem vorsatz, 2017 nicht mehr auf rekordjagd gehen zu wollen?

rückblickend ganz gut. die 20-stunden-marke kam sehr selten in sichtweite, und die male, die ich das berghain nachts betreten habe, lassen sich an ein bis zwei händen abzählen – dabei handelte es sich meistens um die freitage. bei den live-acts muss für mich samstag / sonntag schon jemand außergewöhnlich gutes im angebot sein, dass ich mich früh auf den weg mache. der tagsüber-rhythmus hat sich für mich also (nicht zuletzt auch durch die staub) etabliert und zieht sich meistens so um die 12-16 stunden, was immer noch sportlich ist und immer noch gewisse konzentrationsdefizite zu wochenbeginn fördert. das ist aber zu erwarten und auch auszugleichen, wurde aber durch eine gewisse überbeanspruchung in der zweiten jahreshälfte 2017 konterkariert. ein mangel an konzentration, gar motivation, war also abseits von arbeit und dem hier nachzulesenden ausgleich an den wochenenenden gang und gäbe und schlug sich vor allem leider auf mein verhalten als musiksammler und mittlerweile auch serienkonsument nieder. daher war insbesondere ab dem letzten quartal 2017 (aber auch bereits davor) die absicht vorhanden, der leidenschaft – und so abgedroschen es klingt: mir selbst – wieder mehr zeit einräumen und dabei die arbeit geringer zu priorisieren.
teilzeit steht daher groß auf der agenda für 2018. nicht, um wieder auf rekordjagd gehen und den montag bis zum mittag im berghain verbringen zu können (um ehrlich zu sein, ist der dortige allgemeinzustand zu fortgeschrittener stunde bei durchschnittlicher musik für mich immer noch ein grund zum gehen). vielmehr herrscht seit monaten das gefühl vor, dass ich mich nicht so eingehend mit der musik beschäftigen kann, wie ich es gerne möchte. sinnkrise in puncto techno hin oder her – die existiert nach wie vor und wird wohl so lange nicht schwinden, wie es die auch mittlerweile industrielle verwertungskette für djs inklusive mittelklassiger veröffentlichungen zum anhäufen von gigs gibt. es macht für mich nach wie vor die breite, und da hat sich auf der festplatte einiges angesammelt, das noch nicht strukturiert (heißt: in die logik eines sets überführt) werden konnte.
um den bogen zum berghain zurück zu spannen: auch sie haben im laufe von 2017 mit der säule das signal gesetzt, dass sie sich nicht nur auf den technoclub reduzieren lassen möchten. mit dem fokus der freitage auf den im vergleich zur panorama bar kleineren raum ist das der mutige entschluss, lieber weniger publikum in kauf zu nehmen und dafür inhaltlich weniger kompromisse eingehen zu wollen. das vorhandensein dieses experimentierfelds könnte für mich bedeuten, freitags öfter dorthin zu gehen und damit den nachtmodus zu reaktivieren.

manche monate in 2018 könnten daher daraus bestehen, sonntags mal gar nicht, aber dafür ein, zwei male „nur“ in die säule zu gehen. der offensichtliche vorteil daran wäre, den rest des wochenendes dann noch vor sich zu haben. ihr seht: das „weniger ist mehr“ war 2017 wohl das richtige und kann gerne so fortgeführt werden. andererseits ist auch das vorhaben da, anderen clubs neben dem berghain und dem about blank mehr einräumen zu wollen. der tresor hat sich bookingtechnisch so positiv entwickelt, dass ich dies öfter wertschätzen und somit einen besuch abstatten sollte. den humboldthain-club kenne ich immer noch nicht, das ohm vernachlässige ich auch zu sehr. problem bei all den genannten: sie sind eher auf die nächte ausgelegt.

es bleibt also so spannend wie ich es zulasse.

[berlin / 09.12.2017] berghain: klubnacht – 13 jahre berghain

ja, ich bin in hinsicht der wahl meiner termine berechenbar. ja, ich freue mich wieder auf die halle. ja, ich finde es schade, barker als frischgebackenen resident nicht komplett mitbekommen zu können. ja, ich versuche, mir anzuhören, was scuba heute so macht und erst recht, was harvey auffahren wird, wo ich ihn vor jahren beim csd an gleicher stelle nicht konzentriert mitbekommen habe.

klubnacht – 13 jahre berghain

berghain
00h00 pandora’s jukebox
04h00 essaie pas live
05h00 mary velo
09h00 scuba
13h00 kowton
17h00 aurora halal live
18h00 dj harvey
21h00 len faki
01h00 barker

panorama bar
00h00 nitam
04h00 dark sky live
05h00 fango
09h00 dinky
13h00 dj dustin
17h00 dj hell
21h00 nd_baumecker
01h00 margaret dygas

halle
08h00 alekzandra
12h00 goner
15h00 jane fitz
19h00 tobias.
21h00 donato dozzy

eintritt
20 euro

nachbetrachtung

fazit voran: ein geburtstag, an dem die schlimmsten erwartungen in puncto publikumsandrang ausblieben. hatte mich mental darauf eingestellt, ab 19/20 uhr mehr oder minder passiv am rande sitzend oder wippend als zuhörer dabei zu sein, damit die masse sich gegenseitig hin und her wiegen kann, aber für mich kam das nur zum ende der sets von kowton und nd in den „könnte langsam ein bisschen eng werden“-bereich.
es war somit für mich ein (gemessen an den mittlerweile normalen sonntagsumständen) regelrecht unaufgeregter geburtstag, was aber auch vielleicht damit zu tun hat, zur richtigen zeit zufälligerweise am richtigen ort gewesen zu sein.
vollziehe ich am besten anhand der einzelnen acts nach.

scuba: eine stunde gehört, funktional (ich glaube, irgendein remix von truncates „modify“ war dabei) ohne schnörkel. das hat dafür gereicht, wieder einmal den sub:stance-zeiten hinterherzutrauern, als er mit der reihe und hotflush als label einer der drei für mich mitverantwortlichen war, die dubstep bei mir haben zünden lassen und mit seinen ersten beiden genreübergreifenden alben (insbesondere „a mutual antipathy“) mit ihren zeitlos guten produktionen maßgebliche fortbildungsarbeit bei mir betrieben hat. was sich aber schon in den letzten beiden jahren der sub:stance andeutete, war das auf-nummer-sicher-gehen. daran hat sich in seinen sets seitdem nichts geändert, was insbesondere deswegen zu bedauern ist, weil er technisch so versiert ist, dass er genres verschiedenster couleur miteinander verheiraten kann.

dinky: kurz mitbekommen, zwei „big“-hits („big fun“ und „big love“). hielt die leute bei laune.

kowton: besser als sein vorgänger, weil er auch mal ein paar breakbeat-tracks einstreute. um auf hohem niveau zu jammern: es war auch einiges dabei, was er auch schon vor zwei jahren an ort und stelle spielte und in der dritten stunde herrschte für mich etwas leerlauf. aber für den slot war’s fordernd genug und vom platzangebot (bis auf phasen zum schluss) für unten noch am besten, so dass die für mich relevantesten kriterien (kein nervpotential durch rücksichtlose gäste und gut kuratierte musik) erfüllt waren.
trackauswahl:
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aurora halal: sehr melodisch-trippig, stilistisch nicht mein beuteschema, aber ich muss zugeben: passte sehr zum raum. pluspunkte dafür, beim letzten track einfach mal auf 150 bpm hochzugehen.

dj hell: 15-20 minuten mitgenommen, generischer techhouse, ohne dass etwas hängenblieb. wie bei scuba: erfüllte wohl seinen zweck.

dj harvey: also wenn ich in 20/30 minuten von vier tracks drei identifizieren kann, weil die im berghain-kontext in den letzten jahren irgendwann mal immer zu hören waren („marauder“ von dj hmc beispielsweise) und er nur hin und wieder ein paar disco-perlen einstreut, um direkt danach mit bewährten techno-tracks fortzufahren, ist es für mich ein bisschen schade, dass er seine muskeln als koryphäe auf disco-terrain nicht noch mehr hat spielen lassen. der publikumsreaktion nach hätte das durchaus funktioniert. da war einiges mehr drin.
trackauswahl:
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nd_baumecker: bewusste entscheidung für die panorama bar und nicht eine sekunde bereut. nahm nach herrn geier einiges an dampf aus dem kessel (den wird’s wohl eine etage tiefer bei len gegeben haben) und sorgte mit zurückgenommener vielfalt dafür, dass man da oben immer ausreichend platz hatte und ein slot, der normalerweise auf beiden etagen eskalation für die einen, aber anstrengendes gedrängel für die anderen bedeutet, erstaunlich unaufgeregt verlief. ist damit mein favorit, noch vor kowton.
trackauswahl:
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barker: auch da herrschte wieder platz auf der tanzfläche. auch er melodisch, aber nicht so sphärisch wie aurora halal, sondern eher in dem stil wie dem album mit nd zusammen letztes jahr. dabei zwar nicht so experimentiell wie im kontext der leisure system, aber kann ja sein, dass das nach 3:30 uhr noch kam.

die halle: leider viel zu wenig zeit darin verbracht und donato dozzy verpasst. trotzdem wieder mal schöne raumgestaltung mit kleiner erweiterung der fläche in richtung straßenseite und noch viel wichtiger: den hallenglas-installationen von rommelo yu, für die es vor ein paar monaten eine crowdfunding-aktion gab. hätte im nachhinein während dj harvey dort etwas zeit verbringen können, aber hinterher ist man ja meistens schlauer.

wie also erwähnt: gerade in anbetracht des anlasses unerwartet entspannt (das gilt auch für das publikum), hab’s aber zwischen 18 und 21 uhr auch vermieden, mich in irgendein gedrängel zu stürzen.

skee mask im ferninterview mit residentadvisor

es sollte sich herumgesprochen haben, dass ich mittlerweile erklärter fan bin. zwei beachtliche whitelabels auf ilian tape, dann mal eben mit „shred“ eines der alben 2016 veröffentlicht und nun mit quasi eigenem sublabel bei den zenkers. noch dazu diese „alles geht, was mir gefällt“-attitüde in seinen sets.

jedenfalls hat sich residentadvisor seiner angenommen und mit ihm geplaudert. die info, dass er an einem neuen album arbeitet, sieht (wie seine sets auch) fast schon nach planübererfüllung aus. ich fände es erstaunlich, wenn er die qualität beibehält.

herbal jams