[berlin / 14.10.2017] berghain: morphine 11 / electric minds 10

im oktober wollen sie’s scheinbar wissen. panorama bar und berghain sind an drei freitagen zugleich geöffnet und das in puncto morphine mit einem angebot, zu dem ich schwer nein sagen kann – alleine wegen des viel zu unterbewerteten anthony shakir.

berghain: morphine 11
21h00 mark cremins
22h00 hieroglyphic being + container + sofia jernberg live
22h45 sote live
23h45 kafr live
00h30 anthony ’shake‘ shakir
02h30 rabih beaini
03h45 container live
04h30 donato dozzy

panorama bar: electric minds 10
23h59 dolan bergin
04h00 harvey sutherland live
05h00 move d
08h00 edward

eintritt
21h00-00h00: 19 euro
ab 00h00: 15 euro

nachbetrachtung
obwohl ich mir vorgenommen hatte, bereits zu hieroglyphic being und konsorten da zu sein, wurde es dann doch eine stunde später, während sote längst zugange war. im nachhinein hätte ich mich ärgern müssen, wenn ich ihn verpasst hätte – das war alles andere als gemütliche modular-improvisation. vielmehr fiese sounds, tempiwechsel zwischen den einzelnen tracks, erinnerte mich ein bisschen an subhead und das, was aus der schweiz anfang der 2000er-jahre auf electronik weed crew und neue heimat landete.
kafr sind eine zusammenarbeit zwischen senyawa und rabih beaini. das hieß für den live-act, dass gesang und die selbstgebauten instrumente mit mal mehr, mal weniger rhythmischen drones angereichert wurden, was auch sehr schön ineinandergriff.
das set von anthony shakir war aber ein totaler kontrast zu derem mystischen stil. er spielte tatsächlich eher housig, steigerte sich zum ende zu techno (mit „the pace“ von robert hood, gedoppelt). davor muss ich ihm sowas von hoch anrechnen, „once in a lifetime“ von talking heads gespielt zu haben, radioheads „idioteque“ sowie sein „drummer downstairs“ auf fit vor ein paar jahren folgte dann wenig später. mag auf manche eher verwirrend gewirkt haben, spiegelte für mich aber seine bandbreite als produzent wider, ohne dass der flow darunter gelitten hätte.
rabih beaini gebührt im anschluss daran für mich trotzdem die krone dafür, drones sowie arabische gesänge mit elektronischen tracks so zu vermengen, dass die mischung daraus äußerst tanzbar wurde. hätte ich entscheidungskompetenz, würde ich es auf einen versuch an einem sonntagnachmittag ankommen lassen – ist aber auch wunschdenken, weil ich mir sowas auch gerne mal länger als 75 minuten anhören würde.
container spielte fast alle tracks der „vegetation ep“ auf diagonal letztens und auch sonst in diesem stil mit distortion auf allen rhythmustragenden fre- und sequenzen. donato dozzy hat mich positiv überrascht, weil ich mit diesem hypnotisch-melodischen stil, der nicht nur von den italienern kultiviert wird, nicht allzu viel anfangen kann – erst recht nicht, wenn das über mehrere stunden des abends dominiert, ohne dass sich etwas wie eine schön knarzende 303 in ein set mogelt. hat aber auch eher mit meiner vorliebe für genreübergreifende sets zu tun, anstatt dass ein substil für längere zeit durchkonjugiert wird. herr dozzy machte das zwar, aber doch mit spürbaren nuancen und mit wechselnder intensität. noch dazu mit vinyl und dabei beneidenswert präzise.
aufgrund all dieser für mich auf ihre art überzeugenden sets war ich nur ganz kurz oben und bekam dort den eindruck, dass move d den rest auch noch schaukeln wird. allzu lang habe ich’s aber nicht mehr werden lassen, indem ich gegen 6:30 uhr überaus zufrieden mit dem bis dahin gehörten heimwärts bin.

[berlin / 07.10.2016] void: aphrodite

das void ist das ehemalige subland und einer der wenigen orte neben dem gretchen, in dem regelmäßig drum&bass geboten wird. da der sound nicht nur in berlin, sondern auch bei mir seit geraumer zeit zu kurz kommt und ich neugierig darauf bin, ob dort umgebaut worden ist, wird das also mal näher überprüft.

void
aphrodite
upzet
tommy lexxus
phantom warrior
clee
justice

eintritt
10 euro

nachbetrachtung
schichtdauer von 1h00 bis 6h30, an der tür war’s wesentlich entspannter als vorab erwartet – keine schlange, keine machtspiele, einfach nur unkompliziert.
die umbauten halten sich im vergleich zum subland in grenzen. die garderobe direkt geradezu vom eingang ist zwar eine gute idee, aber wenn die schlange davor etwas länger wird, kann’s im vorraum oder direkt am ein-/ausgang schon schwierig mit dem durchschlängeln werden – gerade weil die garderobe auch eine kleine bar umfasst. das verzögert manches wohl ein wenig.
andererseits hat sich die befürchtung während des gesamten abends, der wohl einer der besucherstärksten im void war (hab ich mir sagen lassen), ziemlich in wohlgefallen aufgelöst. wenn man einmal den grundriss verinnerlicht hat, kann man zwanglos und ohne aufbietung aller jahrelang erworbenen schlangenmenschenfähigkeiten von a nach b (bzw. vom haupt- zum barfloor) gelangen. da führen gleich zwei wege nach rom. schön auch die idee mit dem raum in deren mitte, in dem man etwas unangestrengter als neben der tanzfläche plaudern kann. und der kickertisch auf dem barfloor ist für einen club erstaunlich gut in schuss.
der geist der 1990er weht auch noch durch die gewölbe, angefangen beim bunten blitzenden licht und richtig offensichtlich durch die tarnnetze. die anlagen machen dem budget, das hier etwas kleiner ausfallen dürfte als bei den großen berliner aushängeschildern, auf beiden floors alle ehre. gute voraussetzungen für eine schweißtreibende angelegenheit, die es spätestens ab 3 uhr mangels klimaanlage auch war. also auch in diesem punkt klar 1990er – kann ich eh nicht begreifen, warum man heutzutage zwangsläufig sowas braucht. luftholen ging drüben auf dem barfloor eigentlich immer, tanzen konnte man dort mit etwas mehr platz zu jungle sowie ganz normalen breakbeats um die 130 bpm.
auf dem hauptfloor war’s inhaltlich eigentlich fast die gesamte zeit über nicht das, was ich bei drum&bass kaufen, daheim hören oder gar spielen würde. gerade aphrodite war mit schon fast edm-angehauchten sounds schon sehr auf party kalkuliert (oder um es fies zu sagen: hätte auch auf dem tomorrowland funktioniert, wiedererkannt habe ich diesen drum&bass-edit von „ready or not“), aber entweder man macht sich das partyleben zur hölle, indem man den purismus über alles erhebt oder man lässt sich mitreißen. letzteres ging dank anhang und eh grundentspanntem publikum ganz leicht, so dass es einfach mal wieder nur gut tat, auf den stil tanzen zu können und dabei einige liter schweiß zu verlieren.

lange rede: auch wenn es für mich tollere spielarten von drum&bass gibt, hat es derbe spaß gemacht und das void sich als schöne alternative empfohlen, wenn man mal etwas unaufgeregt ausgehen möchte.

[berlin / 24.09.2016] berghain: klubnacht

berlin läuft den marathon, ich mache mir meinen eigenen. plan: zu dr. rubinstein rein, nach karenn raus. etwas unglücklich bin ich nur darüber, dass martyn und pete mehr oder minder zeitgleich spielen, aber das ist wieder eines dieser berliner luxusprobleme.

klubnacht

berghain
00h00 johanna knutsson
04h00 subjected
07h00 dr. rubinstein
11h00 nima khak
14h00 tijana t
17h00 pete
21h00 karenn live
22h30 kobosil / joel mull

panorama bar
00h00 leonid
04h00 afik naim live
05h00 luke hess
09h00 shed
13h00 dexter
16h00 martyn
19h00 m>o>s
22h00 basic soul unit
01h00 steffi

garten
12h00 cormac
17h00 boris

eintritt
16 euro

nachbetrachtung
aller guten dinge sind drei, jedenfalls war ich strenggenommen so häufig da. der erste besuch gegen 2:00 uhr war jedoch nur zum stempelholen und ein paar erste eindrücke mitzunehmen. johanna knutsson machte das unten mit moderat forderndem techno auch echt gut, wohingegen leonid oben zu dem zeitpunkt schon fast härter spielte und auch damit anteilig wesentlich weniger leute überzeugen konnte als johanna unten. zumindest war es in der panorama bar doch sehr übersichtlich zu dem zeitpunkt.

ich kam gegen 9:30 uhr zum zweiten mal wieder, als dr. rubinstein sich schon warmgespielt hatte. wie immer mit acid-faible, nicht zu hart, genau richtig zum (wieder-)ankommen bei sehr angenehmer fülle, während shed oben im stile seiner power house-sachen mit garage-reminiszenzen spielte. qual der wahl also, die mir aber abgenommen wurde, indem ich mein versprechen, als moralische unterstützung beim marathon (also dem richtigen, nicht dem am wriezener karree) nebenherzufahren, einlösen wollte und der pulk an läufern eh gerade vom strausberger platz richtung holzmarktstraße lief.

da sich das temporäre anfeuern so entwickelte, dass ich mir in steglitz immer noch neben den läufern herradelnd dachte, dann auch gleich noch den rest bis zum ziel mitmachen zu können, war ich erst ab 16:30 wieder vor ort. im endeffekt war ich wegen der frischen luft, sonne, serotonin, und der tollen stimmung an der strecke darüber auch ganz froh. herbst / winter kommen früh genug, damit auch weitere gute sets, von daher fiel mir’s auch nicht schwer, die prioritäten zu verschieben.

in den paar minuten, die ich dann noch von tijana t mitbekommen habe, ist mir eine kombination im gedächtnis geblieben, bei der sich mir nicht unbedingt aus begeisterung die nackenhaare aufgestellt haben: „the pace“ von robert hood und „rhythm is a dancer“ von snap. nein, ich bin kein musikfaschist, ich habe beide tracks ebenfalls, und ja, ich würde auch beide spielen – wenn es denn passt. aber wer sich beide tracks hintereinander anhört, wird feststellen, dass da harmonisch überhaupt nichts ineinandergeht. wirkte auf mich wie „oh, ich möchte einen besonderen moment kreieren und bringe diesen eurodance-klassiker mit der brechstange unter.“ da die meute das gefeiert hat, gibt das auch (leider) eher ihr recht als mir. hätte besser untergebracht werden können, nein: sogar müssen und der halbwegs musikalisch veranlagte teil des publikums mit stehboykott reagieren können. aber da bin ich wohl zu sehr idealist.
von boris im garten habe ich nicht allzu viel mitbekommen, aber mir ist eine wunderbare herbert noch im gedächtnis: „people that make the music“.

zwischen 18:00 und 19:00 hat mich martyn eher abholen können als pete. rezeptur ähnlich wie bei shed, u.a. mit awesome 3: „don’t go (kicks like a mule)“ oder „coda coma“ von yage – dank an shazam, da ich bei dem sound eklatante bildungslücken habe.
runter zu pete, der zu dem zeitpunkt „the bells“ spielte, was auch mit der daruntergemixten fetteren kick mit der treibendste moment im set war. sein set war letztendlich ein schönes beispiel dafür, wie erwartungen sich umdefinieren lassen können. an sich hatte ich mir auf die zwölf erhofft, was in den treibenderen phasen auch bei mir merklich besser zündete (energie freisetzen, auch mit der brechstange). stattdessen nahm er sich etwas zurück und spielte eher facettenreicher, weniger urgewalt mit subbässen, somit blieb mehr raum, um nuancen wahrzunehmen. erkannt habe ich dabei recht wenig: „patience“ von surgeon bspw. und „spaceape“ von burial.
den track habe ich beim album bisher immer geskippt und eigentlich kann man den in einem techno-set auch nicht spielen, da er 170 bpm (oder eben die hälfte) in die waagschale wirft. heruntergepitcht, mit einer 4/4-kick drübergelegt und die tonhöhe dabei beibehaltend, so dass spaceapes stimme immer noch wie spaceape klingt: das war für mich der gegenpol zum tijana-t-moment.
daher wie bereits erwähnt: für die uhrzeit genau passend – nicht zu fordernd, eher so ein set, das einen für den rest des abends startklar machte und für mich somit genauso viel wert wie seine anderen sets mit kompromissloser härte.

bei karenn war’s mir dann zu voll, hab mir das dann auf der bassbox sitzend gegeben. auch wenn sie sehr melodisch waren und ihre ersten an brachialität glänzenden sets an ort und stelle für ewig im gedächtnis behalten werde, gefiel mir das durchaus. sie wiederholen sich einfach nicht und haben ihren maschinenpark so gut im griff, dass sich das nicht wie bei jazz-improvisationen im nichts verliert.

basic soul unit fand ich mit seinen larry-heard- und derrick-may-anleihen auch nicht verkehrt, aber da war die luft für mich konditionell schon raus, auch wenn das platzangebot in der panorama bar überaus angenehm war. dafür herrschte unten das für einen sonntagabend übliche gruppenkuscheln, wozu ich dann beim besten willen nicht mehr in der stimmung war.

[berlin / 23.09.2016] griessmühle: 3 years mother’s finest

es steht schon seit längerem auf meiner liste, mir hieroglyphic being als live-act anzuschauen. bei der griessmühle lasse ich mich nicht lange bitten. und ja, auch der rest kann sich mehr als sehen lassen.

griessmuehle20160923

ablauf
r_1
00h00 elisabeth
02h30 pariah
05h30 hieroglyphic being live
07h00 nthng

r_2
22h00 dynamo dreesen
03h00 red rack’em
07h00 lns
11h00 derek plaslaiko
16h00 franklin de costa

draußen
10h00 dionne

start
22 uhr

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
an sich sollte ich langsam mal einsehen, dass ich vor 2 uhr samstag nacht nicht loskomme, wenn zwischen der arbeitswoche und dem ausgehen noch ein paar stunden schlaf liegen sollen. noch viel weniger sinn ergibt das ganze, wenn ich mich auf der party nach nicht mal drei stunden schlaf trotz ordentlicher espressodosis nicht wirklich fit fühle. der umkehrschluss sollte wohl darin liegen, einfach zwischenzeitlich nicht zu ruhen, um früher loszukommen (es sei dann, ich bin selbst nach fünf uhr hinter den decks gefragt – dann hat schlaf definitiv priorität).

ich war also erst gegen 2h30 da, fand eine schlange vor und mich daher schon mit der tatsache ab, hieroglyphic being zu verpassen, wenn es nach normalen berliner abläufen gegangen wäre (warm-up-dj, live-act, haupt-dj, rausschmeißer). stattdessen bekam ich (eine dreiviertelstunde später) noch einiges von pariah mit, dessen letzte dreiviertelstunde ich außerordentlich gut fand („la la land“ im remix von dave clarke und die b-seite der oni ayhun 003 zum schluss). war mir zuvor etwas zu sehr im standard verhaftet, traute sich aber zum schluss, mehr stile zu vermengen.
red rack’em bekam ich jeweils nur kurz mit, der das silo aber auch schön auf trab hielt.

an hieroglyphic being ist faszinierend, dass er sein live-set mit zwei ipads bestreitet, auf denen (und jetzt bin ich mir unsicher) cubasis installiert ist. da findet zwar keine synchronisierung des tempos über midi statt und irgendwie scheinen die tracks einzeln geladen werden zu müssen (daher zwei tablets, den rest erledigt der dj-mixer). gab aber keinen kickdrumsalat, da er es immer schaffte, die neue kick dann hereinzubringen, wenn sie beim vorherigen track schon ausgeblendet war. wenn man die midi-clock im hirn integriert hat, bekam man mit, dass das nicht ganz auf der 1 war, aber das war auch unerheblich. sonst spielte er eher melodisch in dem stil, den er von larry heard adaptiert hat und wie man ihn auch auf „the disco’s of imhotep“ hören kann. nicht meine tasse tee, ich mag seine rauheren und fieseren tracks am liebsten, aber nichtsdestoweniger passte das ins konzept.
nthng begann danach stark mit schnellerem dubtechno à la scion versions und blieb auch bei zackigem tempo, bis er (sie scheinen echt wieder in mode zu kommen) mit „the first the last eternity“ von snap gegen 10h00 feierabend machte. den größten teil der zeit verbrachte ich jedoch bei lns im silo, die zwar tolle platten dabei hatte („sticky“ von two lone swordsmen – abgeschaut, wo es sich rächt, dass ich die auf warp eher so en passant betrachtet habe / „sex on the beach“ von dj assault / „work that sucker (dub)“ von dj funk / „shake that ass“ von dj deeon), mit jedoch einem problem: auch wenn sie richtig gepitcht waren, passten sie entweder harmonisch oder von der dramaturgie her eher so in einem drittel der fälle zusammen. bei den anderen zweien stellten sich mir zwar nicht die nackenhaare auf, aber irgendwie dachte ich mir, dass sie das bei der auswahl besser hinbekommen könnte. die auswahl reißt das set jedenfalls nach oben.

unter’m strich war’s schon gut, hingegangen zu sein. im endeffekt hätte mir aber der anfang der party gereicht, wobei der nur vor ort aushing. andererseits war sowas früher auch egal, und aufgrund der eingangs beschriebenen vorschlafproblematik wäre es vielleicht einfach nur klüger, den abend früh zu beginnen und dann auch früher enden zu lassen. schreibe ich mir für die nächsten freitage hinter die ohren.

[berlin / 18.09.2016] wahlen zum abgeordnetenhaus 2016

fällt mir früh ein, ich weiß. gehe aber davon aus, dass der geneigte stammleser mit gemeldetem wohnsitz in berlin eh schon längst im wahllokal war. habe das selber jedenfalls gerade erledigt. in der nachlese folgt dann das ergebnis für friedrichshain-kreuzberg sowie für die zweitstimmen.

nachlese
(nachgereicht am 24. juni 2019)

ergebnis der bvv-wahl für friedrichshain-kreuzberg:
grüne: 32,7% (-2,7)
spd: 17,2% (-3,6)
die linke: 20,8% (+8,3)
cdu: 7,7% (-0,2)
afd: 6,2% (+6,2)
die partei: 4,6% (+1,9)
piraten: 4,8% (-9,5)
fdp: 3,2% (+2,3)
sonstige: 2,8%

ergebnis für die zweitstimmen (also den berliner senat):
spd: 21,6% (-6,7)
cdu: 17,6% (-5,7)
grüne: 15,2% (-2,4)
die linke: 15,6% (+3,9)
piraten: 1,7% (-7,2)
die partei: 2,0 (+1,1)
fdp: 6,7% (+4,9)
npd: 0,6% (-1,6)
afd: 14,2% (+14,2)
sonstige: 4,8%

zwischenstopp

zwischenstopp_1280

download

eigentlich arbeite ich schon längere zeit an einem set, das sich einer gewissen düsteren note widmet und die grenzen von techno ausloten soll. dabei kommt mir der arbeits- und sonstige alltag häufiger in die quere als mir lieb ist. paradoxerweise kaufe ich dank digitaler möglichkeiten einiges mehr ein als seinerzeit physisch, jedoch fehlt mir die zeit, mich intensiver mit neuigkeiten zu befassen. somit liegen einige gigabyte auf der festplatte, die ich beim näheren hinhören schon für gut befunden habe, aber dank aktuell auf mikrobengröße geschrumpftem kurzzeitgedächtnis bleiben nur die wirklich prägnantesten sachen hängen. hinzu kommt (und damit sage ich nichts neues, das war beim hürdenlauf schon nicht anders), dass der markt in puncto techno-mittelmaß seit monaten mehr als gut versorgt ist, wodurch auch häufiger die motivation leidet.

mir schwebte also vor, aus der not eine tugend zu machen und ein set zu konzipieren, das sich aus den für mich prägnantesten neuerwerbungen der letzten zeit besteht. gewarpt werden müssen die tracks für ableton live eh, da können die für mich bedeutsamsten tracks im set bleiben und ich lerne sie zugleich besser kennen – wie seinerzeit mit dem vinyl beim probeauflegen zuhause.
wie das leben aber nun mal so spielt, fühlte ich mich bei fortschreitender konzipierung nicht unbedingt in einer düsteren stimmung – an sich ja gar nichts so negatives. obendrein wollte ich mal wieder ein eher gemäßigtes set machen, wie ich es vor gut drei jahren mal im suicide-garten gespielt habe. techno also nur vereinzelt, grundtenor eher housig/techhousig, etwas electro und auch die neuere bass-schule aus dem vereinigten königreich.
aus vergangenen warping-aktionen und vorbereitungen hatte ich schon einige wunschkombinationen, hinzu kamen tracks (ja, auch aus dem archiv), die ich eh schon mal verwenden wollte, weil sie mich entweder schon seit jahren oder seit monaten begleiten. der rest bestand daraus (und somit besteht auch eine gemeinsamkeit zum ursprünglich geplanten set), um diese kombinationen / tracks herum ein gerüst zu bauen, das dem aufbau nicht schadet. dabei kam es irgendwie so, dass ich mich mit melodisch harmonierenden übergängen auseinandersetzte und auf dem weg dahin mit mal mehr und mal überhaupt keiner nachhilfe durch tonhöhenangleichung in live über ein paar glücksgriffe stolperte.

insofern ist der zwischenstopp auch symbolisch zu verstehen. ein innehalten auf dem weg zu einem ziel, das einen auch mal aus der komfortzone ausbrechen und dort länger verweilen lässt. tat gut, es gemacht zu haben, das hochgeladene ergebnis ist der zweite anlauf von gestern abend und benötigt vor allem eines: ausdauer – es sind fast viereinhalb stunden. ich wollte nicht die tracks im schnelldurchlauf verbraten, sondern allem raum geben, daher hat sich das einfach so ergeben.

p.s.: das ursprüngliche projekt ist damit nicht vom tisch, keine sorge. die tage werden ja wieder düsterer.

tracklist
zeigen

[berlin / 09.09.2016] burg schnabel: impulse – basskultur 6th anniversary show

es geht in der tat weiter, und zwar am kreuzberger pendant zur revaler straße.

impulse – basskultur 6th anniversary show

bassmusic / dubstep
00h00 hi-enz
01h00 infra
02h00 compa
04h00 phokus b2b saiman

160-170 / experimental
00h00 turrican
01h30 hatti vatti
02h30 dyl
04h00 ill_k
05h30 tkvv

eintritt
10 euro

burg schnabel
schleusenufer 3
u-bhf schlesisches tor
s-bhf treptower park

nachbetrachtung
war dank bettgravitation ein leider nur kurzer besuch von 4 bis kurz nach 6. compa habe ich daher leider nur noch beim schlusstrack mitbekommen. phokus zunächst mit traktor-timecodes, was aber nicht rund lief, daher griff er auf den usb-stick zurück, saiman mit vinyl. abgeschaut habe ich mir eine artikal (noch nicht genauer nachgehört, welche es war. aber das label kann ich mir ja grundsätzlich mal zu gemüte führen.), wiedererkannt: „too much chat“ von mala.
ill_k fand ich im kleineren experimentielleren raum am besten, zumindest verbrachte ich beim pendeln zwischen beiden floors dort etwas mehr zeit. ähnliche stimmungs- und tempiwechsel wie bei sets von felix k, schluss war mit „butterflies“ von andy stotts letztem album gegen 6.

auch wenn das burg schnabel etwas die holzhüttenästhetik übernimmt, die durch bar 25 und kater holzig populär gemacht worden ist, passte das mit der impulse erstaunlich gut zusammen. der hauptfloor mit funktion one, deren bass etwas raumgreifender sein könnte – zumindest war der neben dem dj-pult für mich am besten. die dachterrasse über den klos fand ich charmant und die idee mit dem dezidierten raum für die bar gleich vorne links praktisch. beim licht fände ich’s ganz gut, noch einen kompromiss zwischen einen tick zu hell (hauptfloor) und zu dunkel (nebenfloor) zu finden. positiv zu erwähnen ist jedoch, dass sich die visuals auf dem hauptfloor besser als im about blank unterbringen ließen.

zur eingangs erwähnten revaler straße bin ich danach noch, um die letzte party unter killekill-flagge im suicide mitzubekommen und mich dabei in meinem vorsatz bestätigt zu sehen, den suicide als gast erstmal von meiner liste streichen zu wollen. das sei aber nur am rande erwähnt.
für die impulse lief es jedenfalls erstaunlich gut, die größe des ladens passt für meine begriffe auch gut zu dem programm für connaisseure oder die eigene clique, die ihnen so vorschwebt. daher wird man dort wohl nicht das letzte mal von ihnen gehört haben.

[berlin / 03.09.2016] about blank: staub

das wird dann wohl mein semi-offizieller abschied vom sommerlichen garten des about blank für 2016.

staub20160903

eintritt
10 euro

nachbetrachtung

einer meiner kürzesten besuche bei der staub, was aber nicht an der musik, sondern an einer außerhalb des immer noch sommerlichen ambientes des blank-gartens stattfindender verabredung lag. den spätsommer wollten einige andere auch noch ausnutzen, daher war erstmal eine dreiviertelstunde anstehen angesagt, was noch zusätzlich von meiner zeit abging.

zunächst mal die chronistenpflicht:

garten
10h00 emily
12h00 ahu
15h00 leiras
17h00 vsk
19h30 savas pascalidis

mdf
15h00 baz reznik
17h00 drowned live
18h00 anja zaube b2b caleb esc

im mdf war ich kaum, und auch weniger auf der tanzfläche im garten. stattdessen an der tischtennisplatte, und selbst da auch nur sitzend und plaudernd. gehört: leiras und vsk, beide eher nach neuerer schule und nur als hintergrundbeschallung eigentlich zu schade. aber so hat es sich eben ergeben. mehr gibt es dazu nicht zu sagen, da ich nach fast zwei stunden gegen 18:30 uhr wieder raus bin. zu dem zeitpunkt hatte sich die schlange auch schon wieder abgebaut.

[berlin / 02.09.2016] berghain: polymorphism / … get perlonized

und zurück zum liebhaber-freitag, an dem alles etwas unaufgeregter zugehen müsste. bin mir dabei zumindest im direkten vergleich mit der ostgut ton-nacht ziemlich sicher.
hauptgründe bislang für mich helena hauff (beim 25-jährigen vom tresor einfach zu kurz gehört, aber das hatte es in sich) sowie dj stingray solo und im zusammenspiel mit russell haswell. mit powell kann ich bislang nur bedingt etwas anfangen, aber vielleicht ändert sich das ja durch den live-eindruck.

berghain: polymorphism #20 x diagonal
23h00 level jezzle
01h00 n.m.o. live
01h30 helena hauff
03h00 powell live
03h45 dj stingray
04h45 dj stingray x haswell
05h15 evol live
05h45 not waving live
06h30 conor thomas

panorama bar: … get perlonized
mara trax
soulphiction
sammy dee
zip

eintritt
15 euro

nachbetrachtung
mit einem guten halben jahr abstand sind die details zwar etwas verblasst, aber der gesamteindruck ist (voreingenommenheit gegenüber dem freitag hin oder her) immer noch positiv.

helena hauff bleibt einfach eine sichere bank, spielte eher electro (wie zu erwarten war), powell fand ich live tatsächlich besser als beim anhören von clips auf den gängigen portalen. war eher konzertartig mit ausgespielten stücken, in denen new wave und punk als wurzeln offensichtlich waren. verleitet mich zwar immer noch nicht dazu, seine sachen zu kaufen, aber im club- oder festivalrahmen geht das sehr gut.
über dj stingrays qualitäten braucht man nicht weiter zu reden, das stellte er auch alleine mal wieder unter beweis. im zusammenspiel mit russell haswell war’s aber interessant, da letzterer schnelle cuts mit noise in die electro-tracks brachte und stingray dort wiederum auswege finden musste. das geschah stellenweise durch scratchen und wirkte gar nicht so fremdartig, wie ich zuvor befürchtet hatte.
evol ist aber mein heimlicher favorit, weil er eigentlich nicht mehr macht als basslines mit lfo zu modulieren und das auch der einzige rhythmische unterbau ist, mit dem man auskommen muss. ihn so auf die peaktime zu setzen, war verdammt mutig und konfrontierte die leute auch mit ihren erwartungen, was unweigerlich zu abwanderungen führte. bei not waving war der name programm und bei conor thomas ist mir außer einem ganz gut unterhaltenden techno-set nichts wirklich in erinnerung geblieben.
zu oben leider auch nicht, weil ich kaum dort war und ich nach einer arbeitswoche und zu wenig schlaf vorher keine muße mehr hatte, noch bis samstagmittag auszuharren. in puncto musikalisches risiko hatte der freitag aber unten wieder mal seinem vorauseilenden ruf alle ehre gemacht.

mark hawkins alias marquis hawkes im interview

wurde mir gerade zugespielt: ein interview mit einem alten helden für damalige wonky-techno-käufer und einem neueren helden für heutige house-jünger, der über diverse umwege nun auch den erfolg hat, auf den er jahrelang hoffte. klassisch chronologischer aufbau, aber so detailverliebt, dass ich nicht nur gerne den artikel verlinke, sondern auch gleich theartsdesk in die linksammlung packe.

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