[berlin / 13.12.2013] berghain: leisure system / finest friday

tim exile mal wieder in der stadt? eine weitere resident-dj aus dem about blank feiert premiere? der rest könnte für überraschungen gut sein? klarer fall, würde ich sagen.

leisuresystem20131213

berghain: leisure system
00:00 n>e>d
02:00 visionist
03:00 tim exile live
04:00 special request
06:00 kommune1 live
07:00 barker

panorama bar: finest friday
00:00 resom
03:30 kassem mosse live
04:30 dj spider
07:00 dakini9
09:00 simian mobile disco

eintritt
12 euro

nachbetrachtung

versuche ich es mal etwas metaphorisch. ich hatte während der party das bild einer autofahrt im kopf. moderat ps-starkes auto mit sechs-gang-getriebe, wechselnde fahrer, freie strecke, und wie es bei überlandfahrten so ist: zur autobahn muss man erstmal kommen und rechtzeitig die ausfahrt zum ziel erwischen. das gefährt, das für die panorama bar an den start ging, habe ich nur zu beginn und wenig später bei kassem mosse noch gesehen, aber danach wollte das mit der kolonnenfahrt nicht mehr so recht klappen.
resom jedenfalls begleitete die passagiere in geschmeidigem tempo über sich langsam füllende straßen im nachtverkehr mit zunächst behutsamem tempo, dem stadtverkehr sehr angemessen und das limit nicht ausreizend. mir ist als einziger anhaltspunkt eine italojohnson-reklame in erinnerung geblieben, ansonsten war es sehr schön im dritten gang gehalten. kassem mosse fand später zu zeiten der autobahnfahrt durchaus den fünften gang. um den direkten vergleich mit seinem boiler-room-set von 2011 zu ziehen: beileibe nicht so trocken, ausflug zu breakbeats zwischendrin, leider mit 20 minuten zu kurz mitbekommen.

auto numero zwei, für das berghain im rennen, und da beeilte n>e>d sich im nächtlichen stadtverkehr. durchaus am limit im vierten gang, überreizte es jedoch nicht, so dass er kein ticket wegen zu schnell fahrens / leute überfordern bekommt. üblich stilistisch-flexibel, aber dabei nicht beliebig aneinandergeklatscht ohne roten faden. also eine flotte abwechslungsreiche fahrt. bei visionist kam mir das hier vermittelte bild erst in den kopf. grob einordnen kann man das set bei dubstep, bzw. den vielen abzweigungen, die der stil mittlerweile genommen hat, aber auf der stadtautobahn mit tempolimit lässt es sich bereits durchaus gut im vierten oder fünften gang fahren. er tändelte eher zwischen dem vierten und hin und wieder dem dritten herum oder anders gesagt: mir kam es so vor, als ob er seinen setaufbau irgendwie selbst sabotierte. gerade wenn es sich andeutete, dass es jetzt etwas flotter dem ziel entgegengeht, fand zwar keine vollbremsung statt, aber als passagier / gast fragte ich mich schon, warum er bei freier fahrt nicht mehr daraus macht.
das gilt für tim exile sogar noch mehr. die stadtgrenze längst passiert und somit frei von jeglichem tempolimit fing der herr eher im dritten gang an und fand erst in der letzten viertelstunde den fünften. statt halsbrecherischer tempi- und stilwechsel von früher war das (leider) ein set, das auf (techno-)nummer sicher ging. sicher, die live-manipulation von sounds beherrscht er im schlaf, aber der „was zur hölle stellt der da an?“-moment stellte sich leider nicht ein. schade – er hat wesentlich mehr drauf als das, was er an dem abend gezeigt hat.
special request hatte ich vorher im xlr8r-podcast gehört. dort war drum&bass sein motto und insgeheim hoffte ich, dass er das auch spielen würde, fing aber erstmal mit wüsten breakbeats (beispielsweise „null results“ von der neuen demdike stare auf modern love) an. das war mir auch sehr recht, bzw. um wieder zur ausgangs-metaphorik zurückzukehren: er hatte keine mühe, im vierten gang zu starten und gleich den fünften einzulegen. break nach einer dreiviertelstunde, und den rest der zeit über gab es tatsächlich drum&bass. zwar längst nicht so brachial und oldschool wie dillinja oder kenny ken ihrerzeit, aber das brachte die knochen echt wieder in schwung. stellenweise also der sechste gang – eine flotte autobahnfahrt nach maß.
während der abend schon langsam auf das ziel zusteuerte, machte kommune1 keine anstalten, bei der reise zeit schinden zu wollen und bot mit einem sample-reichen techno-set, bei dem man sich als techno-veteran schon am erkennen üben konnte, noch eine art von kurzsprint, bevor barker dann solide in richtung ausfahrt übernahm. das ende der reise bekam ich jedoch nicht mehr mit, da ich vorher ausgestiegen bin.

zusammenfassend für’s berghain also (die panorama bar erkläre ich mit den obigen details für abgehandelt): die fahrt mit n>e>d begann flott und zielstrebig, geriet auf der autobahn mit visionist und tim exile aus nicht-externen gründen ins stocken, bekam mit special request ihr tempo zurück und lag somit wieder im zeitplan, den kommune1 und barker auch ohne mühen einhielten.

oder für diejenigen, die nicht viel ruminterpretieren wollen: eine leisure system im guten mittelfeld. schön, dass drum&bass dieses mal auch dort eine bühne bekam. ist ja nicht das erste mal, wenn ich mich dafür stark mache, dass der stil freitags fester bestandteil wird.
schön auch – aber das war bestimmt bestandteil des berghain geburtstages – die discokugel auf der treppe über dem dj-pult: war ein toller lichteffekt.

[berlin / 06.12.2013] stattbad: grounded theory

meinte ich nicht neulich erst, dass ich das stattbad viel zu selten von innen sehe?
25. grounded theory, kesselraum und bunker offen, daher keine sorgen bezüglich gefälle auf der tanzfläche. toller flyer auch – wieder einmal.

gt20131206

reihenfolge
bunker
00:00 hound scales
03:00 dj bone
05:30 anthony parasole
08:00 milton bradley
boiler
02:00 subkutan

eintritt
12 euro

start
24 uhr

nachbetrachtung

wenn ich eine lektion dieses (sehr guten) abends mitnehmen sollte, dann die, dass sich vorschlafen einfach nicht lohnt, wenn es weniger als zwei stunden sind. geweckt zu werden, wenn ich gerade mal in der tiefschlafphase angekommen bin, ist wohl mit der grund, weshalb die in letzter zeit häufiger hier zu lesende lethargie mich daran hinderte, vor 2 oder 3 uhr (am vergangenen freitag letzteres) im club zu sein. also: deutlicher auf die körpersignale hören. wenn der erste impuls auf dem iphone-wecker zur „schlummern“-fläche geht und das für eine stunde so weitergeht, bis ich endlich den weg zur nahenden espresso-dosis in die küche geschafft habe, ist es besser, diese längere zeit gleich einzukalkulieren.
also: nächstes mal vier stunden daraus oder eben durchmachen. der durchhänger danach bleibt der gleiche, stelle ich jetzt als these in den raum. ein positives hatte es: ich hatte keine probleme, bis zum schluss zu bleiben. allerdings war der verstand eher koffeingesteuert. auch das lässt irgendwann nach.

das nur als notiz an mich, es nächstes wochenende zur leisure system anders anzugehen. vor ort war ich erstmal überrascht, dass der bunker zur hauptattraktion umfunktioniert und der boiler room (so wurde er auf dem ausliegenden plan genannt, passt ja auch im wörtlichen sinne) alleine subkutan vorbehalten war. ein gewolltes experiment, wurde mir von der organisation erzählt – und ein für meine begriffe auch echt gelungenes. von der kapazität her nehmen sich beide floors nicht viel, mit dem boiler room habe ich ohnehin das kleine problem, dass er mit seinen zwei ein- und ausgängen zum durchgehen einlädt. das ist drüben im bunker besser, zumal der floor mich gerade an dem abend sehr an den alten tresor erinnerte. dazu trug neben der alten turbosound-anlage sicher auch der strobo in der ecke bei. wahrscheinlich so ein dicker pluspunkt, dass musikalisch schon sehr viel hätte schiefgehen müssen, um mir den spaß zu verderben.
auch hier entwarnung: die gefahr war zwar gegeben, dass auf beiden floors mehr oder weniger der gleiche stil laufen könnte, aber bis 3 uhr kann ich das nicht beurteilen, da ich erst zu der zeit vor ort war und den rest der zeit über war das sehr ausgewogen.
dj bone steht ja eher dafür, verschiedene detroit-facetten sowie eher mit melodien und soul anstatt die ganze zeit hart und brachial zu spielen. das war schön und funky, dennoch bleibe ich doch lieber bei suburban knight (wann bucht den eigentlich mal wieder jemand?) oder rolando, auch wenn die längst nicht mehr in detroit wohnen. subkutan hatte sich im voraus durch diverse sets im about blank einige vorschusslorbeeren verdient und ich ihn nie gehört. er hat sich der industriellen seite von techno verschrieben und lotet die in aller tiefe aus. ich nahm auch an, dass er wenigstens fünf, sechs stunden spielen würde und war schon etwas erstaunt, dass er um 6h30 auf einem doch noch ganz gut gefüllten boiler room anfing, new wave zu spielen. auf einmal war dann auch schluss, eventuell zeichnete sich da auch drüben im bunker ab, dass bei manchen leuten nach bone als headliner die aufbruchstimmung überhand nahm. die fluktuation habe ich nicht so im blick, da ich doch mal hier und mal da war und mich auch gerne unterhielt. zurück bleibt von subkutan ein inhaltlich geschlossener, sehr konzentrierter eindruck, den ich beizeiten vertiefe. am besten im institut für zukunft, wenn es eröffnet.
auch die letzten beiden protagonisten des abends zeigten, dass ihnen mehr an einem langfristigen setaufbau gelegen war, anstatt nur funktional und eingleisig eine schiene zu bedienen. anthony parasole bot eine breite palette von alten sleeparchive bis hin zu acid, neuen sachen auf klockworks (rod) oder l.i.e.s., und milton bradley (komischerweise auch nie gehört, hat sich im berghain nie ergeben) hat zum schluss ein set gespielt, das für meine begriffe von vorne bis hinten als maßstab dafür genommen werden kann, wie der schluss einer party sich anhören sollte. stilistisch ebenfalls nicht auf eine schiene festgelegt, sehr behutsamer spannungsauf- und abbau, so dass die dreieinhalb stunden bis 11:30 echt sehr kurzweilig waren – auch wenn meine beine irgendwann nicht mehr wollten und ich das geschehen von der seite beobachtete.

ich habe somit im gegensatz zum letzten stattbad-besuch nichts auszusetzen. auch wenn wegen orkan „xaver“ ein paar leute weniger kamen, war mir das gerade recht, so blieb gerade im bunker immer genügend platz und alleine fühlte man sich nun wirklich nicht.
was nun noch die krönung wäre: die verlegung des dj-pults im bunker von hinten nach vorne (vom ein-/ausgang über die treppe her betrachtet) ist schon mal gut, so bleibt mehr tanzfläche. idealer wäre fast noch, es (wieder vom ein-/ausgang her) nach hinten links hinter die gitter zu verlegen. außerdem: macht aus einem bitte vier strobos, für jede ecke einen. da der schrei nach einem ersatz für die etwas in die jahre gekommene turbosound-anlage etwas dekadent ist (was ist denn mit der kirsch audio vom ex-rechenzentrum-dann-horst-krzbrg?), wünsche ich mir kurzfristig: nebel. da wird sich das barpersonal zwar schön bedanken, aber location und licht schrien an dem abend nach technohölle. ich bin mit dem gefühl im bauch nach hause, bei einer sehr guten alternative zum berghain gewesen zu sein, zumal beide clubs sich wegen der unterschiedlichen wochentage eh nicht in die quere kommen. daher sollte ich die grounded theory als feste größe für die kälteren, dunklen monate im hinterkopf behalten.

[berlin / 23.11.2013] berghain: klubnacht

dann reicht’s aber auch für den november.

klubnacht

berghain
00h00: silva rymd
04h00: the advent live
05h30: reeko
08h00: rolando
12h00: l.b. dub corp
16h00: function
20h00: len faki
24h00: marcel dettmann

panorama bar
00h00: tama sumo
04h00: innerspace halflife live
05h00: studio barnhus
12h00: jeremy greenspan
15h00: jamie xx
17h00: stefan goldmann
20h00: black madonna
24h00: oskar offermann & edward

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

kaum worte zur panorama bar, da ich kaum dort oben war. eine ausnahme gibt es: innerspace halflife, die ein zwar recht introvertiertes set spielten, das mich aber etwas an virgo four erinnerte. also etwas melodisch-melancholische chicago-schule mit anleihen an alte larry-heard-sachen, und das fand ich um einiges besser als das, was the advent unten fabrizierte. das hatte leider nichts mehr von der klasse anno 1998 im tresor (wo sie noch zu zweit waren). klar, eine 1:1-kopie erwarte ich nicht, aber schon etwas besseres als großraum-techno von der stange. ein remix von damon wilds „avion“ ist da noch als positives merkmal im gedächtnis geblieben, aber sonst hielt mich da nichts.

ansonsten keine ausfälle unten. wohl mit ein grund, dass ich mal wieder länger blieb als eigentlich geplant – um die 19 stunden am stück.
silva tut mir im nachhinein schon ein wenig leid, dass ihre sehr gute vorlage aus dem warm-up für mich durch the advent verpuffte. würde man das haar in der suppe finden wollen, dann höchstens, dass sie das ende mancher platte später eingeschätzt hatte, während die neue platte noch nicht vollständig bei den eqs angekommen war, aber das passierte auch nur am anfang und obendrein sitze ich damit eh im glashaus. hatte in der letzten stunde richtig fahrt aufgenommen und das publikum u.a. mit „on the edge“ von phase oder der guten alten „speak to me“ von regis gewonnen. hat hoffentlich nicht zum letzten mal dort gespielt.
the advent ist ja bereits abgehandelt, also zu reeko, von dem ich nichts erwartete, da mir seine tracks zu gleichförmig erscheinen. spielte mit ableton live und das wirklich sehr gut abgestimmt. zwar nicht der stil, der in mein beuteschema passt, aber eintönig war es auch nicht. rolando fackelte wie immer nicht lange und gab gut vier stunden vollgas. mir fällt kein anderer ein, der eh schon satten kickdrums noch von einem takt zum anderen etwas draufsetzen kann und dabei so funky bleibt. l.b. dub corp / luke slater erwischte ebenfalls einen guten tag, spielte aber weniger brachial, sondern der uhrzeit angemessen melodischer, deeper, wohingegen function mit vinyl und konstant über limit gefahrener anlage den einen oder anderen hit auspackte und damit auch goldrichtig lag. dennoch: 110 db wären im gegensatz zu 115 schon okay gewesen – gewollt bratzige klangästhetik hin oder her, aber wenn es um das gehör der gäste geht, kann man sich auch mal in rücksicht üben.

nichtsdestotrotz ein toller abschluss eines echt kurzweiligen berghain-besuchs mit musikalisch breitem spektrum (und stimmungslagen). das durchatmen von sonntagmittag bis -abend blieb auch weitestgehend aus, da das nachmittagsprogramm einfach zu gut war. dennoch zeigte sich sonntag abend erneut, dass manche montags dann doch etwas anderes vorzuhaben scheinen als der arbeit oder dem studium nachzugehen. es wurde in functions letzter stunde jedenfalls nochmal ordentlich voll. da ich aber nicht gefahr laufen wollte, erneut len faki zu kritisieren und weite teile der arbeitswoche in den seilen zu hängen, bin ich gegen 20h30 mehr als zufrieden heimgegangen.

[berlin / 22.11.2013] stattbad: x-mix – !k7 a/v night #2

das stattbad besuche ich viel zu selten. andererseits ist der boiler room erstens schlecht mit arbeits- und heimkehrzeiten vereinbar und zweitens ohnehin meistens zu voll. das wird sich am freitag auch nicht vermeiden lassen, aber ich kann bei dem line-up und der aussicht auf optischen genuss einfach nicht anders.
für die zukunft muss ich mir dann einfach nur vormerken, dass die grounded theory dort auch nicht zu vernachlässigen ist.

stattbad20131122

eintritt
13 euro

ablauf
00h00: marius reisser
01h30: objekt
03h30: dave clarke
05h30: fiedel
07h30: marius reisser

nachbetrachtung

mal wieder direkt am ende der party, dann habe ich einen punkt weniger auf der to-do-liste.

versuche ich es mit einem anderen aufbau…

nervig fand ich: (mal wieder) die feierstatisten. das maximum an bewegung ein angedeutetes wiegen nach links und rechts und überhaupt ist der tratsch mit dem anhang wichtiger. man könnte ja fast darüber nachdenken, areale am rand abzusperren, so dass sie ein zumindest theoretisches gespür dafür entwickeln, wie das mit der umsicht so gehen kann.
noch hinzu kamen die smartphone-kamera-power-user, sehr gerne auch mit blitz. die resultate waren bei dem nebel eher bescheiden, aber hey, die buddies müssen einfach in partypose verewigt werden. oder gerne auch das gruppenfoto vor dem boxenturm. da weiß ich läden mit striktem fotoverbot erst recht zu schätzen.

gewöhnungsbedürftig fand ich: den floor. fand tatsächlich im alten schwimmbecken statt. somit mehr möglichkeiten, große leinwände aufzuhängen. interessant, den dj hinter einer halbtransparenten leinwand auflegen zu lassen. die visuals verpufften für meine begriffe jedoch ziemlich. mag am nebel oder den zu schwachen beamern gelegen haben, sicherlich auch am zu hellen restlicht, das bei forderndem techno meistens recht statisch vor sich hinleuchtete, ohne dass es in kombination mit den visuals wirkliche akzente setzen konnte.
hinzu kam noch das gefälle im schwimmbecken, bei dem nicht nur ich damit beschäftigt war, die balance zu halten. so wirklich befreites tanzen ging für mich damit nicht, mag auch ein grund gewesen sein, weshalb manche nicht so recht aus dem knick kamen. tipp: weiter nach vorne richtung dj postieren, da ist das gefälle nicht so ausgeprägt.
atmosphäre hat der raum für mich auch so gut wie keine, wirkt alles etwas gewollt und damit nicht so authentisch wie unten.
das bisher aufgezählte sind auch die gründe dafür, weshalb ich bestenfalls semi-warm mit dem abend wurde. denn auch wenn dies alles sich bislang ernüchternd liest…

toll fand ich: alle sets, keine ausnahme. ich habe es erst leider zum ersten drittel von objekt geschafft, aber bei dem jungen herrn ist auf die risikofreude einfach verlass. mögen manche kombinationen sich zunächst komisch anhören, ergeben die nach einigen takten doch sehr viel sinn. breaks, electro, acid, techno – das sind so die koordinaten.
„it’s shit what he does“ meinte ein junger herr zu mir, als herr clarke gerade angefangen hatte. ich hatte mir insgeheim erhofft, dass er im stil der „electro boogie“ spielt und das hat er sowas von konsequent durchgezogen, dass es für mich eine echte freude war. egyptian lover, dj assault, ectomorph, prince („all the critics love you in new york“ – wann hört man das schon?), dopplereffekt – herrlich. pech für den jungen herrn, der die cds auch nicht kannte, wie sich herausstellte. andere seines alters hatten mit dem stil keine probleme.
fiedel knüpfte am electro-faden an und blieb gut eine dreiviertelstunde dabei. danach das, was er bei seiner berghain-residency wohl spielen dürfte. vom aufbau damit schlüssig, muss ihn mal wieder an der sonstigen wirkungsstätte hören.
zu einem schluss von marius scheint es hier nicht mehr zu kommen, was aufgrund des füllgrades (aktuell um 8:09) auch so klar geht.
heißt für mich: heimweg. morgen / nachher ist ja auch noch gelegenheit. das stattbad dann lieber wieder unten, das passt vom ambiente her einfach besser.

[berlin / 08.11.2013] berghain: raster-noton nacht / finest friday

als ob das vergangene wochenende nicht genug gewesen wäre, geht es direkt als wochenendauftakt weiter. am samstag ist drumcode-nacht – der termin, nach dem sich alle die finger lecken. ich lasse denen ihren spaß – experimentielle klänge und französische leidenschaft sind für mich attraktiver.

berghain: raster-noton nacht
22h00: cupca
23h00: senking live
00h10: frank bretschneider live
01h00: atom tm live
02h10: diamond version live
03h20: emptyset live
04h20: credit 00

panorama bar: finest friday
00h00: jo nathan
03h00: tom trago live
04h00: laurent garnier
09h00: sven von thülen

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

vor ort war ich erst um 00h30, obwohl ich doch frank bretschneider mitbekommen wollte. gesehen habe ich ihn jedoch den ganzen abend lang nicht, stattdessen überbrückte cupca die wartezeit auf atom tm. mit ihm, bzw. dessen alben, wurde ich bis dato nicht warm, das änderte er mit seinem set jedoch gründlich. mag mit den berlin music days an dem richtigen rahmen gelegen haben, dass der aufbau im berghain eher an ein konzert erinnerte, inklusive großer leinwände für visuals. und die wusste er tatsächlich für sich zu nutzen. das war so perfekt auf die musik abgestimmt, dass mich sein sound, der wie ein kraftwerk-update klang, gleich mit überzeugen konnte. im nachhinein hat er das „hd“-album quasi komplett vorgestellt, was mittlerweile in meine (zwar nur digitale, aber immerhin) sammlung gewandert ist.
wegen diamond version lagen an der garderobe die epilepsie-warnungen aufgrund der zu erwartenden blitzlichteffekte aus. die sind auch das, was mir vom set am ehesten in erinnerung geblieben sind. zwar erwartet man großes, wenn alva noto und byetone zusammenarbeiten und evtl. sind mir beim anhören ihrer veröffentlichungen auf mute oder während des sets produktionstechnische finessen entgangen. aber jeder für sich alleine gesehen ist mir dann doch lieber. vielleicht auch nur eine frage des beuteschemas.
emptyset fand ich hingegen mit ihrem wuchtigen industrial-gefärbten sound wieder goldrichtig, da kann man auch durchaus vergleiche zu dem ziehen, was mika vainio so macht, wenn er tracks mit knarziger bassline spielt.
ach ja, laurent garnier hat auch noch gespielt. das ist zwar stilistisch nicht mehr meine baustelle, aber der enthusiasmus, mit dem er jenseits der 40 immer noch hinter den cdjs (mit vinyl habe ich ihn jedenfalls nicht herumhantieren sehen) mitgeht und genau weiß, wie er die menge kontrollieren kann, verdient einfach respekt. der konstant hohe füllgrad gab ihm dabei recht. gut, den haben auch andere, mit deren stil ich weniger anzufangen weiß (len faki, ben klock), aber mit dem ihm eigenen groove, dem wechsel zwischen neu und etwas älteren sachen und der bereits erwähnten präsenz verkauft der mann sich einfach immer noch blendend.
abwechslungsreich jedoch auch credit 00 zum schluss unten. da konnte schon mal autechre (777), africans with mainframes (djibouti auf crème organization, auch wenig später gekauft) oder marcellus pittman auf fxhe laufen. das brachte dann die tanzbarkeit mit experimentierfreude, die ich ganz gerne auch an manchen samstagen hätte. hat bei mir jedenfalls einen extrem guten eindruck hinterlassen, der herr. sven von thülen machte in der restlichen zeit, die ich den abend oben noch ausklingen ließ, auch einen guten job.

da bleibt eigentlich nicht mehr, als das ganze als einen gelungenen freitag zu bezeichnen. ein laurent garnier, dessen leidenschaft nach mehr als 20 jahren im job immer noch brennt, atom tm als gesamtkonzept sowas von stimmig und credit 00 als entdeckung – das ist jedenfalls ein dreivierteljahr danach (ich schreibe diese zeilen am 14. september 2014) präsent.

[berlin / 02.11.2013] berghain: klubnacht

gleich zwei wochenenden hintereinander, jedenfalls sieht es auf dem ersten blick danach aus. letzte woche kam jedoch etwas dazwischen, so dass ich passen musste (und nein, es lag in keinster weise an der tür).
also, neuer anlauf an diesem wochenende mit dem live-act, der brachiale analoge sounds mit sportlichen tempi servieren wird (hoffentlich). der rest ist wesentlich mehr als schmückendes beiwerk.

klubnacht

berghain: sheworks at night
00h00: midland
04h00: karenn live
05h30: surgeon
08h30: blawan & pariah
11h00: sunil sharpe
14h00: pangaea
17h00: sigha
20h00: henning baer
24h00: fiedel

panorama bar
00h00: kresy
04h00: octo octa live
05h00: john daly
08h00: oliver deutschmann
12h00: dsan powell
15h00: andre galluzzi
18h00: todd bodine
21h00: josh wink
24h00: radio slave

eintritt
14 euro

nachbetrachtung
hin und wieder setze ich mir lebensziele. eines davon war, mal 20 stunden am stück im berghain zu verbringen. hat zumindest brutto geklappt, mit dem anderthalbstündigen volksabstimmungs-intermezzo waren es 18einhalb.
bereut habe ich keine einzige davon. einer der seltenen abende ohne irgendeinen ausfall, und sogar mittelmaß habe ich vergeblich gesucht. mag aber auch an der rückkehr nach fünf wochen und der damit verbundenen euphorie liegen.

es hat pünktlich zu karenn geklappt, die genauso fordernd zu werke gingen wie im märz. ganz ohne leerlauf ging es in den anderthalb stunden nicht, aber das ist bei sets in der gangart dramaturgisch passend. in der hinsicht war surgeon auch mal wieder beispielhaft. zwar ging er stilistisch auf nummer sicher, daher für seine verhältnisse „nur“ gutes mittelfeld, aber dabei bitte im hinterkopf behalten, dass er selbst mit den vergangenen sets die maßstäbe ganz schön nach oben verrückt hat. im aufbau so oder so hervorragend, „set up 707“ zum finale war definitiv ein denkwürdiger schlusspunkt.
arbeitsteilung zwischen dem karenn-dj-duo: pariah spielt tracks mit wiedererkennungspotential oder melodien, blawan brettert. ging jeweils für drei, vier tracks im wechsel so und blieb schlüssig. sunil sharpe rackerte sich mit vinyl ähnlich hart durch mal mehr und mal mindernde acid-tracks. bei seinem set kam leider die pause dazwischen.
pangaea machte nachmittags dann das, was ich von surgeon erhofft hatte: rumexperimentieren mit versetzten kickdrums im 4/4-takt. zu der zeit tauscht sich das publikum eh aus, bedeutet also genügend platz auf der tanzfläche, und den habe ich sehr gerne genutzt. heimlicher gewinner für mich.
neuaufbau durch sigha, mal nach oben zu herrn galluzzi gegangen, von dem mir eine alte justus köhncke auf kompakt („2 after 909“) positiv im gedächtnis geblieben ist. trotzdem das übliche kino vor der couch bei den toiletten genossen. josh wink hat sein setup leicht geändert, spielt nun mit traktor scratch und timecode-cds. änderte an seiner form nichts, nur fiel es mir schwer, dazu spaß zu haben – zu hoher füllgrad, aber dafür ein schöner platz oben auf der der galerie zum zuschauen. habe den aber auch schnell aufgegeben, als er „age of love“, direkt gefolgt von „klang der familie“ spielte. fülle hin oder her, aber wenn die panorama bar so ausgelassen reagiert, will ich auch nicht passiv daneben stehen.
henning baer hatte unten ebenfalls keine mühe, aber da herr wink seltener zu gast ist, habe ich die zeit lieber oben verbracht.

musikalisch bin ich also auf ganzer linie großartig unterhalten worden. zu kritisieren wären nur die zaungäste, die sich so bis sonntag vormittag/mittag auf die tanzfläche schieben und denen man am liebsten einen zettel in die hand drücken möchte, dass sie sich doch lieber anderswo unterhalten sollten oder die vielgelobte berghain-atmosphäre nicht zwingend dadurch gewinnt, dass sie licht, anlage und beton staunend in der mitte der tanzfläche genießen. oder wenn sie es schon müssen, dann wenigstens nicht andere beim tanzen zu behindern.
solange allerdings darauf verlass ist, dass ab sonntag nachmittag eine viel gelöstere stimmung inklusive anwesenheit des stammpublikums herrscht, kann ich damit gut leben. wie aktuell im berghain-forum zu lesen ist, veranstaltet die tür mittlerweile ein kleines quiz an der tür, indem details zum line-up oder zum label abgefragt werden. mal schauen, wie sich das bewährt.

nächstes ziel sind dann übrigens die 24 stunden, aber nicht mehr in diesem jahr.

[berlin / 03.11.2013] volksabstimmung „neue energie für berlin“

im september konnten wir nochmal auffrischen, wie das mit den kreuzen auf einem wahlzettel so funktioniert. nun folgt die zugabe, wonach wir über den gesetzesentwurf des berliner energietisches abstimmen sollen. der fordert den rückkauf des stadtnetzes von vattenfall sowie die gründung eines stadtwerkes. daher jeder auch bitte nur ein kreuz ™.

zur webseite des energietisches geht es hier entlang, und den weg zum wahllokal solltet ihr sonntag alleine finden. das abstimmungsergebnis wird dann hier stehen.

nur als hinweis: der entscheid gilt erst dann als angenommen, wenn 25% der wahlberechtigten zustimmen. das bedeutet, dass 80% ja-stimmen nutzlos sind, wenn die beteiligung nur bei 19% liegt. außerdem: wahlen sind grundsätzlich wichtig, also nehmt euch sonntag die paar minuten.

[berlin / 31.10.2013] salon zur wilden renate: seriously!?

ja, ernsthaft. unter der woche, vor einem arbeitstag, und ich gehe hin. die renate wollte ich mir schon gerne einmal anschauen, und da marcel zum anfang spielt, überlege ich nicht lange und freue mich dann darauf, dass der freitag möglichst schnell vorübergeht. den rest des line-ups werde ich leider verpassen.

seriously20131031

line-up
anfang: marcel heese
mitte: mørbeck
schluss: derek plaslaiko

eintritt
7 euro

nachbetrachtung

der renate eilt ja ein ähnlicher ruf voraus wie dem kater holzig oder ritter butzke – eine raumausstattung, die sich beim barock genauso bedient wie bei urdeutschen innenausstattungssünden wie dem hirschgeweih und alleine durch die überpräsenz an dekoration fast dazu beiträgt, dass die musik eher im hintergrund stehen kann (aber auch nicht muss). so ist der bevorzugte stil dort auch eher unaufgeregter techhouse, manchen hintergrundmusik für das ausleben des laberflashs, für andere wiederum der grund, sich stundenlang auf der tanzfläche aufzuhalten, manchmal auch schön zurechtgemacht und durch die helleren lichtverhältnisse auch schön inszeniert. kann auch etwas für sich haben, aber wo meine präferenzen liegen, dürfte dem stammleser klar sein.
ergo: ich ging nicht ohne die gängigen klischees und einigen offenen fragen im hinterkopf dahin. wie nimmt das renate-publikum eine techno-reihe überhaupt an? passt das dahin? könnte der schuss nicht nach hinten losgehen? und wie ist die location eigentlich?

auch wenn ich arbeitsbedingt nicht zu lange bleiben konnte, war ich am ende positiv angetan davon, dass alle klischees als das entlarvt wurden, was sie in den meisten fällen sind: unnötig. sicher pflegt die renate dekorationstechnisch ein ähnliches konzept wie die gängigen läden, daran ist aber auch nichts verwerflich. da es sich ja um ein altes wohnhaus handelt, führt es automatisch dazu, dass in dem gebäude eine menge zu entdecken ist. hinzu kam noch, dass nur der eine floor im 1. og bespielt wurde, normalerweise sind es wenigstens zwei. der kleine raum hinter der bar mit sitzgelegenheiten und diversen monitoren hat mich dabei auch beeindruckt.
noch beeindruckender jedoch: die publikumsreaktionen. ich hatte eigentlich eine gewisse reserviertheit gegenüber techno befürchtet, aber nichts dergleichen trat ein. lag sicher auch an der grundsoliden leistung von marcel, der den füllgrad konsequent so steigerte, dass es vom dj-pult bis zur bar schon etwas dauern konnte. nebel war auch vorhanden, einen strobo fände ich (man lese und staune) dort etwas deplatziert, ging auch so offensichtlich sehr gut. anlage dazu noch ausreichend dimensioniert, so dass man durchaus auch kurz mit tanznachbarn ins gespräch kommen konnte (was wiederum die these belegt, dass es solchen clubs sehr daran gelegen ist, viele orte möglicher kommunikation zu schaffen), und das publikum schien mir auch überaus aufgeschlossen.

bin also positiv angetan kurz nach mørbecks beginn gegangen, der sich ausgiebig im „big room dj tool techno“-fach bediente (danke an das hardwax für diese schublade – sonst widerstrebt mir ja dieses einsortieren, aber wenn mich ein set nicht mitreißt, werde ich gerne auf diese kurze, prägnante formel zurückgreifen) und mir damit den abschied gegen 3h30 auch nicht schwer machte. die renate hingegen werde ich zu solchen gelegenheiten gerne wieder besuchen, alleine weil ich auf die anderen räume neugierig bin, die es dort zu entdecken gibt.

r.i.p. lou reed

erst kürzlich bei meinem kreta-urlaub beim gang durch die engen gassen von chania aus einem geöffneten fenster „perfect day“ gehört, in dem er das braune pulver besingt, das seinen teil zu der lebertransplantation diesen mai beigetragen haben müsste.
gut, das stück war nicht meine erste begegnung mit ihm. dies war stattdessen „dirty boulevard“ um 1989 herum, als ich anfing, nachmittags mtv statt tele 5 zu gucken. später natürlich noch der „walk on the wild side“, der musikalisch nicht so weit entfernt liegt.
natürlich hat dies wenig mit dem zu tun, was er 1967 mit dem seinerzeit verkannten, im nachhinein aber monumentalen „the velvet underground & nico“ in die wege geleitet hatte, gemeinsam ist jedoch beidem eine mal mehr und mal minder offensichtlich hörbare unbequemlichkeit.

das album mit der banane bleibt, darüber hinaus sicher eine ganze andere menge, was bei mir unter „nachholbedarf“ eingeordnet ist. ganz sicher jedoch kein „perfect day“.

r.i.p.

[berlin / 26.10.2013] berghain: klubnacht

vier wochen pause, dazwischen liegen mittelmeersonne und einige tage müßiggang. genügend zeit, konditionsreserven aufzufüllen, möchte ich meinen. mit der munich machine ist die gelegenheit sehr günstig, das auf die probe zu stellen. dürfte auch mehr als zehn jahre her sein, dass ich herrn geier das letzte mal gehört habe.
achtung: zeitumstellung. in der nacht von samstag auf sonntag werden die uhren um 3 uhr um eine stunde zurückgestellt. der plan gilt bereits nach winterzeit, d.h. shed spielt vier und skizzo fünf stunden.

klubnacht

berghain
00h00: shed
03h00: answer code request live
04h00: dj hell
07h00: marcel dettmann
12h00: function
16h00: anthony parasole
20h00: danny tenaglia
24h00: ben klock

panorama bar
00h00: skizzo
04h00: point g live
05h00: danny tenaglia
10h00: ryan elliott
13h00: mike huckaby
16h00: volcov
19h00: sadar bahar
22h00: lakuti
24h00: tama sumo
02h00: tama sumo / lakuti

eintritt
14 euro

nachbetrachtung

da mir ab freitag nachmittag mutmaßlicherweise ein käse-ei-sandwich vom bäcker um die ecke oder ein mir nicht wohlgesonnener virus das gesamte wochenende über die vorzüge der zwangsweisen vernunft durch magen-darm-grippe light nahe brachte, kommt die nachbetrachtung nicht von mir, sondern einmal mehr von gastautor spacecake. der legt dafür eine disziplin an den tag, die ich mir zu eigen machen könnte. das fazit zur letzten sub:stance kriege ich noch dieses jahr hin, versprochen.
mit vielem dank für die mühen und dabei nichts beschönigt zu haben, geht’s unter dem kursiven mit dem o-ton los.

da der hausherr spontan verhindert war, übernehme ich mal wieder die nachbetrachtung. ich war besonders gespannt auf den münchner gigolo-chef dj hell. nicht nur hatte ich ihn in meinen gut 15 jahren ravekarriere noch nie gehört, ich wollte auch wissen, wie sich sein sound im berghain so macht.

aus diesem grund war ich für meine verhältnisse auch schon ungewöhnlich früh am ort, pünktlich zum beginn von answer code request. sein live-set war abwechslungsreich, geprägt von schönen tempowechseln bei einem insgesamt eher düsteren sound. hat spaß gemacht und mich in meiner hohen meinung von diesem mann einmal mehr bestätigt.

danach dann hell. der anfang war vielversprechend mit harten, zwingenden bässen. dann aber folgte der typische hell-sound, der auf mich allerdings einen überladenen eindruck machte. schlimmer war allerdings die beliebigkeit, mit der er die tracks aneinanderreihte. kein konzept, inkonsistent, völlig inspirationslos. das wurde noch deutlicher und schlimmer, als er nach etwas mehr als einer halben stunde dazu überging, allseits bekannte techno-bretter abzuspielen. jeder für sich sehr geil und in einem gut aufgebauten set ein garantierter abfahrtskandidat, wie hell aber die tracks präsentierte, wirkten sie völlig belanglos. itunes auf autoplay mit einer gut sortierten library hätte das genauso gut gekonnt, einschließlich der übergänge. die hat sich der gute hell nämlich häufiger ebenfalls gespart oder auf ein minimum reduziert. nach zwei stunden, in denen ich mir das treiben von der seite angesehen und -gehört habe, zog ich es dann vor, die panorama bar aufzusuchen. sollte es in der letzten stunde des hellschen sets noch besser geworden sein – zu spät. meinetwegen braucht dieser mann nicht mehr gebucht werden, ich habe keinen bedarf, ihn noch einmal zu sehen.

danny tenaglia hat oben gefälligen tech-house gespielt, passend für die panorama bar und vor allem deutlich mehr im fluss als das, was unten so lief. zwingend war der sound für mich allerdings nicht. zugegeben, ich war müde und schlecht gelaunt, nicht die besten voraussetzungen fürs feiern. grund genug also, um kurz vor 7 uhr den ersten heimweg anzutreten.

die zweite runde begann um 13 uhr bei function. der spielte zurückgenommenen, vergleichsweise langsamen techno, der mich erstmal zum tanzen einlud. aber auch hier fehlte mir die letzte konsequenz, zumal das set nach 14 uhr wirkte, als seien function die ideen ausgegangen. zwar hat er in sachen tempo und härte drauf gelegt, aber dafür fügten sich die einzelnen tracks nicht mehr so gut ineinander wie zuvor. schade eigentlich, aber eine gute gelegenheit, mich auf dem sofa vom wie immer großartigen licht hypnotisieren zu lassen. dennoch, den besten moment auf der tanzfläche hatte ich bei ihm, als sich wie aus dem nichts ein fieses acid-brett angeschlichen und in meine hirnwindungen gebohrt hat.

ein kurzer ausflug nach oben hat gezeigt, dass mike huckaby eine gut gefüllte panorama bar bespielen durfte. von seinem set ist nicht viel bei mir hängen geblieben, aber das publikum hatte sichtlich spaß. wieder unten habe ich mir dann angesehen, was anthony parasole so veranstaltet. und wieder war ich nicht glücklich. er spielte treibenden, meditativen techno, der jedoch ohne jegliche höhen und tiefen auskommen musste und somit emotional eher flach wirkte. nach etwa der hälfte des sets war ich drauf und dran, die party für mich zu beenden, bin aber im nachhinein froh, es nicht getan zu haben. denn was für mich bis dahin schlicht langweilig klang, hat sich danach als gut geplantes set entpuppt, das nach zweieinhalb stunden ordentlich an fahrt gewonnen hatte – genug, um mich den rest der zeit auf der tanzfläche gefangen zu halten. ein wirklich großes finale dieses insgesamt toll aufgebauten sets und damit auch mein gewinner des tages.

danny tenaglias zweites set habe ich nur am anfang mitbekommen. danach zu urteilen hätte ich noch gut spaß haben können bei ihm. das wusste meine vernunft jedoch zu verhindern.

noch ein paar worte zum publikum, das den nachmittag über seltsam verhalten wirkte. kaum jemand wirklich am ausrasten, selten schreie auf der tanzfläche, das kenne ich so nicht vom berghain. schubweise war es sehr voll auf der tanzfläche, alles in allem waren die menschen aber sehr angenehm. ich habe verhältnismäßig oft in freundlich lächelnde gesichter geblickt.

als fazit bleibt festzuhalten, dass diese party zwei wochen nach einem der höhepunkte des jahres wohl den bisherigen tiefpunkt markiert. hell hat auf ganzer linie enttäuscht, aber auch der rest konnte mich nicht restlos überzeugen. bleibt zu hoffen, dass das dann wohl die ausnahme war, die die vielbeschworene regel bestätigt: in diesem fall, dass das berghain woche für woche eine (techno-)musikalische qualität aufweist, auf die die meisten anderen städte neidisch sein dürften.