tim exile mal wieder in der stadt? eine weitere resident-dj aus dem about blank feiert premiere? der rest könnte für überraschungen gut sein? klarer fall, würde ich sagen.
berghain: leisure system
00:00 n>e>d
02:00 visionist
03:00 tim exile live
04:00 special request
06:00 kommune1 live
07:00 barker
panorama bar: finest friday
00:00 resom
03:30 kassem mosse live
04:30 dj spider
07:00 dakini9
09:00 simian mobile disco
eintritt
12 euro
nachbetrachtung
versuche ich es mal etwas metaphorisch. ich hatte während der party das bild einer autofahrt im kopf. moderat ps-starkes auto mit sechs-gang-getriebe, wechselnde fahrer, freie strecke, und wie es bei überlandfahrten so ist: zur autobahn muss man erstmal kommen und rechtzeitig die ausfahrt zum ziel erwischen. das gefährt, das für die panorama bar an den start ging, habe ich nur zu beginn und wenig später bei kassem mosse noch gesehen, aber danach wollte das mit der kolonnenfahrt nicht mehr so recht klappen.
resom jedenfalls begleitete die passagiere in geschmeidigem tempo über sich langsam füllende straßen im nachtverkehr mit zunächst behutsamem tempo, dem stadtverkehr sehr angemessen und das limit nicht ausreizend. mir ist als einziger anhaltspunkt eine italojohnson-reklame in erinnerung geblieben, ansonsten war es sehr schön im dritten gang gehalten. kassem mosse fand später zu zeiten der autobahnfahrt durchaus den fünften gang. um den direkten vergleich mit seinem boiler-room-set von 2011 zu ziehen: beileibe nicht so trocken, ausflug zu breakbeats zwischendrin, leider mit 20 minuten zu kurz mitbekommen.
auto numero zwei, für das berghain im rennen, und da beeilte n>e>d sich im nächtlichen stadtverkehr. durchaus am limit im vierten gang, überreizte es jedoch nicht, so dass er kein ticket wegen zu schnell fahrens / leute überfordern bekommt. üblich stilistisch-flexibel, aber dabei nicht beliebig aneinandergeklatscht ohne roten faden. also eine flotte abwechslungsreiche fahrt. bei visionist kam mir das hier vermittelte bild erst in den kopf. grob einordnen kann man das set bei dubstep, bzw. den vielen abzweigungen, die der stil mittlerweile genommen hat, aber auf der stadtautobahn mit tempolimit lässt es sich bereits durchaus gut im vierten oder fünften gang fahren. er tändelte eher zwischen dem vierten und hin und wieder dem dritten herum oder anders gesagt: mir kam es so vor, als ob er seinen setaufbau irgendwie selbst sabotierte. gerade wenn es sich andeutete, dass es jetzt etwas flotter dem ziel entgegengeht, fand zwar keine vollbremsung statt, aber als passagier / gast fragte ich mich schon, warum er bei freier fahrt nicht mehr daraus macht.
das gilt für tim exile sogar noch mehr. die stadtgrenze längst passiert und somit frei von jeglichem tempolimit fing der herr eher im dritten gang an und fand erst in der letzten viertelstunde den fünften. statt halsbrecherischer tempi- und stilwechsel von früher war das (leider) ein set, das auf (techno-)nummer sicher ging. sicher, die live-manipulation von sounds beherrscht er im schlaf, aber der „was zur hölle stellt der da an?“-moment stellte sich leider nicht ein. schade – er hat wesentlich mehr drauf als das, was er an dem abend gezeigt hat.
special request hatte ich vorher im xlr8r-podcast gehört. dort war drum&bass sein motto und insgeheim hoffte ich, dass er das auch spielen würde, fing aber erstmal mit wüsten breakbeats (beispielsweise „null results“ von der neuen demdike stare auf modern love) an. das war mir auch sehr recht, bzw. um wieder zur ausgangs-metaphorik zurückzukehren: er hatte keine mühe, im vierten gang zu starten und gleich den fünften einzulegen. break nach einer dreiviertelstunde, und den rest der zeit über gab es tatsächlich drum&bass. zwar längst nicht so brachial und oldschool wie dillinja oder kenny ken ihrerzeit, aber das brachte die knochen echt wieder in schwung. stellenweise also der sechste gang – eine flotte autobahnfahrt nach maß.
während der abend schon langsam auf das ziel zusteuerte, machte kommune1 keine anstalten, bei der reise zeit schinden zu wollen und bot mit einem sample-reichen techno-set, bei dem man sich als techno-veteran schon am erkennen üben konnte, noch eine art von kurzsprint, bevor barker dann solide in richtung ausfahrt übernahm. das ende der reise bekam ich jedoch nicht mehr mit, da ich vorher ausgestiegen bin.
zusammenfassend für’s berghain also (die panorama bar erkläre ich mit den obigen details für abgehandelt): die fahrt mit n>e>d begann flott und zielstrebig, geriet auf der autobahn mit visionist und tim exile aus nicht-externen gründen ins stocken, bekam mit special request ihr tempo zurück und lag somit wieder im zeitplan, den kommune1 und barker auch ohne mühen einhielten.
oder für diejenigen, die nicht viel ruminterpretieren wollen: eine leisure system im guten mittelfeld. schön, dass drum&bass dieses mal auch dort eine bühne bekam. ist ja nicht das erste mal, wenn ich mich dafür stark mache, dass der stil freitags fester bestandteil wird.
schön auch – aber das war bestimmt bestandteil des berghain geburtstages – die discokugel auf der treppe über dem dj-pult: war ein toller lichteffekt.



