[berlin / 21.08.2026] berghain: reef

mal schauen, inwieweit der jetlag mich durchhalten lässt. in jedem fall möchte ich früh da sein.

reef

berghain

23:00 esposito
02:00 headhunter
04:00 darwin b2b dbridge
06:00 alix perez

panorama bar

22:00 arthur
01:00 jan loup
04:00 le motel & magugu
06:00 carré b2b dubrunner

vorverkauf fand statt, jedoch sind alle tickets weg. entweder also ticketswap oder 29 euro an der abendkasse. dort liegt das kontingent bei ca. 300.

nachbetrachtung

rein: 22:30 uhr
raus: 7:15 uhr

wie soll es auch anders sein: wieder mal die beste reef seit der letzten. ich war allerdings noch mit einem bein im jetlag und inhaltlich fand ich es im berghain weniger divers als beim letzten mal. aber aufgrund der einerseits entspannteren und andererseits euphorischen grundstimmung ist diese reef-ausgabe anwärter für die jahresbestenliste an partys. war das line-up im april als eine kontinuierliche steigerung konzipiert, hatte ich dieses mal den eindruck, dass sich alle protagonist*innen auf die beiden großen säulen drum&bass sowie dubstep konzentrieren und die abseitigen töne etwas zu kurz kamen. aber: jammern auf hohem niveau. funktioniert hat das bestens.

erstmal zum hauptkritikpunkt vom april: handhabung der schlangensituation. zur transparenz: ich hatte erstens ein ticket und zweitens einen platz auf der skipliste. somit stand ich lediglich fünf minuten vor der tür und habe damit eine verzerrte idee davon, wie es den rest der zeit gewesen sein muss.
der andrang war jedenfalls zu dem vor vier monaten vergleichbar, aber die beschilderung wesentlich klarer. die schlange am berghain entlang richtung park für ticketinhaber*innen (und sie reichte auch bereits bis zu den betonbänken am parkein- bzw. -ausgang), links daneben die für die gästeliste (was im april noch nicht so klar ausgewiesen war), wofür wie beim letzten mal einer der türsteher zuständig war. die „normale“ schlange für die abendkasse reichte bereits locker bis zum kiosk.
ich habe in der kurzen zeit beim anstehen nicht mitbekommen, dass irgendwer aus der schlange für die abendkasse hineingelassen oder abgelehnt worden ist – stattdessen klare priorisierung der ticketschlange. bei der gästeliste standen in der zeit nie mehr als fünf leute. taschenkontrolle lief ebenfalls flott.
ich habe später gehört und bei reddit gelesen, dass leute in der abendkassenschlange bis zu zwei stunden gewartet haben und wäre sehr daran interessiert, ob der eindruck bei ihnen ein völlig anderer ist als bei mir. für meine begriffe lief das alles um längen besser als im april.

die panorama bar war gegen 22:45 uhr jedenfalls halbvoll, daher kurze zweifel meinerseits, ob die öffnung des berghains ab 23:00 uhr arthur zu sehr besucher*innen kostet. ihn habe ich leider nur im hintergrund beim zweiten kaffee des abends wahrgenommen – war jedenfalls dub zu beginn, später langsamere tracks mit 4/4-kickdrum (keine ahnung, ob das als amapiano durchgeht – ich habe bei ihm auch nichts shazamt).
esposito ist mein gewinner des abends. diverse reef-warm-ups hat er dort auf beiden floors gespielt, somit ließ er auch keinen zweifel daran, dass er weiß, was zu tun ist. erste halbe stunde ambient, dann kurzzeitig abstraktion, womit er andeutete, dass er erstmal in richtung dubstep gehen könnte. hat aber durch polyrhythmie einfach mal auf drum&bass beschleunigt und blieb für mehr als zwei stunden konsequent dabei. anfangs durchaus mit betonung auf halftime, in seiner letzten stunde durchaus vorwärts. damit hat er auf der einen seite schon sehr früh eskaliert, auf der anderen aber auch nicht zu sehr. meine sorge wegen des füllgrades war schon kurz nach 1:00 uhr unbegründet: die tanzfläche ging mit und die leute hatten die wahl, ob sie gemütlich zu 85 bpm wippen oder schon früh beim doppelten tempo gas geben. jede*r ging auf ihre*seine weise mit, was seinem ansatz wiederum recht gibt. ich hab von ihm vor ort noch kein schlechtes set gehört – das gehört aber für mich zu einem seiner besten.
headhunter ist weniger hektisch als vor zehn jahren und hat entsprechend seines damaligen alias dubstep-lastiger mit ausflügen zu technoideren oder breakigen tracks gespielt. da ich noch einen dritten kaffee brauchte, war ich zeitweise oben. dort wirkte jan loup für mich unschlüssig, wohin es mit der spannung jetzt gehen soll. einen loop hat sie in der zeit von (gefühlt) 140 auf 160 bpm beschleunigt, damit die grundlage für footwork gelegt, aus der kategorie einen eher jazzigeren track gespielt und das tempo gleich wieder gedrosselt. mag sein, dass der rest des sets schlüssiger war – ich fand headhunter im direkten vergleich besser.
darwin und dbridge mit dem, was mensch erwarten konnte: drum&bass für die peaktime. die von dbridge durch autonomic und exit records kultivierte reduktion fand zwar auch statt, aber nur zum durchatmen. geht es nach dem unvermögen von shazam, das die meisten der tracks nicht identifizieren konnte, ist davon einiges unveröffentlicht. als b2b hat’s jedenfalls super funktioniert – mir war jedenfalls nicht klar, wer welchen track spielte, wenn ich nicht richtung dj-pult geschaut habe. spricht für inhaltliche geschlossenheit.
die abstecher nach oben zu le motel & magugu sowie carré und dubrunner waren daher eher kurz. magugu ist mir erst durch „militant don“ zusammen mit mala ins sichtfeld gerückt und hat ein set, das sich um die 140 bpm abgespielt und um dubstep, breaks sowie techno oszilliert ist, an den passenden stellen mit toastings untermalt. schönes komplettpaket.
carré und dubrunner haben als duo bei ähnlichem tempo inhaltlich ebenfalls bestens harmoniert, so dass ich bereits um 6:30 uhr bedauerte, dass meine kondition es nicht mehr bis zum schluss packen wird. zwar gab es gegen 5:00 uhr den von vergangenen ausgaben bekannten knick bei der besucher*innenanzahl, der wieder mal zu lasten der panorama bar ging und im berghain kaum zu merken war. allerdings waren meine befürchtungen angesichts der insgesamt niedrigeren besucher*innenanzahl (die nicht an mangelndem andrang lag, sondern vielmehr an der konsequenteren türpolitik) auch wieder mal unbegründet: im schlimmsten fall war die panorama bar „nur“ halbvoll und eine viertelstunde später wieder angenehm gefüllt. damit war die entspanntere fülle als hauptqualitätsmerkmal der reef zurück: selbst im berghain kam mensch jederzeit problemlos durch. wenn leute meinen, sich auf der treppe zur panorama bar koordinieren zu müssen, ist das nicht dem berghain oder der reef anzulasten.
bei alix perez dachte ich anhand seiner produktionen (und der häufigkeit, mit denen seine drum&bass-tracks bei vergangenen ausgaben gespielt worden sind), dass er tempotechnisch direkt an seine vorgänger*innen anschließt. weit gefehlt: er nahm es heraus, indem er dubstep spielte und mich daran erinnerte, dass sein album „sabotage“ aus diesem jahr exakt aus diesem stil besteht. auch hier: große unkenntnis der tracks meinerseits, großes schulterzucken bei shazam andererseits. die gänsehaut-momente um 7:00 uhr herum nehme ich jedoch als eine der prägenden erinnerungen an die reihe mit. eigentlich wollte ich schon seit einer halben stunde auf dem heimweg sein, aber er hatte sich einfach mal für dubstep der dystopischsten sorte entschieden und das publikum war sowas von gut dabei, dass ich schon froh war, als er um 7:15 uhr auf drum&bass wechselte. nicht, dass ich davon über diese funktion one jemals genug bekommen könnte, aber bis zum schluss bei dem tempo durchzuhalten war dieses mal beim besten willen nicht möglich.

ergo: leichte abstriche in bezug auf die musikalische diversität, was sich aber in erster linie auf das berghain bezieht. die im vergleich zum april entspanntere stimmung und die in ihren jeweiligen stilen echt guten sets machten das jedoch mehr als wett. wenn ich die wahl hätte, bevorzuge ich das im vergleich zur leichten überfülle vom april, um ehrlich zu sein.
ich hoffe sehr, dass der andrang bei der letzten ausgabe in drei monaten von der tür genauso gut gehandhabt wird und wünsche der reef zum abschluss ein ebenso tolles publikum wie dieses mal. ich nehme mir fest vor, dann von anfang bis ende zu bleiben und weiß schon jetzt, dass das für mich ganz schön sentimental wird.

notierte tracks

esposito

alphaxone & dronny darko – shadow constellation
speedy j – fill 3
alva noto – xerrox monophaser 2
walton – before the storm
j:kenzo – silentium (path of tranquility)
special request – transmission
ishan sound & hodge – c5
taelimb – depth charge
rockwell – underpass (alix perez remix)
indigo – volta
bredren – the sewers
submarine – revenge of my warrior
effra – in breaks we trust
skeptical & loxy – krakoa
visages – sirius
s.i.n. – you are real
alix perez & skeptical – elephant dreams
bredren – hedgehog
teej – chagrin
hlz – roadblock
bredren – poor lock
teej & scepticz – turbulence
humanature & dub signalz – subsonic funk
breakage – as we enter (break remix)
goldie – demonz (gremlinz & jesta remix)
wagz – simple thing
teebee – fingerprints

headhunter

kode9 vs. badawi – den of drumz
hijinx, nina & rotate – smear
ehua & flore – helix
d:enigma – bad slander

jan loup

norecall – response
dusty – desolate (wz remix)

darwin b2b dbridge

mystic state – hemisphere(vip mix)
skeptical – playground chat back
circuits – drench
digital – gateman

le motel & magugu

blawan – talatone

carré & dubrunner

yraki – percolate
invt – estudios internos
oddkut – the mystery lights

alix perez

alix perez – rush them

[berlin / 10.11.2023] berghain: reef

letzte ausgabe in diesem jahr mit einem line-up, das die vorfreude eigentlich schon in ungesundem ausmaß steigert.

reef

berghain
00:00 ema
02:30 lee gamble
04:00 dbridge
06:00 darwin

panorama bar
22:00 esposito
02:00 nvst
04:00 toma kami
07:00 djrum

nachbetrachtung

mit einer mischung aus freude und aufkeimender sorge kann ich sagen: das konzept der reef scheint zuverlässig aufzugehen. das bringt jedoch auch mit sich, selbst den freitag schon ähnlich wie den sonntag planen zu müssen – und das in komprimierterer form, weil der einlass nur bis 7 uhr (also zum start des letzten djs) stattfindet.
will heißen: wie schon bei den vergangenen malen reichte die schlange schon um 23 uhr fast bis zum kiosk. an der gästelistenschlange war da noch nichts los, aber das sah zwei stunden später mit einer schlange bis zum geldautomaten auch schon ganz anders aus. dauerte dort eine stunde, wurde mir berichtet. und das ist schon eine neue qualität.

mensch könnte also eine sonntagabend-ähnliche fülle vermuten oder gar befürchten, aber auch hier das gleiche bild wie in den vergangenen ausgaben: der laden war gut, jedoch beileibe nicht überfüllt. und das mit den durchaus richtigen leuten: viele touristen, im schnitt eher jünger. aber: offen für viele stile und euphorisch noch dazu – diverse arme in der luft sowie rewinds bei dbridge waren jedenfalls eindeutig. bei ihm (und auch lee gamble) befürchtete ich jedoch kurz, dass sich die reef wie die sub:stance ihrerzeit dem techno-publikum andient. mit ein paar tagen abstand sehe ich das etwas milder: wenn es technoid war, dann wenigstens nicht für längere zeit auf die durchgängig einfach zu verarbeitende 4/4-kick beschränkt, sondern gebrochen. also das, was ich mir seit eh und je für klubnächte wünsche.

zwei wermutstropfen gibt es, wofür die reef jedoch nichts kann. ersteren lasse ich mittlerweile unter der kategorie „zivilisationskrankheit“ laufen: gruppen, die an neuralgischen punkten einfach stehenbleiben und sich erstmal beraten (das geht auf der treppe zur panorama bar besonders gut) oder ohne das bewusstsein für andere unschlüssig herumstehen.
als zweiteres (und das laste ich der berghain-personalpolitik an) der ausfall eines der security-mitarbeiter, als unten schluss war: ich kann die frustration verstehen, wenn die sprachbarriere im weg steht, nicht mehr ganz fitten besuchern zu verstehen zu geben, dass der umweg über das treppenhaus der panorama bar genommen werden muss, um nach unten zur garderobe zu gelangen. das hätte durchaus mehr worte erfordert als „nach oben zur panorama bar“. stattdessen wurde der besagte besucher beim dritten mal einfach grob weggeschubst. wäre ich fußballkommentator, würde ich floskeln wie „zu grobes einsteigen“ bemühen. zum glück war der dritte im bunde (begleiter des betroffenen besuchers) erfolgreich um deeskalation bemüht, aber eigentlich wäre dies aufgabe des personals. ich werde das noch minimal erweitert ans berghain schicken, ehe ich grummelnd in der ecke auf kontaktaufnahme warte.

damit endlich zum positiven, und das betrifft den ganzen rest.
esposito mit der gleichen dramaturgie wie ein jahr zuvor eine etage tiefer: dubstep zu beginn, drum & bass in den letzten anderthalb stunden. klar band die öffnung des berghains zu mitternacht erstmal wieder ein paar leute, aber im vergleich zu ema (ebenfalls dubstep zu beginn) hatte er für mich inhaltlich die nase vorne. wobei das jammern auf hohem niveau ist.
erst recht ab 3 uhr, wo mensch vor guter musik auf beiden floors wirklich die qual der wahl hatte. auch wenn das set von lee gamble unmissverständlich klarmachte, dass jetzt hart raven angesagt ist, hat diese reef die sonst so etablierte räumliche ordnung für meine begriffe auf den kopf gestellt. will heißen: die panorama bar empfand ich über den gesamten verlauf musikalisch wilder. das ging beim durchaus technoiden, rauhen stil von nvst weiter (shazam ließ mich hier im stich, daher leider keine beispiele), toma kami blieb mit fast schon miami-bass artigen sachen über 140 bpm und später mit jungle-anleihen auch sportlich. und das fazit zu djrum hat jemensch bei reddit schon sehr gut auf den punkt gebracht: fucking hell!
hatte ich es zuvor noch von meiner kondition abhängig gemacht, bis zum schluss zu bleiben, war es am ende ein leichtes. wie schon im spätsommer in der else: ein parforceritt durch stile (dancehall, dubstep, jungle, drum & bass, hardcore-techno, braindance) und tempi, was sich auf dem papier wie chaos liest. aber aus seiner hand ging das so stimmig ineinander, dass amateur-djs still nach hause schleichen und sich erstmal für drei monate in klausur begeben wollen, um nur mal annähernd in die nähe zu gelangen (ich rede von mir). konsequent mit vinyl auf drei decks, und auf einmal ist auch der sinn der effekteinheit am pioneer djm klar. eine auch beim schlusstrack um 10 uhr immer noch gut gefüllte panorama bar und langer applaus sprechen für sich.

damit habe ich das berghain nur stiefmütterlich abgedeckt, dabei war dbridge dort auch ein hochgenuss und der grund, weshalb ich toma kami nur ausschnittsweise mitbekam. auch wenn er gut anderthalb stunden eher auf techno-tempo unterwegs war, dachte ich wieder einmal schelmisch daran, dass gestandene drum & bass-veteranen den meisten der jüngeren djs zeigen, wie das ganze auch interessant geht. und das ohne holzhammer, sondern mit der reduzierten soundästhetik, wie er sie seinerzeit mit autonomic mitgeprägt hat. toll von anfang bis ende. da hatte darwin keine schwierigkeiten, mit drum & bass anzuknüpfen und später mit footwork und einem remix von kylie minogues „slow“ zu landen (sehr wahrscheinlich ein bootleg, das shazam natürlich nicht gefunden hat. wer da mehr weiß, kommentiert einfach.). ihr hätte ich es gegönnt, noch eine stunde länger als „nur“ bis 8 uhr machen zu können. voll genug wäre es gewesen und der stimmung hätte das auf beiden floors meinem eindruck nach nicht geschadet.

also wieder mal klasse mit großer stilvielfalt und ein dafür dankbares publikum obendrauf. schade, dass es nur drei termine im jahr sind. geht es nach dem andrang vor der tür (und meinen wunschvorstellungen), ist der bedarf nach mehr durchaus vorhanden. aber andererseits bleibt die reef damit auch ein termin, auf den mensch sich besonders freuen kann. für mich entwickelt sie sich nicht nur zu einem bloßen dauerkartenabonnement, sondern ist auf dem besten weg zur herzensangelegenheit.

trackauswahl (*: shazam)

esposito
kercha – new world*
11th hour – foolish* (direkt danach)
onhell – the rake it up riddim (korostyle remix)*
j:kenzo – hoodwinked
fixate – focus*

ema
dlx – matter of fact (breakage’s relatively speaking mix)*
baitface – disrobe*

lee gamble
icicle – dominate (former remix)*
jurango – drolle posse
blawan – rubber industry

dbridge
henzo – the prowl*
eich – bleak*
coen – rattlesnake*
boofy – more or less*
yoofee – seek & move (molokai remix)*
plastikman – hypokondriak (auf um die 160 bpm)
goldie – inner city life (break remix)
itoa – hush hush*

toma kami
special request – vortex 150
rebound x – rhythm & gash (samurai breaks bootleg)*

darwin
rdg – lemon (feat. ill chill)*
dub phisix & skeptical – marka (feat. strategy)*
dj rashad – work 07*

djrum
danny goliger & choopsie – cycling*
the duke of juke – feel my mf bass*
struktur – 1 (a1)
squarepusher – theme from ernest borgnine
happa – blackberreh!*
gila – trench cadence
sha ru – temporary iteration*
kimyan law – komorebi*